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Die dreizehn UNESCO-Welterbestätten stehen für die bedeutendsten Natur- und Kulturschätze der Schweiz – ein Muss, sie gesehen und erlebt zu haben. Schon die Anreise kann zum Abenteuer werden, und mit den originellen Ausflugstipps des Freizeitführers wird aus dem Besuch der Stätten garantiert ein unvergessliches Erlebnis – für Familien, für Alt und Jung. Ganz nach dem Motto: nicht nur anschauen, sondern aktiv erkunden. Einheimische nehmen die Leserinnen und Leser mit auf unbekannte Wege und führen sie zu ihren Lieblingsplätzen vor Ort. Das Schönste der Schweiz erleben – und mehr darüber erfahren!
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Seitenzahl: 190
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Bei allen Ausflugstipps, die eine Wanderung, eine Bike- oder sonstige Tour beinhalten, finden Sie einen QR-Code und einen Link, über die Sie das passende Kartenmaterial mit der eingezeichneten Route von SchweizMobil herunterladen können.
5., überarbeitete Auflage, 2024
© 2015 Beobachter-Edition, Zürich
Alle Rechte vorbehalten
www.beobachter.ch
Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter in Zusammenarbeit mit World Heritage Experience Switzerland
Lektorat: Käthi Zeugin, Andina Schubiger
Mitarbeit Ausflugstipps: Tasia Abbatecola, Erik Hefti
Bildredaktion: Marina Roth
Umschlaggestaltung: Frau Federer GmbH
Umschlagfoto: Raphael Schmid
Layout und Satz: Bruno Bolliger
Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe
ISBN 978-3-03875-538-8
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8 Vorwort: UNESCO-Welterbe in der Schweiz – Glanz auf der Weltbühne
10 Manche Dinge sind so wertvoll …
14 Swiss Alps Jungfrau-Aletsch
Weltnaturerbe seit 2001, Erweiterung 2007
23 Allgemeine Informationen
25 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
30 Altstadt von Bern
Weltkulturerbe seit 1983
40 Allgemeine Informationen
41 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
46 Rhätische Bahn Albula/Bernina
Weltkulturerbe seit 2008
55 Allgemeine Informationen
57 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
62 Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
Weltkulturerbe seit 2011
69 Allgemeine Informationen
71 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
76 Drei Burgen von Bellinzona
Weltkulturerbe seit 2000
84 Allgemeine Informationen
85 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
90 Tektonikarena Sardona
Weltnaturerbe seit 2008
99 Allgemeine Informationen
101 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
106 Stiftsbezirk St. Gallen
Weltkulturerbe seit 1983
116 Allgemeine Informationen
117 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
122 La Chaux-de-Fonds/Le Locle
Weltkulturerbe seit 2009
132 Allgemeine Informationen
133 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
138 Monte San Giorgio
Weltnaturerbe seit 2003, Erweiterung 2010
147 Allgemeine Informationen
149 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
154 Benediktinerinnen-Kloster St. Johann in Müstair
Weltkulturerbe seit 1983
164 Allgemeine Informationen
165 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
170 Lavaux, Weinberg-Terrassen
Weltkulturerbe seit 2007
180 Allgemeine Informationen
181 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
186 Das architektonische Werk von Le Corbusier
Weltkulturerbe seit 2016
196 Allgemeine Informationen
197 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
202 Alte Buchenwälder und Buchenurwälder
Weltkulturerbe seit 2021
211 Allgemeine Informationen
213 Ausflüge und Aktivitäten in der Region
218 Die Schweizer Welterbestätten im Überblick
220 Bildnachweis
224 Detailkarten zu den Ausflügen und Touren
Die Symbole bei den Ausflügen und Aktivitäten
Aktiv unterwegs
Geniessen/Wellness
Kulturerlebnis
Naturschauspiel
Spezialtipp
Insidertipp
Vorwort
Welterbestätten sind Orte des Betrachtens, des Entdeckens, des Staunens, des Erlebens, des Lernens und des Austausches. Jede steht für Echtheit, Qualität und Vielfalt über Generationen hinaus. Auf diese Werte sind wir stolz. Sie sind Teil unserer Identität und Mentalität. Die hohe Bedeutung dieser Orte, ihre Faszination und Ausstrahlungskraft ziehen die Besucherinnen und Besucher in ihren Bann. Sie entführen von Alltagspfaden auf Zeitreisen in weitreichende natur- und kulturhistorische Entwicklungen der Schweiz im globalen Zusammenhang. Als lebendige Zeugen einer bewegten und bewegenden Geschichte fordern sie Antworten auf Fragen wie: Was umfasst unser Erbe? Wie leben wir mit diesem Erbe, und wie übergeben wir es den kommenden Generationen?
