S.K.O.F.G.A. - Xenocyon Daemonicus - E-Book

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Xenocyon Daemonicus

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Beschreibung

Schon seit Äonen auf der Erde vorhanden. Es wird noch lange nach uns existieren. Bis in Milliarden Jahren. Was als ein dummer Zufall begann, wirkte sich gravierend auf die Evolution des Planeten aus. Erst recht, als ein kleines und unscheinbares Objekt auf der frühen Erde auftauchte und der Vielfalt des Lebens auf die Sprünge half...

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Seitenzahl: 721

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Xenocyon Daemonicus

S.K.O.F.G.A.

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Zeitstrahl

Ferne Beobachter

Hadaikum

Beginn

Proterozoikum

Erstes Leben

Protozoikum

Seltsames Idyll

Kambrium

Expansion der Arten

Ordovizium

Unter dem Urozean

Silur

Erste Landgänge

Devon

Gefährliche Tiefe

Erste Atemzüge

Schritte in ein neues Leben

Karbon

Sumpfwälder

Der Landgang – komplett vollzogen

Perm

Landbewohnende Vielfalt

Wanderungen

Trias

Neue Versuche

Urzeitliches Meer

Siegeszug der Archosaurier

Jura

Reich der Saurier

Seichtes Wasser

Weite Ebenen

Kreide

Heimliche Herrscher

Alles beim Alten?

Kataklysmus

Paläozän

Viel Raum für Neues

Eozän

Uralte Ordnung

Maximale Vielfalt – Teil eins, Laurasien

Maximale Vielfalt – Teil zwei, Afrika

Maximale Vielfalt – Teil drei, Südamerika

Oligozän

Rückgang der Vielfalt

Land der Huftiere

Land der Rüsseltiere

Land der Rätselhaften

Land der Beuteltiere

Miozän

Meeresriesen

Migration in zwei Richtungen

Knotenpunkt Eurasien

Weites Land

Südamerikas eigenständige Entwicklung

Australien, trockenes Land

Pliozän

Artenaustausch

Megafauna

Erste Menschen

Pleistozän

Alles, fast wie immer

Volles Land

Globale Vereisung

Veränderung

Holozän

Rückkehrende Wärme

Abnehmende Vielfalt

Verlust der Unschuld

Anthropozän

Raubbau

Rettung?

Exitus und Exodus

Post-Anthropozän

Aus leer mach voll

Eiszeit

Neustart

Neozän

Spuren der Vergangenheit

Rattenzivilisation

Pelagozän

Neueroberung

Meeresleben

Licht in der Dunkelheit

Wüstenräume

Xenozän

Wie in alten Zeiten

Fremde Formen

Alte Welt

Humidia

Endlose, trockene Weiten

Vergessenes Land

Alles schon einmal da gewesen?

Aridia

Überlebenskampf

Auf verlorenem Posten

Rotland

Abgesang

Nachwort:

Impressum neobooks

Zeitstrahl

Ferne Beobachter

- Frei übersetzt aus der allgemein gebräuchlichen galaktischen Intersprache -

Dieser Planet am Rande einer doch recht unbedeutenden Galaxie, noch blutjung, sah sich von Anbeginn seiner Entstehung an, den Elementen des Universums schutzlos ausgeliefert, als zum Beispiel ein ebenso junger, kleinerer Planet mit diesem kollidierte, wodurch sogar im Laufe der Zeit ein Mond entstanden war.

Ein Ereignis, welches seit dem Entstehens dieses Universums in der hochtechnisierten Welt der frühesten raumfahrenden Spezies einiges Aufsehen erregt hatte. Nicht so bedeutend, wie so manche Supernova, ein Gammablitz oder der Zusammenprall zweier Galaxien.

Ganz zu schweigen von einem Jahrmillionen andauernden Sternenkrieg mit Tausenden verfeindeten Parteien, der doch mal dem einen oder andere Sternensystem das Leben entzog. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und auch wenn es hier und da noch einige Scharmützel gab, wurde alles ermöglicht, die Ausbreitung von Leben oder den Austausch von Materie oder die Umwandlung von Materie in Energie oder umgekehrt zu erforschen.

Auf molekularen Maschinen basierende selbstständig denkende Speichersonden mit einer Energiequelle auf anti-nuklearer Basis versehen, wurden kreuz und quer durch das All geschickt. Entweder, um gute wissenschaftliche Arbeit zu leisten, oder um lediglich die Massen mit spektakulären Bildern zu unterhalten.

Wie in diesem Fall die Kollision zweier Gesteinskörper, von denen der eine noch rot glühte. Frisch entstanden, noch keine fünfhundert Millionen Jahre alt, zog dieser seine Bahn um seine nicht viel ältere Protosonne, die zumindest bereits ihre Initialzündung hinter sich hatte und die ersten Prozesse der Kernfusion startete. Vorerst nur aus Unmengen Wasserstoff bestehend, verschmolz dieses einfache Element schon zu den ersten wenigen Heliumatomen.

Ein anderer Himmelskörper kreuzte nämlich zu diesem denkwürdigen Zeitpunkt die Bahn und alles starrte gebannt auf die Übertragungsgeräte und hielt – soweit anatomisch möglich – den Atem an.

Man verfolgte das Ereignis als Sensation: Der Zusammenstoß zweier Planeten, bei dem der kleinere vom größeren, der noch nicht einmal einen Wasserkreislauf sein eigen nannte, geschluckt wurde. Massen von Partikeln verließen das, was einmal eine Lufthülle werden mochte und schwebten frei im Vakuum des planetaren Orbits.

Natürlich ging das nicht von heute auf morgen – je nach dem von welcher Zeitrechnung man sprach – aber interessant war es schon, wie die freien Partikel nach und nach zusammenfanden und die Gravitationskräfte dafür sorgten, dass kleinere Teilchen von größeren wie magnetisch angezogen wurden, die so etwas wie Gesteinsklümpchen bildeten, welche sich in größeren Haufen zusammenfanden, mehr und mehr verdichteten, ehe sie eine kompakte, weiße Kugel formten, die den Planeten in einem gewissen Abstand umkreiste. Akribisch verfolgte man die Entstehung dieses Trabanten aus allen möglichen Blickwinkeln und bis auf die Attosekunde genau, auch wenn der Prozess mehrere Millionen Jahre andauerte, ehe man sich wieder neuen und interessanteren Sachen zuwandte.

Diese hochentwickelten und sehr robusten Minisatelliten, welche in regelmäßigen Abständen um den Planeten herum stationiert waren, hatten nur einen winzigen aber entscheidenden Konstruktionsfehler: Ihre Sendestrahlung war aufgrund ihrer fast unerschöpflichen Energiequelle hochenergetisch. Auch, wenn sie für das Leben selbst recht unschädlich war, neigten Lebensformen, wenn diese sich im näheren Umkreis zu so einem Gerät befanden, zu spontanen Mutationen, beziehungsweise Evolutionssprüngen.

Absichtlich solche Erbgutveränderungen auf jungfräulichen Welten auszulösen, gehörte nicht unbedingt zum guten Ton. Längst war man überein gekommen, dass sich neues Leben möglichst ungestört entwickeln sollte und nicht Knall auf Fall...

Was man aber nicht rechtzeitig verhindern konnte, weil man es einfach nicht mitbekam, war, dass einige der klitzekleinen Beobachtungs- und Auswertungssatelliten – von einer riesigen Protuberanz der Sonne getroffen, verdampft wurden. Bis auf eine einzige, welche sich rasant auf den kleinen Gesteinsplaneten zubewegte, der selbst nach der langen Zeit noch immer durch den Karambolage der beiden Protoplaneten aufgewühlt glühte.

Ein Vorgang, der vor dem Zusammenprall der winzigen Objekte eigentlich schon fast vorbei war. Aber so ist es eben. Irgendwas ist ja immer...

Als man mitbekam, dass einige der Minisatelliten nicht mehr sendeten oder schlimmstenfalls ausgefallen waren, ärgerte man sich etwas, zumal man aufgrund der Interferenzen durch die neu gebildete Atmosphäre ihre Position nicht mehr ermitteln konnte. Wenn die Dinger überhaupt noch funktionierten...

Auf jeden Fall waren nicht nur die Daten dieser Apparaturen futsch, sondern höchstwahrscheinlich auch die Einheiten selbst, deren Verschwinden zwar bemerkt wurde, aber es nunmehr unmöglich war, sie wiederzubeschaffen. Man schrieb die fehlenden Sonden ab, während man die übrigen wieder einsammelte und überließ den noch recht jungen Planeten sich selbst.

Darauf kam es eigentlich nicht mehr an; die Sonden konnte man zu Billionen neu produzieren, aber die Informationen, welche die vermissten Geräte enthielten... Um die war’s geschehen...

Hadaikum

vor 4600 – 3800 Ma

Beginn

Der neue Planet – der dritte in diesem noch jungen System – wurde, nachdem sich die Aufregung und das Interesse an ihm gelegt hatte, genau wie sein Mond, kontinuierlich von Kometen und Meteoriten beschossen, die zwar einerseits seine noch fragile Hülle aufrissen, andererseits auch Wasser mitbrachten, welches sofort auf der glühenden Oberfläche verdampfte, aber aufgrund der Schwerkraft in der noch dünnen Atmosphäre im gasförmigen Zustand verblieb.

Eine Vielzahl von Kratern zierte die Gesteinskruste des Wandelsternes, die nur unterbrochen waren von riesigen Vulkanen und Flüssen und Seen aus Lava, Schwefeldämpfen und schwarzem Rauch überall in der Atmosphäre.

Das Sonnenlicht drang so fast nicht auf den Boden durch. Ein Beobachter hätte – wenn sich denn einer in dieser Gluthölle aufgehalten würde – das Zentralgestirn maximal als eine sehr vage erscheinende Scheibe am Himmel ausmachen können, die sich zu dieser Zeit recht schnell über den Himmel bewegte.

Die Tage waren kurz; sie dauerten nur wenige Stunden. Aber langsam wurde es spürbar, dass der neu entstandene Mond die Eigenrotation seines Planeten sichtbar verlangsamte.

Anfangs waren es nur fünf Stunden; einige Millionen Jahre später betrug die Tageslänge bereits fünfeinhalb... sechs... und so weiter.

In dieser Zeit wurde der Himmelskörper vom Beschuss durch Kometen und Meteoriten gezeichnet. Erstere brachten sogar weiteres Wasser in Form von Eis mit, welches sofort verdampfte und in der Atmosphäre verblieb. Noch wesentlich länger dauerte es, ehe der Himmelskörper eine Abkühlung erfuhr und das Limit des Siedepunktes unterschritt, wodurch der Wasserdampf der Gashülle kondensierte und zu Boden regnete.

