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Die Heilkraft Ihrer Hände
Akupressur löst Energieblockaden, lindert Schmerzen und stärkt das Immunsystem - und das nur durch sanften Druck Ihrer Finger auf bestimmte Körperpunkte.
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2020
Marlene Weinmann studierte Biologie mit Schwerpunkt Humangenetik und Neurologie. Sie publiziert seit vielen Jahren als Fachautorin und Medizinjournalistin mit den Schwerpunkten »Gesundheit«, »Ernährung« und »alternative Heilmethoden«. Ihr besonderes Interesse gilt fernöstlichem Heilwissen, wie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der alten indischen Heilkunde Ayurveda.
Weinmann
Schmerzfrei durch Fingerdruck
Die 200 wichtigsten Akupressurpunkte
Einleitung
Harmonisierung der Lebensenergien
Heilen von eigener Hand
Heilen im Reich der Mitte
Harmonie von kleinem und großem Kosmos
Den Gesetzmäßigkeiten folgen
Ganzheitliche Heilung
Vorsorgen statt nachträglich kurieren
Die fünf Elemente
Eine faszinierende Theorie
Die fünf Elemente und ihre Verknüpfungen
Yin und Yang – immerwährender Austausch
Gegensätzliche Pole
Was entspricht Yin oder Yang?
Qi – der Fluss des Lebens
Essen für das gesunde Gleichgewicht
Nahrungsmittel nach Temperaturbereichen
Die Heilkraft der Hände
Das praktische Einmaleins der Akupressur
Was heißt Akupressur?
Frühe Wurzeln …
… in allen Kulturen und sogar im Tierreich
Eine umfangreiche Palette
Wie wirkt Akupressur?
Organe als Funktionskreise
Meridiane – die Wege des Lebens
Die Wurzeln von Gesundheit und Krankheit
Zwölf mal zwei plus zwei mal eins
Wo unsere Energie fließt
Der Verlauf der Meridiane
Die goldenen Regeln der Akupressur
Die Grifftechniken
Die Moxibustion
Erlaubte und nicht erlaubte Anwendungen der Moxibustion
Auf den Punkt – fertig, los
Akupressieren wie die alten Meister
Die Grenzen der Akupressur
Der Arzt als Partner
Akupressur für Kinder
Rundum gesund mit Akupressur
Das Wichtigste über die Akupressurpunkte
Wie Sie auf den Punkt kommen
Abstimmung mit dem Arzt oder Heilpraktiker
Die fünf Elemente und ihre Zuordnungen
Beschwerden und ihre Behandlung
Appetitlosigkeit
Asthma
Bauchschmerzen
Bettnässen
Blähungen
Blasenentzündung
Bluthochdruck
Durchblutungsstörungen
Durchfall
Erkältungen
Gallenblasenfunktionsstörungen
Hämorrhoiden
Hexenschuss und Ischias
Konzentrationsstörungen
Kopfschmerzen
Magenbeschwerden
Menstruationsbeschwerden
Nackenschmerzen
Nasenbluten
Nasennebenhöhlenentzündung
Niedriger Blutdruck
Ödeme
Psychische Probleme
Raucherentwöhnung
Rheumatische Beschwerden
Schlafstörungen
Schwangerschaftsbeschwerden
Sehstörungen
Sexuelle Probleme
Verstopfung
Wechseljahresbeschwerden
Zahnschmerzen
Die zwölf Meisterpunkte
Shiatsu – die Kunst des Berührens
Wie Finger heilen
Die Geschichte des Shiatsu
Amma – die »Urmutter« des Shiatsu
Die Entstehung des modernen Shiatsu
Die Bedeutung des Shiatsu
Was Akupressur und Shiatsu voneinander unterscheidet
Tsubos – die Schrittmacher der Energie
Jitsu und Kyo – Überfluss und Mangel
Richtig Shiatsu geben
Hara – gebündelte Lebenskraft
Die Shiatsu-Behandlung im Einzelnen
Selbstmassage mit Shiatsu
Für den Augenbereich
Für den Nasenbereich
Für Kopf und Nacken
Für den Hals
Für die Schultern
Für die Brust
Für den Rücken
Für den Bauch
Für die Arme
Für die Beine
Fußreflexzonenmassage
Hände als Heilmittel
Anwendungsbereiche
Grenzen der Reflexzonenmassage
Vorbeugung und Linderung
Das Grundprogramm
Die Kopfzonen
Die Zonen des Bewegungsapparats
Die Schultergürtel- und Nackenzonen
Die Zonen von Armen und Beinen
Die Zone des Lymphsystems
Die Atemwegszonen
Die Zonen von Herz und Kreislauf
Die Zonen von Solarplexus und Zwerchfell
Die Zonen der Verdauungsorgane
Die Harnwegs- und Nierenzonen
Die Zone der Beckenorgane
Die Zonen der endokrinen Drüsen
Entspannender Abschluss
Register
»Das Allerweichste auf Erden überwältigt das Allerhärteste.« Gut möglich, dass Laotse, der große chinesische Philosoph und Begründer des Taoismus, auch an die Heilmassagen der Traditionellen Chinesischen Medizin dachte, als er diese Zeilen um 500 v. Chr. schrieb.