Drei Burgen von Bellinzona
Vier herausragende Naturphänomene und neun grossartige Kulturleistungen in der Schweiz sind mit dem begehrtesten Emblem der Unesco ausgezeichnet: Sie sind Weltnatur- respektive Weltkulturerbe und Teil der Welterbekonvention, eines weitreichenden zwischenstaatlichen Vertragswerks zum Schutz der grossen Natur- und Kulturgüter der Welt.
Die 13 Welterbestätten der Schweiz sind Zeugen der Erd- und Menschheitsgeschichte, sie erzählen von der Entstehung des Landes und seiner Gestaltung. So einzigartig jede Stätte in sich ist, so sehr stehen sie in einer Beziehung zueinander – geprägt, inspiriert und gestaltet vom Wechselspiel der Schaffenskräfte von Natur und Kultur.
Stiftsbezirk St. Gallen
World Heritage Experience Switzerland setzt sich als Organisation im Umfeld der Unesco-Welterbestätten für einen tiefgreifenderen und verantwortungsvollen Tourismus ein, dem Respekt und Wertschätzung zugrunde liegen. World Heritage Switzerland will Mehrwerte schaffen: für die Besucher in Form nachhaltiger Erlebnisse und für die Welterbestätten im Hinblick auf ihre Erhaltung und Wertschätzung auch durch die nachfolgenden Generationen.
Die Auseinandersetzung mit den Welterbestätten schärft den Blick und die Sinne für das Echte, das Dauerhafte und die damit verbundenen Herausforderungen. Bewusstes Reisen an diesen Orten ruft neue, andere Bilder einer herausragenden und fordernden Schweiz hervor, die wir mit der Weltgemeinschaft teilen.
Tektonikarena Sardona
Es ist World Heritage Experience Switzerland ein grosses Anliegen, die Inwertsetzung der Schweizer Welterbestätten zu unterstützen und das Interesse an deren Einzigartigkeit zu wecken. Auch die neun lebendigen Schweizer Traditionen, die von der UNESCO in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden, zeugen von der Vielfalt unseres Landes. Eine Reise durch die Schweiz ermöglicht somit einen neugierigen, verantwortungsbewussten und sensiblen Umgang mit kulturellen und natürlichen Orten sowie mit einzigartigen Traditionen, die die Schweiz zu einem noch aussergewöhnlicheren Ort machen. Wir hoffen, dass dieser Reiseführer Sie bei der Reisevorbereitung unterstützt, Ihre Neugier weckt und Sie während des Besuchs dieser Stätten begleitet. Wir wünschen Bewegung, Freude und neue Erkenntnisse.
Nadia Fontana-Lupi
Präsidentin
World Heritage Experience Switzerland
Blick auf die Weinberge des Lavaux
Am Anfang standen die drohende Zerstörung, die weltweite Empörung und der feste Wille, es auf keinen Fall so weit kommen zu lassen: Die einzigartigen Tempel von Abu Simbel in Ägypten wären nach dem Bau des Assuan-Staudamms für immer im Stausee untergegangen. Im Jahr 1960 bat die Unesco deshalb um internationale Hilfe zur Rettung dieser historischen Bauwerke. Tatsächlich konnten die Felsentempel darauf in aufwendiger Arbeit abgetragen und an einem höher gelegenen Ort wieder aufgebaut werden. «Völker können Wunder vollbringen, wenn sie für einen guten Zweck zusammenarbeiten», sagte der damalige ägyptische Staatspräsident und spätere Friedensnobelpreisträger Anwar as-Sadat.
