Schattenfürst - Kim Landers - E-Book

Schattenfürst E-Book

Kim Landers

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Beschreibung

Prag, im frühen 19. Jahrhundert: Mit Einbruch der Dunkelheit kehrt die Angst in Prag ein, denn die Nächte der Stadt werden von blutgierigen Vampiren beherrscht - allen voran Graf Jiri, Anführer der Vampire. Auf seinen pompösen Bällen wählt er schöne junge Frauen als Beute für die Orgien der Vampire aus. Ein Objekt seiner Begierde ist auch Karolina, eine junge Adelige. Auf der Flucht vor Graf Jiri wird sie von einem geheimnisvollen Mann gerettet: Fürst Dominik Karolyi. Vom ersten Moment an ist Karolina von dem düsteren Dominik fasziniert, nicht ahnend, dass auch er zu den Vampiren gehört und von Graf Jiri höchstpersönlich erschaffen wurde! Einem Hilferuf ihrer Freundin Adela folgend, reist Karolina zum unheimlichen Schloss von Graf Jiris Mätresse, in dem Vampire ihr Unwesen treiben. Der Fluchtplan der Freundinnen scheitert, und Adela wird im Schloss gefangen gehalten. In ihrer Angst sieht Karolina keinen anderen Ausweg, als Dominik um Hilfe zu bitten. Der Fürst verspricht ihr zu helfen - aber er verlangt eine Gegenleistung von Karolina ... Teil 1 der Dcera-Trilogie.

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KIM LANDERS

SCHATTENFÜRST

EROTISCHER VAMPIRROMAN

© 2009 Plaisir d’Amour Verlag, Lautertal

Plaisir d’Amour Verlag

Postfach 11 68

D-64684 Lautertal

www.plaisirdamourbooks.com

[email protected]

Lektorat: Helena Hollerbach

© Coverfoto: Sabine Schönberger (www.sabine-schönberger.de)

Coverlayout: Christoph Spittler

ISBN ePub: 978-3-86495-011-7

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden.

1.Prag, zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Die Nacht legte sich wie ein schwarzer Schleier über Prag. Wo noch vor einer Stunde Hufgetrappel und Schritte durch die Straßen hallten, herrschte nun Totenstille. Dominik liebte es, durch die menschenleere Stadt zu schlendern. Es war nicht die kalte Novembernacht, die die Menschen auch heute zurück in ihre Häuser trieb, sondern es war die Furcht vor Vampiren, die nachts auf Beutezügen die Stadt durchstreiften.

Der Hunger auf frisches Blut hatte auch Dominik in die Stadt gelockt. In Gestalt eines Wolfes erbeutete er Ratten am Flussufer. Danach trabte er die Prager Stadtmauer entlang. Sein Ziel war das verrufene Palais des Grafen von Boskovic. Das Licht des Vollmondes überzog die feuchten Straßen mit einem silbrigen Glanz.

Dichter, weißer Nebel schwebte über der Moldau und umhüllte die Statue des heiligen Johannes wie ein Leichentuch. Schnelle Schritte näherten sich. Dominik verharrte auf der Stelle.

Dann sprang er lautlos auf die Stadtmauer und erkannte von oben den Nachtwächter, der gerade seine Runde beendete. Einer der wenigen Bewohner, die trotz der Gefahr ihre Pflicht erfüllten. Deutlich witterte Dominik den Schweißgeruch des Mannes und die Furcht, die darin lag. Der Alte hatte ihn noch nicht bemerkt, sondern blies nach einem flüchtigen Blick über die Schulter das Licht in der Laterne aus. Dann eilte er über die Karlsbrücke, die sich über die Moldau spannte. Dominik folgte ihm und tauchte in den Nebel ein. Als sie die Brücke zur Hälfte überquert hatten, lichtete sich der weiße Schleier und gab Dominik preis. Der Alte blieb abrupt stehen. Langsam drehte er sich um. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen, und er setzte an zu schreien. Doch nur ein heiseres Röcheln drang aus seiner Kehle.

Die Todesangst verlieh dem Nachtwächter ungeahnte Kräfte. Mit einer Geschwindigkeit, die Dominik ihm nicht zugetraut hätte, drehte sich der Alte um und rannte weiter. Dabei bekreuzigte er sich und murmelte ein Gebet. Dominik folgte ihm in einigem Abstand. Er genoss es, den Alten in Angst zu versetzen.

Nach wenigen Metern erlahmten die betagten Beine des Nachtwächters, jeder seiner Atemzüge wollte ihm die Brust sprengen. Nur wenige Schritte trennten ihn von seinem Haus, das sich nahtlos an die Brücke anschloss.

Dominik beobachtete in Ruhe, wie der Alte in Panik vor ihm herstolperte und hinter der ersten Haustür verschwand.

Der Alte wäre jederzeit ein leichtes Opfer gewesen, wenn Dominik nur gewollt hätte.

Anschließend schlug er den Weg zum Marktplatz ein. Niemand begegnete ihm, als er durch die schmalen Gassen lief. Nur die Wagemutigen unter den Bewohnern Prags suchten ihr nächtliches Vergnügen in dem berüchtigten Stadtpalais, das am Ende des Marktplatzes lag.

Aus dem Innern des herrschaftlichen Gebäudes erklangen Walzermelodien. Die abgerundeten Fenster der ersten Etage waren hell erleuchtet. Unter riesigen Kronleuchtern schwebten Damen und Herren in festlicher Abendrobe übers Parkett. Gelächter mischte sich mit Geigenklängen und Gläserklirren.

