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Bastian Brisch

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Beschreibung

Im Alter von 43 Jahren erlebt Bastian Brisch – verheiratet, zwei Töchter, im kirchlichen Dienst – sein Coming-out. Das war 1985. Schritt für Schritt ging es einem neuen Leben entgegen, doch der innere und äußere Druck waren enorm. Manche Leser fragten sich: Ist das wirklich der Bericht einer Emanzipation – oder der ihres Scheiterns? Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung seiner Lebensgeschichte denkt Brisch in einem Nachwort zur Neuausgabe über vieles noch einmal nach. Weil sich die äußeren Verhältnisse verändert haben, rücken andere Aspekte in den Mittelpunkt: das unausweichliche Drama, erst ein 'falsches Leben' gelebt und dann verinnerlichte, eigene Werte verraten, nahe Menschen im Stich gelassen zu haben. Und selbst im Stich gelassen worden zu sein. 'Die widersprüchliche Geschichte eines Mannes, dessen Lebensweg Debatten herausfordert.' (Sabine Peters, Deutschlandfunk)

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2011

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BASTIAN BRISCH

 

SEITENWECHSEL

 

Die Geschichte eines schwulen Familienvaters

Mit einem Nachwort vonDetlef Grumbach

 

 

Männerschwarm VerlagHamburg 2011

VORWORT ZUR NEUAUSGABE

Vor zehn Jahren habe ich dieses Buch zum ersten Mal veröffentlicht. Meine Erfahrungen aufzuschreiben bedeutete für mich den Abschluss einer Entwicklung, die 1985 begonnen hatte. Damals war ich 43 Jahre alt, war verheiratet, hatte zwei Töchter, wohnte im ländlichen Raum und war im kirchlichen Dienst beschäftigt. Die Fassade war in Ordnung, wir galten als mustergültige «Vorzeigefamilie», doch in meinem Inneren rumorte es. Meine «schwulen Anteile» meldeten sich immer stärker zu Wort, ich stand vor der Entscheidung, ein Doppelleben zu führen, sie niederzuschlagen oder einen Schritt zu tun, dessen Folgen ich mir überhaupt nicht ausmalen konnte.

Ich bin den Schritt gegangen und habe das getan, was mir bis dahin absolut unmöglich und unvorstellbar vorgekommen ist. Den Mut dazu habe ich zu dem Zeitpunkt gefasst, als der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 8. Mai, zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, erstmals offiziell von den schwulen Opfern des NS-Regimes gesprochen hatte. Ich habe meiner Frau ab jenem 8. Mai von meinen Gefühlen erzählt, dass ich sie nicht verlassen will und den Kindern ein guter Vater bleiben wolle – und dass sich doch etwas ändern muss. Es war nichts mehr wie es vorher war.

Erst zaghaft, doch dann immer schneller, erst angestoßen durch mein Bekenntnis, durch meine Initiative, doch danach immer stärker getrieben von den Reaktionen meiner Umgebung, habe ich die Etappen meines Coming-outs durchlebt. Wie sehr hätte ich mir in der schwierigsten Phase meines Lebens Begleiter – und sei es auch nur in Buchform – gewünscht, die mir gesagt hätten: du bist nicht der Einzige. Aber es gab so etwas nicht. Es gab auch für mich keine Gruppen schwuler Väter, kein Internet, wo ich schnell Kontakt hätte knüpfen und Rat einholen können. So habe ich, um mit meiner Situation besser klar zu kommen und um diese Lücke zu füllen, meine Geschichte aufgeschrieben. Sie erzählt von meinem gesellschaftlich angepassten Leben, vom Wandern zwischen den Welten, vom Seitenwechsel; von meiner ganz normalen Jugend und den glücklichen Ehejahren, dem Erwachen und dem Wahrnehmen meiner «schwulen Anteile». Sie erzählt von meinen inneren Kämpfen um die Akzeptanz dieser Veränderung und der Auseinandersetzung mit meinem Umfeld und schließlich von meiner Suche nach einem «neuen» Leben. Ich habe dieses Buch auch geschrieben, weil ich anderen Menschen in einer ähnlichen Situation Mut machen wollte, weil ich zeigen wollte: Du bist nicht der Einzige! Es geht! Nach der ersten Veröffentlichung hatte manch «emanzipierter» Schwule Zweifel daran, ob mein Weg zum «Ratschlag» taugen würde. Ich wollte und musste stets auf meine Familie Rücksicht nehmen, schrieb dieses Buch unter dem Pseudonym Brisch, wollte alles richtig machen, niemanden verletzen, war zögerlich und inkonsequent. Ich hätte, von heute aus gesehen, sicher vieles schneller haben können. Damals traute ich mich nicht anderrs zu handeln.

Heute, im Jahr 2010, hat sich die gesellschaftliche Situation von Schwulen und Lesben beträchtlich geändert. Dennoch habe ich mich entschlossen, einer neuen Ausgabe des Buchs zuzustimmen, nicht als Vorbild, sondern als Beispiel, an dem man sich auch reiben soll. Denn so sehr sich die äußeren Bedingungen auch ändern, bleibt das Coming-out doch ein dramatischer Prozess, das Grundmuster ist das gleiche geblieben. In der Begegnung mit schwulen Ehemännern und Vätern heute erlebe ich, dass sie die einem ähnlichen Druck ausgesetzt sind, in einer ähnlichen Zwickmühle stecken wie ich damals. Ich wünsche und hoffe, dass es auch heute noch nützlich und sinnvoll ist, diese Erfahrungen weiter zu geben, sich an ihnen zu reiben und damit Betroffene bei der Reflexion ihrer persönlichen Situation zu unterstützten.

Aber auch mein Leben hat sich in den zurück liegenden zehn Jahren geändert. Mein Eindruck, mit der Veröffentlichung des Buch am Ende einer Entwicklung angekommen zu sein, hat sich nicht erfüllt. Gott sei dank, muss ich ergänzen. Aus vielen Erfahrungen ziehe ich heute andere Schlüsse, über vieles habe ich noch einmal neu nachgedacht. Darüber habe ich mich ausführlich mit Detlef Grumbach vom Männerschwarm Verlag unterhalten. Er hat auf Grundlage unseres Gespräch das Nachwort verfasst. Hier möchte ich noch allen danken, die dieses Buches unterstützt haben, die mir vor gut zehn Jahren den Mut machten, meinen «Seitenwechsel» in dieser Form zu dokumentieren, die an meiner Entwicklung Anteil hatten und mir auch heute noch mit Rat und Tat beiseite stehen. Besonders bedanke ich mich bei Thomas Reher, der ein ausgesprochen fachlicher, sachlicher und konstruktiver Kritiker meiner nicht alltäglichen literarischen Arbeit war, und bei Rainer Marx, mit dem ich mittlerweile mein Leben teile.

Bastian Brisch, im Januar 2011

MEIN COMING-OUT

Es ist kühl geworden an jenem Abend des 8. Mai. Meine Frau Ute und ich waren mit den Kindern auf einer Gedenkfeier anlässlich des vierzigsten Jahrestages des Kriegsendes. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft ist ein Steinbruch, in dem früher KZ-Häftlinge gearbeitet haben. Diesen Ort wollten wir bei der Gedenkfeier kennenlernen und gleichzeitig unseren Kindern ein Stück lebendige Geschichte vermitteln. Für die Kinder ist es schon spät. Am nächsten Tag ist wieder Schule, also: schnell ins Bett mit ihnen.

Ich setzte mich auf die Couch, die in der Mitte des Raumes steht. Ich atme schwer. Seit Tagen geht mir nichts anderes mehr durch den Kopf: Sag ich ihr es? Wann sag ich es ihr? Wie sag ich es ihr?

Ute kommt ins Wohnzimmer, es ist neun Uhr abends. Sie setzt sich mir schräg gegenüber auf die Couch. Sie bemerkt mein schweres Atmen und fragt: «Hast du was?» Diese Frage stellt sie öfter, wenn ihr irgend etwas auffällt. Schließlich kennt sie mich seit achtzehn Jahren. Oft sage ich «nein, nein» und das Fragen hat ein Ende. Zu diesem Zeitpunkt sind wir sechzehn Jahre verheiratet. Ich bin dreiundvierzig, Ute siebenunddreißig Jahre alt, Rebekka ist zehn und Miriam acht. Mir schießt es wie wirr durch den Kopf: Soll ich es jetzt sagen? Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich habe Angst. Schließlich antworte ich: «Ja, es ist was!» – «Ja, was ist es denn?» erkundigt sich Ute. Ihre Stimme klingt warm, es schwingt Fürsorge, Interesse, Teilnahme mit. Das macht es mir leicht. Zögerlich und leise, vor mich hinschauend, dann wieder Ute ansehend, beginne ich: «Ich will es dir schon lange sagen. Ich hab’ mich aber nicht getraut.» Noch immer zögere ich es auszusprechen. «Ich habe schwule Anteile, die immer stärker werden.» Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ute sieht mich gespannt, aber liebevoll an. Ihre Reaktion überrascht mich: «Warum hast du mir das denn nicht schon früher gesagt? Da hätten wir doch miteinander darüber reden können. Warum hast du alles mit dir allein herumgetragen?»