Altstadt von Bern
Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
Diese monumentale Rettungsaktion gilt als Initialzündung zur Unesco-Welterbekonvention, die 1972 ins Leben gerufen wurde. Die Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation) ist eine Sonderorganisation innerhalb der UNO und will mit der Förderung von Bildung, Wissenschaft, Kultur, Kommunikation und Information zur Wahrung des Friedens und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Die Idee hinter der Welterbekonvention: Was die Natur in Jahrmillionen oder Jahrtausenden geschaffen, was die Menschheit in Jahrhunderten aufgebaut hat, das soll geschützt und erhalten werden – von der gesamten Menschheit. Alle Länder, die die Konvention unterzeichnen, verpflichten sich, Kultur- und Naturgüter von «aussergewöhnlichem universellem Wert», die das Unesco-Label «Welterbestätte» tragen, auf ihrem Staatsgebiet zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten.
Monte San Giorgio
Grosser Aletschgletscher – Moosfluh
Als eines der ersten Länder ratifizierte die Schweiz bereits 1975 die Konvention. Im Jahr 1983 wurden die ersten hiesigen Welterbestätten in die Liste der Unesco aufgenommen: das Kloster St. Johann in Müstair, die Altstadt von Bern und der Stiftsbezirk St. Gallen. Soll ein Gebäude, ein Ort, eine Region in die Liste des Welterbes aufgenommen werden, muss ein Vertragsstaat dem Welterbekomitee eine Kandidatur mit ausführlichem Dossier einreichen. Das Komitee entscheidet an einer jährlichen Tagung darüber, ob die erforderlichen Kriterien erfüllt sind. Bis heute verfügt die Schweiz über 13 Welterbestätten und liegt damit weit über dem Durchschnitt von knapp fünf pro Land. Als Letztes wurden 2021 die alten Buchenwälder in den Kantonen Solothurn und Tessin in die Liste der Welterbestätten aufgenommen.
Das Prädikat «Unesco-Welterbe» bedeutet für die Stätten einerseits eine exklusive Auszeichnung von internationaler Bedeutung, die das positive Image verstärkt und touristisch genutzt werden kann. Andererseits verpflichtet das Label aber auch zur Erhaltung der Kultur- und Naturgüter durch eine nachhaltige Bewirtschaftung. Dies ist die stete Gratwanderung, auf der sich die Verantwortlichen für die Welterbestätten bewegen: Sie müssen die Balance halten zwischen Schutz und Nutzung, Vermarktung und Sensibilisierung.
Rhätische Bahn Albula/Bernina
La Chaux-de-Fonds/Le Locle
Die neun Kultur- und vier Naturerbestätten der Schweiz sind, jede auf ihre Weise, einzigartig. Mal ist das Aussergewöhnliche offensichtlich – man denke an den Aletschgletscher oder die Berner Altstadt –, mal versteckt sich das Besondere unter der Erde und erschliesst sich erst auf den zweiten Blick, etwa bei den Pfahlbauten oder bei den Fossilien des Monte San Giorgio. Aber alle Stätten haben eines gemeinsam: Sie sind Kultur- oder Naturschätze von überragendem Wert. Nicht von ungefähr lautet das Motto der Unesco-Welterbekonvention: «Manche Dinge sind so wertvoll, dass die ganze Menschheit darüber wachen muss.» Wir möchten anfügen: Schauen Sie sich diese Stätten unbedingt an. Sie gehören nicht nur zum Wertvollsten, sondern auch zum Spannendsten und Schönsten, was die Schweiz zu bieten hat. Und wenn Sie schon da sind – auch rund um jedes Welterbe findet sich viel Interessantes zum Bestaunen, Erleben und Geniessen.
