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Es gibt unzählige kleine und große "Aufreger" in unserem täglichen Miteinander. Manches nervt nur ein wenig, anderes bringt uns ganz aus dem Gleichgewicht. Wie damit umgehen, wenn die Zahnpasta-Tube offen bleibt und uns der Kragen platzt? Was tun, wenn wir vor Zorn kochen, weil das Auto mit leerem Tank in der Garage steht? Wie reagieren, wenn wir uns ärgern über Fragen wie "Liebst Du mich noch?" oder "Was denkst Du gerade?" Die Reaktionen auf diese allzu bekannten Worte, Sätze, Fragen und Eigenheiten sind bestens eingeübt und werden schlafwandlerisch ausgeführt. Daraus entwickelt sich dann eine Dynamik in Beziehungen, die oftmals kaum zu stoppen ist. Entdecken Sie in diesem Buch... ...wie Sie sich als Paar besser verstehen ...wie Sie mit Ihren Anliegen Ihren Schatz wirklich erreichen ...wie eine Dusche Ihre Beziehung bereichert MEHR ZUM THEMA UNTER: WWW.SCHATZ-DU-NERVST.DE
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Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2020
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SCHATZ DU NERVST!
Wie sich Paare besser verstehen
IMPRESSUM
Im Interesse der Lesbarkeit haben wir auf geschlechtsbezogene Formulierungen verzichtet. Selbstverständlich sind immer Frauen und Männer gemeint, auch wenn explizit nur eines der Geschlechter angesprochen wird.
Autoren: Rosi ESTERHAMMER, Peter KUDER
Gestaltung und Layout: Carolin ESTERHAMMER
Verlag: Rosi ESTERHAMMER
1. Auflage 2020
Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt.Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf deshalb der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags.Hinweis zu den §§ 46, 52 a UrhG:Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung und Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung reproduziert oder unter anderer Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Wünschen Sie sich manchmal in Ihrer Beziehung eine Fernbedienung, um das unerwünschte und nervige Verhalten Ihres Partners oder Ihrer Partnerin abzuschalten oder zu ändern? Das Programm einfach nach Belieben von Drama auf Liebesfilm umzuschalten, oder – wie bei Werbepausen im Fernsehen – kurz weg zu zappen, um Wunschprogramm statt Frustprogramm zu sehen? Möchten Sie einfach mal den Ton abstellen, oder von Rosamunde Pilcher und Krimi zu Formel 1 oder Fußball umschalten? Wollen Sie einfach mal etwas leiser stellen, wenn das Gemecker zu laut und unangenehm wird? Auch geliebte Wiederholungen, wie zum Beispiel „Hast du schon wieder …?“ oder „Immer musst du …!“ könnten Sie damit gut abschalten. Und nach Verrauchen des Frustes können Sie dann zum Harmonie- und Kuschelprogramm zurückschalten.
Diese ultimative Beziehungskrisen-Fernbedienung wäre sicher der Renner!
Um diese zu ergattern, würden auch wir heute noch zum Elektrohandel aufbrechen!
Ohne diese Science-Fiktion Fernbedienung bleibt uns jedoch nichts anderes übrig, als andere Wege zu gehen. Was nervt uns und welchen Weg können wir einschlagen? Wie damit umgehen, wenn die Zahnpasta-Tube offen bleibt und uns der Kragen platzt? Was tun, wenn wir vor Zorn kochen, weil das Auto mit leerem Tank in der Garage steht?
Wir reagieren, wenn wir uns ärgern über Fragen wie „Liebst du mich noch?“ oder „Was denkst du gerade?“. Die Liste ist beliebig erweiterbar und Sie können sicherlich einige ganz besondere Beispiele ergänzen. Die Reaktionen auf diese allzu bekannten Worte, Sätze, Fragen und Eigenheiten sind bestens eingeübt und werden schlafwandlerisch ausgeführt. Daraus entwickelt sich dann eine Dynamik, die oftmals kaum zu stoppen ist.
Stellen Sie sich vor, Sie stellen Ihr Auto in eine abschüssige Straße. Sie legen weder den Gang ein, noch ziehen Sie die Handbremse. Kein Problem, wenn Sie noch im Auto sitzen und bemerken, dass das Auto rollt. Sie ziehen einfach die Handbremse. Wunderbar. Nichts passiert. Keiner hat es bemerkt und es ist kein Schaden entstanden.
Wenn Sie aber bereits ausgestiegen sind, das Auto langsam zu rollen anfängt, hilft nur noch ein beherzter Sprung ins Auto und schnell die Handbremse ziehen. Rollt das Auto bereits mit hoher Geschwindigkeit, bleibt Ihnen nur noch die Möglichkeit die Fußgänger mit Schreien und Winken zu warnen und zu hoffen, dass jeder sich in Sicherheit bringt.
