Schaurig-schöne Weihnachtszeit - Martina Bethe-Hartwig - E-Book

Schaurig-schöne Weihnachtszeit E-Book

Martina Bethe-Hartwig

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Beschreibung

Schaurig-schöne Geschichten für eine stille Nacht - Eine Weihnachtsanthologie der besonderen Art Wenn der Schnee leise fällt und die Dunkelheit sich über das Land legt, öffnen sich Türen zu Geschichten, die das Herz berühren, zum Lachen bringen und manchmal das Blut in den Adern gefrieren lassen. Jede Geschichte bezieht sich auf die festliche Zeit, aber selten so, wie man es erwartet. Mal heiter, mal nachdenklich, mal düster erzählen die Geschichten von Tieren und Menschen in Ausnahmesituationen: ob jugendliche Ausreißer, eine sprechende Gans, Kinder, die den Glauben an den Weihnachtsmann (nicht) verloren haben oder alte Frauen, die der Vergangenheit trotzen. Dieses Buch ist prall gefüllt wie eine Weihnachtsschachtel, mit Überraschungen, Gefühl und einer Prise Gänsehaut.

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Seitenzahl: 234

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Buchbeschreibung:

Eine Sammlung von Geschichten, die ein Schmunzeln in die dunklen Tage bringen, nachdenklich stimmen und mit Märchenhaftem und Spannendem zu einer Pause in der hektischen Vorweihnachtszeit einladen.

INHALT

Schöne Bescherung (Drabble)

Der Flamencorock

Die Gans des Weihnachtsmannes

Armer Schneemann

Der Glücksbringer

Der Wunderball

Unerwartete Hilfe

Eine Falle für den Weihnachtsmann

Verspätete Post

Fröhliche Weihnachten, wie jedes Jahr

Der Hund

Schneewittchenkind

Der Wolfsziegel

Der Deich

Genug ist genug

Tödliche Bescherung

Der Schneeschuh (Drabble)

Über die Autorin

SCHÖNE BESCHERUNG (DRABBLE)

Alle waren sie da, die Polizistinnen und Polizisten des zuständigen Reviers. Obwohl eine Anzeige gegen ihn vorlag – wegen widerrechtlichen Eindringens in Häuser, Parkens im Halteverbot und Sachbeschädigung (Dachziegel hatten sich gelöst und einen Gartenzwerg zerschlagen) –, wollte ihn niemand verhaften, den Weihnachtsmann. Der Zeuge und Anzeiger war ein Herr, der unter Schlaflosigkeit litt. Kriminelle Handlungen und Ordnungswidrigkeiten müssen geahndet werden. Die Gesetze gelten für jeden, auch für den Weihnachtsmann.

Endlich raffte sich ein Beamter auf. Doch nicht den Weihnachtsmann brachte er mit, sondern Geschenke, darunter ein Säckchen für den Herrn, dessen Inhalt ihn auf der Stelle in den Schlaf gleiten ließ.

Ein Drabble ist eine Kürzestgeschichte von exakt einhundert Wörtern. Die Überschrift zählt nicht mit.

DER FLAMENCOROCK

Tabea betrachtete sich in der Spiegeltür ihres Kleiderschranks. Das Kinn erhoben, machte sie einen Ausfallschritt und lauschte konzentriert auf die Flamencomusik in ihrem Kopf. Gitarrenklänge mischten sich mit dem Klacken von Kastagnetten, dem Trampeln von Füßen und dem Klatschen von Händen. Wie aus weiter Ferne schwebten die Musik und die Tanzgeräusche zu ihr. Sie trat einen Schritt zur Seite, drehte sich um ihre eigene Achse, warf den Kopf zurück. Als ihr Blick den Spiegel streifte, glaubte sie, eine Flamencotänzerin zu sehen. Schwarzes Haar, straff nach hinten gekämmt und im Nacken zu einem Knoten geschlungen. Stolze Gesichtszüge mit dunklen Augen. Ein knöchellanger roter Rock mit Volants und Rüschen bauschte sich bei ihren Tanzbewegungen um ihre Beine. Über ihrer weißen Bluse wippten die roten Fransen eines filigranen schwarzen Tuches. Tabea hielt in der Bewegung inne, starrte die Erscheinung im Spiegel an. Auch die Flamencotänzerin verharrte, und für den Bruchteil einer Sekunde verschmolzen ihre Blicke. Mit einem Mal legte sich ein Lächeln um die Lippen der Tänzerin, und im nächsten Moment streckte sie Tabea ihre Hand entgegen. Ohne darüber nachzudenken, was sie tat, hob auch Tabea ihre rechte Hand, als könnte sie die dargereichte Hand der Tänzerin durch den Spiegel ergreifen. Ihre Finger berührten die kühle Glasfläche und im selben Moment verschwand die Tänzerin.

