Schatten über dem Schlossgarten - Ralf Hagedorn - E-Book

Schatten über dem Schlossgarten E-Book

Ralf Hagedorn

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Beschreibung

Das Buch "Schatten über dem Schlossgarten" von Ralf Hagedorn ist ein historischer Roman, der in Stuttgart der frühen 1930er Jahre spielt. Die Erzählung verwebt eine berührende Liebesgeschichte mit den düsteren politischen Entwicklungen am Vorabend des Nationalsozialismus. Im Zentrum stehen zwei Menschen aus unterschiedlichen Welten, deren Schicksale im Stuttgarter Marienhospital aufeinandertreffen: Rachel Levi: Eine 22-jährige, hochbegabte jüdische Krankenschwester aus Frankfurt, die 1931 nach Stuttgart kommt, um der Enge ihres Elternhauses und den wachsenden Spannungen in ihrer Heimatstadt zu entfliehen. Dr. Hermann Weber: Ein brillanter, rational denkender Oberarzt und Sohn eines angesehenen Stuttgarter Fabrikanten. Er ist ein Mann der Wissenschaft, der zunächst wenig Raum für Romantik lässt. Die beiden finden durch ihre gemeinsame Arbeit im Operationssaal zusammen, wo sie eine fast wortlose, intuitive Verständigung entwickeln. Ihre erste private Annäherung findet auf einer Parkbank im Schlossgarten statt, ein Ort, der zum Symbol für ihre kurze Idylle wird.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Schatten über den Schlossgarten

IMPRESSUM:

Ralf Hagedorn

c/o IP-Management #4887

Ludwig-Erhard-Str. 18

20459 Hamburg

Mithilfe von ChatGPT geschrieben.

Coverbild Gemini

Kapitel 1: Der Geruch von Karbol und Jasmin

Der Septembermorgen des Jahres 1931 lag wie ein feuchtes Tuch über Stuttgart. Rachel Levi stieg am Hauptbahnhof aus dem Zug, den schweren Lederkoffer in der einen Hand, ihre Handtasche fest unter den Arm geklemmt. Der Bahnhof, ein gewaltiger Bau aus dunklem Muschelkalk, wirkte auf sie wie ein Portal in ein neues Leben. Die Betriebsamkeit auf den Bahnsteigen war bereits in vollem Gange.

Rachel atmete tief ein. Es roch nach Kohlenstaub, heißem Eisen und dem fernen Duft von geröstetem Kaffee, der aus den Bahnhofsgaststätten drang. Sie war 22 Jahre alt, eine junge Frau mit lockigem, dunklem Haar, das sie unter einer schlichten Glockenmütze verborgen hatte, und Augen, die eine Mischung aus Neugier und einer tief sitzenden Melancholie widerspiegelten.

Marienhospital“, sagte sie leise zu sich selbst, um den Klang des Wortes zu prüfen. Sie war in Frankfurt aufgewachsen, hatte dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester an der jüdischen Pflegeschule mit Auszeichnung abgeschlossen. Nun suchte sie die Ferne, nicht, weil sie ihre Heimat nicht liebte, sondern weil die Enge des Elternhauses und die zunehmenden politischen Spannungen auf den Straßen Frankfurts ihr das Atmen schwermachten. Stuttgart, die Stadt zwischen den Hügeln, schien ihr ein sicherer Hafen zu sein.

Sie nahm die Straßenbahn in Richtung Süden. Die Wagen ratterten über die Schienen, vorbei am Schlossplatz, wo das Neue Schloss in barocker Pracht thronte, während gegenüber der modernen Architektur des „Tagblattturms“ von einer neuen Zeit kündete. Es war diese Zerrissenheit, die Rachel faszinierte: Hier die alte Residenzstadt, dort das pulsierende Zentrum der Industrie und des Fortschritts.

Das Marienhospital im Stadtteil Heslach war ein imposanter Backsteinbau. Als Rachel die Pforte durchschritt, schlug ihr der vertraute Geruch von Karbol und Bohnerwachs entgegen, der Duft ihres Handwerks.

Schwester Rachel Levi?“, fragte die Oberschwester, eine hager wirkende Frau namens Agathe, deren Blick so scharf wie ein Skalpell war. „Sie kommen spät. Die Visite beginnt in zehn Minuten.“

Der Zug hatte Verspätung, Schwester Agathe. Bitte verzeihen Sie“, antwortete Rachel ruhig. Sie ließ sich nicht einschüchtern. Im OP-Saal gab es keinen Platz für Nervosität.

