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Dieses Buch ist ein Standardwerk für alle Menschen die bereit sind neue Wege im Einklang mit der Natur zu gehen, in Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit und Demut allem Leben gegenüber.Das Buch handelt von Menschen und ihren Tieren in verschiedenen Konstellationen wie Partnerschaften, Zweckgemeinschaften und Familiensystemen.Es gibt ich den Menschen eine zusätzliche Option, Hilfestellung Aspekte und Möglichkeiten näher zu bringen, welche den Umgang mit unseren tierischen Begleitern im täglichen Leben erleichtern können.Es ist ein Standardwerk, das jeden Tierliebhaber und Tierhalter anspricht, für den das Tierwohl und der artgerechte Umgang wichtig ist. Auch soll es Menschen zum Umdenken im Umgang mit Tieren anregen. Es erreicht das Herz eines jeden Lesers. Vertrauensvoll schreibe ich von meinen sehr persönlichen, familieären Erlebnissen/Erfahrungen und authentischen Fällen aus meiner Arbeit als Tierkommunikatorin und Tierheilpraktikerin aus den letzten 15 Jahren.
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Seitenzahl: 389
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Barbara Echtler
SeelenGezwitscher
Barbara Echtler
SeelenGezwitscher
Aus dem Tagebuch einer Tierkommunikatorin
Impressum
© 2021 Barbara Echtler
ISBN 9783986775933
Autorin
Barbara Echtler
Textgestaltung
Andrea Klasen, Schwerte NRW
Herausgeber
Barbara Echtler
Vertrieb
Nova MD GmbH, Vachendorf
Layout/Satz
Heide Wülfert, Grafik + Design, München
Umschlaggestaltung
Heide Wülfert, Grafik + Design, München
Fotos
privat
Druck
Finidr, s.r.o
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Wie alles begann
Henry
Charly – der Hund, der mich zur Tierkommunikation führte
Charly und seine schwerwiegende Entscheidung
Mein Seelenhund Giuly
Henry kehrt zurück
Kater Findus oder Wie man das Leben genießt!
Begegnungen und Gespräche mit Tieren
Als ich ein Rehkitz traf
Eine Libelle zeigt sich
Die Würde der Tiere ist unantastbar.
Wer sich versteckt, überlebt – ein Hund aus Bosnien erzählt
Das Gepäck – Die Last auf der Seele
Das größte Glück der Pferde
Freiheit für die Blutegel
Socke und die Geister der Vergangenheit
Rudi, der Schneckenkönig
Baby!
Wie Tiere unseren Stress übernehmen
Unter Vögeln
Ein bedrücktes Pferd
Abschied nehmen
Katze im Kampf gegen Windmühlen
Ein sanfter Riese
Kälbchen in Not
Der verlorene Hund
Thomas Ridder
Wie Zecken auf Weltreise gehen
Onkel Joe und die Weihnachtsbäume
Giuly denkt mit
Wenn du das sagst …
Peppino, der Friedensträger
Der Friede der Karpfen
Die Bedeutung der Namen
Wie ein Kosename Verwirrung stiften kann
Tiere übernehmen Krankheiten für uns
Die Angst vor dem Hänger
Was Gerüche bei Mensch und Tier auslösen
Der Hund, der immer fror
Lisa, das Marderkind
Das Pferd, das alle glücklich macht
Hummel im Anflug
Eichhörnchen außer Rand und Band
Begegnungen mit Rehen
Eine Katze und die Angst vor einem Mann
Das Pony, das Schmuck liebt
In einer Höhle gefangen
Die Dachse
Wie Tierkommunikation bei einem Umzug helfen kann
Ein Umzug um die halbe Welt
Haflinger Onkel Joe zieht um
Vereinbarungen treffen
Giulys Tod
Janka
Onkel Joe entdeckt seine Männlichkeit
Verzeihen lernen wie Tierkommunikation dabei helfen kann
Lady plaudert aus dem Nähkästchen
Ein indischer Hund überlebt Unmögliches
Das Leben soll Spaß machen
Katzen und stark befahrene Straßen
Die Flügel des Mäusebussards
Der Vogel zwischen den Welten
Dogge als Prestigeobjekt
Susi Hülsmann: Wahre Worte oder Was dein Hund sich von dir wünscht
Ein trotziger Kater erzieht seine Menschen
Du machst nichts falsch!
Aufruhr im Hühnerstall
Die starke Rose
Unsichtbare Katzen
Das Pferd, das sein Vertrauen verlor
Hartnäckig bleiben!
Eine Schildkröte lädt ein, ins Vertrauen zu gehen
Die Katze mit dem Spezialauftrag
Die übergriffige Frau und der Jack Russell
Emil will Klärung
Die tiefe Verzweiflung eines Labor-Äffchens
Die Katzen und die Pinkelei
Ein beißender Kater
Die Tiere spiegeln uns
Wenn Katzen sich nackt schlecken
Woher kommen wir?
Wenn unsere Zeit gekommen ist, gehen wir
Was die Tiere auf sich nehmen
Tiere sind …
Dank
Literaturverzeichnis
Vorwort
Wer ein absolut authentisches, ehrliches Buch über Tierkommunikation sucht, ist hier fündig geworden: Beide Eigenschaften verkörpert Barbara Echtler.
Gepaart mit tierkommunikativer Kompetenz und großem Einfühlungsvermögen, sowohl für die Tiere als auch deren Menschen, sind das die Voraussetzungen für eine wunderbare Tierkommunikatorin. Dass sie auch noch eine fähige Tierheilpraktikerin ist, komplettiert das Bild.
Es ist mir ein Anliegen, dies voranzustellen und interessierten Menschen Lust aufs Lesen zu machen.
Als ich Barbara bei einem meiner Aufbaukurse kennenlernte, an dem sie 2004 teilnahm, fielen mir sofort ihre Warmherzigkeit sowie ihr großer Wunsch auf, mithilfe der Tierkommunikation wirklich etwas für die Tiere bewirken zu können. Dass sie jetzt dieses Buch geschrieben hat, ist mehr als überfällig und bereitet mir viel Freude. Leider gibt es nicht sehr viele gute Bücher über Tierkommunikation – Bücher, die die nötige Bodenhaftung vermitteln und das Thema so selbstverständlich erläutern, wie es ist. Wer nur ein wenig bereit ist, über den Tellerrand der Konventionen hinauszublicken, wird sich durch diese Berichte verstanden fühlen und die Lektüre genießen.
Mit diesem Buch lässt uns Barbara teilhaben an den spannenden, oft tiefgehenden und sehr berührenden Gesprächen, die sie im Laufe der Jahre mit vielen verschiedenen Tieren geführt hat. Wie kann man interessierten Menschen die Tierkommunikation besser nahebringen als durch Erlebnisse und Erfahrungen …? Davon hat Barbara dank ihrer langjährigen Praxis viele zu bieten. Sie zeigt auf, was alles in der Tierkommunikation möglich ist, weist jedoch auch auf die Grenzen hin, die respektiert werden sollten. Sie beschönigt nichts, sie bleibt bei den Tatsachen. Beides schätze ich sehr.
Danke, liebe Barbara, ich weiß, wie viel Zeit, Kraft und Energie in einem solchen Buch stecken, und ich freue mich sehr, dass du es durchgezogen hast! Ich werde es sehr gerne vielen Kundinnen/Kunden empfehlen.
