8,99 €
Die Nordnorweger Leif und Roy träumen davon, das schnelle Geld zu machen. Da hat Leif eine geniale Idee: ein Erlebniscamp, in dem gestresste Urlauber wie Samen leben und im Kontakt mit der Natur wieder zu sich finden können. Braucht ja niemand zu wissen, dass Leif und Roy in Wirklichkeit wenig Ahnung von den Traditionen der Samen haben. Doch manche Touristen stellen echt viele Fragen …
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2012
Mehr über unsere Autoren und Bücher:
www.piper.de
Übersetzung aus dem Norwegischen von Frank Zuber Die Übersetzung wurde gefördert von NORLA Norwegian Literature Abroad, Oslo.
Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe
1. Auflage Mai 2012
ISBN 978-3-492-95281-1
© 2010 H. Aschehoug & Co (W. Nygaard) A/S, Oslo Die norwegische Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel »Sameland« bei Aschehoug, Oslo. Deutschsprachige Ausgabe: © Piper Verlag GmbH, München 2011 Umschlaggestaltung: Birgit Kohlhaas, Egling Umschlagfoto: Jesper Egemar
Joik ist stärker als Schießpulver.Sverre Kjeldsberg / Mattis Hætta Der eigene Erfolg ist das Beste, aber die Niederlage
KAPITEL 1
»Eiswürfel.«
»Was?«
»Eiswürfel, Roy.«
Roy Åsen und Leif Samuelsen saßen an einem See am Jarfjordfjell in der Nähe von Kirkenes und starrten auf das Wasser. Die Angelschnur hing locker an der Rute, gab im Wind nach und formte einen Bogen auf dem Wasser. Der Schwimmer war in den Kräuselwellen kaum zu erkennen.
»Keine normalen Eiswürfel, sondern Eiswürfel aus arktischem Gebirgswasser. In Eiswürfeltüten aus dem Supermarkt. Die Japaner werden sie kübelweise im Internet bestellen. Wir werden Bars und Hotels in der ganzen Welt beliefern.«
»Viel zu anstrengend. Ich lauf doch nicht mit Kanistern und dem ganzen Zeug die Berge hoch und runter. Außerdem bestellt keiner Eiswürfel im Internet.«
»Das Wasser aus deinem Wasserhahn kommt doch direkt aus einem arktischen Bergsee. Wir stecken eine Multebeere in jeden Eiswürfel. Auf die Idee ist bisher noch niemand gekommen. Wir werden die Eiswürfelindustrie revolutionieren.«
»Es gibt keine Eiswürfelindustrie, Leif. Nur eine Eiswürfeltüten- und Wasserindustrie. Und eine Eiswürfelmaschinenindustrie. Die modernen Kühlschränke haben so was vorne dran.«
»Ja. Aber niemand hat jemals Eiswürfeltüten mit arktischem Gebirgswasser und Multebeeren verkauft. Fertig zum Einfrieren, das ist das Geniale daran. Exklusiv. Die Leute lieben so was.«
»Genial. Und wie willst du die Multebeeren durch das kleine Loch in der Eiswürfeltüte kriegen?«
»Das ist doch gar nicht … Was verstehst du schon von der Eiswürfelproduktion?«
Roy stand auf, nahm seine Angelrute und holte den Schwimmer langsam ein. Ab und zu zog er die Rute mit einem Ruck zu sich heran, sodass der Schwimmer kleine Sprünge machte. »Mehr als du, offenbar. Achtung, jetzt hol ich mir eine ganz Fette. Man muss die Forellen mit dem Schwimmer ärgern, dann beißen sie an. Forellen sind total launisch; es gibt keinen anderen Süßwasserfisch, der so launisch ist.«
»Sprich mit ihnen, Roy.«
»Was?«
»Um sie zu ärgern. Sprich mit den Fischen. Dein Dialekt wird sie in den Selbstmord treiben, sie werden an Land hüpfen und vor deinen Füßen krepieren. Erzähl ihnen von den Heringstrawlern und den schönen Frauen in Ålesund.«
Ein Hering war aus dem sandigen Boden gerutscht, und der dunkelgrüne Zeltstoff flatterte im Wind. Das Geräusch erinnerte Leif an die bunten Plastikplättchen, die er als Kind am Fahrrad befestigt hatte und die beim Fahren in den Speichen ratterten. Er spießte einen neuen Regenwurm auf den Haken und stand auf. Dann kurbelte er die Schnur ein Stück ein, legte den Zeigefinger auf die Rolle und ließ die Rute von zehn vor bis zehn nach und wieder zurückschnellen, bevor er den Zeigefinger von der Rolle nahm und die Schnur laufen ließ. Der Schwimmer landete mitten im See und verursachte ringförmige Wellen, die in kürzester Zeit vom Wind aufgelöst wurden. »Das ist wie bei deiner Uhr, Roy«, hatte sein Vater gesagt, »die Spitze der Rute ist der Minutenzeiger. Er muss auf zehn vor stehen, wenn du anfängst. Bei zehn nach hörst du auf und gehst wieder auf zehn vor zurück, dann erst lässt du die Schnur laufen.« Roy hatte gelernt, wie man Würmer auf einen Haken zieht, bevor er allein aufs Klo gehen konnte.