Dominik ließ sich von dem Bild eines harmlosen Balles nicht beirren. Jiri Graf von Boskovic war der Anführer des Prager Vampirclans. Dieser lud alles, was Rang und Titel besaß, regelmäßig zu pompösen Bällen ein, die für ihre Ausschweifungen überall bekannt und heiß begehrt waren. In den gehobenen Gesellschaftskreisen galt er als ehrenhaft, und man folgte seinen Einladungen gern. Die Damenwelt lag ihm zu Füßen, geblendet von seinem Reichtum und seiner charismatischen Ausstrahlung ergeben. Doch sein wahres Gesicht zeigte er, wenn er eine der Frauen zu seiner Auserwählten erkor. In den Kellergewölben seines Stadtpalastes feierte er Orgien und blutige Rituale. Gaben sich die Damen willig seinen Verführungskünsten hin, wurden sie zu seinen Sklavinnen, um dann als eine Gefährtin der Nacht wiedergeboren zu werden. Widersetzten sie sich ihm, wartete der Tod auf sie.

Dominik schlich näher ans Fenster heran, um neugierig einen Blick auf die heutige Gesellschaft zu werfen. Er wandelte seine Gestalt in eine Fledermaus und flatterte auf den Fenstersims, um das Geschehen aus der Nähe zu betrachten.

Neben dem Fenster stand eine junge Frau mit einem Weinglas in der Hand. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt. Ihr langes, goldenes Haar ergoss sich wie ein Wasserfall über die bloßen Schultern bis zu den Hüften. Die Arme steckten bis zum Ellbogen in seidenen, weißen Handschuhen, passend zum hellblauen Kleid. Der Anblick ihrer zarten, pfirsichfarbenen Haut erweckte in ihm sofort Begehren. Sein Magen knurrte wieder, als er ihren Pulsschlag in der Halsbeuge erkannte.

Sie öffnete einen Fächer und fächelte sich Luft zu. Dann stellte sie das Weinglas auf einem kleinen Beistelltisch ab und drehte sich zum Fenster. Dunkle Augen sahen gelangweilt durch die Fensterscheibe in die Nacht hinaus. Ihr ebenmäßiges Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den roten Lippen weckten in ihm Gefühle, die er schon lange nicht mehr in dieser Intensität verspürt hatte. Als sie mit der Zunge ihre Lippen befeuchtete, löste das bei ihm ungezügeltes Verlangen aus, sie zu besitzen. Sein Blick wanderte von ihrem Gesicht zu ihrem tiefen Dekolleté, wieder hinauf, um dann erneut in der weißen Halsbeuge zu verharren, in der er deutlich das Pulsieren ihrer Ader erkannte.

Er breitete seine ledrigen Flügel aus. In diesem Moment bedauerte er, ihr nicht als Ballgast entgegentreten zu können. Viele schöne Frauen waren ihm begegnet, doch diese hier verkörperte Lust und jungfräuliche Reinheit in einem, was ihn mehr als alles andere reizte.

Jemand rief und lockte sie vom Fenster fort, was er bedauerte. Er spähte durch die Scheibe und suchte nach ihrer Erscheinung. Nicht weit entfernt entdeckte er Vampire, die sich angeregt mit den Gästen unterhielten. Er kannte alle von Jiris Clan. Sein Blick suchte nach dem Gastgeber. Hatte er etwa die Fremde gerufen? Die furchtbare Ahnung stieg in ihm auf, sie könnte Jiris nächstes Opfer werden. Er hatte schon viele beobachtet, die durch Jiri gestorben oder verwandelt worden waren. Zum ersten Mal rührte ihn das Schicksal einer Sterblichen. Er musste wissen, was mit ihr geschah.

Den Weg zum Kellergewölbe kannte Dominik nur zu genau. Oft hatte er die dämonischen Rituale heimlich beobachtet und wusste, was die Frauen erwartete.

Er flatterte zur Hinterseite des Hauses, zu dem kleinen Innenhof, dann die schmale Stiege hinab, die zum Kellergewölbe führte, und klammerte sich an dem rostigen Gitter fest. Dann spähte er durch das winzige Loch in der Mauer, das einem menschlichen Auge verborgen blieb. Es bot sich ihm eine ähnliche Szene wie neulich, und er wurde wieder zum Beobachter.

Inmitten des von zahlreichen Kerzen beleuchteten Raumes lag eine nackte Frau auf einem steinernen Altar, die Hände oberhalb des Kopfes festgekettet, die Beine gespreizt. Ihre Haut war schweißnass. Ihr Kopf steckte in einer schwarzen Henkersmaske.

Zwischen ihren Beinen kniete der nackte Jiri. Sein wohlgebauter Körper schimmerte wie Alabaster, glänzte vom Fett ehemaliger Opfer, die sich ihm widersetzt oder eine Wandlung nicht überlebt hatten. Er liebte es, sich vor jedem Ritual mit ihrem Fett einzuschmieren, um sich an den Genuss ihres Todeskampfes zu erinnern. Sein schlohweißes Haar fiel wie ein seidiger Vorhang auf den Bauch der Frau, die sich stöhnend unter ihm wand, als seine lange Zunge von ihren Brüsten zu ihrem Venushügel wanderte, zwischen ihre Schamlippen glitt, um in ihre Feuchte einzutauchen. Sie reckte ihr Becken in die Höhe.

Wie sehr hoffte Dominik, es möge nicht die Schöne aus dem Ballsaal sein.