Damit ihr gleich mit dem Lesen beginnen könnt, wäre hiermit alles gesagt: Viel Freude mit diesem Buch – und natürlich mit euren Tieren.
18. Mai 2019, Karina Heuzeroth
Meine Lehrerin Karina Heuzeroth ist Gründerin des BVTK.
Seit 2001 ist sie hauptberuflich als Tierkommunikatorin tätig, seit 2005 als Ausbilderin für Tierkommunikation. Ab 2013 Gründerin und Vorsitzende/Leiterin des Bundesverbandes für Tierkommunikation.
Außerdem seit 1998 Tellington TTouch-Practitioner und seit 2018 hochschulzertifizierte Fachberaterin für essbare Wildpflanzen.
www.tiergefuehle.de
Meinem geliebten Kater Findus gewidmet
Findus wurde im Mai 2005 geboren und ist auf tragische Weise am 16. März 2018, während der Entstehung dieses Buches, in eine andere Dimension umgezogen.
Er hat uns all die Jahre, in denen er uns begleitet hat, jeden Tag mit seiner Art, seinen Späßen und seinem kindlichen Gemüt zum Lachen gebracht.
Findus hatte einen schweren Start ins Leben. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hat er das Leben immer im Hier und Jetzt gelebt und es in vollen Zügen genossen.
Er bleibt in meiner Erinnerung als eine männliche Fee, als ein Wesen, das mit seinem Zauberstab Menschenherzen geöffnet und unendlich viel Liebe in feinsten Funken verstreut hat.
Findus hat seinen festen Platz in meinem Herzen, und meine Familie und ich, wir werden ihn niemals vergessen.
Gott schuf die Menschen und das Tier.Er hat uns die Tiere anvertraut,nicht ausgeliefert.
Unbekannter Verfasser
Wie alles begann
Henry
Immer schon habe ich mich zu den Tieren hingezogen gefühlt. Und sie sich zu mir. Bin ich als Kind einem Tier begegnet, dann ist es mir gefolgt und nicht mehr von meiner Seite gewichen. Für mich war das ganz normal, und ich wurde erst auf diese besondere Verbundenheit aufmerksam, als die anderen sagten: „Der Barbara vertrauen sich die Tiere sofort an.“
Dabei war das für mein Empfinden etwas ganz Natürliches. Warum sollten sie mir nicht folgen? Wir verstanden einander doch? Ich wusste, was sie brauchten und was sie sagten.
Das Traurige an dieser Sache war, dass ich als Kind kein Tier haben durfte. Meine Eltern waren dagegen. Und ich wünschte es mir doch so sehr. Als meine Tante mir dann ein Meerschweinchen zu meiner Erstkommunion schenkte, da konnte ich mein Glück kaum fassen. Das Meerschweinchen wurde zu meinem engsten Freund. Ihm vertraute ich alles an, so wie andere ihrem Tagebuch alles erzählen. Sein Fell war so weich, seine dunklen Knopfaugen so sanft, und es verstand mich. Immer.
Als mein Meerschweinchen starb, war ich wieder allein.
Ich musste mich also weiter in Geduld üben, mit einem Tier leben zu können. Ich träumte von einem eigenen Hund, denn ich bin mir ganz sicher, dass ich mit einem Wunsch nach Schokolade und dem nach einem Hund auf die Welt gekommen bin … Doch der Traum, einen eigenen Hund an meiner Seite zu haben, musste vorerst noch warten.
Ganze fünfundzwanzig Jahre musste ich warten. Ich durchlebte Kindheit und Jugend, wurde erwachsen, lernte meinen Mann Klaus kennen und wir beschlossen, eine Familie zu gründen. Aufwachsen sollten unsere Kinder in einem Haus mit Garten. Wir wagten das Abenteuer Hausbau und während unser künftiges Domizil immer mehr Gestalt annahm, stand ich oft gedankenversunken am Rande unseres Grundstücks, inmitten von Baumaterialien und Betonmischern und dachte: „Jetzt, jetzt endlich muss ein Haustier möglich sein!“ Ich würde doch bald in meinen eigenen vier Wänden leben. Die Sehnsucht, einen Hund als Gefährten zu haben, begann wieder in mir zu wachsen. Sie wurde größer und größer. Nun bestand doch wirklich berechtigte Hoffnung: In meinem eigenen Haus konnte ich schließlich tun und lassen, was ich wollte.
Doch die äußeren Gegebenheiten für einen Hund waren einfach noch nicht vorhanden. Unser Haus war zwar fertig, aber der Garten lag noch brach und war noch nicht einmal eingezäunt. Ich musste also meinen Wunsch weiter zurückstellen.
„Aber eine Katze zu halten, das wäre doch möglich“, ging es mir irgendwann durch den Kopf. Eine Katze brauchte keinen Gartenzaun.
Klaus war auch einverstanden, und ich hörte mich bei Tierärzten um, ob sie jemanden wüssten, der eine Katze abgeben würde.
Ich hatte Glück. Der Tierschutz hatte gerade die Massenhaltung einer älteren Dame aufgelöst, und die vielen Katzen, die auf engstem Raum gehalten worden waren, suchten nun ein neues Zuhause. Unter ihnen der kleine Henry. Er war wirklich winzig klein, ein Wollknäuel, unglaublich süß und sofort sehr zutraulich. Damals waren weite T-Shirts so modern. Ich trug sie auch, machte unten einfach einen Knoten hinein, und schon hatte ich eine Art Tragebeutel für Henry.
Damals arbeitete ich noch in Klaus’ Büro, und so konnte Henry den ganzen Vormittag in der Kuhle des T-Shirts schlafen. Und wie er den Körperkontakt mit mir genoss! Wir hatten eine sehr enge Bindung.
Dass es so etwas wie Tierkommunikation gab, wusste ich zu dieser Zeit noch nicht, aber ich wusste, was Henry denkt, und er wusste, was ich denke. Dachte ich etwas, dann tat er es im nächsten Moment.
Im Grunde war Henry die Vorstufe zu einem Hund: Ich konnte mit ihm spazieren gehen, und wenn unsere Kinder Sonja und Matthias aus der Schule kamen und klingelten, raste Henry wie eine Rakete zur Haustür und begrüßte sie überschwänglich. „Endlich wieder spielen!“, dachte er. Henry war überall mit dabei. Spielten Sonja und Matthias Ball, spielte Henry mit. Fuhren sie Skateboard, rannte er neben ihnen her. Sie konnten sogar mit ihm Verstecken spielen. Und wenn sie dann einander fanden, zelebrierten sie ausgiebig das Erschrecken. Henry tat das mit aufgestellten Haaren und furchterregendem Fauchen. Meine Kinder ahmten seine Geräusche nach, und einer wollte den anderen übertreffen.
Manchmal spielten sie so wild miteinander, dass Henry die Zunge heraushing. Dann nahm Matthias ihn auf den Arm, schob ihn unter seinen Pullover, wo Henry so lange ruhte, bis er zu neuen Kräften gefunden hatte und das Spiel von vorn begann.
Eines Tages war Henry erwachsen, ein richtiger Kater, der sich für schöne Katzenweibchen interessierte und ihre Nähe suchte. Irgendwann kam er nicht mehr nach Hause zurück.