Ein Millionen Jahre andauernder Regen setzte ein. Ein ziemliches Mistwetter eigentlich. Welches aber einen neuen Prozess in Gang brachte: Einen Wasserkreislauf, der neben der weiteren relativen Abkühlung dafür sorgte, dass tiefer gelegene Flächen mit dem neuen Element in dem ebenso unbekannten Aggregatzustand befüllt wurden, die stellenweise durch neue Vulkanausbrüche wieder verdampften, um dann an anderer Stelle wieder herabzuregnen, wodurch sich nach geraumer Zeit auch Schneisen ins Urgestein fraßen, die somit ersten fließenden Gewässern die weiteren Wege vorgaben. Flüsse etablierten sich und ergossen sich in Senken, welche sich zunehmend füllten und Ozeane entstehen ließen. Stellenweise auch Krater- oder Binnenseen, die den Landschaften des bisherigen reinen Gesteinsplaneten ein neues Gesicht verliehen.

Ebenso der Atmosphäre, welche zwar immer noch mit dicken, lichtundurchlässigen, dunklen Wolken aus Wasserdampf bedeckt war, die aber nunmehr einen anderen Charakter aufwies. Kein Schwefel mehr, Vulkanasche oder Methan, sondern hauptsächlich aus Stickstoff und Kohlendioxid bestand die Lufthülle.

Etwa eine Milliarde Jahre nach dem Entstehen des Planeten – nennen wir ihn einfach „Erde“ oder „Terra“ – bildeten sich in vulkanischen Schloten der Tiefsee – den sogenannten Rauchern – neuartige Molekülverbindungen.

Solche, die in den meisten älteren Systemen wesentlich häufiger waren. Langkettig und auf Kohlenwasserstoffen basierend.

Waren sie anfangs nur durch Methan vertreten, wurden sie später immer komplexer. Alkane, Alkene und Alkine bildeten sich. Auf deren Basis in Verbindung mit Sauerstoffatomen entstanden diverse Alkohole und Saccharide. Langkettigere, komplexere organische Verbindungen, wie Citronen-, Ameisen-, Essig-, und anderen organischen Säuren tauchten auf. Glycerine, Fettsäuren, Ester, Amino- und Nukleinsäuren setzten diesen Trend fort. Jedoch zerfielen sie mehrfach durch Einwirkungen kosmischer Strahlen, weiterer exoplanetarer Beschüsse durch kleinere Himmelskörper oder anderer Katastrophen wieder und entstanden wieder neu. Immer in dem Bestreben, sich wieder zu verbinden und noch kompliziertere, aber stabilere Molekülketten zu etablieren.

Als Ribonukleinsäuren auf der Bildfläche erschienen, wurden diese sogar replizierbar. Neues Leben auf primitivster Stufe entstand. Auch wenn es sich dabei um primitive Lebensformen, wie Prionen handelte, die allerdings keinen eigenen Stoffwechsel besaßen, aber andere frühe RNS-Fragmente als Wirte benutzten. Aber immerhin: Leben.

Proterozoikum

vor 3900 – 800 Ma

Erstes Leben

Hunderte Millionen Jahre später überzogen erste Matten aus Lebensformen die Gewässerböden, die auf RNA-Molekülen aufbauender und in einer Doppelhelix verdrehten DNA basierten. Prokaryoten, sogenannte Archaeen, die Schwefel, Stickstoff oder andere freiliegende Stoffe abbauten und ansonsten nichts anderes taten, als sich zu teilen.

Etwa zu der Zeit, als ein seltsames Objekt abstürzte, welches direkt an einer Stelle landete, in der einige schwarze Raucher bereits Matten von derartigem Protoleben beherbergten.

Der Gegenstand wies eine kugelförmige, winzige Gestalt auf und brachte eine fremdartige Strahlung hervor, die dafür sorgte, dass sich Veränderungen in der Erbmasse, die sich so schon in der Teilung der Archaeen einschlichen, explosionsartig potenzierten und etablierten.

Neuartige Arten entstanden und somit neue Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung dieser ersten Lebewesen, die meist aus einem langgestreckten, abgerundeten Körper mit Geißeln bestanden, die als einzige Organellen freie DNA-Stränge, das Zellplasma und die Zellmembran beinhalteten.

Aufgrund der wachsenden Konkurrenz um Nahrungspartikel entledigten sich einige Vertreter primitiver Einzeller bestimmter Teile ihrer Erbmasse und ihres Stoffwechsels, um sich als Viren an ihre Wirte zu heften, deren Erbgut umzuschreiben und in Kopien ihrer selbst umzuwandeln.

Eine Art von Einzellern ging einen ganz anderen Weg: Sie brauchte nicht einmal mehr Schwefel oder Stickstoff, sondern konnte mit Hilfe von Licht Kohlendioxid und Wasser in Zucker umwandeln, wodurch Sauerstoff frei werden konnte. An sich kein Problem, wenn dieses Gas für die meisten anderen Arten nicht ein tödliches Gift wäre. Und durch diese besonderen Lebewesen reicherte sich immer mehr davon sowohl in der Atmosphäre als auch im Wasser an und bereitete all den Archaeen oder anderen frühen Formen einige Probleme.

Viele Spezies starben aus, aber einige wenige kamen bestens zurecht. Cyanobakterien waren da zu nennen, die das Ganze eigentlich mit verursacht hatten, so wie alle anderen Licht assimilierenden Bakterien.

Andere Lebewesen gingen neue Wege. Sie brachten es zustande, dieses bisher als tödliches Zellgift geltende Atemgas gefahrlos in ihren Stoffwechsel zu integrieren – Sauerstoffatmer.

Manche begannen jedoch, kleinere Spezies zu fressen, um sich mithilfe dieser Nährstoffe durch weitere Kopien von sich selbst zu verbreiten.

Einige unter ihnen wurden nicht vollkommen einverleibt, sondern gingen Symbiosen mit ihren ehemaligen Fressfeinden ein. Sich mit Geißeln frei im Wasser bewegende, schwefelliebende und sauerstoffatmende Einzeller fusionierten zu einem Organismus und bildeten das Reich der Tiere, während weitere zusätzlich noch fotosynthetische Bakterien in ihren eigenen Organismus integrierten. Somit entstanden bereits jetzt die drei Reiche des Lebens: Das Tierreich, das Pilzreich und das Pflanzenreich und die Sauerstoffkatastrophe, welche die erste Aussterbewelle verursachte, wurde kein Problem mehr.

Die Rotation des Planeten und des Eisenkerns brachten schon seit Milliarden Jahren ein Magnetfeld in Gang, welches auch die Sonnenwinde von der Erde ablenkte.

Insgesamt ein wirkungsvoller Schutzschild gegen den lebensfeindlichen Kosmos. Zumal der jetzt vorhandene Mond die Rotation sichtlich verlangsamte und somit das Wetter moderater wurde als jemals zuvor und die Tage dadurch auch länger wurden.

Als einen Nebeneffekt des nun freien Sauerstoffs wurde Terra allmählich von einer Ozonschicht umgeben, welche in der Lage war, zusätzlich UV-Strahlung weitestgehend von der Oberfläche fernzuhalten.

Die Bildung von Symbiosen wurde auf die Spitze getrieben, als weitere Bakterienarten in die bereits fusionierten Zellen mit eingeschlossen wurden, wodurch diese neue Zellorganellen bildeten.

Mitochondrien, Ribosomen, Lysosomen, Endoplasmatische Retikulen – bei Pflanzenzellen noch die Chloroplasten. Was als Neuheit hinzu kam: Der Zellkern, der die DNA, beziehungsweise die Chromosomen schützte. Eukaryoten entstanden. Die ersten Zellen mit Kern.

Jedoch fraßen die tierischen Einzeller aktiv, während Pilze eher totes organisches Material zersetzten. Pflanzliche Zellen hingegen taten nichts weiter als Fotosynthese zu betreiben.

Insgesamt vermehrten sie sich wie ihre Ahnen, die Prokaryoten, durch Mitose. Sie teilten sich, teilten sich, teilten sich... Als zweite Lieblingsbeschäftigung fraßen sich manche Arten gegenseitig.

Aber nicht immer und nicht überall. Zellen gleicher Arten tauschten auch untereinander genetisches Material aus. Ein Vorgang, der einer Teilung nur auf die Weise ähnelte, dass sich die Chromosomen spalteten und sich gleichmäßig zwischen den beiden Beteiligten aufteilten, sodass jeder von ihnen am Schluss das halbe ursprüngliche Material und die zweite Hälfte vom Partner erhielt, sodass beide Zellen von nun an dieselben Gene erhielten und somit zu neuen Individuen wurden. Dadurch entstanden eine Art erste Netzwerke, basierend auf DNA-Abgleich der jeweiligen Spezies als befruchtungsähnlicher Vorgang.

Einige Arten mochten dies auf die Spitze getrieben haben, dass es ihnen über einen Zwischenschritt nur noch möglich war, sich fortzupflanzen, wenn sie mit einem Artgenossen genetisches Material tauschten.

Einige von ihnen prägten zwei Geschlechter aus und reproduzierten sich von nun an sexuell. Mittels Meiose bildeten sie nun keinen diploiden sondern einen haploiden Chromosomensatz und konnten sich nur noch vermehren, wenn sie einen passenden Partner des anderen Geschlechtes fanden. Eizellen und frei bewegliche Samenzellen entstanden. Nicht nur das: Die Sterblichkeit entstand. Sobald sich die Elternzellen vereinigten, starben sie ab, sodass die neue Generation das Feld übernahm.

Weitere Arten begannen, sich unvollständig zu teilen und bildeten Zellkolonien, die sich nicht voneinander trennen würden. Erste Vielzeller trudelten von nun an durch den Urozean.

Insgesamt wurde diese zirka drei Milliarden Jahre dauernde Entwicklung durch die fortwährende Bestrahlung durch das winziges Objekt begünstigt, welches aufgrund einer kleinen Fehlfunktion während seines Eintrittes in die Atmosphäre den Meeresströmungen hilflos ausgeliefert war, welche einerseits durch Wetterphänomene und durch Kontinentalverschiebungen aufgrund unterirdischer Magmaströme, hervorgerufen wurden.

Der Superkontinent namens Rodinia spaltete sich erstmals in einzelne Bruchstücke auf.