»Tabea!« Die Stimme ihrer Mutter drang vom Fuß der Treppe in ihr Zimmer. »Mach dich fertig! Wir wollen zur Kirche gehen!«

Seufzend ließ Tabea die Arme sinken. Weg war die Musik in ihrem Kopf.

»Ich bin gleich so weit!« Tabea lief zur offenen Tür ihres Zimmers. »Ich zieh mich nur rasch um!« Sie stürmte zum Bett, schlüpfte aus ihrer Trainingshose und streifte sich das neue Kleid über, das sie für das Weihnachtsfest von ihrer Oma bekommen hatte, dann rannte sie die Treppe hinunter. Vor der Garderobe im Hausflur warteten bereits ihre Eltern, dick eingepackt in Mäntel, Schals und Winterstiefel.

»Nun gib aber Gas!« Ihr Vater reichte ihr die Daunenjacke.

»Frau Holle meint es dieses Jahr ein wenig zu gut mit uns.« Besorgnis zeigte sich auf dem Gesicht ihrer Mutter. »Ich hoffe nur, es ist nicht zu glatt auf den Gehwegen. Ihr wisst ja, letztes Jahr ist Oma fast ausgerutscht. Das fehlte noch, Weihnachten und ein gebrochenes Bein.«

»Sie wird schon aufpassen.« Tabeas Vater öffnete die Haustür. Ein Schwall kalter Luft wehte in den Hausflur. Im Licht der Straßenlaterne vor dem Haus glitzerte der Schnee, sodass man glauben könnte, er bestünde nicht aus Wasser, sondern aus Sternenstaub.

Schneehauben verschönerten Zaunpfeiler und Mauerkronen. Als wären sie mit Zuckerschichten bedeckt, glitzerten Bäume und Hausdächer. Bei jedem Schritt knirschte der frisch gefallene Schnee. Tabea verlangsamte ihr Tempo, um zu horchen. Nur das Knirschen des Schnees war zu hören, kein anderes Geräusch, als verharrte das Leben, als wartete es feierlich auf den Abend, der heilig war. Doch noch war der Abend nicht angebrochen, obwohl bei dem schläfrig grauen Tageslicht bereits die Straßenlaternen brannten. Wenige Stunden dauerte es noch, bis die Kirchenglocken den Heiligabend einläuteten. Jetzt rief das Kirchenglockengeläut zum weihnachtlichen Familiengottesdienst, und es mahnte zur Eile. Die Eltern gingen schneller. Tabea hatte auf dem rutschigen Schnee Mühe mitzuhalten.

Der Kirchturm, die Kirche, der Kircheingang. Vor dem Eingang Menschentrauben.

»Gehen wir rein.« Kaum gesagt, zwängte sich ihr Vater auch schon an den anderen Gottesdienstbesuchern vorbei. Tabea und ihre Mutter folgten ihm. Aus dem Steinfußboden der Kirche kroch Kälte durch die Stiefelsohlen. Von den Wänden strahlten Heizkörper Wärme ab. Viele Bankreihen waren bereits besetzt. Tabea reckte den Kopf. Wo war ihre Oma?

»Da ist sie!« Sie drehte sich zu ihren Eltern um und wies auf eine vorne beim Altar stehende Bank. Nahe bei der Kirchenwand kringelten sich graue Löckchen über einem beigefarbenen Wollmantel und einem roten Strickschal. Als hätte ihre Oma sie gehört, stand sie in diesem Moment auf, und schon winkte sie ihnen zu. Tabea winkte zurück, quetschte sich an einem älteren Herrn mit vorstehendem Bauch vorbei und schob sich in den freien Raum vor der Holzbank. »Entschuldigung«, sagte sie immer wieder, während sie sich an fremden Kniepaaren vorbei zu den Plätzen vorarbeitete, die ihre Oma freigehalten hatte.

»Na endlich!« Ihre Oma begrüßte sie mit einem missbilligenden Schnalzen. »Wieso kommt ihr so spät?«

»Tabea hat wieder einmal geträumt. Du kennst sie ja«, hörte Tabea ihre Mutter hinter sich antworten. Atem streifte ihre Wange, ein Ellbogen ihrer Mutter stieß sie an, als diese ihren Mantel aufknöpfte. Tabea drängte sich dichter an ihre Oma, um keinen zweiten solchen Ellbogenstoß von ihrer Mutter zu erhalten.

»Jetzt zieh deine Jacke aus und setz dich!«, hörte sie ihre Oma zischen, die nun auch Schal und Mantel abstreifte.

Gehorsam schälte sich Tabea aus der Daunenjacke, wobei sie darauf achtete, niemanden – vor allem nicht ihre Oma – anzustoßen, was in der Enge der dicht besetzten Bank nicht einfach war. Endlich hatte sie die Daunenjacke abgelegt. Erleichtert sank sie neben ihrer Oma auf die Kirchenbank. Der Duft von Veilchen stieg ihr in die Nase, der Geruch ihrer Oma, seitdem Tabea denken konnte.

