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Xenocyon Daemonicus

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Beschreibung

Was für ein Tag... Wie immer, wenn Stefan Höfer auf seiner Arbeit als Techniker in einem Forschungszentrum mit seinem Leben und seinen Karriereaussichten haderte. Alles änderte sich drastisch, als er mit einer experimentellen Substanz in Berührung kam. Sein Leben nahm von nun an einen völlig anderen Verlauf...

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Seitenzahl: 486

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Xenocyon Daemonicus

Linien

Upgrade # 1: Menschlich

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Einstimmung

Prolog

Wie es dazu kam:

Heimweg

Erste Anzeichen von Veränderung

Unauffällige Auffälligkeiten

Kneipenbesuch der besonderen Art

Pläne reifen

Anfänge

Ein Problem - eine unerhörte Lösung

Erste Feldforschung

Arbeit über Arbeit

Schwere Entscheidungen

Erste Schritte

Fast normaler Alltag - Veränderungen

Eigene Vorbereitungen - erste weitreichende Anfänge

Längst überfällige Aussage

Blick nicht zurück

Chaosprinz bei der Arbeit

Blick nach vorn

Erste Tests

Wie nun weiter verfahren?

Wanderung

Erste Ergebnisse

Veränderungen

Reise ins Ungewisse

Nachrichten und deren Auswirkungen

Nicole

Markus

Ricarda

Stefan

Wattwanderung

Stille Nächte

Katz und Maus

Gedanken

Spanischer Frühling

Aussehen

Der höchste Berg

Der Rest des Jahres

Neue Generation

Hundeleben

Waidmanns Unheil

Weiterreise

Gefahren im afrikanischen Busch

Ostwärts

Innehalten

Tolle Nachrichten

Des einen Leid, des anderen Freud

Australien

Upgrade

Querfeldein

Weit ab vom Schuss

Weiter geht’s

Weites Land

Schwierigkeiten

Telefonat

Dichter Dschungel

Immergrün

Unterbrochenes Muster

Dschungelgeist

Datenschock

Recherche

Neuer Name

Easy Rider

Freie Fahrt

Ricarda

Zoowärter

Bauer versus Hof

Verfolgung

Wieder Ruhe und ein Abschied

Grüße aus der Welt

Asien ist zu groß

Weitere Auswirkungen

Umzug ... für immer?

Nachwort

Impressum neobooks

Einstimmung

Die Natur erneuert sich unaufhörlich

die Tausende von Tagen, die vergehen kehren in neuer Gestalt zurück.

Lerne die Ewigkeit in jedem Augenblick zu erfassen.

Die Ewigkeit des Augenblickes ist wie ein reiner, unveränderlicher Edelstein im Herzen der Welt.

Alles kehrt irgendwann wieder, nur in veränderter Form.

[Indianische Weisheiten]

Prolog

Was ist menschlich? Darüber denke ich seit einer geraumen Weile nach, lange, nachdem man mich nicht mehr so nennen könnte. Eine Zeitspanne, die ich auch schon aufgehört habe zu berechnen, weil ich kaum einen Sinn mehr darin sehe. Ich benutze aus einer Art atavistischen Anhänglichkeit oder einem Anflug an Nostalgie meistens noch eine menschenähnliche Form. Zumindest für viele Dinge ist sie ausreichend.

Also habe ich zwei Beine mit zwei Füßen mit je fünf Zehen daran. Zwei Arme, zwei Hände mit je fünf Fingern, von denen je einer Daumen sind. Ich habe auch einen normalen Rumpf, einen Hals, an dem oben ein Kopf sitzt, der zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund aufweist.

Mein ursprüngliches Aussehen könnte ich benutzen, aber wozu die Mühe? Ich kann mich gut genug erinnern, dass diese Wesen, zu denen ich einmal gehörte, mich nicht als sehr attraktiv oder sympathisch wahrnahmen. Nicht, dass das jetzt noch eine Rolle spielte, aber irgendwo in meinem Inneren, welches mittlerweile Organe aufweist, die man sich damals nicht einmal vorstellen konnte, kann ich meine frühere Abstammung nicht verleugnen.

Wenn ich meine externen Gehirne an mich ankoppele, in denen ich einiges, was ich nicht unmittelbar brauche, auslagere, wie wenn ich mich außerhalb meines Schiffes befinde, erinnere ich mich etwas besser. Aber auch nicht umfänglich. Selbst für ein Wesen wie mich gibt es Grenzen, beziehungsweise ist das Gehirn, egal welcher Art dessen Aufbau ist, bestrebt, unnütze Daten zu entfernen, um den Speicher nicht zu überlasten. Das gilt ironischerweise auch für mich. Allerdings bin ich als eines der wenigen Wesen im Umkreis von einigen Lichtjahren dazu in der Lage, Backups von mir zu machen, so kann ich mangels anderer Gesellschaft, wunderbar in Zwiesprache zu mir selbst, beziehungsweise meinen früheren Gedankengängen oder Erscheinungen gehen. Gerade meine früheren Entitäten sind manchmal nicht unwichtig. Oder bestimmte interessante Zwischenstufen, als ich eine besonders interessante Spezies vereinnahmt hatte, bewahre ich gerne gesondert auf. Und ich habe unzählige davon.

Als Kind (kleiner unfertiger Mensch) hätte ich mir das niemals träumen lassen, beziehungsweise hab ich damals schon davon geträumt, durch das All zu reisen und fremde Lebewesen zu treffen. Geschweige denn, nicht nur ein, sondern viele Leben führen zu können. Gerade wenn ich auf das Leben zurückschaue, welches ich anfangs als reiner Mensch führte, war es mir später ein Privileg gewesen, mich daran schadlos zu halten und mich daran zu erfreuen, dass ich einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, die Menschheit in meiner Arbeit voranzubringen. Aber allerdings nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Nicht alles was dem Leben nützt, nützt einer Spezies, wie dem Menschen, die von Gier zerfressen, beinahe ihre eigene Lebensgrundlage zerstört hätte. Ich bin der Meinung, man sollte generell niemandem vor dem Kopf stoßen. Man weiß nie, ob derjenige nicht einmal so etwas wie ein Gott (angeblich allmächtige, mythologische Gestalt) werden könnte. (haha) Über Moral und so etwas und erst recht die menschliche, mache ich mir schon seit dem Anfang meiner unglaublichen Evolution keine Gedanken mehr. Warum auch?

An meinem Menschsein im Ursprung lasse ich keinen Zweifel. Dass ich mich schon biologisch auf einem anderem Niveau bewege, ebenso wenig. (kicher) Erst recht nicht, auf geistiger Ebene. Da können meine Artgenossen lange drauf warten, ehe sie dahin kommen. Die technischen Voraussetzungen, um meinen Weg gehen zu können, halte ich unter Verschluss und enthalte sie jedem vor, der damit Schaden anrichten könnte.

Zum Glück für die Erde und das Universum, war es nur ich, in meiner relativen Bescheidenheit, der von diesem Zufall profitieren konnte und die Möglichkeiten für etwas besseres nutzen konnte, als sich zum Herrscher der Welt oder ähnlichem Unsinn aufzuschwingen. (Ich hatte es versucht und war davon wegen der politischen Verstrickungen nach einiger Zeit ziemlich genervt gewesen.)

Ich wuchs in einer einfachen Familie (Eine Einheit aus Eltern und ihren Nachkommen) auf, in den sogenannten 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, glaube ich. Ich weiß nur, dass ich an einem 20.6.1974 geboren wurde. Es ist eine Zahl, die ich in manchen Erscheinungsformen als Identität benutzt hatte.

Mein Vater (der männliche Elternteil, bei den Menschen waren damals die Geschlechter streng in zwei Teile gegliedert: männlich und weiblich) war ein Bauarbeiter (er verrichtete schwere körperliche Arbeiten im Aufbau von großen Gebäuden), grob in der Statur und im Wesen. Meine Erinnerungen bringen ihn immer mit einer Flasche Bier (Einem Behälter aus geschmolzenem Silikat, der ein alkoholisches Gärgetrank aus pflanzlichen Stoffen und Wasser enthielt) in Zusammenhang. Und mit einer lauten und sehr rüden Ausdrucksweise. Wenn er betrunken, das heißt im Alkoholrausch war, war es ratsam, ihm aus dem Weg zu gehen, damit man von ihm keine Schläge bekam.

Mich hatte er besonders im Fokus, weil ich für seinen Geschmack zu schmächtig war, im Gegensatz zu meinem Zwillingsbruder (Dem anderen männlichen Nachkommen meiner Eltern, der als Besonderheit gleich alt und mir im Genom fast identisch war) und meiner jüngeren Schwester (einem später geborenen weiblichen Nachkommen meiner Eltern), die für ihn sein Ein und Alles war.

Meine Mutter war Wäscherin (sie reinigte in einer großen Halle fremde Textilien, Stoffe, die Menschen als Kleidung über der Haut trugen) und so schmächtig und still, wie mein Vater groß und laut war. Sie hatte wenig zu melden. Auch sie konnte mich nicht beschützen, wie man es eigentlich bei den meisten Spezies von Müttern erwarten würde. Sie dachte genau, wie mein Erzeuger, dass die Kinder das unter sich klären konnten. Das traf für meine Geschwister auch zu, jedoch nicht für mich.

Auf mich achtete keiner: der größere hatte die Verantwortung, dem mussten wir gehorchen, was mir schwer fiel, weil ich eigentlich zehn Minuten älter als mein Bruder war, und die jüngere als sogenanntes Nesthäkchen, der man alles durchgehen ließ. Wenn die mich wenigstens in Ruhe gelassen hätten.

