Sei mutig, gerade jetzt - Nathalie Klüver - E-Book

Sei mutig, gerade jetzt E-Book

Nathalie Klüver

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Beschreibung

Wenn die Welt chaotisch ist, wie vermittelt man Mut an die nächste Generation? In elf ehrlichen und emotionalen Briefen wendet sich Nathalie Klüver an alle Mütter, die ihre Töchter stärken wollen. Sie teilt, was viele Eltern empfinden: Angst und Wut angesichts der Krisen unserer Zeit – aber auch Hoffnung und Stärke. Dieses Buch übersetzt das Weltgeschehen ins Persönliche, verbindet Fakten mit gesellschaftlicher Analyse und gibt konkrete Impulse für den Alltag. So zeigt es, wie aus weiblicher Wut Zuversicht werden kann – und wie wir unseren Kindern eine starke Haltung mit auf den Weg geben. - Ehrlich und emotional: Briefe, die berühren und Mut machen - Aktuell und relevant: die großen Themen unserer Zeit persönlich erklärt - Inspirierend und stärkend: für alle, die Zukunft schenken wollen Ein Buch, das nicht über den Zustand der Welt klagt, sondern Hoffnung schenkt. Für dich. Für deine Tochter. Gerade jetzt.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 234

Veröffentlichungsjahr: 2026

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IMPRESSUM

 

eBook: © 2026 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Grillparzerstraße 8, 81675 München

 

GU ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Ohne die ausschließlichen Rechte des Autors und des Verlags einzuschränken, ist die Nutzung dieser Publikation zum Training generativer KI-Technologien ohne ausdrückliche Genehmigung untersagt. HarperCollins behält sich zudem gemäß Artikel 4 Absatz 3 der Richtlinie 2019/790 über den digitalen Binnenmarkt das Recht vor, diese Publikation von der Text- und Data-Mining-Ausnahme auszuschließen.

 

www.gu.de/kontakt | [email protected]

 

ISBN 978-3-7589-0156-0

1. Auflage 2026

 

GuU 9-0156 03_2026_01

 

DIE BÜCHERMENSCHEN HINTER PROJEKT

Verlagsleitung: Eva Dotterweich

Projektleitung: Johanna Müller

Lektorat: Anne Nordmann

Covergestaltung: favoritbuero/Adobe Firefly (Mutter und Tochter), NIRAG Illustration/Shutterstock.com (Weg)

eBook-Herstellung: Liliana Hahn

 

BILDNACHWEIS

Autorenfoto: privat

 

Syndication: Bildagentur Image Professionals GmbH, Tumblingerstr. 32, 80337 München, www.imageprofessionals.com

 

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WARUM UNS DAS BUCH BEGEISTERT

Das Buch werde ich verschenken – an alle Mütter mit Töchtern, die sich in diesen Zeiten viele Fragen stellen.

Eva Dotterweich, Verlagsleitung

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

 

wie wunderbar, dass du dich für ein Buch von GU entschieden hast! In unserem Verlag dreht sich alles darum, dir mit gutem Rat dein Leben schöner, erfüllter und einfacher zu machen. Unsere Autorinnen und Autoren sind echte Expertinnen und Experten auf ihren Gebieten, die ihr Wissen mit viel Leidenschaft mit dir teilen. Und unsere erfahrenen Redakteurinnen und Redakteure stecken viel Liebe und Sorgfalt in jedes Buch, um dir ein Leseerlebnis zu bieten, das wirklich besonders ist. Qualität steht bei uns schon seit jeher an erster Stelle – jedes Buch ist von Büchermenschen für Buchbegeisterte gemacht, mit dem Ziel, dein neues Lieblingsbuch zu werden.

 

Deine Meinung ist uns wichtig, und wir freuen uns sehr über dein Feedback und deine Empfehlungen – sei es im Freundeskreis oder online.

 

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

 

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ZUR AUTORIN

Nathalie Klüver schreibt am liebsten über das, worüber zu wenig gesprochen wird: über Mental Load, Mütter-Burn-out, Kinderfeindlichkeit, Familienpolitik. Sie ist überzeugt: Texte müssen leben. Kompliziertes muss verständlich sein. Und: Leidenschaft passt in jeden Text – ob Reportage, Kolumne, Sachbuch oder Vortrag. Seit 2007 arbeitet Nathalie als freie Journalistin und Autorin, unter anderem für SPIEGEL, SZ und Brigitte. Sie lebt mit ihren drei Kindern in Lübeck.