Protozoikum

vor 750 – 542 Ma (580 – 542 Ma Ediacarium)

Ab hier benutze ich eher die wissenschaftlichen Bezeichnungen für die Lebewesen – der Autor.

Seltsames Idyll

Kontinentalplatten und die wesentlich schwereren ozeanischen Platten, die sich angetrieben durch die Magmaströme aufeinander zu, voneinander weg oder aneinander vorbei bewegten, veränderten unmerklich langsam das Gesicht des Planeten.

Nicht nur das Aussehen, sondern auch die Meeres- und Luftströme wandelten sich, Gebirge wölbten sich auf oder wurden abgetragen. Diese bildeten auch Barrieren gegen Wind und Regenwolken, sodass auch der Wasserkreislauf in stetigen Wandel geriet.

Vor allem die Meeresströmungen bestimmten das Klima des Planeten, gepaart mit der Neigung der Erdachse und einem Wechsel im Erdmagnetfeld, fingen die Pole des Planeten zu vereisen.

Aus einer ehemals glühenden Hölle, die bald durch ein globales Unwetter zu einem Gesteinsplaneten mit freiem Wasser wurde, entstand nun ein Eisplanet, dessen Leben nun erneut an einen Wendepunkt geriet. Von einem Extrem ins andere sozusagen.

Viele der alten Arten, die es bis hierher geschafft hatten, starben ab. Und aus.

Nachdem sich viele Millionen Jahre später das Klima wieder erwärmte, blühte das Leben erneut auf. Zudem geriet um diese Zeit die Sauerstoffkatastrophe zu etwas, was dem Leben auf der Erde eine neue Stabilität verlieh, und zusätzlich einen weiteren Vorteil bot: Die Lufthülle, die bisher nur aus Stickstoff und Kohlendioxid bestand, gewann ein weitere freie Substanz hinzu. Sauerstoff, welcher in den obersten Luftschichten auf die Strahlung reagierte und sich zu Ozon verband. Ein Gas, welches sehr erfolgreich die harte UV-Strahlung der Sonne daran hinderte, bis zum Boden vorzudringen.

Die Vielzeller, die sich in dieser Zeit ans Leben klammerten, erlebten neben den verbliebenen Einzellern, Bakterien und Viren eine neue Blüte.

Gerade letztere begannen nun, nicht nur Einzeller anzugreifen, um sich zu vermehren. Erste Krankheiten entstanden somit.

Aber auch etwas Neues. Neben vielzelligen Algen, die an der Meeresoberfläche und an den Uferzonen trieben, etablierten sich nun vielzellige Lebewesen, die besonders im Flachwasser Fuß fassen konnten. Die ersten Reiche des Lebens: Pilze, Pflanzen, Tiere und einige mehr. Noch winzig, aber schon zum Teil frei beweglich, verbreiteten sie sich zusehends...

Nach einigen Milliarden Jahren einzelligen Lebens erlebten Vielzeller einen ersten Boom. Wurmähnliche, längliche, flache, mit einer rippenartigen Struktur versehene Spigginas und ihnen ähnliche, aber viel kürzere, tropfenähnliche Dicksonias, Vendias, Horodyskias, Parvacorinas, Yorgias und Vindermias wuselten auf dem Sand umher, die am Meeresgrund liegenden organische Partikel oder frei im Wasser treibende Schwebstoffe über die Haut aufnehmend.

Ähnlich taten es röhrenförmige, mit pflanzenähnlichen Auswüchsen versehene Pectinifrons, die zusätzlich in Symbiose mit einzelligen Algen lebten und in den Flachwasserzonen Sonnenlicht tanken konnten.

Nacktschneckenähnliche Kimberellas legten dabei ein viel geringeres Tempo vor, sich auf die gleiche Weise ernährend.

Alle beweglichen Tiere krochen unter anderem um blatt- oder federartige Charnias, Bomakellias oder Charniodiski herum, die jedoch am Boden verankert ihre Nahrung aus frei im Wasser schwebenden Organismen bezogen. Schwammähnliche Saarinas, Thectardis, Inarias und Swartpuntias, die oftmals die Form von nach unten spitz zulaufenden Kegeln aufwiesen, taten es ihnen gleich. Genau wie radial aufgebaute einfache Hohltiere, wie Bradgitia, Cloudinia, Vaveliksia, Haootia und Primocandelabrum oder erste festsitzende Stachelhäuter, wie Furnisia.

Bewegliche Stachelhäuter wälzten sich zwischen allen anderen Lebensformen umher, während erste Medusen, wie Cyclomedusa und Dentagramma frei im Wasser pulsierten.

Solzas und Tamgas als völlig fremdartige Gruppen ernährten sich von den sterblichen Überresten anderer Tiere.

Manche der Arten waren nicht zuzuordnen. Sie hatten einen kreisrunden, plattgedrückten Aufbau und wiesen konzentrische Muster an der Körperoberseite auf, die vage an drei- bis vielfach gezackte Sterne, Blüten, Sonnenräder oder Swastikas erinnerten.

Ausias und Yarnemias hatten eine Sonderstellung inne: Als Kaulquappen ähnelnde Larven frei schwimmend setzten sie sich bei ihrer Geschlechtsreife am Grund fest, verloren dann nicht nur ihren Fischschwanz sondern auch ihr Gehirn und ihre Sinnesorgane, welche sich während ihrer Umwandlung zurückbildeten und nahmen nun die Rolle völlig inaktiver Filtrierer ein.

Besonders an diesen Lebewesen war, dass sie Anfänge eines zentralen Nervensystems aufwiesen und einen vom Kopf bis zum Schwanz verlaufenden Nervenstrang.

Andere Tiere namens Praecambridium oder Lossinia taten sich auch durch eine gemeinsame Eigenschaft mit den seltsamen Rückensaitentieren hervor: Sie wiesen ebenfalls einen definierten Kopf auf, den viele der ediacarischen Formen nicht besaßen.

Vielzeller ohne Form und ausdifferenziertem Gewebe breiteten sich zudem überall aus, so wie Trichoplax, der an eine Art Schleimpilz erinnern mochte und vielleicht auch einer war.

Würmer verschiedener Art durchwühlten den Untergrund, wogegen in den Flachwasserzonen einzellige Stromatoliten erste Kolonien bildeten und riesige, poröse, knollenartige Strukturen hinterließen. Beeindruckender als es alle Vielzeller dieser Zeit tun konnten, die selten eine Größe von wenigen Zentimetern überschritten.

Während die ganzen Lebewesen wimmelten, trieben, filtrierten und pulsierten, brach ein Unterwasservulkan aus und beförderte einiges Material ins freie Wasser.

Das meiste davon war Gestein, Schwefel und eine Vielzahl mehr. Nur ein einziges Objekt war nicht natürlichen Ursprungs. Es hatte zwar nach so vielen Jahrmillionen schon eine leichte Patina angesetzt und an Volumen zugenommen, sandte dennoch eine starke Strahlung aus, während es im hohen Bogen aus den Tiefen des Ozeans über die Wasseroberfläche schoss, ehe es in der Nähe eines Strandes wieder mit einem kleinen Platscher hineinfiel. Auf dem, durch einen windstillen Tag, vollkommen spiegelglatten Wasser hinterließ es kurzzeitig kreisförmige Wellen, während es noch ein Stück weiter kullerte, ehe es inmitten einer Ansammlung von Funisias, Saarinas, Haootias und Ausias zum Liegen kam.

Praecambridien, Kimberellas spürten die plötzliche Veränderung und stoben davon, während die stationären Wesen kurz zusammenzuckten.

Kurz danach war der Vorgang wieder vergessen und das Ding wurde trotz seiner Fremdartigkeit in die Landschaft mit eingebunden, als wäre es bereits seit Ewigkeiten an dieser Stelle gewesen. Alles, was sich irgendwie bewegen konnte, kroch bereits wieder darüber hinweg, auf der Suche nach Bakterienmatten, die sich abweiden ließen. Manch eine Kolonie an Einzellern begann schon damit, sich schon daran festzusetzen und andere Wesen machten sich daran, sie wieder zu entfernen, was die Strahlung, die der Gegenstand aussandte, wieder verstärkte.

Schädlich war sie nicht, aber sie tauchte den näheren Umkreis um sich herum in ein Licht aus seltsamen Farben sowie innerhalb als auch außerhalb des normalen Spektrums, die in einem unberechenbaren Rhythmus zu fluktuieren schien.

Jedoch nicht wahrnehmbar für das Leben, welches – wenn überhaupt – nur mithilfe einfachster fotosensitiver Zellen gerade so Hell und Dunkel zu unterscheiden vermochte.

Neuerungen und Veränderungen in den genetischen Kodes aller Lebewesen in der Nähe des Gizmos nahmen so ihren Lauf, die vorher undenkbar waren, beziehungsweise noch wesentlich länger gedauert hätten und nicht so sprunghaft gewesen wären...

Allerdings wurde alles nie mehr wie zuvor. Veränderungen in der Art der Nahrungsbeschaffung einiger Formen sorgten dafür, dass bereits am Anfang einige der frühen Reiche des Lebens in sich zusammenfielen und nur noch drei davon übrig blieben: Pilze, Pflanzen und Tiere.

Kambrium

vor 550 – 510 Ma

Expansion der Arten

Die Welt veränderte sich im Laufe der Zeit zusehends. Inmitten der ersten Riffbildner aus Archaeocyantha- und Ethmophyllum-Schwämmen, und den ersten blumenähnlichen Anemonen, wie Eolympia, Columnaria, sowie Rugosa und Heliophyllum, die schon Kalzium anlagerten, aus denen sie Schutzbarrieren gegen die Unbilden der Natur bildeten, schwammen erste Rippenquallen und Quallen.

Es gab außerdem noch weitere Verursacher von Leitfossilien. Festsitzende Stachelhäuter, unter anderem primitive Seelilien, die es den Hohltieren gleich taten und Partikel aus der Strömung holten. Sogar im Fortpflanzungsverhalten waren sie diesen ähnlich: Eier und Spermien in die Strömung entlassen und hoffen, dass genug Nachkommen überlebten.

Schnecken mit spiralig gewundenem Gehäuse, wie Aldanella und Muscheln, wie Pojetaia, Fordilla, Camya oder Tuarangia krochen dazwischen herum oder setzten sich irgendwo fest. Andere Weichtiere, wie Hyolithidae mit ihrem kegelförmigen Gehäuse, dem muschelschalenähnlichen, wie ein Viertelkreis anmutenden Kopfteil und den seltsamen langen dünnen Fortsätzen an den Kopfseiten. Käferschnecken, einfach gehaltenen, an rugose Korallen erinnernde Tentaculitidae und Napfschnecken gaben ebenfalls ihr Stelldichein.

