Sachen gibt's - Astrid Haltmeyer - E-Book

Sachen gibt's E-Book

Astrid Haltmeyer

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Beschreibung

Manchmal trifft man auf Menschen, die nach Verhaltensmustern handeln, über die man nur staunen kann. Oder man schlittert in Situationen hinein, die derart skurril und unglaublich sind, dass unweigerlich der Eindruck entsteht: Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Während ihrer langjährigen Tätigkeit als Coach und Trainerin hat Astrid Haltmeyer viele ungewöhnliche Geschichten erlebt und zahlreiche erstaunliche Persönlichkeiten getroffen, von denen sie nun in diesem Buch erzählt. Anhand ausgewählter Fallbeispiele, die dem Leser garantiert ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, deckt die Autorin verschiedene Ursachen für den ungünstigen Verlauf zwischenmenschlicher Interaktionen auf. Darüber hinaus vermittelt sie auf unterhaltsame Weise praktische Methoden aus der Transaktionsanalyse und dem NLP, um dem Leser einige Tipps zum Abbau von Verständigungsschwierigkeiten im Alltag wie im Berufsleben an die Hand zu geben.

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Seitenzahl: 185

Veröffentlichungsjahr: 2015

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DANKSAGUNG

Ich möchte all jenen danken, die mitgeholfen haben, dass dieses Buch entstehen konnte.

Allen voran natürlich den Protagonisten, die die Grundlage für meine AHA-Erlebnisse geliefert haben und deren Geschichten sich in diesem Buch finden.

Ein großes „Danke“ geht an meinen Lebensgefährten Roman, der immer an mich glaubt und schon vor zwei Jahren davon überzeugt war, dass ich in der Lage bin, ein erfolgreiches Buch zu schreiben. Mit seiner Agentur hat er meinem Institut die Erscheinung gegeben, die es heute hat.

Ein ebenso großes „Danke“ gilt meiner großen Schwester Andrea, die als Allererste von diesem Projekt wusste. Sie hat mir den Rücken gestärkt und als erste Testleserin essentielles und wertvolles Feedback gegeben.

XXL-Dank gebührt auch meinem über alles geliebten Sohn David und meiner herzallerliebsten Tochter Raphaela, ohne die ich mir ein Leben nicht vorstellen könnte. Mit ihrem Ideenreichtum an Verhaltensmöglichkeiten und kreativen Denkmustern haben sie meine Flexibilität immer wieder getestet, sodass sie mein Leben und meine Persönlichkeit massiv positiv geprägt haben.

Zu guter Letzt danke ich jener wundervollen Seminargruppe eines großen Logistikunternehmens, die im September 2014 den endgültigen Anstoß für dieses Buch gegeben hat.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Teil 1 Sachen gibt’s! – Szenen aus dem Einzelcoaching

Kapitel 1.1 Hilfe! Ich bin umzingelt!

Kapitel 1.2 Es ist einfach passiert – ich kann nichts dafür!

Kapitel 1.3 Undank ist der Welt Lohn!

Kapitel 1.4 Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Kapitel 1.5 Torschlusspanik

Teil 2 Sachen gibt’s! – Rund ums Seminar

Kapitel 2.1 Der Tellerrand

Kapitel 2.2 Babylonische Sprachverwirrung

Kapitel 2.3 Kundenservice gefällig?

Kapitel 2.4 Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein

Kapitel 2.5 Da guckst du!

Teil 3 Sachen gibt’s! – Alltagsgeschichten

Kapitel 3.1 Der Aufzug

Kapitel 3.2 Schulgeschichten

Kapitel 3.3 Sisyphus lässt grüßen

Kapitel 3.4 Macho, Macho

Kapitel 3.5 Der Mantel

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Vorwort

Als ich ungefähr 13 war, brachte uns unsere Nachbarin die Illustrierten vorbei, mit denen sie sich immer auf dem Laufenden hielt. Bevor sie diese ins Altpapier warf (gab’s das eigentlich schon in den 1970ern?), durften wir sie lesen. Es waren natürlich deutsche Illustrierte, und eine Rubrik in einer ganz bestimmten Zeitschrift faszinierte mich besonders: „Geschichten, die das Leben schreibt.“ Auf drei Seiten erzählte eine anonyme Person von einer verzwickten Lebensgeschichte, die selbstverständlich in letzter Minute gut ausging. Von der undankbaren, todkranken Schwiegermutter, unter der die erzählende Person jahrzehntelang aufopferungsvoll litt, über dramatische Gewaltszenen in der Ehe bis hin zur wundersamen Schwangerschaft war alles vertreten.