 

Weitere Bücher der Autorin:

Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein (Trias)Afterwork-Familie (Trias)Sag zum Abschied leise … yippie! (Kösel)

 

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WICHTIGER HINWEIS

Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Meinung bzw. Erfahrung des Verfassers dar. Sie wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für persönlichen kompetenten medizinischen Rat. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun und Lassen auch weiterhin selbstverantwortlich. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

„Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern? In letzter Zeit habe ich kaum eine Frage so oft gehört wie diese. Wohin ich schaue: Sorgenfalten noch und nöcher. Seit der Coronapandemie leben wir in einer Art Dauerkrise. Der Klimawandel, der Krieg in der Ukraine, Putin, Trump, das allgemeine Aufrüsten, die Wahlerfolge der Rechten auf der ganzen Welt – da kann einem schon angst und bange werden.

Ich möchte, dass meine Kinder trotz aller Krisen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern zuversichtlich auf die Zukunft schauen. Ich möchte, dass sie ihre Chancen entdecken und sie ergreifen. Natürlich wünsche ich all das auch meinen Söhnen, aber besonders meiner Tochter. Denn es ist nun mal so, dass Mädchen immer noch mehr Stärke brauchen als Jungs, um in dieser Welt voranzukommen und das Leben zu führen, das sie führen wollen. Gerade jetzt, wo es in Sachen Gleichberechtigung wieder rückwärtsgeht.

Deshalb braucht meine Tochter mehr Rüstzeug in ihrem Rucksack, um ihre Träume umzusetzen, um alles werden zu können, was sie möchte. Dieses Rüstzeug möchte ich ihr mitgeben, in Form von elf Briefen. Das Wissen und den Mut, den sie braucht, um zuversichtlich zu sein, um wütend zu sein, zu zweifeln und die Kraft dieser Gefühle zu nutzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.”

Meine liebe J.,

es ist noch gar nicht so lange her, da hast du mich morgens angeschaut, dein typisches Nachdenkgesicht gemacht und gefragt: »Was kann ich einmal werden, Mama?« Du warst gerade dabei, dir die Schuhe anzuziehen, um zur Schule zu gehen, ich stand neben dir in der Garderobe und packte deine Brotdose in deinen Schulranzen. So gern ich in deine heitere Plauderei eingestiegen wäre, ich konnte dir keine Antwort geben, denn mir kamen die Tränen. Es war der Morgen, an dem ich nicht aufhören konnte zu weinen, nachdem ihr Kinder in die Schule gegangen wart. Es war der Morgen, an dem klar wurde: Donald Trump hat die Präsidentschaftswahlen der USA gewonnen. Ein verurteilter Sexualstraftäter, dessen Meinung über Frauen sein eigenes Zitat »you can do anything… grab ’em by the pussy« zusammenfasst und der keinen Hehl daraus machte, was er mit den Rechten von Frauen und Minderheiten zu tun gedachte. Ich befürchtete damals schon das Schlimmste – wenn ich heute zurückdenke, muss ich sagen, es ist noch schlimmer gekommen. Und in einem noch rasanteren Tempo, als viele von uns geglaubt haben.

Aus deiner Frage, was du einmal werden kannst, sprach so viel Neugier, so viel Vorfreude auf die Welt, die Zukunft, die vor dir liegt, und ich hätte dir so gerne das geantwortet, was Eltern auf so einen Satz zu sagen pflegen: »Du kannst alles werden, was du willst.« Diesmal aber blieben mir die Worte im Halse stecken. Die Welt liegt vor dir, wollte ich dir sagen, die Chancen sind da, sie warten auf dich, das Leben breitet sie vor dir aus – all solche Dinge, die man als Mutter seinen Kindern mit auf den Weg geben möchte. Solche Dinge, an die ich mein ganzes Leben lang voller Überzeugung geglaubt hatte.

Ich konnte es nicht.

Wie gerne hätte ich dir an diesem Morgen versichert, wie großartig diese Welt ist, wie viele Möglichkeiten das Leben bietet. Aber alles, was ich an diesem Morgen konnte, war, die Tränen hinunterzuschlucken, dir einen Kuss zu geben und dich zur Schule zu schicken und dir wie immer »viel Spaß« hinterherzurufen.

