Schräge Vögel, Faszinierende Lebensentwürfe - Alfred Komarek - E-Book
Beschreibung

Dieses Buch widmet sich einem Artenschutzprogramm. Denn sie werden immer seltener, die schrägen Vögel. "Sie nisten", schreibt Alfred Komarek, "im Schweigen der Schwätzer, unter den Dächern der Unbehausten, hinter den Regeln der Vernunft, über den Niederungen des Größenwahns, in Wissenslücken, Budgetlöchern und in der Höhle des Löwen." Zusehends fehlt es ihnen an Lebensraum. Höchste Zeit, ihnen Würdigung und Ermutigung zuteil werden zu lassen, in Worten, aber auch in den wunderbaren Bildern des Fotografen János Kalmár. Eine Auswahl solcher rarer Köpfe ist in diesem Buch versammelt, u.a.: • Heini Staudinger: Idealist und Realist, friedfertiger Rebell, erfolgreicher Unternehmer. • Gottfried Umschaid: Weinkeller-Unterweltskönig, Winzer, Galerist, Künstler, Mitbegründer des "Nonseums" im "verruckten" Dorf Herrenbaumgarten. • Bodo Hell: Hüter der Worte und der Ziegen, gründlich geerdeter Sprachakrobat, kompliziert, weil nichts komplexer ist als das einfache Leben. • Martha Labil: Clown und Komödiantin fernab der Bühne, hemmungslos exponierte Akrobatin, möglichst unmöglich, befremdlich alltäglich. • Arnold Lobisser: Instrumentenbauer, Musiker und vieles mehr. Ein Lehrer, der nie auslernt, ein Künstler, der mit den Händen träumt, ein schöpferischer Handwerker.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:112


Alfred Komarek · János Kalmár

SCHRÄGE VÖGEL

Faszinierende Lebensentwürfe

Autoren und Verlag danken Bodo Hell für die Genehmigung zum Abdruck von Auszügen aus seinen „Almnotizen“ und Otto Lechner für die Genehmigung zum Abdruck von Auszügen aus seinen „Bürgermeisterreden“

Foto Link: Otto Lechner mit dem Vokalisten Kadero Ray und dem Percussionisten Raouf Kahouli beim Tonmischen

Foto Link: Das Textzitat im Bild stammt aus „Kampf der Echos“, „Die tollsten Geschichten von Donald Duck“, Heft 129, S. 7, Bild 5, Ehapa-Verlag.

www.kremayr-scheriau.at

ISBN 978-3-218-00959-1 Copyright © 2014 by Verlag Kremayr & Scheriau GmbH & Co. KG, Wien Alle Rechte vorbehalten Schutzumschlaggestaltung: Sophie Gudenus unter Verwendung eines Fotos von János Kalmár Gestaltung und Satz: Sophie Gudenus Datenkonvertierung E-Book: Nakadake, Wien

M

ANIFEST

J

ULIA

R

EICHERT

Die Leben der Puppen

A

RNOLD

L

OBISSER

Es ist ein Lied in allen Dingen

H

EINI

S

TAUDINGER

Der Kopffüßler

M

ARIKA

R

EICHHOLD

Frau Franzi

B

ODO

H

ELL

Worthirte

D

ANIEL

S

POERRI

Schöpferisch destruktiv

O

TTO

L

ECHNER

Tonmeister

M

ARTHA

L

ABIL

Die Pappelschneekönigin

K

LAUS

H

OFFMANN

Mann unter Dampf

J

OSEF

F

UCHS

Der Grenzgänger

F

RIEDL

U

MSCHAID

Der Gedankenüberschussverwerter

C

HRISTIAN

W

ESSELY

Der Ostsibirische Korjakenknacker

R

OLAND

G

IRTLER

Schüler in Gottes Weltuniversität

A

LFRED

K

OMAREK

Der Höhlenmensch

MANIFEST

Es gibt sie noch, die schrägen Vögel. Sie nisten im Schweigen der Schwätzer, unter den Dächern der Unbehausten, hinter den Regeln der Vernunft, über den Niederungen des Größenwahns, in Wissenslücken, Budgetlöchern und in der Höhle des Löwen. Sie fliegen zu ebener Erde, sie fallen in den Himmel, sie wachen in ihren Träumen auf. Schräge Vögel sind zu allem fähig, sie nehmen sich alles heraus und denken nicht daran, alles hinzunehmen. Sie mögen Künstler oder Abteilungsleiter sein, Spötter oder Propheten, Menschenfreunde oder Eigenbrötler, Clowns oder Gelehrte, Träumer oder Maschinisten, Forscher oder Eremiten, doch eines sind sie nie: so wie die andern.