Außerdem lebten Graptolithen an dieser Stelle. Verwandte der Chordatiere, welche ähnlich den frühen Korallen in am Boden verankerten Kolonien aus vielen Einzeltieren bestanden und ebenfalls Strömungsfiltrierer waren. Die Strukturen, die von diesen seltsam anmutenden Geschöpfe geschaffen wurden, waren filigran, aber durch ihre gewundenen Spiralen recht beeindruckend.

Frühe passive Jäger waren die Hohl- und Nesseltiere, die bereits damit begannen, andere im Wasser schwimmende Lebensformen mit ihren langen, dünnen Tentakeln zu fangen, mithilfe ihrer Nesselzellen zu töten und sie sich einzuverleiben.

Erste Armfüßer schoben sich schwerfällig, durch ihre einfachen Schale gehindert, zwischen ihnen hindurch. Dazwischen taten es ihnen andere Tiere gleich: Neben schon fortgeschrittenen Weichtieren auch einfacher gestaltete Schnecken, wie Yochelcionella und Latouchella mit kegelförmigen, kaum gewundenen Schalen, bewegliche Stachelhäuter von verschiedener Art und Gestalt, Wiwaxias mit der an Fischschuppen erinnernden Außenhaut und den Messern gleichen Stacheln an der Oberseite. Hinzu kamen Lobopoden, wie Diania, Hallucigenia und Ayesheaia, die fast schon wie Gliedertiere aussahen und, noch augenlos, kleine organische Partikel im Schlick fraßen, während es größere Tiere, wie Fuxianhuias auf schon größere Brocken abgesehen hatten.

Freie wurmähnliche, bis segmentierte Schwimmer, wie Kerygmachela, als Vorläufer von gegliederten Tieren allgemein oder Canadaspis – als ein früher Vertreter der Krustentiere – filterten das Plankton aus dem freien Wasser.

So wie es fischartige Chordatiere, wie Pikaia, Metaspriggina, Banffia, Nesonektris, Didazoon oder Pomatrum taten. Allesamt ähnelten diese Tiere oberflächlich kleinen Fischen, deren Vorgänger sie einst werden würden. Nur ohne nennenswerte Augen.

Plötzlich störte etwas die Ruhe und Idylle der sonnenbeschienen frühen Riffe: Ein für die Verhältnisse großer, mit etwa zehn Zentimeter Länge fast zylindrischer Körper schob sich mittels seiner Ruderfortsätze entlang der Seiten des flacheren Rumpfes durch den sandigen Meeresboden. Auf der Suche nach Nahrung wühlte ein langer Rüssel, der aus dem Kopf ragte, durch den Boden in jede Ritze, die er erreichen konnte. Der Fortsatz endete in einer Art schnabelförmigen, mit zahnähnlichen Strukturen bedeckten Greifer.

An und an griff das Organ nach Würmern, Lobopoden, Manteltieren oder nach Freischwimmern – also generell nach allem, was sich bewegte oder irgendwie bemerkbar machte – wenn er diese erreichen konnte.

Mit seinen auf kleinen Stielen an der Kopfoberseite sitzenden fünf Komplexaugen konnte der frühe Räuber mit dem Namen Opabinia sein Greif- und Fressorgan gezielt einsetzen, während er sich durch seinen Lebensraum schob.

Was von der jeweiligen Mahlzeit zu Boden fiel, genehmigten sich verschiedene Resteverwerter, wie Eoconodontus, der vom Aussehen her an einen Schleimaal erinnerte oder frühe Trilobiten, wie Olenelles, Peronopsis oder Paradoxides, die noch augenlos, aber ihre Fühler mit deren hervorragenden Tast- und Geruchsrezeptoren zum Aufspüren ihrer Nahrung gebrauchten.

Die Körper der fernen Verwandten dieses Raubtieres waren flach, sowohl längs, als auch quer dreigeteilt. Der Kopf mit den sehr langen Fühlern befand sich vorne, der Mund war nach unten und hinten zugleich gerichtet, die Seiten der Körpermitte waren segmentiert, unter diesen befanden sich entlang einer Mittellinie kurze, ebenfalls gegliederte Beinchen. Der hintere Bereich war bei den meisten Arten starr, wie der Kopf, bei anderen flexibel wie der Mittelteil.

Vor der Hut mussten sie alle vor den frei schwimmenden Top-Räuber sein: Den Anomalocariden. Ähnlich, wie Opabinia gebaut, mit zahlreichen Ruderfüßen entlang der Seitenlinien und zwei Greiffortsätzen statt des Rüssels mit dem Greifschnabel in der Nähe der Mundöffnung, ebenfalls zwei großen Komplexaugen an der Kopfoberseite und einer starken Panzerung aus Chitin ausgestattet, machten diese Gliedertiere mit einigen Arten die kambrischen Meere unsicher.

Peytoia, Parapeytoia, Pambdelurion, Hurdia und Amplectobelua als die kleineren Vertreter dieser Familie von ersten Beutegreifern und Anomalocaris als den Größten unter ihnen mit einem Meter Länge.

Einige urtümliche Chelicerata namens Kodymirus – entfernte Vorfahren von Spinnen und Skorpionen – bemerkten, mit einfachen Sehorganen ausgestattet, einen wesentlich größeren und bedrohlicheren Schatten, der sich unter der von den Strahlen der aufgehenden Sonne glitzernden Meeresoberfläche abzeichnete und wichen diesem gekonnt aus, indem sie versuchten, sich – genau wie die Trilobiten – im lockeren Sand einzugraben oder sich in die nächstbeste Spalte der frühen Riffe oder des Gesteins zu verkriechen.

Dabei benutzten sie ihre fünf Beinpaare, die sich unter dem Kopfbrustbereich ihres ansonsten gegliederten und langen Hinterleibes befanden, der in einer Art kurzem Stachel endete.

Der primitivere fünfäugige Bodenräuber hatte das Nachsehen. Bei dem großen Schatten handelte es sich tatsächlich um einen Anomalocaris, der sich die fette Beute nicht entgehen lassen wollte.

So schnell der Spitzenräuber es vermochte, schoss er auf den Meeresgrund zu, fuhr seine beiden Mundwerkzeuge aus und packte zu, so blitzartig und kräftig es ihm möglich war.

Deren stachelförmige Fortsätze bohrten sich in die Schwachpunkte vor allen zwischen den Segmenten der ansonsten stabilen Panzerung des Opabinias – seines Opfers – und knackten sie auf. Die Greifer krümmten sich immer stärker, bis das um ein Zehntel kleinere Tier in kleinere Teile zerbrach.

Das mittlere Stück hielt der urtümliche Räuber fest umklammert, führte es zu seiner Mundöffnung und verschlang das nahrhafte, weiche Innere.

Er hatte noch Hunger und suchte den Sand nach weiterer Nahrung ab, fand eines der anderen Bruchstücke und wollte zupacken, als ein weiterer Anomalocaris auf den Plan gerufen wurde.

Dieser rammte den ersten, welcher sich gezwungen sah, auf seinen Kontrahenten zu reagieren. Er wandte sich um und traf den ungebetenen Neuankömmling empfindlich an der Körperseite, sodass der Verlierer einige seiner Rudersegmente einbüßte. Kein Problem normalerweise, wenn man als der Geschlagene trotzdem schnell genug entkommen konnte.

Dies war der Fall, aber zum Pech des verletzten Eindringlings traten weitere Tiere in Erscheinung: Verwandte der Schnecken, die per Rückstoßprinzip ihre mit konischen Schalen bestückten weichen Körper vorwärts bugsierten. Ihre Köpfe, die aus den kalziumhaltigen kegelförmigen Hüllen herauslugten, wiesen zwei Augen auf, die zwar keine Linsen hatten, aber sich bereits auf Helligkeitsunterschiede mit Hilfe einer kontrahierenden Membran, die nur ein Loch in der Mitte frei ließ, welches sich je nach Lichtverhältnissen verkleinerte oder vergrößerte. Zudem eine Vielzahl an Tentakeln, mit denen sie nach Beute suchen, danach tasten oder diese umwickeln konnten.

Zwar ohne Saugnäpfe, aber immerhin. Zum Knacken von Schalen oder Außenskeletten eignete sich der schnabelartige Mund, der ringsum von den Armen umgeben wurde, umso besser.

Einige Arten, die aus einem gemeinsamen Vorläufer entstanden waren, hatten bereits ihr Debüt gegeben: Actenolites, Ellesmeroceras, Tannuella und einige mehr.

In diesem Fall handelte es sich um eher am Boden lebende Paradakeoceras, mit einer stärkeren Panzerung als seine Verwandten. Dennoch waren diese Wesen, wie ihre Verwandtschaft, mittels der Gaseinschlüsse in den Kammern ihrer Gehäuse in der Lage, zu schwimmen und im Notfall mit dem Siphon davonzuschießen.

Als Geheimwaffe hatte jeder Kopffüßer noch die Möglichkeit in petto: Eine dunkle Tinte von sich zu geben, die nicht nur die Sicht des Angreifers blockierte, sondern auch dessen Geruchsrezeptoren störte, sodass der betreffende Cephalopode sich davonmachen konnte.

Andere Verwandte dieses Geschöpfes hatten die schützende Schale sogar bereits zugunsten besserer Schwimmeigenschaften oder besserer Beweglichkeit aufgegeben.

Eines dieser Wesen war ein Nectocaris und schwamm mittels eines Flossensaumes und in Scharen umher. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kopffüßern hatte er nur wenige Arme. Meist nur zwei, die sich eher wie Schneckenfühler verhielten.

Einer der Paradakeoceras schnappte sich eines der Stücke der zurückgelassenen Beute des riesigen Arthropoden und fraß dessen weichen Inhalt.

Das Verbliebene konnte sich die Molluske nicht schnappen, denn der Gliederfüßer, der den Opabinia ursprünglich erbeutete, hatte es bereits wiedergefunden und hielt es fest im Klammergriff, während er sich daran gütlich tat.

Die Reste – es war das Kopfstück – ließ der Räuber wieder fallen, so dass es langsam zu Boden sank. Aufgrund des Schwerpunktes fiel es auf die Stelle, an der sich die fünf Augen befanden. Ein gefundenes Fressen für kleine schwimmfähige Chordatiere, wie Haikouella, Yunnanozoon oder andere Arten, deren winzige, etwa fingernagelgroße Einzeltiere große Schwärme bildeten.