»Gestern hab ich Hege im Spar getroffen.« Er ging in die Hocke, um die Finger abzuspülen, und behielt den Schwimmer im Auge. Manchmal bissen sie an, sobald er gelandet war, als würden sie sich über die Störung ärgern und wütend zuschnappen. »Ihre Mutter ist sechzig geworden, deshalb war sie in Kirkenes. Frode war auch dabei.«
Er wischte die Hände an der Hose ab und setzte sich wieder neben Leif.
»Der Filmstar aus Berlevåg?«
»Ja, Frode der Filmstar. Was hat er, was ich nicht habe?«
Leif hatte die Zigarette so weit aufgeraucht, dass er sich fast die Finger verbrannte. Er schnipste den Stummel in die Feuerstelle vor ihrem Zelt. »Den Glamour-Faktor.«
»Ein fünfzig Jahre alter Optiker mit Glatze!«
»Das spielt keine Rolle. Prominenz macht die Frauen ganz verrückt vor Lust.«
Roy nickte. »Wie viele Jahre ist es her, seit Heftig und begeistert im Kino lief? Und der wird immer noch erkannt. Es war das erste Mal, dass ich sie wiedergesehen habe, seit sie mit diesem Chorwichser abgehauen ist. Ich dachte, ich würde heulen oder mich sonst wie blamieren, oder was Peinliches sagen, aber es lief eigentlich ganz gut. Bis auf eine Kleinigkeit. Als die Verkäuferin Frode um ein Autogramm bat, hab ich Hege erzählt, dass wir gerade ein samisches Erlebniszentrum für Touristen aufbauen und schon den ganzen Sommer lang ausgebucht sind.«
»Ein samisches Erlebniszentrum? Damit hast du sie bestimmt so beeindruckt, dass sie auf allen vieren zu dir zurückgekrochen kommt, Roy. Die Idee ist fast so gut wie Arctic Power Powder.«
Vor vier Jahren hatten sie die Produktion von Arctic Power Powder geplant, eine Mischung aus fünf Prozent gemahlenem Rentiergeweih und 95 Prozent Puderzucker, die Männern in aller Welt gigantische Erektionen bescheren sollte. In Roys Wohnzimmer, wo sie sich auf dem Discovery Channel Dokumentarserien über die Herstellung von Reißverschlüssen oder den Bau unterseeischer Zugtunnel ansahen, hatten sie die Herstellungskosten optimistisch auf maximal zwei Kronen pro Packung berechnet, dazu kamen 21 Kronen Porto für den weltweiten Luftpostversand.
Mit Gesamtkosten von 23 Kronen und einem Verkaufspreis von 24 amerikanischen Dollar hätten sie pro Packung Arctic Power Powder 134 Kronen verdient. Sie wollten es über eBay an Millionen von potenziellen Kunden verkaufen und rechneten mit einem täglichen Abverkauf von mindestens zwanzig Packungen, was ein wöchentliches Einkommen von rund 19 000 Kronen ergeben hätte. Sie wollten im Wechsel je einen Monat lang arbeiten und dann freihaben, und ein Arbeitstag sollte nicht länger als drei Stunden dauern.
Aber dann wurden sie von drei wütenden Samen in den Wald gejagt, als sie mitten in der Nacht Rentiergeweihe von einem Schlachtplatz stehlen wollten, und wegen Rohstoffmangels kam Arctic Power Powder nie auf den Markt.
»Ich will sie ja gar nicht zurück. Aber ich fürchte, dass ich nie wieder eine wie sie finde. Ich hab sie zum Lachen gebracht, Leif. Als wir uns das erste Mal trafen, habe ich sie zum Lachen gebracht. Mit ganz natürlichen, unverkrampften Witzen. Das hat davor noch nie bei Frauen geklappt, in die ich verliebt war.«
»Und was ist mit Jungs?«
»Was?«
»Die Jungs bringst du immer zum Lachen. Hast du dich schon mal gefragt, ob du vielleicht schwul bist? Wenn du mit Männern zusammen bist, plapperst du ungehemmt drauflos. Natürlich und unverkrampft.«
»Nein, deshalb ist man doch nicht gleich …«
»Zuckt dir kein bisschen der Rettich, wenn du mich in der Sauna siehst?«
»Verdammte Scheiße, ich sitze hier und …«
»Das macht nichts, Roy, ich werde immer dein Kumpel sein, auch wenn du scharf auf mich bist.«
»Leck mich am Arsch.«
»Keine Angst, ich werde dich deswegen nicht verarschen.«
Roy überprüfte seinen Schwimmer. Zehn Meter vor ihm sprangen ein paar Fische.
