Schmunzelstories 5 - Miriam Hinders - E-Book

Schmunzelstories 5 E-Book

Miriam Hinders

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Beschreibung

Schmunzelstories entstehen ganz oft dort, wo es menschelt. Sie erzählen kurz und liebevoll aufbereitet von den zauberhaften Momenten des Lebens. Träumereien und liebenswerte Schrullen werden darin mit großem Respekt gewürdigt. Überraschende Wendungen ergeben sich immer dann, wenn sprachliche Verwirrungen zu entwirren sind, Kommunikationsfallen umschifft werden müssen oder Perspektivwechsel plötzlich zu neuen Erkenntnissen und Ideen führen. Diese Kurzgeschichten leben vom sorgfältigen Hinsehen. Sie geben den kostbaren Details eine Bühne. Hier wird gelebt, gekocht, gegessen, gereist, gearbeitet und fröhlich gespielt. Schmunzelstories haben das Potenzial, die eigene Zuversicht zu stärken. Bereitwillig nehmen sie alle mit, die sich beim Lesen gerne auf eine fröhliche Auszeit einlassen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Miriam Hinders

Schmunzelstories 5

07/2024 – 06/2025

© 2025 Miriam Hinders

Covergrafik von Brigitte Ordowski

ISBN Softcover:

978-3-384-68439-4

ISBN Hardcover:

978-3-384-68440-0

ISBN E-Book:

978-3-384-68441-7

Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:[email protected]

Für Gitti

Seit nunmehr fünf Jahren schreibe ich jede Woche eine neue Schmunzelstory. Einmal im Jahr fasse ich das Ergebnis in einem Buch zusammen. Heute präsentiere ich nun sehr gerne den fünften Band meiner Buchreihe.

Auf den folgenden Seiten gibt es die Texte zu lesen, die ich zwischen Juli 2024 und Juni 2025 verfasst habe. Als kleines Extra hänge ich drei zusätzliche Geschichten an, die meiner virtuellen Feder exklusiv für dieses Buch entflossen sind.

Meine Geschichten erzählen von den kostbaren kleinen Situationen, die vermutlich fast alle einmal erleben, die Spaß daran finden, genau hinzusehen. Ich fange die Magie alltäglicher Begegnungen ein und beschreibe sie, um der Welt ein Schmunzeln und ein wenig Freude zu schenken. Viele der so beleuchteten Erlebnisse entspringen wahren Begebenheiten, manche dagegen sind frei erfunden. Wie immer habe ich mir erlaubt, meiner Fantasie an verschiedenen Stellen freien Lauf zu lassen.

Nun wünsche ich viel Vergnügen beim Lesen!

Miriam Hinders

Inhalt

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Widmung

Wassersport zu Hause

Sehen und staunen

Mit Leib und Seele

Unter freiem Himmel

Gut geschlafen

Toller Fisch am Freitag

Drinnen ausfahren

Noch eine Demie

Aus dem Untergrund

Das ist quergestreift

Vom Drang zur Eile

Strandgut

Auf der Stelle

Stammelvarianten

Spielend erholt

Textsicher oder so

Es ist ein Omen

Herbstimpressionen

Ort und Zeit

Wandle mit mir

Alles klar

Voll im Trend

Irre relevant

Die Ferien des Moctezuma

Land und Leute

Von Herzen

Ohne Worte

Das Ziel im Blick

Lust auf Neues

Inspiriere mich

Vom Floh zum Zirkus

Mein innerer Kompass

Schmoren lassen

Ins Bild setzen

Woher der Wind weht

Neue Saiten

Zu verifizieren

Choreographien des Alltags

Hausgemacht

Unsichtbares Konfetti

Die Geste des Pinguins

Die Antwort des Wirtes

Nur eine Phase

Dem Bild entstiegen

Irgendwas ist immer

Dem Obwohl getrotzt

Ein Erdbeertraum

Erfolgreich vereitelt

Wo der Impuls Platz nimmt

Uns geht ein Licht auf

Auf leisen Sohlen

Wie viel gemeint ist

Kleines Extra – Schnitzeljagd

Kleines Extra – Tuk Tuk

Kleines Extra – Gesichtslektüre

Danke

Schmunzelstories 5

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Wassersport zu Hause

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Wassersport zu Hause

Sport ist gesund! Besonders Wassersport wird uns immer wieder ungefragt und wärmstens empfohlen. Gelenkschonend soll er sein und gut für’s Herz! Im Wasser zu joggen, liegt voll im Trend, dabei soll speziell die Wirbelsäule entlastet werden.