Ich spürte jedoch, dass er lebte. Dieses Gefühl war ganz stark und unmissverständlich. Ich hängte Plakate aus, fuhr mit dem Auto die Gegend ab, verständigte die Tierärzte, und dann, nach sechs Wochen, wusste ich auf einmal, dass ich nicht mehr zu suchen brauchte.
Henry lebte nicht mehr, das fühlte ich klar und deutlich.
Als Klaus nach Hause kam, sagte er mir, dass eine Frau Henry gefunden habe. Wir fuhren zu der beschriebenen Stelle. Henrys Körper sah schrecklich aus: Er war von einem Lastwagen erfasst und durch die Luft geschleudert worden und in der Nähe der Straße aufgeprallt. Der Regen hatte seinem toten Körper stark zugesetzt. Mit Tränen stand ich da und blickte auf unseren Henry, der ein so fröhlicher Kater gewesen war und der uns so viel Lebensfreude und Glück geschenkt hatte. Er war wohl wochenlang auf Brautschau gewesen und hatte seine Angebetete immer wieder aufgesucht. Und dann kam der Lastwagen …
Ich begrub Henry in der Nähe der Stelle, wo er sein Leben verloren hatte, am Rande eines schönen Waldstücks. Die Kinder sollten seinen zerfallenden Körper nicht sehen.
Kurz darauf rief ich eine Freundin an, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Ich wollte nicht erzählen, dass Henry tot war, aber sie fragte nach ihm, und dann sprach ich doch darüber. Detailgetreu schilderte ich ihr, wie der Unfall passiert war. Ich hatte die Bilder so klar in meinem Kopf, als würde ich einen Film sehen. Ich hörte die Geräusche, ich spürte den Regen und Henrys Schrecken, als dieses Ungetüm von Lastwagen auf ihn zuraste, und im nächsten Moment wurde alles dunkel und still. Sonja, die neben mir stand, blickte mich mit offenem Mund an: „Mama, woher weißt du das alles?“
Ja, woher wusste ich das alles? Henry hatte mir diese Bilder geschickt. Weil unsere Bindung so eng war, sah ich, sozusagen mit seinen Augen, das, was geschehen war. Bild für Bild, Moment für Moment. Ich dachte ja selbst, dass ich verrückt geworden sei, aber es sprudelte nur so aus mir heraus, und die Bilder waren so klar, dass ich den LKW hätte zeichnen können.
Das Leben zeigte mir sehr deutlich meinen Weg, aber damals traute ich meinen Fähigkeiten noch nicht. Als Kind hatte mir jemand gesagt, dass Tiere nicht sprechen können und ich spinnen würde. Glücklicherweise kamen weitere wunderbare Tiere in mein Leben, die mich immer mehr dahin führten, wo ich offensichtlich hin sollte.
Charly – der Hund, der mich zur Tierkommunikation führte
Auch Charly war eines dieser wunderbaren Tiere in meinem Leben, und er war mein erster eigener Hund. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Eine Frau aus einem Tierfachgeschäft hatte ihn mir vermittelt. Ihr Mann war LKW-Fahrer und belieferte gerade einen Bauernhof, als er sah, dass ein Landwirt junge Welpen vor die Wand schlug. Charly konnte er als Einzigen retten. Der Welpe war gut genährt, ohne Parasiten in Fell und Ohren, obwohl er seine ersten Lebenstage in einem Stall verbracht hatte.
Als ich ihn das erste Mal sah, verliebte ich mich sofort in ihn. Doch ich wollte eine Nacht darüber schlafen und der Frau dann erst meine Entscheidung mitteilen.
Am nächsten Tag, als ich sie anrief, um ihr zu sagen, dass wir uns für den kleinen Rüden entschieden hätten, war sie nicht zu erreichen. Immer wieder ging nur der Anrufbeantworter an, und in meinem Kopf lief ein Film ab: Bestimmt bringt sie ihn gerade zu einer anderen Familie. Oh je, jetzt habe ich zu lange gezögert, und nun kommt mein Hund in andere Hände.
Doch irgendwann ging die Frau ans Telefon und beruhigte mich, dass Charly selbstverständlich noch zu haben sei und wir den kleinen Kerl jetzt abholen könnten. Was war das für ein schönes Gefühl!
Da saß er nun, mein Welpe, der mich in den nächsten Jahren begleiten würde. Doch in mir kamen auch Zweifel auf – würde ich alles richtig machen? Ich hatte noch nie die alleinige Verantwortung für einen Hund gehabt. Nun lag es an mir, ihn richtig zu füttern, zu erziehen und dafür zu sorgen, dass er sich bei uns wohlfühlt.
Charly war eine Mischung aus einem American Staffordshire-Terrier und einem Golden Retriever. Er war ein vollkommen unerschrockener, in sich ruhender Hund, dem es nichts ausmachte, durch Menschenmassen zu gehen, den laute Geräusche nicht schockierten – ihn konnte nichts erschüttern.
Wir machten lange Spaziergänge, ich plante richtige Touren, damit Charly ausgiebig laufen und sich bewegen konnte. Auch durch unbekannte Gebiete liefen wir. Als wir einmal unterwegs waren, gingen wir parallel zu einem Bach. Lange Zeit folgten wir dem Wasserlauf. Dann wollten wir umkehren. Doch um zum Auto zurückzukommen, hätten wir den Bach überqueren müssen, aber es gab nirgends eine Brücke. Derselbe Weg zurück wäre viel zu lang gewesen. Ich überlegte hin und her, als ich plötzlich bemerkte, dass Charly verschwunden war. Im nächsten Augenblick hörte ich eine Stimme in meinem Kopf: „Hier bin ich.“ Erschrocken blickte ich mich um und sah Charly, wie er auf der anderen Seite des Baches saß.
„Wie kommst du denn da rüber?“
„Ganz einfach, ich zeig es dir!“
Ich schüttelte mich. Hörte ich da wirklich die Stimme meines Hundes? Ich sah Charly an, und wieder sagte er: „Komm, ich zeig es dir.“ Ich hörte so deutlich, was er sagte. Er hätte nur noch die Schnauze dabei auf- und zumachen müssen.
Ich überquerte den Bach mit Hilfe von Steinen, so, wie Charly es mir gezeigt hatte. Mit wirren Gedanken im Kopf lief ich mit ihm zurück zum Auto. Auf der ganzen Fahrt nach Hause schüttelte ich immer wieder den Kopf.
Endlich kam Klaus von der Arbeit. Ich erzählte ihm von meinem Gespräch mit Charly und war froh, dass mein Mann sich verständnisvoll zeigte und mich nicht für verrückt erklärte. Im Gegenteil. Klaus nahm das alles sehr ernst, und als er kurze Zeit später von einem Seminar nach Hause kam, schenkte er mir ein Buch der Amerikanerin Penelope Smith, „Gespräche mit Tieren – Praxisbuch Tierkommunikation“.
„Das lag da aus und ist mir ins Auge gesprungen“, erklärte er. Dann habe er das Buch gelesen und sei überzeugt gewesen, dass es das Passende für mich sei.
Ich habe das Buch verschlungen, und es war wie eine Offenbarung für mich: Plötzlich verstand ich so viele Situationen, die ich erlebt hatte. Ich war also nicht die Einzige, die hören konnte, was Tiere sagen. Ich war folglich weder verrückt noch völlig bescheuert.