Um sie wogt die breite Masse, überragt von Angebern, übertönt von Schreihälsen, kommentiert von Besserwissern, gelenkt von Geschäftemachern, beherrscht von der angemaßten Macht der Mächtigen.

Ohne schräge Vögel wäre die Welt schier zum Verzweifeln, oder zumindest sehr, sehr langweilig.

Aber es fehlt zusehends an Lebensraum für diese ohnedies schon rar gewordene Spezies. Auch ihre Welt wird reglementiert, betoniert und parzelliert. Wer nicht in den Raster passt, passt nirgendwo hin.

In diesem Buch geht es demnach um eine aussterbende Gattung oder, positiv gesagt, um deren Würdigung und Ermutigung. Die schrägen Vögel mögen doch bitte, bitte weiter flattern: allen zur Freude, die gerne so wären wie sie, aber auch um jene zu ärgern, die sich gestört sehen.

Fürs erste kann es nur um eine kleine Zahl rarer Köpfe gehen, aber sie stehen fürs Ganze. Die Auswahl zeugt von hemmungsloser Willkür, die Beschreibung von ungenierter Subjektivität (passt ja irgendwie zum Thema).

Dennoch: Dies ist der Anfang eines ambitionierten Artenschutzprojektes. Man wird ja lesen, wie es weitergeht.

Julia Reichert

JULIA REICHERT

Die Leben der Puppen

„Meine erste Begegnung mit einer Puppe endete mit ihrer Zerstörung. Ich war vier Jahre alt und hatte mir zu Weihnachten Ross und Wagen, einen Bauernhof mit allen Tieren und weiteres ,Bubenspielzeug‘ gewünscht: Unter dem Christbaum lag stattdessen eine Babypuppe, deren Leben zu kurz für eine Namensgebung werden sollte. ,Begreifen heißt dekonstruieren‘, das hab’ ich wohl damals schon verstanden und die Puppe kurzerhand zerlegt und sie dabei zerstört, um ihr Innenleben kennenzulernen. Heute zerlege ich u.a. Texte, um sie auf ihre Tauglichkeit im Figurentheater hin zu untersuchen, und ich konstruiere Puppen mit verschiedensten Mechaniken, die auf der Bühne sowas wie ,Leben vortäuschen‘ und die Phantasie des Publikums herausfordern. Dazwischen, so scheint es mir manchmal, ist kaum Zeit vergangen.“Julia Reichert

Wird wohl so sein. Aber der Weg von der Spielpuppe zum Puppenspiel erwies sich so zwischendurch auch als Umweg, als Irrweg, was auch immer. Dennoch waren ihre kindlichen, konstruktiv destruktiven Anfänge mit geradezu prophetischer Symbolik befrachtet. Sie bevölkerte ihre Welt mit selbstgebauten Puppen und schaute interessiert zu, wie sie allmählich Substanz und Gestalt verloren. Oder sie schritt voll ungeduldiger Wissbegierde zur Tat und befragte die Teile nach dem ursprünglichen Sinn des Ganzen. In andere Puppen baute sie an Geburtstagen Geheimnisse ein: sehr intime Wünsche, verschwörerische Botschaften an sich selbst, in Wachskugeln verborgen. Wollte sie dann Jahre später die Wünsche von damals ins Leben rufen, kam eben der Puppentod ins Spiel, die unerbittliche Öffnung der Leibeshöhle.