Akupressur wie auch Shiatsu, die beide auf den gleichen Grundsätzen beruhen, sind solche »weichen« Heilkünste, die Verstocktes ins Fließen und Verschobenes wieder ins Gleichgewicht bringen wollen – nach Ansicht der alten Medizin aus dem Reich der Mitte die unabdingbare Voraussetzung von Gesundheit und Wohlbefinden. Die Ursachen aller Krankheiten sind demzufolge im Ungleichgewicht der Lebenskräfte in uns zu suchen.
Diesem Ziel – die Balance der Lebenskräfte in uns zu erhalten und immer wiederherzustellen – haben sich die chinesische Druckpunktmassage Akupressur und die japanische Heilmassage Shiatsu verschrieben. Beide sind ganzheitliche Heilmethoden, da sie eine Trennung von Körper und Seele nicht kennen und jede Erscheinung nicht in einzelne Faktoren zerlegen, sondern nur in ihrer Beziehung zum Ganzen betrachten.
Bei Akupressur und Shiatsu wird durch das Stimulieren bestimmter Punkte auf den Meridianen, den Energieleitbahnen, der Energiefluss angeregt und so ein harmonisches Gleichgewicht hergestellt. Beide Methoden ermöglichen es uns also, mit körpereigenen Kräften selbst für Wohlbefinden und Gesundheit Sorge zu tragen, indem fehlgeleitete Energien wieder richtig gesteuert und blockierte freigesetzt werden.
Überall dort, wo eine Störung des körperlichen, geistigen und seelischen Befindens von einem Ungleichgewicht der Lebenskräfte herrührt, können mit Hilfe von Akupressur und Shiatsu ein heilsamer Ausgleich dieser Energien und damit eine wirksame Linderung erzielt werden. Mit diesen altbewährten Heilmassagen haben Sie es im wahrsten Sinn des Wortes selbst in der Hand, zur Erhaltung Ihrer Gesundheit beizutragen: Alles, was Sie benötigen, sind Ihre Hände sowie die Bereitschaft, sich der Gedankenwelt des Fernen Ostens zu öffnen und sich auf die Begegnung mit Ihrem Körper einzulassen.
Alles Weitere, nämlich wie genau Sie Ihre Hände zum »Heilen durch Berührung« einsetzen können, möchte Ihnen dieses Buch vermitteln. Zunächst entführt es Sie in die faszinierend andere Welt der traditionellen Medizin Chinas, ihrer Grundlagen und ihrer Sicht von Gesundheit und Krankheit. Darauf aufbauend lernen Sie Wesen, Wirkung und praktische Durchführung von Akupressur und Shiatsu kennen, um jederzeit in den Genuss der zahlreichen wohltuenden Wirkungen dieser Heilweisen zu kommen und einfache Störungen Ihrer Gesundheit auch selbst behandeln zu können. Vielleicht gehören dann auch Sie bald mit zum Kreis jener, die auf Akupressur und Shiatsu als einfache und natürliche Hilfe zur Selbsthilfe nicht mehr verzichten und sich ihrer zur tagtäglichen Pflege Ihrer Gesundheit bedienen möchten.