Mir fällt ein Stein vom Herzen. In einem Kreis unzähliger Gedanken und in ebenso unzähligen Gesprächen mit wenigen, eingeweihten Freunden quälen mich seit Jahren die Fragen: Wie wird Ute reagieren, wenn ich ihr von meiner «schwulen Seite» erzähle oder wenn sie anderweitig davon erfährt? Wird sie Verständnis haben oder mich auf der Stelle aus der Wohnung werfen? Mit mir nichts mehr zu tun haben wollen? Wie wird unsere Ehe weitergehen? Wie wird es mit den Kindern? Nun ist es heraus!

Wir führen eine sehr gute Ehe und sind einander gegenüber sehr offen. Streit kennen wir kaum, mit den Kindern läuft alles prima. Wir sind integriert und akzeptiert in Verwandtschaft, Beruf, Nachbarschaft, Kirchengemeinde. Es hat mich in letzter Zeit immer mehr bedrückt, dass ich meiner Frau gegenüber ein so großes, lebensbestimmendes «Geheimnis» habe. Ich habe mich umsonst gesorgt. Gott sei Dank! Langsam, stockend und mit leiser Stimme erzähle ich Ute von meinen jahrelangen Kämpfen. In der Vergangenheit habe ich immer wieder zwanglos und ohne persönliche Betroffenheit zu zeigen, aus «dienstlichem Interesse» das Gespräch auf «Homosexuelle» gelenkt. Ich wollte «testen», wie sie damit umgeht. Obwohl diese «Tests» immer positiv verliefen, habe ich so lange gebraucht, um mit ihr zu reden.

Ute weiß, dass ich vor zehn Tagen dienstlich bei einem Kollegen in der Stadt war, der schwul ist. Sie weiß auch, dass ich mich mit ihm, dienstlich natürlich, über Homosexualität unterhalten habe. Sie weiß aber nicht, dass sie und ich der Gegenstand des Gesprächs waren und das Dienstliche nur vorgeschoben war. Ute weiß auch, dass ich bei diesem Besuch das erste mal in meinem Leben in einem schwulen Lokal war. Ich hatte an jenem Abend lang und breit mit dem Kollegen und seinem Freund diskutiert. Eine Äußerung meines Kollegen hat sich dabei eingeprägt: «Ich kann dir nicht sagen, ob und wann du es ihr sagen sollst und wirst. Ich weiß nur, du wirst es tun, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist.» Dieser Satz hat mich sehr entlastet und viel Druck von mir genommen.

Durch das lange Gespräch wurden wir hungrig. Beide schlugen vor, Essen zu gehen. Ich war nicht abgeneigt. Wir fuhren in ein Steakhaus und versuchten die anstrengenden Gespräche zu vergessen. Auf der Rückfahrt fragte mein Kollege seinen Freund: «Gehen wir noch auf ein Bier ins ‹Hendersen›?» Als dieser zustimmte, wurde auch meine Zustimmung eingeholt – ohne dass ich wusste, was das «Hendersen» ist. Erst beim Einparken des Wagens informierten mich beide beiläufig, das wir jetzt in ein Schwulenlokal gehen würden. «Irgendwann ist es immer das erste Mal!» sagten sie mit einem Augenzwinkern zu mir.

Ich werde nervös. Mein Herz schlägt heftig. Wie wird es in dem Lokal sein? Wird man mir «was tun»? Wie verhalte ich mich, wenn jemand «was» von mir will? Sind vielleicht Bekannte aus meinem Wohnort da? Meine Hände werden feucht. Ich habe das Gefühl, alle müssen merken, wie es mir jetzt geht, und mein Kopf muss ganz rot sein. Das Lokal in «Tuntenbarock» (was ich erst viel später erfuhr, dass man diese Art der Ausstattung in dunkelrotem Plüsch und dunklem Holz so nennt) ist gut besucht. Das Licht ist gedämpft, halblaute «moderne» Musik sorgt, gemischt mit den Stimmen der Besucher, für eine gemütliche Atmosphäre. Viele stehen im Raum, nur wenige sitzen an den Tischen. Das ist neu für mich. Wieso stehen die alle? Ich bin gewohnt, mich zu setzen, wenn ich in ein Lokal gehe. Heute weiß ich, dass ich durch das Stehen leichter mit anderen ins Gespräch komme und sich leichter Kontakte knüpfen lassen. Nun gut. Meine Freunde werden von einigen Gästen herzlich mit einer Umarmung begrüßt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob und wie ich vorgestellt wurde. Das alles ist so aufregend für mich, eine Aufregung, die keiner merken sollte. Plötzlich habe ich ein Bier in der Hand, ich glaube, mein Kollege hat es mir besorgt. Und die zwei, meine «Stützen» bei meinem ersten Besuch im Schwulenlokal, sind plötzlich weg. Ich stehe wie angewurzelt auf einer Stelle. Ich traue mich nicht, nach meinen beiden Freunden zu suchen: wie würde denn das aussehen? So stehe ich mit meinem Bier in der Hand da und weiß nicht, wo ich hinschauen soll. Lauter Männer, schwule Männer, die einander an den Händen zärtlich berühren, küssen oder umarmen oder sich auch nur unterhalten und ganz normal ein Bier trinken. Und ich mitten unter ihnen. Es ist schön – und es ist schlimm für mich. Ich habe mir früher diese Kneipen immer als ein Sodom und Gomorrha vorgestellt, unterlag auch an diesem Punkt meiner heterosexuellen Erziehung mit all den Vorurteilen gegenüber Schwulen. Endlich erlebe ich das alles, was ich bisher nur aus Heften und Träumen kannte – und ich überlebe diesen Besuch. Ich überlebe ihn sogar gut.

Ich erzähle Ute weiter von meinen Sehnsüchten nach einem Mann, und ich gestehe ihr auch die gelegentlichen, über Jahre verteilten flüchtigen Abenteuer mit Männern. Ich taue immer mehr auf an diesem Abend des 8. Mai 1985. Das Interesse, das Ute an meiner «schwulen Seite» zeigt, tut mir gut. Nun habe ich kein Geheimnis mehr vor ihr. Ihre positive, verständnisvolle Reaktion macht mich richtig glücklich. Nichts mehr, was zwischen Ute und mir steht. Es wird spät an diesem Abend. Wir weinen beide. Aus Glück? Aus Unsicherheit? Aus Angst, was nun noch alles kommt? Nach einiger Zeit sagt Ute sehr nachdenklich: «Was war dann unsere Ehe? War das nur gespielt?» «Nein», sage ich, «die Ehe ist nicht gespielt! Alles, was wir miteinander leben ist echt, da ist nichts Gespieltes oder Aufgesetztes dabei!» Ute hat mit dieser Aussage, glaube ich, bis heute Probleme. Wie kann ich es ihr beweisen, dass ich in unserer Ehe glücklich war? Wie kann ich ihr eine Antwort darauf geben, warum meine «schwulen Anteile» sich so sehr verändert haben?

An diesem 8. Mai hält der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker seine Rede «Zum vierzigsten Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft»:

»Viele Völker gedenken heute des Tages, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Seinem Schicksal gemäß hat jedes Volk dabei seine eigenen Gefühle. Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übergang zu neuer Abhängigkeit, Teilung, neue Bündnisse, gewaltige Machtverschiebungen – der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa.» Bei der Auflistung derer, denen gedacht wird, sagt von Weizsäcker unter anderem: «... Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen sterben mussten.»

An einem für mich so wichtigen Tag aus dem Munde des Bundespräsidenten Worte wie «Befreiung», «Teilung», «neue Bündnisse» und das Wort «Homosexuelle» zu hören, bewegt mich sehr. Für mich ist nicht der 8. Mai 1945, sondern der 8. Mai 1985 von «entscheidender, historischer Bedeutung.»

DAS NEUE DAUERTHEMA

Ich habe mit vielem gerechnet, nicht aber damit, dass ich mit meiner «Offenbarung» ein Dauerthema in unserer Ehe schaffe. War ich so naiv zu glauben: ich sage es und dann ist alles vorbei? Habe ich damit gerechnet, dass es so weitergeht wie bisher? Wahrscheinlich habe ich überhaupt nicht an das Weitere gedacht. Der Druck, mit meiner Frau darüber zu reden, begleitet von dem immer stärker werdenden Wunsch, mit einem Mann zusammen zu sein, war so groß, dass ich nicht in der Lage war, die Folgen einzuschätzen. Und wenn ich an die Folgen gedacht hätte, hätte ich sie dann realistisch eingeschätzt? Zunächst erlebe ich die momentane Situation nicht unangenehm, im Gegenteil: Ich freue mich über das rege Interesse von Ute an dieser Seite meines Lebens, von der sie bisher nichts wusste. Ja, ich bin glücklich darüber, dass sie immer mehr über meine «schwulen Anteile» wissen will. Auf der einen Seite bewundere ich ihr Interesse, auf der anderen Seite finde ich es ganz normal, weil sich darin auch unsere gute Beziehung widerspiegelt. Kein Morgen, kein Abend, kein Wochenende vergeht, ohne dass nicht in irgend einer Form dieses Thema angesprochen wird. Dabei ist es unser beider Anliegen, dass die Kinder davon nichts mitbekommen. Oft müssen wir unsere «einschlägigen» Gespräche abrupt abbrechen, wenn Rebekka oder Miriam ins Zimmer kommen oder beim Spaziergang an unsere Hand wollen.