Aus den dunklen Nischen traten Gestalten in schwarzen Kapuzenumhängen hervor, die einen monotonen, immer schneller werdenden Singsang anstimmten. Aus dem Nichts flogen schattenhafte Wesen herbei und schwebten über dem Kopf des Anführers - Schattendämonen, die auf die Gunst eines menschlichen Körpers hofften, um ein irdisches Dasein für die Ewigkeit zu führen. Und unter ihnen lag das Opfer, das durch den Meister einen neuen Herrn erhielt. Es war der Tribut für ein Machtbündnis zwischen Vampiren und Schattendämonen.

Der Singsang wurde durch die verzückten Schreie der Frau übertönt, als der Vampir ihre Beine anwinkelte, seine Hände unter ihr Gesäß presste und sich damit näher an ihren Unterleib schob, um sich mit ihr zu vereinigen.

Dominik schluckte, fühlte sich machtlos, weil wieder eine Unschuldige ins Reich der Dunkelheit geführt wurde, ohne dass er ihr zu helfen vermochte. Verdammt! Warum meldete sich bei ihm überhaupt ein Gewissen?

Der Vampir warf seinen Kopf mit einem lauten Brüllen zurück und sein Penis drang grob in die Frau ein, die laut aufschrie. Rhythmisch bewegte er sich in ihr, während ihn der drängender werdende Singsang zu schnellerem Tempo stimulierte.

Riesige, spitze Zähne wuchsen aus seinem Mund, als er sich über den Hals der Frau beugte. Dann senkten sie sich in das weiche Fleisch ihrer Kehle und öffneten die Schlagader. Er saugte genüsslich das warme Blut in seinen Schlund. Das wehrlose Opfer lag wie eine wächserne Puppe unter ihm.

Nach kurzer Zeit wich die letzte Lebenskraft aus dem Körper der Frau, deren Glieder unregelmäßig zu zucken begannen.

Der Singsang steigerte sich zum Höhepunkt, den auch der Anführer erlebte.

Als er genug des Lebenssaftes getrunken hatte, richtete er sich auf. Das Blut rann ihm übers Kinn und tropfte auf seine weiße Brust. Dann biss er sich selbst in den Unterarm und beträufelte die Lippen der unter ihm Liegenden. Schließlich presste er seinen Arm auf ihren Mund, bis diese gierig sein Blut trank.

Der undeutliche Singsang wechselte in die Worte „Libera me!“, erst leise, dann immer lauter, fordernd, drängend. Der Vampir streckte seine Arme in die Höhe und schloss die Augen.

Aus seiner rechten Hand trat eine blaue Flamme hervor.

Dämonenfeuer! Dominik erstarrte. Noch nie zuvor hatte er es bei einem dieser Rituale gesehen, und selbst als Geschöpf der Finsternis betrachtete er es mit Respekt. Es war der Pakt mit den Schattendämonen aus Satans Welt, der Jiris Kräfte stetig wachsen ließ.

Mit einem Fauchen hieb der Anführer seine Hand in den Brustkorb der Frau, tauchte direkt in die Aorta. Unter einem lauten Knirschen brachen ihre Rippen. Das Blut schoss in einem gewaltigen Schwall aus dem Loch in ihrer Brust. Der Körper der Frau zuckte so heftig, als wäre der Blitz in sie gefahren. Mit einem klatschenden Geräusch ergoss sich ein Blutschwall über den Steinboden. Sofort gesellten sich die dunklen Gestalten gierig um den weiter sprudelnden Lebenssaft, um ihn mit Schalen aufzufangen und zu trinken. Sie schlugen ihre Kapuzen zurück, und Dominik erkannte in ihnen die Vampire, die eben noch mit den Sterblichen in Harmonie auf dem Ball getanzt hatten.

Einer der Vampire riss dem Opfer die Maske vom Kopf und entblößte ein schmales Gesicht mit flatternden, bläulich verfärbten Lidern und schwarzem Haar. Es tröstete Dominik, dass es nicht die Fremde aus dem Ballsaal war.

Der Blutfluss versiegte, und die Vampire zogen sich zurück. Nur die Schattendämonen zogen über dem weißhaarigen Vampir ihre Kreise wie die Raben über der Prager Burg. Dann löste sich auf ein Zeichen des Anführers einer von ihnen und glitt in den Körper der Frau, um ein neues Leben zu beginnen.

Jiri erhob sich mit einem triumphierenden Lächeln und stieg vom Altar.

Die anderen Vampire ketteten das Opfer los. Es verging nur eine kurze Zeit, bis der Brustkorb der Frau sich wieder gleichmäßig hob und senkte, ein Zeichen neuen Lebens. Als sie sich aufrichtete, glühten ihre Augen in einem irisierenden Blau. Sie fauchte und entblößte dabei ihre Reißzähne. Das Loch in ihrer Brust verschloss sich augenblicklich unter der blauen Flamme, die noch immer in der Wunde glomm.

Plötzlich klapperten Absätze auf dem Kopfsteinpflaster und ließen Dominik herumfahren. Er flatterte auf, um nachzusehen.

Rasch überquerte er den Innenhof und erkannte von Weitem die blonde Fremde, die davon eilte. Einem inneren Zwang folgend, flog er ihr nach.

2.

Karolinas schnelle Schritte auf dem Kopfsteinpflaster hallten durch die engen Gassen.

Niemand außer ihr schien sich zu dieser späten Stunde in den Straßen Prags aufzuhalten. Alle fürchteten sich vor der Nacht und ihren Schrecken. Auch sie konnte ein Herzklopfen nicht verleugnen.

