Seelenreise - Rainer Sörensen - E-Book

Seelenreise E-Book

Rainer Sörensen

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Beschreibung

Ein Milliarden-Projekt soll es werden, die Simulation des Gehirns im Computer, mit der die letzten Geheimnisse des menschlichen Geistes gelüftet werden sollen. Noch wissen die Neurowissenschaftler nicht, dass sie sich in einer Sackgasse befinden, denn das Gehirn ist nur der "Arbeitsspeicher", die "Software" des Geistes existiert in einer immateriellen Dimension. Zu dieser Erkenntnis kommt Rainer Sörensen im Grenzgebiet zwischen Psychologie und Neurophysiologie. Ausgangspunkt des Buches ist eine These des Hirnforschers Sir John C. Eccles (Nobelpreisträger), der das physische Gehirn als Instrument des nicht physischen Bewusstseins betrachtet. Den Anfangsverdacht, dass das Gehirn nur der "Arbeitsspeicher" sei, schöpfte der Autor bei der Analyse der Alzheimerschen Erkrankung. Die seltsame Dominanz des stabilen Altgedächtnisses bei Morbus Alzheimer ist neurophysiologisch unmöglich und lässt sich nur durch die Existenz einer nicht physischen Dimension der Persönlichkeit erklären. Dieser Anfangsverdacht wurde durch die Interpretation der Hirnstörungen Aphasie und retrograde Amnesie bestätigt. Das Buch richtet sich an bildungshungrige Leser, die gern das Risiko eingehen, ihr gewohntes Weltbild in Frage zu stellen. Dabei werden naturwissenschaftliche Informationen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und seine Kooperation mit dem immateriellen Hauptanteil der Persönlichkeit vermittelt. Erkenntnisse der Psychoanalyse, der Neurophysiologie und der Quantenphysik bilden die Grundlage einer faszinierenden und mitunter schockierenden Aussage: die Identität des Menschen, seine Biografie, ist in einer nicht physischen Sphäre dynamisch "gespeichert", in der die persönlichen Daten nicht geschützt sind, in der es nicht selten zu Vertauschungen und "feindlichen" Interventionen kommt. Dies erklärt psychische Störungen, die von der Psychiatrie lediglich beschrieben und katalogisiert werden.

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Seitenzahl: 185

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Der Hintergrund des Covers

wurde generiert mit dem

Fraktal-Zoom von

fractalizer.de

Das Gehirn ist nicht Sitz der Seele, es ist nur das sterbliche Instrument der unsterblichen Identität.Zu dieser Erkenntnis kommt Rainer Sörensen im Grenzgebiet zwischen Psychologie, Neurophysiologie und Mathematik. Im Zentrum seiner Analyse stehen seltsame Veränderungen der Persönlichkeit.  Ein Verdacht des Nobelpreisträgers Sir John C. Eccles ist Ausgangspunkt seines lückenlosen Indizienbeweises der Unsterblichkeit.

Nach der Lektüre des Buches hat man weniger Angst vor dem Tod und mehr Respekt vor seinen Träumen.

Bei der Beobachtung von Naturphänomenen verzichtet man oft auf das Wort warum. Warum? Weil es eben so ist, wie es ist. Diese wissenschaftliche Sünde begehen nicht selten auch Naturwissenschaftler.

Der kleine Kieron malt mit grobem Buntstiftstrich Monster und Saurier. Von einem Tag auf den anderen ändert sich sein kreatives Verhalten. Er vollendet Aquarelle in Stile der Impressionisten. Die Presse nennt ihn „Mini-Monet“.

Im Alter von vier Jahren verliert Aljoscha sein Sprachvermögen und verständigt sich mit Lauten, die von einem Schimpansen stammen könnten. Er verabscheut Kleider und Schuhe. Am liebsten würde er nackt auf Bäumen herumturnen.

Angela, als Kind in einer satanistischen Sekte auf grauenhafte Weise gefoltert und sexuell missbraucht, ist in psychotherapeutischer Behandlung. Der Therapeut hat in ihr mehrere Patienten und Patientinnen. Angela ist eine multiple Persönlichkeit.

Jan, ein sportlich-maskuliner Mann, Armeeoffizier, prominenter Journalist, aufgewachsen in einem, wie er sagt, wunderbaren Elternhaus, entschließt sich im fortgeschrittenen Alter zu einer operativen Geschlechtsumwandlung.