Sie wurde schnell eingewiesen. Ihr Quartier war ein karges Zimmer im Schwesternwohnheim, kaum mehr als ein Bett, ein Schrank und ein kleiner Schreibtisch. Doch für Rachel fühlte es sich wie Freiheit an. Sie schlüpfte in ihre weiße Tracht, rückte die Haube zurecht und prüfte ihr Spiegelbild. Die weiße Schürze war gestärkt und knisterte bei jeder Bewegung.

Als sie den Operationstrakt betrat, herrschte dort bereits jene konzentrierte Stille, die sie so liebte.

Wir warten auf Dr. Weber“, flüsterte eine jüngere Schwester ihr zu. „Er ist der Beste hier, aber er duldet keine Fehler. Er ist, nun ja, sehr genau.“

In diesem Moment schwangen die Schwingtüren auf.

Hermann Weber war kein Mann, der einen Raum einfach nur betrat; er nahm ihn ein. Er war Mitte dreißig, groß gewachsen, mit hellem Haar, das streng nach hinten gekämmt war. Seine Züge waren markant, fast ein wenig zu ernst für sein Alter. Er trug bereits seine Operationskleidung, die Ärmel hochgekrempelt, die Unterarme gerötet vom Schrubben mit Bürste und Seife.

Er blickte nicht auf, als er an das Waschbecken trat, das Rachel vorbereitet hatte.

Instrumente vollständig?“, fragte er. Seine Stimme war ein tiefer Bariton, geprägt von einem leichten Honoratioren Schwäbisch, das jedoch kultiviert und präzise klang.

Vollständig und sterilisiert, Herr Doktor“, antwortete Rachel.

Hermann hielt inne. Er schien die neue Stimme zu registrieren. Langsam drehte er den Kopf zur Seite. Sein Blick wanderte von ihren Händen, die ruhig auf dem Instrumententisch lagen, hinauf zu ihrem Gesicht. Er sah die dunklen Augen, die ihn aufmerksam und ohne Scheu musterten.

Einen Moment lang vergaß er, das Wasser abzudrehen. Das Plätschern des Brunnens war das einzige Geräusch im Raum. Er sah die feinen Züge der jungen Frau, die so gar nicht in das Bild der üblichen Schwesternschülerinnen passen wollten, die er bisher in Stuttgart erlebt hatte. In ihrem Blick lag eine Intelligenz und eine Ruhe, die ihn augenblicklich irritierten und faszinierten.

Sie sind neu“, stellte er fest. Es war keine Frage.

Rachel Levi. Seit heute Morgen im Dienst.“

Levi“, wiederholte er leise. Er nickte kaum merklich. „Schön, Schwester Rachel. Dann hoffen wir, dass Ihre Hände so sicher sind, wie Ihre Stimme klingt. Wir haben eine komplizierte Appendektomie mit Verdacht auf Perforation. Ich brauche volle Konzentration.“

Die werden Sie haben, Herr Doktor.“

Der Doktor wandte sich wieder dem Waschbecken zu, doch das Bild dieser Frau mit den ernsten Augen brannte sich in sein Gedächtnis ein. Er war der Sohn eines angesehenen Stuttgarter Fabrikanten aus Degerloch, ein Mann der Wissenschaft, der für Romantik wenig Zeit hatte. Liebe war für ihn bisher ein biologischer Prozess oder ein gesellschaftliches Übereinkommen gewesen. Doch als er an diesem Morgen den Saal betrat, spürte er einen winzigen Riss in seiner rationalen Welt.

Der Operationssaal war erfüllt vom grellen Licht der großen Scialytic-Lampe, die über dem Tisch thronte. Es war eine Welt ohne Schatten, in der jedes Detail zählte. Der Geruch nach Äther lag schwer in der Luft, süßlich und betäubend, gemischt mit der kühlen Reinheit des Alkohols.

Rachel stand rechts vom Dr. Wegener. Sie hatte sich bereits die sterile Maske vorgebunden, nur ihre Augen waren sichtbar wachsam, dunkel und von einer fast unheimlichen Ruhe. Hermann spürte ihre Präsenz stärker, als ihm lieb war. Er versuchte, sich auf den Patienten zu konzentrieren, einen jungen Arbeiter aus den Bosch-Werken, dessen entzündeter Blinddarm kurz vor dem Durchbruch stand.

Skalpell“, befahl Hermann knapp.

Ohne Zögern, ohne dass er die Hand auch nur einen Zentimeter weit ausstrecken musste, lag der kühle Griff in seiner Handfläche. Rachel hatte die Bewegung antizipiert. Hermann stutzte einen Moment, dann setzte er den ersten Schnitt.