»Wir hätten in Oslo bleiben sollen. Sie hatte sich dort wohlgefühlt. Aber ich wollte ja unbedingt nach Irland.«
»Es wäre in jedem Fall so gekommen, Roy. Und den Berg runtergegangen. Egal, wo ihr gewohnt hättet. Echte Liebe kennt keine Geografie.«
»Herrgott, du solltest Schlagertexte für Bjørn Eidsvåg schreiben.«
»Bjørn Eidsvåg ist ein Mann mit Charisma. Und du weißt, dass ich recht habe.«
»Als wir wieder in Kirkenes waren und sie mir sagte, dass sie sich in einen vom Berlevåg-Männerchor verliebt hatte …«
»Hör auf damit, Roy. Das ist lange her. Es gibt genug Kühe auf der Weide, wie man so schön sagt.«
»Ja. Torhild, zum Beispiel.«
Leif sah ihn von der Seite an. »Torhild? Wer ist Torhild?«
»Eine Kundin von der Post. Sie arbeitet im Ärztezentrum. Sie ist hübsch. Aber ich kriege in ihrer Gegenwart keinen einzigen zusammenhängenden Satz heraus. Vielleicht sollte ich mich lieber gleich über die Klippe stürzen, als mich monatelang zu quälen und dann einzusehen, dass der Zug abgefahren ist. Oder in einem anderen Bahnhof hält.«
»Lass uns lieber aufhören mit der Klippenmetaphorik. Und die Züge lassen wir besser auch in Ruhe. Du wirst schon jemanden treffen, der schräg genug drauf ist, um dich zu mögen. Genau wie ich. Seit Nina mich verlassen hat, hab ich viele Frauen getroffen, die mich mögen.«
»Ich will aber was Dauerhaftes. Keine Sexbesuche bei verheirateten Frauen in den Wechseljahren.«
»Reife Frauen wissen, was sie wollen, Roy. Wenn du wüsstest …«
Sie hatten sich an die Feuerstelle gesetzt, und Leif zündete sich eine Zigarette an. Die Sonne stand tief, aber sie schien noch so hell, dass die Lichtreflexion auf dem Deckel der stählernen Thermoskanne Roy blendete, als er den Becher mit Kaffee zum Mund hob.
Leif holte Käsewürstchen und Hotdog-Brötchen aus dem Rucksack, legte sie neben die Feuerstelle und bürstete sich die Krümel von der Hose. Die Brötchen waren zerbröselt, als er sie aus der Tüte gezogen hatte. Frische Hotdog-Brötchen in den Läden von Kirkenes zu bekommen, war wie ein Lottogewinn. Leif zerbrach ein paar Zweige und häufte sie zusammen mit dünnen Streifen aus Birkenrinde in der Mitte der Feuerstelle auf. In der kahlen Gegend musste man weit laufen, um etwas anderes als dürre, kleine Wacholderzweige zu finden, aber sie hatten unterwegs Holz gesammelt. Sie waren über den alten Panzerweg gekommen, den die Deutschen im Zweiten Weltkrieg gebaut hatten, um schwere Geschütze an die russische Front zu transportieren. Von dort führte ein Pfad durch knorriges Heidekraut an den See. Eigentlich waren es nur zwei kaum sichtbare Fahrrillen im Gras, die weiter zur russischen Grenze führten, vorbei an Stellungen, in denen ausgelieferte Soldaten den Rückzug durch das offene Gelände verteidigt hatten. Verzweifelt hatten sie versucht, ihren Kameraden einen Vorsprung zu verschaffen, als Wellen von russischen Soldaten die Deutschen zurückschlugen. Es gab keine Deckung außer den Löchern, die sie in die Erde gegraben hatten. Überall lagen leere Patronenhülsen und hölzerne Munitionskisten herum, als wären sie erst gestern zurückgelassen worden. In entgegengesetzter Richtung ragte eine graue Abhörstation in den Horizont, eines der vielen Überbleibsel des Kalten Krieges.
Leif türmte immer größere Zweige und Äste über dem Häuflein auf, dann hielt er ein Streichholz an die Birkenrinde.
Er hatte eine Glatze, aber seine Bräune, die bis lange in den Winter hielt, und das symmetrische Gesicht mit dem markanten Kinn verliehen ihm eine Maskulinität, auf die Roy neidisch war und die Frauen mochten. Sogar den lächerlichen Schnurrbart ließen sie ihm durchgehen, obwohl meistens Brotkrümel darin hingen, festgekleistert von Dorschrogen- oder Bananenaufstrich.
»Survivor-Man.«
»Was?« Leif drehte sich zu Roy, der immer noch seinen Schwimmer beobachtete.