Etwas unfreiwillig testen Gitti und ich eine Variante davon heute zu Hause aus.

Ausnahmsweise hat es hier so heftig geregnet, dass sich ein Teil des kostbaren Grundwassers leise ins Haus schlich. Als ich das Wasser entdecke, steht es in einem der Kellerräume ein paar Zentimeter hoch. Ich bilde mir ein, dass es mich mit seichten, nahezu unsichtbaren Wellenbewegungen frech angrinst. Das ist keine Katastrophe, aber doch recht unangenehm.

Zuerst drehe ich eine Runde durchs Untergeschoss und verschaffe mir einen Überblick. Der Regen ist längst vorbei und ein weiterer Anstieg des Wasserpegels im Keller nicht unmittelbar zu erwarten. Auf ein paar Minuten kommt es jetzt nicht mehr an.

Das Essen steht schon auf dem Tisch. Es gibt Spargel. Ich bringe also die Weinflasche mit demkühlen Riesling, wegen der ich in den Keller gegangen bin, in die Küche und setze Gitti ins Bild. Gemeinsam beschließen wir, uns erst zu stärken. Wir genießen unser Spargelgericht und den Wein, lassen uns dabei jedoch nicht so viel Zeit wie sonst. Gedanklich laufen bereits die Vorbereitungen auf unsere nächste Aktion, mit der wir dem Schaden entgegentreten werden.

Frisch gestärkt geht es ans Werk. Wir kleiden uns um, schlüpfen in die Gummistiefel, rüsten uns mit Eimern und sonstigem Gerät, und dann liegt der Fokus vor allem auf dem Schippen von Wasser und dessen Entsorgung. Wir arbeiten schnell. Alles geschieht ohne langwierige Absprachen Hand in Hand. Von Zeit zu Zeit entfleucht mal Gitti und mal mir ein kleiner Fluch. Ansonsten kratzen wir all unseren Pragmatismus zusammen. Wir wollen uns schließlich nicht unnötig von der Vorstellung lähmen lassen, welche unangenehmen Aufgaben oder Probleme noch auf uns zukommen könnten. Stück für Stück kommen wir voran.

Als der Boden des Kellerraums endlich nur noch feucht ist, lagern wir noch ein paar triefnasse Sachen um. Weitere Aktionen müssen bis morgen warten, denn wir sind völlig erledigt. Der gemeine Gummistiefel hat kein gutes Fußbett. Mein Rücken schmerzt. Ich kann kaum noch stehen, außer im eigenen Wasser. Es dürstet mich nach Abkühlung. Gitti geht es nicht besser.

Gitti merkt an, dass sie sich Wassergymnastik oder Aqua-Jogging ganz anders vorgestellt hat. Unsere Heim-Variante davon missfällt ihr sehr. Diese Art von Wassersport zu Hause ist in keiner Weise gelenkschonend. Immerhin attestieren wir der Aktion, einen gewissen Touch von Workout zu haben. Das ist doch auch schon was!

Der nächste Tag wartet mit hohen Temperaturen auf. Die helfen bestimmt beim Trocknen. Jetzt wird gelüftet, was das Zeug hält. Natürlich gibt es noch jede Menge zu tun. Auch hier gilt: Stück für Stück geht es am besten voran.

Es gibt eine Unwetterwarnung für den späteren Abend. Blüht uns noch eine Runde Wassersport zu Hause? Natürlich hoffen wir darauf, verschont zu bleiben. Statt darüber nun in helle Aufregung zu geraten, konzentrieren wir uns lieber ganz gegenwärtig auf das Jetzt. Streng genommen also auf den eigentlich gar nicht vorhandenen Zeitraum zwischen Vergangenheit und Zukunft …

Sehen und staunen

Mitten in der verschlafen wirkenden Altstadt von Schwäbisch Hall gibt es eine wunderbare Kunsthalle. Schon oft habe ich mich mit Gitti zusammen auf den Weg gemacht, um die stets liebevoll zusammengestellten Kunstwerke zu bestaunen. Hier herrscht eine unglaublich ruhige Atmosphäre. Sie springt auf uns über und bietet uns den Raum, in dem wir uns mit Muße auf die gezeigten Werke einlassen können.

Die aktuelle Ausstellung lädt zu Seherlebnissen ein. Schon der Titel hat mich sofort elektrisiert: Die dritte Dimension im Bild.