Beziehungenscheiternnicht aus Mangel an Liebe, sondern aus Mangel an Wissen!
Genauso läuft es in unseren Beziehungen. Ein unbedacht ausgesprochener Satz oder eine unüberlegte Antwort führt dazu, dass aus dem wunderbaren gemeinsamen Abend ein eisiges Nebeneinander oder ein heftiger Streit entsteht. Wir diskutieren heftig oder wir ziehen uns beleidigt zurück. Wann und wie können wir die Handbremse ziehen, um noch rechtzeitig zu vermeiden, dass ein Streit unaufhaltsam ins Rollen kommt?
Führerschein für Kommunikation
Beziehungen scheitern nicht an Mangel aus Liebe, sondern aus Mangel an Wissen! Wer unterrichtet uns denn, wie das Miteinander und die Kommunikation in der Partnerschaft gelingen? Bleiben wir beim Auto als Beispiel: Um überhaupt ein Auto fahren zu dürfen, braucht man einen Führerschein, für den man in Theorie- und Praxisübungen vieles lernt und ausführlich übt. Wir behaupten nicht, dass Beziehung immer gelingt, aber jeder kann etwas dazu beitragen, dass es möglich wird. Und genau dort setzt dieses Buch an: Sie können Ihren Führerschein für Kommunikation erwerben oder einfach nur Ihr Wissen auffrischen. Wir sagen Ihnen auch, wann es sinnvoll ist, ein paar extra Fahrstunden zu nehmen, um im unwegsamen Gelände sicher anzukommen. Auch bieten wir Ihnen einige Übungsplätze für besondere Situationen und zeigen Ihnen auf, welchen Fahrstil Sie haben. Wir bieten Ihnen ein Fahrsicherheitstraining für eine gute Straßenlage auch bei schwierigen Straßenverhältnissen. Und Sie sitzen am Steuer und entscheiden, wo es lang geht.
Hier nun ein kurzer Überblick, was Sie in diesem Buch erwartet: Zunächst werden wir uns anschauen, welche Bedeutung unsere Gefühle und Bedürfnisse für unser Zusammenleben haben und wie wir diese für uns nutzen können. Danach werden wir erklären, wie uns unsere Wahrnehmung austrickst und was das mit unseren Beziehungen zu tun hat. Wir werden die Grundmerkmale der Kommunikation aufzeigen: Was hören unseren Ohren? Wie bringen wir unsere Botschaft freundlich und konkret rüber, damit ein Gespräch gelingt? Schließlich erfahren Sie, wie Kommunikation hilft, den Weg aus Missverständnissen und Streit zu finden. Zahlreiche Übungen sind zudem zur Vertiefung eingefügt. Auf der Seite www.schatz-du-nervst.de finden Sie weitere Informationen und hilfreiche Ergänzungen.
Wir bieten Ihnen eine Werkzeugkiste und leiten Sie an, wie Sie diese nutzen können.
Ob Sie die Werkzeuge nun alle oder nur einzeln nutzen und wie Sie diese hilfreich verwenden, das erfahren Sie hier:
Das Büffet ist eröffnet
Stellen Sie sich ein Büffet vor, angefüllt mit lauter Leckereien. Sie schlendern mit Ihrem leeren Teller entlang. Da gibt es Leckereien, die Sie lieben, da werden Sie beherzt zugreifen. Von Neuem und Unbekanntem werden Sie vielleicht eine kleine Menge zum Probieren auf Ihren Teller laden. Und dann gibt es sicherlich Dinge, von denen Sie genau wissen, dass Sie diese nicht mögen. Die werden Sie nicht anrühren. Und genauso bitten wir Sie mit diesem Buch zu arbeiten. Sie werden das sicher richtig für sich entscheiden. Haben Sie nun Appetit bekommen? Das Büffet ist eröffnet!
Jede große Veränderung beginnt mit einem ersten kleinen Schritt. Im folgenden Kapitel geht es zunächst um das Phänomen der rosaroten Brille. Dann erfahren Sie, warum Vorsorgen besser ist als Nachsorgen. Zuletzt planen wir einen ersten kleinen Schritt, um uns zukünftig als Paar besser zu verstehen.