Unser sexuelles Eheleben hat bis zu jenem 8. Mai langsam und schleichend nachgelassen. Zu sehr sind meine Gedanken in eine andere Richtung gelenkt, zu häufig bin ich nicht «bei der Sache», wenn es «zur Sache» kommt. Doch jetzt ist es anders. Ich bin überrascht, wie sehr ich selber wieder Lust habe, mit Ute zu schlafen. Das mag wohl daran liegen, dass ich sehr glücklich darüber bin, dass Ute so verständnisvoll mit meinen «schwulen Anteilen» umgeht. Es ist nun einfach alles wieder stimmig. Vor allem bin ich sehr glücklich darüber, dass ich nun kein Geheimnis mehr vor Ute habe. Das ist unwahrscheinlich befreiend für mich. Es ist für mich auch der Beweis dafür, das Sex nicht nur ein technischer Akt ist, sondern auch eine große psychische Übereinstimmung vorhanden sein muss.

Wenn ich auf Dienstreise war, nutzte ich oft die Gelegenheit, mir schwule Magazine zu kaufen, um sie kurz vor der Heimkehr in einen Mülleimer zu werfen. Das ist nun nicht mehr nötig. Ute ermuntert mich sogar, diese Hefte mitzubringen. Sie will sehen, was ich mir ansehe, und oft sitzen wir nun am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, im Wohnzimmer und blättern die Hefte gemeinsam durch. Dabei tauschen wir unsere Eindrücke aus. «Dieser Typ gefällt mir, der sieht gut aus», sagt Ute und ich stimme ihr zu – oder auch nicht. «Was sagst du denn zu dem, hat der nicht eine tolle Figur?» frage ich sie, um dann gelegentlich von ihr zu hören «Na ja, so toll ist der auch wieder nicht. Was gefällt dir denn an dem?»

Auch sachliche schwule Aufklärungsliteratur zu lesen ist seit meinem Coming-out an der Tagesordnung. Bei dem Besuch bei meinem Kollegen habe ich eine Liste solcher Werke bekommen. Ich bestelle mir diese Bücher meist über den Versandhandel. Kann ich mir diese «einschlägige» Literatur etwa an meinem Wohnort besorgen, wo mich jeder kennt?

Nein, das halte ich für ausgeschlossen und Ute bestätigt mich darin. Ich «verschlinge» diese Bücher. Endlich habe ich Zugang zu sachlicher Information über Schwule, über schwules Leben. Ich lerne Namen und Begriffe kennen. Ich sehe mich in vielen Dingen bestätigt. Auch Ute liest das eine oder andere Buch, zumindest kapitelweise. Vorher habe ich mir allerdings die Bücher meist angesehen, um festzustellen, ob da nicht doch «etwas Schlimmes» drin ist, was Ute Schwierigkeiten bereiten könnte. Ich denke dabei in erster Linie an pornographische Darstellungen oder an allzu konkrete Schilderungen von schwulem Sex.

Seitdem Ute und ich keine Geheimnisse mehr voreinander haben, ist es nicht außergewöhnlich, dass Ute, die wegen der Familie immer zu Hause ist, die Post in Empfang nimmt und sie auch öffnet. Als ich eines Tages von der Arbeit komme, ist Ute sehr bedrückt und hat verweinte Augen. Sie sagt nur kurz: «Du hast wieder Bücher bekommen, sie liegen im Schlafzimmer. Schau, dass die Kinder sie nicht zu Gesicht bekommen.» Ich gehe ins Schlafzimmer und blättere die Bücher ganz begierlich durch. Viel später erzählt mir Ute, dass sie die Bücher auch durchgeblättert hat. In einem der Bücher war schwuler Sex fotografisch abgebildet. Dies ist ihr so auf den Magen geschlagen, dass sie fast vierzehn Tage brauchte, um damit fertig zu werden. Diese Erfahrung kann ich ihr nicht abnehmen. Auch kann und will ich ihr nicht sagen, dass das alles in Wirklichkeit ganz anders ist. Ich kann und will nicht beschwichtigen. Das fände ich unehrlich. Gerade dieses Buch gab mir viele Informationen und brachte mich in meiner schwulen Emanzipation ein großes Stück weiter. Und sie sagte, nachdem sie es sich angesehen hatte, immer öfter: «Erzähle mir keine Details. Ich will nicht wissen, was ihr miteinander macht, auch kann und will ich mir das überhaupt nicht vorstellen.»

ERINNERUNGEN AN DIE KINDHEIT

Schon lange habe ich nicht mehr so ernsthaft und ausdauernd mit Ute geredet, wie in der Zeit nach meinem Coming-out. Utes Interesse an meinem bisherigen Leben ist sehr groß. Mir tut es gut, alles erzählen zu können. Viele Episoden meines Leben werden vor meinen und Utes Augen lebendig:

Unmittelbar nach dem Krieg wohnte ich mit meiner Mutter, meiner Schwester und meinem Bruder – ich selbst war der Jüngste – auf einem Bauernhof in einem armselig eingerichteten Zimmer. Mit «Hamstern» und Aushilfsarbeiten auf dem Hof sorgte unsere Mutter für den Lebensunterhalt.

1948, drei Jahre nach Kriegsende, waren die Zeiten schlecht. Unser Vater war in russischer Kriegsgefangenschaft. Als ich sechs Jahre alt war, hatten wir einmal Besuch. Als ich mal wieder nicht gehorchte, sagte der Besuch zu mir: «Wenn du nicht gehorchst, kommt ein schwarzer Mann aus Russland und holt dich!» Diese «erzieherische Maßnahme» brachte mich wenig später in eine Horrorsituation: Ich spielte im Innenbereich des Bauernhofes. Ein großes Tor führte zur Straße. Durch das Tor kam ein Mann herein, wild und ärmlich aussehend, dunkel gekleidet, nahezu schwarz im Gesicht. Mir schoss es durch den Kopf: «Der schwarze Mann aus Russland!» Ich rannte so schnell ich konnte zu meiner Mutter. Doch der Mann kam mir nach. Auch er wollte zu meiner Mutter. Ich brüllte wie am Spieß. Die Drohung unseres Gastes nahm konkrete Gestalt an, so dachte ich: Nun werde ich nach Russland geholt! Ich klammerte mich an meine Mutter und war völlig fassungslos, als sie den Mann auch noch umarmte und dabei weinte. Meine Mutter hatte große Mühe, mir zu erklären, dass ich vor diesem Mann keine Angst zu haben brauche: es war mein Vater, der soeben aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkam.

Die Beziehung zu meinen Eltern war sehr zwiespältig. Ich habe ihr Wesen nie so recht ergründen können. Mein Vater war – noch mehr als meine Mutter – sehr religiös, was sich auch in der Erziehung auswirkte. So durfte ich aus religiösen Gründen in meiner Jugend nicht tanzen gehen oder irgendwelche Lokale besuchen. Später änderte sich das ein wenig und ich durfte zumindest Freunde und Freundinnen zu uns nach Hause zum «Tanzen unter Aufsicht» einladen. Das war meinen Eltern lieber als Besuche in Lokalen. Mit zunehmendem Alter setzte ich mich aber mehr und mehr über die Vorstellungen meines Vaters hinweg, was natürlich nicht immer frei von Konflikten war. Zum einen machte mein Vater mich zum Vertrauten, wenn er eine andere Meinung als meine Mutter hatte. Zum anderen hatten wir immer wieder selbst untereinander schier unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten, die meine Mutter immer wieder zu schlichten versuchte. Der Dominanz meiner Mutter wich mein Vater gerne aus. So zog er es oft vor, in die Nachbarschaft zu gehen, wenn es zu Hause für ihn unangenehm wurde oder er sich, aus welchen Gründen auch immer, zu Hause nicht wohl fühlte. Er war von seinem Äußeren her ein stattlicher, dunkler Typ, der, wenn er unbeobachtet vor sich hin schaute oder schimpfte, sehr, sehr finster aussah, was mir Respekt, manchmal auch Angst einflößte. Er war die Autoritätsperson in der Familie, wenn auch die tatsächliche «Macht» oft bei meiner Mutter lag.

Meine Mutter verstand es bei aller Konsequenz in ihrer Erziehung, sich immer auf meine Seite zu stellen, mich in Schutz zu nehmen, mich zu verteidigen und Verständnis für mich aufzubringen. Sie war eine herzensgute Frau, die stets ein Ohr für ihre Kinder hatte. Stundenlang konnte sie uns zuhören, wenn wir von unserer Arbeit und der Schule erzählten. Sie selbst war nie berufstätig, was ihr manchmal zu schaffen machte, weil sie nie über eigenes Geld verfügen konnte. Die Rollen von Mann, Frau und Kindern waren in unserer Familie traditionell geregelt. Auf ihre Einhaltung wurde oft mit religiösen Begründungen verwiesen. Über Sexualität wurde nie gesprochen. Ich habe mir Informationen zu meiner Aufklärung heimlich aus Schriften besorgt, die ich unter der Bettdecke lesen musste. Diese Schriften waren stark religiös geprägt und meist von Theologen konservativster Art verfasst.