Benediktinerinnen-Kloster St. Johann in Müstair
Dieser Führer gibt Ihnen einen ersten Eindruck von der Einzigartigkeit der Unesco-Welterbestätten in unserem Land. Zudem hilft er bei der Reiseplanung und liefert eine Fülle an inspirierenden Tipps für Aktivitäten in jedem Welterbe wie auch in der näheren Umgebung. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre des Buches, wunderbare Ausflüge und reichhaltige Erlebnisse.
Üsé Meyer und Reto Westermann
Gschwandtenmad – Rosenlaui, Haslital
Weltnaturerbe seit 2001, Erweiterung 2007
Grösstes zusammenhängendes Gletschergebiet Eurasiens
Eine der spektakulärsten und vielfältigsten Hochgebirgslandschaften der Welt
Hervorragendes Beispiel für die Gletscher- und Alpenbildung
UNESCO-Weltnaturerbe
Ein Gebiet so gross wie der Kanton Jura mit mehreren weltbekannten Berggipfeln, dem grössten Gletschermassiv Eurasiens und etlichen Höhepunkten mehr: Wer das Unesco-Weltnaturerbe «Swiss Alps Jungfrau-Aletsch» besucht, hat die Qual der Wahl.
Es ist kurz nach neun Uhr morgens. Soeben ist die erste Zugkomposition des Tages in Europas höchster Bahnstation angekommen: Jungfraujoch, 3471 m, «Top of Europe». Draussen herrschen mit minus fünf Grad relativ warme Temperaturen, die Sonne scheint. Die Mitglieder einer Skitourengruppe steigen in die Bindungen und ziehen ihre ersten Schwünge in den Schnee des Jungfraufirns. Die Sphinx-Aussichtsterrasse füllt sich bereits mit Touristen – sie kommen etwa aus Japan, Amerika, Indien oder China. Bis zu einer Million Besucher zählt das Jungfraujoch pro Jahr – mehr als 2500 jeden Tag. Kein Wunder: Nur schon der Ausblick über den Jungfraufirn zum Konkordiaplatz und weiter zum Aletschgletscher ist grandios. Der im Sonnenlicht glitzernde Eisfluss zieht sich zwischen den steilen Bergflanken scheinbar unendlich weit hinunter. Mittendrin bewegen sich kaum erkennbare kleine Punkte: Die Tourengruppe ist auf dem Konkordiaplatz angekommen, wo die Felle auf die Skis aufgezogen werden. Hier fliessen die drei Gletscher Jungfraufirn, Grosser Aletschfirn und Ewigschneefeld zum Grossen Aletschgletscher zusammen und bilden eine 800 Meter dicke Eisschicht. Ausserdem gilt der Konkordiaplatz als geografisches Zentrum des Unesco-Welterbes «Swiss Alps Jungfrau-Aletsch».
Konkordiaplatz
Im Jahr 2001 wurde das Gebiet als erstes Naturerbe des ganzen Alpenraums in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen, 2007 wurde es erweitert. Heute umfasst es 824 Quadratkilometer, was rund zwei Prozent der Fläche der Schweiz entspricht. Gemäss Unesco ist dieses Weltnaturerbe eine der spektakulärsten Hochgebirgslandschaften der Welt. Zudem existiert sie in dynamischer Symbiose mit dem rundum liegenden, vom Menschen geprägten Lebensraum. Das Gebiet gilt als hervorragendes Beispiel für die Entstehung der Gebirge und der Gletscher sowie für den aktuellen Klimawandel. Und nicht zuletzt umfasst es das grösste zusammenhängende Gletschergebiet Eurasiens – insgesamt rund 350 Quadratkilometer.
Der Ausblick zum Konkordiaplatz und weiter zum Aletschgletscher ist grandios.