Denken sie doch mal zurück, an die ersten Tage, als Sie sich kennenlernten. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Sie hatten Schmetterlinge im Bauch und an Schlafen war nicht zu denken. Ihre Gedanken drehten sich nur um Ihren Schatz. Es gab nichts Wichtigeres, als dem Traummann oder der Traumfrau jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Haben Sie, liebe Männer, nicht alles getan, um Ihre Partnerin auf Rosen zu betten? Haben Sie, statt mit einer Flasche Bier mit Freunden vor dem Fernseher zu fläzen und Fußball zu schauen, sie liebevoll im Arm gehalten beim Kinoklassiker „Vom Winde verweht“? Klapperten Sie alle Schuhläden der Stadt mit ihr ab?
Oder Sie, liebe Frauen, haben Sie auch ganz verzückt bei der Motorradreparatur zugeguckt? Und haben Sie auch bei 30 Grad, statt gemütlich mit einem Buch am See zu liegen, den Traummann auf dem Fußballplatz angefeuert?
Was haben Sie alles für Ihren Traumpartner getan und er für Sie? Alles an ihm war umwerfend und der Schatz war ohne Fehler. Alles passte. Doch – und das ist uns allen rational ganz klar – die Zeiten ändern sich. Der Alltag schleicht sich langsam in unser gemeinsames Leben und die rosarote Brille bleibt immer öfter im Etui. Oder auch naturwissenschaftlich erklärt: Der Hormoncocktail im Körper verändert sich. Die Gehirnforschung stellt alles auf den Kopf: Wir sagen zwar, „Ich liebe dich von ganzem Herzen“ und gleichzeitig liest man, dass Liebe keine Herzensangelegenheit ist, sondern sich im Gehirn abspielt:
Sind wir verliebt, reagiert das Gehirn wie bei Süchtigen. Der Schatz wird zum Suchtobjekt. Und schon ein Bild des Liebsten reicht, um das Belohnungszentrum im Gehirn zu aktivieren. Wir sind glücklich, wenn wir nur an ihn oder sie denken. Gleichzeitig wird der Bereich, der für rationale Entscheidungen zuständig ist, gehemmt.
„Liebe macht blind“ heißt es ja bekanntlich im Volksmund. Hormone und Botenstoffe sind der Auslöser für unsere Liebesgefühle. Dies sind vor allem die Schilddrüsen-, Stress- und Geschlechtshormone. Da ist das „Kuschelhormon“ Oxytocin, das Stresshormon Adrenalin und das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Adrenalin lässt das Herz höher schlagen. Testosteron lässt uns sexuell aktiv werden. Oxytocin schafft Vertrauen und Bindungsfähigkeit. Der Botenstoff Serotonin sinkt wie bei Zwangskranken und der Botenstoff Dopamin aktiviert wie bei Suchtkranken das Belohnungszentrum im Gehirn.
Nach einiger Zeit lässt der Effekt nach, den der Liebste auf unser Belohnungszentrum im Gehirn hat. Es werden weniger Hormone ausgeschüttet und Botenstoffe aktiviert bzw. sogar deaktiviert. Die Verliebtheit lässt nach. Wir spüren keine Schmetterlinge mehr und das Herz schlägt wieder normal. Der Kopf wird klar und die rosarote Brille verschwindet.
Was passiert nun, wenn die Partner die Brille der Verliebtheit abnehmen? Wenn der Hormonrausch vorüber ist und wir den Partner so sehen, wie er wirklich ist. Mit Ecken und Kanten, mit Eigenschaften, die wir nicht mögen oder die wir sogar absolut nicht ausstehen können. Und wenn auch wir so gesehen werden, wie wir wirklich sind? Handeln Sie, bevor es zu spät ist. Angenommen Sie haben starke Schmerzen. Warten Sie sechs Jahre, bis die Schmerzen unerträglich werden, bevor Sie zum Arzt gehen? Laut Eheberater John Gottman dauert es nämlich in der Regel genau sechs Jahre, bis unglückliche Ehepaare sich bei ernsthaften Problemen professionelle Unterstützung suchen. Wir hören von unseren Klienten sehr oft: „Hätten wir doch früher professionelle Hilfe in Anspruch genommen, dann hätten wir uns einiges erspart.“ Manchmal ist es dann sogar zu spät für einen gemeinsamen Weg.
Viel wichtiger ist es aus unserer Sicht vorbeugend zu handeln. Nehmen Sie das Steuer Ihres Beziehungsschiffes selbst in die Hand. Pflegen Sie es, solange Sie ruhig im Hafen liegen.