Als mein Vater gesundheitlich wieder hergestellt war, fand er ungefähr dreißig Kilometer von unserer Wohnung entfernt eine Arbeitsstelle. So zogen wir um und ich war gefordert, neue Freunde zu suchen. Als damals Zehnjähriger fand ich jedoch schnell Kontakt. Eines Tages kam es beim Spielen mit anderen Kindern zu den bekannten, berüchtigten und von den Erwachsenen strikt verbotenen «Doktorspielen». Ich erinnere mich noch genau an den Geräteschuppen auf dem Bauernhof, in dem wir Buben und Mädchen uns gegenseitig «untersuchten».

Kurze Zeit später lernte ich in der Nachbarschaft einen gleichaltrigen Jungen kennen, mit dem ich mich recht gut verstand. Wir haben viel gemeinsam gebastelt oder ließen auf dem Löschwasserteich hinter dem Hof unsere selbst gebastelten Boote segeln. Öfter suchten wir aber auch die «Zweisamkeit», es kam zu sexuellen Spielereien, über Jahre hinweg. Ob hier ein Zusammenhang zu den harmlosen Doktorspielen bestand, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass es schön war und uns beiden Spaß machte. Wissen durfte das natürlich niemand. Oft suchten wir uns verborgene Plätze, um uns gegenseitig an den «Pimmel» zu fassen und um gemeinsam zu onanieren. Mal gingen wir ins Dickicht des Waldes, mal auf den Heuschober des Bauernhofes oder wir nutzten die Abwesenheit seiner Familie, um uns in der Wohnung miteinander «zu befassen» und die Wärme unserer Haut zu spüren. In dieser Zeit meiner Pubertät spielte das Onanieren eine große Rolle. Kontakte zum anderen Geschlecht gab es nicht. Sie wären von meinen Eltern auch nicht geduldet worden.

Nirgendwo und zu keinem Zeitpunkt hatte ich damals das Gefühl, «schwule Anteile» zu haben oder mein Tun in dieser Richtung als «schwule Praktiken» zu benennen. Vielmehr ging ich davon aus, dass das alles ganz normal sei, denn schließlich war das ja laut der von mir gelesenen Aufklärungsliteratur ein Durchgangsstadium, das etwa die Hälfte aller Pubertierenden durchlaufe. Ich bin überzeugt davon, dass diese Einstellung eng, wenn nicht sogar ursächlich, mit meiner religiösen Erziehung zu tun hat. Sexualität war etwas Schmutziges; sie durfte nur zum «Kindermachen» benutzt werden. Wenn – was äußerst selten war – das Wort «Homosexualität» in der Aufklärungsliteratur vorkam, wurde diese als etwas Abzulehnendes, Unnatürliches, Krankhaftes dargestellt. Weil ich ein guter und braver Junge sein wollte, schloss ich mich dieser Begründung ohne nachzudenken an. Ich traf mich aber weiterhin mit meinem Jugendfreund ohne jegliches schlechte Gewissen, manchmal jedoch von der Angst befallen, bei unserem Treiben entdeckt zu werden.

Nach der Schulzeit erlernte ich auf Wunsch meines Vaters einen handwerklichen Beruf. Nebenbei war ich ehrenamtlich in meiner Kirchengemeinde aktiv und hatte bereits einige Versuche hinter mir, Freundschaften zu Mädchen aufzubauen. Für «Schwiegermütter» war ich meist besonders interessant, nur die Töchter sahen zum Leidwesen ihrer Mütter manches anders. Diese ewigen Auseinandersetzungen mit den Mädchen leid, fuhr ich eines Tages zu meinem Bruder in den Urlaub mit dem festen Entschluss, meine Suche nach einem «festen» Mädchen erst danach wieder aufzunehmen. Dort begegnete mir ein dunkelhaariges, gut aussehendes Mädchen. Ich wusste nicht, wer sie war, mein Bruder aber kannte sie. Ich fragte ihn:

»Sag mal, wer ist das dunkelhaarige, hübsche Mädchen, das ich gestern auf dem Hof gesehen habe?» Die Antwort überraschte mich: «Wieso, willst du sie heiraten?» Es war Ute. Sie war neunzehn Jahre alt.

Ute und ich kamen uns näher. Wir gingen viel miteinander spazieren. Wir genossen das Händchenhalten, die Küsse und das «Fummeln». Zwei Wochen nach meinem Urlaub besuchte ich sie bei ihren Eltern. Ich war fürchterlich aufgeregt. Wir gingen am Abend aus, sie zeigte mir ihre Stadt. Wir waren glücklich. Wir alberten auf dem Nachhauseweg herum. Ich zog Ute hinter einen geparkten Lastwagen, küsste sie und fragte sie, ob sie mich heiraten wolle. Sie sagte «Ja». Ein Jahr später gaben wir offiziell die Verlobung bekannt. Nach einem weiteren Jahr feierten wir eine sehr schöne Hochzeit.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine gute berufliche Position erreicht, verdiente viel Geld und konnte mir ein großes Auto leisten. Doch die berufliche Situation frustrierte mich trotz guter Bezahlung mehr und mehr. Zwei Monate nach unserer Hochzeit kamen Ute und ich deshalb zu dem Entschluss, dass ich mich zu einem kirchlich-sozialen Beruf umschulen lassen sollte. Neben der ehrenamtlichen Tätigkeit in meiner Kirchengemeinde hatte ich immer mal wieder die Absicht gehabt, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Meine Eltern hatten mir stets davon abgeraten. Doch nun sollte das zur Wirklichkeit werden! Ute, die gerade mit ihrer Ausbildung fertig war, wollte während meiner Umschulung arbeiten, um so unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als ich diesen Entschluss meinen Eltern mitteilte, löste ich damit eine mittelgroße Katastrophe aus. Mein Vater, der mir sonst nie schrieb – das tat immer Mutter – schickte mir einen mehrere Seiten langen Brief, in dem er mich der «Verantwortungslosigkeit», des «Verrates an der Ehe», «Ausnützung der Ehefrau» und anderer Dinge bezichtigte. Ute und ich waren jedoch davon überzeugt, unseren Weg wie besprochen weiter zu gehen.

Unseren Kinderwunsch stellten wir bis zum Ende meiner Umschulung zurück und richteten uns in aller Bescheidenheit unsere erste Wohnung ein. Eine Zeit lang gingen wir gemeinsam früh um vier Uhr Zeitungen austragen. Anschließend fuhr Ute zur Arbeit und ich zum Studium. Es war eine schwere, aber dennoch schöne Zeit, geprägt von viel Gemeinsamkeit. Von dem Geld, das das Zeitungsaustragen brachte, kauften wir uns unsere erste Couch, jene Couch, auf der ich Ute viele Jahre später eröffnete, dass ich «schwule Anteile» hätte. Da wir noch keine Kinder hatten, haben wir viel miteinander unternommen. Besonders schön waren unsere Tanzkurse, bei denen wir sogar einmal eine Silbermedaille erringen konnten. Mit dem Ende meiner Umschulung kam unsere Tochter Rebekka auf die Welt. Wir waren überglücklich. Ute hörte auf zu arbeiten und widmete sich fortan der Familie. Ich stieg mit Freude und Engagement in mein neues Berufsleben ein.

DIE REALITÄT LÄSST UNS NICHT LOS

Es ist schön, mit Ute in der Vergangenheit zu schwelgen, von meinem bisherigen Leben zu erzählen und gemeinsame Zeiten aufzufrischen. Dazwischen kommt immer wieder unser neues Lebensthema zur Sprache. Die Gespräche verlaufen in dieser Phase meist sehr ruhig und sachlich und sind von unserem Wunsch geprägt, beides miteinander zu verbinden: meine «schwulen Anteile» und unser heterosexuelles Eheleben. «Es muss doch möglich sein», sagt Ute immer wieder, «dass du einen Freund findest, der in der gleichen Situation ist wie du. Bei ihm kannst du dann deinen schwulen Sex haben, und wir haben alles andere wie bisher miteinander.» Trotz aller theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema wussten wir damals beide nicht, das Schwulsein mehr ist als nur Sex.

Bei all den Gesprächen über schwules Leben vergeht eines nicht: meine nächtlichen schwulen Träume. So werde ich auch in unserer «Nach-Coming-out-Phase» von Ute immer wieder, meist verschmitzt lächelnd, angesprochen: «Heute habe ich beim Bettenmachen wieder Flecken in deinem Bett und Schlafanzug gefunden. Du hattest wohl wieder einen lüsternen Traum?» Ute kannte diese Flecken schon von früher. Ich hatte ihr früher immer erklärt, dass ich einen «lüsternen Traum» hatte, der dann meist mit einem Samenerguss endete. Jetzt grinse ich und verschweige trotz unserer neuen Offenheit, dass diese Träume ausschließlich mit Männern zu tun haben. Warum sage ich es ihr nicht? Spüre ich, dass wohl doch mehr Schwules in mir stecken muss als ich mir eingestehe? Habe ich Angst, es würde sich Utes Einstellung zu mir dadurch ändern? Oder unseren gemeinsamen Sex beeinflussen? Habe ich Angst, unsere zwischenzeitlich stabilisierte Beziehung zu gefährden? Ich weiß nicht, warum ich mit ihr darüber nicht spreche.