Zu diesem Zeitpunkt formte sich ein großer Wunsch in mir: Ich will das richtig lernen! Ich möchte Kurse in Tierkommunikation besuchen.
An meinem Entschluss führte nun kein Weg mehr vorbei.
Einen Lehrer für Tierkommunikation zu finden, war damals schwierig. Es gab niemanden, der solche Seminare veranstaltete. Und nach Amerika konnte ich schlecht reisen. Mir gingen jedoch die Geschichten und Erfahrungen von Penelope Smith nicht mehr aus dem Kopf. Doch es dauerte ein ganzes Jahr, bis sich mir ein Weg aufzeigte.
Eine Esoterik-Buchhandlung in Ulm bot einen Tierkommunikations-Kurs an. Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wie ich auf die Ausschreibung dieses Kurses gestoßen und wie ich nach Ulm gekommen bin. Tatsächlich saß ich dann inmitten anderer Interessierter und war fasziniert von dem, was die Schweizer Seminarleiterin erzählte: Das war meine Welt. Leider war dieser Kurs mit fünfunddreißig Teilnehmern völlig überbelegt, und ich mit meiner schüchternen Art ging völlig unter. Ich war sehr unsicher, und die Zweifel nagten an mir: „Ich kann das nicht. Warum können die anderen das und ich nicht?“
Was ich aber ganz sicher wusste, war: Ich will weitermachen! Und wie das immer so ist, wenn man sich auf den Weg macht – man trifft Menschen, die einem weiterhelfen.
Über sieben Ecken erfuhr ich von Karina Heuzeroth, die einen Kurs in Tierkommunikation am Ammersee veranstaltete. Durch unseren Hausbau mussten Klaus und ich wirklich sehr sparsam leben, aber ich knapste das Geld irgendwie ab und fuhr hin.
Der Kurs war wunderbar. Die Gespräche mit den Tieren klappten gut. Ich wusste, dass das mein Weg sein würde. Dann kam noch Constanze Seydlitz-Oberdorfer in mein Leben, die wie Karina zu meiner Lehrerin wurde. Bei beiden habe ich mehrere Kurse absolviert, und sowohl bei Karina als auch bei Conny, wie ich sie nenne, durfte ich hospitieren. Die beiden haben mich während meiner Ausbildung immer bestärkt und mir geholfen, wenn ich unsicher war.
Bei Karina habe ich meinen Abschluss gemacht und darf mich seither „Tierkommunikatorin nach Penelope Smith“ nennen.
Karina und Constanze sind bis heute an meiner Seite, und manches Mal bitte ich sie, mir ihre Einschätzung zu einem Gefühl, das ich während einer Tierkommunikation bekomme, zu geben.
„Bitte, fühl du doch mal rein. Ich bin mir nicht ganz sicher.“
Beide sind wunderbare Lehrerinnen und Kolleginnen für mich. Ich habe viel von ihnen gelernt.
Nach einer gewissen Zeit konnte ich dann selbst als Tierkommunikatorin arbeiten. Anfangs war es schwer, Kunden zu finden, aber mit der Zeit sprach es sich herum, und immer öfter riefen mich Tierbesitzer an und baten um meine Hilfe.
Charly und seine schwerwiegende Entscheidung
Es war ein warmer Tag, und ich beschloss, mit meiner damals achtjährigen Tochter Sonja, Charly und einer Freundin eine Radtour zu machen. Ein Abschnitt der Strecke führte an einer viel befahrenen Bundesstraße vorbei, die durch eine etwa zwei Meter hohe Böschung vom Radweg getrennt war. Charly lief frei mit. Obwohl ich immer noch absoluter Laie auf dem Gebiet der Hundeerziehung war, hörte Charly gut. Manchmal musste ich mehrfach rufen, aber wenn ich dann einen richtig lauten Brüller losließ, kam Charly zu mir. Darauf konnte ich mich wirklich verlassen.
Während wir den Radweg entlangfuhren und das schöne Wetter genossen, rannte Charly plötzlich auf die Böschung und wollte hinter dem Wall in Richtung Bundesstraße verschwinden. Ich rief und rief, und irgendwann brüllte ich: „Charly!“ Doch er hörte nicht mehr. Ich kletterte auf die Böschung und sah, wie er in ein Auto lief. Im nächsten Moment wurde sein Körper auf die andere Seite der Straße geschleudert. Ich bat meine Freundin, auf Sonja aufzupassen, und lief hinüber. Da lag er. Ich nahm Charly in die Arme, er tat noch einen letzten Atemzug und verstarb. Ich war mir ganz sicher: Er hatte sterben wollen. Es war Suizid gewesen. Es konnte gar nicht anders sein.
Irgendwie kamen wir wieder nach Hause zurück, und ich wünschte, ich hätte Sonja all das ersparen können. Als ich Klaus abends erzählte, dass Charly den Freitod gewählt hatte, da sah er mich nachdenklich an.
Ein merkwürdiger Gedanke – dass ein Tier freiwillig geht? Warum hatte Charly das getan? Einige Zeit danach nahm Klaus an einer Fortbildung zum medialen Heiler bei Rosina Sonnenschmidt teil.
Während dieser Schulung sprach er mit einer Teilnehmerin und erzählte ihr von Charlys Entscheidung. Sie sah Klaus an und sagte: „Er musste gehen.“
Später wusste ich, warum. Er musste gehen, damit Giuly zu uns kommen konnte. Charly war ein unkomplizierter, sehr sicherer Hund gewesen. Giuly war das genaue Gegenteil. Mit ihr sollte ich all das lernen, was mich heute ausmacht. Mit ihr bin ich wichtige Passagen meines Lebensweges gegangen. Wir brauchten all die Schwierigkeiten, die Krankheiten und Giulys Eigenarten, um uns beide zu entwickeln. Charly hatte Platz für Giuly gemacht. Für ihn war es nur ein Kurzaufenthalt auf dieser Erde gewesen.
Es war schwierig, wieder ohne Hund zu sein. Wir brachen zu einem Urlaub in die Toskana auf und hatten auf der Fahrt den Entschluss gefasst, einen der zahlreichen italienischen Straßenhunde mitzunehmen. Niemand würde einen solch herrenlosen Hund vermissen.
Doch es war wie verhext. Liefen sonst die Hunde in Scharen über die Straßen und bettelten, so trafen wir in unserer zweiwöchigen Urlaubszeit keinen einzigen der wild lebenden Hunde. Es war so, als hätte sie jemand von der Straße geholt, dass wir bloß keinen mitnähmen.
Auch das verstand ich damals noch nicht, aber es musste so sein, denn Giuly stand zu dieser Zeit bereits in den Startlöchern.
Die Rückfahrt von Italien ins Allgäu planten wir über München, um dort im Großhandel einzukaufen. Wir aßen zu dieser Zeit sehr viel Rohkost und brauchten Unmengen an Obst und Gemüse.
In der großen Markthalle führte mich mein Weg sofort zum Zeitungsstand.
Ich schlug mit schnellen Fingern die Seiten des Anzeigenblattes „Kurz und fündig“ auf: „Rottweiler-Mischlings-Welpen abzugeben“, stand da zu lesen. Das war er. Ganz in unserer Nähe befand sich mein Hund. Ich hatte immer schon von einem Rottweiler geträumt. Ich liebe diese muskulösen Hunde, die Respekt einflößen und gleichzeitig eine große Souveränität ausstrahlen.