Das matte Licht der Straßenlaternen warf spitze Schatten auf das feuchte Pflaster. Alle Warnungen vergessend, hatte sie völlig überstürzt das Stadtpalais des Grafen Jiri verlassen, um seiner Zudringlichkeit zu entgehen. Dabei sah ihr Vater in dem Grafen eine gute Partie, denn er war nicht verheiratet, von angenehmer Gestalt und unermesslich reich. Dennoch lag in seinem Wesen eine gewisse Verschlagenheit, die Karolina ängstigte. Mit eisernem Griff hatte er sie an seinen Körper gepresst. Beim Tanz glaubte sie in Satans Augen zu blicken. Als die Musik endete, befreite sie sich mit einer fadenscheinigen Ausrede aus der Umarmung.

Flucht war ihr einziger Gedanke gewesen, und den hatte sie, ohne nachzudenken, in die Tat umgesetzt. Wie von Furien gehetzt, war sie aus dem Ballsaal gestürmt.

Doch zu ihrem Bedauern hatte sie die falsche Tür gewählt und war in den Salon des Grafen geraten. Lilien in kostbaren Porzellanvasen verströmten ihren betäubend süßen Duft.

Sie hörte ein Kichern, das von einem der Sofas her kam. Karolina erkannte den Grafen, der die Röcke einer üppigen Blondine hochraffte und sie in ihren nackten, prallen Hintern kniff. Wieder folgte ein Kichern, bis sich die Blonde auf einen Diwan gleiten ließ und die Beine spreizte. Karolina starrte auf die rasierte Scham der Frau. Gierig fuhren die Hände des Grafen über die geschwollenen Schamlippen der Frau, während diese den Kopf in den Nacken legte und wohlig stöhnte. Heiß durchfuhr es Karolina bei der Vorstellung, dass sie anstelle der Blondine dort gesessen hätte, wenn sie dem Grafen willig gefolgt wäre.

„Nimm mich endlich, Geliebter“, forderte die Blonde und zog Boskovics Gesicht herab, damit er ihre feuchte Mitte liebkosen sollte.

Wie gebannt verfolgte Karolina die Szene und konnte sich nicht lösen. Die Zunge des Grafen tauchte in die Vagina der Frau ein, die spitze Schreie ausstieß. Mit einem tiefen Knurren ließ er von ihr ab. Sofort bettelte die Blonde um Erlösung und wollte ihn wieder nach unten ziehen. Doch Boskovic wehrte ihre Hände ab. Lachend öffnete der Graf seine Hose und schuf seinem mächtigen, erigierten Phallus Platz. Dann warf er sich auf die Liegende und drang grob in sie ein. Doch der Blonden schien diese Derbheit zu gefallen, denn sie wand sich wollüstig unter ihm, während sich ihre Finger in seinen Rücken bohrten. Er ritt sie in immer schnellerem Tempo. Mit geschlossenen Augen gab sich die Blondine seinem Rhythmus hin. Oft hatte Karolina die Mägde hinter vorgehaltener Hand davon tuscheln hören, wie es wäre, wenn der Mann sein Recht einforderte. Aber es in der Realität zu beobachten, erweckte ihre Neugier.

Entsetzt erkannte Karolina die spitzen Zähne, die plötzlich aus dem Mund des Grafen wuchsen. Dann brüllte er wie ein Tier, das eine Beute erlegt, und seine Zähne bohrten sich in die Halsbeuge der Frau. Das folgende schmatzende Geräusch riss Karolina aus ihrer Starre. Der Anblick war erschütternd, und sie begann zu zittern. Ihre Gedanken kreisten nur noch um das Wort Flucht.

Sie wich auf Zehenspitzen rückwärts. Dann drehte sie sich um und rannte davon.

Jetzt verfluchte sie ihre spontane Handlung. Wie oft hatte ihr Vater sie vor den Vollmondnächten gewarnt, in denen Geschöpfe der Finsternis ihre Beute suchten. Sie hatte an deren Existenz gezweifelt, die Geschichten darüber für Ammenmärchen gehalten, um damit junge Frauen wie sie zu ängstigen. Aber heute war sie eines Besseren belehrt worden. Grauen überkam sie, wenn sie sich an die Szene von vorhin erinnerte.

Sie zog die Kapuze über ihr goldblondes Haar, das sie in der Dunkelheit verraten hätte, und eilte dicht an den Häuserfassaden entlang. Sie rannte, ohne sich umzusehen, über den Marktplatz, in das Gewirr der engen Gassen.

Nach einiger Zeit bekam sie Seitenstechen, jeder Atemzug schmerzte. Das Leder ihrer zu schmal geschnittenen Schuhe brannte sich in ihre Füße.

Es war noch ein weiter Weg bis zum Haus von Tante Carlotta, das sich auf der anderen Seite der Moldau hinter einem kleinen Wäldchen am Rande Prags befand. Karolina betete darum, es unbeschadet zu erreichen.

Der einsetzende Nieselregen durchnässte den seidenen Stoff von Rock und Schuhwerk. Plötzlich wähnte sie einen Schatten hinter sich. Das Gefühl, verfolgt zu werden, brachte ihren Puls zum Rasen. Sie blieb stehen, drehte sich kurz um und lauschte in die Dunkelheit. Es war totenstill. Bestimmt hatte der Schatten einer Katze sie aufgeschreckt. Sie versuchte mit der simplen Erklärung ihre Sinne zu beruhigen.