Es war der Morgen, an dem ich den Glauben verlor. Den Glauben an Gerechtigkeit, an Gleichberechtigung, daran, dass jede und jeder dieselben Chancen hat, daran, dass es einmal so etwas wie Weltfrieden geben könnte. Als Kind der 1980er- und 1990er-Jahre war ich aufgewachsen mit dem Optimismus, dass wir die Welt besser machen können, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur wollen, wenn wir es nur richtig anstellen. Ich bin mit der Gewissheit groß geworden, dass jede Generation der nachfolgenden Generation eine bessere Welt hinterlässt. Eine Art Generationenvertrag.

An diesem Morgen aber war da nur noch eine große Müdigkeit, die schwer auf meinen Schultern lag, schwer wie Beton. Das Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das Grau von Resignation, so grau, wie ein Grau nur sein kann. Bleiern, erdrückend, wie zäher Hochnebel, der tagelang die Sicht auf die Sonne verbirgt.

Wie gerne hätte ich mit dir meinen früheren Glauben an eine bessere Welt geteilt. Den Glauben daran, dass alles gut wird, irgendwie, denn du weißt schon, am Ende gewinnen immer die Guten und alle reiten zufrieden und glücklich in den Sonnenuntergang.

Tun sie das?

Nein, denn das echte Leben ist keine Hollywood-Schnulze und selbst in den Kinderfilmen, die wir freitags zusammen bei Popcorn schauen, gibt es nicht immer ein Happy End.

Ganz ehrlich: Die Realität gleich zurzeit mehr einem dystopischen Endzeitthriller mit reichen Schurken, die die Weltmacht übernehmen und alle Errungenschaften der letzten Jahrzehnte – Gleichberechtigung, Forschung, Klimaschutz, Minderheitenschutz, Umweltschutz, Völkerrecht, Frieden, Diplomatie, Pressefreiheit – wieder zurückdrehen wollen. Dinge, die allgemeingültig, Werte, die unverrückbar schienen, sie scheinen auf einmal nicht mehr zu gelten.

Dass der Klimawandel uns bereits jetzt vor große Herausforderungen stellt, die in Zukunft noch drastischer ausfallen werden – und die vor allem deine Generation ausbaden muss –, geht unter all dem lautstarken Getöse der Herren (ja, mein Schatz, es sind fast immer Männer) unter. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden von Trump und Co eh schon immer angezweifelt, oder es wurde lautstark einfach das Gegenteil behauptet. Und nun überschütten sie uns mit so vielen anderen Sorgen, dass die Diskussion um den Klimawandel zweitrangig scheint. Der Ausstieg aus dem Pariser Abkommen ist da nur eine Randnotiz, eine Verrücktheit von vielen – und, mein Schatz, es tut mir weh, wie viele Chancen da vertan werden. Wie groß die Rückschläge für die Forschung sind. Wie sehr eure Zukunft aufs Spiel gesetzt wird.

Wenn man mir vor 20 Jahren prophezeit hätte, dass wir im Jahr 2025 ernsthaft über Atomwaffen für Deutschland diskutieren, vom Dritten Weltkrieg geredet wird, Russland Kriegsflugzeuge und Drohnen über NATO-Gebiet fliegen lässt, die USA Grönland und Kanada annektieren wollen und nebenbei dafür sorgen, dass Late Night Shows abgesetzt werden, weil diese einfach das tun, was politische Satire tut: die Regierung kritisieren – wenn mir all das jemand vor 20 Jahre gesagt hätte, ich hätte demjenigen einen Vogel gezeigt.

Meine liebe J., Mütter wollen ihre Kinder beschützen, vor allem Bösen dieser Welt. Seit dem ersten Tag, als ich dich auf dem Ultraschallbild gesehen habe, habe ich mir geschworen, alles für dich zu geben. Und das gilt weiterhin. Aber wenn auf einmal die Gewissheit, dass diese Welt ein sicherer Ort ist, ins Wanken gerät, macht das auch mir Angst. Trotzdem werde ich alles tun, um dich zu beschützen, dich zu verteidigen, für deine Zukunft zu kämpfen, daran hat sich nichts geändert.

Aber die Zweifel, ob es reichen wird, sind größer geworden.