Smaragdeidechse
Mit seinen 20 Kilometern ist der Grosse Aletschgletscher der längste Eisstrom im Alpenraum. Sein Gewicht wird auf rund 10 Milliarden Tonnen errechnet. Würde man das Eis schmelzen, könnte damit die ganze Menschheit während vier Jahren mit täglich einem Liter Wasser pro Person versorgt werden. Im oberen Teil beträgt die Fliessgeschwindigkeit des Gletschers rund 190 Meter pro Jahr, unten auf der Höhe des Aletschwalds sind es immer noch gut 80 Meter. Das heisst aber nicht, dass der Eisstrom auch wächst – das Gegenteil ist der Fall: Denn im sogenannten Nährgebiet des Gletschers bildet sich weniger Eis, als unten im Zehrgebiet schmilzt. Pessimistische Prognosen sagen dem riesigen Gletscher aufgrund des Klimawandels bereits in gut 100 Jahren das Ende voraus. Optimistischer veranlagte Fachleute negieren den Klimawandel zwar nicht, weisen aber darauf hin, dass es seit der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren etliche Phasen gegeben hat, in denen die Gletscher deutlich kleiner waren als heute. Seinen letzten Höchststand erreichte der Aletschgletscher um 1860 – er war damals rund drei Kilometer länger als heute und im Bereich des Aletschwalds gut 200 Meter höher.
Die Gletscherschmelze und die Folgen des Klimawandels bekommt der Schweizerische Alpen Club (SAC) als Besitzer der Konkordiahütte schon seit Langem zu spüren. Bei ihrer Eröffnung 1877 stand die Hütte an der südöstlichen Ecke des Konkordiaplatzes auf einem Felsen nur gerade 50 Meter über dem Aletschgletscher; heute sind es mehr als 170 Meter. Seit den 1940er-Jahren macht der Rückgang der Eisfläche den Zugang zur Hütte immer schwieriger. Es fing damit an, dass der Bergschrund am Fuss des Felsens nur noch mit einer Leiter überwunden werden konnte. Im Jahr 1965 sah sich der SAC gezwungen, einen neuen Zustieg zu eröffnen, der über neun wacklige Holzleitern und 200 Tritte führte. 1975 wurde eine Stahltreppe installiert, die wegen des Gletscherrückgangs seither immer wieder nach unten verlängert werden musste: 1999 zählten die Alpinisten schon 370 Stufen auf dem Weg nach oben und 2020 knapp 510. Mittlerweile wurde die Treppe verlegt: Die neue zählt noch 451 Stufen. Obwohl die Konkordiahütte mit jährlich über 6000 Übernachtungen eine der beliebtesten SAC-Hütten ist, bringt diese Entwicklung die Besitzer nur schon finanziell an ihre Grenzen.
Aletschgletscher
Der Aletschgletscher und seine zahlreichen kleineren Pendants im Welterbegebiet tragen viel zur aussergewöhnlichen Schönheit dieser Hochgebirgslandschaft bei, genauso wie die eindrücklichen Gipfel: Mehr als 50 davon sind höher als 3500 Meter, 9 sogar über 4000 Meter – der höchste im Gebiet ist das Finsteraarhorn mit 4273 Meter. Die weltweit bekannten Topstars sind jedoch Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Dreigestirn bei Grindelwald gehört mit gutem Grund zu den meistfotografierten Alpenpanoramen. Im Welterbe liegen rund 80 Prozent der Fläche über 2000 Metern, gegen 90 Prozent sind ohne Vegetation. Dies erklärt, warum das Gebiet kaum bewohnt und damit eine der am wenigsten vom Menschen beeinflussten Landschaften der Alpen ist.