Marlene Weinmann
Akupressur ist eine seit über 5000 Jahren bewährte Heilmethode zur selbständigen Behandlung bei einfachen Beschwerden. Noch heute ist die Druckpunktmassage, wie Akupressur auch genannt wird, als praktische und »alltagstaugliche« Methode zur Selbsthilfe jedem Chinesen vertraut. Dabei wird durch Stimulierung bestimmter Punkte auf den Meridianen – das sind Energieleitbahnen – der Fluss lebenswichtiger Energien im Körper angeregt, um das harmonische Gleichgewicht und – untrennbar damit verbunden – die Gesundheit zu erhalten.
Der chinesischen Weltanschauung zufolge ist alles in die Regeln und Gesetzmäßigkeiten der Natur eingebunden: Jedes lebende Wesen ist als kleine, in sich geschlossene Einheit harmonisch in das große Gefüge des gesamten Kosmos eingebettet. Deshalb werden in der Medizin aus dem Reich der Mitte seelische und körperliche Störungen und deren Ursachen in einem vollkommen anderen Zusammenhang gesehen als bei uns üblich.
Mit dieser anderen Auffassung von Gesundheit und Krankheit wollen wir Sie nun näher bekannt machen, damit Sie die Empfehlungen zur Behandlung einfacher Beschwerden besser nachvollziehen können. So verstehen Sie, was in Ihrem Körper geschieht, wenn Sie die Akupressur bei sich anwenden.
Nach dem Verständnis der alten Heilkunst und Philosophie der Chinesen ist der Mensch als Mikrokosmos in den Makrokosmos eingebunden und unterliegt dessen Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Die vergleichsweise kleine, in sich geschlossene Einheit des menschlichen Organismus ist Abbild des großen Kosmos: Alles, was in unserem Körper geschieht, spiegelt die Abläufe in dem uns umgebenden Makrokosmos wider.
Diese natürliche Ordnung ist Grundvoraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden. Sie sollte von jedem Menschen angestrebt werden; denn wer nicht im Einklang mit dem Kosmos lebt, befindet sich in einem Zustand des Ungleichgewichts – und dies kann zu Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen führen. Die Akupressur ist auf die Erhaltung dieser natürlichen Ordnung ausgerichtet, indem sie die Lebensenergie im Gleichgewicht hält und Störungen, die ihren freien Fluss im Körper beeinträchtigen, beseitigt.
Im Zentrum der westlichen Medizin steht stets der kausale Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Verschiedene einzelne Faktoren gelten als Ursache von Krankheiten. Die chinesische Heilkunst dagegen geht davon aus, dass jede Erscheinung nur in ihrer Beziehung zum Ganzen verstanden werden kann und damit ganzheitlich betrachten werden muss. Demzufolge entstehen Krankheiten dann, wenn das Gleichgewicht der Lebensenergien eines Menschen gestört ist und er der natürlichen Ordnung verlustig gegangen ist.
So werden also nicht die Symptome gesucht und bekämpft, sondern die tieferen, die eigentlichen Ursachen erforscht und die Bedingungen für ihr Vorhandensein überwunden. So kann letztlich alles – Störungen im körperlichen oder seelischen Bereich, aber auch chronische organische oder psychische Leiden – auf einfache, natürliche Ausgangspunkte zurückgeführt werden. Hier wird »der Hebel angesetzt«, um das ganze komplexe System wieder in Einklang mit den kosmischen Gesetzen zu bringen.
Die chinesische Sicht
Der chinesische Arzt sieht das, was hierzulande als Ursache einer Beschwerde gilt, nur als deren Symptom. Eine Virusinfektion ist in der westlichen Medizin z. B. die Ursache einer Grippe. Die chinesische Medizin dagegen versteht den Befall von Krankheitserregern als Symptom dafür, dass der Patient bereits aus dem energetischen Gleichgewicht geraten und folglich sein Immunsystem zu geschwächt ist, um die Grippeviren abzuwehren. Beseitigt man diese, bessern sich zwar die typischen Grippesymptome, die eigentliche Krankheitsursache ist jedoch noch nicht behandelt.
