Schwimmen / Schweben - Jaqueline Scheiber - E-Book

Schwimmen / Schweben E-Book

Jaqueline Scheiber

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Beschreibung

Über den Mut, ins kalte Wasser zu springen Ein glasklarer Essay über den Mut, Neues zu wagen und die befreiende Kraft des Schwimmens. Jaqueline Scheiber hat jegliche sportliche Disziplin lange gemieden. Zu groß war die Unsicherheit, zu fremd die Codes. Doch eines Tages fasst sie allen Mut zusammen und taucht sprichwörtlich ein in eine neue Welt. Sie entdeckt das Schwimmen für sich und mit jedem Zug fühlt sie sich leichter, mit jeder Bahn wächst die innere Ruhe. In ihrem Essay erkundet die Bestseller-Autorin, was Schwimmen in uns auslösen kann. Durch ihre Urgroßmutter, die nie schwimmen lernen durfte, und ihre Mutter, die für Ungarns Schwimmteam in internationalen Wettbewerben antrat, erkennt sie die politische Dimension des Schwimmens. Dieser Essay ist eine Liebeserklärung an das Strömende in uns, an die Möglichkeit, immer neue Wege zu finden und beweglich zu bleiben in unserem Alltag und unseren Gedanken. 1. Auflage mit Farbschnitt!

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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leykam:seit 1585

SCHWIMMEN SCHWEBEN

Ein Essay von Jaqueline Scheiber

Für alle, die anfangen.

Inhalt

SCHWIMMEN

11 °C

6 °C

7 °C

0 °C

2 °C

7 °C

12 °C

18 °C

20 °C

25 °C

30 °C

17 °C

SCHWEBEN

DURCHQUERTE GEWÄSSER

DANKSAGUNG

Some are wild

Some are blessed

Some are kind

Some are restless

Some will take

To be the winner

I am always a beginner

Angie McMahon

SCHWIMMEN

Ich habe den schwarzen Sportbadeanzug mit den weißen Streifen schon unter meiner Kleidung an. Ich muss nur die Hose von den Beinen streifen, die dicken Socken, es ist Winter. Ich schäle mich aus dem Pullover, die Wollmütze zieht mit, meine Haare stehen in alle Richtungen ab. Ich habe sie natürlich nicht gewaschen, aber jetzt schäme ich mich dafür, dass ich so unordentlich aussehe. Ich wundere mich über Menschen, die geschminkt und zurechtgemacht beim Sport erscheinen. Ich zähle nicht dazu.

Es ist schwül und mir ist warm, kurz bevor sich Schweißperlen auf der Oberlippe bilden. Jetzt nur selbstbewusst die Badetasche in die Hand nehmen mit dem Handtuch, der Wasserflasche, der Schwimmbrille, der goldenen Silikonhaube, der Bürste darin. Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit noch eine Wetbag kaufen, diese wasserfesten Täschchen, in die man nach dem Schwimmen die nasse Badekleidung geben kann. Das mit der feuchten Tasche auf dem Heimweg ist mühsam, die Kälte setzt sich an die Stelle, wo sie meinen Mantel berührt. Obwohl der Weg nicht weit ist, in ein paar Minuten bin ich wieder zu Hause. Jetzt nicht ablenken lassen, rein in die quietschgelben Schlapfen und ab durch die Mitte der Umkleide zu den Damenduschen.

Wenn ich versuche, unauffällig durch einen Raum zu gehen, gehe ich immer ein wenig komisch. Zu große Schritte, steife Arme. Ich sage mir: Niemand beobachtet dich, nicht einmal der Mann mit den grau melierten Schläfen vor der Spiegelwand unter der Föhnvorrichtung. Er sieht aus wie ein Triathlet. Bestimmt trägt er da draußen Anzüge und Sea Salt Spray in den Haaren. Bestimmt denkt er sich nichts beim Anblick meiner Oberschenkel, die bei jedem Schritt nachbeben. Ich will nicht, dass er mich bemerkt, obwohl ich ihn und alle anderen ganz genau bemerke. Ich will nicht auffallen, obwohl ich mir bei jedem Aufeinandertreffen eine Geschichte zusammenreime, warum wer wie oft hier ist und wer wie lange bleibt.