Schon als Kind war ich ganz fasziniert davon, wie plastisch zweidimensionale Gemälde wirken können. Ganz dunkel erinnere ich mich an einen Besuch im Rembrandt-Haus in Amsterdam, zu dem mich meine Eltern einmal mitgenommen hatten. In meiner Erinnerung gab es dort ein schmales Treppenhaus mit einer dunklen, knarzenden, hölzernen Treppe. An den Wänden entlang dieser Treppe hingen Portraits von Menschen in edlen Roben. Die Treppe befand sich innen an einer der Außenwände des Hauses, und sie wand sich zwei Mal. Zu- und Abgang der Treppe wiesen ins Haus hinein, der Rest verlief entlang der Hauswand.

Beim ersten Erklimmen der Treppe fühlte ich mich irgendwie beobachtet. Später, als wir wieder herunterstiegen, habe ich die Personen auf den Bildern dann dabei ertappt, wie sie mir abermals hinterherschauten. Ich hätte schwören können, dass sie dabei ihre Köpfe drehten!

Mein Vater freute sich darüber, dass es mir aufgefallen war. Ich durfte noch ein paar Mal hinauf- und wieder heruntersteigen. Alle Personen guckten aus ihren Bildern heraus und drehten stets ihre Köpfe, sobald ich an ihnen vorbeilief. Meine Eltern haben mir dabei geholfen, herauszufinden, woran es lag: Der Maler hat diese Leute so gemalt, dass sie ihm und damit auch jedem anderen Betrachter in die Augen schauen. Weil so ein Bild zweidimensional ist, gucken sie also immer in meine Augen, völlig unabhängig davon, wo genau ich stehe. Na ja, und wenn ich dabei auf der Treppe quasi um die Ecke laufe, was bleibt ihnen dann übrig, wie sie da so in ihrem Bild sitzen? Natürlich halten sie meinen Blick – oder ich den ihren?

Heute in der Kunsthalle begegnen mir unter anderem Bilder von Victor Vasarely wieder. Auch hier dockt eine Erinnerung an meinen Vater an, der sich nach dem Besuch einer Ausstellung Aquarellfarben und Leinwände besorgte, um zu sehen, ob er ähnlich verblüffende Dinge schaffen kann, wie Vasarely. Was ihn damals so faszinierte, waren perspektivisch gemalte Würfel. In seiner Freizeit widmete sich mein Vater fortan eine Weile lang diesem Thema. Aus Holzlatten baute er sich bald eine kleine Staffelei. Schließlich malte mein Vater selbst ein Würfelbild und hängte es anschließend in unserer Küche auf.

Seine Würfel standen in Reihen aufeinander, alle mit der einen Kante nach schräg nach vorne und wie aus der Vogelperspektive gemalt. Bei längerer Betrachtung kippte das Bild plötzlich. Ab da sah es so aus, als ob man die Reihen von unten sähe. Nach einer Weile kippte es wieder, jetzt konnte ich die Würfel wieder von oben sehen, aber die vordere Kante zeigte plötzlich zur anderen Seite. Stundenlang habe ich damals gerätselt, was eigentlich nun vorne oder hinten, was oben und was unten sein mochte.

Das große Vasarely-Bild, vor dem Gitti und ich gerade verweilen, besteht vornehmlich aus farbigen, scheinbar quadratischen Flächen. Dunkles Blau und leuchtendes Rot geben den Ton an. Plötzlich assoziieren wir schmale und ganz dicht nebeneinanderstehende Wolkenkratzer. Sie erheben sich von unten links nach oben rechts, darüber sind wir uns einig. Als ich eine der Farbflächen eine Weile lang anstarre, bewegt sich das Bild plötzlich. Zumeiner Verblüffung sehe ich danach immer noch Wolkenkratzer, allerdings aus einer völlig anderen Perspektive heraus. Sie zeigen in eine komplett andere Richtung. Ich zeige Gitti, welche Fläche ich mit den Augen fixiert habe. Sie starrt das Ding eine Weile lang an, und dann kippt auch bei ihr die Perspektive. Das ist aufregend und wegen der angenehmen Farben und der harmonischen Gestaltung zugleich ungeheuer beruhigend. Das Bild berührt uns tief in unserem Inneren.

Wir können nie sicher sein, wie die Dinge wirklich sind. Die dritte Dimension entspringt immer unserer Betrachtungsweise und wird stark durch die Art, in der wir etwas ansehen, bestimmt. Alles, was ich sehe, interpretiere ich. Das geht gar nicht anders. Ich bin fest davon überzeugt, dass es fast immer auch andere Perspektiven gibt. Daraus ergeben sich automatisch auch andere Schlüsse. Und das gilt nicht nur in Bezug auf Bilder!