Langsam klang das Glockengeläut aus und mit ihm das Murmeln, Husten und Scharren von Füßen. Orgelmusik setzte ein. Tabea heftete ihren Blick an den mit bunten Kugeln, Lametta und Wachskerzen geschmückten Weihnachtsbaum. Der Pastor trat vor den Altar. Worte rauschten an Tabea vorbei. Erneut setzte die Orgel ein, spielte ein Weihnachtslied. Gesang gesellte sich dazu. Auch ihre Oma und ihre Eltern sangen mit. Dann erzählte der Pastor die Weihnachtsgeschichte. Tabea setzte sich aufrechter hin. Jedes Wort sog sie ein. Mit einem Mal klopfte ihr Herz schneller. Am liebsten wäre sie aufgesprungen, um nach Hause zu laufen. Dort, das glaubte sie plötzlich tief in sich zu spüren, erwartete sie etwas Besonderes, auch wenn sie nicht die geringste Vorstellung davon hatte, was es sein konnte. Doch noch musste sie in der Kirche ausharren, denn zuerst kam noch das Krippenspiel. Schließlich, mit dem Weihnachtslied »Stille Nacht, heilige Nacht«, endete es, und endlich sprach der Pastor den Segen. Das Glockengeläut setzte ein. Der Gottesdienst war beendet, die Besucher brachen auf. Tabea zwängte sich in ihre Daunenjacke. Zusammen mit ihrer Oma und ihren Eltern ließ sie sich vom Besucherstrom zum Ausgang treiben. Auf den drei Steinstufen des Kircheneingangs lag frischer puderiger Schnee, dort, wo ihn noch kein Fuß weggetrampelt hatte. Flocken wirbelten Tabea ins Gesicht. Von allen Seiten wurden Festtagswünsche ausgesprochen. Tabea lächelte höflich nach links und rechts.

»Frohe Weihnacht!« Die Stimme ihres Vaters. »Fröhliche Weihnachten.« Die ihrer Mutter. »Schönes Fest.« Ihre Oma.

»Machen wir, dass wir nach Hause kommen.« Eine Hand schob Tabea von der Menschenansammlung weg. Tabea wandte sich um. Ihr Vater stand hinter ihr, ihre Mutter und ihre Oma neben ihm.

»Kalt war es in der Kirche.« Ihre Oma schüttelte sich und setzte sich in Bewegung. »Jetzt freu ich mich auf den warmen Kachelofen, den Kartoffelsalat und die Bescherung.«

Ich auch, dachte Tabea. Sie streifte sich die Handschuhe über, nahm Schnee auf und warf ihn in die Luft. Heute passiert etwas, dachte sie, aber was? Sie lächelte in sich hinein. Auf jeden Fall war es etwas Schönes, das spürte sie.

»Tabea, komm!« Ihre Mutter hakte sich bei ihr unter. »Oma ist kalt. Machen wir, dass wir nach Hause kommen.«

Der Dorfplatz lag im dämmrigen Schlummer. Das Glockengeläut klang aus. Im Licht der Straßenlaternen tanzten Schneeflocken, sie fielen immer dichter. Elektrische Lichterketten an Tannen und Sträuchern sowie an Wänden und Dachvorsprüngen verliehen den Vorgärten einen festlichen Glanz. Schwibbögen grüßten mit ihrem Licht hinter Fensterscheiben. Tabea atmete tief die Feierlichkeit ein. Im Einklang mit ihrer Mutter und ihrer Oma, die sich ebenfalls bei ihr untergehakt hatte, ging sie schneller und schneller. In ihrem Inneren meinte sie, eine Stimme zu hören, die sie zum Gabentisch rief.

Endlich zeichnete sich hinter dem Schneevorhang ihr weiß verputztes Einfamilienhaus mit dem roten Satteldach ab. Ihr Vater öffnete die Jägerzaunpforte, eilte im angehenden Außenlicht zum Hauseingang, kramte den Schlüssel aus der Manteltasche und öffnete die Tür. Nacheinander traten sie in den Hausflur. Ihre Mutter streifte Stiefel, Mantel, Schal und Handschuhe ab und steuerte die Küche an.

»Müssen wir denn erst noch essen?«, fragte Tabea. »Können wir nicht zuerst die Geschenke auspacken?«

»Das hat Zeit«, sagte ihr Vater in einem Tonfall, der keine Widerrede duldete. »Deine Oma muss ihre Mahlzeiten pünktlich einnehmen.« Er nahm Tabea die Daunenjacke ab und hängte sie an den Garderobenhaken. »Und jetzt wäre es schön, wenn du deiner Mutter helfen würdest.«

Seufzend eilte Tabea ihrer Mutter Richtung Küche nach.