Gefesselt und staunend las ich diese Geschichten und dachte dabei immer: „Was es in Deutschland nicht alles gibt!“

Doch schon ein Jahrzehnt später sollte ich dahinterkommen, dass es solche Dinge nicht nur auch in Österreich gibt, sondern sogar in meinem eigenen Leben (wovon ich nicht so fasziniert war). Wiederum ein Jahrzehnt später sollte ich von meinen Klienten und Seminarteilnehmern lernen, dass diese Storys aus der genannten Illustrierten nur ein sanfter Abklatsch von dem waren, was wirklich in der Welt geschieht.

Und mit der Fähigkeit zur Faszination und dem Staunen einer 13-Jährigen ließ ich mir ihre Geschichten erzählen. Oder ich fand mich selbst in Situationen wieder, die mich fesselten und menschliche Reaktionen hervorriefen, von denen ich im Anschluss nur sagen konnte:

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.

Auch heute ergeht es mir noch so. Jedes Mal, wenn ich denke, dass ich schon alles gehört und gesehen habe und mich nichts mehr wundern kann, dann findet sich wieder eine erstaunliche Person, die derart Außergewöhnliches erlebt hat, dass es fast so klingt, als wäre ihre Erzählung erfunden. Oder eine Situation tritt ein, die tatsächlich so schräg ist, dass man keinen Plan mehr hat. Solche Geschichten und Situationen kann man sich in diesem Detailgrad einfach nicht ausdenken.

Dass diese Menschen gerade zu MIR kommen, um mir davon zu erzählen und mich um meinen Rat zu fragen, beeindruckt mich am allermeisten. Ja, ich habe viel erlebt. Sehr viel Schönes, aber auch unglaublich viel Schmerzhaftes und Bewegendes. Ja, ich habe eine hohe Fachkenntnis, viele Ausbildungen absolviert und noch mehr Praxis gesammelt. Jedoch kommen diese Menschen in den seltensten Fällen wegen meiner Fachkompetenz, sondern vielmehr wegen des Einfühlungsvermögens, das ich ofensichtlich habe, und wegen des menschlichen Rates, den ich zu geben bereit bin. Diese Menschen waren es auch, die mich zu diesem Buch inspiriert haben.

Viele Menschen, die ich im Laufe der Jahre beraten oder in Seminaren trainiert habe, haben mir vertraut und mir ihre Geschichten erzählt. Dadurch wurde mein Leben inspiriert und bereichert. Diese Erfahrungen sollen zusammen mit meinen eigenen Erlebnissen und Einsichten aus unzähligen Seminartagen und Workshops in dieses Buch einfließen. Damit möchte ich auch diejenigen erreichen, die (noch) nicht persönlich mit mir in Kontakt waren bzw. sind und auch gerne etwas für sich mitnehmen wollen.

Ich hatte nicht die Absicht, ein wissenschaftlich fundiertes Buch zu schreiben. Vielmehr möchte ich meine persönlichen Sichtweisen und meine persönlichen Erfahrungen weitergeben. Dieses Buch erhebt daher keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Beweisbarkeit und noch weniger auf Vollständigkeit. Niemand muss so handeln, wie ich es manchmal tue, niemand muss so denken, wie ich denke.

Die beschriebenen Situationen basieren allesamt auf wahren Begebenheiten. Die Menschen, von denen ich erzähle, sind also nicht frei erfunden. Ähnlichkeiten mit anderen Personen, z. B. dem Leser oder dessen Verwandten/Bekannten, sind jedoch mit Sicherheit zufällig.