Vermutlich liegt hier der Schlüssel zur Toleranz. Wenn mir bewusst ist, dass ich nur eine von zwei oder gar von vielen Möglichkeiten sehe, dann kann ich bestimmt auch leichter zugestehen, dass andere Leute die Dinge anders sehen als ich und deshalb auch ihre eigenen Schlüsse ziehen. Meine Sicht auf die Dinge ist nicht automatisch die einzig mögliche und richtige Sicht. Vielleicht schult das Angucken solcher Bilder tatsächlich auch den Blick auf alltägliche Sachverhalte und hinterlässt sogar Spuren in der eigenen Persönlichkeit. Diese Gedanken treiben mich ordentlich um – tagelang …

Was mich noch umtreibt, ist das Prinzip, das hinter der Veränderung der Perspektive beim Betrachten dieser faszinierenden Bilder steckt. Wie funktioniert das? Nach zwei Tagen entschließe ich mich zu einem kleinen Experiment. Allerdings zieht es mich nicht in die Stadt, um Farben und Leinwand zu kaufen. Seit mein Vater das damals tat, sind schon einige Jahrzehnte vergangen. Die Welt hat sich inzwischen verändert. Ich suche gezielt mein Arbeitszimmer auf, starte den Rechner und greife zu der einfachsten Möglichkeit, die mir einfällt: Powerpoint.

Schnell werfe ich ein paar dunkelblaue Würfel mit hellblauen Kanten auf die virtuelle Folie. Dann richte ich sie aneinander aus, ordne sie und baue daraus eine kleine Wand mit einer Ecke. Ein paar der Würfel nehme ich wieder heraus und verschiebe sie an eine andere Stelle. Das Gebilde ist plastisch und für mich beruhigend eindeutig. Einen der Würfel färbe ich jetzt rot ein. Dann drehe ich ihn um 180°. Ich gucke gespannt auf den Bildschirm.

Als die Perspektive nach wenigen Sekunden tatsächlich umklappt ist mir zu meiner eigenen Überraschung selbst nicht mehr klar, ob der rote Würfel von oben oder von unten zu sehen ist oder ob die roten Flächen nur zu den anderen Würfeln gehören und da gar kein roter Würfel ist. Verblüfft starre ich das Bild an.

Vor lauter Aufregung mache ich mit dem Smartphone einen Screenshot und sende ihn Gitti zu. Das wäre auch eleganter gegangen, aber ich bin so perplex, dass mir spontan keine andere Möglichkeit einfällt, wie ich das Bild mit ihr teilen kann. Ich lasse Gitti etwas Zeit, dann laufe ich zu ihr und erkundige mich danach, ob auch sie sieht, was ich sehe – und dann sind wir beide verblüfft und schauen immer wieder staunend auf mein kleines Experiment.

Unter freiem Himmel

Es ist Juli. Traditionell ist das hierzulande der wärmste Monat des Jahres. Laut Statistik ist der Juli zugleich einer der niederschlagsreichsten Monate. Die Wetterfrösche erklären das damit, dass warme Luft deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, als es kalte Luft vermag. Wo viel drin ist, kann auch viel rauskommen. Im Juli gibt es deshalb immer wieder kräftige Regenfälle.

Dunkel erinnere ich mich an ein Zustandsdiagramm aus der Thermodynamik, auf dem man gut sehen kann, bei welchem Druck und welcher Temperatur Wasser fest, flüssig oder gasförmig ist und in welchen Bereichen wir es mit Nassdampf zu tun haben. Festes Wasser ist natürlich Eis. Das Diagramm sieht aus wie ein Schnittmusterbogen. Man kann die dollsten Sachen daraus ableiten und es zu abenteuerlichsten Berechnungen heranziehen.

Meine persönlichen Erwartungen an den Juli zeigen sich von solchen Erkenntnissen selbstverständlich völlig unbeeindruckt. Ich wünsche mir schönes Sommerwetter. Ich hätte es gerne warm, aber nicht zu heiß. Der Juli soll mir laue Sommerabende schenken, an denen ich mich unter freiem Himmel schönen Erlebnissen hingeben kann. Natürlich möchte ich dabei sattgrüne Wiesen sehen. Dass dazu auch Regen gehört, ist mir klar. Ein gutes Zeitfenster, in dem wir alle zusammen klaglos genau diesen Regen akzeptieren, gibt es jedoch nicht. Wacker rede ich mir also jeden Regenguss schön, in den ich gerate – so gut ich es eben vermag.