Beim Licht der Christbaumkerzen und leiser Weihnachtsmusik saß Tabea unruhig am runden Mahagonitisch. Sie schlang den Kartoffelsalat, den Lachs und das Würstchen herunter. Ihr Blick hing an dem kleinen Tisch beim Baum. Auf ihm und um ihn herum lagen unter einem Bettlaken verborgen die Geschenke. Ein verheißungsvoller kleiner Päckchenberg, den sie möglichst schnell erkunden wollte.

Da, dachte sie, liegt die Überraschung. Sie seufzte lautlos. Ach, wenn sie doch hinüberlaufen und sich ihre Geschenke nehmen dürfte.

Beim Abräumen des Tisches trippelte sie aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Mehrmals lief sie vom Wohnzimmer in die Küche und von der Küche ins Wohnzimmer, bis der Esstisch leer und abgewischt war. Geheimnisvoll lächelnd zog ihre Mutter schließlich das Laken von den Geschenken. Tabea hielt die Luft an, umklammerte die Daumen mit den Fingern. Sie wusste nicht, worauf sie hoffen durfte. Nur, dass da zwischen den Päckchen eines lag, das etwas Besonderes für sie enthielt, das spürte sie.

Ihre Mutter bückte sich nach dem ersten Geschenk, richtete sich auf. »Für Tabea!«, sagte sie laut, nachdem sie kurz auf das angehängte Kärtchen gesehen hatte. »Und wie mir scheint, gehört dieses hier ebenfalls dir.« Sie nahm eine große flache Schachtel auf. Einen Moment verharrte sie, die Schachtel in den Händen. Unschlüssig drehte sie sie hin und her, die Stirn in Falten gelegt. Tabea sah, wie ihre Mutter fragend ihren Vater, dann ihre Oma anblickte, die beide eine verneinende Kopfbewegung machten und verdutzt mit den Schultern zuckten. »Merkwürdig.« Ihre Mutter schüttelte die Schachtel vorsichtig. Aber kein Geräusch verriet, was in ihr sein könnte. »Merkwürdig«, wiederholte sie. »Ich bin mir sicher, die Schachtel beim Abdecken der Geschenke nicht gesehen zu haben.«

»Du wirst eben auch immer vergesslicher.« Tabea hörte, wie ihre Oma neben ihr lachte. »Irgendwann fängt es bei jedem an.«

»Ich verstehe nicht, woher die Schachtel kommt.« Der Blick ihrer Mutter glitt über die anderen in Weihnachtspapier eingeschlagenen Päckchen.

»Darf ich es trotzdem haben?« Tabea streckte bittend die Hände aus.

Kurz zögerte ihre Mutter, doch dann drückte sie ihr die Schachtel in die Hände. Tabea musterte das rote Weihnachtspapier, auf dem Engel im Licht vieler leuchtender Weihnachtsbäume tanzten. Eine goldene Schleife mit kleinen Rüschen zierte eine Ecke der Schachtel. Mit einem Mal hörte Tabea in ihrem Kopf wieder die Gitarrenklänge, zuerst ganz leise, dann lauter, als käme der Gitarrenspieler langsam auf sie zu, und mit ihm die Flamencotänzerin. Deutlich hörte Tabea den harten Klang der Steppschritte und das Klacken der Kastagnetten.

Sie setzte sich auf den Berberteppich vor den Kachelofen und legte die Schachtel neben sich. Innerlich zitterte sie vor Aufregung. Ihre Mutter reichte ihr das Päckchen, das sie als Erstes aufgenommen hatte, wobei ihr Gesicht so strahlte, dass Tabea es nicht übers Herz brachte, es zur Seite zu legen, um zuerst die Schachtel zu öffnen. Sie riss das Weihnachtspapier auf, dann die Verpackung. Ein Handy kam zum Vorschein. »Danke!« Tabea strahlte ihre Mutter und ihren Vater an, sprang auf und umarmte nacheinander beide. »Danke. Danke.«

»Das hast du dir doch gewünscht«, sagte ihre Mutter. Mit einem Mal verschwand das Lächeln aus dem Gesicht ihrer Mutter, und ihr Blick glitt wieder zu der Schachtel. Und erneut kräuselte sich ihre Stirn.

Tabea setzte sich zurück auf den Berberteppich. Tief holte sie Luft, dann löste sie die Schleife von der Schachtel und entfernte das Papier mit den Engeln und den Weihnachtsbäumen. Schließlich hob sie mit zitternden Fingern und klopfendem Herzen den Deckel an. Und dann starrte sie auf das, was in der Schachtel lag, regungslos, vor Überraschung wie benommen. Im nächsten Moment sprang sie jubelnd auf.

