Schlaf gut, Böhmen! - Claudia Nentwich - E-Book

Schlaf gut, Böhmen! E-Book

Claudia Nentwich

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Beschreibung

Claudia Nentwich zeichnet in „Schlaf gut, Böhmen!“ die Lebenswege ihrer deutsch­böhmischen Großeltern nach. Grundlage dafür bilden Interviews, die sie mit ihnen in den 1990er Jahren geführt hat. Ein Buch, das die Lebensumstände der letzten Generation von Deutschen in den böhmischen Ländern anschaulich macht.

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Claudia Nentwich , Jahrgang 1962, schreibt Songs und Bücher. Sie lebt in Berlin, hat Sprachen und Gesang studiert und als Musicaldarstellerin, Gesangslehrerin und Online-Journalistin gearbeitet. In ihrem zweiten Interviewbuch beschäftigt sie sich mit ihren deutschböhmischen Wurzeln.

Auch bei BoD erhältlich: Liederfänger – Wege zum Songwriter

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wegpunkte

Großvater 1911–1938 • Lehrjahre

Großmutter 1913–1938 • Familie

Großvater 1938–1941 • Umsturz

Großmutter 1938–1944 • Brüder

Großvater 1941–1945 • Krieg

24/12/1944 • Himmelsbrief

Großmutter 1944–1945 • letzte Tage in der Heimat

Großvater 1945–1946 • Gefangenschaft

Großmutter 1946–1947 • Vertreibung und Lager

Großvater 1947–1949 • Neuanfang

Großmutter 1947–1948 • neue Heimat?

Nachwort

Zum Weiterlesen

Für Julia

Vorwort

Meine Großeltern sind vor fast genau 100 Jahren im heutigen Tschechien geboren. Sie gehörten zur letzten Generation von Deutschen, die im historischen Böhmen geboren wurden. In diese Zeit fiel der Beginn des Ersten Weltkriegs, dessen Ende, 1918, auch das Ende der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie bedeutete und für alle Bürger des Vielvölkerstaates, zu dem auch das historische Böhmen gehörte, große Veränderungen einläutete. Der Zweite Weltkrieg hatte jedoch noch weitaus dramatischere Auswirkungen auf das Leben meiner Großeltern.

In diesem Buch zeichne ich die Lebenswege meiner Großeltern von 1911–1948 nach. Die Grundlage dafür bilden Interviews, die ich mit ihnen in den 1990er Jahren getrennt geführt habe. Hauptsächlich ging es mir bei diesen Interviews um ihre persönlichen Erinnerungen an Familie, Jugend, Alltag, den Zweiten Weltkrieg, die Vertreibung und ihre Ankunft im damaligen Westdeutschland.

Als ich mich Mitte der 1990er Jahre entschloss, Interviews mit meinen Großeltern zu führen, waren sie beide schon Ende 80. Mein Ziel war es, ihnen jeweils ein kleines Büchlein mit den transkribierten Interviews, einem Stammbaum, Fotos etc. zu ihrem 90. Geburtstag zu schenken. Beide willigten zu meiner Überraschung sofort ein, mit mir über ihr Leben zu sprechen. Sie freuten sich natürlich über die Büchlein, aber ich denke, wichtiger war für sie, einfach noch einmal aus ihrem Leben erzählen zu können.

Dann lagen die Interviewbüchlein viele Jahre in meinem Bücherregal. Zunächst hatte ich keine Veröffentlichung geplant. Ab und zu überlegte ich, ob ich sie noch einmal aufnehmen und weiter bearbeiten sollte. Doch dieses Unterfangen scheiterte immer wieder an meiner eigenen Einschätzung der gesellschaftlichen Relevanz und auch vielleicht auch Akzeptanz eines solchen, doch recht persönlichen Dokuments.

