Schlechte Medizin - Gunter Frank - E-Book

Schlechte Medizin E-Book

Gunter Frank

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Beschreibung

Es geht nicht um Ihre Gesundheit. Es geht um Profit

Ein Arzt bricht seine Schweigepflicht: Inzwischen werden in Deutschland massenweise Patienten falsch behandelt. Und zwar systematisch. Gunter Frank zeigt, wie an den verschiedenen Stellen des Medizinbetriebs aus Gier und Eigeninteresse Medikamente und Therapien durchgesetzt werden, die nach Maßgabe von Wissenschaft und Vernunft vor allem eines sind: Schlechte Medizin.

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Dr. med. Gunter Frank

SCHLECHTEMEDIZIN

Ein Wutbuch

Knaus

1. Auflage

Copyright © der Originalausgabe 2012

beim Albrecht Knaus Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Lektorat: Margret Trebbe-Plath

Gesetzt aus der Rotation von Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN 978-3-641-07344-2

www.knaus-verlag.de

Für Valérie,

in Liebe

Vorwort

Liebe Leser,

ich habe lange gezögert, dieses Buch zu schreiben. Denn womöglich werden Sie, nachdem Sie es gelesen haben, bei Ihrem nächsten Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt deutlich skeptischer sein, ob Sie auch richtig behandelt werden. Dies wird womöglich Kolleginnen und Kollegen treffen, die zu Tausenden täglich als Notärzte, im Operationssaal, am Krankenbett viel mehr als ihre Pflicht tun, um für ihre Patienten da zu sein, die sorgfältig die beste Therapie wählen und dabei nicht ihre Karriere und das eigene Konto im Blick haben. In unserem Gesundheitssystem arbeiten sehr viele, sehr motivierte Menschen als Krankenschwestern und Pfleger, als Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, die helfen, auch schwerste Erkrankungen durch sehr gute neue Verfahren erfolgreich zu behandeln, im besten Fall sogar zu heilen. Bei meinen Patienten und auch in der eigenen Familie habe ich das erleben dürfen. Auch Sie haben sicher solche guten Erfahrungen mit Medizin machen können, vielleicht sogar am eigenen Leib. Viele dieser segensreichen Therapien werden in Deutschland täglich durchgeführt, vor allem in der Akutmedizin. Wir reden dabei von guter Medizin und wir müssen auch weiterhin alles dafür tun, dass sie gefördert wird und uns auch weiterhin zur Verfügung steht.

Doch in vielen Bereichen, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und vielen chronischen Leiden, hat gute Medizin es immer schwerer, das ist leider die tägliche Erfahrung in meiner Praxis. Und das ist keine Frage des Geldes oder von privat oder gesetzlich krankenversichert, das Gesundheitssystem ist derzeit ausreichend finanziert. Das Problem ist, dass schlechte Medizin sich immer größere Stücke von diesem Kuchen abschneidet. Während Sie dieses Buch lesen, nehmen Millionen Menschen verschiedenste Medikamente ein, die sie nicht benötigen, die aber schwere Nebenwirkungen haben, in nicht seltenen Fällen sogar tödliche. So leidet laut Robert-Koch-Institut die Hälfte der Bundesbürger an zu hohem Gewicht, ein Viertel an zu hohem Blutdruck, ein Fünftel an zu hohen Blutfettwerten und ein knappes Sechstel an Fettleibigkeit. Von den Deutschen über 65 Jahre gilt jeder fünfte als zuckerkrank. Die allermeisten dieser Menschen sind jedoch gar nicht krank, sondern werden durch die Absenkung von Normwerten buchstäblich für krank erklärt. Sie haben kein erhöhtes Risiko, werden aber trotzdem therapiert. Medikamentenverordnungen beanspruchen deshalb einen immer höheren Anteil der Gesamtausgaben und stehen heute nach den Krankenhauskosten an zweiter Stelle. Doch der Patient profitiert davon nicht. So stuft das arznei-telegramm von den 15 umsatzstärksten Medikamenten nur 4 als positiv ein, das heißt, nur hier hat der Patient einen echten Nutzen zu erwarten, der die schädlichen, oft quälenden Nebenwirkungen deutlich übersteigt.

Als praktischer Arzt weiß ich, wie wichtig Vertrauen in der Medizin ist. Die Arzt-Patienten-Beziehung lebt davon, und man sollte deshalb Vertrauen nicht leichtfertig infrage stellen. Das ist mir nur zu bewusst, aber das systematische Fehlverhalten und die Missstände in unserem Gesundheitssystem haben Ausmaße angenommen, zu denen man nicht mehr schweigen darf. Vertrauen in der Medizin muss auf einem soliden Fundament stehen, dieses Fundament sind die medizinischen Leitlinien und Lehrbücher, sie bilden die Grundlage der täglichen Arbeit in Praxen und Krankenhäusern und haben deshalb immensen Einfluss auf die Patientenbehandlung. Und dieses Fundament ist morsch und brüchig.