Suone Wyssa
Hoch, rau, wild, steil, gefährlich, unerschlossen: Der grösste Teil des Weltnaturerbes «Swiss Alps Jungfrau-Aletsch» ist nur erfahrenen Berggängern und Alpinisten zugänglich. Doch das Gebiet lässt sich auch von seinen Rändern aus bestens erleben. Unzählige Höhepunkte verteilen sich entlang seiner Grenze: beispielsweise im Osten das Grimselgebiet (BE), wo aus den Aargletschern die Aare entspringt und wo früher die Säumer mit Ross, Esel, Sack und Pack den Pass überquerten. Ebenfalls im Kanton Bern liegt die enge Gletscherschlucht Rosenlaui im Reichenbachtal. Im Lauterbrunnental wiederum faszinieren die vielen hohen Wasserfälle, besonders die Trümmelbachfälle, wo sich die Wassermassen im Berginneren tosend hinunterstürzen. Am nordwestlichen Rand des Welterbes befindet sich der tiefblaue Oeschinensee, umrahmt von den steilen Felswänden der Dreitausender Doldenhorn, Fründenhorn und das Dreigestirn der Blüemlisalp. Weiter südlich, im Walliser Rhonetal, lohnt sich beispielsweise eine Wanderung zwischen Ausser- und Eggerberg entlang der Suonen. Diese zum Teil schwindelerregend den Felswänden entlang führenden Leitungen brachten früher – und bringen zum Teil auch heute – das Wasser der Gletscher in die Dörfer. Und das war lebensnotwendig, denn im Wallis fällt nicht viel mehr Regen als etwa in Süditalien. Dies erklärt auch eine weitere Besonderheit des Welterbes: die sogenannten Felsensteppen an den südexponierten Hängen des Rhonetals. Hier wachsen Gräser, Blumen und Büsche, die man sonst nur in den Steppengebieten Osteuropas und teilweise auch im mediterranen Raum vorfindet.
Oeschinensee
Einzigartig für die Schweiz ist ausserdem der Safrananbau im kleinen Walliser Dörfchen Mund. Jährlich werden hier in Handarbeit knapp zwei Kilo des kostbaren Gewürzes geerntet. Weiter östlich das Rhonetal hinauf liegen Belalp, die Rieder-, Bettmer- und Fiescheralp sowie Bellwald direkt am Rand des Naturerbegebiets. Hier bietet sich von diversen Aussichtspunkten ein atemberaubender Blick über den Aletschgletscher bis zu Mönch und Eiger. Und hier befindet sich auch der Aletschwald – ein weiterer Höhepunkt des Welterbes. Die grünen Fichten, Lärchen und Arven bilden einen starken Kontrast zum kalten Weiss des Gletschers dahinter. Und sie stehen schon lange hier: Die älteste Arve des Aletschwalds soll 1000 Jahre alt sein, heisst es.
Gletschervorfeld Unteraargletscher
Um das Weltnaturerbe auch für die kommenden Generationen zu erhalten, wurde bereits 2001 die «Charta vom Konkordiaplatz» unterzeichnet. Darin setzen sich die 23 umliegenden Berner und Walliser Gemeinden das hochgesteckte Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung in den direkt ans Welterbe angrenzenden Regionen und den Naturschutz im Unesco-Gebiet unter einen Hut zu bringen.
Spitalgasse 4
3011 Bern
Tel. +41 (0)31 544 31 15
www.unsererbe.ch
Bahnhofstrasse 9a
3904 Naters
Tel. +41 (0)27 924 52 76
www.jungfraualetsch.ch
Aletsch Arena:www.aletscharena.ch
Bellwald:www.bellwald.ch
Blatten Belalp:www.belalp.ch
Lötschberg Region:www.loetschberg-region.ch
Lötschental Tourismus:www.loetschental.ch
Kandersteg Tourismus:www.kandersteg.ch
Kiental – Reichenbach Tourismus:www.kiental-reichenbach.ch
Jungfrau Region Tourismus:www.jungfrauregion.swiss
Grimselwelt:www.grimselwelt.ch
Alle Destinationen sind gut mit dem öffentlichen Verkehr sowie via Auto zu erreichen. Detaillierte Informationen zur Anreise sind auf den Webseiten der jeweiligen Tourismusorganisationen aufgeführt.
Die gute alte Zeit wird wieder zum Leben erweckt: Pferdekutschen, traditionelle Speisen sowie das sportliche und gesellschaftliche Leben um 1900 stehen während dieser Woche in Kandersteg im Mittelpunkt.
www.kandersteg.ch → Erlebnisse → Belle Epoque
Während der Fasnachtstage beleben «Tschäggätta» das Dorfbild im Lötschental. Das sind furchterregende Gestalten, in Pelze gehüllt und mit fratzenhaften Masken. Umzüge, Tanz und Musik gehören ausserdem zu diesem heidnischen Brauch.