Mit diesen seltsamen Phänomenen konfrontiert, sprechen Hirnforscher von Stoffwechselstörungen im Zentralnervensystem. Sie behaupten, es seien Entgleisungen der Biochemie des Gehirns. – Was sonst?

Das „Sonst“ ist Gegenstand dieses Buches.

Impressum

Seelenreise - Indizienbeweis der Unsterblichkeit

Rainer Sörensen

published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

Copyright: © 2013 Rainer Sörensen

ISBN 978-3-8442-4709-1

Ein Nobelpreisträger scheitert und entdeckt die Welt des Geistes

The Magical Mystery Tour

is dying to take you away

The Beatles

Um es vorab zu sagen, das Scheitern war ein Erfolg, denn dem Forscher gelang es, wenn auch widerstrebend, einen wissenschaftlichen Trampelpfad zu verlassen, um in unbekanntes Gelände vorzudringen.

Es handelt sich um den Nobelpreisträger Sir John C. Eccles, der 1997 im Alter von 94 Jahren das Rätsel seines Lebens löste, das Rätsel, das auf dem Trampelpfad nicht zur Kenntnis genommen wird, denn für die Naturwissenschaft ist der Tod selbstverständlich das Ende der individuellen Existenz. Nachdem er sich von allen religiösen Jenseitsvorstellungen distanziert hatte, stellte Eccles vor seinem Tod die finale Frage: „Ist es nun wirklich so, dass dieses unser Leben einfach nur eine kurze Bewusstseinsperiode zwischen zwei Vergessenheitsperioden ist, oder gibt es irgendeine weiterreichende, transzendente Erfahrung, von der wir nichts wissen können, bevor sie uns zuteil wird?“ (1)

Eccles, der sich wie kein anderer Hirnforscher mit der Architektur, der Feinstruktur und der Funktion des Zentralnervensystems beschäftigt hat, sah im reiferen Alter keine Perspektive mehr, psychologische Phänomene mit neurophysiologischen Prozessen zu erklären.

Was ist Bewusstsein? Was ist Aufmerksamkeit? Immer noch wollen die Hirnphysiologen diese Fragen mit neuronalen Prozessen erklären. In der letzten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts, der Dekade der Hirnforschung, war man fest entschlossen, das Bewusstseinsproblem zu lösen – vergeblich.

Eccles hatte die Absurdität dieser Versuche bereits erkannt. Zur Erklärung des Bewusstseins und ganz schlichter Wahrnehmungsprozesse sah er sich genötigt, eine immaterielle Sphäre zu postulieren, aus der heraus der materielle Organismus gesteuert wird.

Hohn und Spott der Fachkollegen hielt sich in Grenzen, weil der Nobelpreisträger von einem prominenten Philosophen und Wissenschaftstheoretiker unterstützt wurde, von Sir Karl Popper. Popper unterscheidet drei Welten. „Welt eins“, die materielle Welt, sie enthält die unbelebte und belebte Materie, dazu gehört das Gehirn. „Welt zwei“ ist die Dimension des Bewusstseins und aller Formen des subjektiven Erlebens. „Welt drei“ ist die Zone des Wissens der Menschheit, materiell gespeichert in Bibliotheken und in modernen elektronischen Speichermedien.

„Welt zwei“, das ist Eccles' immaterielle Sphäre des „sich selbst bewussten Geistes“, der das materielle Gehirn steuert. Der Geist benutzt das Gehirn als Instrument. Eine musikalische Metapher bietet sich an: Der Geist ist der Pianist, das Gehirn das Klavier. Wenn man davon ausgeht, dass es eine übergeordnete außerkörperliche Instanz gibt, muss man die materialistisch-naturwissenschaftliche Vorstellung des individuellen Todes hinterfragen. Eccles: „Was geschieht beim Tode? Dann hört jegliche Hirntätigkeit für immer auf. Der sich seiner selbst bewusste Geist, der in gewissem Sinne eine autonome Existenz innerhalb von 'Welt zwei' geführt hat, stellt fest, dass das Gehirn, das von ihm so wirksam und erfolgreich ein ganzes Leben hindurch abgetastet, sondiert und kontrolliert worden ist, überhaupt keine Botschaften mehr gibt.“

Wenn man die Theorie einer außerkörperlichen Dimension des Individuums weiter verfolgt, bekommen mehrere seltsame Phänomene eine überraschende Bedeutung: die Aphasie, die retrograde Amnesie, die relative Stabilität des Altgedächtnisses bei seniler Demenz, das Tourette-Syndrom, das Landau-Kleffner-Syndrom, die Schizophrenie und seltsame Veränderungen der Persönlichkeit, was im weiteren Verlauf des Buches zu beweisen ist.