Doch mit der Schule hatten Puppenspiele erst einmal ausgespielt. Im Gymnasium vertrug sich der Lehrplan so gar nicht mit spontanen Interessen und eigenwilligen Begabungen. Die ungelehrige Schülerin entwand sich gelangweilt der pädagogisch wertvollen Zwangsjacke und versuchte es mit dem Studium auf dem zweiten Bildungsweg, der sich erst recht als Sackgasse erwies. Berufsleben demnach irgendeines, irgendwie, die Ausbildung zur Bibliothekarin und endlich die Leitung einer Münchner Autorenbuchhandlung. Mit Büchern konnte Julia Reichert viel anfangen, mit Leserinnen und Lesern auch. Aber die Notwendigkeit, damit Geschäfte zu machen, wollte ihr nicht recht einleuchten. Einmal ließ sie sogar unverhohlen leuchtenden Auges einen Bücherdieb gewähren, weil sie dessen erlesenen Geschmack bewunderte. Also wieder nichts. Aber auch sehr viel: Damals ergaben sich jene Kontakte zu Autorinnen und Autoren, zu Verlegern, die später für Julia Reicherts theatralisches Universum wesentlich wurden. Vorerst aber feierte die ehemalige Buchhändlerin ihren Abschied aus der etablierten Erwerbsgesellschaft mit der Veröffentlichung des Lyrikbandes „Gedichte aus Asche“, gemalt hat sie auch, Skulpturen gestaltet.

Bald darauf fand sie, zielstrebig wie noch nie, den Weg in jene Welt, die sie wirklich interessierte: Spielwerke, mechanisch bewegte Figuren, Objekttheater. So konnte sie auch leichthin väterlichen Prägungen entsagen, denen sie oft mit peinlich berührter Ablehnung begegnet war. Ihren Vater, Willy Reichert, hatte sie als schwäbisch-humorigen Komödianten des Boulevards erlebt, heiter und besinnlich. Dieser Stammplatz an der Rampe, das Abholen geläufigen Gelächters, das Gefallen, das Sich-selbst-Gefallen, war doch eher abschreckend. Übrigens sah selbst Willy Reichert sein Tun stets mit jenem Zweifel, der wohl zu jeder Art von Kunstausübung gehört. Als Privatmann und Vater ersparte er es sich, launig zu sein, war still, wenig zugänglich. Aber dass er Karl Valentin noch persönlich hatte kennenlernen dürfen, freute ihn schon sehr. Es gab sogar ein Buch mit Widmung: „In stiller Verehrung! Ihr Karl Valentin.“

Schon damals wusste Julia Reichert jedenfalls, was sie nicht wollte: im Vordergrund stehen, sich darstellen, zur Schau stellen, bloßstellen.

Was sie wollen könnte, wurde ihr mit 21 Jahren so richtig bewusst, als sie mit den Eltern eine Flugreise von Berlin nach Moskau unternehmen durfte. Das Moskauer Puppentheater … Sergej Wladimirowitsch Obraszow, ein wahrer Magier der Puppen, Herr über eine gewaltige Theatermaschinerie, bewegt von Hunderten Mitarbeitern. Er führte seine Puppen aus dem Reich naturalistischer Impression in nicht minder wirkliche Gegenwelten, in denen aber viel mehr möglich ist als im menschlichen Bühnenspiel. Damit eröffnete Obraszow seiner Theaterform einen eigenständigen, künstlerisch anspruchsvollen Weg in die Zukunft. Für Julia Reichert persönlich bedeutete das auch die Möglichkeit, als Mensch hinter die Figur zu treten, im Dialog mit einer Kunstgestalt zu abstrahieren, zu verkürzen, zu verdichten. Da waren vergessene Kinderträume wieder lebendig geworden: das große Theater für die hohle Hand, das erdachte, den Puppen verliehene Leben, der heimliche, unheimliche Dialog mit ihnen, deren Macht, ohnmächtig angesichts der Zerstörung. Das Drama nimmt mit unmerklich kleinen Schüben und verstohlen gesetzten Akzenten seinen Lauf. Darum braucht es auch vor nichts zurückzuschrecken: Jede Ungeheuerlichkeit ist spielbar, nichts ist so grotesk, dass es nicht sein könnte.