Jeden Tag werden in Deutschland unzählige Patienten falsch behandelt. Wie ich zeigen werde, passiert all dies unter Billigung und teils sogar aktiver Mithilfe von Hochschulprofessoren, die diesen Schaden in Kauf nehmen, obwohl es ihre Aufgabe wäre, uns vor solchen Fehlbehandlungen zu schützen. Es geht dabei nicht um Fehlleistungen oder Kunstfehler Einzelner, sondern um ein System, welches schlechte Medizin zum Normalfall macht und sich jeder Kritik entzieht. Warum? Weil es für viele Ärzte in leitenden Hochschulpositionen mit Macht-, Einfluss- und Einkommensverlust verbunden wäre.

Am schlimmsten ist für mich als Arzt das Gefühl, dass ich meine Patienten nicht mehr vor schlechter Medizin schützen kann. Überweise ich zum Beispiel Patienten mit Altersdiabetes in ein diabetisches Spezialzentrum, dann ist die Gefahr groß, dass sie dort medikamentös falsch eingestellt werden, sodass sie sogar früher sterben als ohne Behandlung. Überweise ich einen Patienten wegen Knieschmerzen zum Orthopäden, bekommt er nicht selten ohne Not eine Kniespiegelung verordnet. Überweise ich Patienten in die Universitätsklinik, werden sie unter Umständen dort ungeprüften Hightechverfahren unterzogen, mit ungewissem Ausgang und begleitet von einer Medikation, von der sie vor allem die Nebenwirkungen zu spüren bekommen. Sende ich ein auffällig antriebsschwaches und zufällig auch molliges Kind zur Untersuchung in die Hormonambulanz, werden seine Eltern genötigt, es für ein Abnehmprogramm anzumelden, damit es dort einer nach meinem Dafürhalten unsinnigen Ernährungsberatung ausgesetzt wird, welche dem Kind nachweislich nur Schaden zufügt.

Und das ist noch nicht alles. Schlechte Medizin weitet sich über ihren Anspruch, Gesundheit fördern und Prävention leisten zu wollen, bis tief in unser Privatleben aus, indem sie uns zunehmend vorschreiben will, wie wir zu leben haben. Um dies durchzusetzen und Millionen von neuen Patienten oder besser Kunden zu gewinnen, werden völlig gesunde Menschen unbegründeten Ängsten, aber zunehmend auch Zwängen ausgesetzt. Spricht man die Verantwortlichen darauf an, verweigern sie sich jeder sachlichen Diskussion, und das macht mich wütend. Dabei wäre eine solche Diskussion dringend notwendig, und zwar in aller Deutlichkeit, um endlich einen Verbesserungsprozess zu ermöglichen. Da aber eine ehrliche wie schonungslose Analyse innerhalb der Medizin offensichtlich nicht möglich ist, bin ich überzeugt, dass es richtig ist, diese Missstände mit diesem Buch umfassend öffentlich zu machen.

Ich werde Ihnen in diesem Buch die Realität an den medizinischen Hochschulen zeigen, wo sich entscheidet, wie wir und womit wir Ärzte behandeln. Leider blicken wir dabei in Abgründe. Sichtbar wird eine Wissenschaftswelt, die sich konsequent wehrt, die eigenen Schwächen anzuerkennen, und sich auf diese Weise eine Scheinwirklichkeit aufgebaut hat, die allem Möglichen nutzt, nur nicht Ihrer Gesundheit. So etwas gibt es vielleicht auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft, aber nirgends hat dies so fatale Folgen wie in der Medizin.

Dieser unhaltbare Zustand wurde bisher nicht ausreichend öffentlich diskutiert, auch weil die Zusammenhänge nicht ganz einfach zu verstehen sind. Dies schützt die Verantwortlichen an den Universitäten bisher vor Enttarnung. Ohne für ihr Versagen zur Rechenschaft gezogen zu werden, können sie im Schatten eines schwer durchschaubaren medizinischen Wissenschaftsapparates agieren. Das möchte dieses Buch ändern, mit dem Ziel, die Chancen auf ein leistungsfähiges, nützliches und segensreiches Gesundheitssystem zu verbessern. Dabei verstehe ich mich ganz bewusst als Hausarzt, nicht als Wissenschaftler. Ich fühle mich zuständig für ganz normale Patienten, die sich auf Ärzte und Politik verlassen können müssen. Für sie ist dieses Buch geschrieben.