»Ein Rock!«, rief sie. »Es ist ein Flamencorock!« Sie drückte den roten Volantrock mit den Rüschen an sich und drehte sich im Kreis.

»Ich … ich …«, stammelte ihre Mutter, »kann mich nicht erinnern, ihn gekauft zu haben. Es ist doch –«

Noch ehe ihre Mutter den Satz beenden konnte, schlang Tabea ihre Arme ein weiteres Mal um sie. »Genau so einen hab ich mir gewünscht«, jubelte sie. »Jetzt bin ich eine richtige Flamencotänzerin.« Sie ließ ihre Mutter los, wiegte sich tanzend, den Rock an sich gepresst, schwang herum und stürmte aus dem Wohnzimmer.

»Und die anderen Geschenke?«, rief ihre Mutter ihr nach.

»Später!« Tabea sprang die Treppe zu ihrem Zimmer hoch. Sie konnte gar nicht schnell genug ihr Kleid ausziehen, sich ein T-Shirt überstreifen und in den Flamencorock steigen. Schließlich trat sie vor den Spiegel, die Arme erhoben, so, wie eine Flamencotänzerin es tun würde. Mit Zeigefingern und Daumen formte sie den Buchstaben O, die anderen Finger spreizte sie ab. Stolz betrachtete sie sich. In diesem Moment verschwamm der Hintergrund ihres Spiegelbildes. Ihr Bett löste sich auf wie ein Nebelfetzen in der Sonne. Tabeas Atmung beschleunigte sich. Auf der Spiegelglasfläche zeichnete sich eine Tanzbühne ab. An schlichten Holztischen, die die Bühne in einem Halbkreis umgaben, saßen Männer und Frauen. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Tabea das Gefühl, neugierig gemustert zu werden. Sie schluckte den Pfropfen in ihrem Hals herunter. Eine Gitarre erklang. Andalusischer Flamenco mischte sich mit der Weihnachtsmusik, die gedämpft durch die geschlossene Zimmertür drang. Eine Tänzerin löste sich aus dem Schatten am Ende der Bühne und kam lächelnd, die Hände ihr entgegengestreckt, auf sie zu. Es war dieselbe Tänzerin, die Tabea im Spiegel vor dem Aufbruch zur Kirche gesehen hatte. Einen Augenblick standen sie sich gegenüber. Das Lächeln der Tänzerin verstärkte sich. Die Frau beugte sich vor und Tabea spürte warme Hände, die sich um ihre zitternden kalten legten.

»Hab keine Angst«, sagte die Frau. Noch einmal schluckte Tabea, doch dann hob sie den Fuß Richtung Spiegel. Als glitte sie durch Luft, so mühelos trat sie durch die Glasfläche, und dann stand sie auf der Bühne. Vor ihr lächelte die Tänzerin. Ihre schlanken Hände hielten noch immer die ihren.

»Heute ist eine besondere Nacht«, sagte die Flamencotänzerin, und Tabea wunderte sich nicht einmal, dass sie sie verstehen konnte. »Heute ist die Nacht«, fuhr die Frau fort, »in der Wünsche in Erfüllung gehen. Wir freuen uns, dass unser Geschenk dir gefällt. Wie wunderschön du in dem Rock aussiehst. Nun komm! Ich zeige dir, wie gut du einmal Flamenco tanzen wirst.«

Tabea schloss die Augen. Als sie sie wieder öffnete, trug sie Flamencoschuhe. Die Gitarrenklänge hüllten sie ein. Im Rhythmus der Musik bewegte sie die Arme, stampfte sie mit den Füßen auf. Die Bühnenbretter vibrierten unter den festen Tritten ihrer mit Eisenbeschlägen versehenen Schuhe. Tabea reckte das Kinn, schwang den Rock. Ein Glücksgefühl durchströmte sie, eines, das sie noch nie zuvor empfunden hatte. Sie tanzte Flamenco, und das würde sie tun, solange sie lebte.

DIE GANS DES WEIHNACHTSMANNES

Weihnachten näherte sich mit Riesenschritten. Doch noch immer lag kein Schnee. Schnee, den Tim und seine große Schwester Maren sich so sehr wünschten.

»Gehen wir zu Meiers«, schlug Maren vor, während sie am Küchentisch ihre Schulhefte in den Ranzen stopfte. Tim war sofort begeistert, denn neuerdings lebte bei der Familie Meier, die im Dorf einen Bauernhof besaß, eine Gans, und zwar keine gewöhnliche Gans, sondern eine, die sich seltsam benahm. So stolzierte sie hin und her und schubste jedes Huhn weg, das ihr in den Weg kam.

Es war ein klarer Tag. Zwischen den Wolken schaute sogar ab und zu die Sonne hervor. Herr Meier begrüßte sie hoch oben vom Treckersitz.

»Geht nur hin!«, rief er durch das Motorengeräusch des Traktors.