Gegenwärtig gibt es ein internationales Milliardenprojekt, das sich ausschließlich auf „Welt eins“ konzentriert, die Simulation des Gehirns mit dem Computer, mit der die letzten Geheimnisse des menschlichen Geistes gelüftet werden sollen. Sir John und Sir Karl befinden sich inzwischen, losgelöst von „Welt eins“,  in „Welt zwei“. Sie lachen.

Da stimmt doch was nicht im Gehirn

Wer von der Quantenphysik nicht schockiert ist,

hat sie nicht verstanden.

Niels Bohr

Das Nervensystem lebender Organismen folgt dem Gesetz von Reiz und Reaktion. Eng verbunden sind Reiz und Reaktion beim einfachen Reflex. Zum Beispiel beim Patellarsehnenreflex zeigt sich, dass die Leitungsgeschwindigkeit auf den Nervenbahnen ziemlich langsam ist. Der Arzt schlägt mit dem Hämmerchen unter die Kniescheibe des Patienten. Der Reiz wandert zur Wirbelsäule hinauf und kehrt zurück zur Muskulatur des Oberschenkels. Der Unterschenkel schlägt nach oben aus.

Was geschieht bei komplexeren Vorgängen, bei denen das Gehirn eingeschaltet ist? Das Zentralnervensystem ist ja, was oft vergessen wird, primär eine Gemeinschaftseinrichtung der Sinnesorgane, wo die Reize abgeglichen und an das Reaktionsorgan weitergeleitet werden. Hier müsste die Reiz-Reaktions-Verzögerung viel größer sein als beim ohnehin langsamen Reflex. Wir beobachten und messen das Gegenteil. Blitzschnell erfolgt Reaktion auf Reiz. Bei schnellen Sportarten kann man sogar eine Gleichzeitigkeit von Reiz und Reaktion feststellen. Dies ist neurophysiologisch unmöglich, findet aber statt. Und, ganz unglaublich: Manchmal „erfolgt“ die Reaktion vor dem Reiz. Nur so kann man sich das rasend schnelle Tischtennisspiel erklären.

Die Umkehr der Zeitrichtung gehört zum Forschungsalltag der theoretischen Physik. Schon Albert Einstein degradierte die Zeit zur veränderlichen Größe. Der Physiker John A. Wheeler sieht in der Zeit nicht mehr als eine psychologische Hilfsfunktion: „Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert.“ Überhaupt: Quantenphysik zerstört die Logik. Hätten die Physiker ein Maskottchen, dann wäre es die lächelnde Katze aus dem Märchen von Lewis Carroll „Alice im Wunderland“. Wenn die Katze verschwindet, dann bleibt, wenn sie es will, ihr Lächeln zurück. Die Quantenphysik ist wie ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlt. Ein Teilchen ist kein Teilchen, weil es eine Welle ist; eine Welle ist keine Welle, weil sie ein Teilchen ist.

Zeit ist Illusion. Irrsinn! Die Katze schmunzelt und nimmt gelassen zur Kenntnis, dass Ursache auf Wirkung folgt, was zum Beispiel Experimente mit Photonen demonstrieren. Photonen sind klein und unanschaulich, deshalb verwandeln wir sie in einem Gedankenexperiment in Lastwagen.