Die Welterbestätten öffnen ihre Türen und laden die Besucher ein, Unbekanntes, Einzigartiges und Aussergewöhnliches zu entdecken. www.welterbetage.ch
Rund 800 Schwarznasenschafe werden von der Sommeralp zurück auf die Belalp gebracht. Das ist ein Spektakel der besonderen Art am Rand des Aletschgletschers.
Das Gilihüsine ist die Urform des heutigen Hornussens. Immer an einem Wochenende im September finden auf der Bettmeralp Wettkämpfe nach alter Sitte statt. Ein Spass für Gross und Klein.
www.aletscharena.ch/leben/veranstaltungen
Jeweils am Bettagssamstag findet das traditionelle Alpkäsefest auf der Grossen Scheidegg statt. Die Bauern und Sennen geben Auskunft über die Qualität der Käse und laden zur Degustation.
Wenn die sogenannte Trychelwoche vorbei ist, am letzten Arbeitstag im Jahr, treffen sich die Trychelzüge aus den Dörfern des Haslitals zum «Ubersitz» in Meiringen und vertreiben mit ihren Trommeln und Glocken die bösen Geister.
Eiger, Mönch und Jungfrau
www.myswissalps.ch
19 kostenlose Themen- und Regionalbroschüren zum Unesco-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch, zu bestellen beim Managementzentrum oder unter www.jungfraualetsch.ch/publikationen
Raphael Schmid; Luzius Theler: Seele des Welterbes. 204 Seiten, Weber Verlag
Wanderbuch: Schlüssel zu den Alpen. 144 Seiten, Rotten Verlag
Beat Hugi; Karin Widmer: Du bist nicht allein, kleiner Aletschfloh. 52 Seiten, Weber Verlag
Zu den Höhepunkten jeder Reise in die Schweiz zählt das Jungfraujoch – Top of Europe. Der höchste Bahnhof Europas liegt 3454 Meter über Meer. Hier eröffnet sich den Besuchern eine hochalpine Wunderwelt aus Eis, Schnee und Fels, die man von diversen Aussichtsplattformen aus, auf dem Aletschgletscher oder auch im Eispalast bewundern kann. An schönen Tagen reicht die Sicht von den Vogesen bis zum Schwarzwald. Schon die Bahnfahrt zum Jungfraujoch ist ein Erlebnis: Sie führt durch den Eiger und den Mönch. Bei der Zwischenstation Eismeer geniessen die Besucher die Aussicht auf die weite Gletscherwelt.
Ausgangspunkt: Jungfraujoch
Saison: Ganzjährig
Öffnungszeiten: 9.00–17.00 h
Gut zu wissen: Anreise ab Interlaken via Lauterbrunnen, Wengen und Kleine Scheidegg oder ab Grindelwald via Kleine Scheidegg.
Das Halbtaxabo und die Juniorkarte sind auf dem gesamten Streckennetz der Jungfraubahnen gültig. Weitere Vergünstigungen gibt es mit dem Generalabonnement, dem Swiss Pass, dem Eurail Pass und dem «Good Morning Ticket» (Details siehe Webseite).
Webseite:www.jungfrau.ch
Startpunkt zu diesem Abenteuer ist das Jungfraujoch auf 3454 Metern über Meer. Die Wanderung führt über den grössten Gletscher Europas – den Aletschgletscher. Am ersten Tag geht es über den legendären Konkordiaplatz, wo man 900 Meter Eis unter den Füssen hat. Auch die Übernachtung in der Konkordiahütte ist ein unvergessliches Erlebnis. Am zweiten Tag ist bereits um 5.30 Uhr Tagwacht, und als krönender Abschluss winkt auf dem Eggishorn eines der schönsten Panoramas der Schweiz.
Ausgangspunkt: Jungfraujoch
Endpunkt: Fiescheralp
Distanz: 23 km
Dauer: 1. Tag: 4 h, 2. Tag: 4.30 h
Höhenunterschied Aufstieg: 330 m
Höhenunterschied Abstieg: 1500 m
Saison: Juni bis Oktober
Anforderung: Gute Kondition (für eine Wanderzeit von bis zu 6 Stunden am Tag) und Trittsicherheit.