Mein Bruder schlug mich, auch, weil ich ihm körperlich nicht gewachsen war, ich war schmal und nicht so kräftig. Und meine Schwester nahm mir oft alles weg, was ich dann, wenn überhaupt, nur noch kaputt zurückbekam. Zum Beispiel hatte ich einmal mit neun Jahren versucht, Ameisen (Kleine sechsbeinige staatenbildende insektoide Lebensformen) zu züchten. Sie fand mein kleines Terrarium (Deren Behälter), fiel über ihre Füße, und das Terrarium samt Inhalt, was ich bis dahin noch gut in meinem Schrank (Einem Möbelstück aus Holz) zwischen alten Büchern (Festspeicher aus mit Schriftzeichen bedruckten zusammengebundenen Papierblättern bestehend), Videospielen (elektronische Unterhaltungsmedien), Spielsachen und ähnlichem Kram versteckt hielt, landete auf dem Boden.

Der Ärger war groß. Aber nicht für die Kleine. Für mich. Ich war anders als meine Geschwister, weil ich vielen Interessen an Naturwissenschaften und Technik nachging. Ich wollte immer wissen, warum viele Dinge so und nicht anders funktionierten, was – da bin ich ehrlich – über den Verstand meiner Familie hinausging.

In der Schule (eine Lerneinrichtung, wo man viele mehr oder weniger gleichaltrige Kinder in Gruppen, sogenannte „Klassen“ steckte, um gemeinsam soviel wie möglich an menschlichem Wissen oder Unwissen zu lernen, wo nicht wirklich nach Nutzen und Sinnlosigkeit dessen, was gelernt werden sollte unterschieden wird. Dort vermittelten „Lehrer“ dieses Wissen und fragten es ab.) fiel ich wenn überhaupt nur dadurch auf, dass ich kaum auffiel. Ich war besonders gut am Anfang meiner schulischen Ausbildung in Mathematik und merken konnte ich mir generell viel. Was mich nicht sehr beliebt bei den anderen machte. Für die Zeugnisse (Die Leistungen in der schulischen Ausbildung wurde mittels Noten bewertet) bekam ich jedenfalls keinen Ärger, außer beim Sport, wo die Worte meines Vaters waren: „Ein Mann, der nicht einmal rennen kann, ohne zu stolpern, ist kein Mann!“ Heute würde ich zu ihm, grob aus meiner jetzigen Denkweise in seine übersetzt, sagen: „Red nicht so einen Scheiß daher!“ Und noch einiges mehr. Aber damals war das undenkbar. Das hätte weder mein Bruder noch meine Schwester gewagt.

Mir war immer ein Rätsel, wie meine Geschwister so beliebt waren und immer von Freunden (Leute, mit denen man sich gut versteht) umgeben waren. Was sich sogar bis in die Pubertät (Angehende Reifung der Fortpflanzungsorgane) bei den beiden fortsetzte. Meine Schwester begriff nie, weil sie den Vergleich mit meinem Bruder hatte, dass ich im gleichen Alter wie er, mich wesentlich langsamer entwickeln würde und immer kleiner bleiben würde, als der Durchschnitt.

Obwohl wir Brüder eineiig (genetisch identisch) sind, unterschieden wir uns stark voneinander. Man sah zwar, dass wir das in etwa gleiche Erscheinungsbild und die gleichen Erbanlagen hatten, aber sind gut zu unterscheiden an Größe, Statur und den Gesichtszügen, die bei meinem Bruder gröber waren und bei mir hagerer. Außerdem brauchte ich ab der vierten Klasse bereits eine Brille. Am ärgerlichsten war für mich die Tatsache, dass ich die abgetragenen Sachen meines Zwillings (!) tragen musste, wenn er mal wieder einen Wachstumsschub hatte, welcher bei mir oft auf sich warten ließ. Ich war mit 13 so groß wie er mit 10.

Im Gegensatz zu anderen Zwillingen war unsere Verbindung auf Dauer nie so groß, dass wir nie eine eigene Sprache entwickeln oder gegenseitig unsere Sätze, beziehungsweise Gedanken vollenden konnten. Er hatte kein Interesse daran, oder war sowieso nicht in der Lage, meinen Gedanken zu folgen. Diese Art Verbindung, die ich zu ihm nie bekam, hatte dafür unsere Schwester mit ihm. Ich war auch neidisch, als er seine ersten Freundinnen und sie ihren ersten Freund (Damit sind potentielle Paarungsgefährten gemeint) nach Hause brachte. Ich saß alleine da. Selbst wenn sie mich gezwungenermaßen mitnahmen, wenn sie in eine Disko (Ein Raum, wo atonale Rhythmen gespielt wurden, zu denen sich die Anwesenden mithilfe bestimmter Muster bewegten, die artspezifischen Balzritualen dienten) gehen, setzten sie mich irgendwo am Rand ab und ließen mich alleine. Meist schlichen sie sich mit ihren Eroberungen irgendwohin oder ließen mich irgendwann allein nach Hause, weil sie mal wieder vergessen hatten, dass ich auch mit anwesend war. Sie hätten auch so viel Anstand haben können, mich irgendeinem Mädchen (Weibchen) vorzustellen.

Sie wussten doch, dass ich damit keine Erfahrungen hatte. Meine eigenen Versuche endeten so kläglich, wie sie begannen: Entweder wurde ich von den Betreffenden, und/ oder ihren Freunden oder Freundinnen ausgelacht, oder ich bekam ein alkoholisches Getränk über den Kopf oder die Hose geschüttet, eine Ohrfeige oder einen Tritt zwischen die Beine (wo bei den Menschen die Fortpflanzungsorgane sitzen, was vor allem bei Männchen für sehr starke Schmerzreize sorgte) oder, falls die Betreffende einen Freund hatte, einen Schlag in meine Magengrube. (Dort, wo beim Menschen die Nahrung in die Bestandteile zerlegt wird) Bestenfalls kam ich ungeschoren, jedoch alleine nach Hause.

Ich bin zu späteren Zeiten nicht mehr mit den beiden mitgegangen, wahrscheinlich zur Erleichterung meiner Geschwister.

Nach dem Schulabschluss mussten wir uns eine Berufsausbildung suchen. (Das bedeutet, uns entscheiden, welche Funktion wir als Erwachsene ausüben sollten) Mein Bruder wurde Elektriker (Stromversorgung elektrischer Geräte) und meine Schwester wurde Bürokauffrau. (Verwaltungstechnische Aufgaben, Datenverarbeitung, Kommunikation mit Kunden und innerhalb der Kollegen und der Führungsebene)

Sie war sehr beliebt und kam gut voran, was sicher damit zusammenhing, dass sie es dort mit vielen höhergestellten Männern trieb.

Ich war ohnehin nach der fünften auf das Gymnasium (Eine Schule, wo mehr vermittelt wurde, als auf einer anderen) gekommen und hatte, im Unterschied zu den beiden, noch zwei Schuljahre extra. Und wollte danach ein Studium beginnen. (Um Naturwissenschaften zu vertiefen und eine höhere Funktion zu bekommen.) Die Voraussetzungen dazu hatte ich: Einen Abiturquerschnitt von 1,0.

Anders als mein Bruder musste ich auch keinen Wehrdienst (Eine Dienstverpflichtung als Soldat) leisten, weil die einsehen mussten, dass ich dafür völlig untauglich war, was mein Vater mit einer seiner üblichen Bemerkungen über Männlichkeit kommentierte.

Für die Finanzierung des Studiums bekam ich Bafög (Ein finanzieller Vorschuss) vom Amt (Verwaltungsapparat der menschlichen Zivilisation), weil einerseits meine Eltern nicht in der Lage waren, mich finanziell zu unterstützen und ich andererseits für meine Ausbildung meinen Wohnort verlassen und in eine andere Stadt ziehen musste.

Ich hatte das Glück, dass man sich im Studium eher aus dem Weg ging. Zwar bildete man Lerngruppen, aber ich schloss mich selten einer an, Naturwissenschaften waren meine Sprache. Eine, die nur wenige verstanden. Auch in der Universität (Die höchstmögliche Ausbildung) erntete ich irritierte Blicke von manchem Professor (Lehrkraft), weil auch diesem das von mir Gesagte zu hoch war.

Mein Studium verlief ruhig, und endete mit summa cum laude (Ein alter Begriff, der soviel bedeutete: Mit Bestleistung), was sogar dazu führte, dass ich mein Bafög nicht einmal zurückzahlen musste. Und ich schaffte es durch diverse Betriebspraktika, einen Job an einer kleineren Forschungseinrichtung zu bekommen.

Dort lernte ich nach einigen Jahren meine damalige Frau kennen. Ich wusste bis dahin nichts über Liebe oder Paarbildung oder ähnlichem. Was mir damals so wichtig erschien und ich heute eher banal finde. Sie war eine Angestellte und ich traf sie öfter in der Mittagspause. Sie fand mich anscheinend geheimnisvoll und faszinierend. Eher weil ich so schweigsam bin.

Sie lud mich eines Tages zu sich nach Hause auf einen Kaffee ein (ein anregendes Getränk mit einem Inhaltsstoff, genannt Koffein); ich wusste aber nicht, dass das bedeutete, dass sie anderes im Sinn hatte. Das hätte sie mir auch so sagen können. Die Sprache der Menschen ist ohnehin immer voll gewesen von uneindeutigen Begriffen und Wortspielen. Und dass so viel im Nichtgesagten stecken konnte, kann ich mir auch heute nicht gut vorstellen.