Ein Lastwagen nähert sich der Station, in der für Lastwagen zwei Kassenschalter geöffnet sind. Dieser Lastwagen ist nicht irgendein Lastwagen, es ist ein seltsamer Super-Lastwagen, der sich in zwei Lastwagen aufspalten kann. Wenn die Schalter nicht besetzt sind, was gelegentlich vorkommt, dann passiert nur der Super-Lastwagen die Station, ohne zu bezahlen. Wenn sie besetzt sind, dann spaltet sich der Super-Lastwagen in zwei Lastwagen auf, die jeweils Maut bezahlen müssen. Der Finanzchef der Autobahngesellschaft gibt nun eine Dienstanweisung: Sollte der Super-Lastwagen, ohne die Maut zu bezahlen, die Station passieren, weil beim Schichtwechsel die Schalter gerade nicht besetzt sind, dann sollten die Schalter auch dann noch blitzschnell besetzt werden, wenn der Super-Lastwagen soeben die Sperrlinie überquert hat. Die Kassierer befolgen die Anweisung und siehe da: Der Trick des Finanzchefs funktioniert, die Maut klingelt in beiden Kassen, weil nun zwei Lastwagen die besetzten Schalter passieren. Der Trick hat den Super-Lastwagen aus der Zukunft, in die er sich weiterhin bewegt, auf rätselhafte Weise in die Vergangenheit zurückgeholt. Die Zeit ist zurückgelaufen.

Zurück zum menschlichen Gehirn, in dessen Synapsen, den Verbindungsplatten zischen den Nervenzellen, sich Prozesse in der Nähe des Quantenniveaus vollziehen. Auch hier kann man die Drehung der Zeitrichtung experimentell messen. 1979 führte der Physiologe Benjamin Libet ein Experiment durch, das Philosophen und Naturwissenschaftler in helle Aufregung versetzte. Völlig überrascht registrierte er im Elektroenzephalogramm, dass die Entscheidung zu einer Körperbewegung auf die tatsächliche Bewegung folgte. Im Mittelpunkt der Diskussion stand nun die Frage: Hat der Mensch einen freien Willen, wenn der Wille Resultat des Ziels ist?

Aus quantenphysikalischer Sicht stellt sich diese Frage nicht, weil sie auf einer naiven Zeitvorstellung beruht. Hätte Libet gefolgert, dass im Zentralnervensystem die Gesetze der Quantenphysik gelten, dann wäre der Zweifel am freien Willen beseitigt. In einer Welt, in der das Gesetz von Ursache und Wirkung nicht verletzt ist, lebt der Mensch unfrei, eingezwängt in das deterministische Korsett von Reiz und Reaktion. Die Quantenphysik löst die strenge Kausalität auf und ermöglicht so freie willentliche Entscheidungen.

Das Gehirn erweist sich als Instrument des freien Willens. Beherbergt es auch das Lebensgedächtnis, die biografische Identität?

Randnotiz:

Computerprozesse laufen getaktet nur in eine Zeitrichtung. Eine Umkehr der Zeitrichtung ist in der Informationstechnologie unmöglich.

Alzheimer und das Rätsel der Vergangenheit

Vergangenheit ist das einzig Wirkliche im Leben.

Alles was ist, ist Vergangenheit.

Anatol France

Die Mutter erkennt ihren Sohn nicht mehr, wohl aber seine Kinderfotos. Menschen mit Demenzerkrankungen verlieren die Orientierung in der Gegenwart, aber die Erinnerung an die ferne Vergangenheit bleibt erhalten. Diese Dominanz des Altgedächtnisses ist neurophysiologisch unmöglich, findet aber statt. Erfahrungen werden durch Verdickung von Synapsen (Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen) in Erregungsmustern gespeichert. Dominant, also robust gespeichert, sind die synaptischen Speicherungen des Neugedächtnisses, während das nur noch filigran gespeicherte Altgedächtnis mangels häufiger Reaktivierung verblasst. Seltsamerweise verschwindet das stabile Neugedächtnis bei Alzheimer und seniler Demenz zuerst, das Altgedächtnis aber bleibt weitgehend erhalten.

Fehldiagnose bei seniler Demenz

Das folgende Protokoll einer Psychiatrie-Vorlesung ist fiktiv, knüpft aber an an eine reale Situation in einer ZDF-Talkshow von Markus Lanz im Mai 2010, in der eine gebildete demente Dame in beeindruckender Weise ihr Problem reflektiert.

Diagnose: Senile Demenz (Vorher Fehldiagnose: Schizophrenie)

Patientin, 72 J., sehr gepflegt, wirkt jugendlich, spricht flüssig,

akademische Ausbildung, war Dolmetscherin für Französisch und Spanisch

Symptomatik:

Das aktuelle Kurzzeitgedächtnis ist fast völlig ausgefallen.