»Du bist der reinste Survivor-Man. Wie der im Discovery Channel. Oder Grillwürstchen-Man.«
»Wusstest du, dass der Käse in den ersten Käsewürstchen, die es gab, als durchgängiges Rohr in der Mitte von der Wurst lag?«
»Nein.«
»Wenn man mit einem Bier in der Hand vor dem Grill stand, fing der Käse an zu kochen und stand dann unter so einem Druck, dass die Wurst beim Anbeißen explodierte und dir heiße Käsesoße in die Fresse spritzte.«
»Ist dir das mal passiert?«
»Nein, ich hatte Glück.« Leif drehte sich wieder zum Feuer. »Heutzutage ist der Käse in kleinen Stückchen in der gesamten Wurst verteilt, gerade genug, damit der charakteristische Geschmack von geschmolzenem Käse bewahrt bleibt.«
»Du solltest Vorträge im Käsewürstchenmuseum halten.«
»Genau solche Ideen brauchen wir, Roy. Einfach, aber genial. Würstchen schmecken gut, Käse schmeckt auch gut. Und Käse in Würstchen, das ist genial. Wir müssen uns etwas Einfaches ausdenken, auf das noch nie jemand gekommen ist und das nicht viel Aufwand erfordert.«
»Ich finde immer noch, dass die RSC eine gute Idee war. So was gab es damals noch nicht, aber neulich habe ich im Radio gehört, dass jemand eine ähnliche Idee hatte. Wir hätten auf RSC setzen sollen. Die großen Sicherheitsfirmen hätten sich auf uns gestürzt, sobald wir auf dem Markt gewesen wären. Dann hätten wir den ganzen Mist an sie verkauft und für lange, lange Zeit wie die Fürsten leben können. Anstatt Briefmarken auf Umschläge zu pappen und uns von den Kunden anscheißen zu lassen, weil sie eine dreiviertel Stunde angestanden haben.«
RSC stand für Remote Security Company. Es sollte ein billiges Überwachungssystem für kleine und mittelgroße Firmen werden. Roy und Leif hätten strategisch platzierte Kameras mit Bewegungsmeldern an den Gebäuden montiert, und bei der kleinsten Bewegung hätte ein Computerprogramm die Bilder per Internet in das Remote Security Operational Center in Leifs Keller übertragen. Wenn es sich um einen Einbruchsversuch gehandelt hätte, wäre die Polizei umgehend vom Chief of Operations, Leif, alarmiert worden.
Sie waren überzeugt, dass die Remote Security Company die Sicherheitsbranche revolutionieren würde. Aber Überwachungskameras mit Bewegungsmeldern stellten sich als unerwartet teuer heraus. Und bis auf die gelegentlichen Besuche jener Webseiten, die einsame Männer ab und zu anklickten, hatten weder Roy noch Leif Erfahrung mit Computern und Programmierung. Außerdem hatte keiner von ihnen die leiseste Ahnung von Marketing, Buchführung oder wie man eine so große Firma gründet, also wurde nie etwas aus der Remote Security Company. Aber den Frauen, denen sie abends in der Stadt begegneten, erzählten sie nach wie vor, dass sie im Begriff wären, eine innovative Sicherheitsfirma zu gründen.
»Es bringt nichts, der nachzutrauern, Roy. Du jammerst alten Ideen hinterher und nörgelst über meine neuen. Denk dir doch selber mal was Neues aus, sonst wird das nie was.«
Erneut waren Fische an der Oberfläche zu sehen, diesmal bei Roys Schwimmer. Er stand auf, nahm die Angel und bewegte sie vorsichtig hin und her. Schaut euch den schönen Wurm an, dachte er. Kommt schon, holt euch den schönen fetten Wurm.
Leif spießte zwei Würstchen auf und lehnte den Spieß gegen einen Stein am Feuer. Dann ging er zu Roy ans Ufer zurück.
Die beiden liebten es, mit Schwimmern in kleinen Bergseen zu angeln. Die weite, unberührte Landschaft verleitete einen, sich einfach auf einen der Steine zu setzen, die Gletscher vor Millionen von Jahren hinterlassen hatten, und über das Leben nachzudenken. In dieser Umgebung schien es ganz natürlich, grundlegende Fragen des Lebens zu diskutieren. Aber das taten Roy und Leif nicht. Sie diskutierten die Möglichkeiten, wie sie zum schnellen Geld und ökonomischer Unabhängigkeit gelangen könnten. Sie hatten das Gefühl, dass ihnen das Schicksal etwas schuldete. Dass ein besseres Leben gleich um die Ecke wartete, um die sie allerdings niemals biegen würden.