Dann eilte sie weiter. Ein kalter Hauch umhüllte sie wie ein Mantel. War da nicht ein lautloser Schatten gewesen, der nach oben gestiegen und hinter den Ziegeldächern verschwunden war? Erschrocken sprang Karolina zur Seite und drängte sich in eine Hausnische. Sie presste die Hände gegen die Brust und lauschte in die Stille, die nur durch ihren keuchenden Atem unterbrochen wurde. Sie wartete, bis sich ihr Puls wieder beruhigt hatte, raffte die Röcke hoch und setzte den Weg fort.

Heiseres Hundegebell erklang aus der Ferne, das in ein unheimliches Klagegeheul überging, um in einem Winseln zu enden. Eine Gänsehaut breitete sich auf Karolinas Rücken aus.

Kraftvolle Schritte erklangen hinter ihr, die sie ihr Tempo verdoppeln ließen. Karolina ignorierte die Blasen an den Füßen, die bei jedem Schritt wie Feuer brannten, und rannte weiter. Sie bog in eine Gasse ein, die steil nach unten führte und an deren Ende sich eine Treppe befand. Von hier aus war es nicht mehr weit bis zur Karlsbrücke.

Die Stufen waren durch den Nieselregen glitschig. Karolina rutschte aus und schlug kräftig mit ihrem Hinterteil auf. Im gleichen Moment packten sie kräftige Hände grob an den Armen und zogen sie hoch. Eine eiskalte Hand presste sich auf ihren Mund und raubte ihr den Atem. Ein heiseres, lüsternes Lachen erklang an ihrem Ohr, das ihr das Blut in den Adern stocken ließ.

Mit aller Kraft versuchte sie, sich dem Griff zu entwinden, doch vergeblich.

„Fette Beute, Harry“, hörte sie die männliche Stimme, deren Besitzer sie nicht sehen konnte. Das heisere Lachen ertönte erneut dicht an ihrem Ohr.

Karolina war einer Ohnmacht nahe.

„Willst du gleich ihren heißen Schoß kosten und dann mit uns teilen? Oder heben wir uns das für später auf, wenn der Wein durch unsere Kehlen geronnen ist?“ Wieder lachte ihr Peiniger laut auf. Seine Hand, die ihren Mund verschloss, löste sich, zog ruckartig die Kapuze von ihrem Kopf, glitt gierig über ihr Haar und dann an ihrem Hals entlang, in dem ihr Puls wie verrückt raste.

„Später. Das Beste hebt man sich immer auf.“ Fauliger Atem benebelte ihre Sinne.

„Bitte lassen Sie mich gehen. Ich gebe Ihnen alles, was ich besitze, meinen Schmuck, das Geld. Ich kann Ihnen noch mehr beschaffen. Aber lassen Sie mich gehen“, flehte Karolina.

Der Fremde drehte sie um und starrte ihr ins Gesicht. Er umfasste ihre Hände und zog sie hinter ihren Rücken, um sie wie einen Schraubstock zu umklammern. Sein massiger Körper steckte in einer viel zu engen Baumwollhose, die an den Knien verschlissen war und vor Schmutz strotzte. Das grobschlächtige Gesicht mit den verfaulten Zähnen und der pockennarbigen Haut ließ Übelkeit in Karolina aufsteigen. Er würde doch nicht tatsächlich in Erwägung ziehen, sich an ihr zu vergehen? Panik stieg in Karolina auf, als sie sich ihrer Hilflosigkeit bewusst wurde.

„Soso. Die Dame will mich auch noch für die Lust bezahlen! Was für ein Spaß!“, grölte er, und der andere Kerl, der bislang abseits im Schatten eines Hauses gestanden hatte, stimmte mit ein, während er barfüßig zu ihnen humpelte. Karolina erschrak beim Anblick des riesigen Buckels auf seinem Rücken.

„Ich flehe Sie an, mir nichts anzutun. Sie sollen dafür belohnt werden. Mein Vater ist reich ...“ Das war zwar übertrieben, aber etwas anderes fiel ihr nicht ein.

„Wie reizend, wenn ein Weib bettelt. So habe ich das gern.“

Brutal presste er Karolina an seinen Unterleib, damit sie seine harte Erektion spüren konnte. Die eine Hand umfasste noch immer ihre Hände hinter dem Rücken, während die andere zu ihrem Mieder hinauf tastete und daran zerrte. Feuchte Lippen fuhren über ihre Haut. Karolina zitterte vor Furcht und Ekel, Tränen schossen in ihre Augen. Konnte das Schicksal sie so hart bestrafen?

Gott, lass mich in Ohnmacht fallen! Sie schloss die Augen. Aber der Himmel zeigte kein Erbarmen, und so musste sie die derbe Zudringlichkeit des Unholds über sich ergehen lassen. Als sie die Augen wieder öffnete, bemerkte sie einen Schatten in der Gasse.

Entsetzen spiegelte sich auf dem Gesicht des Buckligen wider, bevor er in wilder Panik flüchtete.

Karolina wurde von dem Straßenräuber so plötzlich losgelassen, dass sie ins Taumeln geriet. Ihr Blick fiel auf einen hochgewachsenen Mann mit schwarzem Umhang, dessen Ausstrahlung Respekt einflößend war. Er packte ihren Peiniger am Kragen und hob ihn hoch. Sie konnte das Gesicht des Mannes unter dem breitkrempigen Hut nicht erkennen. Seine Haltung drückte eine unnachgiebige Entschlossenheit und Kraft aus, die sie erschauern ließ. Der Straßenräuber zappelte und winselte dabei wie ein Hund. Karolina konnte nicht verstehen, was der Mann in Schwarz dem zitternden Bündel zuraunte, als er ihn näher zu sich heranzog. Es klang wie ein heiseres Fauchen. Dann ließ er den Gegner unvermittelt los, der jammernd zu Boden fiel, sich aufrappelte und sofort die Flucht ergriff.