Seit dem Tag, an dem du mich gefragt hast, was du einmal werden kannst, ist es nicht besser geworden. Im Gegenteil. Es ist nicht lange her, da hat der amerikanische Präsident mal eben die Diversity-Förderung abgeschafft. Einfach so. Dasselbe gilt für Forschung zum Klimawandel und seine Auswirkungen. Einfach so all die Fortschritte – gecancelt. Und das ist nur eines von vielen Beispielen, dass es nun in die falsche Richtung geht. Die Dinge haben sich in solch rasanten Schritten rückwärts entwickelt, dass einem schwindelig werden kann, dass man sich morgens nicht sicher ist, ob die Nachrichten eigentlich Satire oder echt sind, dass man an manchen Tagen eigentlich direkt wieder ins Bett will. Die Decke über den Kopf, ein langer Winterschlaf, bis der Wahnsinn ein Ende hat. Um dann hochzuschrecken: Was, wenn dieser Wahnsinn kein Ende nimmt?! Wo soll er uns hinführen, dieser Wahnsinn?!

Nein, meine liebe J., das echte Leben ist keine Hollywood-Schnulze. Das, was in den letzten Monaten passiert ist, hätte wahrscheinlich als Drehbuch auch gar keine Chance gehabt – jede Regisseurin, jeder Regisseur hätte es wohl als »völlig überzogen und unrealistisch« abgelehnt. Doch die Realität hat uns eingeholt. Alles, was ich bisher für unverrückbar gehalten habe, scheint auf den Kopf gestellt. Die Zukunft war noch nie so ungewiss, so verwirrend, so angsteinflößend. Wenn sich alte Gewissheiten, Dinge, die immer verlässlich waren, auf einmal in Luft auflösen, fällt es schwer, nicht wie paralysiert auf dem Boden zu liegen.

Aber das sind nicht die Worte, die Mütter ihren Töchtern mit auf den Weg geben möchten. Weißt du, es ist nämlich so, egal, wie erdrückend die Sorgen sind: Die Zukunft ist noch nicht geschrieben wie ein Drehbuch. Deshalb steht es auch nirgends – auch wenn es einem in diesen Tagen voller schlechter Nachrichten manchmal so vorkommt –, dass sich die Dinge weiter so entwickeln werden wie in einem Endzeitthriller. Nur weil zurzeit die Schurken an der Macht sind, geht es nicht zwangsläufig so weiter. Ich weigere mich, daran zu glauben, dass wir nichts mehr tun können.

Denn natürlich sind wir nicht handlungsunfähig. Wir haben es noch immer in der Hand, die Welt wieder zu einem besseren Ort zu machen. Es gibt so vieles, was einen immer noch zuversichtlich stimmen kann. Es gibt so viele Schritte, die eben nicht zurück, sondern nach vorne führen. Es gibt so viele Dinge, die ich dir mit auf den Weg geben möchte.

Es ist eine Binsenweisheit, dass man schon verloren hat, wenn man aufgibt. Dass man immer weiterkämpfen soll. Aber Binsen sind Binsen, weil sie wahr sind, weil sie einen Kern haben, der zutrifft. Vielleicht sind es ja gerade diese schon so oft gehörten Binsenweisheiten, die uns helfen, die Zuversicht nicht zu verlieren, auch wenn die Gegenwart gerade unter einem grauen Schleier liegt.

Meine liebe J., ich jedenfalls verspreche dir, dass ich alles tun werde, damit ich dir aufrichtig und aus vollem Herzen sagen kann: Du kannst alles werden, was du willst, mein Schatz.

Denn verdammt, ja!

Auch wenn ich nicht weiß, wie die Welt aussehen wird, wenn du einmal so alt bist wie ich: Sie steht dir offen. Die Welt liegt vor dir, die Chancen sind da, sie warten auf dich, das Leben breitet sie vor dir aus. Auch wenn es momentan nicht die Welt ist, die ich mir für dich erhofft hatte: Die Zukunft ist immer noch offen.

Wir haben es in der Hand.

Du und ich und alle anderen.

Deine Mama

WIE WIR MIT UNSEREN KINDERN DIE ZUKUNFT GESTALTEN KÖNNEN

»Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern?« In letzter Zeit habe ich kaum eine Frage so oft von anderen Eltern gehört wie diese. Wahlweise auch: »In was für einer Welt werden unsere Kinder einmal leben?« Wohin ich schaue: Sorgenfalten noch und nöcher. Seien wir mal ehrlich:

Seit der Coronapandemie leben wir in einer Art Dauerkrise, einem Alarmzustand, der uns in einer Grundspannung hält.