Wieder sprangen die Fische, diesmal zehn Meter vom Schwimmer entfernt. Roy und Leif gingen zurück zum Lagerfeuer und aßen ihre Würstchen. Die Sonne wärmte Ende Mai noch nicht genug, das war auch der Grund, warum die Fische nicht anbeißen wollten. Der Schnee war früh geschmolzen, und in einem Monat, wenn die dünnen Birken grün waren, würde ein warmer Wind aus dem Südosten Russlands die Fische aus der Winterstarre wecken. Nach dem Essen blieben sie sitzen und beobachteten ihre Schwimmer, während Leif rauchte und eine Melodie vor sich hin summte, die Roy nicht kannte.
»Gestern hab ich eine Statistik in der Zeitung gesehen. Die Ostfinnmark wird in Zukunft von Touristen überschwemmt werden. Was wäre, wenn wir wirklich ein Samenlager eröffnen?«
Leif sah Roy an. »Was?«
»Für Touristen ist das exotisch, weißt du. Mitternachtssonne, Rentiere, arktische Tundra und der ganze Kram. Unsere Gegend gilt als touristisch unerschlossen.«
Leif schüttelte den Kopf und warf ein Schokoladenpapier ins Feuer, das immer heller wurde, je tiefer die Sonne hinter dem Berg mit der NATO-Abhörstation sank. »Es gibt schon genug Souvenirverkäufer hier. Wir sind nicht einmal Samen, Roy.«
»Ich hatte nicht vor, ein Samenzelt …«
»Lavvo.«
»Ich hatte nicht vor, ein Lavvo auf dem Marktplatz oder am Hurtigrutenkai aufzustellen, mich in Samenkluft zu werfen und laut joikend ein Rentier an der Leine zu führen. Ich denke an etwas Größeres. Meine Besucher sollen das Gefühl bekommen, selber ein Same zu sein.«
»Welcher vernünftige Mensch auf diesem Planeten will sich wie ein Same fühlen?«
»Touristen sind keine vernünftigen Menschen, Leif. Wer in den Urlaub fährt, will Geld ausgeben. Und man will etwas erlebt haben, womit man zu Hause angeben kann. An einem Ort wie Kirkenes kann man nicht viel Geld ausgeben, die Touristen laufen ratlos herum und suchen nach Abenteuern. Wenn wir ihnen anbieten, für eine kurze Zeit wie Samen zu leben, vielleicht nur einen Vormittag lang, bezahlen sie bestimmt gut dafür. Ausländische Touristen erwarten, dass alles in Norwegen verdammt teuer ist.«
»Jepp. Dann kriegen sie am Eingang Samentrachten und Samenmützen, genau wie im Wikingerland, oder wie dieser Park da unten in Tusenfryd heißt. Dort bekommt man Wikingerhelme und ein Schwert. Ich war da mal auf einer Weihnachtsfeier.«
Roy stand auf und befestigte den losen Hering, an dem das Zelttuch flatterte.
Der Wind blies ohne Widerstand über die nackte Landschaft aus vereinzelten Wacholderbüschen, Mooren und Geröllhalden. Aber er würde sich legen, sobald die Sonne untergegangen war.
»Ich meine es ernst, Leif. Das könnte gut werden. Richtig gut. Der Markt ist da, das Lager könnten wir auf deinem Grundstück in Pasvik errichten, und die Ausgaben wären nicht so hoch. Wir brauchen nur ein paar Lavvos und eine Feuerstelle, dann besorgen wir uns ein paar Rentiere, mit denen man Lassowerfen üben kann, und servieren Rentiergulasch. Ich glaube, wir könnten 750 Kronen für einen Vormittag nehmen, und vielleicht 1500 für einen ganzen Tag mit Übernachtung. Mit fünfzehn Übernachtungsgästen würden wir 22 000 Kronen am Tag verdienen.«
»Hört sich nach viel Arbeit an. Höllisch viel. Touristen können ganz schön anstrengend sein. Und wir müssten die ganze Zeit dort wohnen. Draußen im Moor, im Zelt. Hört sich ziemlich schlimm an. Weißt du, wie viele Mücken es da oben im Juli gibt? Die Touristen werden wahnsinnig werden.«
»Ich glaube, da irrst du dich. Ich glaube, die Touristen werden die Mücken lieben. Jedenfalls werden sie es lieben, daheim erzählen zu können, was für ein authentisches Samenerlebnis sie gehabt haben. ›Das hättest du sehen sollen! Wir hatten Mücken in den Ohren und in der Nase! Das war echt ein Erlebnis!‹, werden sie sagen. Das ist genau das, was sie wollen. Abenteuer. Eine Mückenplage ist das reinste Abenteuer für sie.«
Er zog eine Tüte Bonbons aus der Hosentasche und steckte ein rosa Karamell in den Mund.
Ab und zu, wenn der Wind sich legte, schwirrten ein paar früh geschlüpfte Eismücken um ihre Köpfe. Aus irgendeinem Grund waren sie größer als die Mücken, die Ende Juni schlüpften, aber sie wirkten schlapp und tollpatschig beim Anflug auf die Adern, die unter Roys und Leifs blasser Haut lockten.