Gunter Frank

TEIL I

Schlechte Medizin in der täglichen Behandlung

»Im Zustand der Gesundheit keine Arznei zu sich nehmen.«

Arabische Gesundheitsregel

Millionenfache Fehlbehandlungen: Alltag in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern

Stellen Sie sich einmal einen typischen Patienten in meiner Praxis vor. Ein 55-jähriger Mann, 180Zentimeter groß, 90Kilogramm schwer. Er kommt wegenVerdauungsproblemen und Rückenschmerzen. Außerdem möchte er einen kleinen »Check« machen, wissen, wie hoch sein Cholesterinspiegel und Blutzuckerwert sind.Wir messen einen Cholesterinspiegel von 240mg / dl1, einen Blutdruck von 150 / 90mmHg2 sowie einen Nüchternzucker von 115mg / dl.Wenn ich diesen Patienten nach denVorgaben der gängigen Lehrbücher behandeln würde, dann müsste ich folgende Diagnosen stellen und therapeutisch wie folgt tätig werden:

1. Übergewicht

Mit einem Body Mass Index (BMI) von 27,8kg /m23 liegt der Patient über dem Normalgewicht und gilt als übergewichtig. Empfehlung: Gewichtsreduktion durch fettreduzierte Kost und fünfmal Obst und Gemüse amTag.

2. Bluthochdruck

Nach den Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga, einer medizinischen Fachgesellschaft, besteht bei diesem Patienten ein Bluthochdruck Grad1. Deshalb lautet die dringende Empfehlung an ihn, den Salzkonsum einzuschränken.

3. Prädiabetes

Darüber hinaus gilt sein Blutzuckerwert als erhöht, da er über 99mg / dl liegt.

4. Hypercholesterinämie (hoher Cholesterinspiegel)

Da auch sein Cholesterinwert die Marke von 190mg / dl übersteigt, sollte ihm empfohlen werden, weniger Fett zu sich zu nehmen und mehr Sport zu treiben.

Werte für Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker und Gewicht, die über der Norm liegen, gelten als Risikofaktoren.Wenn dann die einzelnen Risikofaktoren, wie von den Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga gefordert, addiert werden, muss dem Patienten ein stark erhöhtes Risiko für eine Herzerkrankung bescheinigt werden. Darüber hinaus besteht wegen des Übergewichts gemäß Deutschem Krebsforschungsinstitut (DKFZ) ein erhöhtes Krebsrisiko. Die dringende Empfehlung lautet also: gesünder essen, mehr bewegen und in 3 Monaten eine Kontrolle vornehmen lassen.

Die Kontrolluntersuchung zeigt dann keine wesentlichen Änderungen. Ich schicke den Patienten zum Kardiologen, der beginnende leichte Ablagerungen in den Halsschlagadern feststellt und einen leicht verzögerten Blutdruckrückgang nach dem Belastungs-EKG. Nun folgen Überlegungen zum Einsatz von Medikamenten, um das Risikoprofil zu verbessern. 2 Tabletten werden verordnet: Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels und ein ACE-Hemmer zur Senkung des Blutdrucks. Bezüglich des Zuckerprofils wird abgewartet, doch eine medikamentöse Senkung wird wahrscheinlich, denn auch der Langzeitzuckerwert, das HbA1c, liegt über 6 und damit über Norm.

Nach einigenWochen kommt der Patient wieder und klagt über Reizhusten und Muskelschmerzen. Da ich gelesen habe, dass ACE-Hemmer nicht selten Reizhusten auslösen, wechsle ich auf ein sogenanntes Diuretikum gegen den Bluthochdruck. Für die Muskelschmerzen empfehle ich eine Salbe, verschreibe Magnesiumtabletten. Da die Schmerzen jedoch bis zum nächstenTermin bei mir nicht verschwunden sind, überweise ich den Patienten zu einem Orthopäden und zu einem Neurologen. Außerdem nehme ich erneut Blut ab, um eine entzündliche chronische Muskelerkrankung als Ursache auszuschließen. Bezüglich des Gewichts empfehle ich dieTeilnahme an einem wissenschaftlich begleiteten Abnehmprogramm der mit Ernährungsberatung. Da dieVerdauungsbeschwerden zunehmen, stelle ich zusätzlich die Diagnose Reizdarm und stelle eine Überweisung zum Darmspezialisten aus, der eine Darmspiegelung durchführen soll. Er findet nichts, empfiehlt aber wie die -Ernährungsberater zusätzlich Ballaststoffe. Dadurch verschlechtern sich die Beschwerden weiter.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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