Julia Reichert ist ein eher scheuer Mensch. Im Bann ihrer Puppen, die Puppen in ihren Bann ziehend, ist sie unverschämt scheu. So begreift sie auch ihre Bühnen als Verstecke im öffentlichen Raum. Fünf Jahren Puppentheater in Graz folgte 1986 das Kabinetttheater in der Wiener Porzellangasse. In einem Hinterhof bot sich eine geräumige Halle an, besser gesagt, ein ruinöser Hohlraum, hervorragend dafür geeignet, ihn mit Plänen, Träumen und Illusionen zu füllen und sich dabei für den Rest des Lebens zu verschulden. Seit 2010 führt sie das Kabinetttheater allein – als Direktorin, Autorin, Inspizientin, Puppenspielerin und Gastgeberin in Personalunion, jedoch mit einem im schönsten Sinne des Wortes eingespielten Team von Puppenspielern, Technikern, Bühnenbauern, oft auch mit ihrem Bruder Thomas Reichert, dem Regisseur. Zwischendurch führt Julia Reichert selbst Regie und achtet so nebenbei, aber mit Bedacht und verhalten seufzend, darauf, dass der finanzielle Ruin wenigstens in sicherer Entfernung lauert. Ihr verpupptes Schauspielhaus ist auch ihre Wohnung, das Theaterfoyer ihr Wohnzimmer. Natürlich hat nicht jeder Zutritt in diese halb private Welt. Gespielt wird häufig für geladenes Publikum und die anschließende Bewirtung gehört zur Vorstellung, das Schauspiel bleibt im Raum präsent, lässt sich behaglich und angeregt neu erleben und reflektieren. Zuweilen, der Freiheit und der Gage zuliebe, verlässt sie samt ihren Puppen die vertraute Theaterwelt, gastiert auf großen Bühnen, verbindet und verbündet ihr Theater mit anderen Theaterformen, arbeitet mit vielen unterschiedlichsten Musikensembles zusammen und betreut Kunstprojekte. Mit Freude nimmt sie wahr, dass ihr Platz in der Theaterszene längst ein geachteter, geschätzter ist, mit leisem Unbehagen erfüllt sie der Gedanke, dereinst zur Institution zu werden. Doch davor bewahrt sie schon ihre Neugier, ihre unbändige Lust aufs Experiment – und ihre große, sehr bunte Künstlerfamilie, die, sich verändernd, Veränderung bewirkt.

Als alles anfing in der Porzellangasse, gab es schon auch die berechtigte Befürchtung, dass dieses kühne Beginnen auch die Abschiedsvorstellung sein könnte. Aber wozu gibt es Glücksfälle? Der wichtigste ereignete sich mit der Entscheidung für das Krippenspiel von Hugo Ball, bestehend aus Geräuschen und dadaistischen Gedichten. In sieben Bildern wird diese Weihnachtsgeschichte mit den Mitteln des Puppentheaters erzählt, vor der Bühne folgen „Bruitisten“ der Sprach- und Geräuschpartitur des Autors. Auf dem Stern von Bethlehem kleben übrigens unechte Fliesen aus PVC: ärmliche Sechzigerjahre, ärmlicher Stall zu Bethlehem, distanzlose Botschaft zum Angreifen. In dieses erbaulich befremdliche Geschehen mischt sich der Duft von Bratäpfeln, denn es ist ja Advent – auch im Kabinetttheater –, und die Bratäpfel sind dann zum Verzehr freigegeben. Entgegen zaghafter Bedenken wurde das Stück begeistert aufgenommen und gehört seitdem zum alljährlichen Repertoire. Dass Jahr für Jahr neue Aspekte und Impulse dazukommen, ist wohl selbstverständlich in einem Haus, in dem der Stillstand keine Rolle spielt, aber schon gar keine.