Einen reinrassigen Rottweiler wollte ich nicht, weil die sehr eigen sind. Rottweiler-Mischling hörte sich hingegen gut an. Diese Welpen sollten noch den Malinois in sich haben, einen belgischen Schäferhund. Ich dachte, der Schäferhund gleicht sicher den Charakter des Rottweilers aus, oder schwächt ihn ab. Das Gegenteil war der Fall: Die „Ich-muss-was-tun“-Mentalität des Malinois’ verstärkte noch die Eigenschaften des Rottweilers. Giuly war weitaus schwieriger als ein reinrassiger Rottweiler. Sie war eine hochexplosive Mischung. Ein 35 Kilo-schweres-Geschoss – und mein Schicksalshund.
Ich fuhr noch am selben Tag mit dem Rad zu der Frau, die die Welpen anbot. Sie war mir unsympathisch und erzählte, dass sie die Welpen Bauern abkaufe. Bei ihr lebten die Hunde dann bis zur Abgabe im Waschkeller und im Garten. In die Wohnung der Frau kamen sie nicht.
Die Hunde ernährten sich von Kompostabfällen. Das erklärte, warum Giuly in den ersten Wochen bei uns so intensiv nach Kaffee roch. Sie hatte die Filter gefressen. Sicherlich keine geeignete Nahrung für einen Hund.
Ich fuhr noch ein weiteres Mal hin, diesmal mit Klaus und Sonja. Die beiden wollten unbedingt die Hündin, Giuly, nehmen. Ich hingegen fühlte mich erst zu dem Rüden hingezogen. Doch diesmal, anders als bei Charly, entschieden Klaus und Sonja, und wir nahmen Giuly mit zu uns nach Hause. Genauso sollte es sein. Für sie hatte Charly sein Leben geopfert.
Mein Seelenhund Giuly
Giuly war ab einem gewissen Zeitpunkt immer krank. Sie hatte auch Krankheiten, die keiner kannte. Oft musste ich das Geld für ihre Behandlungen irgendwie zusammenkratzen. Ich habe ein Vermögen für diesen Hund ausgegeben und bin mir sicher, dass ich für dieses Geld eine monatelange Weltreise auf einem luxuriösen Segelschiff hätte machen können. Doch ich hätte mein letztes Hemd für diese wunderbare Hündin gegeben.
Mit acht Jahren wäre sie beinahe gestorben. Über Nacht war sie so krank geworden, dass der Tierarzt am nächsten Morgen nicht wusste, ob sie bis zum Mittag überleben würde. In diesen Stunden vollzog sich eine Wandlung zwischen Giuly und mir. Ich wusste nicht mehr, wie lange Giuly noch leben würde. Jeder Tag war nun ein Geschenk. Wir hangelten uns von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr. Sechs Jahre blieb sie noch bei mir. Wer hätte das in jener Nacht gedacht? Im Angesicht ihres möglichen Todes beschlossen wir beide, künftig das Leben miteinander nur noch zu genießen. Im Hier und Jetzt zu leben. War ich früher sehr streng mit Giuly gewesen, weil ich schlicht überfordert mit ihr war, so lebten wir nun in einem verschworenen Miteinander. Ich ließ nun fünf gerade sein, und Giuly nahm das dankbar an. Diese neue Lebenseinstellung ließ uns noch mehr zusammenwachsen, und unsere Freundschaft hatte nun die Ebene erreicht, die wohl für uns beide vorgesehen war. Genau da sollten wir hinkommen.
Giuly war mein Traumhund. Ich mochte ihren Charakter und ihr Aussehen. Sie bestand nur aus Muskeln und Sehnen. Dieser Hund war ein kompaktes Paket, die reine Kraft, und sie strahlte eine große Stärke aus. Für unsere Familie wäre sie durchs Feuer gegangen. Und ich wäre für sie in einen reißenden Fluss gesprungen, um sie zu retten. Dieses Bild hatte ich immer vor Augen, wenn das Gefühl der Liebe zu diesem Hund in mir hochkam. Und noch etwas rief diese Hündin in mir wach: Sie weckte meinen Überlebenswillen. Als Kind und als junger Mensch war ich oft an diesem Leben verzweifelt, fühlte mich vielem gegenüber nicht gewachsen, fand meinen Platz im Leben nicht … Mit Giuly wuchs der Wunsch in mir, das Leben anzugehen. Sie hielt meinen Überlebenstrieb wach, weil sie selbst diese starken Instinkte und so viel Hund in sich hatte. Sie wollte leben – und ich wollte es jetzt auch.
Durch Giuly kam ich mit der Homöopathie in Berührung, denn die Tierärzte konnten uns schon bald nicht mehr helfen.
Im Laufe der Zeit setzte ich mich immer mehr mit der Naturheilkunde auseinander. Es war eine Welt, die mich faszinierte. Einer Freundin, die auch einen kranken Hund hatte, gab ich Tipps, und irgendwann sagte sie zu mir: „Du, Barbara, werde doch Tierheilpraktikerin. Dann können wir immer zu dir in die Praxis kommen.“ In mir war bereits der Wunsch aufgekommen, die Ausbildung zum Heilpraktiker für Menschen zu machen, aber plötzlich dachte ich: „Ja, warum eigentlich nicht Tierheilpraktikerin werden?“ Giuly war es, die aus dieser erst wagen Idee Realität werden ließ.
Wir hatten eine unglaublich enge Verbindung. Giuly konnte mich lesen wie ein offenes Buch. Sie klinkte sich einfach in mein Gehirn ein und erspürte meine Gedanken. Bei unseren Spaziergängen musste ich nur denken: „Wir gehen nach links“, und schon bog Giuly nach links ab.
Von Katrin, unserer Tierpsychologin, lernte ich unglaublich viel über Hunde, und sie zeigte mir, was Giuly brauchte. Die Hundeschulen davor hatten alles nur noch schlimmer gemacht, aber ich wusste es damals nicht besser. Katrin lehrte uns die vielen Kleinigkeiten, auf die es ankommt: die feine Kommunikation.
Eines Nachts wachte ich auf und merkte, dass mir ganz übel war. „Bis zum Klo schaffe ich es nicht mehr“, ging es mir durch den Kopf, während ich die Bettdecke hastig zurückschlug. Im nächsten Moment hörte ich, wie Guily sich neben meinem Bett übergab. Als sie alles losgeworden war, ging es auch mir besser. Die Übelkeit war verschwunden.
Giuly und ich, wir schauten uns an, wissend, dass zwischen uns kein Blatt Papier passte.
Musste ich für eine Fortbildung verreisen, dann wurde Giuly krank. Ich saß kaum im Zug, als Klaus anrief und sagte: „Sie kotzt schon wieder.“
Als ich wieder einmal wegfahren musste, wollte Katrin Giuly während der Tage meiner Abwesenheit versorgen. Damit sie möglichst wenig Arbeit mit Giulys aufwendiger Diät hätte, bereitete ich die jeweiligen Tagesportionen vor.
Giuly fraß zu dieser Zeit vorwiegend Kartoffeln. Ich kochte also mehrere Kilo, und als ich die Knollen abschüttete, und mir eine heiße Kartoffel nahm, um sie selber zu essen, da hörte ich Giulys Stimme: „He, das sind meine Kartoffeln!“ Ich drehte mich um und schaute zu ihr hinunter: „Na, die vielen Kartoffeln, die werden wohl für dich reichen, oder?“
So funktionierte unsere Kommunikation. Die Tierkommunikation gleicht oftmals einem normalen Dialog zwischen zwei Menschen.