Deshalb sucht die chinesische Medizin nicht nach einzelnen Faktoren, sondern richtet ihre Aufmerksamkeit stets auf den gesamten Organismus. So werden im Rahmen der Anamnese neben den auch bei uns üblichen Fragen zur Krankheitsgeschichte und den auftretenden Beschwerden zusätzlich Informationen über die Lebensumstände, Gewohnheiten und Neigungen des Patienten gesammelt.
Dazu gehören u. a. seine Ernährung, sein soziales Umfeld und seine seelische Befindlichkeit. Aus all diesen Daten ergibt sich schließlich das, was man in der chinesischen Medizin das »Muster der Disharmonie« nennt: Es beschreibt den Zustand des Ungleichgewichts, in dem sich der betreffende Patient befindet, welches ihn schwächt und anfällig für schädliche äußere Einflüsse macht.
Diese Einflüsse können zum einen innerer Natur sein wie etwa eine ungesunde Ernährung und eine Lebensführung, die den natürlichen Rhythmen zuwiderläuft, sowie seelische Probleme und Konflikte. Zum anderen können uns aber auch äußere Einflüsse aus dem energetischen Gleichgewicht bringen und gesundheitliche Störungen hervorrufen.
Zu diesen krankheitsfördernden äußeren Faktoren zählt die chinesische Medizin die fünf Energien: Wind, Trockenheit, Nässe, Wärme und Kälte. Diese können einzeln für sich, aber auch im Verbund auftreten, beispielsweise als kalter Wind oder als feuchte Kälte. Jede der genannten Umweltenergien wird der Jahreszeit zugeordnet, in der sie am meisten vorherrscht: die Kälte dem Winter, der Wind dem Frühjahr, die Wärme dem Sommer, die Nässe dem Spätsommer und Frühherbst und die Trockenheit dem Spätherbst. Auch hier herrscht also Übereinstimmung mit den natürlichen Abläufen.
Stets in Harmonie mit der Natur
Normalerweise kann der gesunde Mensch, dessen Energien sich im Gleichgewicht befinden, schädlichen Einflüssen trotzen. Sind seine Abwehrkräfte jedoch durch einen Zustand der Disharmonie geschwächt, kann es geschehen, dass er sich durch kalte Zugluft und nasse Füße eine Erkältung holt. Zentrales Anliegen aller Methoden, derer sich die chinesische Medizin bedient, ist es deshalb, das harmonische Gleichgewicht zu erhalten und die natürliche Ordnung zu fördern.
Im alten China galten nicht diejenigen Ärzte als die besten, die am meisten Patienten hatten, sondern jene, welche die meisten gesunden Menschen betreuten. Sie waren die angesehensten und auch die wohlhabendsten. Denn zu den damaligen Zeiten war es Brauch, dass ein Arzt nur so lange Honorar erhielt, wie sein Patient gesund blieb. Wurde er krank, bekam der zuständige Heilkundige auch kein Geld mehr.
Diese Gepflogenheit macht deutlich, worauf alle Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin – nicht nur der Akupressur – abzielen: den Menschen vor Krankheit zu bewahren. Ein altes chinesisches Sprichwort besagt: »Eine Krankheit zu heilen, die schon existiert, ist, als ob man einen Brunnen gräbt, nachdem man Durst bekommen hat.«
Wer den Menschen als Teil des Kosmos versteht, benötigt ein Modell, das die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen uns und unserer Umwelt aufspürt, systematisiert und erklärt. Diesem Erfordernis wird die Lehre von den fünf Elementen gerecht: eine grundlegende Theorie der chinesischen Medizin. Sie ordnet alle Erscheinungen fünf grundsätzlichen Prozessen zu und erklärt, welche Beziehungen zwischen Elementen, Vorgängen in der Umwelt, Organen, Körperzonen, Energien und Stimmungen bestehen. Wer diese Relationen kennt, weiß auch, welches Organ zu welcher Jahreszeit besonders anfällig ist oder wie sich eine bestimmte Umweltbedingung auf den Zustand eines Organs auswirkt.