Die Vergangenheit ist so real wie die Gegenwart.

Dialog Professor / Patientin

Prof.: Sie haben ein Notizbuch bei sich, warum?

Pat.:  Ich zeichne eine Skizze von diesem Raum, damit ich den Ausgang finde, ohne Hilfe. Ich schreibe Ihren Namen auf, mit Eselsbrücke.

Prof.: Mit Eselsbrücke?

Pat.:  Wenn Sie Ihre Brille abnehmen würden, dann könnten Sie O.W. Fischer sein, der Schauspieler.

(Gelächter)

Prof.: Würden Sie mich nach der Vorlesung wiedererkennen?

Pat.:  Ja, aber nur über diese Eselsbrücke. Sonst wüsste ich nicht mehr, wer Sie sind.

Prof.: Haben Sie Sorge, dass Ihnen die Situation hier entgleitet?

Pat.:  Nein, aber ich muss mich sehr konzentrieren.

Prof.: Warum?

Pat.:  Ich sehe Sie deutlich, aber ebenso deutlich eine andere Szene.

Prof.: Was sehen Sie?

Pat.:  Ich sehe eine Frau, die ein Gewand aus Goldplättchen trägt... und ein Flügel-Diadem... Außerdem hat sie noch eine ovale Goldplatte vor dem Mund, das ist Schmuck.

Prof.: Wer ist diese Frau?

Pat.:  Das ist die Herrin von Kao, eine Priesterin. Sie führt nackte, junge Männer in die Arena – mit dem rituellen Befehl, sich gegenseitig im Kampf zu töten.

Prof.: Sehen Sie diese Frau leibhaftig?

Pat.: Ja und nein. Ich sehe sie auf einem Rekonstruktionsgemälde und als Mumie. (Pat., Prof. und Studenten lachen) Sie wurde zusammen mit einer Dienerin, einem Kind und einem Wächter fürstlich bestattet.

Prof.: Ist das Phantasie oder Erinnerung?

Pat.: Das ist deutliche Erinnerung an Szenen einer Reise an die Ausgrabungsstätte von Kao in Peru. Das ist in der Nähe der Stadt Trujillo am Pazifik. Ich war als Dolmetscherin dabei.

Prof.: Wie realistisch ist die Erinnerung?

Pat.:  Die Vergangenheit ist so real wie unser Gespräch jetzt – das ist ja das Problem.

Die seltsame reziproke Gedächtnisleistung des Gehirns zwingt uns, einige fundamentale Fragen zu stellen: Wo ist das Altgedächtnis gespeichert, wenn nicht im physischen Gehirn? Was ist Realität? Was ist Vergangenheit?

Kurz vor dem Jahr 1900 formulierte Frederic William Meyers, Mitbegründer der legendären Society for Psychical Research,  diese Frage:

„Betrachten wir etwas als einen Strom von Konsequenzen, was in Wirklichkeit ein Ozean von koexistierenden Dingen ist?“

In Erinnerung an die geistige „Welt zwei“ von Sir Karl Popper und Sir John C. Eccles ist man geneigt anzunehmen, dass die Summe aller Bedeutungen, die Biografie, die Identität, in einer nicht materiellen, außerkörperlichen  Dimension gespeichert ist. Mehr noch, man kann nun beginnen, qualitative Aussagen über diese Sphäre zu machen. „Dort“ gibt es weder Raum noch Zeit. „Dort“ existiert das Individuum nicht von anderen Identitäten isoliert. Vorab sei verraten, dass es in dieser überindividuellen Dimension keine Garantie für den Schutz der persönlichen Daten gibt. Zunächst aber soll die Wechselwirkung zwischen dem materiellen Gehirn und der immateriellen Welt beschrieben werden.

Randnotiz:

Computer-Analogie: angenommen, das physische Gehirn sei der Arbeitsspeicher (Random Access Memory RAM). Beim Ausschalten des Arbeitsspeichers werden die Daten gelöscht. Was geschieht beim Hirntod? Wo ist die Biografie gespeichert?

Wenn das Ich die Sprache verliert

Was ein Wort bedeutet, kann ein Satz nicht sagen.