Am Freitag werden wir im Biergarten ein bisschen nass. Bereitwillig rücken alle zusammen und gucken den dunklen Wolken dabei zu, wie sie zuerst auf uns zu und dann über uns hinweg ziehen. Wind, Blitz und Donner sind moderat, der zugehörige Regenguss eilt alsbald weiter. Zur Belohnung gibt es für uns einen schönen Regenbogen zu bestaunen. In einer Regenpause laufen Gitti und ich schnell nach Hause.

Tags drauf haben wir großes Glück mit dem Wetter. Bereits im November hatte Gitti für ihre Cousine, deren Gatten und uns Karten für ein Klassik-Open-Air mit Feuerwerk am Seeschloss Monrepos gebucht. Alle zusammen freuen wir uns also schon mehr als ein halbes Jahr lang auf diesen Abend. Auf dem schönen Gelände finden wir vor dem großen Konzert ausreichend Gelegenheit, uns mit kühlen Getränken auf Bierbänken niederzulassen. Es gibt auch ein reichhaltiges Angebot an Speisen. Für Selbstversorger steht sogar eine Picknickzone zur Verfügung. Das schöne kleine Seeschloss bietet eine wunderbare Kulisse. Große Kastanien- und Lindenbäume säumen den Zuschauerbereich. Etwas mehr als 7000 Zuschauer haben den Weg hierher gefunden. Dennoch entsteht zu keiner Zeit großes Gedränge. Wir haben immer etwas Platz um die Hüften. Mit großem Kopfnicken versichern wir uns gegenseitig, wie schön wir es hier finden.

Das Publikum ist bunt gemischt. Vom Silberrücken bis zum kleinen Kind sind alle Generationen vertreten. Bei der Wahl ihrer Kleidung haben manche Besucher auf festliche Sommerroben gesetzt, andere auf kurze Strandkleidung, und die meisten Menschen auf den LBA, also den leichten Bieranzug, bestehend aus bequemen Jeans und Shirts. Dazwischen ist alles zu finden, was die Kleiderschränke der Leute so hergeben. Erfreulicherweise nimmt niemand Anstoß daran, so kommt es mir jedenfalls vor. Hier sollte sich kein Gast over- oder underdressed fühlen.

Nachdem wir uns am kühlen Nass aus dem Zapfhahn gelabt haben, wird es nun Zeit, die gebuchten Plätze einzunehmen. Das Konzert beginnt. Den Anfang macht ein Schulorchester. Ich muss gestehen, dass unsere Erwartungen an diesen Teil der Veranstaltung nicht besonders hoch gesteckt sind. Umso mehr freuen wir uns über die tollen Nachwuchstalente, die uns mit ihrem Können und ihrer Ausdruckskraft überraschen. Gitti, ihre Verwandten und ich strahlen über alle Backen.

Nach einer ersten Pause erwartet uns das Orchester der Schlossfestspiele, das heute unter der Leitung der Dirigentin Alondra de la Parra spielt. Bereits beim ersten Takt springt der berühmte Funke über, die Musik zieht uns in einen Bann der Begeisterung. Was für ein Erlebnis, was für eine tolle Dirigentin!

Während der zweiten Pause nutzen wir die Gelegenheit, uns noch einmal zu erfrischen und uns auszutauschen. Dann kehren wir zu unseren Plätzen zurück. Wir sitzen in der zweiten Reihe eines der hinteren Zuschauerblöcke. Der Gang zwischen unserem und dem davor liegenden Block wird zum Laufsteg. In der Reihe vor uns haben zwei offensichtlich miteinander befreundete Paare Platz genommen. Eines der beiden Paare thront auf Sitzkissen, die sie der Aufschrift nach zu urteilen, bei einem Besuch der Arena in Verona erstanden haben. Während die beiden Männer in leichter Freizeitkleidung ihre Frauen umrahmen, haben die sich in festlichere Gewänder geworfen. Tuschelnd sitzen sie nun nebeneinander und beobachten das bunte Treiben auf dem Laufsteg direkt vor ihnen.