Sie führte mich in die Geheimnisse der Sexualität ein. Natürlich bekam ich nicht alles, was ich mir erträumt hatte in meinen pubertären Fantasien und aus den Gesprächsfetzen meiner Geschwister, die das so hoch gelobt hatten.

Aber ich war dankbar, dass ich diese Erfahrung auch endlich haben durfte, auch wenn ich da schon über zwanzig Jahre alt war. Sie fand mich so faszinierend (wahrscheinlich dachte sie, ich habe eine große Zukunft vor mir und erhoffte sich ein Stück des Erfolges, beziehungsweise ihre finanzielle Absicherung) dass wir ein Jahr später heirateten. (Die Paarverbindung rituell festigen) Dort schaffte es sowohl mein Vater als auch mein Bruder, mir mal anerkennend auf die Schulter zu klopfen. Was mir zu dem Zeitpunkt, weil ich mich sehr selten habe dort blicken lassen, nur noch weniger bedeutet hatte.

Der Erfolg blieb aus. Ich hatte immer noch mehr oder weniger die gleiche Stellung wie zu Anfang, was mir oft Kritik meiner Frau einbrachte. Sie verglich sich anscheinend mit ihren Freundinnen und machte mir Druck, auch endlich etwas zu erreichen. Noch schlimmer war, dass wir oft versuchten, Nachwuchs zu bekommen, was nie klappte. Es war unerträglich, sowohl für sie als auch für mich. Sie konnte es nicht ausstehen, an Müttern mit Kinderwagen (Transportmittel für Kleinstkinder, die noch nicht imstande waren zu laufen) oder kleinen Kindern vorbei zu kommen. Sie machte mich dafür verantwortlich und ließ mich nach einigen Jahren spüren, für welchen Versager sie mich beruflich und als Mann hält. Mir war es egal, ob ich Kinder habe oder nicht. Das war nicht wichtig, solange man sich liebt. Aber daran begann ich, der ich dahingehend sehr naiv war, langsam zu zweifeln.

Ihr war es nicht egal. Irgendwann trennte sie sich von mir, offensichtlich wegen einem anderen. Gesagt hatte sie mir nichts, Ich kam von der Arbeit, ihre Sachen waren alle weg. Sie war weg. Einfach so. ohne ein Wort. Es war bitter.

Diese Gefühle für außenstehende Spezies zu beschreiben ist eine schwierige Aufgabe. Entrissen von einer Bindung, zerrissen vom Verlust. Und ohne irgendeine Gewissheit und einem Grund, sodass man das Ganze nicht mal irgendwie sortieren konnte.

Ich sah sie nur ein halbes Jahr danach zufällig von weitem, bereits mit einem Baby, welches gerade zwei oder drei Monate alt war. Ich konnte es mir ausrechnen, dass sie mich in der Zeit unserer Verbindung mit einem anderen betrogen haben muss (Sex heimlich außerhalb der Partnerschaft, ohne den betreffenden eigenen Partner mit einzubeziehen) Das traf mich wirklich hart, dass sie nichts gesagt hatte.

Man hätte doch auch künstliche Befruchtung in Betracht ziehen können oder so. Aber anscheinend war ich ihr diese Gedankengänge nicht wert. Ich konnte nun endlich mit ihr abschließen, weil ich nun den Grund kannte: wir waren genetisch anscheinend inkompatibel, sodass sie mich durch einen anderen Partner ersetzte.

Die Art und Weise mit der sie vorging, empfand ich als beschissen (Verdeutlichungswort), sie war von da an für mich nur noch eine Fremde. Ich wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben und auch mit keiner anderen Frau mehr, damit ich so etwas nicht noch einmal erleben musste.

Ich wechselte in ein anderes großes, renommiertes Forschungsunternehmen und zog dafür um. Dort blieb ich bis zu diesem Ereignis, welches mein Leben auf den Kopf stellte und mir ganz andere Möglichkeiten bot...

Während ich mich so erinnere, fällt mir sogar auf, wie sehr ich mich wieder der menschlichen Sprech- und Denkweise nähere, so dass ich für Aufzeichnungen doch öfter bestimmte Begriffe umdefinieren muss, weil andere Lebensformen bestimmte Begriffe, wie „Textilien“, „Bier“ und viele weitere, nicht einmal kennen oder sie sich vorstellen können.

Aber dummerweise kann man keine Geschichte nur mit Hilfe der allgemeingültigen Sprache der Mathematik, Physik oder Chemie erzählen. So ist man gezwungen, sich mit Worten und mehreren guten Übersetzungsmatrizen behelfen. Zum Glück verfüge ich über die besten und über etwas, was die wenigsten Lebewesen haben: Zeit und Unmengen von Erfahrungen.

Wie es dazu kam:

Stefan Höfer machte seine übliche kleine Pause, um wie so oft über seine Lebenssituation nachzusinnen oder darüber zu hadern. Er saß zu dem Zweck in einer Klokabine seiner Arbeitsstelle als Physiker in einem Forschungsunternehmen für Biotechnologie und Bionik.

Ein Mann, der sich somit straff auf die Fünfzig zu bewegte, unterdurchschnittlich groß, etwas untersetzt, also um die Körpermitte herum etwas aus dem Leim gegangen. Seine hellbraunen Haare lichteten sich im Stirnbereich bereits und nahmen stellenweise eine graue Farbe an.

Zudem trug er Klamotten, die durch das lange Tragen schon etwas zerknittert und muffig waren und zu allem Überfluss schon aus der Mode gekommen waren: Eine braune Tuchhose, ein helles mit blauen Streifen kariertes langärmeliges Hemd und darüber einen grauen, ärmellosen, wollenen Pullover. Über die Art und den Zustand der Unterwäsche mochte man spekulieren oder auch nicht.

Er zündete sich einen Joint, gestreckt mit Tabak, an, um zu entspannen oder seine Gedanken kreisen zu lassen. Die Lüftung hier war hervorragend, sodass davon keine spürbaren Gerüche wahrnehmbar blieben, wenn er die Kabine wieder verließ. Kaum jemand verirrte sich hierher, weil es für die meisten der Belegschaft zu abgelegen war. Hier gingen normalerweise die Reinigungskräfte hin, um ihr Geschäft zu verrichten und weniger die Elite der Belegschaft, von denen etliche ebenfalls – trotz strengem Verbot – heimlich rauchten oder kifften.

Das war ihm nur recht. Er hatte schon seit langem genug von dem Job, weil er seit längerem das Gefühl hatte, mal wieder aufs Karriereabstellgleis geschoben worden zu sein. Er wusste, dass er der beste war im Programmieren und der Material- und Strukturanalyse am Elektronenmikroskop. Außerdem konnte er manche Rechnungen, die der Computer machte, im Kopf nachvollziehen und war auch von früher Kindheit an an vielen Vorgängen der Natur, Biologie, Physik, Chemie und Mathematik interessiert und wusste diese Fachgebiete meisterhaft miteinander in Beziehung zu setzen.

Er nahm seine Brille von seiner Nase, um diese zu putzen. Die Sehhilfe war recht stark, etwa acht Dioptrien minus, also starke Kurzsichtigkeit, und sprach, genau wie seine Textilien, von seinem... etwas eigenen... Modegeschmack.

Der Mann nahm noch einen Zug von seinem Tütchen. Und dachte an das Gespräch mit seinem Vorgesetzten von letzter Woche, worin er bat, doch einmal in dem Bereich zu arbeiten, an dem er schon lange interessiert war. Die Spezialabteilung, die mit Schwarmintelligenzen und winzigen Maschinen arbeitete. Dort suchte man jemanden für die weitere Forschung, für die er eigentlich bestens qualifiziert wäre, wenn dieser blöder Ochse von Chef nicht wieder jemand Jüngeren mit mehr Biss vorgezogen hätte. Dieses dämliche, dreimal verfluchte Arschloch!

Wenn er dran dachte, dass ebendieser ihm bei seiner Bewerbung mit höchsten Flötentönen wer weiß was für Möglichkeiten eröffnet hatte, wurde ihm jetzt schlecht. Ärger und Ernüchterung, die sich schon lange in ihm breit machten, suchten sich in der jüngsten Zeit ihre Bahn.

Fast 15 Jahre und immer noch derselbe Posten... Wird vielleicht Zeit für eine Veränderung! Aber wer würde mich alten Sack noch nehmen?

Vor allem war er doch zuverlässig und arbeitete oft auch in seiner Freizeit an der Vervollkommnung seiner Fähigkeiten. Er programmierte und bastelte sich selber elektronische Zubehörteile für seinen Rechner und stellte in Eigenregie theoretische Berechnungen für die unglaublichsten Materialien an, die er einerseits lieber geheim hielt und die sich andererseits mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht produzieren ließen.

Leider nützt einem Zuverlässigkeit oder Strebsamkeit nichts, wenn man sozial minderbemittelt war. Wenn die Typen mit dem größten Maul die meisten Erfolge für sich verbuchen konnten, die oft genug nicht mal auf deren eigenen Mist gewachsen waren, sind geniale Köpfe auf verlorenem Posten. Ein Wunder, dass wir als Spezies überhaupt aus der Savanne heraus gekommen waren...

