Funkensonntag - Nicola Förg - E-Book + Hörbuch
Beschreibung

Kommissar Gerhard Weinzirl hat neben einem besonders perfiden Mord auch noch einen erbosten 'Sauhaufen' von Presseleuten am Hals. Aber auf so eine Sache stürzen sich die Medien nun mal: Ein toter Mann wird am Funkensonntag aus dem Funkenfeuer gezogen. Eine makabre Stelle, um eine Leiche zu verbergen # wird bei diesem Brauch doch eigentlich eine Hexenfigur symbolisch verbrannt, um den Winter auszutreiben. Der Tote fällt Gerhard und seiner alten Schulfreundin Jo, ihres Zeichens Tourismusdirektorin im Bergstätt-Gebiet, quasi vor die Füße. Wie kam er in den Funken? Was ist das Motiv, den beliebten Braumeister der kleinen Lokalbrauerei Hündle Bräu zu töten? Im zweiten Allgäu Krimi schaut Gerhard tief ins Bierglas, und Jo sucht mal wieder Spuren im Schnee. Ein eiskaltes Verbrechen im lodernden Feuer!

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Seitenzahl:331

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Zeit:6 Std. 12 min

Sprecher:Hans Jürgen Stockerl


Nicola Förg ist im Oberallgäu aufgewachsen und studierte in München Germanistik und Geographie. Sie lebt mit vielen Tieren in einem vierhundert Jahre alten denkmalgeschützten Bauernhaus im Ammertal. Als Reise-, Berg-, Ski- und Pferdejournalistin ist ihr das Basis und Heimat, als Autorin Inspiration, denn hinter der Geranienpracht gibt es viele Gründe zu morden – zumindest literarisch. Im Emons Verlag erschienen ihre Kriminalromane »Schussfahrt«, »Funkensonntag«, »Kuhhandel«, »Gottesfurcht«, »Eisenherz«, »Nachtpfade«, »Hundsleben« sowie die Katzengeschichten »Frau Mümmelmeier von Atzenhuber erzählt«.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlung, Personen und manche Orte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© 2003 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagzeichnung: Heribert Stragholz eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-032-2 Allgäu Krimi Originalausgabe

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Für die »Crew« des Bergbauernmuseums in Diepolz

1.

»Das ist jedes Jahr einfach ein Höhepunkt, sozusagen ein Jour fixe im Allgäu«, hörte Jo ihre Assistentin Patrizia »Patti« Lohmaier gerade sagen. Patrizia lächelte gezwungen und saß stocksteif da. Sie schien in dem engen Dirndl kaum Luft zu bekommen, und wegen der Quetschwirkung des Mieders fiel ihr Dekolleté ungleich imposanter aus als sie es vermutlich geplant hatte. Dabei hasste Patrizia Dirndl mehr als Fußpilz. Dieses Dekolleté war offenbar das Einzige, was die anwesenden Herren noch bei Laune hielt.

Nachdem Jo den Gastraum des Rössle betreten hatte, war das Erste, was sie wahrnahm, Patrizias flehentlicher Gesichtsausdruck gewesen. Panik flackerte in ihren Augen, ihr Körper war verspannt. Jo erfasste die Szene mit einem Blick. Eine Wolke aus Agonie und Aggression schwebte über dem Tisch. Und die Besatzung just dieses Tisches sollte Patrizia bei Laune halten. Jo sah sich die Leute genauer an. Sie hatte Erfahrung mit Reisejournalisten und dieser Haufen verhieß nichts Gutes.

Dabei hatte sie den Eckartser Gasthof, die »Alp«, mit Bedacht für die Medienleute ausgewählt. Ein Ort, der eigentlich jedem gefiel und für sich sprach. Über einem alten Küchenherd hing Omas Unterhose – mit Spitzen verziert, versteht sich. Kerzen warfen warme Lichtflecken auf die alten Holzbalken. Die Tische zeigten stolz ihre Narben und Wunden von gut hundert Jahren Bierstemmen und Karteln. Der Steinboden erzählte von schweren nagelbeschlagenen Winterstiefeln. Bloß war dieser Inbegriff einer Stube überhaupt nicht alt, nur ihre Einzelteile. Monatelang hatten die Wirtsleute in Scheunen gefahndet, Freunde befragt, Balken geschleppt und etwas geschaffen, das so aussah, als wäre es schon immer so gewesen. Ein bisher unschöner Schuppen war in eine Allgäuer Bergbauernstube verwandelt worden. Aber auf Patrizias Truppe, die auf einer Art Empore saß, hatte das offenbar wenig Wirkung.

Gerhard Weinzirl, Jos Jugendfreund, der in Kempten bei der Mordkommission arbeitete, saß am Nebentisch und beobachtete ebenfalls die Szene. Er war, was selten vorkam, rein privat unterwegs. Seine Eltern hatten Verwandtenbesuch aus Zornheim bei Mainz, und »die Alp« war der perfekte Ort, um die »Preißn« dahin auszuführen. Gerhard hatte ein paarmal Patrizias Blick gesucht, aber sie schien zu angespannt, um ihn überhaupt wahrzunehmen. Gerhard konnte sie gut verstehen, als er den Blick über die Gruppe am Nachbartisch gleiten ließ.

An der Stirnseite saß ein Schmuddel-Typ, in dessen Kräuselbart sich eine Schupfnudel verfangen hatte. Angesichts seiner Wampe, die das T-Shirt mit TUI-Werbeaufdruck nur unzureichend bedeckte, kam Gerhard zu dem Schluss, dass die Nudel wahrscheinlich als Wegzehrung für später gedacht war. Daneben kauerte ein Mädel, Marke »Mäuschen«, das sich wahrscheinlich für die Platzwahl verfluchte. Dann ein Endzwanziger in typischer Großstadtverkleidung in schwarz und mit einem Gesichtsausdruck, der so kaltschnäuzig wirkte, dass selbst ein Eskimo aufs Nasereiben verzichtet hätte. Er wurde flankiert von einer älteren Lady, deren liebstes Tier wohl die Drossel, respektive die Schnapsdrossel war. Dann folgten auf der Bank zwei Gestalten, die ganz offensichtlich miteinander techtelten. Jeder trug einen Ehering, aber dass weder die Ringe noch die Personen zusammengehörten war klar. Das alles erschien Gerhard schon wie ein Panoptikum der Sonderklasse, aber die Krönung der Tafelrunde stellte ein Glatzkopf am anderen Ende des Tisches dar. Er war ein Hüne und hatte unangenehme, tief in den Höhlen liegende Rumpelstilzchen-Augen, wie Gerhard fand. Schnell streifte sein Blick den Rest: eine sympathisch aussehende junge Frau und zwei eher unauffällige Männer. Einer aber begann plötzlich zu strahlen und stand auf. Er war blond, sommersprossig, sehr schlank. Gerhard wandte den Kopf und sah Jo in der Tür des Gastraumes stehen. Er fühlte einen Kloß im Hals.

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