Männer verlieren derweil nichts von ihrer Anziehungskraft, die sie auf mich ausüben. Das Leben, auch das sexuelle, geht weiter: Wenn ich beruflich oder privat unterwegs bin, wenn ich mit Ute oder der Familie einkaufen gehe, wenn wir miteinander einen Ausflug machen oder zum Schwimmen gehen: Überall ziehen Männer meine Blicke auf sich. Es sind ihre Figuren, ihr gutes Aussehen, ihre flotte Kleidung. Dabei weiß ich ja meist gar nicht, ob sie überhaupt schwul sind. Um dies zu erkennen, fehlt mir noch der «geübte Blick». Ich wünsche mir, in ihre Nähe zu kommen und sie zu berühren, habe aber gleichzeitig Angst, ihnen zu nahe zu kommen. Wenn einer von ihnen mal meine Blicke wahrnimmt und zurückschaut, schaue ich sofort weg und habe das Gefühl, dabei einen roten Kopf zu bekommen.

Das Beobachten der Männer scheine ich manchmal derart auffällig zu machen, dass Ute schon sagt: «Du ziehst ja die Männer mit deinen Blicken richtig aus!» Mir wird dabei bewusst, dass Ute mich und mein Verhalten beobachtet, ohne dass ich es merke. Nicht nur Ute beobachtet mich, sondern auch Rebekka und Miriam. Einmal verbringen wir einen ganzen Tag in einem wunderschönen Erlebnisbad. Es ist ein toller Tag. Wir haben uns Essen und Getränke mitgenommen und toben mit den Kindern auf dem Gelände und im Wasser herum. Ich sehe Männern nach, deren Figur ich ansprechend finde. Als wir zu Hause sind, sagt Ute in einem sehr ernsten Ton zu mir: «Kannst du dich denn nicht etwas mehr zusammenreißen? Die Kinder merken ja schon, was los ist. Rebekka sagte im Bad zu mir: Warum schaut denn der Papa den Männern immer so nach?»

Bei all diesen Begebenheiten liegt unausgesprochen immer eine Frage in der Luft: Was ist «schuld» daran, dass ich so bin wie ich bin? Wie entsteht Homosexualität? Welche Ursachen hat sie? Werden wir darauf Antworten finden?

Weil Ute und ich gerne eine Antwort auf diese Fragen finden würden, lesen und diskutieren wir viel darüber. Weiter bringt uns das nicht. Keine Entstehungstheorie ist wissenschaftlich nachgewiesen. Wenn jemand behauptet, zu wissen, warum jemand homosexuell ist, trete ich ihm mit äußerster Skepsis entgegen. Entweder lügt er oder er hat andere Gründe, weshalb er eine solche Behauptung aufstellt. Ich weiß nach wie vor nicht, weshalb ich erst in einem relativ späten Alter vom Empfinden und Hingezogensein zum gleichen Geschlecht zum aktiven Ausleben dieser Empfindungen gekommen bin. Ich weiß nur, dass es so ist! Da hilft mir auch eine Diskussion über mögliche Ursachen nicht weiter.

DER BERUF

Weil Ute und ich schon immer engen Kontakt zu unseren Kirchengemeinden gehalten haben, ist es nicht verwunderlich, dass ich nach meiner Umschulung auch bei «Kirchens» meine Brötchen verdiene. Ich kann mich entfalten, habe große Freiräume oder verschaffe sie mir. Ich finde zunehmend Anerkennung und Akzeptanz. Ich bin das, was man im allgemeinen unter «beruflich erfolgreich» versteht und bin mit mir und der Welt zufrieden. Ich scheue in meiner Arbeit keine Öffentlichkeit. Gilt sonst bei «Kirchens», «Nächstenliebe in aller Stille zu üben», so vertrete ich die Meinung: «Tue Gutes und sprich davon!» Zum einen hat Sozialarbeit immer einen gesellschaftlichen Aspekt und zum anderen waren und sind die sozialen Dienste auf Öffentlichkeit angewiesen und müssen diese dann auch für die Menschen nutzen, für die sie tätig sind. Besonders wichtig ist dies, wenn es um die Begleitung und Betreuung psychisch Kranker, die Beratung überschuldeter Familien oder das damals ganz neu auftauchende Thema Aids geht. Auch die politische Brisanz mancher sozialen Arbeit, wie im Falle von Aids, bremst mich nicht in meinem Drang, die Öffentlichkeit zu suchen. Im Gegenteil: Es fordert mich heraus, mich auch mit Politikern anzulegen, nicht weil ich Streit suche, sondern weil die einzelnen Menschen, für die wir tätig sind, allein Maßstab meiner Arbeit sind, weil ich von der Richtigkeit meines Handelns überzeugt bin. Hinzu kommt auch meine oft unausgesprochene religiöse Motivation der Arbeit: die Umsetzung der Lehre der Nächstenliebe in die Praxis.

So ist es keine Seltenheit, dass Presseberichte über die Arbeit meiner Dienststelle in der regionalen Tageszeitung zu lesen sind und die eine oder andere dienstliche Aktivität überregionales Interesse findet. Durch meinen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit bleibt es nicht aus, dass ich auch im privaten Bereich an «Ehrenämter» komme, wie zum Beispiel im Elternbeirat der Schule von Rebekka und Miriam oder im Vorstand meiner Kirchengemeinde. Dazu muss ich wohl eine Veranlagung haben, und ehrlich gesagt: Es tut mir persönlich gut und stärkt mein Selbstbewusstsein, wenn ich in solche Ämter berufen oder gewählt werde. Meine Mutter sagte einmal ironisch zu mir, als ich über meine ehrenamtliche Arbeit sprach: «Gell, es ist schön, wenn man gebraucht wird. Eigentlich bräuchtest du mehrere Leben.»

Beruflich erfolgreich zu sein, in der Öffentlichkeit zu stehen, eine sympathische und gutaussehende Frau und zwei nette, liebe Kinder neben sich zu haben – was liegt da näher, als zur Vorzeigefamilie stilisiert zu werden – im Privaten wie im Beruflichen. Ute hält mir für die berufliche Arbeit den Rücken frei: Sie ist für die Familie da und sorgt bestens für den Haushalt. Ohne ihr Engagement für die Familie und ihre Unterstützung wäre meine berufliche Laufbahn wohl so nicht möglich gewesen. Dienstliche Termine haben meist Vorrang vor familiären Plänen. Trotz der zunehmenden privaten Probleme, die dadurch entstehen, zeigt sie viel Verständnis, denn «die Frau sei dem Manne untertan», steht in der Bibel.

DOCH WIE’S DA DRIN AUSSIEHT ...

Neben meinem beruflich erfolgreichen Leben gibt es meine ganz persönliche, intime Situation, von der auch Ute bis zu jenem 8. Mai nichts wusste. Meine schwule Sehnsucht ist immer stärker gegenwärtig: bei Besprechungen, bei Dienstreisen, bei Sitzungen, bei Familienfesten, bei Ausflügen. Die Blicke auf Männer, die Sehnsucht nach ihnen, die sexuellen Erregungen, die Gedanken darüber, wie so etwas mal weitergehen könnte. Keiner ahnt diese Gedanken, mit niemandem traue ich mich darüber zu reden. In der Vergangenheit hielt sich die Sehnsucht in Grenzen, gelang es mir immer wieder, zu verdrängen, zu kompensieren, entweder durch die Arbeit oder durch mein harmonisches Familienleben.

Doch jetzt, nachdem ich mit Ute darüber gesprochen habe, ist alles ganz anders. Auf der einen Seite herrscht eine große Vertrautheit und Ehrlichkeit zwischen uns. Auf der anderen Seite ist in unserer Ehe nichts mehr, wie es einmal war, ist nichts mehr selbstverständlich. Empfindlichkeiten werden wach, die vorher nie da gewesen sind. Auch möchte ich Ute nicht unnötig wehtun. So drehen wir uns im Kreis. Das ständige Diskutieren geht uns beiden zeitweise auf den Wecker. Immer wieder sagt Ute: «Ich kann es nicht mehr hören. Können wir nicht mal über was anderes reden?» Manchmal haben Ute und ich den Eindruck, als gäbe es nichts anderes mehr auf der Welt als mein Schwulsein. Dabei geht das Leben weiter, unser privates Leben mit den alltäglichen Sorgen und Nöten, mein berufliches Leben mit seinen nicht geringen Anforderungen. Hinzu kommt die Frage, wer sich außerhalb unserer vier Wände für unser Problem interessieren soll. Wem gegenüber dürfen oder können wir es anvertrauen? Die Angst, die ich vor meinem Coming-out Ute gegenüber hatte, haben wir nun beide vor einer weiteren «Öffentlichkeit», vor Freunden, vor der Verwandtschaft oder am Arbeitsplatz. Verschärft werden unsere Fragen und Ängste immer wieder durch negative Zeitungsartikel über Schwule und das aufkommende Thema Aids. Fragen über Fragen stellen sich uns, aber Antworten, mit denen wir leben könnten, sind nicht in Sicht. Die Spannungen zwischen Ute und mir wachsen.