Stefan inhalierte weiter seinen Stoff, welcher langsam die erhoffte Wirkung zeigte: Er fing an zu schmunzeln und sein Frust relativierte sich ein wenig. Er dachte an den Feierabend und das Wochenende, welches er wieder in seiner Stammkneipe verbringen würde und damit, seine Vorräte an Gras wieder aufzustocken. Und den Rest davon vor dem Rechner zu sitzen und zu programmieren, während der Fernseher lief.

Kommt heute nicht mal wieder eine Doku? Und morgen läuft doch der Science-Fiction-Film, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe!

Das selbe Spiel wie fast jedes Wochenende... Peng! Die Wirkung war wieder abgesackt und der Verdruss kehrte zurück. Er nahm noch einen Zug von seinem Haschisch...

Hektische Finger tippten Befehle in die Tastatur des Rechners eines speziellen Labors, welche versuchten, die gerade etwas prekär werdende Lage in den Griff zu bekommen.

„Gehen Sie an den freien Computer und überprüfen Sie den Quellkode noch einmal! Irgendwie muss der Fehler doch zu beheben sein!“, rief der Forschungsleiter mit schnellen und nuscheligen Worten zu seinem einen Assistenten, während er hastig seine nächsten Befehle in den Rechner eingab.

Zeile für Zeile überflog der Angesprochene die Programmierung. Und fand auf den ersten Blick nichts. Er stöhnte auf, denn es waren doch etliche tausend Zeilen Text, die er durchsuchen musste.

Der Abteilungschef Professor Doktor Menke, ein älterer Mann von Mitte Fünfzig fuhr sich mit einer Hand nervös durch seine schon sehr früh weiß gewordenen Haare, während er mit der anderen hektisch und planlos weitertippte. Er geriet dabei etwas ins Schwitzen und seine Nervosität übertrug sich auf seine Unterlinge.

Einer davon überwachte den Behälter mit der zähflüssigen grauen Masse, die wie lebendig zu wabern schien. Eine gutaussehende Frau in den Dreißigern gab mit besonneneren Händen ebenfalls Befehle in einen Rechner ein. Und der Dritte war mit der Überprüfung des Quelltextes beschäftigt. Alle drei dachten bei sich: Wenn der Alte doch wenigstens die Ruhe bewahren würde...

Die Substanz schien sich zu vermehren.

Stefan in seiner Toilettenkabine rauchte genüsslich weiter und besah sich neugierig die neuesten Klonachrichten. Es gab immer jemanden, der die Wände der Kabinen mit mehr oder weniger kreativen Sprüchen oder Kritzeleien verzierte. Es reichte von: „Wer das liest ist doof!“ (Kindergarten), „Auch Makaken müssen ma’ kacken!“ (Welcher mit dem dazu passenden Bild eines Affen unterlegt war und einen Schmunzler bei dem heimlich kiffenden Forscher auslöste), „Fünf Minuten wird geschissen, wer länger scheißt wird rausgeschmissen!“ (War sicherlich auch lustig gemeint, hatte aber einen ernsthaften Unterton.) Ebenfalls vertreten waren die obligatorischen Bilder von weiblichen oder männlichen Geschlechtsteilen oder generell nackten Frauen.

Letztere mochte er allerdings nicht gern sehen, weil es leise und dumpfe Erinnerungen an seine Exfrau hervorrief, die seine einzige und zum Ende hin nicht die beste Erfahrung auf diesem Gebiet war. Und nach der unschönen Trennung, bei der sie ihn einfach sitzen ließ ohne, dass sie ihm überhaupt einen Ton davon gesagt hatte, warum, wieso, weshalb.

Nach knapp neun oder zehn Jahren Ehe wäre doch wenigstens ein Vorwurf besser gewesen als das..., dachte er verbittert.

Den Grund für ihr Verschwinden klärte sich nach über einem halben Jahr. Als sie einen Wagen mit einem fast frisch geschlüpften Baby schob. Dieses konnte nicht von ihm sein, denn Juliane wurde von ihm einfach nicht schwanger. Was sie nach etlichen Fehlversuchen dazu veranlasste, ihn mit Vorwürfen zu überschütten. Er ahnte, dass er der Grund dafür war. Vielleicht lag eine Zeugungsunfähigkeit bei ihm vor.

Der Mann seufzte und nahm noch einen Zug...

„Gebt Alarm!“, schrie der Forschungsleiter Menke zu seinen Untergebenen.

„Nein, Professor, Sie kennen das Prozedere! Sie haben den Schlüssel und die Vollmacht, nachdem alle Anwesenden das Labor verlassen haben und hermetisch abgeriegelt haben! Noch ist nichts von der Substanz ausgetreten. Also gilt erst einmal die unterste Alarmstufe.“, sagte die Assistentin im ruhigen und dennoch resoluten Tonfall.

Der ältere Mann mochte es nicht, wenn einer seiner Leute den besseren Überblick als er selbst hatte, sah aber ein, dass die Frau recht hatte und sagte: „Sie haben es gehört. Alle raus hier!“

Unter einigem Stolpern verließen sie das Labor. Der Spezialschlüssel wurde in die Alarmeinrichtung eingeführt und umgedreht. Eine vierstellige Zahl wurde eingegeben, bevor überall ein Alarmsignal ertönte...

… welches sämtliche Angestellten und Arbeiter des Forschungskomplexes dazu veranlasste, umgehend alles stehen und liegen zu lassen und ihre Arbeitsplätze zu räumen.

Der Treff- und Sammelpunkt, an dem sich alle nach und nach einfanden, war die Wiese am Eingang zu dem Gelände.

Stefan selber bekam davon nichts mit, so vertieft war er in seinen Gedanken, in den er schon langsam sehr tief in die Welt der mathematischen Gleichungen, des Binärkodes, der atomaren Chemie und Physik eintauchte.

Diese Formel da! Sie erklärt anscheinend einen Teil der Stringtheorie! Wie genial ist das denn?

„piep...“

Je tiefer er eindrang, umso weniger nahm er die Außenwelt um sich herum wahr und umso größere Geheimnisse offenbarten sich ihm für kurze Zeit, die er im nüchternen Zustand zu seinem Bedauern nur noch in Bruchstücken wusste.

„Piep!“

Vielleicht sollte ich langsam von hier verschwinden. Heute krieg ich eh nichts mehr hin und Überstunden hab ich genug gesammelt... Und was ist das hier die ganze Zeit für ein nerviger Misston? …

Die graue glibbrige Masse, die sich in dem Speziallabor befand, trat nun doch langsam aber sicher aus ihrem Behälter aus und schien ein Eigenleben zu entwickeln.

Sie quoll weiter voran und wirkte so, als suchte sie etwas. Vielmehr ertastete sie die Umgebung. Sie begann, bestimmte Materialien in sich aufzunehmen. Plastik, bestimmte Halbleiter, elektronische Bauteile. Computer. Möbel. Und andere Werkzeuge. All das wurde nach und nach von ihr in mehr von sich umgewandelt. Bis nichts anderes Verwertbares vorhanden war.

Sie folgte nun einem anderen Programm. Sie hielt nach etwas anderem Ausschau, fand aber nicht, was sie suchte. Den Raum hatte sie schon bald komplett erkundet und alles absorbiert, was sich als Rohmaterial verwenden ließ. Schließlich nahm sie einen Lüftungsschacht wahr, in den sie bald darauf hineinsickerte.

Draußen begann man, die Anwesenheit der Leute zu überprüfen, indem die Namen der Angestellten und Arbeiter, sortiert nach Abteilungen, verlesen wurden.

Von alldem nahm der einsame und etwas frustrierte Wissenschaftler keine Notiz, der noch immer seine Zeit auf dem stillen Örtchen allein mit sich und seinem Marihuana zubrachte.

Seit er die Kabine betrat, waren nicht mehr als zehn Minuten vergangen.

Etwas riss ihn aus seiner Gedankenwelt. Etwas Körperliches, Weltliches. Es tropfte von der Decke. Es tropfte?

Stefan Höfer hatte etwas davon in den Nacken bekommen. Etwas ärgerlich, so aus seiner Welt gerissen zu werden, sah er kurz nach oben. Da befand sich ein kleiner Lüftungsschacht, aus dem eine graue, leicht metallisch glänzende, schlierige Schmiere glibberte.

Was zum Geier ist das für Zeug?, dachte er und wischte es angeekelt von sich. Er rieb es zwischen seinen Fingern. Es hatte eine relativ hohe Viskosität, war also zähflüssig. Nahezu geruchlos war es außerdem. Nur eine ganz leichte Metallnote fiel ihm auf. Genauso, wie er wusste, dass selbst Blut metallischer roch, als diese ihm unbekannte Substanz.

Er wollte sich gerade zum Gehen wenden und stand von seinem Thron auf, als noch mehr von der Masse aus dem Schacht rann und weiterhin auf ihn zu träufeln.

Der Mann geriet nun in eine gewisse Beklemmung und rüttelte an der Kabinentür, die er mit diesem sich immer mehr verstärkenden Gefühl im Hinterkopf nicht mehr so leicht öffnen konnte.

Noch mehr des Zeuges sickerte auf ihn herab. Stefan bekam mehr und mehr die nackte Panik. Erst recht, als er komplett von der Masse bedeckt wurde.

Er fiel in Ohnmacht.

„Herr Meyer!“

„Hier!“

„Herr Schulz!“

„Hier!“

„Frau Göpfert!“

„Hier!“

...