Gebannt verharrte Karolina auf der Stelle, beobachtete zitternd die geschmeidigen Bewegungen ihres Retters. Er glättete seinen Umhang und zog den Hut vom Kopf. Dann verbeugte er sich vor ihr in lässiger Eleganz.

Es war der Blick aus seinen eisblauen Augen, der sie fesselte und zugleich ängstigte. Er beinhaltete die stumme Aufforderung, sich ihm zu nähern. Wie in Trance ging sie auf ihn zu, bis sie dicht vor ihm stehen blieb. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um in sein Gesicht zu sehen. Seine Augen schienen auf den Grund ihrer Seele zu blicken. Auf seinem schwarzen, welligen Haar, das ihm bis auf die Schultern reichte, lag ein silbriger Schimmer. Sein markantes Kinn verriet Kompromisslosigkeit und stand im Gegensatz zu den vollen, weich geschwungenen Lippen. In der Aura des Fremden lagen Sinnlichkeit und Gefahr. Sie glaubte sich in den Fängen einer schwarzen Spinne zu befinden, die ihre Beute belauerte, bevor sie diese tötete. Dann zwang sie sich wieder zu der ihr anerzogenen Höflichkeit. Sie räusperte sich, ihre Stimme klang belegt.

„Ich habe Euch zu danken, Monsieur.“ Sein Blick hielt sie noch immer gefangen.

„Glaubt Ihr, Euch in Sicherheit zu befinden?“ Seine tiefe, raue Stimme brachte ihren Körper zum Schwingen, eine Stimme, der sie ewig hätte lauschen können.

Sein unvermutet strenger Gesichtsausdruck ließ sie jedoch einen Schritt zurückweichen.

„Weshalb solltet Ihr sonst diese Halunken verjagt haben, wenn nicht, um mich zu retten? Außerdem seht Ihr nicht wie einer von denen aus.“ ‚Aber nicht minder verwegen‘, ergänzte sie in Gedanken.

Seine Miene blieb unbeweglich, aber in seinen Augen funkelte es amüsiert.

„Vielleicht begehre ich Euren Schmuck oder gar ... Euch?“

Sie zuckte bei dieser Anspielung zusammen und schwieg.

„Woran glaubt Ihr einen Unhold zu erkennen? An seinem Aussehen? Oder am rauen Benehmen?“, fuhr er fort und ging langsam um sie herum.

Karolina fuhr sich nervös mit der Zunge über die spröden Lippen. Er beugte sich vor und stemmte die Hände in die Hüften. Sein Gesicht war dem ihren ganz nah. Ein Zittern durchlief ihren Körper.

„Mein Gefühl verrät mir, vor wem ich mich zu fürchten habe. Und es hat mich noch nie getäuscht.“

„Soso. Euer Gefühl? Und was rät der Verstand?“

Er nahm sie nicht ernst. Ihre Furcht schlug in Ärger um. „Ich weiß nicht, was Ihr mit diesem Frage- und Antwortspiel bezweckt, aber ich möchte es jetzt beenden. Ich bin müde und es drängt mich nach Hause. Mein Dank ist Euch gewiss. Wenn Ihr mich jetzt bitte entschuldigen würdet ...“ Sie drehte sich um und ging ein paar Schritte.

„Ich lasse Euch nicht gehen.“ Der weiche Ton in seiner Stimme täuschte nicht darüber hinweg, dass er keinen Widerspruch duldete.

Karolina wollte weitergehen, aber schon stand er neben ihr und umfasste ihren Ellbogen.

Und wenn dieser Fremde ihr auch Gewalt antun wollte? In ihrem Kopf spielte sie alle Varianten der Flucht durch und kam zu einem niederschmetternden Ergebnis. Sie war diesem Mann genauso schutzlos ausgeliefert wie dem Buckligen und seinem grobschlächtigen Partner. Noch dazu hatte er seine körperliche Stärke bewiesen. Diese Erkenntnis erschütterte sie, und Schauer der Furcht liefen über ihren Rücken. Wie naiv zu glauben, dass sie der Gefahr entgehen könnte.

„Aber ... bitte, lasst mich gehen“, flehte Karolina.

„Nein, das werde ich nicht, und jetzt folgt mir, Mademoiselle.“ Wider Erwarten ließ er sie los. Dann wandte er sich um und ging mit weit ausholenden Schritten voran. Irgendetwas zwang sie, ihm zu folgen, wenn auch mit einem beklommenen Gefühl. An jeder Straßenecke warteten Räuber auf die Gelegenheit, sie auszurauben und zu vergewaltigen. Und dieser Fremde sah nicht danach aus, dass er auf ihren Schmuck oder ihre Reize aus war. Er selbst wirkte sehr distinguiert und gewann mit seiner Ausstrahlung sicherlich die Frauen, ohne sie zu zwingen.

Lautes Hufgetrappel erklang und riss sie aus den Gedanken. Karolina blieb neben dem Fremden stehen, der in die Seitengasse blickte, die zur Prager Burg emporführte. Ein schwarzer Einspänner näherte sich ihnen in gemächlichem Tempo. Schnaubend blieb das Pferd vor ihnen stehen. Auf dem Kutschbock saß ein kleiner Mann, ebenfalls schwarz gekleidet, mit einem großen Zylinder auf dem Kopf, der einen Schatten auf sein zerfurchtes Gesicht warf.

Der Fremde trat auf die Kutsche zu und öffnete die Tür. Dann klappte er die Einstieghilfe aus und bedeutete Karolina mit einer Geste einzusteigen.