Der Anfang war gemacht. Ein Wettrüsten begann, welches von nun an nicht mehr so schnell aufhörte: Räuber-Beute-Beziehungen wurden gebildet, die ebenfalls eine Art Netzwerk von Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Spezies darstellten. Abhängigkeiten und Koabhängigkeiten, bei dem nicht mal Panzerung das entscheidende Kriterium war. Auch nicht Geschwindigkeit, obwohl diese unabdingbar war.

Nein, Augen als ein wichtiger Meilenstein waren an dieser Stelle nicht nur das Maß aller Dinge. Feinde, beziehungsweise Beutetiere konnte man schließlich unter anderem anhand von Veränderungen im Wasser bemerken, durch den Geruch oder durch die elektrischen Signale der Nerven. Aber zu sehen stellte jedem, der dazu in der Lage war, damit einen zusätzlichen Sinn und damit auch Vorteil gegenüber jenen zur Verfügung, die dies nicht konnten.

Natürlich bedeutete sehen auch gesehen werden. Und damit wurde Geschwindigkeit, Langsamkeit und/ oder Tarnung unabdingbar. Die Möglichkeiten wurden ab jetzt grenzenlos.

Nicht nur die Entwicklung der Tiere nahm Fahrt auf, sondern auch die der Pflanzen, die ebenfalls vielzellige Spezies hervorbrachten. Solche, wie die Grünalge Dasycladales oder Dalya. Winzig zwar, aber die fadenartigen Algen bildeten so etwas wie riesige lose und klumpenartige Gebilde, die aber meist an der Wasseroberfläche trieben, von wo sie ohnehin bestens an das Sonnenlicht kamen, welches sie benötigten.

Manche Tiergruppen nahmen sie zu sich, indem sie sich Stücke davon in ihre Münder führten. Für diese Pflanzen war das kein Problem: Sie wuchsen schlicht und einfach wieder nach oder teilten sich, sollten sie durch äußere Einflüsse zerstückelt werden.

Der Wind und die Strömung trieben sie über die Meere an jeden x-beliebigen Ort. Aber meist endete die Reise an einem der Strände des bis dahin völlig leeren, kahlen, steinigen Landes, dessen Sauerstoffgehalt auch viel zu niedrig war, als dass sich irgend jemand hier wohl fühlen würde.

Noch steppte das Leben im Wasser. Denn alles, was an Land strandete, blieb dort liegen und starb da. Noch.

Ebenfalls an Land gespült wurde etwas, was nicht organisch war und nach der langen Zeit, die es sich im Ozean befand, immer noch diese seltsame Strahlung aussandte.

Umgeben von absterbenden Fadenalgen und Überbleibseln anderer Lebensformen, lag da wieder dieses seltsame Objekt, ehe es eine weitere Welle wieder mit in die Tiefe nahm...

Ordovizium

vor 510 – 450 Ma

Unter dem Urozean

Das Leben hatte sich seit den drei kambrischen Expansionen, was die Vielzahl anging, erneut entscheidend verändert und so eine Blüte an Weichtieren, Gliedertieren, Nesseltieren, Stachelhäutern und sonstigen Tieren hervorgebracht.

Alle Tierstämme waren inzwischen vertreten und wenn man die ganzen Arten aufzählen wollte, die nun herumkrochen, -drifteten oder -schwammen, mochte man sich den Mund fusselig reden. Oder sich beim Versuch, all die komplizierten Namen auszusprechen, die Zunge oder andere entsprechende Sprechwerkzeuge verknoten.

Jede Art besetzte eine Nische, an die sie bestens angepasst war. Jede verfügte über ein Repertoire an Verhaltensweisen, was Nahrungsvorlieben, -suche und -aufnahme, Balz- und Paarungsverhalten, Fluchtverhalten oder was die Vertreibung oder Bekämpfung von Konkurrenten, beziehungsweise Angreifern anging. Zudem hatte jede von ihnen auch ein für sie typisches Erscheinungsbild und eine dementsprechende Anatomie.

Allerdings sorgte am Ende des Kambriums eine erneute Eiszeit für ein weiteres Massenaussterben, welches über 95% aller Arten dahinraffte. Sämtliche Reiche und Stämme, welche inzwischen entstanden waren, hatten jedoch noch überlebt und entfalteten sich bei Beginn des Ordoviziums neu.

Insgesamt war dies ein Zeitalter der Trilobiten, Eurypteriden und Kopffüßer. Vor allem die Endoceraten mit den langen, konischen Gehäusen, unter denen Cameroceras der Gigantischste überhaupt war, standen an der Spitze der Nahrungskette. Zehn bis elf Meter konnten Exemplare dieser Spezies in etwa messen und waren damit so lang, wie ein Schulbus.

Neuerscheinungen dieser Kopffüßerfamilien waren Aphetoceras, Quebecoceras oder Cyrtoceras, deren Schalen sich bereits mehr oder weniger, leicht gebogenen Hörnern gleich, nach oben wanden. Zudem waren die Tiere allesamt dazu in der Lage, ihre flexiblen Tentakel einzuziehen und ihre weichen Teile mit einer Art Deckel mit Scharnier im Inneren ihrer Schale hermetisch zu verschließen.

Die besten Schwimmer waren sie alle nicht, aber die meisten von ihnen konnten den immer noch unter den Top-Räubern zählenden Anomalocariden leicht entkommen. Abgesehen davon, dass die gegliederten Jäger sich an den harten Gehäusen, die mit den verschließbaren Verschlüssen, sprichwörtlich die Zähne ausbissen. Mehr noch: Die Kopffüßer drehten den Spieß um und erjagten inzwischen Arthropoden.

Auch die Seeskorpione traten auf den Plan und taten es ihnen nach. Insbesondere Megalograptus oder Pentecopterus mit ihren langen, scherenartigen vordersten Extremitäten, die zudem noch stachelbewehrt waren, wurden somit in die Lage versetzt, kleinere Tiere zu erbeuten. Und sie waren, wie die meisten anderen ordovizischen Räuber, nicht sonderlich wählerisch.

Egal, was es ist, was da in deiner Nähe schwimmt: Solange es kleiner ist als du, pack es und friss es! Ist es gleich groß oder größer, mach dich schleunigst davon! So lautete nach wie vor die Devise.

Der Charakter der Riffe hatte sich inzwischen stark verändert. Korallen bestanden nicht mehr nur aus Einzeltieren früher Anemonen, die sich durch Knospung fortpflanzten. Manche von ihnen teilten sich unvollständig und verblieben nun mit dem Mutterorganismus verbunden, sodass sich mehrere Tiere zu einer Art Hyperorganismus, also einer Kolonie vereinigten.

Umgeben von einem Kalkskelett boten sie nun mehr Schutz für die Einzelpolypen und machten, was Raum anging, den diversen Schwämmen und auch Stachelhäutern, wie den ebenfalls blumenähnlichen und unbeweglichen Paracrinoiden, Blastoiden, Cystoiden und Eocrinoiden echte Konkurrenz.

Je nach Familie waren manche der unbeweglichen der Echinodermi von beutel- oder sackartiger Gestalt, die mit vieleckigen Platten bedeckt waren und an den Mundöffnungen zwei oder drei tentakelartige Auswüchse aufwiesen, mit denen sie Nahrung zum Mund führten, oder waren langstielig mit fächerartig verzweigten Anhängseln mit denen sie ihre Nahrung heranstrudelten.

Darüber hinaus gab es noch welche mit röhrenförmigen Körpern, die über fünf bis acht dickere Arme verfügten, die so eher Blumentieren ähnelten, mit denen sie jedoch nicht verwandt waren.

Verschiedenste Arten teilten sich den gleichen Lebensraum und boten damit noch viel mehr Tieren Schutz durch eine Unzahl an Versteckmöglichkeiten.

Trilobiten, die nun ebenfalls Augen entwickelt hatten und sich als eine weitere Abwehrmaßnahme sogar zu einer Kugel zusammenrollen konnten – zumindest manche Arten, wuselten gekonnt zwischen Spalten hindurch oder am sandigen Meeresgrund entlang.

Einfach geformte Arten, wie Cyclopyge teilten sich den Lebensraum mit abenteuerlicheren Arten, wie Cheirurus mit den langen Stacheln an den Kopfseiten und dem Hinterleib, Selenopeltis, der selbst zu beiden Seiten der Einzelsegmente lange, dornenähnliche Fortsätze aufwies, Eodalmanitina, der dafür am Ende des Hinterleibes einen langen Dorn hinter sich herschleifte und die kleinen augenlosen Trinucleus und Cryptolithus mit den speziellen Sinnesrezeptoren, welche die fehlenden Sehorgane ersetzten. Häufig traten auch Paradoxides oder Ellipsocephali als nicht sonderlich spezialisierte Arten dieser seltsamen Gliedertiere auf.

Primitive frei bewegliche Stachelhäuter, wie Helioplacus, die frühe Vorfahren von Seewalzen und Seegurken darstellten, krochen langsam umher und fraßen alles, was sie an Kleinstlebewesen oder organischen Partikeln aufnehmen konnten.

Eben geriet die wimmelnde Masse in Bewegung, als etwas aus dem Untergrund eine Menge Sand aufwirbelte. Ein Megalograptus erschien an auf der Bildfläche – eher dessen dornenbesetzte Fangbeine, die sich einen unvorsichtigen Cyclopyge schnappten. Die Cheirurus waren zu schnell in ihren Schwimmbewegungen und die Trinucleus und Cryptolithus hatten zu scharfe Sinne.

Das große Tier zerlegte seine Beute, ließ einen Großteil davon fallen und fütterte solcherart seine Larven, die bis dahin noch unter dem Hinterleib des Muttertieres verharrten. Den Rest zergliederte es mit einfachen Kieferklauen und schlang ihn herunter.

Weil der Eurypteride nun Unruhe in die Umgebung gebracht hatte, und seine Mutterpflichten hiermit erfüllt hatte, begann er mit Hilfe seiner hintersten, paddelförmigen Beinpaare und seines skorpionähnlichen Schwanzes davonzuschwimmen.

Ungelenk, aber ruckartig schnell schoss das Tier davon und überließ seinen Nachwuchs nun seinem Schicksal.

Das mag grausam erscheinen, aber die Nachkommenschaft hatte bereits die erste ihrer Häutungen hinter sich, wodurch sie in der Lage versetzt wurden, eigenständig ihre Nahrung zu jagen, zu fangen und sie sich einzuverleiben. Nach der zweiten würden die Geschwister übereinander herfallen oder sogar ihre Mutter fressen, wenn diese keine Beute gemacht hätte.