»Du hast recht, es wird viel Arbeit. Verdammt viel Arbeit am Anfang und ziemlich viel Arbeit, wenn es dann losgeht. Aber die Saison dauert nur drei Monate. Mit einem Schnitt von fünfzehn Gästen pro Nacht haben wir nach drei Monaten ungefähr zwei Millionen Kronen verdient. Eine Million für jeden von uns! Für drei Monate Arbeit! Die Vormittagsgäste habe ich noch gar nicht mitgerechnet. Das ist schnelles Geld. Eine Goldgrube wird es, wenn wir ihnen den Eindruck vermitteln können, dass der Aufenthalt in unserem Samenlager ein exklusives Erlebnis ist, das man nirgendwo anders in der Welt kriegt. Das kann doch nicht so schwer sein, oder?«
Leif ging zum Wasser hinunter, um nachzusehen, ob noch etwas von dem Wurm am Haken übrig war.
»Samenland.«
Roy drehte sich zu ihm um.
»Samenland?«
»Wir nennen es Samenland. Genau wie dieses Disneyland oder Sommerland in der Telemark.«
KAPITEL 2
»Das ist doch ein Sumpf.«
»Ein bisschen moorig, vielleicht.«
»Es ist ein Sumpf, Leif.«
Von Roys Haus in Sandnes waren sie nach Pasvik gefahren und von der Landstraße auf den schmalen, holprigen Weg zum Museum in Strand abgebogen. Von dort führte eine Schotterpiste an den Rand eines länglichen Moores, wo Leif schließlich anhielt.
Leif zeigte auf die Bäume am Ende des Grundstücks. »Der Weg ist die westliche Grenze. Das Grundstück geht bis in den Wald. Und bis zu dem großen Stein da drüben.« Er ging die Schotterpiste weiter hinauf. »Komm schon, Dicker.«
Roy holte ihn ein, und sie gingen rund hundert Meter bergauf. Das Moor ging in einen Nadelwald über. Leif sprang ohne Vorwarnung über den Graben zwischen Schotterweg und Wald.
Er drehte sich zu Roy um, warf die Arme in die Luft und grinste so breit, dass die Wangenknochen unter seinen braunen Augen wie zwei Brötchen aussahen. »Das hier ist Samenland.«
Roy sah an ihm vorbei.
Die Kiefern standen in großem Abstand voneinander, der Waldboden war trocken und mit Kiefernnadeln bedeckt, frei von Büschen und Gestrüpp.
»Was sagst du dazu, Roy?«
Ein paar Bäume würden sie fällen müssen, aber das war alles. Das Wäldchen war groß genug für mindestens vier große Lavvos und ein Rentiergehege. Roy sah Leif an und nickte. »Ja, das hier ist Samenland.«
»Das Beste hast du noch nicht gesehen.« Leif rannte in den Wald und verschwand hinter einem kleinen Hügel. Roy lief ihm hinterher und fand ihn an einem schönen Bach, der sich durch den Wald schlängelte. Zwischen zwei großen, bemoosten Steinen ergoss sich ein Wasserfall in ein kleines Becken. »Schön, oder?«
Roy nickte erneut.
»Dieser Bach ist perfekt, Roy. Hier können wir ein paar goldfarbene Steinchen ins Wasser streuen und die Touristen Gold waschen lassen. Ich sehe sie schon vor uns knien. Japaner in Samentracht strecken ihre Hintern in die Luft und tauchen die Pfannen ins Wasser. Sie werden sich bepissen vor Begeisterung.«
Roy stellte sich Japaner vor, die mit dunklen Flecken im Schritt durcheinanderschrien und jauchzten. »Haben die Samen eigentlich je Gold gewaschen?«
Leif sah ihn an. »In Samenland geht alles, Roy. In Samenland geht alles.«
KAPITEL 3
Der Rentierzuchtverband Sør-Fosen verlangt die sofortige Einstellung jeglicher Planung von Windmühlenparks in Fosen. Alle bereits erteilten Baugenehmigungen müssen zurückgezogen werden.
»Das ist schlimmer als der Staudamm in Alta«, sagte der Anwalt Geir Haugen auf der Pressekonferenz in Trones und benutzte starke Worte. Aus Sicht der Rentierzüchter ist das Windmühlenprojekt der größte Angriff auf samische Interessen in der Geschichte des Landes.
»Noch nie zuvor haben wir eine massivere Bedrohung der Urbevölkerung Norwegens erlebt«, behauptete Haugen. In seinen Augen steht Norwegen an erster Stelle, was die Unterdrückung der eigenen Urbevölkerung anginge.
Die Sache werde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg weitergeleitet, wenn die ILO keine Lösung fände. Arvid Jåma vom Verband Sør-Fosen erklärte, eine Realisierung des Windmühlenparks würde das Ende der samischen Rentierzucht bedeuten.