Vor einiger Zeit brauchte ich für eine Familienaufstellung Daten über meine Familie. Da ich keine lebenden Familienangehörigen mehr habe, nahm ich mir die Transkriptionen noch einmal vor und stellte beim Lesen fest, dass diese Erinnerungen für mich über die Jahre wichtiger und wertvoller geworden waren. Ich stellte auch fest, dass sich meine Einschätzung bezüglich der Relevanz und auch der gesellschaftlichen Akzeptanz geändert hatte und entschied mich für eine Veröffentlichung.

Ich habe die Interviews so weit als möglich in ihrer ursprünglichen Form belassen. Da sie für mich einen erzählenden Charakter haben, habe ich sie dementsprechend aufgearbeitet. Lediglich an einigen Stellen erschien es mir notwendig, die Erinnerungen meiner Großeltern durch historische, geographische oder kulturelle Kontextverweise zu kommentieren. Aus heutiger Sicht sind einige Formulierungen meiner Großeltern politisch nicht korrekt, illustrieren aber sehr deutlich die Geisteshaltung ihrer Zeit.

Im ersten Teil habe ich die Texte chronologisch aufbereitet, im zweiten Schritt den geschichtlichen Hintergrund ausgeleuchtet. Teilweise gibt es ganz klare Bezüge, oft jedoch wird auf die historischen Ereignisse kaum eingegangen. Durch die Recherchen wurden für mich viele der Schilderungen meiner Großeltern anschaulicher und nachvollziehbarer. Es war nicht einfach, die einzelnen Stationen, speziell des Lebensweges meines Großvaters, nachzuvollziehen, aber mit Hilfe von Landkarten, alten Fotos und dem Internet war es teilweise wie ein spannendes Detektivspiel.

Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich dem Textverarbeitungsprogramm eigentlich auch Dank schulde, es identifizierte über die fehlerhafte Schreibweise von Wörtern punktgenau meine Wissenslücken, wie zum Beispiel Schreibweisen von Namen und Orten. Diese rotunterkringelten Wörter wurden für mich zu „Schlüssellöchern“ für viele überraschende Einblicke in die Welt der 1920er bis 1950er Jahre.

Das Internet war natürlich eine große Hilfe. Meine Recherchen wurden dadurch enorm beschleunigt und lieferten mir Informationen, die man in dieser Form vermutlich kaum woanders finden kann. Ich stellte fest, dass es viele neue Publikationen in Deutschland, Österreich und zunehmend auch in der Tschechischen Republik gibt, die sich mit dem Thema Vertreibung beschäftigen. Klar ist, dass die zeitliche Distanz es uns ermöglicht, die Geschehnisse anders zu verarbeiten als es die unmittelbar Betroffenen konnten. Trotzdem hat es hat mich überrascht, neben dokumentarischer Literatur und Romanen zu diesem Thema, auch eine Anzahl akademischer Qualifizierungsarbeiten zu finden, in denen sich Studierende mit der Geschichte ihrer vertriebenen Familien im wissenschaftlichen Kontext beschäftigen. Diese Art der Auseinandersetzung wäre in meiner Generation noch nicht möglich gewesen.

Auf zwei meiner Funde möchte ich hier kurz eingehen. Es ist vermutlich ein Phänomen, das Hobby-Ahnenforscher schon kennen, aber es hat mich selbst überrascht, wie überwältigt ich war, als ich zum ersten Mal auf „handfeste“ Spuren meiner Familie gestoßen bin. Als bräuchte man einen Beweis dafür, dass die Familienangehörigen wirklich gelebt haben. Nicht nur in Erzählungen im Familienkreis, sondern auch in der Wahrnehmung Anderer.