In sofern hatte das ausgewachsene Exemplar nicht nur seine Jungen gerettet, sondern auch sich selber und somit Möglichkeit, vielleicht noch einer weiteren Generation das Leben zu schenken.

Die Jungtiere würden sich nun im Riff in alle Himmelsrichtungen zerstreuen und jedes für sich einen sicheren Platz aufsuchen, um sich erneut zu häuten und von nun an ein Leben als aktive Jäger führen. Falls sie nicht zur Beute für andere Tiere wurden.

Möglichkeiten auf dem Speisezettel einer anderen Kreatur zu landen gab es genug, wenn man auch noch klein war.

Nicht nur ihre eigenen Verwandten oder Anomalocaride stellten ihnen nach. Auch die vielen Arten von Kopffüßern fanden Geschmack an ihnen.

Dafür war auch ihr Tisch reich gedeckt. Zumal sich ein neuer Stamm von Tieren breit machte, der ebenfalls bereits im Kambrium seinen Anfang nahm.

Kieferlose Fische gab es schon lange, allerdings hatten diese sich bereits neue Nischen erobert. Pteraspidomorphi – sogenannte kieferlose Panzerfische – schützten ihren annähernd stromlinienförmigen Körper nun durch ein festes Schuppenkleid, welches schnell den Charakter einer undurchdringlichen Panzerrüstung annahm. Was dafür abnahm, waren ihre Schwimmeigenschaften.

Nur wenige Meter kamen sie am Stück voran, bevor sie sich ausruhen mussten. Kein Wunder, büßten sie im Lauf ihrer Entwicklung Teile ihrer Flossensäume ein. Arandaspis als ein früher Vertreter konnte noch recht gut schwimmen. Genau wie der etwa zwanzig Zentimeter lange Scabambaspis, der sogar eine Rücken- und eine Bauchflosse besaß und noch recht gut Fahrt aufnehmen konnte.

Jedoch sah das bei Astraspis anders aus, wie bei der Schule, die soeben den Schauplatz entlang dümpelte. Allerdings mussten sie auch nicht so schnell sein, so dick, wie ihr Schutz durch die gepanzerte Außenhaut war. Die Pteraspidomorphi wurden als erste Fischgruppe von ihrem schwer gepanzerten unbeweglichen Kopfbrustbereich an der wendigen Fortbewegungsweise ihrer Vorfahren ge- und behindert. Allerdings waren ihre Panzerungen für Beutegreifer schwer zu knacken.

Eine andere Fischgruppe, die nun ihren Anfang hatte, war die der Thelodonti – ebenfalls kieferlos. Sie ähnelten modernen Fischen schon eher. Zumindest von der Gestalt, waren aber recht winzig und hatten zwar eine Schwanzflosse aber wie die meisten Spezies keine Bauch- oder Brustflossen.

Sie waren langsam und damit leichte Beute, wenn sich viele Tiere für sie interessieren würden. Das taten aber nur die wenigsten. Erstens waren sie relativ klein und somit nur eine lohnende Mahlzeit für Tiere, die ebenfalls zu kurz geraten waren, andererseits waren sie auch giftig.

Thelodonti lebten eher in Symbiose mit Anemonen, welche diese Fische für ihren Schutz von Algen oder Nahrungsresten befreiten. Ihr Gift schützte sie eher vor Kopffüßern aber nicht vor Eurypteriden, die es zum Teil in ihrem Körper einlagerten.

Die Tageslänge betrug inzwischen mehr als zwanzig Stunden, aber der Mond bestimmte bereits die Lebensabläufe des Urozeans. Gezeiten und Mondphasen veränderten neben allen anderen Faktoren das Fress- und Paarungsverhalten der Tiere.

Seeskorpione – unter anderem die der Gattungen Brachypterus und Chasmadaspis – krochen während der Ebbe an geeigneten Uferstellen an Land, um abzulaichen. Die Weibchen kamen zuerst, dicht gefolgt von den großteils kleineren Männchen.

Sie gruben mit ihren Schwimmbeinen kleinere Kuhlen und legten mehrere Millionen Eier hinein, die sogleich von vielen Männchen befruchtet wurden, indem sie über die Weibchen und einander krochen, um ihre Spermien freizusetzen, bevor die Flut kam.

Sie mussten sich beeilen. Keines der Tiere konnte Sauerstoff aus der Luft aufnehmen, der ohnehin nur im geringen Maß in der Atmosphäre vorhanden war.

Sie konnten ihre Tracheen nur unzureichend mit Frischwasser versorgen, während sie auf dem Trockenen herumkrochen.

Die meisten von ihnen würden ohnehin nach der Eiablage, beziehungsweise der Befruchtung sterben. Lange bevor das Meer das Watt zurückeroberte.

Sobald dies der Fall war, wurden lebende und tote Kieferklauenträger, sowie deren befruchtete Eier wieder ins Meer hinaus gespült und der Strömung überantwortet, ehe die Larven schlüpften.

Viele erreichten das Erwachsenenalter nicht, weil die meisten Eier und Larven von allen möglichen Tieren, wie Quallen, Anemonen, Korallen, anderen Wirbellosen und Fischen gefressen wurden.

Räuberische Eurypteride hatten ihr Paarungsverhalten hingegen vor Unzeiten bereits geändert. Sie fanden sich paarweise zusammen, wobei das kleinere Männchen dem Weibchen auf den Rücken kroch, um von diesem nicht einfach als leichte Beute angesehen zu werden. Manchmal fanden sich dort mehrere Männchen zusammen und befruchteten gemeinsam die Eier der weiblichen Spinnentiere.

Sobald sie ihre Aufgabe erledigt hatten, starben viele der begattenden Männchen vor Anstrengung. Andere schwammen davon, um sich eventuell noch einmal zu paaren, oder wurden direkt vom Weibchen gefressen, welches sich von nun an um seinen nicht ganz so zahlreichen Nachwuchs kümmerte, bis dieser die zweite Häutung erreichte.

Plötzlich wurde die Paarung mehrerer Megalograptus von etwas gestört. Einige Schwingungen im Wasser über den Seeskorpionen erregte deren Aufmerksamkeit. Sie krochen auseinander und versuchten sich, so schnell wie möglich im lockeren Sand zu vergraben.

Bewegungen im freien Wasser über ihnen hatten die großen Arthropoden gestört. Eine riesige Ansammlung von Endoceraten machte diesen Platz für andere Lebewesen zu einem unangenehmen Ort, als die riesigen bis zu zehn Meter langen Männchen der Mollusken sich anschickten, um Weibchen zu kämpfen.

Jeder versuchte, seine Konkurrenten von seinem eigenen Umkreis, wo er eines oder mehrere der Weibchen bewachte, zurückzudrängen, waren doch die Gehäuse der Weichtiere schwer zu durchdringen. Zusätzlich färbten sich die weichen Körperstellen mit den Armen und Augen auffällig bunt, während die Weibchen sich mit unauffälligerer Färbung bedeckt hielten, ehe sie sich mit den Siegern der Auseinander­setzungen zu paaren.

Andere, schalenlose Cephalopodenordnungen trieben ihre Farbwechsel auf die Spitze und entwickelten die Fähigkeiten, sich ihrer Umgebung anzupassen oder während der Paarung spektakuläre Schattierungen zur Schau zu stellen.

Erster Seetang, wie Dalya und Vaputikia, der sich allesamt das allererste Mal im Boden verwurzelte, siedelte sich an den Flachwasserzonen an, um dort die maximale Lichtausbeute abzugreifen, während zwischen den schon größeren Pflanzen, die sich stellenweise durch Gasansammlungen in den Stielen und Blättern aufrecht hielten und so auch aus größeren Tiefen heraus das Helle zu erreichen, eine Vielzahl an Tieren Schutz suchten.

Unter ihnen gab es bereits Pflanzen mit einem festen Stängel: Chaetocladus, welche vor allem in den Brandungs- oder Gezeitenzonen leben konnten, wo ihnen die Elemente in ihrem Wachstum keinen Strich durch die Rechnung machen konnten.

Kleine Kopffüßer ohne, mit konischer oder gewundener Schale, verschiedene Fische der seltsam anmutenden Gruppe der Thelodonti, die schwimmfähiger waren als die meisten Wirbeltiere dieser Zeit, Schnecken, Krustentiere oder Larven von Anomalocariden oder anderer Gliederfüßer zählten zu den temporären oder dauerhaften Bewohnern.

In den Gezeitenzonen hatte es Seetang schwerer als Chaetocladus. War er doch durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut gefährdet. Ging das Wasser zurück, brachen oder starben die Pflanzen doch schnell ab und häuften sich auf dem Sand an. Das Gleiche in Brandungszonen, wo totes Pflanzenmaterial meist als Strandgut neben leeren Muschel-, Kopffüßer- oder Schneckengehäusen oder den Außenskeletten verschiedener Arthropoden oder toter Fische liegen blieb.

Das Gleiche galt auch für die Tiere, die hier lebten. Meistens siedelten sich hier Muscheln, Tentaculite und Hyolithen Schnecken – allen voran Napfschnecken, Trilobiten, Eurypteriden oder kleine Fische an.

Manche unter ihnen begannen sogar, das Strandgut zu verwerten, indem sie für sehr kurze Zeit das Wasser verließen, soviel fraßen, wie sie konnten, bevor sie wieder ins Meer zurückkehren mussten.

Begonnen hatte dieser Landgang unter anderem mit den Versuchen, direkt unter Wasser am Ufer entlang Nahrungsbröckchen einzusammeln, bis zu dem Punkt als die ersten Gliedertiere kurz an Land krochen. Zudem spielten die Gezeiten dabei eine wichtige Rolle. Denn wer es während der Ebbe auf dem Trockenen überlebte, hatte gute Karten im Spiel des Überlebens.

Nur die zähesten und stabilsten Lebewesen konnten hier Fuß fassen. Zumindest waren sie hier vor den Fressfeinden der Riffe und der offenen See sicher.

Jedoch gab es schon erstes Leben, welches es geschafft hatte, sich das Land – beziehungsweise die Uferzonen – dauerhaft zu erobern. Neben ersten Lebermoosen gediehen Pflanzen mit einem stabilen und aufrechten Spross. Boiophyton, welche sich mittels Sporen bis in die Uferzonen der Flussläufe ausbreiten konnte.

Der Anfang ist gemacht und das Leben würde sich nun auch außerhalb der Gewässer unaufhaltsam neue Nischen erobern.