Dieses Buch ist in erster Linie für Laien gedacht und nicht für Trainer- bzw. Lebensberater-KollegInnen1 oder PsychotherapeutInnen, die es natürlich trotzdem gerne lesen dürfen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, die theoretischen Hintergründe so zu simplifizieren, damit eben Laien mit den Inhalten gut umgehen können und vor allem die Tipps umsetzen können. Jeder meiner Fachkollegen, dem dies zu oberflächlich und ungenau erscheint, darf sich gerne unter der E-Mail-Adresse [email protected] beschweren.

Meine Erfahrungen sollen Denkanstöße sein, mehr nicht. Sie sollen unterhalten und gleichzeitig lehren und dadurch vielleicht den einen oder anderen inspirieren, seinen Zielen näher zu kommen.

Denn mein Motto war immer schon: „Träum´ es nicht – lebe es!“

1 Im weiteren Verlauf des Buches werde ich, um der besseren Lesbarkeit willen, immer nur die männliche Form verwenden. Selbstverständlich sind im Sinne des Gender Mainstreamings immer beide Geschlechter angesprochen.

Einleitung

Herzlich willkommen beim Lesen dieses Buches!

Mein Name ist Astrid Haltmeyer und ich werde Sie bis zur letzten Seite durch dieses Buch „Sachen gibt‘s“ begleiten.

Warum haben Sie sich genau für dieses Buch entschieden? Dafür könnte es mehrere Gründe geben – Sie wissen ja, es gibt drei Haupttypen unter den „Lebenshilfebücher“-Käufern:

1. Der aufgeschlossene, lernwillige Leser:

Sie wollen freiwillig, auf eine unterhaltsame Art ein paar wertvolle Tipps für Ihr Leben erhalten, weil Sie etwas verändern möchten. Herzliche Gratulation! Menschen wie Sie mag ich besonders, weil ich ihnen gerne auf die Sprünge helfe. Allerdings gehören Sie zu einer vom Aussterben bedrohten Art, denn nur 4 % der Erwachsenen wollen sich freiwillig und auf eigene Kosten weiterbilden oder in ihrem Leben etwas verändern.

2. Der Urlaubsleser:

Sie suchen kurzweilige Unterhaltung für den Urlaub oder die Zugfahrt, amüsieren sich über die Hoppalas anderer und legen das Buch, wenn Sie fertig sind, gut gelaunt beiseite, ohne das Gefühl zu haben, dass diese Tipps oder Storys Sie selbst betrefen.

Herzliche Gratulation! Ich mag Menschen wie Sie besonders, weil Sie sich auch einmal eine Auszeit vom Reflektieren gönnen und einfach nur genießen können, jedoch dabei gerne ein sinnvolles Buch lesen und nicht einen billigen Arztroman oder eine Schmalzschnulze von Rosalinde Pichler. Obwohl – noch kann ich ja nicht wissen, ob mein Buch sich nicht auch in einer dieser Kategorien wiederfindet …

3. Der Zwangsbeglückte:

Ihnen wurde das Buch geschenkt. Ein netter Gag des Lieblingsfeindes oder des zukünftigen Expartners, mit der bissigen Bemerkung: „Das solltest du lesen. Ich weiß ja, dass du von solchen Lebenshilfebüchern nichts hältst, aber vielleicht veränderst du dich dann ja endlich!“ Und um den ewigen Fragen des Schenkers, wie es Ihnen gefällt und was für Konsequenzen Sie nun daraus ziehen, zu entgehen, lesen Sie halt dieses Buch, damit endlich Ruhe ist. Herzliche Gratulation! Ich mag Menschen wie Sie besonders, denn Sie verfügen über Langmut. Sie hätten das Buch ja auch weiterschenken oder wegwerfen können. Nein, da ackern Sie sich lieber trotzdem durch. Hochachtung! Und deshalb schlage ich mich jetzt auf Ihre Seite und tue alles, damit Ihnen das Buch gefällt, sodass Sie dem, der es Ihnen geschenkt hat, so richtig eines auswischen können.

Und wie komme ich jetzt dazu, gerade Ihnen etwas über die Dinge des Lebens zu erzählen? Wer bin ich eigentlich?

Ich wurde nicht als Trainerin geboren (was mir manche Kollegen, die bereits als solche oder als Psychotherapeuten etc. geboren wurden, immer wieder gerne ankreiden).