Giuly schenkte mir noch etwas anderes: Ich war immer ein unsicherer Mensch gewesen, der sich nicht besonders viel zutraute. Mit dieser 35-Kilo-Hündin fühlte ich mich plötzlich stark und sicher. Ich ging durch Wälder, die ich früher gemieden hatte, spazierte durch dunkle Parks, wissend, dass dieser Hund mich bis zum Tod verteidigen würde. Giuly war ein Kraftpaket, und ich konnte diese Kraft kontrollieren. Ihre Kraft wurde zu meiner Kraft, und ich fand endlich den Mut in mir. Sie hielt ihn lebendig. Ich wurde selbstbewusster. Dank Giuly konnte ich viele meiner Ängste überwinden.
Giuly war ein Hund, der sehr viel Ur-Hund in sich hatte. Neuen Dingen, etwa einem Güllefass, das gestern noch nicht auf diesem Weg gestanden hatte, begegnete sie mit viel Skepsis. So wie die Wölfe es machen: Morgens krabbelt der Leitwolf aus dem Bau heraus, um zu schauen, ob die Luft rein ist. Liegt beispielsweise nach einem Sturm ein Ast vor dem Eingang des Baus, dann wird der kritisch beäugt, und erst wenn keine Gefahr von ihm ausgeht, dürfen die anderen Rudelmitglieder hinaus.
Ich bin mir sehr sicher, dass Giuly in der Wildnis überlebt hätte, wenn sie körperlich gesund gewesen wäre.
Einmal sah sie eine Gans auf einer Wiese, die durch einen imposanten Stromzaun gesichert war. Der aber war kein Hindernis für Giuly. Sie überwand die Absperrung, schnappte sich die Gans und begann sie zu rupfen. Sie wusste genau, wie sie ein solches Tier zu erlegen hatte. Andere Hunde wissen das nicht mehr. Ich kletterte auch irgendwie durch den Zaun und nahm Giuly den großen verschreckten Vogel ab. Die Gans hat überlebt. Sie hatte zum Glück nur Federn gelassen …
Und noch etwas lehrte mich Giuly: Dass man immer auf sein Tier hören sollte. Charly hatte schon damit begonnen, mir diesen Unterricht zu erteilen. Giuly führte seine Lehren fort.
Einmal waren wir in unbekanntem Gebiet unterwegs. Ich bin ziemlich orientierungslos, und an einer Kreuzung wusste ich wirklich nicht mehr, in welcher Richtung unser Auto geparkt war. Halbherzig entschied ich, dass wir den Weg, der nach rechts führte, nehmen müssten.
„Nein, der ist falsch“, gab mir Giuly zu verstehen.
„Ach, Giuly, jetzt komm, hier lang.“
„Nein, da lang, wenn du zum Auto willst.“
Sie setzte sich hin.
„Na, dann bleib du da sitzen, ich gehe hier lang.“
Kopfschüttelnd folgte sie mir.
Sie hatte recht gehabt. Der linke Weg hätte uns zurückgebracht. Stattdessen liefen wir zwei weitere Stunden durch den Wald, völlig orientierungslos, und fanden erst in der Dämmerung den Weg hinaus aus dem Forst.
Giuly blickte mich vorwurfsvoll an.
„Habe ich es nicht gesagt? Hör zukünftig auf mich!“
Sie hatte so recht. Bei unseren nächsten Spaziergängen gingen wir tief hinein in die Wälder, und Giuly führte mich sicher wieder hinaus. Ich konnte ihr bedingungslos vertrauen. Sie führte mich. Nicht nur auf Waldwegen.
Henry kehrt zurück
Als mein Kater Henry starb, wünschte ich mir, dass er wiederkommen würde. Damals war ich noch unsicher und wusste nicht, ob Tiere wirklich wiederkommen können. Ich fragte daher meine Lehrerin Conny. Sie nahm Kontakt mit Henry auf und sagte, dass er zurückkommen wolle.
Er kam tatsächlich wieder, als unser Kater Otto.
Diese Geschichte möchte ich nun erzählen, denn nach diesem und anderen Erlebnissen bin ich fest davon überzeugt, dass Tiere reinkarnieren. Es ist so, dass Seelenanteile von ihnen wiederkommen. Unsere geliebten Tiere kehren allerdings nur dann zu uns zurück, wenn alles passt, wenn wir selbst bereit sind und die inneren und äußeren Umstände stimmen.
Bis Henry wiederkommen konnte, vergingen fast zehn Jahre. Henry hatte immer darunter gelitten, dass er körperliche Defizite hatte. Er konnte beispielsweise auf Bäume hinaufklettern, kam aber nicht wieder herunter. Wie oft haben wir ihn in Dachgiebeln von Scheunen gefunden und mussten ihn retten! Henry litt unter diesen körperlichen Makeln und nutzte die zehn Jahre, um sich als Katze weiterzuentwickeln. Er wollte im nächsten Leben eine sportliche Katze sein, die physisch allen Herausforderungen gewachsen ist.
Nach dem Gespräch mit Conny war ich in Alarmbereitschaft, denn ich wünschte mir nichts mehr, als dass unser geliebter Henry zu uns zurückkäme. Doch was, wenn ich ihn verpasste? Ihn nicht erkannte? Wenn ihn jemand anderes bekam? Wenn ich dem falschen Gefühl folgte? Ich wurde fast verrückt. Conny sagte mir: „Vertrau doch einfach. Wenn es passt, dann kommt er, und nichts auf der Welt kann ihn dann davon abbringen.“
Das war leichter gesagt als getan.
Einmal fuhr ich zum Tierheim, nur so, um mal zu schauen. Doch keine der Katzen sprach mich an. Als ich zum Auto zurückging, saß eine Katze auf dem Dach meines Fahrzeugs. „Bist du das, Henry?“, fragte ich sie. Aber ich spürte, dass mich diese Katze im Herzen nicht berührte. Henry wollte außerdem als Welpe wiederkommen. Das hatte mir Conny gesagt. Plötzlich hörte ich in meinem Kopf: „Du siehst mich nicht.“
Oh je, also würde ich ihn doch verpassen, meinen Henry. Ich dachte wieder an Connys Worte: „Geh ins Vertrauen.“ Aber würde das auch bei mir klappen?
Einige Zeit später war eine Freundin zu Besuch. Sie war auf Wohnungssuche und bat mich beim Frühstück, ihr das Anzeigenblättchen herüberzureichen. Ich war müde an diesem Morgen, da ich Seltsames geträumt hatte: Immer wieder war eine rote Katze von rechts nach links gelaufen, die Katze hatte dicke rote Streifen.
Sie hatte mich angeschaut und wiederholt gesagt: „Otto, find’ ich gut.“ Ich war kopfschüttelnd aufgewacht und hatte gedacht: „Was für ein Schmarrn.“ Ich rieb mir die Augen und reichte meiner Freundin die Zeitung. Als sie sie aufschlug, stach mir regelrecht eine Annonce ins Auge: „Rot getigerte Kätzchen abzugeben.“ Mir wurde heiß und kalt. Acht Wochen waren sie alt. Das ist er, das wusste ich plötzlich. Es war, wie Conny gesagt hatte: Wenn es das richtige Tier ist, dann spürt man das.