Aus Erfahrung weiß ich, dass der Mensch sich erst dann auf den Weg macht, wenn er ein lohnendes Ziel vor Augen hat. Dazu ein Beispiel: Jeder Bergsteiger, der einen Gipfel erklimmen will, tut das nicht aus Jux und Tollerei. Er hat sicherlich ein lohnendes Ziel vor seinem inneren Auge. „Ich habe den 3000er geschafft.“ oder „Ich wollte den unvergesslichen Blick über das Tegernseer Tal genießen.“ oder „Ich wollte zeigen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre“. Aber auch wenn ich meine Ernährung umstelle, habe ich ein Ziel vor Augen: „Den Fleischanteil reduzieren“ oder „einige Kilos an Gewicht verlieren“. Jetzt überlegen Sie, welches Ziel Sie für Ihre Beziehung erreichen möchten?
Möchten Sie sich besser verstehen, oder möchten Sie gemeinsam alt werden oder möchten Sie ein Fundament für die anstrengende Zeit mit Kind bauen?
Welches Ziel möchten Sie erreichen? Formulieren Sie es positiv. Stellen Sie sich die Frage, was anders wäre, wenn Sie Ihr Ziel erreichen würden.
Wer würde merken, dass Sie sich nun besser verstehen? Die Kinder, da Sie nun gemeinsam Ihre Entscheidungen vertreten oder die Freunde, weil Sie jetzt schneller eine Rückmeldung geben, ob Sie mit ins Kino gehen oder der Hund, weil Sie wieder gemeinsam mit ihm Gassi gehen. Überlegen Sie auch, wie es sich anfühlen würde, wenn sich Ihr Wunsch nach der Traumbeziehung erfüllen würde. Dafür lohnt es sich bestimmt, den ersten Schritt zu gehen.
Dafür lohnt es sich bestimmt, den ersten Schritt zu gehen
Nun wird ja auch die Rally Paris Dakar nicht in einem Tag gefahren, sondern in Etappen. Auch beim Bergsteigen planen Sie Pausen als kleine Zwischenziele ein. Genauso ist es auch mit Ihren Zielen. Aus einzelnen Schritten werden Wege, die Sie ans Ziel bringen. Wie heißt es so schön: „Alle Wege führen nach Rom. Doch wer nicht losgeht, kommt nie an.“ Welchen ersten Schritt wollen Sie gehen? Sobald Sie im Buch auf etwas Interessantes stoßen, setzen Sie es um. Am besten sofort.
Wenn Sie alles machen wie bisher, wird sich nichts verändern
Und bleiben Sie dabei, bis sich die ersten Schritte verankert haben und es zur Routine wird. Dann auf zum nächsten Schritt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Sie in den ersten 72 Stunden starten sollten, um eine Idee, einen Rat oder einen Vorsatz umzusetzen. Sonst werden Sie es wahrscheinlich gar nicht tun. Übernehmen Sie die Verantwortung und wagen Sie die Schritte. Da hilft es nur mutig zu sein, auszuprobieren und zu üben. Denn eines ist klar, wenn Sie alles machen wie bisher, wird sich nichts verändern. Ihr Schritt in eine positive Zukunft des Verstehens beginnt jetzt.
In den folgenden Kapiteln erfahren Sie, wie Sie mit Wellen oder hohem Seegang in Ihrer Beziehung zurechtkommen.
PersönlicheLandkartender Gefühle und Bedürfnisse
Wie beim Autofahren oder auch sonst im Leben, wenn wir uns zurechtfinden wollen, vertrauen wir auf Landkarten. Der gute alte Falk Plan oder auch das elektronische Navigationssystem werden zur Orientierung herangezogen. Eine Landkarte hilft uns den richtigen Weg zu finden. So erschaffen wir uns auch in anderen Lebenslagen unsere ganz persönlichen Landkarten: z.B. wie wir unseren Haushalt regeln oder wie wir den beruflichen Alltag organisieren. Auch für unsere Gefühle und den Umgang damit haben wir uns eine ganz individuelle Landkarte geschaffen. Wir kennen manche Gefühle gut und manche gar nicht. Bei einigen Gefühlen schlagen wir sofort uns bekannte Wege ein und für andere Gefühle haben wir noch keinen Weg gefunden.