Tim winkte ihm zu, und Herr Meier winkte zurück, während er auf die Scheune zufuhr.

»Nun komm schon!« Maren zog Tim mit sich zu dem Bereich der Hoffläche, die für die Gans und die Hühner reserviert war. Und damit keines der Tiere auf die Straße laufen konnte, hatte Herr Meier die Fläche mit einem Zaun abgesichert.

An diesem Nachmittag benahm sich die Gans besonders merkwürdig. Zuerst hackte sie dauernd nach den Hühnern, und als sie anscheinend die Lust dazu verlor, flatterte sie mit wildem Flügelschlag im Kreis herum.

»Was ist nur mit ihr?« Tim schüttelte verständnislos den Kopf.

»Vielleicht spürt sie, dass sie bald geschlachtet wird«, antwortete seine Schwester. »Herr Meier hat sie doch bestimmt gekauft, weil er und seine Familie sie Weihnachten essen möchten.«

Tims Blick verdüsterte sich. »Das ist gemein«, presste er heraus. »Agathe will nicht sterben.«

»Agathe?« Maren sah ihren kleinen Bruder erstaunt an. »Woher willst du wissen, dass sie Agathe heißt?«

Tim blickte auf seine Schuhe. »Das hat sie mir verraten, aber … eigentlich soll ich es nicht weitersagen.«

Maren wuschelte ihrem kleinen Bruder lachend durch das Haar. »Du kleiner Spinnpott. Das hast du wohl geträumt. Gänse können nicht sprechen.«

»Diese Gans schon.« Tim stemmte die Hände in die Seiten. »Wenn du mir nicht glaubst, bist du eine dumme Kuh, dümmer als alle Hühner zusammen. Das sagt Agathe.« Tim nickte heftig.

Sekundenlang starrte Maren ihren kleinen Bruder unsicher an. Was sollte sie davon halten? Ihr kleiner Bruder schien von dem, was er sagte, überzeugt zu sein. Seufzend sah Maren wieder zur Gans. Seltsamerweise stand das Tier auf einmal ganz still, und noch seltsamer war es, dass es ihr direkt in die Augen blickte. Und dann geschah etwas Unglaubliches. Im ersten Moment traute Maren ihren Ohren nicht, aber es war nicht zu leugnen: Die Gans sprach. Sie sprach, als wäre sie ein Mensch.

»Dein Bruder hat recht«, sagte die Gans. »Ich kann sprechen. Darf ich mich vorstellen?« Sie machte eine leichte Verbeugung. »Ich heiße Agathe.« Watschelnd näherte sie sich dem Zaun. »Und wie heißt du?«

Maren öffnete den Mund, doch brachte keinen Ton heraus, so hin-und hergerissen war sie in ihren Gefühlen angesichts dessen, was sie gerade erlebte. Sollte sie ihren Ohren trauen oder nicht? Eine Gans, die wie ein Mensch sprach, das gab es doch nicht. Vielleicht spielte ihre Fantasie verrückt, oder ihr Bruder hatte sie mit seinen Spinnereien angesteckt.

Ungeduldig, wie es schien, wedelte die Gans mit einem Flügel. »Du könntest wirklich höflicher sein«, sagte sie missgelaunt.

Tim fasste sich als Erster. »Maren. Sie heißt Maren«, stellte er seine Schwester vor.

»Sehr angenehm«, sagte die Gans und nickte zufrieden. »Damit haben wir uns vorgestellt. Wenn ihr nun die Güte hättet, mich zu retten.« Die Gans blickte sich um, dann sagte sie leise: »Der dicke Bauer und seine Familie wollen mich nämlich fressen.«

»Essen«, berichtigte Maren. »Menschen essen, Tiere fressen.«

»Schon gut, schon gut.« Agathe, die Gans, winkte mit der Flügelspitze ab. »Ihr müsst mich mitnehmen und verstecken, sonst sterbe ich, und dann wird der Weihnachtsmann sehr traurig sein.«

»Der Weihnachtsmann?« Tim machte vor Staunen große Augen.

»Natürlich der Weihnachtsmann.« Die Gans stieß den Kopf vor und zischte ärgerlich. »Er … er hat mich verloren. Na ja.« Sie presste den Schnabel zusammen. »Wir haben uns ein wenig gestritten«, erklärte sie schließlich kleinlaut, »in seinem Schlitten bei einem Probeflug. Ich wollte doch Heiligabend mitfliegen, doch er … er war wieder einmal dagegen. Jedes Jahr ist es dasselbe. Ich will mit und er lässt mich nicht. ›Beim Geschenkeverteilen hat eine Gans auf dem Schlitten nichts zu suchen.‹ Seine Worte. Pah! Auch eine Gans kann Kindern Geschenke bringen. Ich war so wütend. Da … da ist es eben passiert.«