Da mein Vater aus Breslau stammt, versuche ich, auch über diesen Familienzweig mehr Information zu bekommen. Im Internet fand ich eine Datenbank, die mit den Daten aus dem Breslauer Telefonbuch von 1941 gefüttert wurde. Dort konnte ich zu meiner großen Freude über die Eingabe des Namens meines Großvaters väterlicherseits, seine damalige Adresse in Breslau ausfindig machen.1

Auf einer tschechischen Website2, auf der zahlreiche Fotos über „verschwundene Orte“ liegen, wie das Dorf Kunnersdorf-Hütte, in dem mein Großvater geboren ist, fand ich ein Foto meiner Ururgroßeltern von 1916 (siehe Buchumschlag). Sie führten das Gasthaus „Zur Sonne“. Auf dem Bild posiert die ganze Familie vor dem Gasthof für den Fotografen. Nach einigen Eingaben in tschechisch-deutsche Übersetzungstools und zwei Emailanfragen, fand ich heraus, dass das Foto Teil einer Ausstellung war, die ausgerichtet wurde von einem Museum in Chomutov/ Komotau, dem Oblastní muzeum v Chomutově. Von dort bekam ich postwendend eine freundliche Rückantwort auf meine Email, mit der Erlaubnis, das Foto zu verwenden, und außerdem noch weitere Fotos vom historischen Kunnersdorf.

Wer in diesem Buch die Beschreibung außergewöhnlicher Lebenswege erwartet, wird enttäuscht werden, denn das Schicksal meiner Großeltern war, wenn man journalistische Maßstäbe anlegt, nicht besonders. Sie waren „ganz normale“ Menschen ihrer Zeit, weder im sudetendeutschen Widerstand noch leidenschaftlich in der nationalsozialistischen Bewegung engagiert. Ihre Erzählungen zeigen jedoch sehr deutlich, wie eng ihr Leben, besonders das meines Großvaters, mit dem ihrer tschechischen Landsleute verknüpft war. Erstaunt haben mich auch die oft sehr differenzierten Betrachtungen meiner Großeltern, die so gar nicht zu meinem Bild der Menschen dieser Zeit passten. Sie illustrieren für mich sehr eindrücklich, warum es so schwer war und ist, eine geschichtliche Trennschärfe zu produzieren oder um mit Bismarck zu sprechen, warum „Böhmen eine Gleichung ist, die nicht aufgeht".

Dieses Buch ist ein persönliches Dokument, kein wissenschaftliches, und erhebt demzufolge keinen Anspruch auf Repräsentativität, Vollständigkeit oder Objektivität. Meine Großeltern teilten mir als Enkeltochter biographische Details, ihre Sicht auf die Geschehnisse und ihre Meinungen dazu mit. Mir ist auch klar, dass meine Rolle als interviewende Enkelin einen mehr oder weniger großen Einfluss auf die Rekonstruktion der Erinnerungen meiner Großeltern hatte.

Den Titel dieses Buches: „Schlaf gut, Böhmen!“ verstehe ich nicht als politische Aussage, sondern als eine liebevolle Geste. Ich habe ihn gewählt, in Anlehnung an einen Schlafspruch , den meine Großmutter uns Kindern manchmal aufgesagt hat (wobei ich mir die Freiheit nehme, hier den jeweiligen Namen eines Kindes mit Böhmen zu ersetzen):

„Heia, buje, sausel

Des Katzel is nich zu Hause

Des Hundel tut des Hasel jagen

Tu mer Böhmen schlafen tragen.“

Claudia Nentwich, Berlin, 3. Oktober 2015

1http://www.breslau-wroclaw.de/de/breslau/ab/1941/

2http://www.zanikleobce.cz/

Wegpunkte

Großvater 1911–1938 • Lehrjahre

Franz Xaver Bittner, geboren am

11.04.1911 in Kunnersdorf-Hütte

† 8.10.2004 in Augsburg

Die Jugend war herrlich! Zum Frühstück gab´s Butterbrot, wir hatten vier Ziegen. Da hat es Butter gegeben, auch Milch. Der Vater war 1914–18 eingerückt nach Belgrad, in den Ersten Weltkrieg. Aber Hunger haben wir nicht gelitten, weil, er war ja bei der Bahn und da hat man ein Deputat3 gekriegt. Da sind wir zwei Großen immer mit´m Wagl runter gefahren und haben die Mutter begleitet bis nach Eisenberg zum Bahnhof und da haben wir Erbsen gekriegt, Linsen, Mehl und Rohrzucker. Nein, wir haben keine Not gelitten! Wir haben auch Geld gekriegt, denn das war ja ein Beamter, der Vater. Er war ja Bahnrichter4.