Die Bauwerke der Korallen, Graptolithen, Schwämme und Stachelhäuter fungierten sogar als natürliche Wellenbrecher und sie setzten sich manchmal nicht nur auf Klippen oder in Lagunen ehemaliger aus dem Wasser ragender Vulkane, die nunmehr Atolle bildeten, sondern auch in einer Art Mikrokosmos auf den Gehäuseüberresten toter Cameroceraten und anderer großer Endoceraten oder auf toten Korallen fest.

Somit waren diese Tiere dazu in der Lage, sobald sie irgendwo Fuß fassen konnten, einen Wachstumsprozess in Gang zu setzen, wenn sie nicht irgendwelchen kleineren Temperaturschwankungen zum Opfer fielen, auf die sie so empfindlich reagierten. Zudem konnte sich freies Zooplankton aus diversen Larven hier ansiedeln und einen eigenen Kreislauf in Gang setzen.

Mitten unter ihnen, in einem der größeren Riffe lag es wieder, dieses kleine Etwas von Außerhalb. Unter dem Fuß einer Koralle; dort hingelangt durch einen Levisoceras mit einer wesentlich kürzeren Schale als seine riesigen entfernten Verwandten, den Endoceraten, der das Objekt einst neugierig aufgelesen hatte und es versehentlich verschluckte.

Nachdem das Tier mehrere hunderte Kilometer von der Strömung weggetragen wurde, verendete es schlussendlich an dieser Stelle wegen dem unverdaulichen Ding, welches seinen Darm verschloss. Seine Hülle lag noch unter der Koralle, die sich vor einigen Jahren daran festgesetzt hatte.

Silur

vor 450 – 420 Ma

Erste Landgänge

Das Leben explodierte mehr und mehr, je weiter die Zeit voranschritt, besonders an den Küstenzonen der silurischen Meere.

Korallen bildeten immer komplexere Strukturen, so wie Schwämme und Seelilien inzwischen eine Vielzahl neuer Arten ausbildeten. Auch rugose Einzelkorallen waren immer noch mit einer Vielzahl von Arten vertreten. Immer noch mit seltsamen konischen Außenschalen ausgestattete Craterophyllum, Streptoplasma, Kodonophyllum und Entelophyllum dominierten neben ihren Kolonien bildenden Verwandten.

Weichtiere bildeten neue Arten aus, so wie Schnecken und Muscheln immer kompliziertere spiralförmige Gehäuse formten oder diese wieder einbüßten. Kopffüßer, deren Hüllen sich mehr und mehr zu einfachen, schneckenähnlichen Spiralen wanden. Manche Spezies gaben diese jedoch teilweise oder komplett auf, um sich nun mithilfe eines flossenartigen Saumes im freien Wasser vorwärtszubewegen.

Arthropoden hatten hier immer noch ein Stelldichein. Trilobiten unterschiedlicher Gestalt und Größe behaupteten weiterhin noch ihren Platz, auch wenn die Arten zum Teil andere waren: Damanites, der einen langen Stachel hinter sich herzog, Clymene, der recht einfach gebaut war und Enerinurus.

Deren bodenbewohnende Fressfeinde machten immer noch die Meere unsicher. Die uralten Eurypteriden. Die inzwischen mit die größten Gliedertiere stellten, die es je gab: Den etwa zwei Meter langen Pterygotus, der mit Ausnahme seiner Größe an seinem Jagd- und Fressverhalten wenig geändert hatte und Stylonurus, der seinen nahen Verwandten noch um einen Meter an Länge übertraf.

Neben den Seeskorpionen mit Greifscheren wimmelte es noch von zahllosen Arten, die nie derartige Werkzeuge entwickelt hatten. Solche, wie Ctenopterus, der sogar seine Schwimmbeine aufgegeben hatte, Eurypterus als der Namensgeber dieser Familie von Kieferklauenträgern oder Mixopterus, um nur einige zu nennen. Manche mit Stacheln am Ende des Hinterleibes, manche auch nur mit schwanzflossenähnlichen Auswüchsen, die deren Schwimmeigenschaften verbesserten.

Neue Ordnungen bildeten sich aus, wie Limulus, die ihren flexibleren Hinterleib und ihre Schwimmbeine eingebüßt hatten und ihre Unmengen an Eiern an den Stränden ablegten. Ihr besonderes Merkmal waren die vielen optischen Sinnesrezeptoren, die nicht nur auf ihre sichtbaren Augen beschränkt waren, sondern sich auch an der Körperunterseite, und dem Rücken befanden.

Des Weiteren gab es eine noch eine neu erschienene Gattung, die sich im Gegensatz zu ihren Vorfahren auf ihren acht Beinen mit staksigen Schritten laufend vorwärts – oder wahlweise seit- oder rückwärts – bewegte und ihren langen Schwanz, an dessen Ende sich ein Giftstachel befand, in einem Bogen über seinem Körper trug.

Immer auf Bereitschaft, damit blitzschnell und gezielt auf ein Opfer einzustechen, um es zu vergiften, falls es dieses mit seinen kräftigen Scheren zu packen bekam. Egal, ob das Wesen die Absicht hatte, anzugreifen oder sich zu verteidigen.

Die neue Gattung konnte ihre Greiforgane wesentlich flexibler einsetzen, als primitivere Spezies, wie Pterygotus, auch wenn dieser die fortgeschrittenere Art als Beute nicht verschmähte. Die recht neue Tiergruppe der Skorpione. Die Länge der größten Exemplare der Art Brontoscorpio konnte etwa einen Meter betragen.

Trotz dessen mussten sich auch die größten Arthropoden vor den noch größeren Cephalopoden in Acht nehmen: Megaloceras, der zwar Cameroceras an Größe ebenbürtig war, aber nicht an Länge. Was wohl daran liegen mochte, dass die ordovizische Art eine langgestreckte, gerade, konische Schale aufwies, aber die silurische ein schon einfaches, in einer losen Spirale nach oben gewundenes, sich nach innen verjüngendes, mehrkammeriges, imposantes Gehäuse.

Die maximale Größe der spiraligen Schale des Geschöpfes ließ sich am Besten in einem Durchmesser ausdrücken: Drei bis fünf Meter. Ein Jäger des offenen Ozeans.

Auch Ordnungen mit kegelförmigem Gehäuse fanden sich noch zuhauf oder welche, deren Schale sich nur ganz leicht aufwärts krümmte. Neu waren neben den Nautiliden auch die Goniatiden, deren Außenpanzerung schon schneckenhausähnliche, von vorne betrachtet, symmetrische und aus seitlicher Sicht geschlossene Windungen aufwiesen. Einige Gattungen gingen sogar so weit, dass die ältesten Teilstücke schon unter den darüber gewachsenen jüngeren Windungen verschwanden.

Im Schatten all dieser riesigen Kreaturen wimmelten verschiedene Spezies, Ordnungen und Familien von Agnathen zwischen Tangwäldern, Korallenriffen oder am Meeresgrund.

Die meisten davon waren keine guten Schwimmer, verfügten aber über gute Panzerungen, die sie hinreichend vor Zudringlichkeiten von Seiten ihrer vielen Fressfeinde unempfindlich machten.

Manche filterten ihre Nahrung aus der Strömung – meist Phyto- oder Zooplankton, während andere diese in Form von heruntergefallenen toten Organismen vom Boden aufsaugten oder stochernd oder wühlend aus ihm gewannen.

Aber auch unter diesem Tierstamm bildeten sich neue Klassen und Ordnungen heraus, deren revolutionärstes Merkmal aus den vordersten Kiemenbögen entstanden war.

Mäuler, die sich mit Hilfe von Kiefern und dazugehörigen Gelenken weit öffnen oder fest verschließen konnten. Die zupacken, abreißen oder einfach nur effektiver filtrieren konnten. Anaspida, Placodermi – Plattenhäutler, Acanthodonti – Stachelhaie, Knorpelfische und Knochenfische nahmen ihren Anfang.

Viele pflanzliche, tierische und pilzige Lebewesen hatten längst neben dem Brack- auch das Süßwasser erobert und teilte sich von nun an den Lebensraum mit all den anderen, älteren Arten, Gattungen, Familien, Ordnungen, Klassen und Stämmen.

Die Paarungszeit der am Meeresboden lebenden Osteostracen fiel dieses Mal mit der der frei schwimmenden Heterostracen zusammen. Ein Jahr, an dem Seeskorpione, sowie ihre fortschrittlicheren Verwandten – echte Skorpione – reiche Beute machen konnten.

Die Spinnentiere hatten nun die Wahl: An Land zu kriechen, um dort den mit schlechten Schwimmeigenschaften versehenen Osteostraci, wie Hemicyclaspis und Tremataspis mit den langen, stromlinienförmigen Fischleibern mit den großen, schweren Schädeln mit den übersensiblen Rezeptoren für Schwingungen und elektrischer Feldern, aufzulauern, wenn sie zu den Flüssen wanderten – und dies auch kurze Strecken über Land taten.

Oder im Meer den Heterostraci nachzustellen, wie den recht plumpen Edaphaspis, Lepidaspis, Astraspis, Cyantaspis oder dem stromlinienförmigeren Anglaspis als einem der besseren Freischwimmer.

Ein zyklisch auftretendes Phänomen mit der Chance, dass wesentlich mehr der Wirbeltiere die Paarung überlebten, welches nur aller paar Jahre vorkam. Wenngleich auch eine Chance, dass sich wesentlich mehr der Meeresskorpione die Bäuche vollschlagen konnten, als es normalerweise der Fall war.

Auch nur dann, wenn es sich um ein Jahr der hohen Sonnenaktivität handelte und zugleich der Mond zu einem bestimmten Tidenhub sein volles Gesicht zeigte.

Im Grunde betraf dieses spezielle veränderte Verhalten alle Tiere, die ihre Eier, beziehungsweise ihre Spermien der Gnade des freien Wassers überließen.

Die ersten Tremataspis, die gerne diese Flussläufe nutzten, kehrten wieder von ihren Laichgründen zurück.

Und auf sie warteten, wie zu jeder Saison, Nachzügler der zeitweiligen Langgänger unter den Spinnentieren, die während der Laichzeit in der Häutung steckten und somit ihre erste Chance verpasst hatten.

Plump, wie die Bewegungen dieser frühen Fische waren, die sich mit ihren kurzen Brustflossen und mit Schwimmbewegungen ihres Schwanzes ruckartig und langsam an Land vorwärts schoben, konnten sie den Zangen und den Giftstacheln ihrer Feinde nicht ausweichen.

Aber sobald, wie ein Skorpion Beute gemacht hatte, war er vollauf beschäftigt und mehrere Panzerfische konnten wieder ins Meer entkommen, wo sie entweder anderen Kieferklauenträgern in die Scheren fielen, die dort Heterostraci jagten oder bisher chancenlos geblieben waren.

Jedoch fanden sich auch noch andere Beutefische, wie die Galeaspida, die ein ähnliches Aussehen wie alle anderen Panzerfische hatten, also mit einem gepanzerten Kopfbrustbereich und einem flexibleren Schwanz, aufwiesen. Viele Arten verfügten an der Kopfunterseite über eine lange, dünne, nach vorne zeigende Spitze unterhalb der Maulöffnung, mit deren Hilfe sie in den Sand bohrte, um unter anderen vergrabene Eier anderer Tiere zu fressen.

Schwärme von Climatius- und Gyracanthus-Stachelhaien, mit den verhältnismäßig großen Augen und den neben den normalen Brust-, Bauch- und Afterflossen ebenfalls paarig angeordneten Stacheln an den Bauchseiten und ansonsten mit kleinen Schuppen bedeckten Körpern, schwammen auf der Suche nach kleinen ebenfalls frei schwimmenden Krustentieren im offenen Meer oder zwischen Kelpwäldern oder Korallenbänken umher.

Zeitgenossen der Stachelhaie waren Plattenhäuter, wie neben Entelognathus und Silurolepis als frühe Formen, der mit sich selbst schärfenden Knochenkiefern versehenen, gut gepanzerten Arthrodira. Deren Verwandte waren eher am Grund lebende, bei denen neben Kopf und vorderer Rumpf zusätzlich auch die Brustflossen mit einem ebensolchen Körperschutz ausgestatteten Antiarchi.

Sie teilten den Lebensraum mit den ersten sehr kleinen und einfach gebauten Knorpelfischen Cladoselache, Doliodus oder Tamiobatis mit den flexibleren, mit sehr feinen raspelartigen Schuppen bedeckten Körpern ohne festem Innenskelett und den ersten sichtbar geschuppten Knochenfischen.

Andreolepis mit der simplen Fischform und dem Flossensaum an der Unterseite des fleischigen Fischschwanzes lebte eher an den Randzonen der nördlichsten großen Landmasse. Der ihm ähnliche Lophosteus am nördlichen Zipfel des Erdteils, welcher den Pol des Planeten einnahm und Cheirolepis auf der anderen Seite davon. Wesentlich spezialisierter im Aussehen war Platysomnus, dessen von den Seiten her plattgedrückter Leib dem eines Spiegelkarpfens glich.

In Binnengewässern oder Flachwasserzonen, sowie in Riffen oder Seetangwiesen lebte immer noch die uralte Ordnung der Thelodonti mit ihrem sonderbaren Erscheinungsbild. Thelodus, der relativ flachgedrückt wirkte, Phlepolepis, der am ehesten an einen einfachen Fisch erinnerte und Archipelepis, der außer der merkwürdigen Schwanzflosse, die allen Spezies dieser Familie zu Eigen war, alle anderen Körperanhängsel missen ließ.

In den Halmen der Algen tummelten sich Muscheln, Schnecken, Asselspinnen oder einfache Krebse, die bereits anfingen, von der freischwimmenden zu einer laufenden Lebensweise zu wechseln. Zum Beispiel Ainiktozoon.

Alte herumliegende Schalen toter Weichtiere wurden von gehäuselosen Kopffüßern als Behausung oder Schutzraum zur Jungenaufzucht beansprucht.

Ansonsten wuselten erste Schlangenseesterne neben ersten Seeigeln, -walzen und -gurken umher, jeder auf eigene Nahrung spezialisiert.

Im Wesentlichen blieb noch alles gleich, auch wenn die Anomalocariden nicht mehr die Top-Räuber der Meere darstellten, trieben sie noch immer ihr Unwesen unter ihren zahlreichen Beutetieren.

Nur durch die neuen Wirbeltierarten machten sich erste schleichende Veränderungen im Gefüge der Nahrungskette bemerkbar.

Nicht nur. Auf einer der größeren Landmassen, bahnte sich eine weitere Veränderung an. Die Stelle lag einst unter Wasser und beinhaltete eines der größeren Korallenriffe des untergegangenen Ordoviziums.

Das, was damals mit Boriophyton und dem ebenfalls nach oben wachsenden Chaetocladus begann, setzte sich mit der sich bereits verzweigenden Baragwanathia, Caia und der wie eine Art Bohrer wirkenden Tortilicaulis und der winzigen Cooksonia, deren Sprosse in kugelartigen, gelblichen Auswüchsen endeten, fort.

Alle Stellen, die sich vor allem in Wassernähe befanden, würden nunmehr von Pflanzenleben erobert, von denen eine Algenart sogar eine Symbiose mit einer Pilzart bildete und sich somit als erste Flechten zäh an für die meisten Lebewesen unattraktive Felsen klammerten. Eine Neuheit waren auch die Pilze, welche ebenfalls an Land Fuß fassten. Manche gingen bereits jetzt eher lose Verbindungen mit primitiven Landpflanzen, wie Cooksonia ein und teilten nur über das Myzel-, beziehungsweise Wurzelgeflecht Nahrung aus.

Ein neues Netzwerk, welches irgendwann den ganzen Planeten umspannen würde, nahm somit seinen Anfang. Die Pilze versorgten die Pflanzen mit Stickstoffverbindungen und die Pflanzen im Umkehrschluss die Pilze mit Wasser und Zucker, welchen sie durch ihre Fotosynthese erzeugten.

Und auch die ersten Tiere versuchten, in diesem Lebensraum Fuß zu fassen: Nahe Verwandte von Brontoscorpio – aber wesentlich zwergenhafter aufgrund des wesentlich geringeren Sauerstoffanteils der Luft. Der diesem ähnelnden Palaeophonus und einem frühen Geißelskorpion namens Mesoproctus mit den peitschenartig verlängerten zweiten Beinpaaren.

Frühe Tausendfüßer wimmelten zwischen den Pflanzen an der trockenen Luft umher, wie der Hundertfüßer Pneumodesmus, oder mit dem entfernt verwandten Familien von Doppel- und Wenigfüßern und als eine weitere Gattung Eoarthropleura, der in der Ordnung der Tausendfüßer eine Sonderstellung einnahm.

Erste Schnecken krochen zumindest zeitweilig aus dem Wasser, um an Stängeln von Distichophytum oder Baragwanathia zu schaben. Manche unter diesen Weichtieren vollzogen den Schritt an Land sogar komplett.

Nachdem die ersten Pflanzen, als sie abstarben, die Grundlage eines auf organischen Stoffen basierenden Untergrundes mit einer nährstoffreichen Schicht für weiteren Bewuchs sicherte, lockerten Bärtierchen, Lobopoden und diverse Würmer, die nun ebenfalls an Land auftraten, den Boden auf.

Auffällig war die Stille, die auf dem Festland herrschte. Außer dem säuselnden Wind, der auch mal laut pfeifend Orkan- oder Hurrikanstärke erreichen konnte, dem plätschernden Regen, wenn dieser die Erde erreichte, und dem Dahinrieseln von leichten Wellen oder dem Brausen, sollten diese sich meterhoch auftürmen und bis tief ins Festland hineinfraßen, dem Rumpeln gelegentlicher Erd- und Seebeben oder dem krachendem Ausbruch von Vulkanen oder den gelegentlichen Einschlägen von Meteoriten, hörte man... nichts.

Kein Rauschen von Blättern, Getrampel, Gesumme, Geschnatter, oder Geschrei irgendwelcher Tiere. Es herrschte von den natürlichen geologischen oder meteorologischen Ereignissen mal abgesehen, Totenstille.

Das Leben an Land stand noch in seinen Anfängen. Begünstigt durch einen Gegenstand, der sich einstmals in einem wenige Millimeter dicken Kalkmantel eingekapselt hatte, aber dennoch eine starke Strahlung aussandte.

Dieser befand sich an einer Steilküste – einem ehemaligen Riff – aus Kalkstein, welche den Kräften der Elemente schutzlos ausgeliefert war. Das Stück löste sich, nachdem es mehrere Jahrmillionen lang von den tektonischen Kräften angehoben, von der Erosion wieder freigelegt wurde und schlussendlich von seinem Bett ins Meer fiel. Dorthin, wo bedingt durch die südliche Lage dieses Kliffs, die größtmögliche Lichtmenge einen der üppigsten Lebensräume in Form von Riffen und Kelpwiesen entstehen ließ.

Das nahezu runde Objekt war nun wieder im Ozean inmitten von wimmelndem Leben aus einer Vielzahl an Arten.

Als es am Grund aufkam, floh ein Schwarm von Andreolepis in alle Richtungen, kam aber wieder zurück, um das seltsame Ding zu beäugen. Was in ihren kleinen Köpfen vorgegangen sein mochte, war: Futter oder Feind?

Aus dem gleichen Grund kamen auch andere frühe Kieferträger zum Vorschein, angezogen von dem seltsamen Leuchten, das von dem Teil ausging.

Knorpelfische, Stachelhaie und Plattenhäuter neben Knochenfischen. Allesamt kamen sie zu selben Schluss: Es war weder feindlich, noch essbar. Also ignorierten sie es, obwohl sie immer wieder von dem Aufblinken des Gegenstandes angezogen wurden.

Ebenso erging es den diversen Kopffüßern, während andere bodenlebende Weichtiere und Arthropoden ihm keine weitere Beachtung schenkten, sondern eher achtlos über es hinwegkrochen oder ihm auswichen, falls es ihnen im Weg war.

Des öfteren spielten sie damit, ohne es zu wollen, eine Art unbewusstem Fußball mit ständig wechselnden Mitspielern, wenn ein Bein das Objekt anstieß, woraufhin es einige Zentimeter wegrollte, ein Schwimmbein oder eine Flosse es fortwischte, wobei aus Zentimetern leicht Meter werden konnten oder es eine Weile an einem Haftfuß eines Gastropoden kleben blieb, um an anderer Stelle wieder abzugehen oder ein neugieriger Cephalopode es mit einem seiner Tentakel aufhob, es mit seiner relativen Intelligenz untersuchte und es wieder fallen ließ, als er feststellte, dass das Objekt nicht essbar und damit uninteressant war und es woanders liegenblieb.

Ein Vorgang, der einige Millionen Jahre so weiter ging und das fremdartige Gizmo, ohne auch nur im Ansatz aktiv etwas dazu beizutragen, so mehrere Kilometer an Entfernung zurücklegte.

Devon

vor 420 – 350 Ma

Gefährliche Tiefe