Noch mehr Namen wurden am Sammelplatz aufgerufen, um die Anwesenheit der Belegschaft zu überprüfen. Unter anderem Stefans: „Herr Höfer!“

Keine Reaktion.

„Herr Höfer!“

Keine Reaktion. Der Chef wurde langsam unruhig. Wenn dem alten Schussel nur nichts passiert ist..., dachte er bei sich und ballte in leichter Anspannung seine Fäuste, bis er die entscheidende Frage an seine Abteilung stellte: „Hat jemand von Ihnen den Herrn Höfer gesehen?“

Alle Angesprochenen schauten sich um und bemerkten erst jetzt, dass der Vermisste, von dem sie im Normalfall kaum Notiz nahmen, durch Abwesenheit glänzte.

Nervös schaute der Vorgesetzte auf seine Uhr und man sah anhand der Mimik, wie es in ihm arbeitete. Er kannte die Saumseligkeit des ihm unterstellten Technikers, was die Zeiterfassung anging und er wusste auch, dass sein Untergebener am Freitag gern sehr zeitig Feierabend machte und zog daraus seine Schlüsse.

Er notierte etwas auf seinem Tablet: „Höfer, Stefan: Schon im Feierabend. Zeitpunkt seiner Abwesenheit: unbekannt.“ Wie immer...

Heimweg

Nach einigen Minuten erwachte der Materialforscher aus seiner Bewusstlosigkeit. Und schreckte auf, als ihm erneut bewusst wurde, was vorher mit ihm geschehen war.

Er betastete und beäugte alle Körperstellen und stellte fest, dass die Masse nirgends zu sehen war. Dafür waren die Toilettenkabinen wie blitzeblank gewienert – sämtliche Schmiereien waren verschwunden. Bei ihm selbst war nichts abhanden gekommen. Zum Glück für die Welt!

Stefan ging zum Duschraum, um sich zu säubern – er hatte sich nämlich aus atavistischen und dennoch verständlichen Gefühlsregungen in die Hose gemacht.

Dort entledigte Stefan sich kurz entschlossen seiner Wäsche und stellte das Wasser auf eine, ihm angenehme, warme Temperatur, seifte sich gründlich ein. Er fühlte den Schaum, roch diesen herben Duft des Männerduschbades und spürte das Wasser, welches wie leichter Regen seine Haut traf, bis es in Rinnsalen die Seite von ihm wegwusch.

Der Mann fühlte sich nun wieder sauber und wesentlich wohler. Erst recht, nachdem er seine Hosen provisorisch ausgewaschen, ausgewrungen, ausschüttelt und in die Handtrockengebläse gehalten hatte, bis sie halbwegs trocken waren.

Er trocknete sich mangels Handtuch notdürftig mit Klopapier ab und zog sich wieder an. Danach verließ er den Herrenduschraum, das Gebäude und das Gelände – wie schon so oft – durch die Hintertür.

Er suchte die nächste Haltestelle auf und wartete auf seine Straßenbahn in Richtung heimatlicher Hafen.

Als seine Linie kam, stieg er ein. Zum Glück handelte es sich um einen der neuen Niederflurwagen, wo er wesentlich leichter einen Einzelplatz fand als in den alten Schüsseln, Marke DDR, die noch als Relikte älterer Zeiten ihre Runde drehten.

Es wurde schon langsam Nachmittag. Weitere Leute stiegen zu- oder aus. Alle auf dem Weg nach Hause oder in die Spätschicht. Gelegentlich ein Penner oder wie weiter hinten einige grölende Jugendliche, die die Umgebung mit ohrenbetäubender Musik aus einer Soundbox unterhielten.

Dämliches Pack!, dachten viele der Fahrgäste, ohne etwas dagegen zu unternehmen.

Irgendwann wurde es dem Fahrer zu bunt. Er kannte so eine Situation bereits; die ging eben nicht glimpflich für ihn ab. Vor Jahren in einer seiner Nachtschichten. Seitdem war er vorsichtiger geworden...

Zusätzlich gereizt durch das Benehmen der Störenfriede, durch den schon monatelang anhaltenden Personalmangel – inklusive Überstunden – und seiner momentanen familiären Situation, nahm der große, bullige Mann an der nächsten Station den Weichensteller aus grob geschmiedeten Eisen zur Hand und trat wild entschlossen auf die Meute zu und blaffte: „So, Leute, entweder die Musik aus oder raus mit euch! Ihr belästigt die Fahrgäste!“

„Schieb ab, Alter!“, erwiderte einer von ihnen, während sich seine Bande drohend dem Fahrer näherte, um auszutesten, ob er es wirklich ernst meinte. Falls nicht, würden sie schon ihre Späße mit ihm treiben...

Der Fahrer schwang als Antwort drohend den Weichensteller, was die Jugendlichen dazu veranlasste, „Oooooh! Jetzt will ers uns aber jeben!“ zu rufen.

Zum Glück für den Fahrer stiegen eben Kontrolleure ein, die der Situation gewahr wurden und dem Fahrer zur Hilfe kamen. Sie stellten durch ihre Anwesenheit das Kräftegleichgewicht wieder her und verlangten gleich die Fahrkarten der Ruhestörer.

Diese wurden kleinlaut, weil sie natürlich keine hatten. „Kommt ihr jetzt freiwillig mit uns raus, oder sollen wir erst die Polizei rufen?“, kam es von Seiten des Kontrollpersonals.

„Jaa, jaa!“, maulten die Jungspunde und fügten sich widerwillig. Vor allem als sie sahen, dass der Fahrer mit finsterer Miene den Weichensteller demonstrativ wie einen Schraubenzieher drehte, um ihnen eine etwas unkonventionelle Verwendung dieser Metallstange anzudrohen.

Draußen wurden ihre Personalien aufgeschrieben und jeder von ihnen bekam sechzig Euro Bußgeld aufgebrummt, während drinnen, sowohl Fahrer als auch Passagiere, kurz innehielten und vor Erleichterung aufseufzten.

Herr Höfer wohnte am anderen Ende der Stadt und musste noch etwa eine Stunde fahren. Mit Umstieg am Hauptbahnhof.

Den hätte er beinahe verpasst, weil es ihm schwindelig wurde und er mehrmals für einige Minuten einschlief. Zum Glück wachte er noch rechtzeitig auf und schaffte auch seinen Anschluss problemlos. Relativ.

Ihm wurde immer schwummeriger. Ob das etwas mit dieser Masse zu tun hatte? Er schüttelte diesen Gedanken ab, weil er ohnehin zu Hause zu lange wach blieb, wenn er sich an irgendeinem seiner Projekte festgehangen hatte und sowieso meist nur vier oder fünf Stunden in der Nacht schlief.

Er quälte sich die Treppen zu seiner Wohnung hinauf. Sie war recht groß – die Miete war in den Randgebieten recht günstig. Allerdings war sie recht spärlich eingerichtet.

Das kleinste Zimmer war das Schlafzimmer. Mit einem schmalen Bett mit zerwühlter vergilbter Bettwäsche, einer Lampe, einer kleinen Kommode und einem Kleiderschrank ausgestattet. Getragene Sachen lagen in Haufen herum und Staubflusen tanzten ihren Reigen, vor allem, wenn er doch einmal daran dachte zu lüften.

Die Küche war ebenfalls recht klein, aber bestand nur aus einer hüfthohen weißen Küchenzeile, einer Spüle, einer Herdplatte und einer Mikrowelle. Allerdings hatte Stefan nicht einen sondern zwei große Kühlschränke, von denen einer für Lebensmittel und der andere für seine Projekte, bzw. biologische Proben gedacht hatte, die er sich gelegentlich heimlich aus dem Darknet besorgte.

Dies war auch der hellste Raum des Hauses und auf dem Fensterbrett stand eine kleine Marihuanapflanze, mit der er seinen Vorrat an Gras gelegentlich selbst aufstockte. Diese klammerte sich etwas mühsam ans Leben. Wenn der Zettel mit der Aufschrift „Bitte einmal täglich gießen!!!“ nicht am Blumentopf kleben würde, wäre sie schon vor langer Zeit vertrocknet.

Das Bad bestand aus Dusche, Badewanne, Toplader-Waschmaschine, einen Medikamentenschrank und einem für sonstige Putz- und Pflegeutensilien, die allerdings eher selten im Gebrauch waren. Allerdings ging es sowohl in der Küche als auch im Badezimmer sauberer zu.

Aber das Wohnzimmer, als der größte Raum, spottete jeder Beschreibung. Es herrschte hier die reinste Chaoswirtschaft. Es hatte als Zentrum einen Sessel zum Lesen und Fernsehen, einen riesigen Schreib- und Arbeitstisch inklusive Drehstuhl, auf dem ein Laptop, zwei Flachbildschirme nebst Tastaturen standen, welche an zwei große hochgezüchtete PC-Tower Marke Eigenbau angeschlossen waren. Auf einer anderen Ecke standen Schreibutensilien, Lötkolben neben halbfertigen Baugruppen. Auch Reagenzgläser, Mikroskop und Bunsenbrenner standen dort wahllos verteilt herum.

An einer Wand hingen mehrere A4-Zettel und eine Schreibtafel, welche mit krakeligen mathematischen Formeln beschmiert war, befand sich im Raum. Überall lagen achtlos zusammengeknüllte Zettel oder Pizzakartons mit Inhalt in verschiedenen Stadien des Verfalls herum.

Die Regale an der anderen Wand waren ohne jedes erkennbares System mit Ordnern, Büchern, Comics, DVDs, Videokassetten, Computerspielen und Ähnlichem vollgestopft.

Auffällig war, dass der Fußboden der Wohnung unter dem Teppichbelag mit Isolationsfolie und die freien Wände zusätzlich mit Eierkartons beklebt waren. So brauchte er im Winter nicht heizen und wurde von außen nicht gestört. Der Köter von den Mietern unter ihm im Dauerbellmodus, das seit Jahren im Dauerzoff befindliche Paar von weiter unten und die schreienden Kleinkinder im Haus würden ihm sonst zu sehr auf den Wecker fallen.

Die teilweise schon überquellenden Aschenbecher würden jedem Außenstehenden ins Auge stechen, wenn jemand anders außer ihm jemals die Wohnung betreten würde. Besuch kam keiner weiter.

Nachdem nämlich die letzte Putzfrau entnervt das Weite gesucht hatte und eine der vorletzten versucht hatte, ihn zu beklauen, hatte er es aufgegeben und ließ niemanden mehr hinein. Nicht einmal seinen Neffen. Auch wenn er diesen als einzigen seiner Familie über alles liebte. Immerhin wohnte er auf dieser Etage allein.

Dem Mann ging es nicht immer noch nicht besser, als er erschöpft und taumelnd seine Bleibe betrat. Er legte seine Abendplanung ad acta und knallte sich in sein Bett. Er zog noch seine Schuhe aus, warf diese in die nächste Ecke und schlief fast sofort ein.

„Hat nicht doch jemand eine Ahnung, wo Herr Höfer abgeblieben ist?“, wiederholte Herr Kersten – der Chef – seinen anderen Mitarbeitern der Materialforschung gegenüber die Frage, die er ihnen schon während des Alarms gestellt hatte. Sie befanden sich nun wieder auf dem Weg vom Sammelplatz zurück zu den Arbeitsplätzen, als der Alarm vorbei war und sich nicht als Gefahr für Leib und Leben herausgestellt hatte.

„Keine Ahnung. Ich glaube der ist schon längst zu Hause.“

„Typisch. Dieser zerstreute Professor...“ Der Boss sah seine vorige Vermutung bestätigt und schaute nochmal auf sein Tablet. „Ausgelesen hat er sich auch wieder nicht. Das vergisst der für meinen Geschmack viel zu oft. Mannometer!“ Genervt ergänzte er einfach eine Zeit, von der er vermutete, dass der Kollege seiner Gewohnheit nach Freitags in der Regel die Arbeit verließ und quittierte diesen Eintrag mit dem Vermerk: „Kollege hat erneut das Auslesen vergessen.“

„Hoffentlich war er noch vor dem Unfall zuhause gewesen“, sorgte sich jemand.

Kersten zuckte zusammen, als er dies vernahm. Niemand wusste Genaueres von dem unscheinbar und verschlossen wirkenden Kollegen, den die berechtigten Sorgen seiner Belegschaft neben seiner eigenen Verantwortung und der Aufsichts- und Fürsorgepflicht fast wahnsinnig machten. Außer die Gewohnheit des Vermissten, meistens zu denselben Zeiten zu kommen oder zu gehen, wusste niemand Genaueres von dem unscheinbaren Techniker.

„Ja. Zum Glück betraf den größten Schaden nur die Spezialabteilung...“

„Ausgerechnet die...“, knurrte der Vorgesetzte. „Das war ein Riesenprojekt, durch das wir ausgesorgt hätten. Nicht nur das Forschungsobjekt ist verschwunden, sondern auch die betreffenden Rechner – einfach weg! Selbst wenn die Daten noch auf dem Server liegen, man muss von Null anfangen.“

Er griff schließlich nach seinem Handy und versuchte, seinen Untergebenen zu erreichen. Er musste jedoch feststellen, dass niemand abnahm. Ein Umstand, der ihn verrückt machte. Er riss sich jedoch zusammen und versuchte es wieder – mit demselben Ergebnis.

Und wieder und wieder und wieder...

„Scheiße!“, brüllte er schließlich frustriert und trat gegen den nächstbesten Papierkorb.

Einige Meter weiter hörte man immer noch den Professor Menke über dem Verlust seines Projektes toben. Nicht nur den, sondern eher noch den seiner ganzen Abteilung.

Die Ermahnung seines Chefs hielt sich zum Glück in Grenzen, weil sein monatlicher Verdienst die Fünftausend sprengte. Wären es Eintausend, wäre er fristlos gefeuert worden. Bei Zweitausend hätte es eher einen mordsmäßigen Anschiss und eine Abmahnung gegeben. Bei Dreitausend wäre dieser schon wesentlich moderater und ohne Abmahnung ausgefallen.

Man hatte in der obersten Chefetage beschlossen, den Vorfall unter den Teppich zu kehren, um keine weiteren wichtigen Forschungsaufträge, und dementsprechend Gelder, zu verlieren. Man würde einen Sündenbock suchen – und finden – und ihn oder sie feuern.

Die Befragungen der Polizei und der Feuerwehr waren für ihn wesentlich zeit- und nervenberaubender gewesen. Und der Papierkram erst! Der Mann stöhnte auf. Na ja, das war zum Großteil Sache der Bürohengste, ärgerlich war es trotzdem. Die ganze Arbeit war im Eimer!

Verflucht! Aber immerhin bin ich zu wichtig für die Einrichtung, als das ich rausgeschmissen werden würde.

Stefan Höfer träumte zur gleichen Stunde seltsame Sachen. Er sah Programmzeilen, Formeln, Strukturen und Diagramme, die er sich nicht erklären konnte. Er bildete sich ein, irgendetwas vermehrte sich. Wie Ameisen oder so. Scheinbar replizierte sich etwas Winziges, Sechseckiges. Auf lineare Weise, aber dennoch sehr kontinuierlich.

Generell schlief er im Augenblick sehr unruhig. Er strampelte mehrfach die Decke von sich, weil ihm warm war, fast wie Fieber. Dann zog er sie wieder über sich, weil ihn plötzlicher Schüttelfrost ereilte. Auch dumpfe Schmerzen waren am ganzen Körper zu spüren, zuerst sehr intensiv, aber langsam immer weniger werdend. Allem Anschein nach, sorgten die körpereigenen Schmerzhemmer inzwischen dafür, dass all diese Empfindungen nachließen.

Ab und an stand er auf, um sich irgendein Schmerzmittel zu verabreichen, welches seltsamerweise dann doch nicht die gewünschte Wirkung erzielte.

Andere Male schlief er besser. Die Zeit, die nun verging, verschwamm zu einem diffusen Brei.

Erste Anzeichen von Veränderung

Das Handy klingelte ihn aus dem Schlaf. Immer noch müde tastete er danach und tippte verpeilt auf die Stelle des Bildschirms, die das Gerät dazu veranlasste, das Gespräch entgegenzunehmen.

„Ja, was is’?“, nuschelte er verschlafen ins Mikro.

„Herr Höfer, Kersten hier! Wo bleiben Sie? Ist Ihnen entgangen, dass wieder Montag ist?“, fragte eine gereizte Stimme am anderen Ende der Funksignale.

Montag?

Er nahm das Ding vom Ohr und ließ seinen Abteilungsleiter reden, um in Ruhe auf das Display zu sehen. Tatsächlich! Montag, 06.04.2026, 13:45 Uhr las er dort ab. Ups!

Er nahm das Gespräch wieder auf. „Ich mache hiermit von meinen Wochenendjoker Gebrauch. Das Wochenende war etwas feucht-fröhlich“, log er aus einer spontanen Eingebung heraus.

„Nun gut, sagen Sie bitte das nächste Mal eher Bescheid oder nehmen sie den Joker schon im Vorfeld! Wenn ich an Ihre Schludrigkeit in der Zeiterfassung denke...“, motzte der Chef.

„Dankeschön und auf Wiederhören“, erwiderte Stefan und legte auf. Er dachte nach: Woher wusste ich jetzt, was ich antworten würde? Derartig hab ich bisher nie reagiert! Und vor allem überhaupt zu lügen! Normalerweise telefoniere ich nicht einmal gerne!

...

Montag?!

Er sah noch einmal auf das Handy und las erneut das Datum: Montag, 06.04.2026, 13:46 Uhr. Es schien so, als hätte er fast zwei Tage durchgepennt.

Außerdem sah er jetzt erst, dass er mehrere Anrufe in Abwesenheit hatte. Von Freitag an, seit er sich nach Hause begeben hatte. Alle von derselben Nummer. Der seines Chefs, der ihn vergeblich versucht hatte, zu erreichen. Ups...

Die Schmerzen waren auch weg. Er fühlte sich bestens. Und irgendwie... anders. Seine Gedanken überschlugen sich nicht einmal, wie sonst. Obwohl sie im Moment in Strömen in seinen Kopf hineinflossen, waren sie jetzt wohlsortiert und er hatte vollen Zugriff drauf. Gedanken, die sich im Hintergrund auftaten, warteten da, bis sie gebraucht wurden. Auch welche, die schon wesentlich länger her waren.

Erinnerungen fluteten seinen Kopf. Auch solche, die kein Mensch bewusst haben würde.

Ein warmer Ort, der rötlich erschien und voller salziger Flüssigkeit und noch jemand wie er in der unmittelbaren Nähe, der sich diesen Ort teilte und in einer Tour strampelte. Dumpfe Geräusche von außen. Die Zeit vor meiner Geburt?

Seine Geburt, ziemlich problemlos. Er wusste sogar wieder, dass die Hebamme schwarze Haare hatte. Kurz nach ihm kam sein Zwillingsbruder Markus zur Welt.

Er wusste wieder, dass die Milch seiner Mutter oft wie Seife oder sonstige Chemie schmeckte. Sie arbeitete ja in einer Wäscherei, erinnerte er sich.

Er erinnerte sich an sehr viel mehr Details seiner Kindheit und Jugend. Er schob diese Gedanken erst einmal beiseite, weil sie ihn in ihrer jetzigen Intensität herunterziehen würden.

Andere Sachen, wie seine Interessen und sein Wissen kamen ihm jetzt stärker als sonst in den Sinn. Er erinnerte sich an alle möglichen Fakten und Zusammenhänge, die er je angestellt hatte. Sie kamen ihm immer lückenhafter vor, weil er damals viele Verbindungen zu fachübergreifenden Gebieten nicht gezogen hatte – er wäre auf diese nicht einmal im Traum oder maximal unter Hascheinfluss gekommen.

Auch dies schob er erst einmal beiseite und musste sich erst einmal um näherliegende Dinge kümmern. Er warf seine bisherigen Klamotten ab und untersuchte sich erneut.

Äußerlich schien alles in Ordnung. Merkwürdig war, dass er jetzt auf irgendeine Weise jede Berührung, jedes Haar, jeden Muskel, jeden Nerv, jedes Organ und jedes Lymph- oder Blutgefäß genau zu spüren schien. Ebenso seinen Pulsschlag und seine Bronchien bei der Ein- und Ausatmung.

Seine Lunge wies durch das langjährige Kettenrauchen einiges an Teer- und Staubpartikeln auf. Manche Arterien hatten stellenweise Cholesterin angelagert – aber anscheinend noch nicht genug, um einen Herzanfall auszulösen. Seine Augen, die schlecht sahen. Seinen Magen, der im Moment leer war und grummelte. Sein Darm, in dem einiges in Arbeit war, seine Nieren, die das Blut reinigten, und und und...

Stefan nahm erst einmal die nächstbesten Sachen von einem der Wäschehaufen. Einen dunkelgrauen Jogginganzug, den er sich über frische Unterwäsche zog. Dann suchte er seine Brille. Aaaah! Hinter das Bett ist die gerutscht, während ich schlief. Er setzte sie auf und wunderte sich.

Er blinzelte mehrmals und wunderte sich noch mehr. Er sah unscharf. „Mist! Jetzt muss ich wieder zum Augenarzt; die Stärke stimmt nicht mehr“, brummelte er und legte sie wieder weg. Er stellte somit erstaunt fest, dass er ohne Augengläser etwas besser sah, als sonst mit.

Ab in die Küche! Der Kühlschrank wurde geöffnet und eine Pizzapackung aufgerissen, um den Inhalt in den Ofen zu schieben. Dazu wurde eine Flasche Bier vom Flaschendeckel befreit.

Er atmete durch, und trank seinen Gerstensaft, während er auf seine Pizza wartete. Das Handy klingelte erneut. Aber anders. Er mutmaßte, dass es eine SMS war. Er suchte es und las die Nachricht. „Herr Höfer, morgen haben Sie um Elf einen Termin beim Betriebsarzt. Dieser ist verpflichtend und hängt mit dem Vorfall vom Freitag zusammen. Jeder Mitarbeiter wird untersucht. Mit freundlichen Grüßen, Herr Kersten – Abteilungsleiter, Forschung und Entwicklung.“

Er bestätigte diese Nachricht mit „Okay“ und trank weiter. Seine Mahlzeit wurde auch langsam warm und verbreitete einen annehmbaren Duft nach geröstetem Weizenteig, Tomatensoße, Salami, Zwiebeln und Käse mit einer Spur von Salz, Pfeffer, diversen Kräutern und chemischen Zusatzstoffen, wie Geschmacksverstärker.

Die Schicht Käse nahm schon eine goldbraune Färbung an, als er sie aus der Backröhre nahm und auf ein Holzbrett schieben wollte.

Autsch! Schon hatte er sich den Unterarm an der Innenseite des Ofenrohrs verbrannt. „Verdammt!“, brüllte er kurz auf, als er Brett und Pizza zu Boden fallen ließ. Blitzartig beugte er sich hinunter und fing diese wieder mit dem Brett auf.

Was zur...

Wie, zum Teufel hab ich das denn grade gemacht?

Stefan stellte beides auf seinen Schreibtisch und besah sich die Wunde, die sich rötete und eine Blase bildete. Schnell damit ins Bad!, dachte er.

Er eilte dahin, öffnete den Wasserhahn und ließ kaltes Wasser darüber laufen, um die Verbrennung zu kühlen. Dabei stellte er etwas Erstaunliches fest: Die Rötung und die Schwellung nebst Blase verschwand zusehends, bis nach einigen Sekunden nichts mehr davon sichtbar war.

Der Mann mutmaßte, dass das Wasser nicht der Grund war, warum das passierte.

Ihm kam der Freitag wieder in den Sinn. Und die darauffolgenden Erinnerungen fluteten sein Gehirn. Dass er auf dem Klo seine üblichen Arbeitspausen machte. Der Joint... Seine sämtlichen Gedanken... Die Klosprüche... Der Tropfen auf den Nacken! Die zunehmende vollständige Bedeckung seines Körpers mit diesem zähen, grauen Glibber! Seine darauffolgende Ohnmacht! Ein Gefühl, in dieser Zeitspanne von irgendetwas Undefinierbarem von außen berührt und schließlich durch alle Körperöffnungen von irgendetwas durchdrungen worden zu sein! Das Aufwachen! Sein Weg nach Hause! Das schwummerige Gefühl! Sein tagelanger unruhiger Schlaf! Das Fieber! Die Träume! Die Art, wie er schlussendlich aus dem Schlaf gerissen wurde! Sein jetziger Zustand...

Womit hatten die nochmal rumexperimentiert? Er hastete zu seinem Laptop und schaltete ihn ein. Er öffnete die Einstellungen, verschlüsselte seinen Standort, änderte instinktiv dies und das, öffnete ein Fenster nach dem anderen, ging ins Netz, öffnete dort zig Seiten, die annähernd etwas mit seinem Forschungsgebiet zu tun hatten und besuchte auch die Webseite seiner Firma.

Dort fand er nur das Übliche, aber nichts Genaues, worüber hier geforscht wurde. Er hatte zwar über dieses Gerät keinen Zugang zum internen Server. Das schreckte ihn nicht – mit seinem Verständnis für Programmiersprachen. Also unternahm er den Versuch, sich unauffällig da reinzuhacken. Zumal er nun auf eine Art Multitasking betrieb, wie es nur ein Computer konnte und neue, ihm selbst unbekannte Fähigkeiten zeigte, welche jeden anderen Programmierer oder Hacker in den Schatten stellten.

Geschafft! Er war drin! Von dort legte er eine falsche Spur, dass irgendein Mitarbeiter die Daten der Forschung retten wollte und belas sich.

Er traute seinen Augen nicht. Es schien sich um eine Art Nanotechnik zu handeln. Irgendeine Art winziger, kleiner, sich selbst replizierende Maschinen mit einem Schwarmbewusstsein.

Es ärgerte ihn, dass es ihm bisher von Seiten seiner Vorgesetzten verwehrt wurde, an so einem Projekt teilzuhaben. Er fand den Professor Menke und seine Assistenten als zu inkompetent, daran zu arbeiten. Sie hatten nicht das nötige Feingefühl dafür. Außer vielleicht der einen Assistentin...

Das wäre mal was anderes, als „nur“ metallorganische Legierungen.

Aus einer Laune heraus überspielte er diese sensiblen Daten, auf eine mehrere Terabyte große externe Festplatte. Durch einen weiteren Impuls löschte er danach diese Dateien vom Firmenserver und durchsuchte das Internet, ob es woanders auch Forschungen daran gab. Wurde er fündig, speicherte er auch diese Ansätze bei sich. Zudem transferierte er alle weiteren relevanten Forschungsdaten auf sein Gerät.

Weil er zudem sauer war, seit 15 Jahren trotz Begabung auf das Abstellgleis geschoben worden zu sein, schickte er einen kleinen Virus ins System, der einerseits dafür sorgte, dass das Netzwerk für eine Weile lahmgelegt wurde und andererseits seine Spuren noch extra verwischte. Er modifizierte es vorher so, dass es gut getarnt agieren könnte und auch ohne einen sichtbaren Anhang beim Öffnen einer E-Mail aktiviert werden konnte.

Damit wollte er verhindern, dass nun eine andere Firma – egal, ob sie direkt oder indirekt mit der Forschung an Nanotechnologie zu tun hatte – diese Art Experimente fortführte.

Mit etwas Frust dachte er: Wer weiß, für welche Zwecke die das entwickelt hatten... Scheinbar medizinisch, oder zumindest selbstlernend. Und was draus gemacht werden würde... Damit ist nahezu alles möglich! Und in den falschen Händen...

Seine Gedanken überschlugen sich plötzlich und kreisten um die Worte:Alles möglich! Falsche Hände! Richtige Hände!

Er bekam einen leichten Anflug von Wahnsinn. Was er gerade getan hatte, war mehr als nur einfache Industriespionage. Das war ein Jahrhundertraubzug! Und ein dummer Zufall... Das war ihm klar. Aber er konnte und wollte diesen Schritt nicht mehr zurücknehmen.