Doch die Hoffnung, dass mein schwules Leben mit meinem Familienleben vereinbart werden kann, haben wir beide – noch. Utes Hoffnung ist: «Du bist nicht schwul, du bist bisexuell» Gibt es das? Bin ich das?

Intensiv beschäftigen mich diese Fragen. Ich lese Literatur darüber, komme aber nicht weiter. Am Einleuchtendsten ist mir und Ute die Erklärung von Kinsey, der feststellt, dass es zwar hundertprozentige Heteros und hundertprozentige Homos gibt, die Mehrheit sich jedoch zwischen diesen beiden Gruppen bewegt. Also kommen Ute und ich zu dem Schluss, dass ich, weil ich mit einer Frau leben und schlafen kann und außerdem Kinder habe, bisexuell bin. Wie stark meine schwulen Anteile sind, ist mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Ich merke nur, dass sie stärker werden. Warum?

Die Illusion, bisexuell zu sein, die den Bestand unserer Ehe sichern könnte, hält bei mir noch einige Zeit an. Bei Ute glaube ich, hält diese Illusion noch heute. Ob es ihr hilft, mit meiner Situation fertig zu werden?

Die Sehnsucht nach einem Freund wird nicht schwächer. Während einer Dienstreise verabrede ich mich mit Werner, mit dem ich schon einmal eine schöne Nacht erlebt habe. Es ist Sommer. Ich warte in einem Straßencafé auf ihn: warte und warte. Ich fange an, «poetisch» zu werden, reflektiere meine Situation in Versform:

Stationen

Eben noch heiß, dann schwül,dann Wind und ein paar Regentropfen.

Die Häuser, farblos wie immer,die Autos, bunt und laut.

Die vorbei eilenden Menschen:fröhlich, bedrückt, schweigend, im Gespräch.

Ich warte auf ihn.Ich will zwischen diesem Warten und meinem Leben eine Beziehung herstellen.

Will mein Leben, meine Situation,meine derzeitige Station integrieren in diesen Moment.

Was heißt dann «heiß», was heißt dann «schwül»?Was «Wind», was «Regentropfen»?Was heißt dann «farblos», «bunt» und «laut»?

Werde ich die Antwort finden?Werde ich die nächste Stationen erreichen?Meine Stationen? Doch nicht zu schnell!

Und die von ihm? Was weiß ich von ihm?Das will ich: gemeinsam etwas leben, erleben, gestalten,erleiden, gemeinsam deuten.

Der Augenblick, das Momentane:Das zählt, macht froh – macht traurig.

Und wenn der frohe Augenblick dauert?Genieße ihn! Gestalte ihn! Mit ihm! Sag ja dazu!

Und wenn der traurige Augenblick dauert, die Unsicherheit?Wenn es nicht weitergeht?Erleben, aushalten, gestalten – bis zur neuen Station.

Ich warte immer noch auf ihn.Jetzt ist er da!

Ein Gespräch – der Weg zu einer neuen Station?Zur frohen Station? Zur traurigen Station?Wird es schön oder gibt es Regen?

Schweigen – Müdigkeit – Verlegenheit.Längst verdrängte Stationen kehren zurück.

Die Nacht: es wird doch RegenDer Morgen: noch mehr Schweigen, noch mehr Müdigkeit,noch mehr Verlegenheit.

Beginn einer neuen Station.Werde ich sie aushalten, erleiden, gestalten?Mit ihm?

Er kommt, bestellt sich einen Kaffee, wir reden, gehen spazieren und reden weiter. Mehr und mehr weicht die Hoffnung auf eine schöne Nacht mit ihm. Er will es bei dem einen mal belassen, empfindet meine Sehnsucht als «Klammern» – kann sie nicht verstehen und nicht stillen. Ich bin mir nicht sicher, ob seine Erklärungen ehrlich sind. Will er mich emotional nicht so stark an sich heran kommen lassen? Oder würde er sich beim Fortbestand meiner Ehe als fünftes Rad am Wagen vorkommen? Möchte er nicht schuld sein am Zerbrechen meiner Ehe? Die Antworten bleiben mir verborgen. Auch diese Station in meinem Leben muss ich «aushalten, erleiden, gestalten», allein, nicht mit ihm.

EIN DIENSTLICHER AUFTRAG

Gibt es nur in der Großstadt Schwule? Oftmals kann dieser Eindruck entstehen. Von Schwulenkneipen, von «einschlägigen» Saunen, Klappen und Parks als Treffpunkten hört «Mann» ja nur aus der Großstadt. Dies hat sicherlich etwas mit der größeren Anonymität zu tun; auch mit der Tatsache, dass Schwule nach wie vor in weiten Kreisen der Öffentlichkeit, der Politik und der Kirche als «unnormal» angesehen werden und ihr Tun als verwerflich gilt. Zudem ist die soziale Kontrolle im ländlichen Raum größer. Es bedarf schon eines starken, selbstbewussten Auftretens, sich hier als Schwuler «zu bekennen» und dort zu leben. Wer kann das schon, wenn er sein Schwulsein selber noch nicht vollständig bejaht hat?

Eines Tages werde ich von Dr. Volz, meinem Vorgesetzten, zu einem Gespräch gebeten. Während seines Urlaubes haben sich einige Schwule aus unserer Gegend an einen Pfarrer des Ortes gewandt und ihn gebeten, die Kirchengemeinde möge einen Raum für die wöchentlichen Treffs der neuen Schwulengruppe zur Verfügung stellen. Der Pfarrer gab in seiner bekannten Aufgeschlossenheit dem Anliegen der Gruppe statt, so dass sie sich regelmäßig in einem Gemeinderaum treffen konnte. Bis Dr. Volz aus dem Urlaub kam. Formal korrekt stellt er fest, dass über die «Vermietung» von kirchlichen Räumen an nichtkirchliche Gruppen der Gemeindevorstand zu entscheiden habe. Dieser Beschluss muss nun also nachgeholt werden. Bei der konservativen Struktur des Gemeindevorstandes fällt er negativ aus: die Gruppe darf den Raum nicht weiter nutzen.

Diese von Dr. Volz provozierte Entscheidung widerspricht seiner sonst so großen Offenheit gegenüber aktuellen Themen- und Problemstellungen. Deshalb bemüht er sich um einen Ausweg. Da meine Dienststelle zwar kirchlich ist, aber von einem Verein getragen wird, sieht er eine Chance. Er will mich und den Verein dafür gewinnen, dass die Gruppe hier einen Raum bekommt. Mein Wissen über die Personengruppe der Homosexuellen verunsichert ihn nicht. Ich nehme an, dass er dieses Wissen meiner Offenheit für alle sozialen Probleme und meinen Fachkenntnissen zuschreibt. Er ist sichtlich erleichtert, als ich ihm erkläre, ich könnte mir vorstellen, dass die Gruppe sich regelmäßig in meiner Dienststelle trifft. Seine Sorge, von dieser Gruppe und damit von meiner Dienstelle könnten «Aktivitäten» ausgehen und wir könnten ins Gerede kommen, beunruhigt ihn schon. Schließlich sind wir ja auf dem Land und haben sicherlich nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter uns. Ich nehme ihm diese Sorge, indem ich mich bereit erkläre, mich um die Gruppe zu kümmern. Über dieses Angebot ist Dr. Volz sehr erfreut und zugleich erleichtert. Zum einen sieht er in mir eine gewisse Kontrollinstanz, und zum anderen kann er den Schein seiner Progressivität wahren, ohne mit der Gruppe in «seinen» Räumen konfrontiert zu sein. So werde ich durch Beschluss der zuständigen Vereinsgremien zum «Beauftragten für Homosexuelle». Keiner von denen, die diesen Beschluss gefasst haben, weiß und ahnt im Entferntesten, dass ich auch zu dieser Gruppe gehöre; schließlich habe ich ja Familie. Ich halte es nicht für nötig, mich den Gremien gegenüber zu outen, und kann es mir zu diesem Zeitpunkt auch überhaupt nicht vorstellen.

Weil ich dienstlich bis jetzt noch keinen Kontakt zu Schwulen habe, ist mir schon etwas flau im Magen bei diesem Auftrag. Was wird diese Gruppe für Aktionen planen? Kann ich sie wirklich «kontrollieren» und steuern? Weiß ich, was die Begegnung mit der Gruppe für Folgen für mich haben wird? Wie werde ich mich verhalten, wenn ich mich mit ihnen «auseinandersetzen» muss? Trotzdem freue ich mich auf diese Arbeit und den «dienstlich verordneten» Kontakt mit Schwulen. Ute sieht das anders. Sie ist voller Sorge und meint immer wieder: «Pass bloß auf. Wenn das rauskommt, dass du auch dazu gehörst!»