Die chinesische Lehre von den Elementen unterscheidet Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Diese bauen aufeinander auf.
Holz fördert Feuer.
Feuer entwickelt Erde.
Erde birgt Metall.
Metall lässt Wasser entstehen (durch Kondensation auf einer kalten metallischen Oberfläche).
Dank Wasser kann Holz wachsen.
Genauso gibt es auch Kontrollmechanismen:
Holz kontrolliert Erde.
Feuer kontrolliert Metall.
Erde kontrolliert Wasser.
Metall kontrolliert Holz.
Wasser kontrolliert Feuer.
Jedes dieser Elemente wird mit ganz bestimmten Jahreszeiten, Farben, Geschmacksrichtungen, Körperteilen und Emotionen verknüpft (siehe unten).
Element
Jahreszeit
Farbe
Geschmack
Körperteil
Emotion
Holz
Frühling
Grün Blau
Sauer
Leber, Gallenblase, Sehnen, Augen, Muskeln
Wut
Feuer
Sommer
Rot
Bitter
Herz, Blutgefäße, Dünndarm, Zunge
Freude
Erde
Hochsommer
Gelb, Gelbbraun
Süß
Milz, Magen, Mund
Sorgen
Metall
Herbst
Weiß
Scharf
Dickdarm, Lungen, Nase, Haut
Trauer
Wasser
Winter
Schwarz
Salzig
Nieren, Blase, Ohren, Haare, Knochen
Furcht
Die Ausgewogenheit der fünf Elemente gilt in der chinesischen Medizin als wichtige Voraussetzung zur Erhaltung unserer Gesundheit: Gewinnt eines die Oberhand, wird der Organismus geschwächt und anfällig für Krankheiten. Da jedes Element aus einem anderen hervorgeht, können sich alle untereinander beeinflussen, also schwächen oder stärken. Dieses Beziehungsgeflecht bildet die Grundlage für die Diagnose einer gesundheitlichen Störung, und die Behandlung wird darauf abgestimmt. Die Lehre von den Elementen findet jedoch nicht nur an kranken Tagen Anwendung, sondern dient u. a. auch zur Klassifizierung von Nahrungsmitteln und ihren Wirkungen auf unseren Körper (siehe → Seite 29).
Die chinesische Medizin versucht die Ursachen einer Erkrankung in verwandten Elementen zu finden.
Leberbeschwerden (Holz) können unter Umständen von einer Nierenschwäche (Wasser) herrühren.
Ein schwacher Magen (Erde) ist vielleicht auf eine übermäßige Aktivität der Leber (Holz) zurückzuführen.
Diese Zusammenhänge verwirren Sie anfangs vielleicht, denn unserer westlichen Betrachtungsweise ist die Theorie der fünf Elemente vom Prinzip her fremd, obwohl auch die frühgriechische Philosophie vier Elemente unterscheidet und bestimmten Erscheinungen zuordnet. Bald aber werden Sie anhand dieses Modells Krankheitsprozesse im Körper besser verstehen. Bei den Behandlungen (siehe → Seite 69) werden Sie im Zuge der Beschreibung der jeweiligen Krankheitsbilder und Ursachen zum Teil wieder auf diese Zuordnungen stoßen.
Die Traditionelle Chinesische Medizin geht von der Vorstellung aus, dass ein Mensch nur dann gesund ist und es auch dauerhaft bleiben kann, wenn sich in seinem Körper Energie und Materie in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Diese beiden gegensätzlichen Kräfte werden symbolisiert durch Yin und Yang, zwischen denen ein beständiger Energieaustausch stattfindet.
Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Prinzipien ist verantwortlich für die Gesundheit von Körper, Geist und Seele. Oder andersherum: Viele Krankheiten werden darauf zurückgeführt, dass eines von beiden zu sehr überwiegt. Akupressur hilft, das Verhältnis zwischen Yin und Yang immer wieder auszugleichen und damit die Lebensenergie, das Qi (siehe → Seite 26), in beständigem Fluss zu halten.
»Yang« bedeutet wörtlich übersetzt »Sonnenlicht«, »Yin« heißt »Schatten«. Diese beiden Prinzipien sind keine materiellen Erscheinungen, sondern Symbole, mit deren Hilfe ein Phänomen in seiner Beziehung zu anderen und als Teil des großen Ganzen, des Kosmos, erfasst werden soll. Yin und Yang symbolisieren Polarität und Gegensätze, wobei eines ohne das andere nicht existieren kann. Besonders anschaulich wird das beim Betrachten des Yin-Yang-Symbols: Der Kreis ist das Tao, der Beginn und das Ende allen Seins. Yin und Yang füllen diesen Kreis aus und gehen dabei harmonisch ineinander über. Im dunklen Teil des Yin steht ein kleiner heller Teil des Yang und umgekehrt – die beiden ergänzen und bedingen einander. Alles und jedes hat also stets zwei Aspekte. Die Harmonie bzw. Disharmonie zwischen diesen Aspekten bestimmt darüber, ob sich ein System im Gleichgewicht befindet oder instabil ist.
Yang ist das männliche Prinzip, Yin das weibliche. Auf unseren Körper bezogen ist die Vorderseite Yin, die Rückseite Yang; die äußeren Teile wie Haut und Haare sind mehr Yin, Sehnen und Knorpel dagegen mehr Yang. Yin und Yang lassen sich auch auf Krankheiten beziehen: Beschwerden, die sich in Schwäche, Langsamkeit und Frieren äußern, sind Yin; jene, die mit Fieber und übermäßiger Aktivität einhergehen, gelten als Yang. Auch Nahrungsmittel werden nach Yin und Yang eingeteilt (siehe → Seite 29). Nachfolgend eine Übersicht über die wichtigsten Entsprechungen der beiden Prinzipien.
Yin
Yang
Kalt
Warm
Erde
Himmel
Wasser
Feuer
Mond
Sonne
Regen
Wind
Herbst
Frühling
Stilles
Bewegtes
Winter
Sommer
Dunkel
Hell
Weiblich
Männlich
Nacht
Tag
So gegensätzlich Yin und Yang sein mögen, getrennt werden können sie nicht: »Sein und Nichtsein erzeugen einander. Schwer und Leicht vollenden einander. Lang und Kurz gestalten einander. Hoch und Tief verkehren einander. Stimme und Ton vermählen einander. Vorher und Nachher folgen einander« – so steht es im »Tao-the-ching«, dem heiligen Buch vom Weg und von der Tugend, geschrieben.
Einen reinen Yin- oder Yang-Typ gibt es natürlich nicht, da die beiden Prinzipien untrennbar miteinander verbunden sind. Dennoch lässt sich anhand einiger Charakteristika eine gewisse Tendenz zum Yin- oder zum Yang-Typ feststellen.
Yang-Typ
Muskulös; gut durchblutete, warme Haut und volle LippenIsst gern und vielEnergisch und temperamentvollEher extrovertiert, offen und neugierigTendenz zu hohem BlutdruckYin-Typ
Zarte und langgliedrige Statur mit gering ausgebildeten MuskelnNeigt zu FettansatzEher blasse und trockene HautFriert leicht und fühlt sich schnell erschöpftEher introvertiert und in sich zurückgezogenMeist niedriger BlutdruckMit Qi bezeichnet die chinesische Medizin die Lebensenergie und damit jene Kraft, die Materie bewegt und alle Funktionen des Organismus unterhält. Qi gilt als Yang-Substanz, und entsprechend wird ein Qi-Mangel als Yin-Zustand erklärt. Diese Lebenskraft wird umfassend verstanden, denn alles ist aus Qi zusammengesetzt und durch sein Qi definiert. Nach Ansicht der chinesischen Heilkunde fließt die Lebensenergie in einem eigenen System von Leitbahnen, den Meridianen (siehe → Seite 46), durch unseren Körper und verbindet die Organsysteme miteinander.