Ludwig Wittgenstein

Visuelle Eindrücke sind sehr verstärkt,

und das Auge gewinnt einiges von der unbefangenen

Wahrnehmungsweise der Kindheit wieder,

in welcher das durch die Sinne Wahrgenommene

nicht sogleich und automatisch

dem Begriff untergeordnet wurde.

Aldous Huxley

unter Einwirkung von Meskalin

Eine Grenzlinie zwischen physischem Gehirn und der immateriellen Sphäre der Persönlichkeit deutet sich an, wenn, bedingt durch eine Hirnschädigung, die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation beeinträchtigt ist.

Sprache transportiert Information. Diese Aussage ist vordergründig, denn Information ist nicht gleich Information. Es gibt messbare Information und es gibt Information, die man nicht messen kann. Ein Telefongespräch mag dies verdeutlichen.

Messbare Information:

Länge des Gesprächs: 25 Sekunden

Anzahl der Wörter: 48

Nicht messbare Information:

A: Hör zu, versteh mich nicht falsch, du solltest auf deine Tochter aufpassen. Sie ist da in eine Clique hineingeraten, in der nicht nur Haschisch geraucht wird.

B: Große Güte, wie recht du hast, sie lässt nicht mit sich reden. Seit zwei Tagen ist sie unterwegs. Ich weiß nicht wo.

Die nicht messbare Information besteht aus Bedeutungen. Bedeutungen hoher Intensität sind Gefühle. Die Wörter der Sprache transportieren Bedeutungen, dürfen aber mit ihnen nicht verwechselt werden. Wörter sind nur Aufkleber. Poesie ist ein virtuoses Spiel mit Aufklebern, bei der sich die Differenziertheit der Bedeutungen von plumpen Worthülsen und  Sprechblasen befreit. Wörter behindern, im Sinne Ludwig Wittgensteins, den Zugang zur geistigen Dimension. Im weiteren Verlauf des Buches wird deutlich werden, dass Bedeutungen ohne Aufkleber, ohne Sprachverfälschung kathartische Wirkung haben.

Wenn ein Mensch nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung seine normale Sprachfähigkeit verloren hat, diagnostizieren die Mediziner häufig eine Aphasie. Ärzte und Hirnforscher gehen davon aus, dass im Gehirn bestimmte Regionen beschädigt wurden, die für die Sprachfähigkeit verantwortlich sind.

Das Begreifen von Bedeutungen geht aber bei der Aphasie nicht verloren, denn die Bedeutungen sind nicht im physischen Gehirn gespeichert, sind also von der Hirnschädigung nicht betroffen.

Wenn Aphasiker sich mitteilen wollen, wissen sie, was sie sagen wollen, können es aber sprachlich nicht ausdrücken, es fehlen nur die Wörter, die Aufkleber.  Sprachbildung und Wortfindung sind also Funktionen des materiellen Zentralnervensystems. Poesie, Rhetorik und Linguistik sind im Grenzgebiet zwischen physischem Gehirn und der immateriellen Welt der Bedeutungen angesiedelt.

Es gibt auch einen physiologischen, nicht krankhaften Abbau der Sprachfähigkeit, der sich im Verlauf des Alterns vollzieht und fälschlich als Intelligenzverlust gedeutet wird. Ebenso wie die Leistung der Sinnesorgane nachlässt, sinkt auch im Zentralnervensystem das Leistungsniveau. Es fällt zunehmend schwer, eine fremde Sprache zu erlernen; selbst in der eigenen Muttersprache kommt es gelegentlich zu Wortfindungsstörungen. Unberührt von normalen Degenerationsprozessen bleibt das erworbene Wissen, der Erfahrungsschatz, der in der Hauptdimension der Persönlichkeit, der immateriellen Sphäre gespeichert ist.

Randnotiz:

Junge Menschen brillieren mit Schnelligkeit und Taktik, Senioren mit Erfahrung und Strategie. Die Hochachtung der Weisheit des Alters in asiatischen Kulturen spiegelt die Wechselwirkung zwischen dem physischen Gehirn – gemäß Eccles und Popper „Welt eins“ – und der geistigen Dimension („Welt zwei“). In der üppig gewachsenen „Welt zwei“ des Seniors entsteht ein stimmiges Gesamtwerk, dessen Details vom Junior umgesetzt werden.