Audun Gåsland schaltete das Radio aus. Als er vom Tisch aufstand, sah er sein Spiegelbild in der Glastür des Einbauschranks. Ein klebriger, dunkelbrauner Haarschopf hing über der Stirn und verdeckte einen reifen Pickel. Unter den braunen, eng stehenden Augen lagen tiefe Ringe, die Haut glänzte und die Wangen waren mit dichten Bartstoppeln übersät. Das kleine Kinn und die schmalen Schultern ließen ihn untersetzt aussehen, obwohl er es eigentlich nicht war. Windmühlen, dachte er. Kann man Windmühlen fällen?
Audun war 34 Jahre alt und in Kjøllefjord mit seiner Mutter, seinem Vater und dem Golden Retriever Gonzo aufgewachsen. Vor vier Monaten war er in den Bjørkeveien auf Prestøya in Kirkenes gezogen, nachdem er einen Job in der Finanzabteilung der Gemeinde Sør-Varanger angenommen hatte. Er wohnte in einem der braunen Einfamilienhäuser, die früher der Bezirksregierung gehört hatten und den Klinikärzten vorbehalten gewesen waren. Man sah dem Haus an, dass zu viele Menschen für zu kurze Zeit darin gewohnt hatten, um es ein Heim werden zu lassen. Die Wände brauchten einen neuen Anstrich, und das Gras hatte einen Teil des Parkplatzes erobert. Aber Audun hatte Wichtigeres zu tun.
Vor 22 Jahren, Audun war zwölf, wurde Gonzo von Samen getötet. Sie hatten behauptet, er hätte ihre Rentierherde angegriffen, und darum hatten sie ihn mit einer Schrotflinte erschossen. Der Anblick des toten Hundes und die Gewissheit, dass Gonzo niemals auf die Idee gekommen wäre, ein Rentier anzugreifen, hatten einen tiefen und aufrichtigen Hass auf Samen in ihm geweckt. Gonzo war sein einziger Freund gewesen. Wegen einer Hautkrankheit hatte Audun in seiner Kindheit jeden Morgen den Kopf mit einem übel riechenden Mittel einreiben müssen, und keiner wollte mit ›Stinkeschädel‹ spielen. Gonzo aber war der Gestank egal gewesen. Gonzo hatte sich immer gefreut, ihn zu sehen. Der treue Hund hatte dem Jungen Trost gespendet, wenn er nachmittags aus der Schule gekommen war. Zusammen lagen sie im Keller auf dem Sofa, Gonzo und er gegen den Rest der Welt. Seit Gonzos Tod hasste Audun die ganze Welt. Er ließ seinem Hass freien Lauf, ließ sich von ihm leiten, schöpfte Kraft aus ihm. Er hasste alle und jeden, aber am meisten hasste er die Samen.
1989 war er aus seinem ersten Job im Rimi-Markt von Tana gefeuert worden, weil er eine Tüte Kartoffelsticks »ausgeliehen« hatte. Er hatte zwar mehrfach beteuert, dass er sie bezahlen wollte, aber es hatte nichts geholfen. Der Geschäftsführer, der ihn damals gefeuert hatte, war ein Same.
Fünf Jahre später, nachdem er eine Ausbildung als Rechnungsprüfer absolviert hatte, arbeitete er in der Finanzabteilung von Båtsfjord, aber die Gemeinde kündigte ihm, nachdem er drei Bürostühle, einen kleinen Kopierer und einen Computer »für zu Hause ausgeliehen« hatte. Der Personalchef war ein Same.
Am 18. Januar 1998 wurde ihm bei einer Schlägerei vor dem Restaurant Cordoba in Alta die Nase gebrochen. Audun hatte einen Skispringer herausgefordert, weil dieser mit seiner ersten und einzigen großen Liebe, der stattlichen und großmäuligen Finnin Saara Keikkonen, geflirtet hatte. Sie verließ ihn mit dem Skispringer knutschend. Der Skispringer war ein Same.
Die gebrochene Nase brachte das Fass zum Überlaufen. Er drehte durch, fuhr mit seinem mintgrünen Ford Sierra kreuz und quer durch die Finnmark und zerstörte Gammen, samische Hütten. Weit oben in den Bergen und auf der Hochebene, wo kaum Menschen unterwegs sind, überschüttete er die Gammen mit Benzin und zündete sie an oder verwüstete sie mit der Motorsäge.
Alle Polizeikammern der Finnmark arbeiteten zusammen, um die 43 Fälle von Vandalismus gegen Gammen aufzuklären, aber es gelang ihnen nicht. Audun kam sich wie ein kriminelles Genie vor. Seit Jahren war er nicht mehr so zufrieden mit sich selbst gewesen. Vom Erfolg getrieben, setzte er seinen Guerillakrieg gegen die Samen fort. So hatte er wenigstens eine Aufgabe in einer Welt, in der alle gegen ihn waren. Audun Gåsland schlug zurück, für die vielen Male, die er sich als kleiner Junge in Kjøllefjord nicht hatte wehren können.
