Scharfe Hunde - Nicola Förg - E-Book

Scharfe Hunde E-Book

Nicola Förg

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Beschreibung

Was haben der renitente Besitzer einer Outdoor-Agentur, ein holländischer Camping-Urlauber und eine begüterte Werdenfelser Oma miteinander zu tun? Erst einmal nichts, außer dass sie alle an einer Eisenhut-Vergiftung starben. Drei Suizide? Drei Morde? Doch bevor das Kommissarinnenduo Irmi Mangold und Kathi Reindl in die Ermittlungen eintauchen kann, stürzt vor dem Farchanter Tunnel ein ungarischer Lkw um. Heraus purzeln unzählige Käfige mit sehr jungen Hundewelpen. Der Fahrer schweigt. Merkwürdig ist jedoch, dass im Fahrerhaus die Adresse der verstorbenen Werdenfelser Oma entdeckt wird. Irmi und ihre Kollegin tauchen ein in ein Milieu, das dem der Waffenschmuggler und Drogenhändler in nichts nachsteht, denn es geht um unermesslich viel Geld …

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Seitenzahl: 341

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www.piper.de

 

Für Iris aus der Schweiz und Nico aus Holland

 

ISBN 978-3-492-97669-5

März 2017

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017

Covergestaltung: Mediabureau Di Stefano, Berlin

Covermotiv: Bodo Schieren und Andy Crawford/Getty Images

Datenkonvertierung: abavo GmbH, Buchloe

 

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Es wird ein Tag kommen, an dem die Menschen über die Tötung eines Tieres genauso urteilen werden, wie sie heute die eines Menschen beurteilen.

Leonardo da Vinci, italienischer Maler und Universalgenie (1452–1519) – bis heute ist dieser Tag nicht gekommen.

Prolog

Es wurde jeden Tag beschwerlicher. Ihr Gesicht zuckte. Die Knie sackten ihr weg. Das Fieber kam und ging. Allzu oft wollte sie nicht zum Arzt gehen. Schnell galt man als verrückt. Sie war nicht verrückt. Oder doch?

Von irgendwoher ertönte ein Knarzen. Oft hörte sie Geräusche, die nicht real waren, und sah Doppelbilder, verschwommene Schemen. Wie jetzt. Jemand war durch die Terrassentür hereingekommen. Aber dieser Mann konnte doch kein Trugbild sein. Er redete auf sie ein. Schnell, laut, aggressiv. Sie wich langsam zurück.

Ein Schlag traf sie ins Gesicht. Ihr Vater hatte sie einmal geschlagen, aber das lag ewig zurück. Ihr Schulranzen war in den Dorfweiher gefallen, sie hatte das nicht gewollt, aber ihr Vater hatte zugeschlagen mit den Worten: »Du dumme Pute!« Dabei war es der Lois aus ihrer Klasse gewesen, der sie getriezt hatte und ihr den Schulranzen entrissen. Dann war die Tasche in den Weiher geflogen, selbst der Lois hatte das nicht gewollt. Aber für ihren Vater hatte das nicht gezählt, sie war immer schuld gewesen. Mädchen hatten zu kuschen. Recht hatten die Jungs, die Lehrer, der Herr Pfarrer, der Herr Doktor und der Zahnarzt, der so entsetzlich aus dem Mund roch, wenn er sich über einen beugte.

Das alles schoss ihr durch den Kopf. Dann folgte ein zweiter Schlag, und sie fiel auf die Couch.

»Bitch!«, brüllte der Mann. »Don’t even think about it!«

Er fluchte in einer Sprache, die sie nicht verstand. Dann riss er ein paar Bücher aus dem Regal und drosch mit einem Baseballschläger in die Vitrine mit dem Meißner Porzellan, wo die Tänzerinnen standen und die schönen Tierfiguren. Das schmerzte sie mehr als die Schläge.

»I’ll be back«, sagte er. Im Hinausgehen trat er noch gegen eine große Bodenvase. Wasser ergoss sich über den Teppich, die langstieligen Sonnenblumen fielen auf den Boden. Ihr kam es so vor, als schnappten die Blumen nach Luft, als würden ihre schweren Köpfe augenblicklich altern.

Sie ging langsam ins Gäste-WC und sah in den Spiegel des Alliberts. Blut lief aus dem Mundwinkel, doch es schmerzte kaum. Im Spiegelschrank stand eine Flasche mit Jod, das brannte nicht. Es waren auch nicht die Schmerzen der Erniedrigung, die sie quälten.