Das Paradoxon der Sprache

Warum erlernen Kleinkinder rasch, ohne Anstrengung und pädagogische Hilfe ihre Muttersprache?

Warum beginnt bereits Mitte zwanzig die Fähigkeit zum Spracherwerb nachzulassen? - Obwohl man die Grammatik verinnerlicht und die Literatur der Klassiker gelesen hat.

Weil die Gedächtnisspeicher gefüllt sind? Weil der Erwerb einer neuen Sprache zu einer Überlastung des Gehirns führt?

Auch wenn die Überlastungstheorie ein Teil der Wahrheit sein mag, führt sie dennoch in die Irre. Die Lösung des Rätsels ist einfach und deprimierend. Wenn der menschliche Organismus den Höhepunkt der Reife erreicht hat, beginnt bereits sein Abbau, leicht messbar bei der Leistung der Sinnesorgane. Die Fähigkeit zur optischen und akustischen Wahrnehmung nimmt ab, ebenso wie die Leistung der Gemeinschaftseinrichtung der Sinnesorgane, des Gehirns. Gemessen an der Hirnleistung müsste ein Mensch Mitte vierzig auf das Leistungsniveau eines Säuglings zurückgefallen sein. Dies ist nicht der Fall, weil erworbenes Wissen sich individuell und kollektiv dem Abbauprozess entzieht, weil es außerhalb des alternden Organismus angesiedelt ist (s. vorheriges Kapitel). Es existiert immateriell und materiell: in der geistigen Sphäre (Welt zwei / Eccles, Popper) und in materiellen Wissensspeichern der realen und elektronischen Bibliotheken, die der geistigen Welt zugänglich sind (Welt drei / Eccles, Popper).

Während der Mensch organisch degeneriert, kann er dennoch geistige Höchstleistungen hervorbringen.

Wenn das Ich den Kontakt zur aktuellen Realität verliert

Wenn ein System reibungslos arbeitet, ist dies kein Ereignis, es ist ein unauffälliger Zustand. Gerät das System bei einem Fehler oder bei einer Beschädigung aus dem Takt, ist man genötigt, die Komponenten zu studieren und erfährt Zusammenhänge, die vorher verborgen waren. Dies gilt auch für das System  Zentralnervensystem.

Nach einem Unfall oder einem schockierenden Erlebnis kommt es vor, dass ein Mensch psychisch entwurzelt ist. Er hat sein Gedächtnis verloren, er weiß nicht, wer er ist, er trifft Menschen, die ihn lieben, die ihn hassen, die ihm etwas mitteilen wollen, die etwas fordern. Er kann nicht sinnvoll reagieren, denn er ist ein Fremder in einem sozialen Umfeld, das er nicht durchschaut.

Die retrograde Amnesie war Vorlage für eine unübersehbare Anzahl von Hollywoodfilmen. Sie bietet aber auch die Möglichkeit, die Funktion des materiellen Gehirns von der immateriellen Dimension, in der unsere Identität existiert, abzugrenzen. Die Identität verliert den Kontakt zu ihrem materiellen Instrument. Aus entgegengesetzter Perspektive verliert das Gehirn seine geistige Identität.

Die analytisch wichtige Frage lautet: Was kann das Gehirn ohne biografische Identität?

Ein Mensch ohne Persönlichkeit ist nicht völlig hilflos. Er kann Treppen steigen, Nahrung zu sich nehmen, ja sogar Auto fahren. Sein Zentralnervensystem funktioniert nur in seiner aktuellen Situation. Das Gehirn ist der „Arbeitsspeicher“, die „Festplatte“ existiert in Sir John C. Eccles' und Sir Karl Poppers „Welt zwei“.

Es wäre eine ehrenvolle Aufgabe für Neurologen und Neurophysiologen, die Fähigkeiten von Menschen ohne Identität zu registrieren und zu analysieren. Zum Beispiel könnte der Chef der Neurologie einer Universitätsklinik in seiner Eigenschaft als Doktorvater mit der Vergabe zahlreicher Dissertationsthemen diese Aufgabe zu erfüllen.

Auch die Psychologen könnten spannende Fragen stellen. Wie sehen die Leistungsunterschiede zwischen Patienten mit retrograder Amnesie und Menschen, die nicht an dieser Störung leiden, aus?