Der Vater war auch sehr angesehen, er ist in Neudorf-Herrlich geboren, das ist bei Dux. Wann, weiß ich nicht mehr. Rauskriegen kann man das schon, da muss man nach Neudorf schreiben, an die Pfarrei, da müsste das alles liegen. Aber er ist in Kunnersdorf-Hütte gut angekommen. Er war bei der Feuerwehr und im Gemeinderat. Der war gut angesehen als Eisenbahner und Bahnrichter. Der Großvater war auch bei der Feuerwehr, ein kleines Mannerl . Weißt du, die Erzgebirgler waren ein bisschen kleiner. Dunkle Haare. Aber gesund waren sie! Der hat auch die Dreherei übernommen von seinem Vater. Aber der Großvater ist nicht draußen geblieben im Erzgebirge, der hat das hinnen gemacht in Kunnersdorf-Hütte. Der hat oben seine Dreherei gehabt, sie hat die Gastwirtschaft gemacht.

Meine Mutter war seine zweite Frau. Ich bin der erste von der zweiten Frau und dann sind die anderen Kinder gekommen. Wir waren ja fünf Kinder aus der zweiten Ehe meines Vaters. Von seiner ersten Frau waren viere, die ist gestorben. Da waren die Miez, der Ferdinand, der Karl und der Joseph. Der Joseph ist nach Bludenz gegangen, der war Betriebsingenieur in einem Elektrowerk. Der hat das Militär nicht mitgemacht in der Tschechoslowakei. Der hat sich gedrückt, der war der Gescheiteste! Die Miez, die war bei einem Bauer als Magd. Der Nand war Knecht und der Karl war ein Musiker, der war aber auch auf dem Grohmannschacht und dem Ellyschacht im Bergbau.

Der Vater war ein gelernter Schuhmachermeister. Er hatte ein großes Diplom im Wohnzimmer hängen gehabt. Gesellen hat er auch gehabt. Er war ein tüchtiger Kerl und dann ist er zur Bahn gekommen. Das war noch in Österreich, als Böhmen noch bei Österreich war (singt und lacht). Das war vor 19185. Du weißt ja, erst waren wir Österreicher, dann Tschechen und dann Deutsche. Naja... Als der Vater gelernt hat, war es ja noch so 1890. Er war auch bei der freiwilligen Feuerwehr. Wenn es ein Feuer gab, haben wir ihm geholfen. Wir sind auf den Dachstuhl raus und haben mit seinem Feuerhorn Feuer geblasen. Er hat sich derweil schnell angezogen drunten!

Urgroßvater Ferdinand Bittner, geboren 1887 in Neudorf/Herrlich bei Dux, verschollen 1945 bei den Wilden Vertreibungen

Kapellmeister war der Vater auch. Die haben daheim auf dem Dachboden geprobt. Ich hab die [anderen Musiker] oft müssen holen. Den Jugl, der war Posaunist und den Schifan, der war Kontrabass. Die haben dann oben gespielt und die Leute haben unten auf der Straße getanzt. Ja, das war angesehen! Der Oswald, mein Bruder, hat Klarinette geblasen, mein Halbbruder Karl hat Flügelhorn geblasen. Das war ja auch dem Vater sein Augenstern. Der war berühmt und hat eine eigene Kapelle geführt. Der hat vom Köhler Kapellmeister einen Teil Leute gehabt und hat im Eisenberger Hotel Tanzmusik gespielt, richtig professionell. Da bin ich immer mitgegangen und war stolz, wenn ich sein Flügelhorn tragen konnte. Manchmal haben die sich oben auf einen Balkon gestellt und feste geblasen und dann haben die unten geklatscht wie verrückt. Das war schön, da konnt ich mitgehen!