Bei der Akupressur werden bestimmte Punkte, die auf diesen Leitbahnen liegen, gedrückt: Dies erhält den harmonischen Fluss der Lebensenergie aufrecht – die Grundvoraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden.
Unsere Lebensenergie hat vielfältige Aufgaben im Körper: Als Ursprung schlechthin begleitet sie jede Bewegung, die wir ausführen. Ebenso schützt und bewahrt das Qi den Körper, seine Organe und Substanzen und unterhält die Umwandlungsprozesse (Stoffwechsel). Darüber hinaus ist es für den Wärmehaushalt in unserem Körper verantwortlich.
Im Reich der Mitte orientiert man sich beim Thema »ausgewogene Ernährung« nicht nur am richtigen Verhältnis von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweiß sowie am Vitamingehalt. Als ausgewogen und folglich als gesund gilt die Ernährung vor allem dann, wenn sie das Qi am Fließen und Yin und Yang im Gleichgewicht hält. Deswegen teilt die chinesische Gesundheitslehre die Nahrungsmittel in bestimmte Kategorien ein, je nachdem, welche Wirkung sie auf unseren Körper ausüben und in welcher Weise sie ihn beeinflussen.
Zunächst wird die Nahrung den fünf Elementen mit ihren Geschmacksrichtungen süß, sauer, scharf, bitter und salzig zugeordnet. Süße, saure und salzige Nahrungsmittel haben eher Yin-Eigenschaften, während alles Scharfe und Bittere zu Yang gehört.
Außerdem wird nach fünf Temperaturbereichen (siehe →
Seite 29
) unterschieden – von heiß über warm zu neutral, weiter zu kühl und schließlich zu kalt. Zu Yang zählen die heißen und warmen Nahrungsmittel, die neutralen, kühlen und kalten gehören dagegen zu Yin.
Nahrungsmittel gelten in der chinesischen Medizin nie als »gut« oder »schlecht«. Deswegen hält man auch nicht viel von den bei uns üblichen Diäten, bei denen oftmals auf bestimmte Produkte gänzlich verzichtet wird. Denn einseitige Ernährung schwächt die Energien: Wer beispielsweise grundsätzlich kein Fleisch zu sich nimmt, schwächt sein Yang. Ein Zuviel an tierischer Kraftnahrung dagegen ist den Yin-Energien abträglich. Die Traditionelle Chinesische Medizin bewertet eine bestimmte Speise danach, ob sie das harmonische Zusammenspiel der Kräfte im Körper gewährleistet und damit den Menschen gesund erhalten kann.
Die richtige Nahrung bei Yin- oder Yang-Mangel
Als Grundregel gilt: Bei einem Überschuss von Yang sollten Sie Yin-Nahrung bevorzugen, bei Yang-Mangel entsprechend die Yang-Nahrung. Oder anders ausgedrückt: »Kalte« Menschen sollten mehr heiße oder warme und scharfe sowie süße Nahrungsmittel zu sich nehmen, während die eher »heißen« Zeitgenossen sich verstärkt an kühle, kalte und bittere, salzige sowie saure Nahrung halten sollten.
Da Krankheiten aus Sicht der chinesischen Medizin durch ein Ungleichgewicht von Yin und Yang hervorgerufen werden (siehe → Seite 23), lassen sie sich durch eine Ernährung, die das Gleichgewicht der beiden Prinzipien wiederherstellt, günstig beeinflussen und lindern. Bei Erkältungen findet sich beispielsweise meist ein Yin-Überfluss im Körper, dem Sie mit heißen und warmen Nahrungsmitteln (siehe → Seite 29) begegnen sollten – wie Ingwertee, gedünstetem Fisch oder Hühnerbrühe. Stellt sich jedoch Fieber ein, muss das Yang vorzugsweise mit Zitronensaft, Salaten, Joghurt sowie Äpfeln und Bananen gesenkt werden.