Und eines Tages landete ein Förderantrag für ein Projekt namens »Samenland« auf seinem Schreibtisch.
KAPITEL 4
Geir Hilmar Løvås stand auf der schmalen Laderampe hinter dem Einkaufszentrum von Kirkenes und beobachtete einen russischen Seemann, der gerade aus der Kimek-Werft kam, die sich wie ein riesiger Legoklotz auf der anderen Straßenseite erhob. Wahrscheinlich gehörte er zur Mannschaft des russischen Trawlers, der dort auf dem Trockenen lag, um gestrichen und überholt zu werden. An dem Schiffsrumpf war mehr Rost als Farbe zu sehen. Der Mann verschwand hinter dem Einkaufszentrum, und Geir Hilmar schob den Metallcontainer voller Pakete in den Aufzug.
Im ersten Stock lotste er den Container sicher zwischen Schnäppchenjägern hindurch, die auf der Suche nach billigen Kochbüchern und wasserdichten Rucksäcken die Geschäfte abklapperten. Am Wareneingang des Postamtes blieb er stehen, tippte den vierziffrigen Code ein, woraufhin sich die breite graue Metalltür öffnete. Der Container war voller Päckchen und Infobriefen. Im Lastwagen stand ein weiterer Container, für die Filiale im Prix Bjørnevatn. Dort wollte Geir Hilmar die drei Tüten mit Pfandflaschen abgeben, die vor dem Beifahrersitz auf dem Boden standen.
Vor drei Wochen hatten die Bierflaschen neben ihm, verstreut im Heidekraut gelegen. »Was zum Teufel wisst ihr über Einsamkeit?«, hatte er Roy und Leif angeschrien, die am Ufer standen und ihre Angelruten klarmachten. Dann war er von dem kleinen, in seinen Rucksack integrierten Campingstuhl gekippt und bis zu einem Stein gerollt. »Nichts! Nicht die Bohne.« So war es jedes Mal, wenn er mit zum Angeln kam und sich betrank. Darum luden sie ihn auch immer seltener ein. Offenbar fühlte er sich minderwertig in der stillen, endlosen Landschaft, und dass die einzigen Menschen im Umkreis von zehn Kilometern ihn ignorierten und lieber angelten, als seinen Erörterungen über die Einsamkeit zuzuhören, machte es auch nicht besser.
Im Postamt ging Geir Hilmar an Roy vorbei und stellte den Container an der Zementsäule im Sortierraum ab. Roy hielt einen Scanner in der Hand, mit dem er die Pakete vor dem Sortieren registrierte.
»Was ist mit Geldsendungen, Geir Hilmar?«
Geir Hilmar lachte. Sie hatten einen heimlichen Wettstreit um die beste Methode, ihren Arbeitgeber zu berauben. »Geldsendungen, wie was?«
Roy zeigte auf die rote Tasche für Wertsendungen, die Geir Hilmar in der Hand hielt. Sie war aus reißfestem, gummiartigem Kunststoff und mit kräftigem Klebstoff versiegelt, es war fast unmöglich, sie mit bloßen Händen aufzureißen. »Komm mit zum Sortiertisch.« Er nahm ihm die Tasche ab, schnitt sie mit einer Spezialschere auf und zog eine kleinere Tasche heraus, die an die Sparkasse Nordnorwegen adressiert war. »Siehst du, was hier steht?« Roy zeigte auf eine Zahl neben dem Adressfeld.
»Wert: 10 000,–«
»Richtig. Zehntausend Kronen.«
Beim Versenden von Wertpost musste aus versicherungstechnischen Gründen der Wert auf der Verpackung angegeben werden. Wenn dieser die Summe von 10 000 Kronen überschritt, stieg das Porto mit jedem weiteren Tausender.
»Vor ein paar Monaten hab ich aus Versehen eine Wertsendung an die Sparkasse Nordnorwegen geöffnet.« Roy legte die Tasche auf den Sortiertisch. »Ich dachte, sie sei für uns, weil wir auch Valuta bestellt hatten, und die Taschen von der Sparkasse sehen genau so aus. In der Tasche waren Dollars und Euros im Wert von 500 000 Kronen. Die Banken sind so verdammt geizig. Sie gehen das Risiko ein, bloß um Porto zu sparen. Die Sendungen sind nur bis 10 000 Kronen versichert, und dann verschicken sie eine halbe Million auf so unsicherem Weg. Hast du schon mal so einen Kurs mitgemacht, wo sie dir sagen, was du tun sollst, wenn ein Typ mit Maske und Revolver vor dir steht und die rote Tasche haben will? Bestimmt nicht, Geir Hilmar. Du hast noch nicht mal einen Alarmknopf, mit dem du die Polizei rufen kannst. Einfacher geht es nicht, oder?«
Ende der Leseprobe