Ich wählte die Nummer, aber es ging immer nur der Anrufbeantworter an. Ich verzweifelte. Immer wieder sprach ich darauf und bat um einen Rückruf. Als ich mittags für die Kinder Schnitzel briet, klingelte das Telefon. Die Frau mit den roten Katzen war am Apparat.
„Wir kommen sofort“, rief ich in den Hörer, machte den Herd aus, schob die Pfanne von der Flamme, griff nach Sonja und der Katzenbox, stieg ins Auto und fuhr los.
Die Frau öffnete viel zu langsam auf mein ungeduldiges Klingeln: „Sie suchen eine Katze?“ – „Ich brauche einen roten Kater“, sagte ich mit festem Blick. Sie zog die Augenbrauen hoch und ließ Sonja und mich hinein. Offenbar befand sich die Dame mitten in einem Umzug. Die Wohnung war vollgestellt mit Kartons, und ich dachte panisch: „Na, hoffentlich finden wir hier die Inkarnation meines Katers.“
Die Frau verschwand hinter dem Gerümpel und reichte mir dann ein kleines rotes Kätzchen mit dicken leuchtenden roten Streifen. Das war der wiedergeborene Henry. Ich umklammerte den kleinen Kerl und ließ ihn nicht mehr los, denn in dieser unübersichtlichen Wohnung hätte ich ihn nie wieder gefunden.
„Schauen Sie doch, ich habe im Schlafzimmer noch einen weiteren Wurf. Vielleicht gefällt Ihnen eines dieser Kätzchen besser?“ – „Nein, ich brauche einen roten Kater!“, gab ich energisch zurück. Ihr Blick zeigte mir, dass sie mich für völlig bescheuert hielt.
Ich unterschrieb den Schutzvertrag, zahlte eine Gebühr, und wir fuhren zurück.
Während der Fahrt war Otto – so nannten wir ihn, denn so hatte er sich in meinem Traum ja vorgestellt – ganz ruhig.
Das Problem war nun Giuly. Sie machte einen Riesenaufstand, wenn sie Katzen sah. Ich musste es also so machen, dass entweder sie im Obergeschoss war, während Otto sich unten aufhielt, oder Otto oben war, während Giuly im Erdgeschoss weilte. Anders ging es vorerst nicht. Ich würde also in den nächsten Tagen mit unserer Trainerin Katrin das Katzen-Training für Giuly beginnen müssen.
Als ich Otto im Badezimmer, wo er vorerst bleiben sollte, aus der Box entließ, da sah er sich nur kurz um: „Ja, kenne ich ja alles. Schön, wieder da zu sein!“
Ich schaute ihm in die Augen, und bei mir ist es so, wenn ich eine Seele wiedererkenne, wird in mir so etwas wie eine kleine Explosion gezündet: Wusch, ein kurzer Moment, und ich weiß, dass ich dieses Wesen kenne.
Henry war Otto; und Otto war Henry. Es gab keinen Zweifel. Als Otto mir dann in einer Kommunikation sein Geburtsdatum verriet, war es glasklar, dass er Henry war, denn Otto war am 14. August zur Welt gekommen. Als ich seine Anzeige gelesen hatte, war er acht Wochen alt gewesen. Zurückgerechnet kam ich somit auf den 14. August. Bingo! Ich war überglücklich, dass mein Kater wieder bei mir war.
Giuly war nicht so begeistert. Das Separieren der beiden war schwierig. Ich durfte keinen Fehler begehen und musste immer wissen, wer wo war, denn Giuly hätte den kleinen Otto in Stücke gerissen. Mit Katrin übten wir. Wir banden Giuly kurz an der Heizung an und zeigten ihr Otto. Sie hätte vor Empörung fast den Heizkörper aus der Wand gerissen. Es lag also noch ein ordentliches Stück Arbeit vor uns.
Immer gut beim Separieren achtgeben! Vormittags schlief Otto gerne oben im Büro. Das war die Zeit, wo ich getrost die Tür schließen und Giuly beide Etagen unseres Hauses nutzen konnte.
Eines Vormittags standen zwei Damen vor dem Haus. Bei der einen hatte ich Otto abgeholt, sie war für den Tierschutz tätig: „Guten Tag Frau Echtler, wir wollten mal nach der Katze schauen.“
Ich war etwas durcheinander.
„Ja, Moment, den habe ich oben eingesperrt.“ Ich biss mir auf die Lippen. Die beiden Frauen sahen erst einander an, dann mich, und viele Fragezeichen formten sich auf ihren Gesichtern.
Giuly bellte ungeduldig fordernd und laut hinter der Küchentür. Wir gingen hinauf, und sie sahen einen zufriedenen roten Kater mit dicken leuchtenden Streifen im Fell. Otto schnurrte genüsslich.
„Hier schläft er so gerne“, erklärte ich den beiden Damen und zupfte Ottos Decke zurecht.
„Mmh …“, das bedeutete, Otto durfte bleiben.
Sie kamen dann noch zweimal zu unangemeldeten Kontrollbesuchen vorbei.
Henry hatte tatsächlich in den letzten zehn Jahren an sich gearbeitet: Otto ist ein Kater, der immer draußen sein muss, ein Naturbursche, der sich sehr behände bewegt und das Sinnbild einer geschmeidigen Katze darstellt. Endlich hatte Henry den Körper, den er sich immer gewünscht hatte.
Otto ist nicht so anhänglich, wie Henry es war. Otto liebt seine Freiheit und drückt seine Liebe zu uns anders aus als durch stundenlanges Auf-dem-Schoß-Sitzen und Kuscheln. Er genießt vor allem die Spaziergänge mit uns durch unser Dorf, bei denen wir mit vielen anderen wichtigen Tieren in Kontakt kommen. Vom Marderkind Lisa wird noch die Rede sein.
Nach diesem Erlebnis mit Otto weiß ich, dass die Tiere zu uns zurückkommen können. Wenn alles passt, setzen sie alle Hebel in Bewegung. Nichts kann sie dann aufhalten, wieder zu uns zu kommen. Diese Dinge werden auf der Seelenebene entschieden. Das zu wissen, ist ein sehr tröstliches Gefühl.
Kater Findus oder Wie man das Leben genießt!
Eines Tages kam unsere damals 17-jährige Tochter Sonja aufgeregt nach Hause. Sie habe eine kleine Katze gefunden. Ganz erbärmlich sähe sie aus. Sie hätte versucht, sie zu fangen, aber sie sei ihr entwischt. Ob sie es noch einmal versuchen und das kleine Kätzchen dann mit heimbringen bringen dürfe?
„Ja natürlich, Sonja“, antwortete ich ihr, und schon war sie wieder aus der Haustür verschwunden. Kurze Zeit später kam sie zurück. Auf dem Arm hielt sie ein erbärmlich aussehendes Etwas, das eine Katze sein musste. Die Augen dieses Tieres waren vollkommen mit Eiter verklebt, die Ohren waren schwarz vor Milben, das Fell verdreckt, und atmen konnte dieses Geschöpf nur noch durch den Mund, weil die Nase mit Schleim verstopft war. Ich habe schon viele verwahrloste Tiere gesehen, aber beim Anblick dieses Häufchen Elends dachte ich nur: „Mein Gott, ist der hässlich!“ Sein Gesicht war ganz eingefallen, nicht rund wie bei einer wohlgenährten Katze. Die Knochen und Wirbel standen am ganzen Körper hervor. Er sah aus wie ein Dinosaurier, eine abgemagerte Urzeitechse. Diesem Vergleich hielt nur sein Gewicht nicht stand; er wog nur noch etwa 200 Gramm, so schätzte ich. Die Haut ließ sich nicht hochziehen; er wirkte wie mumifiziert, jedenfalls mehr tot als lebendig.