Die Klimakrise, damit unmittelbar zusammenhängende Naturkatastrophen, der Krieg in der Ukraine, Putin, Trump, die Rückkehr des Kalten Krieges oder zumindest einer ähnlich unklaren (vielleicht sogar unklareren) weltpolitischen Situation, das Aufrüsten, die Wahlerfolge der Rechtspopulisten und Rechtsextremen auf der ganzen Welt (selbst bei unseren direkten Nachbarn), die wachsende Wählerschaft der AfD in Deutschland, der kaum mehr auszuhaltende Populismus, der um sich greift wie ein Krake, und der rauer werdende Ton, der auch die Debatten hierzulande immer mehr dominiert: Da kann einem schon angst und bange werden. Wenn man mir um die Jahrtausendwende erzählt hätte, dass wir im Jahr 2025 in völlig ernst gemeinten Leitartikeln fragen werden, ob Deutschland eine Atombombe braucht, wäre ich in Lachen ausgebrochen – was für eine absurde Vorstellung war das damals!

Nun ist mir nicht mehr nach Lachen zumute. Das furchteinflößende Wort »Atomkrieg« steht wieder im Raum und auf beiden Seiten – links und rechts von Europa – haben unkalkulierbare Typen den Finger am Roten Knopf und die reichsten Männer der Welt mischen im Weltgeschehen mit. Ich werde mich nie wieder über James-Bond-Filme lustig machen. Apropos James Bond: Letztens habe ich mit meinen beiden großen Söhnen einen alten Bond-Film mit Roger Moore geschaut und über die Harmlosigkeit staunen müssen, mit der die Bösewichte dargestellt waren. War das etwa das gesamte Ausmaß an Bösartigkeit, was man sich Ende der 1970er vorstellen konnte?! Damals, im Kalten Krieg, der ja nun auch nicht gerade eine friedliche Periode war?

Später überkam mich ein Gedanke: Was, wenn diese beiden tollen Jungs, die doch eigentlich unbeschwert in die Zukunft schauen sollten, Wehrdienst leisten müssen? Und noch schlimmer: Wenn sie tatsächlich eines Tages in den Krieg ziehen müssen? Mir kamen die Tränen, denn nein, es ist ja nicht mehr auszuschließen, das, was all die vergangenen Jahre undenkbar war. Auch die Menschen in der Ukraine haben vor nicht allzu langer Zeit ein normales Leben geführt, sind in Cafés gegangen, haben studiert, Urlaub und Pläne für die Zukunft gemacht.

Das, was wir Gegenwart nennen, ist nur ein kurzer Moment, ist nur das kleine Zeitfenster zwischen Vergangenheit und Zukunft. Dinge können sich verändern, jederzeit. Es steht nirgendwo geschrieben, dass es immer so weitergeht. Eine tiefe Unsicherheit breitete sich in mir aus, ein grauer, klebriger Klumpen Angst, tief in meinem Bauch. Je unsicherer die Zeiten, umso mehr sehnen wir uns nach Gewissheit und umso empfänglicher werden wir für einfache Antworten, die uns diese Gewissheit versprechen wollen.

Die Decke über den Kopf ziehen gilt nicht!

»Haben wir je so unsichere Zeiten erlebt? Ich möchte mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und erst wieder aufwachen, wenn die Welt geheilt ist«, hat eine Freundin neulich zu mir gesagt, als wir bei einem Kaffee zusammensaßen. Auch ich würde am liebsten Winterschlaf halten. Ich bin dann mal weg, weckt mich, wenn es wieder besser wird! Immer wieder habe ich beim Nachrichtenlesen den spontanen Impuls, einfach wie ein Kind die Augen zu schließen: »Die Probleme, die ich nicht sehe, sind gar nicht da.«

Doch mir ist klar, dass die Chancen und Möglichkeiten für unsere Kinder ja immer noch da sind. Wir haben es in der Hand – aber eben nur, wenn wir uns nicht in den Winterschlaf begeben. Denn wer schläft, kann nicht kämpfen. Wenn wir die Augen verschließen, um die Probleme nicht zu sehen, können wir auch die Chancen nicht erkennen.