Nach einer Kindheit in einem streng katholischen Elternhaus, die ich im Kindesalter als „eh ganz o.k. und normal“ und in der Rückschau als Erwachsene im Vergleich mit Kindheiten anderer Personen als „das kann ja eigentlich alles nicht wahr gewesen sein“ erlebt habe, besuchte ich eine – oh Wunder! – katholische Handelsakademie, die ich selbstverständlich pflichtbewusst mit gutem Erfolg bei der Matura beendete. Meine Eltern entschieden dann, dass ich in einer Bank sehr glücklich werden würde, was gleichbedeutend war mit: Meine Mutter würde glücklich werden, wenn ich in einer Bank arbeite. Aber meine Familiengeschichte ist ein eigenes Buch wert, darüber werde ich mich jetzt nicht verbreitern. Ich ging also in die Bank und ab diesem Zeitpunkt war ich in allen Jobs, die ich hatte, immer in der Kundenbetreuung tätig, und das machte mir auch höllischen Spaß.

Noch während ich in der Bank – dank einiger neidvoller Kolleginnen – doch nicht so glücklich war, entschied sich mein über alles geliebter Sohn David 1988, mich als Mutter zu wählen und ausgesprochen spannend – so wie er vieles in seinem Leben gestaltet – am Nationalfeiertag in diese Welt zu inkarnieren, um mir Führungsqualitäten beizubringen. Mein Sohn wird noch öfter in diesem Buch zitiert werden, also merken Sie sich gleich einmal den Namen …

Über verschiedene Umstände, die auch wieder ein eigenes Buch wert sind, gelangte ich 1992 in das Vorzimmer des Verkaufsleiters eines Automobilimporteurs, wo ich fast sieben Jahre lang glücklich und zufrieden war. Mein Chef erkannte mein Talent, mit schwierigen Menschen zu reden, und bot mir einen Job in der Händlerbetreuung bzw. Disposition an. Nach fast sieben Jahren gab es Umstrukturierungen und mein Chef verließ die Firma. Da war ich nicht mehr so glücklich. Um mich wieder zu motivieren, bot mir mein neuer Chef an, ich solle mir ein Kommunikationsseminar aussuchen, weil ich doch so ein Händchen für schwierige Menschen hätte.

Gesagt, getan. Ich suchte mir das teuerste und längste aus – ein 14-tägiger NLP-Kurs. Ich kam dorthin und am dritten Tag war mir klar: DAS ist es! Ich will Trainerin, Coach etc. werden! DAS ist mein neuer Beruf! Noch vom Seminar aus rief ich in der Firma an und kündigte. (Da waren die nicht so ganz glücklich.)

Um die mehrjährige Ausbildung zu finanzieren, war ich dann noch im Key Accounting eines Mobilfunknetzbetreibers tätig und konnte dort schon meine Kenntnisse anwenden.

2001 gründete ich meine Firma Institut AHA Erlebnisse®.

Seit 2001 halte ich also nun Seminare in Firmen, coache Einzelpersonen oder bilde privat Menschen aus.

Im Oktober 2004 trat meine Tochter Raphaela in mein Leben. Effizient, wie ich nun einmal gerne handle, ersparte ich mir jedoch eine unbequeme Schwangerschaft und die ersten 15 mühseligen Jahre. Wie das geht? Technisch gesehen ist sie meine Pflegetochter, die auch noch Einzug in dieses Buch halten wird. Emotional gesehen ist sie tatsächlich meine Tochter und ein Leben ohne sie kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Seit 2007 ist das Institut AHA Erlebnisse® ein von der WKO zertifiziertes Ausbildungsinstitut für Lebens- und Sozialberatung. Gemeinsam mit meinem sehr geschätzten Kollegen Wolfgang Wiesmaier führen wir Menschen zu ihrem Traumberuf. 2012 übernahm mein Sohn (Sie wissen schon – der über alles geliebte) den Geschäftsbereich Kindercoaching.

Seit 2013 halten mein Sohn (…) und ich gemeinsam Teambuildingseminare für größere Gruppen.

Mir war und ist es noch immer sehr wichtig, meine eigenen Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen, damit sie nicht die gleichen Fehler machen müssen wie ich – und davon gibt es viele, glauben Sie mir.