Wie wirkt der Verlust der Identität auf elementare Fähigkeiten? Gibt es möglicherweise auch Leistungssteigerungen, wenn der biografische „Ballast“ fehlt?

Zu den elementaren Fähigkeiten gehören:

* die Konzentrationsfähigkeit,

* das räumliche Vorstellungsvermögen,

* die Fähigkeit zur Umorientierung, messbar zum Beispiel mit  

Wahrnehmungsexperimenten mit der Umkehrbrille.

Auf etwas höherer Ebene könnte man Unterschiede im Lernvermögen messen:

* in der Merkfähigkeit bei Tasteindrücken, Geräuschen, Farben

und sinnlosen Silben,

* beim Erlernen einer neuen Sprache.

In den Universitätskliniken wäre es sinnvoll, die Zuständigkeit der Fachkräfte besser zu definieren.

Gehirn: Neurologen und Neurochirurgen

Persönlichkeit: Psychologen

Womit beschäftigen sich die Psychiater?

Sie wissen es nicht genau.

Die Bezeichnung Psychiatrie für ein medizinisches Fach taucht in einem neu definierten Schema der Zuständigkeiten aller Wissenschaften, deren Forschungsobjekt der Mensch  ist, nicht mehr auf.  (s. Anhang)

Was kann das materielle Gehirn ohne Identität? Auch schon vorwissenschaftlich kann man diese Frage ansatzweise beantworten. Sportpsychologen üben mit Leistungssportlern das mentale Training. Der geistige Persönlichkeitsanteil des Hochspringers, des Bobfahrers, des Golfspielers programmiert sein materielles Gehirn mit dem fiktiven Bewegungsablauf. Dann – das ist sehr wichtig – soll sich der Geist zurückziehen, während des körperlichen Vollzugs keine weiteren störenden Anweisungen geben, soll den Körper "einfach machen  lassen“.

Schon ein entspannter Spaziergang macht die Grenzzone zwischen der körperlichen „Welt eins“ und der geistigen „Welt zwei“ deutlich. Der Körper wird in den Automatik-Modus versetzt und kann durchaus selbständig auf kleine Hindernisse und Unebenheiten auf dem Weg reagieren. Gleichzeitig darf der Geist in Tagträumereien schwelgen. Nur wenn die Physis überfordert ist, greift der Geist korrigierend ein.

Die Entscheidung, die Wegrichtung zu ändern oder den Spaziergang abzubrechen,  kann  nur der immaterielle Anteil der Persönlichkeit treffen.

Schon jetzt wird deutlich, dass der physische Anteil der Persönlichkeit sehr gering ist.

Das Gehirn ist nur der Arbeitsspeicher.

Änderung der Denkrichtung

Die immaterielle Identität, das Ich, ist agierendes Subjekt.

Das physische Gehirn, das „Instrument“ des Ich, ist Objekt.

Alzheimer und senile Demenz:

Nicht das Gehirn verliert die Erinnerung – das Ich verliert  nach und nach das Gehirn, die Kontaktstelle zur physischen Realität.

Aphasie:

Nicht das Gehirn verliert den Wortschatz – das Ich verliert den Zugang zum Sprechzentrum im Gehirn.

Amnesie:

Nicht das Gehirn verliert die Ich-Identität – das Ich findet nicht den Zugang zum Gehirn.

Gelegentlich kann sich das Ich völlig vom Gehirn lösen.

Völlig losgelöst – der Traum

Hallo darkness, my old friend

I’ve come to talk with you again

Because a vision softly creeping

Left its seeds while I was sleeping

Simon and Garfunkel

Die ungeheure Intensität unserer Eindrücke im Traum

kommt wohl daher,

dass wir im Traum niemals zerstreut sind.

Im Leben sind wir es und müssen es sein.

Arthur Schnitzler

Der Körper ruht und entlässt das Ich aus dem vierdimensionalen Raum-Zeit-Gefängnis.

Für Sigmund Freud waren Träume der „Königsweg zum Unbewussten“. Carl Gustav Jung identifizierte archetypische Träume als Zugang zum „kollektiven Unterbewusstsein“. Die Parapsychologie beschäftigt sich mit einer weiteren Traumqualität, sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf seltsame Träume, die man als Signale aus der Zukunft deuten kann.

Das persönliche Traumtagebuch als Mittel zur Identifizierung seltsamer Träume