Ich möchte, dass meine Kinder trotz aller Krisen zuversichtlich in ihre Zukunft schauen. Ich möchte, dass sie ihre Chancen entdecken, dass sie sie ergreifen, den Kopf nicht hängen lassen, sondern erhobenen Hauptes ihre Zukunft gestalten. Das möchte ich meiner Tochter mit auf den Weg geben. Ja, besonders meiner Tochter. Natürlich wünsche ich all das auch meinen beiden Söhnen. Aber es ist nun mal so, dass Mädchen immer noch mehr Stärke brauchen als Jungs, um in dieser Welt voranzukommen, ihre Träume umzusetzen, das Leben zu führen, das sie führen wollen. Nein, wir sind eben nicht alle gleichberechtigt, wie uns Männer gerne erzählen, wenn sie alljährlich nach dem Sinn des Frauentags fragen oder meinen, dass es ein Tag sei für rote Rosen und Glückwünsche (wozu eigentlich gratuliert werden soll, hat sich mir eh nie erschlossen). Außerdem geht es gerade im Galopp weiter rückwärts in Sachen Gleichberechtigung. Deshalb braucht meine Tochter mehr Rüstzeug in ihrem Rucksack, um wirklich alles werden zu können, was sie möchte. Dieses Rüstzeug möchte ich ihr mitgeben, in Form von elf Briefen. Das Wissen und den Mut, den sie braucht, um zuversichtlich zu sein.

Populisten ernähren sich von unserer Angst

Zuversicht ist nicht nur wichtig, um sich selbst am Schopfe aus dem Trübsalssumpf zu ziehen, sondern auch um dem Narrativ der Rechten etwas entgegenzusetzen. Denn sie triumphieren, wenn schlechte Nachrichten und Angst überwiegen. Missmut, schlechte Stimmung, Wut und Angst sind die Dinge, die die Kraft der Rechtspopulisten nähren. Deshalb lenken sie den Fokus immer auf das, was nicht gut läuft. Deshalb hauen sie haufenweise Fake News raus, in denen sie erfundene Missstände anprangern.

Eine Gesellschaft im Klima der Angst und Unzufriedenheit lässt sich einfacher spalten. Wenn wir da mitmachen, kommt irgendwann der Punkt, an dem auch die Nicht-Populisten dieses Narrativ übernehmen (wir sehen es derzeit in den Äußerungen einiger CDU-Mitglieder) – und so geht die Spirale immer weiter. Eine Normalisierung von rechtspopulistischen Inhalten setzt ein, die Grenzen des Sagbaren verschieben sich immer weiter, gefühlte Wahrheiten werden so zu echten Wahrheiten gedreht. Ein Beispiel dafür ist die »Stadtbild«-Debatte, die Bundeskanzler Friedrich Merz im Oktober 2025 losgetreten hat.

Damit spielte er den Rechten in die Hände. Denn sie wollen, dass es uns schlecht geht, dass wir uns unsicher fühlen. Ich werde auf diese Dinge später noch genauer eingehen und auch darauf, was man ihnen entgegensetzen kann. Denn wir müssen ihnen etwas entgegensetzen, es ist dringender denn je.

»Flood the zone with shit«, rief Trumps Chefstratege Steve Bannon schon zu Trumps erster Amtsperiode als Ziel aus. Wenn nur genug »Shit« im Umlauf ist, steigt die Angst, das Unbehagen, lässt sich Wahrheit nicht mehr von Unwahrheit unterscheiden. Und: Wenn die Menge an Shit immer weiter zunimmt, stumpfen wir irgendwann ab, erkennen den Wahnsinn nicht mehr als das, was er ist. Und dann können die wirklich schlimmen Dinge passieren, unbemerkt, ohne große Aufregung. »Überflutet die Menschen mit so viel Shit, dass keiner merkt und sich keiner aufregt, wenn wir die Demokratie und die Gewaltenteilung abschaffen«, könnte man die Strategie zusammenfassen, die Rechtsextreme auf der ganzen Welt kopieren. Zweifelhafte KI-Videos des US-Präsidenten, wie er Demonstranten Mist über den Kopf verteilt, sollen etwa ablenken vom gleichzeitig stattfindenden Shutdown im US-Haushalt und den daraus entstehenden Folgen. In Europa wird darüber gestritten, ob vegetarische Wurst weiterhin Wurst heißen darf – während es wichtigere Dinge zu diskutieren gäbe wie das Verbrenner-Aus und die Klimaziele. Zuversicht hat es schlecht, wenn sich Wahnsinn an Wahnsinn reiht und einem vom Kopfschütteln ganz schwindelig geworden ist.