Nein, ihre Schmerzen waren anderer Art. Sie hätte jemanden ins Vertrauen ziehen müssen – keinen Arzt, aber doch eine ihr vertraute Person. Gab es so jemanden überhaupt? Und auch diese Person hätte sie wahrscheinlich für verrückt erklärt. Doch wenn sie das Ungeheuerliche, das Dunkle ausgesprochen hätte, dann hätte sie ihm Platz eingeräumt.

Ihr graute es hinauszugehen, zu hell war es im Garten. Und nachts waren dort die Geister. Sie kamen aus ihren kleinen Gräbern.

1

»Und hier eine echte Rarität: ein Lanz HL, Baujahr 1928. Schon mit Allrad und Knicklenker!«, rief der Ansager. »Und dahinter gleich ein Lanz HR 2, beide vorgestellt vom Mair Franzl hier aus Ohlstadt.«

»Ist der schön!«, rief Jens entrückt. »Weißt du, der junge Kaufmann Heinrich Lanz war ein echter Visionär. Er hat Rundschreiben verfasst, um den Bauern klarzumachen, wie viel effektiver die maschinelle Landwirtschaft sei. Und im Jahr 1921 wurde dann der Urbulldog vorgestellt, großartig!«

Irmi lächelte. Irgendwie bezaubernd, dass ein Mensch, der mit Landwirtschaft so viel zu tun hatte wie ein Nilpferd mit Spitzentanz, eine solche Begeisterung für Bulldogs entwickelte.

»Muss ich mir Sorgen machen? So schön find ich den Mair Franzl eigentlich gar nicht. Mir ist er zu klein und zu dünn.«

»Nicht der Fahrer, sondern sein Ackerschlepper!«

»Ach so«, meinte Irmi und lachte.

Der Ansager blätterte in seinem Manuskript. »Und jetzt kimmt a Stihl.«

»Haben die etwa mal Bulldogs gebaut?«, fragte Irmi verdutzt. Beim Thema Stihl konnte sie mitreden, schließlich hatte sie eine heiß geliebte Motorsäge von dieser Firma, die sie nie verlieh. Getreu dem Motto, dass eine Frau ihren Mann, ihr Pferd und ihre Motorsäge besser nicht aus der Hand gab. Nun ja, der Mann war eigentlich nur in Teilzeit ihrer, Pferde waren ihr unheimlich – aber die Stihl, das war ihre Leidenschaft.

»Ja, zwischen 1948 und 1963 hat Stihl auch Traktoren gebaut«, erklärte Jens. »Allerdings nur insgesamt zweitausend Stück.«

Wieder was gelernt, dachte Irmi. Und das von einem Fischkopp, der keine Ahnung hatte, wie man mit einer Stihl-Motorsäge umging.

»Und jetzt kimmt a Porsche P 111 vom Feistl Sepp aus Sindelsdorf!« Der Ansager gab wirklich alles, so frenetisch wie er bei jedem Teilnehmer brüllte.

»Mir gefällt die elegante rote Schnauze«, meinte Jens.

»Ich weiß nicht, rot ist nicht meine Farbe«, sagte Irmi.

»Och, ich erinnere mich da an so einen roten BH …« Jens grinste anzüglich.

»Ja, ja, brüll noch lauter, damit das ganze Oberland meine Dessous kennt«, zischte Irmi.

»Schau, da kommt der Bernhard«, lenkte Jens von der Unterwäschedebatte ab.

Irmis Bruder Bernhard tuckerte mit seinem Kramer KL 180 heran. Der Schlepper war unverwüstlich und zum Kreiseln und Schwadern immer noch im Einsatz.

»Also, der hat wirklich eine schöne Schnauze«, befand Irmi. »Die Bulldogs von Kramer schauen einfach am nettesten aus. Grün ist eine so dezente und freundliche Farbe.«

»Also, dass ihr Bayern einem Schwaben zujubelt?« Jens grinste.

»Es ist doch nur ein Bulldog aus Schwaben, der schwätzt ja it«, konterte Irmi. »Und der Rost macht ihn sexy, find ich. Traktoren sind schöner, wenn sie nicht so gelackt und restauriert sind.«

»Ach, das beruhigt mich! Ich bin ja auch schon etwas rostig und unrestauriert«, behauptete Jens. »Und wenn du lieber einen grünen BH in Kramergrün …«

»Ich lass dich gleich hier zurück, allein unter Fremdsprachlern!«, drohte Irmi.

Im nächsten Moment wurde sie durch den Ansager unterbrochen, dessen Mikro pfiff wie eine Maus, die gerade von einer Katze gefangen wurde und um ihr Leben quiekte. »Des is a Güldner vom Geisler Willi … naa … des is ja die Nummer 98, des is der … ah ja … der Mangold Bernhard aus Schwaigen. Burschen, warum haltets eich ned an die Reihenfolge! Da wird ma ja ganz damisch!«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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