Doch sie zögerte. Die Kutsche besaß die gleiche dunkle Aura, die den Mann umgab.

Er kniff die Lippen zusammen. „Mademoiselle, wollt Ihr zu Fuß durch die Straßen Prags irren? War der Überfall vorhin nicht genug?“ Ungeduld schwang in seiner Stimme mit. Seine schwarzen Augenbrauen zogen sich zu einem Strich zusammen.

Was war erregender: den Weg allein fortzusetzen, oder sich in die Kutsche des unheimlichen Fremden zu begeben? Karolina verspürte ein flaues Gefühl im Magen und zögerte noch immer. Doch ehe sie antwortete, ergriff der Fremde ihren Arm und schob sie einfach in die Kutsche. Jeglicher Protest auf ihren Lippen erstarb. Der Schreck des Überfalls und die seltsame Begegnung mit dem Fremden saßen ihr noch in den Gliedern.

Karolina plumpste auf das weiche Sitzpolster. Alles in der Kutsche war in Schwarz gehalten, die ledernen Polster, die Vorhänge und die seidenen Kissen.

Der Fremde setzte sich ihr gegenüber, und die Kutsche fuhr los. Eine Funzel beleuchtete spärlich den Innenraum. Karolina betrachtete im schummrigen Licht schweigend das Profil des Fremden, der durchs Fenster nach draußen blickte und dem Kutscher Anweisungen erteilte.

Seine eisblauen Augen waren von langen, schwarzen Wimpern umrahmt, die Schatten auf seine helle Haut warfen. Jede Frau hätte ihn um diesen natürlichen Schmuck beneidet. Die gerade, schmale Nase und die sinnlich vollen Lippen übten auf Karolina einen nie zuvor gekannten Reiz aus.

Er hatte ihr Mustern bemerkt, sah sie an und zog spöttisch die Brauen nach oben. Sofort senkte sie verlegen den Blick und knetete das Spitzentaschentuch in den Händen, das sie eben aus dem Ausschnitt ihres Kleides gezogen hatte, um sich die von Regen und Schweiß feuchte Stirn zu wischen.

„Sie haben sich mir noch nicht vorgestellt, Monsieur“, sagte sie leise nach einer Weile, ohne ihn anzusehen.

„Verzeiht mein schlechtes Benehmen, Mademoiselle. Ich bin Dominik, Fürst von Karolyí.“ Er legte seine Hand auf die Brust und deutete eine Verbeugung an, noch immer das spöttische Lächeln auf seinen Lippen.

Ein herb männlicher Duft drang in ihre Nase, vermischt mit einem Geruch von Zedernholz und reifen Beeren, was sie an ihre Streifzüge durch den Wald erinnerte. Es passte zu diesem Mann, der den Eindruck von uneingeschränkter Freiheit versprühte.

In ihren Gedanken gefangen, vergaß sie, etwas auf seine Begrüßung zu erwidern.

„Und wollt Ihr Euch nicht auch vorstellen?“ Ungeduld lag in seiner tiefen, rauen Stimme. Karolina schüttelte den Kopf, als könnte sie die seltsamen Gedanken vertreiben, die in ihr aufstiegen, wenn sie ihn betrachtete.

„Verzeiht, Fürst Karolyí. Mein Name ist Karolina von Kocian.“ Fast versagte ihre Stimme.

Dominik Karolyí beugte sich vor und lächelte herablassend. Dann ergriff er ihre Hand und hauchte einen Kuss auf den Handrücken. Karolina erschauerte. Die Berührung seiner Lippen war zuerst warm und elektrisierend, dann wandelte es sich jedoch in das Gefühl, als wäre sie von einem Eisblock berührt worden. Langsam zog sie die Hand zurück, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Zu gern hätte sie gewusst, was er in diesem Moment dachte. Aber seine Miene war unergründlich. Nur in seinen Augen schien ein Feuer zu brennen, das ihr eine Gänsehaut auf dem Körper bereitete.

„Welch reizender Name“, sagte er leise und sein raues Lachen erklang ein weiteres Mal. „Wohin soll mein Kutscher Euch fahren?“

„Zum Gut meines Vaters, Gut Kocian. Ihr kennt es?“

„Gewiss doch. So soll es sein.“ Seine Stimme wirkte so sinnlich, dass Karolinas Gedanken sich in eine gefährliche Richtung bewegten. Sie zog es vor, nicht darauf zu antworten. Heiß brannten ihre Wangen von der aufsteigenden Röte. Sie senkte den Blick und gab sich ganz den gleichmäßig sanften Schaukelbewegungen der Kutsche hin, die sie schläfrig machten. Karolyí schwieg, doch in seinen Augen lag Wachsamkeit.

Irgendwann war Karolina eingenickt.

Etwas berührte ihr Gesicht, fuhr über ihre geschlossenen Lider und Lippen. Sie öffnete die Augen und begegnete dem begehrlichen Blick Dominik Karolyís. Sofort richteten sich ihre Brustwarzen auf, und ein lustvolles Kribbeln breitete sich in ihrem Schoß aus. Sein warmer Atem strich über ihre Wangen.

In Erwartung eines Kusses öffnete sie die Lippen und schloss die Augen. Doch anstelle des Kusses rüttelte er sie an der Schulter. Karolina schrak zusammen. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff, dass sie nur geträumt hatte. Dann fiel ihr alles wieder ein, die Flucht durch das nächtliche Prag, der Überfall und ihre Begegnung mit Dominik Karolyí. Sie fröstelte und zog den Umhang enger um die Schultern.