Aber: Wir müssen da nicht mitmachen. Wir dürfen uns die Zuversicht nicht stehlen lassen. Es ist nämlich gar nicht alles so schlecht, wie es zuweilen scheint.

Ohne die Herausforderungen kleinreden zu wollen – denn ja, verdammt, es gibt viele Herausforderungen – die Welt ist noch längst nicht verloren. Wie gesagt, die Zukunft ist kein bereits geschriebenes Drehbuch. Wir haben sie in der Hand. Denn vor uns liegen nicht nur unwägbare Risiken, es liegen da vor allem auch eine Menge Chancen. Anstatt in Zynismus zu verfallen, stellen sich viele Menschen die Frage, welche Werte ihnen wichtig sind, welche Werte sie ihren Kindern vermitteln wollen, und sie versuchen, wie vielleicht keine Generation vor ihnen, bewusst zu leben und nachhaltig zu handeln mit dem Ziel, »das Richtige« zu tun. Wobei wir alle immer wieder mit der Frage konfrontiert werden, was das denn nun ist, dieses »Richtige«.

Nun, zunächst ist es richtig, den Mut nicht zu verlieren.

Wieso die Welt noch längst nicht verloren ist

Lasst mich erklären, wieso Mut und Zuversicht trotz allem angebracht sind – und alle Chancen da sind, dass unsere Kinder eben doch in einer besseren Welt aufwachsen werden.

Da wäre der ganze technische Fortschritt, der in den Krisennachrichten bisweilen unterzugehen scheint. Als ich Mitte der 2000er-Jahre in Xian, China, unterwegs war, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass die Menschen dort eines Tages blauen Himmel statt Smog sehen können. In der Stadt spazieren zu gehen, war in etwa so, als würde ich in einer Garage bei laufendem Motor verweilen. Heute fährt in China jedes zweite neu zugelassene Auto mit Elektroantrieb. In Norwegen werden seit Anfang des Jahres keine Verbrenner mehr zugelassen. Beispiele, die zeigen, was möglich ist und wie es vorangehen kann. Während wir in Deutschland noch darüber diskutieren, ob man mit einem Elektroauto ans Mittelmeer in den Urlaub fahren kann und die Regierung das Verbrenner-Aus zurückdrehen möchte, überholt die Batterieentwicklung alle Zweifel in atemberaubendem Tempo.

Wir haben den ganzen Bereich der KI und die damit noch längst nicht ausgeloteten Chancen, die sich für uns als Gesellschaft ergeben – und die wiederum den Fortschritt weiter vorantreiben werden. Bei allen Risiken, es ist doch einfach so: Die KI wird uns Aufgaben abnehmen, die vorher zeitraubend und nervig waren, sodass wir uns den Sachen widmen können, die uns wirklich fordern und wirklich voranbringen. Das setzt unglaubliche Potenziale frei.

Gleiches gilt für die Medizin, wo es in großen Schritten immer neue Entwicklungen gibt. Denkt daran, dass HIV vor noch nicht allzu langer Zeit ein Todesurteil bedeutete. Oder wie schnell während der Pandemie die Corona-Impfung entwickelt wurde. Und Antibiotika, die für uns so selbstverständlich sind, werden auch erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts flächendeckend eingesetzt. Das ist noch nicht lange her. Die Fortschritte und Chancen sind schwindelerregend groß – und viel zahlreicher, als uns die Populisten weismachen wollen.

Es hilft, sich auch auf anderen Gebieten den Fortschritt der vergangenen Jahre vor Augen zu führen, um zu erkennen, was noch vor uns liegen könnte. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie mühsam es früher war, allein die Wäsche zu waschen? Als es noch keine Waschmaschine gab, wie viel Zeit und Ressourcen das gekostet hat? Wenn unsere Eltern etwas nachschlagen wollten, haben sie ein Lexikon aus dem Regal geholt oder die Frage auf den nächsten Bibliotheksbesuch vertagen müssen. Heute zücken wir das Handy und haben in Windeseile alle Antworten und noch viel mehr. Wenn ich daran zurückdenke, wie anstrengend (und gefährlich!) es war, mit einer Karte auf den Knien Auto zu fahren … Ihr seht, worauf ich hinauswill.