So ist denn Julia Reichert unverdrossen am Werk, wenn es gilt, Sprache wörtlich zu nehmen, sinnvollen Unsinn zu erspähen, Figuren zu entdecken, die erzählen können, was Schauspieler verschweigen müssen. Dann konstruiert sie, gestaltet sie, gibt Inhalte vor, erschafft mechanisches Leben und damit auch einen wesentlichen Teil der Dramaturgie. Teilt sie sich dann die Bühne mit ihren Geschöpfen, agieren die Puppe und die Puppenspielerin als sich selbst hinterfragendes Doppelwesen. Im von Julia Reichert verfassten Stück „Für Elise“ geht es zum Beispiel um den zynischen Monolog einer alternden Klavierspielerin angesichts der behaupteten Abwesenheit ihrer Schülerin, gleichzeitig um ein verworrenes Duett am Klavier, in dem die Rolle der Spielerin hinter der Puppe unübersehbar präsent bleibt. Die Puppe fügt sich widerwillig ins Spiel, nicht ohne deutlich zu machen, dass ihr die Kraft, sich zu fügen, nur geliehen ist, die Spielerin findet sich in Bewegung und Ausdruck der Puppe wieder, ohne sich mit ihr gleichzustellen. Die Puppe kann Themen ertragen, die der Mensch hinter ihr nicht ertrüge, kann sagen, was die Stimme hinter ihr als Mensch nie sagen würde. Und sie stirbt sehr schnell, ohne Komplikationen. Wird sie losgelassen, ist es aus und vorbei. Es sei denn, es folgt die Auferstehung, um am Ende den Applaus entgegenzunehmen. „Es ist nun einmal der Traum aller Kunst, unbelebtes Material zu beleben und ihm eine Seele zu geben.“ So steht es auf einem Blatt Papier auf Julia Reicherts Schreibtisch zu lesen.

Doch irgendwann ist Schluss mit dem Theater und geraume Zeit später verliert sich das Publikum, tritt aus der Geborgenheit des Raumes in den beiläufig umfangenen Innenhof, verschwindet im Halbdunkel vor dem Haustor. Julia Reichert ordnet ihre Welt. Die Puppen sind nur noch Gegenstände. Nachts, im Schutz der Dunkelheit, tritt sie dann vielleicht noch aus dem Schatten ihrer nun leblosen Geschöpfe, schnürt mit ziellosem Behagen durch den Wiener Alsergrund, findet es spannend, sich unter Nachbarn zu begeben, mag sein, in einer Bar loszulassen. Nur so.

Arnold Lobisser

ARNOLD LOBISSER

Es ist ein Lied in allen Dingen

Er kommt wohl deshalb immer wieder ans Ziel, weil die Ziele zu ihm kommen, obwohl er es ihnen nicht leicht macht. Sie mögen nämlich gefälligst über den eigenen Schatten springen, meint er, sich willfährig nähern, statt – wie es eigentlich ihre Art ist – erstrebenswert und angestrebt in der Zukunft zu lauern, oder auch in räumlicher Entfernung. Arnold Lobisser läuft seinen Zielen nicht nach, aber er lockt sie an. Dabei ist er nicht wählerisch und schon gar nicht bescheiden. Er möchte alles haben, sofern es interessant, kostbar oder liebenswert für ihn erscheint. Er will überall hin, wo es denkbar ist, dass er sich geborgen, vertraut und heimisch fühlen könnte.

Hallstatt war und ist eines dieser Ziele.

Arnold Lobisser brach also umgehend dorthin auf, indem er in Graz blieb, wo er zur Welt gekommen war. Er kannte Hallstatt damals ja noch gar nicht, ahnte nicht einmal, dass er es kennenlernen wollte. Deshalb wurde er nach der Pflichtschule Tischlerlehrling: War doch schön und spannend zu erfahren, was Hände und Holz, Geist und Material, Leidenschaft und Können miteinander zu tun haben. Müßig zu erwähnen, dass er die Lehre als Tischlermeister abgeschlossen hat. Warum sollte er etwas anfangen, wenn er es nicht zu Ende bringen wollte? Außerdem: Ein vielversprechendes meisterliches Ende war doch auch stets als noch mehr versprechender Anfang zu verstehen. So hielt er es fortan in allem.