So werde ich auch in diesem Buch meine Erfahrungen und Sichtweisen mit Ihnen teilen. Und Sie selbst können entscheiden, ob Sie einiges davon anwenden wollen oder nicht. Am Ende der Lektüre werden Sie auf ein paar Handlungs- und Denk-alternativen für bestimmte Situationen zurückgreifen können, aus denen Sie jedes Mal wählen können, ohne es zu müssen.

Sie haben die Wahl.

Jede Minute.

Teil 1 Sachen gibt’s! – Szenen aus dem Einzelcoaching

Wie Sie ja wissen, unterliegen wir Lebens- und SozialberaterInnen der Schweigepflicht. Das bedeutet, dass wir nicht namentlich herumposaunen dürfen, wer bei uns in der Beratung war und mit welchem Thema er zu uns kam. Nun müssen wir Lebens- und SozialberaterInnen uns auch hin und wieder etwas von der Seele reden oder einen Fall diskutieren. Das ist sehr wohl erlaubt, wenn man dabei den Klienten anonymisiert.

Ich werde deshalb in allen Fällen, die Sie jetzt lesen werden, die Namen Jane oder John Doe wählen, wie sie in amerikanischen Filmen immer verwendet werden, wenn die Polizei ein namenloses Wesen findet, das sich aus verschiedenen Gründen nicht an seine Identität erinnern kann.

Diese Klientenpersönlichkeiten der diversen John und Jane Does sind teilweise aus mehreren Personen zusammengesetzt. Die Fälle sind trotzdem wahr. Ich betone nochmals, dass Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig sind.

Kapitel 1.1 Hilfe! Ich bin umzingelt!

Ich erhalte einen Anruf und melde mich professionell. „Sie sind mir empfohlen worden!“, brüllt jemand im breitesten wienerischen Slang in die Leitung. Schön! Und weiter? Der Anrufer bleibt bei einem höchst aggressiven Ton: „Ich halte das nämlich nicht mehr aus. Nur blöde Leute auf dieser Welt! Das ist ein Wahnsinn. Dafür muss es doch eine Erklärung geben!“ Äh … „Mir ist gesagt worden, Sie können mir da helfen.“ Das kann ich mir im Augenblick grade nicht vorstellen, aber o.k. Ich vereinbare ein Erstgespräch mit ihm, weil mich die Sache interessiert und weil ich wissen will, ob John Doe den Termin wahrnehmen wird oder ob seine Wut nach dem Anruf schon beseitigt ist.

John Doe kommt tatsächlich! Er setzt sich ins Coachingzimmer und fängt sofort an zu schimpfen. Die Parkplatzsituation vor meiner Praxis sei katastrophal, aber noch schlimmer sei der Verkehr, lauter Wahnsinnige, die nicht Auto fahren könnten. Und überhaupt, wieso müsse meine Praxis in einem so entlegenen Bezirk sein! Er sei jetzt 45 Minuten hergefahren, das zahle ihm doch keiner!

Außer für „Guten Tag“, lässt er mir keine Gelegenheit, etwas zu sagen. Als er einen Schluck Wasser nimmt, habe ich endlich die Möglichkeit, zu fragen, warum er hier ist.

Er bellt mich an: „Das müssten Sie eigentlich nach dem Telefongespräch wissen!“ Ich sage ihm, dass ich mich eigentlich nur mehr an „Die Welt ist blöd“ usw. erinnern kann. Ein paar Details mehr könnten nicht schaden, sonst müsste ich Uri Geller heranziehen.

Herr Doe tut mir den Gefallen und rückt mit Details heraus: Er besitze eine Kfz-Werkstätte, die ganz gut laufen würde, wenn da nicht die bescheuerten Kunden und seine noch bescheuerteren Angestellten wären. Die Kunden seien bescheuert, weil sie keine Ahnung von Tuten und Blasen hätten. (Warum auch? Sonst könnten sie sich das Auto ja selber reparieren.) Und seine Angestellten seien ebenfalls bescheuert, weil die auch keine Ahnung hätten. Also müsse er alles selber machen.