»Er hat dich nicht verloren«, äußerte Maren die Vermutung. »Ich glaube, du warst sauer auf ihn und bist abgehauen.«

Agathe ignorierte Marens Worte, sah nur demonstrativ in die Luft, doch dann senkte sie den Kopf und stieß einen tiefen Seufzer aus. »Bei den Hühnern war es ja bis jetzt ganz schön. Das Futter, der warme Stall. Nun aber haben mir die Hühner verraten, dass der Bauer mich schlachten will.« Sie machte mit der Flügelspitze eine Bewegung, als wollte sie sich den Hals aufschlitzen. »Etwas so Schreckliches hat er mit mir vor. Bitte, bitte, versteckt mich.« Flehentlich legte sie die Flügelspitzen zusammen. »Ich brauche auch nicht viel. Nur ein Plätzchen zum Schlafen, eine Toilette und etwas Essen und Trinken.« Noch einmal blickte sie sich um, hektischer dieses Mal. »Jeden Moment kann er mit dem Hackebeil kommen.« Und dann schrie sie: »Wir haben keine Zeit! Geht zur Seite!« Sie stürmte zurück, jagte ein paar Hühner aus dem Weg, machte kehrt, streckte den Hals vor, nahm Anlauf und stieß sich vom Boden ab. Mit lautem Flügelschlag flog sie über den Drahtzaun, flatterte eine Wende und landete zwischen Maren und Tim. »Auf geht’s!«, sagte sie und watschelte los, Richtung Straße.

»Wo sollen wir dich denn verstecken?« Maren holte die Gans ein.

»Hat nicht jeder von euch ein eigenes Zimmer?« Agathe musterte Maren von Kopf bis Fuß. »Ganz bestimmt.«

»Aber du kannst doch nicht mit in unser Haus kommen!«, rief Maren entsetzt. »Da können dich unsere Eltern finden.«

Agathe antwortete nicht, sondern beschleunigte nur ihren Watschelgang, breitete schließlich die Flügel aus, hob flatternd ab, flog ein Stück, landete und wartete darauf, dass Tim und Maren sie einholten.

Ein Auto fuhr vorbei. Der Fahrer starrte mit weit aufgerissenen Augen Agathe, Maren und Tim an. Schnell guckte Agathe in die Luft. Tim tat es ihr nach. Maren aber lächelte verlegen. Das Auto entfernte sich, und endlich standen sie vor Marens und Tims Zuhause.

»Wir sind da«, sagte Maren. »Hier wohnen wir.«

Agathe betrachtete mit schiefgelegtem Kopf das weiß verputzte Einfamilienhaus, dann straffte sie sich, und im nächsten Moment flatterte sie über die Jägerzaunpforte, landete auf den Waschbetonplatten des Weges im Vorgarten und huschte hinter einen Wacholder. »Seht nach, ob die Luft rein ist«, zischte sie leise aus ihrem Versteck heraus.

Die Luft war rein. Das stellte Maren schnell fest. Offenbar waren ihre Eltern einkaufen. Die Einkaufstaschen, die immer am Garderobenhaken hingen, fehlten. Tim und Maren führten Agathe im Haus herum und zeigten ihr am Ende der Führung ihre Zimmer. Agathe beäugte beide Räume eingehend und erklärte schließlich, in Tims Zimmer bleiben zu wollen. Der Karton in der Ecke, der wie eine Rakete aussah, würde ihr Versteck sein.

Erleichtert stimmte Maren der Entscheidung zu. Wie gut es doch war, dass ihr kleiner Bruder immer aus allen größeren Kartons etwas für sich baute. Tims Augen leuchteten vor Begeisterung. Maren strich ihm über das Haar. Agathe und er passten auch besser zusammen.

»Dann hol ich mal eine Decke«, sagte Tim und flitzte auch schon los. Wenig später kehrte er mit einer flauschigen Fleecedecke zurück. Und während Maren sich aufmachte, Agathes Anweisungen gemäß eine Schüssel mit Wasser und einen Teller mit fein zerkrümeltem Brot zu holen, formte Tim mit der Decke im Raketenkarton ein kuscheliges Nest.

»Nun brauche ich noch etwas«, sagte Agathe und zeigte mit der Flügelspitze auf ihr Hinterteil. »Oder soll ich bei euch auf die Toilette gehen?«

Tim überlegte. »Die Zeitung!«, rief er, und schon stürmte er davon. Er fand sie auf dem Küchentisch, wo sein Vater sie nach dem Lesen liegen gelassen hatte. Triumphierend kehrte er mit dem Sportteil zurück. Agathe musterte argwöhnisch die Bilder mit den Fußballspielern, zuckte dann aber gleichgültig mit den Flügeln. »Ist auch egal, auf was ich kacke«, sagte sie und hielt sich verschämt eine Flügelspitze vor den Schnabel. »Entschuldigung. Ist mir so rausgerutscht.«

Tim grinste. »Das macht nichts. Das sage ich auch.«

»Untersteh dich.« Maren puffte ihn an.