MEIN ERSTER «OFFIZIELLER»

Ein Freund, nur für mich, das wäre es! Seitdem Ute jetzt alles weiß und akzeptiert, könnte ich auch «offiziell» einen Freund haben. Doch wie finde ich einen? Ich fühle mich plötzlich so «unerfahren» gegenüber den anderen, die schon immer schwul leben. Wo kann ich hier auf dem Land jemanden kennenlernen, der zu mir passt – und ich zu ihm? Wie ist die Diskretion zu wahren? Die Situation, dass es an der Tür klingelt und der Traumprinz vor mir steht und sagt: «Hier bin ich», werde ich wohl nicht erleben. Die Sache mit dem Traumprinzen, glaube ich, ist ohnehin ein Phantom der Schwulenszene. Jeder erwartet, dass er irgendwann den Traumprinzen bekommt, aber jeder wartet vergeblich. Ist es aber mit der Traumfrau und dem Traummann in einer Heterobeziehung nicht auch so? Als langjähriger treuer Ehemann stehe ich nun vor der Aufgabe, bewusst jemanden «anzumachen», ihn für mich zu interessieren. Mir wird bewusst: Ich muss aktiv werden, wenn ich jemanden kennenlernen will, wenn ich auf dem Weg meiner Identitätsfindung weitergehen will. Doch wie?

Durch Zufall kommt mir die Adresse einer Schwulenpension in der näheren Umgebung in die Hände. Vielleicht können die mir weiterhelfen, denke ich. Ich nehme allen Mut zusammen und wähle die Telefonnummer. Hein Herz schlägt bis zum Hals. Werde ich sagen: «Hallo, habt Ihr einen Mann für mich?» Werde ich stottern und dabei rot anlaufen? Meine Aufregung legt sich jedoch schnell. Ich erzähle meinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung kurz meine Geschichte: dass ich ein spätes Coming-out habe und nicht weiß, wo ich einen Freund finden kann, und dass ich aufgrund meiner beruflichen Position auch etwas vorsichtig sein muss. Mein Telefonpartner reagiert sehr verständnisvoll auf meine Anfrage und erinnert sich, dass vor ein paar Wochen Heinz, ein «alter Bekannter» bei ihm war, der in meinem Alter ist und zur Zeit keinen Freund hat. «Wenn du willst, gebe ich dir seine Telefonnummer.» Ich traue meinen Ohren nicht, als ich dieses Angebot höre. Sollte ich so schnell zum «Erfolg» kommen?

Nun habe ich eine Telefonnummer von einem Mann, einem potentiellen Freund. Wieder steigt die Spannung in mir. Wie gehe ich jetzt vor? Ich mache erneut die Erfahrung, dass, wenn ich etwas will, ich dann auch davon überzeugt bin, dass es richtig ist, dass ich es «brauche» oder dass es «nötig» ist und dass ich dann auch Wege finde. So auch hier: Telefonisch verabrede ich mich mit Heinz in einem Café. «Wie erkenne ich dich denn?», frage ich. «Ich bin groß, schlank und blond», war seine Antwort, «Du kannst mich nicht übersehen.» Ach du meine Güte, denke ich, ein Blonder. Ich schwärme doch sonst für dunkle Typen. Aber sollte die Haarfarbe etwas über den Charakter eines Menschen aussagen? Später mache ich die Erfahrung, dass die Partnersuche in der Schwulenszene sehr viel nach solchen äußeren Kriterien stattfindet. Doch dahinter musste ich erst selber kommen. Ich beschreibe noch kurz mein Aussehen und die Verabredung wird ausgemacht.

In der Tat: Er ist groß, schlank, fast rotblond, sehr gepflegt und duftet nach edlem Parfüm. Mein Herzklopfen ist schnell verflogen, und wir kommen recht unkompliziert ins Gespräch. Ich rede im Allgemeinen gerne und viel, vor allem dann, wenn ich unsicher bin, etwas durchsetzen oder mich in Szene setzen will. Doch Heinz übertrifft mich. Er ist Berliner, der hier auf dem Land auf einem alten Bauernhof lebt. Seine zwei «Ehen», wie er seine Partnerschaften nennt, dauerten acht und zwölf Jahre. Von kurzen Freundschaften hält er nichts. Er erzählt viel aus seiner Vergangenheit, wie es jeweils zur Trennung kam, wie er als Großstädter hier auf dem Land zurecht kommt, wie er als offen schwul Lebender seinen kleinen Laden als Selbständiger betreibt und dass er wieder auf der Suche nach einer neuen, soliden Partnerschaft ist.

Ich schlürfe meinen Kaffee, erzähle Heinz von meiner Familie, meiner schwulen Entwicklung, meinem Beruf, meiner Sehnsucht nach einem Freund und wie ich an seine Telefonnummer gekommen bin. Dass ich verheiratet bin, stört ihn nicht. Nach ungefähr zwei Stunden stimmen wir darin überein, dass wir uns näher kennenlernen sollten. Die Sache mit der «Liebe auf den ersten Blick» mag es vielleicht manchmal geben, doch glaube ich, dass sie die Ausnahme ist. Heinz ist für mich keine Liebe auf den ersten Blick, aber er ist mir auch nicht unsympathisch. Wichtig ist für mich, dass er bereit ist, sich auf eine Entwicklung einzulassen. Ohne diese Bereitschaft, so meine ich, hat es wenig Sinn, eine Partnerschaft anzufangen, es sei denn, ich bin nur an Sex interessiert. Und wir wollen beide mehr. Ich gebe ihm meine private und meine dienstliche Telefonnummer und wir verabschieden uns hoffnungsvoll. Dabei erlebe ich etwas, was – in Schwulenkreisen oft ein Ritual – für mich noch unbekannt ist: Heinz umarmt mich und gibt mir ein Küsschen auf die Wange. Auch wenn mein Pulsschlag sich dabei erhöht, mir ist das nicht unangenehm, im Gegenteil, die Wärme seiner Wangen zu spüren macht mich fast an.

Auf der Heimfahrt bin ich in bester Stimmung. Ute weiß von Anfang an von meiner Suche nach einem Freund. So wusste sie auch von meinem Treffen mit Heinz. Sie ist voller Spannung, als ich heimkomme. Ich kann ihre Empfindung nicht einschätzen, als ich ihr von meinem Gespräch mit ihm erzähle und ihn beschreibe. Meine Erzählung muss aber wohl ihre Neugierde geweckt haben, denn einige Tage später meint Ute, dass sie Heinz gerne kennenlernen möchte. Der Beginn einer Entwicklung mit Heinz findet zu einer Zeit statt, in der sowohl Ute als auch ich noch fest davon überzeugt sind, dass sich schwules Leben und heterosexuelles Familienleben miteinander vereinbaren lassen. Als ich kurze Zeit später Geburtstag habe, überrascht mich Ute mit dem Vorschlag: «Lade ihn doch zu deinem Geburtstag ein!» Heinz erscheint mit einem Geschenk für mich und mit Blumen für Ute.

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn der angehende Liebhaber des Ehemanns zu dessen Geburtstag in seine Familie kommt. Den Austausch von Zärtlichkeiten vermeiden wir und ergehen uns in allgemeinen Gesprächen, da ja auch Rebekka und Miriam dabei sind. Den Kindern wird Heinz als ein Freund von Papa vorgestellt, was keine weiteren Fragen nach sich zieht. Es ist ein schöner Nachmittag auf der Terrasse, der sich bis in den Abend hinzieht. Eine neue Situation ist entstanden: Ich muss Heinz in mein und unser bisheriges Leben integrieren. Wann und wie oft treffe ich mich mit ihm? Ute will die Sicherheit, dass sich zwischen ihr und mir trotz meines Freundes nichts ändert. Kann ich ihr die geben? Wir reden viel über die Situation. Ute wäre es am liebsten, wir würden einen festen Tag ausmachen, an dem ich zu Heinz fahre. Wir einigen uns auf Mittwoch als meinem «Besuchstag» bei Heinz. Natürlich werde ich mit ihm zwischendurch auch telefonieren. Eine weitere Vereinbarung zwischen Ute und mir ist, dass ich jeden Abend, auch wenn es sehr spät wird, immer heimkomme, also keine Nacht bei Heinz verbringe. All diese Regelungen bespreche ich auch mit Heinz, der volles Verständnis dafür hat.

Es ist für Ute und mich schon «gewöhnungsbedürftig», dass ich mich am Mittwoch Abend «fein» mache, mich mit Küsschen verabschiede und zu meinem Freund fahre. Wie mag es Ute dabei gehen? Bei ihr bleibt trotz der Absprachen eine große Unsicherheit. Ahnt sie, dass sich schwules Leben nicht nur auf Sex zwischen Männern reduzieren lässt? Eines Tages sagt sie mit einem sorgenvollen Ausdruck zu mir: «Ich überlege mir die ganze Zeit schon, was ich mache, wenn du einmal nachts nicht heimkommst.» Weil ich ehrlich zu Ute sein will, kann ich ihr nicht versprechen, dass dieser Tag trotz aller Vorsätze nicht doch einmal kommen könnte.

Heinz wird in das Familienleben einbezogen. Neben meinen Besuchen bei ihm kommt er zu uns in die Familie oder die Familie fährt zu ihm zum Kaffeetrinken oder Abendessen. So ist Heinz auch bei uns zu Hause, als uns einmal Norbert und Doris, ein befreundetes Ehepaar, besuchen. Doris empfindet es als sehr exotisch, das Dreieckspiel zu betrachten und ist sehr beruhigt zu sehen, dass Ute Heinz mag. Ute erzählt Doris von ihren Ängsten und ihrem Problem, einen Mann als Konkurrenten neben sich zu haben. Einer Frau ist Ute gewachsen – aber einem Mann?