Gut zu wissen: Dieses Gletscher-Trekking wird nur in Begleitung eines erfahrenen Bergführers empfohlen. Neben einer kompletten Wanderausrüstung werden Steigeisen, Klettergurt und Teleskopstöcke benötigt. Fehlendes technisches Material kann vor Ort gemietet werden.
Webseiten: Bergführerbüros:
www.bergsteigerzentrum.ch (Fiesch)
www.grindelwaldsports.ch (Grindelwald)
www.beobachter.ch/unesco1_2
Die mittelschwere Bikeroute führt quer durch das gesamte Lötschental. Der grösste Teil der Strecke verläuft auf Forststrassen. Besonderes Highlight der Tour ist der Aussichtspunkt am Weritzstafel auf 2103 Metern. Von hier geniesst man unter anderem den Blick auf das beeindruckende Bietschhornmassiv. Ab «Chländerflue» folgt man dem Singletrail und passiert einen weiteren Höhepunkt: die Kapelle des Heiligen Wendelin im Weiler Eisten. Kurz danach erreicht man das sehenswerte alte Dorf Blatten.
Ausgangspunkt: Wiler
Endpunkt: Wiler
Distanz: 20 km
Dauer: 2.30 h
Höhenunterschied Aufstieg: 960 m
Höhenunterschied Abstieg: 960 m
Saison: Mai bis November
Anforderung: Gute Kondition und gute Fahrtechnik
Gut zu wissen: Mountainbikes können im Sporthaus Lauchernalp bei der Talstation der Lauchernalp-Bahn in Wiler gemietet werden.
Webseite:www.sporthaus-lauchern.ch
www.beobachter.ch/unesco1_3
Lautes Donnern und Tosen im Berginnern, gurgelnde, schäumende, wirbelnde Wasser: Das sind die Trümmelbachfälle. Sie gelten als die grössten unterirdischen Wasserfälle Europas und liegen im Lauterbrunnental, auch Tal der 72 Wasserfälle genannt. Die Trümmelbachfälle sind die einzigen unterirdisch zugänglichen Gletscherwasserfälle der Welt. Sie allein führen das Schmelzwasser der Gletscher von der Jungfrau talwärts. Das sind bis zu 20 000 Liter Wasser pro Sekunde, dazu jährlich rund 20 000 Tonnen Geröll, das mitgerissen wird. Erschlossen sind die Fälle mit Lift, Galerien, Tunnels, Wegen und Plattformen.
Ausgangspunkt: Postautohaltestelle «Trümmelbachfälle»
Saison: April bis November
Öffnungszeiten: 9.00–17.00 h, Juli und August: 8.30–18.00 h
Gut zu wissen: Hunde können nicht mitgenommen werden.
Webseite:www.truemmelbachfaelle.ch
Zuerst geht es gemütlich mit der Gondelbahn von Grindelwald hoch nach First (2166 m). Von dort wandert man mit dem Schlitten im Schlepptau in zweieinhalb Stunden auf das Faulhorn (2686 m), wo sich eine einmalige Aussicht präsentiert. Und hier befindet sich auch der Start zur längsten Schlittelbahn Europas – bestens präpariert und gut signalisiert. Entlang der 15 Kilometer langen Strecke befinden sich einige Bergrestaurants, in denen man sich stärken oder auf einer der Terrassen die Sonne geniessen kann.
Ausgangspunkt: Bergstation First
Endpunkt: Grindelwald
Distanz: 17 km
Dauer: 2.30 h (Wanderung)
Höhenunterschied Aufstieg: 566 m
Höhenunterschied Abstieg: 1704 m
Saison: Dezember bis April
Anforderung: Mittlere Kondition
Gut zu wissen: Schlitten können bei der Firstbahn in Grindelwald oder auf First über das Intersport-Rent-Network gemietet werden.
Webseite:www.jungfrau.ch
www.beobachter.ch/unesco1_5