Am liebsten mag ich das Hallenbadpersonal. Es stört mich nicht, wenn sich unsere Blicke treffen. Sie sehen so unbeeindruckt aus. Sie kümmert es am wenigsten, wer wie häufig oder selten kommt. Sie gehen zur Arbeit und nach der Arbeit wieder nach Hause. Sie fragen nicht, warum man da ist. Dabei sind wir alle aus demselben Grund da.

Jetzt nur die Milchglastür aufstoßen und hoffen, dass niemand in der Damendusche steht, der meinen Mut verringert. Keine makellosen Körper, von denen ich mir einrede, dass es sie nur im Internet gibt. Aber es gibt sie natürlich, im Internet und im Winter im Hallenbad. Wo sollen sie denn sonst ihre glatten und perfekt proportionierten Körper erhalten. Wir vergleichen uns stumm, wir vergleichen uns durch Wegschauen, wenn wir nach unseren Bahnen wieder zurückkehren und nackt vor den Spiegeln stehen und unsere Haare abtrocknen. Ich habe kein Problem mit Nacktheit. Ich gehe auch gern in die Sauna. Nur manchmal, wenn mein Körper der Einzige im Raum ist, der aus der Reihe tanzt, ist es mir unangenehm. Dann muss ich mich in Bezug setzen.

Heute bewahrheitet sich meine Befürchtung nicht. Im zweiten Duschraum ist eine Mutter mit ihrem Kind. Das Kind weint, weil es offenbar nicht duschen möchte. Die Mutter versucht ein Spiel daraus zu machen. Ich vermeide hinzusehen, ich muss mich jetzt ohnehin sammeln. Die erste Hürde steht mir bevor. Ich kontrolliere zweimal, ob ich die Wassertemperatur auf Warmwasser gedreht habe. Dann ein fester Druck auf den großen silbernen Knopf. Ein starker Strahl schießt aus der Brause, vielleicht eine halbe Minute lang, ich drücke gleich noch mal, weil nur eine Körperhälfte erwischt wurde.

Jetzt gehöre ich dazu, denke ich. Jetzt könnt ihr mich anschauen. Die Wasserperlen an meiner Nase, den dunkelnassen Badeanzug. Ich bin jetzt eine von euch. Tropfend werfe ich mir die Tasche über die Schulter und gehe, wohin ihr geht. Die Duschräume funktionieren wie eine Schleuse. Sie verwandeln dich, machen dich wahr, machen aus deinem Vorhaben Ernst. Man betritt die Umkleiden, dann die Duschen und kommt am hinteren Ende der Schwimmhalle beim Treppenhaus, das zu den Becken führt, wieder heraus. Wer dort ankommt, zieht durch. Von einer Welt in die andere. Ich versuche unterwegs nicht auszurutschen, das wäre typisch für mich. Auf dem Weg zum Sport das Bein brechen. Ich stelle mir einen Moment zu lange vor, wie ich die Stufen hinunterdonnere, ist mir alles schon passiert. Platzwunde, Knochenbruch, aufgeschürfte Knie. Nicht heute. Heute bin ich vorsichtig. Ich bewege mich nah am Treppengeländer, halte einen Sicherheitsabstand zu den kleinen Lacken auf den Fliesen. Oben angekommen empfängt mich diesiges Winterlicht. Es kommt mir viel heller vor als draußen. Große Fensterfronten, laute Geräusche, die sofort vom Hall verschluckt werden. Blick zu den Liegen. Blick zum Becken. Ein paar Eltern mit ihren Kindern im Nichtschwimmerbereich.