Hierzu ein Beispiel: Angenommen Sie haben in Ihrer Jugend gelernt, dass davon zu laufen die günstigste Reaktion ist, wenn Sie Angst haben. Dann haben Sie auf Ihrer Landkarte im Laufe der Jahre eine Autobahn dafür angelegt. Die Abzweigung in Richtung „das schaffe ich schon“ ist dann bei Ihnen noch nicht verknüpft mit der Erfahrung, dass es da noch alternative Routen gibt, die auf anderen Landkarten eingezeichnet sind. Das bedeutet, dass Ihr „inneres Navi“ Sie in einer schwierigen Situation mit monotoner Stimme und gleichbleibender Penetranz immer wieder auf die Autobahn schickt. Sollten Sie mutig werden und Ihre Taktik ändern wollen und einmal nicht davonlaufen wollen, wird Ihr Navi trotzdem versuchen, Sie auf die Autobahn zurück zu führen: „Bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden“. Auch wenn Sie Ihren neuen Kurs halten wollen, wird Ihr Navi so schnell nicht aufgeben. Um neue Wege zu befahren, ist es daher hilfreich, die Navigationseinstellungen oder unsere inneren Landkarten noch einmal zu prüfen. Oder die Voreinstellung „immer die Autobahn benutzen“ zu ändern.
So wie es zum Beispiel nicht sinnvoll ist, mit der Landkarte von Paris den Weg in Rom zu suchen, so kann es auch helfen, die berufliche Landkarte nicht im Privaten zu nutzen. Überdenken Sie, ob Ihre Landkarten, die Sie schon lange nutzen, bereits veraltet und neue Straßen noch nicht eingezeichnet sind.
In den folgenden Kapiteln überprüfen wir unsere Landkarten und schauen, wie wir unsere Gefühle nutzen können. Erst ergründen wir, was unsere Gefühle in Wallung bringt und was uns nervt. Dann erkunden wir, gleichsam wie im Fußball, unsere Heim- und Auswärtsspiele in der Beziehung. Im nächsten Kapitel „In eigener Sache oder was mir wichtig ist“ erfahren Sie, wie wir unseren Bedürfnissen auf die Schliche kommen. Schließlich lernen Sie, wie Gefühle sich aufschaukeln, welche Auswirkungen es hat und was man dagegen tun kann. Im letzten Kapitel zeigen wir auf, wie Sie heftige Gefühle in gute Bahnen lenken.
Sie hat Stress im Job. Er hat nie Zeit. Die Kinder nerven. Das nicht aufgetankte Auto, die Socken am Boden vor der Wäschetruhe, das gekippte Fenster im Winter oder die auf 5 gestellte Heizung, nicht pünktlich zum vereinbarten Termin fertig sein, die noch nicht gemachte Steuererklärung.
Kennen Sie das auch?„Kannst du mir bitte das Salz reichen?“ „Mach bitte die Musik leiser!“ „Hast du deine Eltern angerufen?“ Das alles und noch vieles mehr hören wir in unseren Seminaren.
Es gibt unzählige kleine oder große „Aufreger“ in unserem täglichen Miteinander. Manches nervt nur ein wenig, anderes bringt uns ganz aus dem Gleichgewicht. Manchmal wissen wir genau, dass es gleich wieder soweit ist: wir explodieren und schon geht der Gaul mit uns durch. Vom leichten Ärger bis zu extremer Wut ist alles drin. Manchmal werden bereits die Messer gewetzt.
Dagmar Kumbier berichtet in ihrem Buch „Sie sagt, er sagt“ über die unterschiedlichen Bereiche, in denen Männer und Frauen aufeinandertreffen oder auch aufeinanderprallen. In den meisten Familien ist die Rollenverteilung auch im Zeitalter der Emanzipation noch die unserer Herkunftsfamilien. Meistens – und das passiert oft unbewusst – werden die Rollenbilder der Eltern nachgespielt. So entwickelt sich der Bereich Partnerschaft und Familie, also der Umgang mit Gefühlen und Beziehung schleichend zum Heimvorteil für Frauen. Während der Beruf, also der Umgang mit Leistung und Konkurrenz, zu einer Männerdomäne und somit zu einem Auswärtsspiel für Frauen wird.
Extrem gekürzt und pauschalisiert kann man nun folgendes beobachten: Männer streben eher den Erfolg im Beruf an, um die finanzielle Sicherheit der Familie zu gewährleisten. Frauen kümmern sich mehr um Haushalt und Familie. Daher sind sie geübt im Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen.
Und dies bewirkt eine besondere Dynamik in Paarbeziehungen. Gerade im Haushalt und in der Familie kommt es daher oft zu nervigen Auseinandersetzungen. Folgende Fragen drängen sich zwischen die Paare: Wer hat welches Wissen? Welche Regeln werden befolgt? Wer übernimmt wie viel Verantwortung? Und das führt zu Ärger und Frust auf der Seite der Männer, wie auch auf der Seite der Frauen.
Der Umgang mit Gefühlen und Bedürfnissen wird so zu einer Abseitsfalle für Männer. Männer haben ihre starke Seite oftmals in sachlichen Auseinandersetzungen, die sie im Beruf gut geübt haben. Der Spruch „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“