Als ich näher an das kleine Kätzchen heranging, schlug mir ein unerträglicher Gestank entgegen. Er roch aus dem Mund, als sei er innerlich vergammelt. Ich wich einen Schritt zurück, weil dieser Geruch so abstoßend war. Seine Ohren zeigten bittend in meine Richtung.
Für Sonja und mich war klar, dass wir alles tun würden, um ihn am Leben zu erhalten.
Wir richteten ihm in der Gästetoilette eine Herberge ein: ein weiches Bettchen mit Wärmflasche, das er erst einmal nicht mehr verließ. Ich gab ihm Infusionen, habe ihn alle paar Stunden, auch nachts, geweckt, damit er fressen konnte. Vor lauter Schwäche vergaß er das. Ich bekam zwar Nahrung in ihn hinein, aber es kam nichts mehr aus ihm heraus: Zwei Tage hatte er nicht uriniert. Ein Einlauf war nötig. Sein Kot war hart wie Stein. Er war völlig ausgetrocknet. Wie durch ein Wunder haben die Nieren noch gearbeitet. Wochenlang hat er nur geschlafen und gefressen, ohne aufzustehen.
Mein Hündin Giuly teilte mir mit, dass die Mutter des kleinen Kerlchens überfahren worden war. Er sei der einzig Überlebende. Nach dem Tod der Mutter seien er und seine Geschwister losgezogen, aber nur er hatte es geschafft. Seine Geschwister waren alle tot.
Ich kam so langsam an die Grenzen der Belastbarkeit: Alle zwei Stunden habe ich ihn versorgt, auch nachts. Ich habe ihn mit dem Fläschchen gefüttert, dann das Bäuchlein mit einem nassen warmen Waschlappen massiert, damit die Verdauung in Gang kam. Meinen Alltag schaffte ich kaum noch, weil ich übermüdet und entkräftet war. Aber ich musste ihn doch am Leben erhalten. Ich war der Meinung, alles hinge von mir ab, und es wäre meine Schuld, wenn er stürbe. Die Denkmuster, die mich seit meiner Kindheit begleiten, kamen hoch: „Du musst funktionieren! Du musst arbeiten! Wenn man nicht arbeitet, ist man nichts wert! Wer sich nicht anstrengt, schafft auch nichts!“
Ich geriet schrecklich unter Druck: Wenn ich nicht alles gab, würde dieses Kätzchen sterben. Aber ich konnte nicht mehr. Dass ich dringend die Notbremse ziehen musste, wurde mir im Supermarkt klar. Ich hatte hundert Euro abgehoben, hatte eingekauft, und merkte an der Kasse, dass ich das abgehobene Geld gar nicht eingesteckt hatte. Ich rannte schnell zum Geldautomaten zurück, doch das Geld war leider weg.
Mein Kater Otto spiegelte meine Erschöpfung wider und bekam einen Herpes-Virus mit starkem Fieber. Findus steckte sich natürlich an, weil sein Immunsystem ja völlig im Keller war. Ich war mir ganz sicher, dass er das nicht überleben würde. Die Tierärztin gab ihm Antibiotika, und jetzt bangte ich um beide. Mir war klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
Ich rief Conny an und klagte ihr mein Dilemma.
Sie wusch mir liebevoll den Kopf: „Du bist nicht verantwortlich dafür, ob er am Leben bleibt oder nicht“, sagte sie mir mit aller Klarheit. „Du kannst ihm alle Liebe und alle Fürsorge geben, aber ob das Überleben in seinem Lebensplan steht und ob er dabei deine Hilfe annehmen möchte, das wissen wir nicht. Wenn er geht, dann geht er.“
Ich seufzte traurig und resigniert.
Sie redete mir gut zu: „Wieso überlegst du, was nächste Woche ist? Vielleicht stirbt er morgen, aber jetzt versuche zu empfinden, wie schön das Leben ist. Und wenn er morgen stirbt, dann hast du es wenigstens heute genossen.“
Dieses Gespräch veränderte mein Leben. Fortan überlegte ich nicht mehr, wie alt er wohl werden würde, sondern wir lebten von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, und im Jahr 2018 ist er dreizehn geworden. Ich bin Conny so dankbar, dass sie mir ins Gewissen geredet hat, und ich bin mir sicher, dass Findus gegangen wäre, wenn ich diese Lektion damals nicht beherzigt hätte: Freude haben im Leben. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit! Im Moment leben! Genießen!
Als ich das damals verstand und verinnerlichte, ging es aufwärts. Auch mit mir.
Findus hatte sich für das Leben entschieden. Nach einem halben Jahr des Dahinsiechens stand er von seinem Bettchen auf und entdeckte die Fröhlichkeit, mit der man das Leben meistern kann. Wenn er Otto durch die Katzenklappe sausen sah, wollte er hinterher, doch ihm fehlte schlicht und einfach noch die Kraft, um die Klappe mit dem Köpfchen aufzudrücken. Er hatte zwar zugenommen, aber er war noch immer sehr mager, und seine Beinchen sahen aus wie Zahnstocher. Doch er trug es mit Fassung und stellte stattdessen im Haus allerlei Unsinn an. Findus entdeckte das Spielen und die Lebensfreude. Zwischen all dem Schabernack, den er trieb, musste er sich immer ausruhen, aber dann ging es weiter. Mir ging und geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich Findus beobachte und in seiner Nähe bin.
Mit seiner Lebenseinstellung machte mir Findus klar, dass das Leben schön sein kann, auch wenn es einem körperlich schlecht geht und man geschwächt ist. Durch seine Haltung zum Leben lehrte er mich etwas Entscheidendes: Dass das Leben nicht nur Mühsal ist, und man sich abrackern und quälen muss, um etwas wert zu sein. Nein, man darf auch per se von Geburtswegen glücklich sein, ohne etwas zu leisten.
Findus ist ein Meister der Vertiefung. Davon können wir Menschen uns wirklich eine Scheibe abschneiden. Findus kann die Welt um sich herum vollkommen vergessen, wenn er etwas entdeckt hat, das ihn in seinen Bann zieht. Für Findus ist das Summen der Bienen die schönste Sinfonie. Und wenn sie ihm zu nahekommen, dann blinzelt er und hofft, sie mit dieser Beschwichtigungsgeste davon abzuhalten, ihn zu stechen: „Bitte, tut mir nichts.“ Aber es klappt meist nicht, und ich muss ihm wieder einen Stachel entfernen. Doch am nächsten Tag ist alles vergessen, und Findus gibt sich wieder ganz den Bienen und Hummeln hin. Für Findus ist das Sich-Verlieren-im-Augenblick der Sinn des Daseins. Das Brummen der Hummeln und das Summen der Bienen ist der Soundtrack seines Lebens.