Es geht voran! In großen Schritten!

Unsere Kinder wachsen mit so vielen Dingen auf, die uns das Leben erleichtern und ihnen unglaubliche Chancen für ihre Zukunft bieten. Dinge, die die Arbeitswelt revolutionieren werden, die Menschen von zeitraubenden und nervigen Tätigkeiten befreien und so Raum schaffen für Wichtigeres, Spannenderes oder auch mehr Privates. Was der Fortschritt an Erfindungen, Erkenntnissen und Möglichkeiten mit sich bringt, ist ja heute noch gar nicht zu ermessen … Wenn mir in meiner Jugend jemand prophezeit hätte, dass ich mal einen kleinen Taschencomputer in Form eines Smartphones mit mir herumtragen werde, der so unfassbar viel mehr kann als mein klobiger 4-86er PC, hätte ich ihn für einen Spinner gehalten.

Erinnert ihr euch noch, wie man uns früher in der Schule erzählt hat, man müsse Kopfrechnen lernen, denn man habe ja nicht immer einen Taschenrechner dabei? Tja.

Die Entwicklungen nehmen zu, und zwar exponentiell – und ich bin mir sicher, dass sich unsere Kinder später mit vielen lästigen, zeitraubenden Tätigkeiten nicht werden aufhalten müssen, da die KI und neue Technologien dies für sie übernehmen werden. So wie wir heute die Wäscheberge in der Waschmaschine verschwinden lassen können, statt einen ganzen Tag vorm Waschzuber zu stehen. Ist das nicht eine wunderbare Aussicht?!

Auch gesellschaftlich geht es voran, allen Backlashs zum Trotz

Übrigens entwickelt sich ja nicht nur die Technik weiter, dasselbe gilt auch für die Gesellschaft. Auch wenn man das Gefühl haben könnte, es vollziehe sich momentan ein gewaltiger Backlash in Sachen Gleichberechtigung, rate ich, ohne diese Gefahr kleinreden zu wollen, Filme aus den 1990er-Jahren anzuschauen, um festzustellen, wie weit wir als Gesellschaft trotz aller Meinungsverschiedenheiten gekommen sind. Und nein, das lässt sich nicht zurückdrehen, selbst wenn man, so wie die Rechtspopulisten und Rechtsextremisten es planen, Gender Studies abschafft will und allen Forschenden, die sich mit Diversity befassen, den Geldhahn abdreht.

Der Wertewandel hat sich in den Strukturen längst eingeschrieben: in Gesetze, Institutionen, Bildungseinrichtungen, in die Arbeitswelt. Frauenrechte, Antidiskriminierung, Gleichstellung, Ehe für alle: Das sind keine Randphänomene mehr.

Außerdem sind die jüngeren Generationen mit einem Selbstverständnis von Vielfalt und Gleichberechtigung aufgewachsen, das sich nicht einfach auslöschen lässt, egal, wie sehr sich die Gegenseite abmüht. Fortschritt ist kein gerader Weg, sondern eine Spirale. Jeder Backlash ruft Gegenbewegungen hervor, stärkt die Solidarität und schärft das Bewusstsein. Es ist anstrengend. Ja. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, wie lebendig eine Gesellschaft ist.

Das Frauenbild, das Familienleben, die Diversität, die Art, wie Paare miteinander kommunizieren – wir sind deutlich weiter, als wir es noch in den 80er-Jahren waren! Familie, das ist heute glücklicherweise längst mehr als nur die Kernfamilie. Gewiss, es gibt noch viel zu tun, und ja, es gibt auch immer wieder Rückschläge, aber stehen geblieben sind wir nun wirklich nicht. Und bezogen auf die Frauenbewegung: Schaut einmal 200 Jahre zurück. Und dann 100 Jahre. Und denkt dann daran, was wir in den vergangenen 50 Jahren geschafft haben. Noch 1977 konnten Männer ihren Ehefrauen verbieten, arbeiten zu gehen. Wie absurd weit weg kommt uns das heute vor.

Es hilft, sich auf die Erfolge zu besinnen, wenn man müde wird und die Zukunft ob all der Ungewissheit nur noch im grauen Licht erscheint. Es hilft, sich vor Augen zu führen, dass es möglich ist, Dinge zu verändern.

Die Kraft ist da, das Potenzial ist da.