Am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag ist Heinz in unserer Familie. Bei aller immer wieder aufkommenden Spannung ist es schön, dass so etwas überhaupt möglich ist. Bald machen Heinz und ich jedoch die Erfahrung, dass eine Freundschaft und die Lust und die Freude, sich zu sehen, sich nicht auf einen einzigen Wochentag beschränken lassen. Die Freundschaft zu Heinz will nicht so recht in die Gänge kommen. Oft fahre ich nach einem Besuch bei ihm recht frustriert nach Hause, weil nichts «gelaufen» ist, was Ute dann am nächsten Morgen an meiner Stimmung feststellt.

Es gibt Situationen, in denen möchte Heinz mich oder ich ihn sehen, aber es ist nicht Mittwoch. Wenn Heinz bei uns ist, können meine ganz persönlichen Bedürfnisse und Gefühle nicht befriedigt werden, und die von Heinz sicherlich auch nicht. Ein flüchtiger Kuss zwischen ihm und mir nach vorherigen schnellen Blicken nach allen Seiten, um uns zu vergewissern, dass uns niemand sieht, kann kaum als ein befriedigendes schwules Miteinander angesehen werden. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Ute, Rebekka und Miriam große Probleme damit hätten, wenn Heinz und ich vor ihren Augen Zärtlichkeiten austauschen würden.

Eine immer größer werdende Distanz entsteht zwischen ihm und mir. Diese Entwicklung bereitet mir Sorge. Eines Mittwochs mache ich unsere Beziehung zum Gesprächsthema. In diesem Gespräch wird mir zum ersten Mal deutlich, dass in einer schwulen Partnerschaft die Rollen nicht automatisch und selbstverständlich geregelt sind. Das Verhalten der Partner ist nicht wie in einer traditionellen Ehe in Rollen festgelegt. Ich mache zwar jetzt diese Erfahrung, aber verinnerlicht habe ich sie noch längst nicht. Eine heterosexuelle Erziehung in Schule, Elternhaus, Gesellschaft und siebzehn Jahre Ehe prägen. Die Reaktionen von Heinz an diesem Abend auf unser Thema überraschen mich. Vorwurfsvoll, fast beleidigt und gekränkt sagt er: «Du kommst immer am Mittwoch Abend geschniegelt und gebügelt und willst was von mir. Ich kann nicht auf Kommando. Ich brauche da auch meine Anlaufzeit. Wenn wir wenigstens auch mal miteinander essen könnten. Oder: ich brauche öfter mal am Samstag jemanden, der mir hilft, Arbeiten im Garten zu erledigen, die nur zu zweit möglich sind. Aber das geht ja alles nicht mit dir.» Ich kann Heinz nicht widersprechen. Ich kann nur bestätigen, dass ich mir auch gerne mehr von ihm wünschen würde, was aber wegen meiner Familie nicht geht. Ist uns das vorher nicht klar gewesen? Das ewige Lied von «Kopf» und «Bauch», von Vernunft und Gefühl wird auch hier wieder angestimmt.

Ein weiteres Thema zwischen Heinz und mir ist der Umstand, dass ich sexuell von ihm nie das erhalten habe, was ich mir so sehnlichst gewünscht habe. «Als ich das erstemal hier bei dir war», sage ich, «war es für mich am Schönsten. Später war es nie wieder so.» Bei seiner Erwiderung wird Heinz sehr ernst: «Damals kannte ich deine Frau noch nicht. Sie ist eine sehr nette und liebe Frau. Auch deine Kinder finde ich unwahrscheinlich lieb. Ich will nicht, dass ich schuld daran bin, dass eure Ehe auseinander bricht.» Mit vielem habe ich gerechnet, aber nicht mit einer solchen Antwort. Erst viel später wird mir klar, dass diese Antwort nötig war und ist, wenn wir schwules Leben nicht nur auf Sex reduzieren, schwules Leben nicht als eine «Ergänzung» oder «Bereicherung» heterosexuellen Lebens sehen, sondern als eine eigenständige, lebensfähige und lebenswerte Lebensform mit Gefühlen und Empfindungen. Heinz erzählt weiter, dass er oft mit Ute telefoniert. In einem dieser Telefonate äußerte Ute ihm gegenüber, dass ich, seit dem ich ihn kenne, nur noch wenig «zu Hause bin», selbst wenn ich körperlich anwesend bin. Er habe dann zu Ute gesagt: «Wenn Bastian schwul ist, dann wird er auf Dauer nicht ohne Freund oder zumindest nicht ohne gelegentliche Kontakte zu Männern sein können. Wenn ich es nicht bin, wird es ein anderer sein.» Dieser Satz sollte sich später bewahrheiten. Heinz bricht den Kontakt zu mir mit Rücksicht auf meine Familie ab, bevor er richtig beginnt.

FREUNDE DER FAMILIE

Wir sind eine gesellige Familie. Gerne sind wir unter Menschen oder lernen neue Leute kennen. Wir haben gerne Gäste und laden Besuch ein. So war es schon immer, auch bevor wir Kinder hatten. Bei einem Tanzkurs lernten wir das schon erwähnte Freundespaar Norbert und Doris kennen. Beide sind recht lebensfrohe Menschen. Wir verstanden uns von Anfang an recht gut. Gegenseitige Einladungen mit schönem Essen, vielen Gesprächen und Spaziergängen sind keine Seltenheit. Die Kontakte verstärken sich noch, als sie und wir Kinder bekommen. Auch verbringen wir öfter Urlaube miteinander. Es sind schöne, fröhliche Wochen, Tage und Stunden, die wir miteinander verleben.

Für dieses Jahr, das Jahr, in dem ich mich Ute gegenüber geoutet habe, planen wir wieder einen gemeinsamen Urlaub, diesmal in Nordfriesland. Ob das gut geht? Wie soll es im Urlaub mit unserer veränderten Ehesituation weitergehen? Können wir das Thema ausklammern? Vor den Kindern können und wollen wir nicht darüber reden. Vor unseren Freunden auch nicht? Ute möchte nicht, dass zu viele Leute «es von mir wissen». Ich kann nicht sagen, was uns immer wieder daran hindert, offen mit uns nahestehenden Menschen über mein Schwulsein zu reden. Trotz Utes Akzeptanz ist bei ihr eine Befangenheit da, hat sie ein Gefühl, als ob etwas ganz Schreckliches passiert ist, was niemand wissen darf. Dabei ist alles normal, sagen wir – rational. Ich bin doch deshalb kein anderer, ich bin Bastian mit meinem Beruf, meiner Frau, unseren Kindern. Und doch ist alles anders. Zu sehr sind wir beide heterosexuell erzogen und leben mit den Werten und Normen, die uns vermittelt worden sind. Diese Werte sind es, denke ich, die uns bei aller Offenheit immer wieder so beklommen werden lassen und uns daran hindern, «normal» mit dem Thema Homosexualität umzugehen, und es ist die Sorge vor der Reaktion unseres Umfeldes.

»Ich kann nicht mit Norbert und Doris drei Wochen auf einer Halliginsel leben und so tun, als ob wir keine Probleme hätten», sage ich immer wieder zu Ute, und sie erwidert: «Du weißt aber nicht, wie Norbert und Doris damit umgehen, wie sie reagieren. Wenn du es vorher sagst, platzt vielleicht der gemeinsame Urlaub. Das wäre schade.» Ich kann mich mit dieser Argumentation nicht abfinden. Das Wochenende, an dem wir zu Norbert und Doris fahren, um den gemeinsamen Urlaub zu besprechen und organisatorische Fragen zu klären, rückt immer näher. Es belastet mich sehr, dass wir es gerade den Freunden, mit denen wir den meisten Kontakt haben, nicht sagen sollten. Schließlich gibt Ute nach. Oder gibt sie es auf, gegen meine Argumente anzugehen? Ich kann nicht sagen, was ihr wirklicher Grund ist.

Das Abendessen bei Norbert und Doris ist wie immer außergewöhnlich reichlich und gut. Auch geht es ziemlich turbulent zu, da unsere Kinder und die beiden von Norbert und Doris mit am Tisch sitzen. Schon während des Essens überlege ich hin und her, wie ich das Thema anfange. Es muss auf alle Fälle am ersten Abend geschehen, damit wir noch Zeit haben, darüber zu reden. In gewohnter Routine bringen wir in einer Gemeinschaftsaktion die Kinder zu Bett. Davon einigermaßen geschafft, tief durchatmend, lassen wir uns alle vier im Wohnzimmer nieder. Endlich ist Ruhe. Wieder einmal schlägt mein Herz bis zum Hals: Jetzt muss es passieren!

»Wir haben euch etwas Wichtiges zu sagen. Lange haben wir darüber nachgedacht, ob wir es euch sagen sollen», beginne ich zögerlich, sehr angespannt mit einem mühsamen Lächeln im Gesicht. «Hoppla», sagt Norbert, «da bin ich aber gespannt, was da jetzt kommt. Bekommt ihr etwa ein Kind? Ober bekommst du einen neuen Job und unser gemeinsamer Urlaub ist im Eimer?» fragt Norbert erstaunt und in bester Laune. Auch Doris ist hellhörig geworden. Ich sitze neben Ute, halte ihre Hand und weiß: jetzt muss ich weitermachen.