Aha. Daher weht also der Wind. Ich werfe nur kurz ein: „Und jetzt sitzen Sie bei einer bescheuerten Beraterin, der Sie erst erklären müssen, was Sache ist.“ Kurze Stille. Ofenbar habe ich einen Punkt getroffen, denn er wird ganz plötzlich viel ruhiger und freundlicher. „Ganz genau“, sagt er, „Sie haben das Problem erfasst.“ Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das als Kompliment aufassen soll. „Rundherum nur Idioten!“, fängt er wieder an zu tönen. Er schimpft über die Kunden, die nicht bezahlen bzw. zu früh, zu spät oder zu wenig bezahlen, dann über die Angestellten, die kaum wissen, wo hinten und vorne ist bei einem Auto, sowie über die Macken der Exfrau. (Klar, Exfrau! Wenn der Typ daheim auch so tickt, kann man nur das Weite suchen.) Aber immerhin: Er ist ja jetzt da. Hut ab – und das meine ich wirklich so. Ofenbar sieht er, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Hochachtung kriecht in mir herauf. „Stellen Sie sich vor! Keiner schaut mehr auf den anderen!“ Ah, denke ich mir, jetzt kommt’s! Er wünscht sich also mehr Respekt und Aufmerksamkeit zwischen den Menschen! Wie schön! „Wie meinen Sie das genau?“, frage ich, um in diese Richtung zu lenken. „Ganz einfach“, sagt er, „meine Leute sind so egoistisch und gedankenlos, dass sie nicht einmal daran denken, die leere Klopapierrolle zu tauschen. Selbst da muss ich ihnen noch hinterherarbeiten.“ Sofort werden weitere Attacken gegen seine Mitarbeiter geritten: Die Angestellten sind frech zu ihm, schimpfen die ganze Zeit über Gott und die Welt. (Na geh!) Und er ist jetzt schon so fix und fertig, dass sein Freund gesagt hat, er soll zu mir kommen und mit mir darüber reden. Ah, endlich!

Ich frage also: „Und wie kann ich Ihnen jetzt behilflich sein?“

Wie aus der Pistole geschossen kommt: „Sie sollen einfach machen, dass die anderen so funktionieren, wie ich mir das vorstelle! Das sind ja schließlich lauter Idioten, die mich hinten und vorne ausnehmen und auch sonst nur Geld kosten. Arbeiten tu eh nur ich. Diese Faulenzer!“

Ich höre noch ein Weilchen zu, dann entkommt mir der Satz: „Wer hat diese Idioten eigentlich eingestellt?“

Verdutztes Schauen bei John. „Na ich!“, sagt er verwundert. Darauf muss ich einfach sagen: „Wieso stellen Sie in dem Unternehmen, das Sie selbst aufgebaut haben, nur Idioten ein?“

Die Frage bleibt unbeantwortet. Ich sage: „Könnte es sein, dass es etwas mit Ihrer Einstellung zu sich und der Welt zu tun hat?“

Ein Sturm der Entrüstung entlädt sich auf mir. „Was ist das für eine idiotische Frage? Wie kommen Sie darauf? Können Sie jetzt etwas machen mit meinen Leuten oder nicht?“ Das muss ich leider verneinen.

Er springt auf und schreit: „Ich hab ja gleich gewusst, dass so eine Sch…-Beratung nichts bringt. Jetzt habe ich meine Zeit sinnlos verplempert. War ja klar! Was kann man denn schon von solchen Leuten wie Ihnen erwarten?“ Sagt’s und rennt aus der Praxis.

Zurück bleibe ich mit ofenem Mund. Eine sensationelle Vorstellung von diesem Mann. Ich kann nur staunen.

Was muss in diesem Menschen vorgehen, um ständig so drauf zu sein? Wie schlimm muss es sein, sich dauernd zu ärgern, weil man der Meinung ist, dass sich die ganze Welt gegen einen verschworen hat? Aber gut, wenn man nichts mit ihm zu tun hat, kann es einem eigentlich herzlich egal sein, wie er drauf ist. Man kann ihm ja aus dem Weg gehen. Doch hin und wieder kommt es vor, dass man im Alltag mit solchen Fällen konfrontiert wird, sei es im Büro oder womöglich im Privatleben, weil der Mann einer Freundin so gestrickt ist (natürlich gibt es auch Frauen mit diesem Verhalten). Wie geht man dann damit um? Gut, zugegeben, unser Beispiel ist schon sehr extrem, die abgeschwächte Version gibt es dafür sehr häufig.