Seine Aufmerksamkeit verschob sich an die rechte untere Ecke seines Bildschirms. 07.04.2026 8:50.

8:50!!! Verdammt! Die ganze Nacht durchgemacht!

Ihm fiel ein, dass ihm erst kürzlich ein Termin beim Betriebsarzt angekündigt wurde. Er merkte sich, woran er gerade saß, löschte den Verlauf des Gerätes, zog die externe Festplatte heraus, verstaute sie in ihrer Verpackung und versteckte diese in seiner Chaoswirtschaft.

Dann wusch er sich, zog sich frische Klamotten an. Eine schwarze Hose und ein rot-schwarz kariertes Hemd, aber den Pullunder vom Freitag darüber.

Er nahm sich die hellgraue Stoffjacke, die er schon seit Wochen trug und verließ mit eiligen Schritten sein Refugium in Richtung Haltestelle.

Während er in der Straßenbahn saß, ließ er sich alles Mögliche noch einmal durch den Kopf gehen. Normalerweise hätte er nach einer durchwachten Nacht eine riesige Migräne – aber Fehlanzeige. Einkaufsvorhaben, die vor Monaten geplant waren und wieder verdrängt wurden, fielen ihm wieder ein. Bruchteile von diversen laufenden und verworfenen privaten Nebenprojekten, bei denen er jetzt sicher war, dass er sie doch nicht hätte abbrechen sollen.

Außerdem der andauernde Gleichklang seines Lebens ohne jemals einen Schritt zur Seite oder so gemacht zu haben und zu guter Letzt Programmzeilen seines jetzigen Arbeitsauftrages.

Seine Geschwister Markus und Nicole, an die er ewig nicht mehr gedacht hatte. Sein Neffe Ricardo, der ihn schon längst einmal wieder treffen wollte...

Stefan nahm auf irgendeiner Ebene seinen Umstieg zur Kenntnis und verließ, wie ferngesteuert seine Bahn, um für seinen weiteren Weg das Gleis zu wechseln.

Weiter in Gedanken versunken und Pläne machend oder umwerfend kam er auf Arbeit an.

Wer ihn auf dem ganzen Weg bemerkt hatte, schüttelte den Kopf über den seltsamen Mann, der lief, als wäre er ein Android, ein Zombie oder als hätte der seltsame Vogel einen Stock im Arsch.

Die Kollegen wunderten sich über das späte Kommen von Herr Höfer, der normalerweise um Acht bereits bei seiner Arbeit saß und um dreiviertel Fünf wieder ging. Freitags oft schon ab um Eins oder früher.

Jetzt war es schon fast Zehn. Aber da Gleitzeit galt, sagte niemand etwas. Manch einer dachte bei sich nur: Hat der Typ jetzt endlich mal gerafft, was Gleitzeit bedeutet?

Ansonsten achtete niemand auf ihn. Alle waren in hektischer Betriebsamkeit vertieft. Überall wurde getippt, Tastaturen klickten und klackten. Stifte kratzten auf Papier. Leute unterhielten sich über belangloses Zeug. Die Kaffeemaschine und der Wasserkocher liefen im Dauermodus.

Der Geruch nach diversen Heißgetränken, Schweiß und mancher Tränen sättigte die Luft so sehr, dass auch die Lüftung damit überfordert war.

„Da sind Sie ja endlich! Wie war das verlängerte Wochenende?“, rief Herr Kersten Stefan mit sarkastischem Unterton zu, als er diesem gewahr wurde. Dieser war einige Jahre jünger als sein Mitarbeiter, war nur zehn Jahre dabei, hatte von wissenschaftlicher Arbeit nur halb so viel Ahnung und es nur durch gute Beziehungen in diese Firma und auf den Chefsessel geschafft.

Das fuchste den Untergebenen noch mehr. Verschiedenste Antwortmöglichkeiten kamen ihm in den Sinn. Unter anderem: „Verpiss dich, du Arschloch!“, „...“, „Fick dich!“, „Was geht dich das an?“, „Hallo“, diverse Gebärden oder die totale Ignoranz. Zusätzlich kamen noch die Konsequenzen für jede mögliche Erwiderung.

Er entschied sich für: „Danke, es war sehr schön, ich hatte eine Menge Spaß und Ausfüllung, und es geht mir gut, und Ihnen?“, und ratterte dies mit schneller, monotoner Sprechweise herunter. Das war für alle Anwesenden eine ungewohnte Reaktion des sonst so unscheinbaren Kollegen. Meistens gab dieser merkwürdige Mensch kaum einen Mucks von sich. Nur ein genuscheltes „Hallo“, „Tschüss“ oder gelegentliche ellenlange Monologe, wenn es um etwas Arbeitsspezifisches ging.

„Danke, der Nachfrage, mir geht es auch gut. Und denken Sie bitte an ihren Termin um Elf, Herr Höfer!“, war die verblüffte und knappe Antwort des Vorgesetzten.

„Ja“, lautete die noch knappere Entgegnung, nach der Stefan sich umgehend in sein Büro begab und die Tür hinter sich schloss.

Er hatte die hektische Betriebsamkeit heute wohl mitbekommen und nahm bewusst die Ausdünstungen der vielen Menschen wahr. Und hörte hier und da schroffe bis gereizte Töne oder dementsprechend müde Stimmen und brachte dies in Verbindung mit den Geschehnissen vom Freitag und seinem Bubenstück von dieser Nacht.

Von wesentlich weiter weg hörte er den Menke toben und grinste sich eins.

„Was soll das heißen, weg? Wo sind die Daten, verdammt noch mal?! Wenn ihr die nicht findet, rollen hier Köpfe!“, schallte es zu ihm herüber. Wobei er sich wunderte, dass er das so gut hören konnte und dass er die einzelnen äußeren Reize so klar voneinander unterscheiden und zugleich verarbeiten konnte.

Während er auf seinen Termin wartete, las er sich seine E-Mails durch und sortierte diese und seine Arbeitsaufträge je nach Dringlichkeit. Etwas, was er sonst nie groß getan hatte. Für mehr lohnte die kurze Zeitspanne nicht.

Zehn vor Elf machte sich Stefan Höfer zum Betriebsarzt auf und setzte sich nach seiner Ankunft in den Wartebereich. Dort warteten bereits ein paar andere Kolleginnen und Kollegen auf ihre Termine.

„Herr Höfer bitte!“ wurde gerufen.

Stefan stand auf und ging zu der Tür, die von einer Schwester aufgehalten wurde. Er betrat den Raum, in dem zwei Ärzte auf ihn warteten. Der eine war Dr. Schramm, der ihm bekannte Arzt, der ihn seit seiner Anstellung in diesem Unternehmen routinemäßig durchcheckte. Der andere Mann war ihm unbekannt.

„Bitte machen sie sich bis auf die Unterhose frei“, lautete die nächste Anweisung des Mediziners. Stefan leistete dieser Folge, um die Prozedur rasch hinter sich zu bringen. Er wusste zu genau, was nun kam und dass ihm manches davon nicht gefallen würde.

Erst einmal der obligatorische Holzspatel auf der Zunge mit der Bitte, einmal „Aaah“ zu sagen. Das mochte niemand, soweit er das wusste. Dann wurden die Augen angeleuchtet, die Ohren untersucht. Die Kniereflexe mittels des kleinen Hämmerchens untersucht und mit Hilfe des Stethoskops wurden Herz und Lunge abgehorcht.

Zu alldem bemerkte Dr. Schramm nur sein „Hm-Hm. Hm-Hm.“ der zweite Arzt strich eine Checkliste ab.

„Jetzt bitte die Unterhose runterlassen“, bat der Mann. Stefan verzog das Gesicht, weil er wusste, was nun folgen würde. Das berühmte Säckeln, was er und sein Bruder bereits damals zur Musterung durch hatten. Was man(n) noch weniger mochte. Zu seinem Glück wurde er damals als dienstuntauglich ausgemustert, während Markus die vollen zehn Monate ableisten musste. Das hatten ihm sowohl der Zwilling als auch ihr Vater eine ganze Weile lang aufs Butterbrot geschmiert.

Es war unangenehm, als der Arzt mit seiner Hand im Gummihandschuh seinen Hodensack ergriff kurz am Samenleiter drückte und sagte: „Einmal husten bitte!“

Stefan tat, wie geheißen und hustete. Und wieder kam das „Hm-Hm. Hm-Hm“ zur Antwort.

Als die Untersuchung soweit fertig war, verglich der Mediziner die Daten mit denen vom letzten Termin. Und stellte sehr zufrieden fest: „Sie sind kerngesund und für Ihr Alter in einem hervorragenden Zustand. Erstaunlich, bei Ihrem Rauch- und Alkoholkonsum. Wie haben Sie das geschafft?“

„Weniger Nikotin, weniger Alkohol, mehr Sport und täglich Obst und Gemüse“ erwiderte der Patient, als würde er einen erlernten Text herunterbeten.

Der Arzt glaubte es ihm trotz der Daten nicht und sog kurz die Raumluft in der unmittelbaren Nähe des Mannes ein, wobei er jedoch nicht den leisesten Hauch der besagten Stoffe wahrnahm. Dies wurde mit einem Alkoholtest noch einmal bestätigt.

Der andere Mann meldete sich nun zu Wort: „Sie wissen, was am Freitag los war?“

„Nein, was soll da gewesen sein? Ich bin an dem Tag früher gegangen, weil ich noch etwas vor hatte. Ich wollte einkaufen und dann zu einigen Veranstaltungen – “