Mit vierzehn Monaten hab ich eine schwere Krankheit gehabt und wär fast daran gestorben. Des war so: der Vater ist mal heim gekommen und hat zur Mutter gesagt: „Nimm den Buckelkorb, wir holen Ziegenfutter!“ Na, der mäht geschwind und da haben sie mich hingesetzt, ins Gras. Es war aber schon kalt und da bin ich krank geworden. Wir sind heim gekommen und ich hab Fieber gekriegt. 42 Grad Fieber und ein bißl drüber.

Dann haben sie den Arzt geholt, den Dr. Schimek. Von Eisenberg ist er gekommen mit seinem Steirerwagl. Ein Steirerwagl ist wie eine Kutsche, ein Einspänner. Ja, da ist er gekommen und hat gesagt, er kann da nicht helfen, der Bub ist schwer krank. Er zweifelt, dass er überhaupt noch durchkommt. Ich hab angeblich wie im Wahn mit dem Kopf immer so rüber und nüber gehaut, weil ich halt weg war. Da hat die Mutter so geweint. Das weiß ich noch, obwohl ich so klein war, kann ich mich daran erinnern.

Meine Mutter hatte eine gute alte Freundin, die Frau Brokl. Die kam immer zu uns und kannte sich aus mit dem Kräuterzeug und solchen Sachen. Die hat meine Mutter dann zu Rate gezogen und die hat gesagt: „Wenn der Junge schon sterben soll, dann wenden wir das noch an!“ Na, dann haben sie Spitzwegerich gepflückt und Jauche vom Bauer geholt und den rein getan und gemischt. Ich wusste ja nicht, was ich trinke. Und in ein paar Minuten war das Fieber weg. Das erzähle ich jetzt den Ärzten oft. Damals konnte kein Arzt helfen, die hatten ja nicht die Sachen gehabt, die sie heute haben, Spritzen oder so, nix! Auf einmal war ich wieder munter und hab rausgelächelt.

Dann kam der Arzt in der Früh und hat mich angeschaut: „Ein Wunder“, sagt er, „Frau Bittner, ein Wunder! Aber er wird was davon tragen von der Krankheit.“ Durch diese Hitze, dieses Fieber, hab ich es auf den Bronchien gekriegt, aber mit diesen Bronchien hab ich mich immer gehalten, mein ganzes Leben! Wir haben Sport getrieben, wir zwei Jungs, der Oswald und ich. Schlagball, und gerannt sind wir wie die Wilden. Und so hab ich das Ganze überwunden, bloß haben sie mir auf der Arbeit immer gesagt: „Mensch, Franz, du schnaufst wie eine Dampfmaschine!“ Sag ich, „Aber ihr macht auch nicht mehr als ich, obwohl ich so schnaufe!“

Die Mutter war sehr gut! Da könnt ich heulen, wenn ich an derer denk. Zu Weihnachten hat sie Striezeln6gebacken, zu Ostern hat sie Osterlabeln gebacken und wir hatten immer unser eigenes Brot. Wir haben ja auch Felder gehabt, Roggenfelder. Da gab´s dann Roggenbrot. Sie musste viel arbeiten. Ich hab der Mutter aber auch viel geholfen daheim.

Urgroßmutter Emilie Bittner, geborene Hortig, geboren 1895 in Kunnersdorf-Hütte, gestorben 1929

Mein Halbruder, der Ferdinand, war oft beim Onkel, der war ein großer Bauer. Da hat er gearbeitet und da haben sie ihm, wie eine Abfindung, eine Kuh geschenkt, eine junge. Und die junge Kuh hab halt ich dann gemolken für die Mutter. Ich hab das selber gelernt. Schon bei der Tante hab ich immer probiert und die Milch in die Luft gespritzt. Dann hab ich gesagt, ich kann das auch! Und wenn ich die Milch rein gebracht hab, haben die Leute schon drauf gewartet und gesagt: „Herrgott, heut hat der aber einen Schaum drauf der Mo [Mann]!“