Betont lässig stolziert ein junger Mann mit seiner Freundin von links nach rechts. Offensichtlich kann er sein Glück kaum fassen, dieses schöne Mädchen für sich begeistert zu haben. Es folgen ein paar klapprige Silberrücken. Einer von ihnen schwenkt sein Sektglas im Gehen etwas zu stark von hinten noch vorne. Innerhalb weniger Meter verliert das Glas einen erheblichen Teil seiner Füllung. Anmutig beweist eine ältere Dame indes, wie stilvoll und elegant sie immer noch dahinzuschweben weiß. Sie erntet respektvolles Kopfnicken bei den Tuschlerinnen vor mir. Schnellen und zugleich schweren Schrittes bahnen sich zwei Männer in Strandhosen und Muscle Shirts ihren Weg. Der hölzerne Boden bebt unter ihnen.

Jetzt defiliert eine Frau in einem hautengen neonorangenen Kleid und farblich dazu passenden Stöckelschuhen vorbei. Stolz aufgerichtet wirft sie sich in die Brust. Kaum an uns vorbei, strauchelt sie. Den kleinen gemeinen Absatz zwischen zwei der Bodenbretter hat sie leider nicht gesehen. Überrascht entgleisen ihre Gesichtszüge für einen winzig kleinen Moment. Dann rudert sie kurz mit den Armen und fängt sich. Nach dieser fast artistischen SlapstickEinlage geht sie eine Spur vorsichtiger weiter.

Während ich ihr am liebsten applaudieren möchte, fällt den Damen vor mir nur ein äußert hämisches Lachen ein. Fortan tituliere ich die beiden insgeheim als blöde Schnepfen.

Bald nach dieser Einlage beginnt der letzte Teil des Programms. Es ist bereits dunkel. Schloss und Bühne sind stimmungsvoll ausgeleuchtet. Die hohen Baumwipfel werden angestrahlt und sehen wie große Blüten aus. Wir lauschen gespannt der schönen Musik. Die Dirigentin nimmt das Orchester und uns mit auf eine furiose Reise durch verschiedene Stücke. Sie lädt uns ein, mit ihr zu tanzen. Das Ende eines der Stücke geht mit einem lauten Knall einher. Am Himmel öffnet sich eine riesige rote Blume.

Die folgenden Stücke werden von einem großen Feuerwerk begleitet. Hinter dem Schloss steigen Raketen auf, die Bühne wird von sprühenden Funken umrahmt. Vom Himmel regnen funkelnde Lichter. Welch ein Finale! Unter freiem Himmel endet unser schönes Erlebnis in der lauen Sommernacht. Als Gitti und ich so gegen ein Uhr in der Nacht glücklich ins Bett sinken, klingen die Bilder und Töne noch lange in uns nach und begleiten uns in unsere Träume.

Gut geschlafen

Ich kann fast immer gut schlafen. Manch einer beneidet mich sogar darum. Deshalb ist es nur fair, dass es eine Kehrseite dieser Medaille gibt. Die Rückkehr in den Wachzustand fällt mir nämlich nicht so leicht. Speziell am frühen Morgen muss ich sehr tapfer sein und mit großen Anlaufschwierigkeiten kämpfen. In dieser Phase werde ich nicht als übellaunig, sondern als freundlich verpeilt beschrieben. Leider katapultiert mich auch jeder noch so kurze Mittagsschlaf derart schnell und tief in die Bewusstlosigkeit, dass ich für den restlichen Tag fast nicht mehr zu gebrauchen bin. Also halte ich gerne durch, schlafe dann tief, fest und am liebsten nicht zu kurz und muss zur Belohnung nur einmal täglich den mühsamen Weg in Richtung Wachzustand antreten. Einmal dort angekommen, fühle ich mich dann meistens frisch, erholt und gut ausgeruht.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich meist nur schnell ein einziges Schaf zählen muss, um einschlafen zu können. Staunend lese und höre ich immer wieder von allerlei Maßnahmen, die andere Menschen ergreifen, um sich selbst das Ein- und das Durchschlafen zu erleichtern.

Unter welchen Konditionen gelingt guter Schlaf?

Es lassen sich innere und äußere Rahmenbedingungen finden, die guten Schlaf begünstigen oder auch schier unmöglich machen können. Ist das also eine Optimierungsaufgabe?

Die äußeren Rahmenbedingungen haben Gitti und ich bereits optimiert. Das Schlafzimmer ist gemütlich eigerichtet. Gut aufgehoben liege ich im warmen Wasserbett. Die Matratze trägt mich sanft. Eine wunderbar kuschelige Decke mit weichem Bezug behütet meinen Schlaf. Das Kissen, auf das ich meinen Kopf bette, unterstützt mich genau so, wie es für mich angenehm ist. An diesem Ort fühle ich mich einfach wohl.