„Wir sind bald da“, sagte er, „Euer Haar ist ganz zerzaust. Ihr solltet es richten, bevor Ihr vor Euren Vater tretet.“ Dann reichte er ihr Kamm und Spiegel.

Mit geschickten Fingern stopfte sie die gelösten Strähnen in die Haarspangen.

Dominik Karolyí beobachtete jede ihrer Bewegungen.

Karolina konnte den Blick nicht senken, ihre Kehle war wie ausgetrocknet, während sie ihr Haar kämmte.

Sie presste die Hand an die Kehle und war unfähig, sich zu bewegen. Wilde Fantasien durchzogen ihr Hirn, lustvolle Fantasien, die sie erschraken. Dieser Mann besaß einen gefährlichen Einfluss auf sie. Ihr Blick tastete sein Gesicht ab, glitt tiefer zu seiner breiten Brust, um schließlich wieder zu seinem Gesicht zurückzukehren. Sein Blick hielt ihren gefangen.

Sie schlug die Augen nieder, und der Bann war gebrochen. Als sie wieder aufsah, lächelte Dominik Karolyí noch immer, als wäre sein Lächeln eingefroren. Nichts deutete darauf hin, dass ihm ihr Fixieren unangenehm gewesen war.

Im Gegenteil, er schien ihre Verlegenheit zu genießen. Karolina bereute bereits, in diese Kutsche gestiegen zu sein. Die weitere Fahrt verlief schweigend, selbst das holperige Geräusch der Kutsche brach ab und wich einem sirrenden Klang. Karolina wagte nicht hinauszusehen. Und wenn er sie entführte? Sie warf sich vor, töricht gehandelt zu haben.

In diesem Augenblick hielt die Kutsche an.

„Da wären wir.“ Dominik Karolyí öffnete den Kutschenschlag und stieg aus. Er streckte Karolina die Hand entgegen, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein. Zu ihrer Erleichterung erkannte sie das Gutshaus ihres Vaters. Er hatte also Wort gehalten.

„Danke, Fürst Karolyí“, sagte sie, raffte die Röcke hoch und stieg ebenfalls aus der Kutsche. Die Wärme seiner Hand durchflutete ihren Körper und ließ wohlige Schauer den Rücken entlang laufen. In seinem Blick lag unverhülltes Begehren.

„Es würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Dankbarkeit beweisen könntet“, flüsterte er und lächelte. Er hielt noch immer ihre Hand. Karolinas Herzschlag beruhigte sich nicht, was nicht zuletzt an seinen Worten lag. Eiskalt und zitternd ruhte ihre Hand in der seinen.

„Ich verstehe nicht, was Ihr meint, Fürst. Reicht Euch mein Dank nicht aus?“ Empört funkelte sie ihn an, obwohl sie gestehen musste, sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen zu fühlen. Es war ihr nicht unangenehm, wenn er sie berührte. Wenn sie dagegen an die Berührungen des Grafen Jiri dachte, wurde ihr jetzt noch übel. Aber dieser Fürst war nicht mit dem Grafen zu vergleichen. Er war die Sinnlichkeit in Person.

„Ihr versteht mich bestimmt, Mademoiselle. Darf ich Euch wiedersehen?“ Weshalb ließ er ihre Hand nicht los, sondern begann sie auch noch mit dem Daumen zu massieren? Karolina fühlte sich nicht in der Lage, sie ihm zu entziehen, sie genoss die sanfte Berührung.

„Ja, aber ...“, stotterte sie verwirrt. „Wann?“ Sie traute ihren Ohren nicht. Hatte sie ihm tatsächlich ein Wiedersehen zugestanden? Was war nur mit ihr los?

„Das kann ich Euch noch nicht genau sagen, aber Ihr werdet von mir hören. Ihr solltet Euren Vater nicht länger warten lassen. Er steht bereits am Fenster und beobachtet uns. Nun schlaft schön und träumt von mir.“

Wie er die Worte aussprach, das glich einer Verlockung. Ja, sie würde ganz bestimmt von ihm träumen.

„Gute Nacht, Fürst Karolyí“, flüsterte sie, und er ließ ihre Hand los.

„Gute Nacht“, erklang seine samtene Stimme. Er verbeugte sich vor ihr und stieg in die Kutsche. Obwohl der Vorhang ihn verbarg, fühlte sie sich dennoch von ihm beobachtet. Karolina eilte die breiten Stufen zum Eingang des Gutshauses hoch.

3.

Dominiks Kutsche setzte sich erst in Bewegung, nachdem Karolina die Eingangstür hinter sich geschlossen hatte. Es gab viele attraktive Frauen. Lag es an dem unschuldigen Ausdruck in ihren Augen oder an ihren Lippen, die sich kräuselten, wenn ihr etwas missfiel?

Es wäre ein Abenteuer, sie zu erobern.

Sie war schüchtern, noch Jungfrau, dessen war er sich sicher. Der Spaß, sie zu verführen und als Erster in die Geheimnisse des Liebeslebens einzuweihen, wäre ihm gewiss. Dominik schürzte die Lippen. Meistens nahm er sich die Frauen am selben Abend und genoss mit ihnen das Liebesspiel. Nur bei ihr hatte er sich beherrscht, weil sie in ihm eine Saite zum Klingen brachte, wie er es noch nie zuvor gespürt hatte. Keiner der Frauen war es bisher gelungen, seine Leidenschaft weiter zu entfachen, gar sein Herz zu berühren. Nach der sexuellen Befriedigung verlor er jegliches Interesse an ihnen.

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