Maulig verzog Tim den Mund, doch er sagte nichts.

»Na, na.« Agathe wackelte mit dem Flügel wie mit einem Zeigefinger. »Und nun, Freunde«, sagte sie und gähnte, »würde ich gerne schlafen. Der Tag war anstrengend, und Gänse müssen früh ins Bett.« Sie sah Tim scharf an. »Ich wäre dir dankbar, wenn du leise bist, wenn du ins Zimmer kommst. Und ich hoffe, du schnarchst nicht.«

Tim stieg die Röte ins Gesicht. »Ich … ich doch nicht. Ich … ja, versprochen, ich werde ganz leise sein.«

»Komm!« Maren packte die Hand ihres jüngeren Bruders. »Verziehen wir uns, damit sie schlafen kann.«

Tim warf der Gans noch ein kleines Lächeln zu, dann verließ er hinter seiner Schwester sein Zimmer.

Im Morgengrauen erwachte Tim mit einem seltsamen Gefühl im Magen. Er riss die Augen auf, sprang aus dem Bett und lief zu dem Raketenkarton. Alle Brotkrümel waren vom Teller verschwunden, das Wasser war weniger geworden, der Sportteil der Tageszeitung voller weißer Kleckse. Er beugte sich vor und lugte in den Karton. Das Deckennest war leer. Er richtete sich auf, sah sich suchend um. Von der Gans keine Spur. Wo war Agathe? War sie vielleicht bei seiner Schwester? Leise schlich Tim über den Flur zum Zimmer seiner Schwester. Vorsichtig öffnete er die Tür. Aber auch dort war die Gans nicht.

»Maren!« Tim rüttelte seine Schwester an den Schultern. »Agathe ist weg. Sie ist weg.«

»Was?« Maren fuhr hoch.

»Sie ist weg.« Tim schluchzte. »Sie ist verschwunden.«

Maren rutschte aus dem Bett. »Sehen wir im Haus nach. Vielleicht hatte sie noch Hunger.«

Doch in der Küche war die Gans nicht, auch in keinem der anderen Räume. Maren spähte sogar ins elterliche Schlafzimmer. Doch außer ihren schlafenden Eltern war dort niemand, schon gar keine Gans. Tränen liefen Tim inzwischen über die Wangen. Maren brachte ihn zurück ins Bett, schloss ihn tröstend in die Arme. »Jetzt können wir nichts weiter tun«, sagte sie leise, »aber wenn es hell genug ist, sehen wir draußen nach. Agathe ist eine Gans. Gänse können auf sich aufpassen.«

Tim nickte. »Hoffentlich holt sie kein Fuchs.«

Maren lächelte aufmunternd. »Ach, glaub mir, Agathe weiß sich zu helfen. Sie kann fliegen und hat einen harten Schnabel.«

Es wurden zwei unruhige Stunden, in denen Tim angstvoll im Bett darauf wartete, dass es hinter der Fensterscheibe heller wurde. Doch dann kam seine Schwester und endlich konnten sie hinausgehen. Es war Samstag, ein stiller Tag, an dem zu so früher Stunde noch kein Mensch unterwegs war. Wie staunten Tim und Maren, als sie vor die Haustür traten. Über Nacht war die Welt weiß geworden. Dicke Schneehauben zierten Bäume, Dächer und Zäune.

»Sieh mal!« Tim wies auf die Pforte, vor der seltsamerweise ein Schneemann stand. Zwei weiße Federn steckten in seinem Kopf. Tim warf seiner Schwester einen kurzen Blick zu, dann rannte er die Eingangsstufen und den Plattenweg hinunter. Maren holte ihn ein. Gemeinsam gingen sie um den Schneemann herum. Maren öffnete die Pforte und blieb wie angewurzelt stehen.

»Schlittenspuren«, stieß sie überrascht hervor. »Das sind die Abdrücke von den Kufen eines großen Schlittens.« Sie zeigte auf die zwei dunklen Rillen in der Schneedecke, unter der die Straße verschwunden war. »Und da, da hat jemand etwas in den Schnee geschrieben.« Ihre ausgestreckten Finger wanderten ein Stück weiter. Im nächsten Moment ergriff sie Tims Hand und zusammen stapften sie zu der Stelle, an der etwas in den Schnee geschrieben war. Maren ließ Tim los, beugte sich vor und las laut vor: »Vielen Dank für die Rettung meiner Gans. Ich hoffe, sie hat euch nicht zu sehr geärgert, denn manchmal ist sie etwas frech. Ein frohes Fest wünscht euch euer Weihnachtsmann.«