Man könnte jetzt eine der drei Universalerklärungen strapazieren:

Er hatte eben eine schreckliche Kindheit.

Die Mutter/der Vater ist schuld, weil sie/er nie da war oder zu oft da war, sich zu viel oder zu wenig gekümmert hat, zu streng oder zu wenig streng war.

Er ist eben so.

Hilft uns das im Umgang mit solchen Menschen? Eher nicht. Was ist also jetzt los mit diesem Typen und was können wir tun, um noch ein produktives Gespräch mit ihm zustande zu bringen?

Hierzu lässt sich das Prinzip des Dramadreiecks aus der Transaktionsanalyse heranziehen, dessen Muster Stephen Karpman als Erster analysiert hat. Eine Weiterentwicklung dieses Modells, welche recht plausibel ist, findet man bei Roman Braun:

In der Welt des Dramas gibt es drei Rollen, die wir als „Täter“ (bei Karpman „Verfolger“), „Opfer“ und „Retter“ bezeichnen. Der Täter wirkt in einer solchen Situation als Aggressor. Sein Selbstwertgefühl ist jedoch so winzig, dass er sich nicht einmal traut, sein Bedürfnis, das er zweifellos hat, klar und deutlich zu formulieren, denn er hat Angst, abgewiesen zu werden. Um vor sich selbst und anderen größer zu wirken, plustert er sich auf, indem er so tut, als seien seine Argumente Tatsachen. Dies unterstreicht er durch Sätze wie „Das ist ein Blödsinn!“, „Du bist schuld!“, „Sie sind eine Zumutung!“.

Seine Haltung in diesen Situationen lässt sich am besten mit „Ich bin o.k. – du bist nicht o.k.!“ beschreiben. Seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse sowie Vorbilder mit ähnlichem Verhalten haben diese Einstellung bei ihm reifen lassen. Und nun, wo sie gereift ist, wird sie auch immer wieder bestätigt, denn da er nicht konkret sagen kann, was er in Wahrheit möchte, verstehen die angesprochenen Personen natürlich auch nicht, was er tatsächlich will, und kennen sich nicht aus. Entweder verziehen sie sich dann mit dem Gedanken: „Der spinnt schon wieder“, oder sie schalten auf Durchzug. Auf jeden Fall erfüllen sie seinen Wunsch nicht. Wie auch? Sie können ja nicht hellsehen. Und damit bestätigen sie dem Täter aus seiner Sicht, dass die Menschheit offenbar vollkommen verblödet ist. Dies wiederum führt dazu, dass er seine Mitmenschen noch lauter anschreit und noch mehr beschimpft, was – wie Sie sicherlich schon erraten – natürlich nicht hilft und im Endefekt nur wieder dazu führt, dass die Leute einen großen Bogen um ihn machen.

Der Täter verweigert sich Gefühle, da er annimmt, das würde ihn noch schwächer machen. Damit verliert er aber das Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, seine Reaktionen zu dosieren. Manche dieser Reaktionen können dann wirklich sehr irrational sein. Der Zugang zu seinen Gefühlen ist wie abgeschnürt.

Was können Sie also tun, wenn Sie einem Täter begegnen?

Erster Schritt:

Nehmen Sie es nicht persönlich, egal mit welchen Schimpfwörtern er Sie gerade bedenkt oder was er Ihnen alles vorwirft, woran Sie gerade schuld sein sollen.

Zweiter Schritt:

Erkennen Sie, dass der Täter gerade ein Thema hat und nicht Sie selbst, auch wenn der Täter versuchen wird, Ihnen das weiszumachen.

Dritter Schritt:

Weisen Sie den Täter darauf hin, dass Sie erwachsen sind und eine altersadäquate Kommunikation mit einem respektvollen Umgangston wünschen. Sagen Sie, dass Sie ansonsten die Unterhaltung abbrechen werden. Kriegt er sich dann immer noch nicht ein, müssen Sie diese Warnung jedoch wahrmachen. (Kleiner Haken! Sorry …)

Vierter Schritt: