Sekundenschaf - Malte Welding - E-Book

Sekundenschaf E-Book

Malte Welding

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ist die Hühnersuppe vegetarisch? Jeder kennt das: Für einen Sekundenbruchteil denkt man völligen Quatsch. Und das Gehirn? Hat geschlafen und würde am liebsten so tun, als sei nichts geschehen. Vielleicht hatte dieses weitverbreitete Phänomen der Augenblicksdummheit deshalb bisher keinen Namen. Dabei liegt er auf der Hand. So ein Gedankenaussetzer ist ein Sekundenschaf. Die lustigsten dieser Sekundenschafe versammelt dieses Buch – zum Lachen, Weitersagen und Verschenken. Das Buch zur Erfolgsreihe von Radio Eins

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 162

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Malte Welding

Sekundenschaf

Dumm für einen Augenblick

 

 

 

Über dieses Buch

Ist die Hühnersuppe vegetarisch?Jeder kennt das: Für einen Sekundenbruchteil denkt man völligen Quatsch. Und das Gehirn? Hat geschlafen und würde am liebsten so tun, als sei nichts geschehen. Vielleicht hatte dieses weitverbreitete Phänomen der Augenblicksdummheit deshalb bisher keinen Namen. Dabei liegt er auf der Hand. So ein Gedankenaussetzer ist ein Sekundenschaf. Die lustigsten dieser Sekundenschafe versammelt dieses Buch – zum Lachen, Weitersagen und Verschenken.Das Buch zur Erfolgsreihe von Radio Eins

Impressum

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juli 2015

Copyright © 2015 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München

Umschlagabbildung Andrew Bret Wallis/Getty Images

ISBN 978-3-644-54461-1

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Hinweise des Verlags

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

 

Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

 

Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

 

 

www.rowohlt.de

Inhaltsübersicht

Widmung

Motto

Vorwort

Ein Schaf ist ein Schaf ist ein Schaf

Schafe für eine vollkommene Welt

Schafe in der Moderne

Schafe und Technik

Schafe im Netz

Schafe auf Reservebatterie

Schafe am Telefon

Schafe auf Autopilot

Schafe aktiv und passiv

Sportschafe

TV-Schafe

Schafe in allen Größen

Schafe und Kinder

Jungschafe

Schafe und andere Vierbeiner

Verirrte Schafe

Schafe und die großen Fragen

Schafe und Zeit

Schafe im Weltall

Hungrige Schafe

Trojanische Schafe

Für Lotta und Paul

«Ich habe erwachsene US-Bürger aus dem gehobenen Mittelstand gehört, erfolgreiche Geschäftsleute, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob Skeetschießen im Freien stattfindet, ob die Crew ebenfalls an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Midnight-Buffet eröffnet wird.»

David Foster Wallace, Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Vorwort

Während der WM 1986 in Mexiko war meine große Schwester in den USA. Ich hatte damals eine Eingebung und sagte beim Abschied zu ihr: «Du kannst mir ja die Ergebnisse dann schon immer durchgeben, bevor wir die Spiele live sehen.» Sie schaute mich verständnislos an. Ich ergänzte also begeistert: «Na, wegen der Zeitverschiebung!»

 

Das war meine erste bewusste Begegnung mit dem Sekundenschaf. Es handelte sich hier nicht um einen Fall von mangelnder Bildung, im Grunde wusste ich, was eine Zeitverschiebung mit sich bringt und was nicht, mein Gehirn hatte mich bloß auflaufen lassen, war in Bummelstreik getreten, ohne vorher Bescheid zu sagen.

 

Mein zweites bewusstes Sekundenschaf hatte ich in den neunziger Jahren. Ich schaute einen Wettbewerb im Langstrecken-Apnoetauchen. Langstrecken-Apnoetauchen geht so: Der Taucher atmet vorher noch einmal tief ein und muss dann ganz ohne Hilfsmittel so viele Schwimmbeckenbahnen wie möglich unter Wasser schwimmen, ohne dass er noch einmal auftauchen dürfte. Ich rief laut aus: «Aber niemand kann doch wissen, ob die nicht heimlich atmen!»

 

Nun werde ich vermutlich zwischen diesen beiden Fällen von Augenblicksdummheit viele andere Sekundenschafe gehabt haben, aber das Sekundenschaf ist ein flüchtiges Geschöpf. Das Gehirn scheint sein Versagen verschleiern zu wollen, und wann immer ich Leute fragte, ob sie so etwas auch schon einmal erlebt hatten, bekam ich die Antwort: «Ja, mir ist so, aber ich erinnere mich nicht mehr.» Also habe ich irgendwann meine Suche professionalisiert.

 

Dabei war es notwendig und schließlich auch sehr nützlich, dem Phänomen einen Namen zu geben. Denn es ist kein Blackout, beim Blackout ist schließlich nichts, beim Sekundenschaf ist aber etwas, wenn auch das Falsche. Es ist kein Versehen, kein Vergessen, keine Fehlleistung, kein Unfall. Das Unbewusste spielt hier eine untergeordnete Rolle.

 

Sekundenschaf ist übrigens ein Wort ohne L. Genau wie Rotor, Horst oder Schreibmaschine. Schauen Sie genau hin: kein L dabei. Das Schaf auf dem Cover kann durchaus als Hinweis gedeutet werden.

 

Auch Monate, nachdem ich mit Hilfe von radioeins, einer Facebook-Seite und einer Homepage angefangen hatte, Treibjagd auf Sekundenschafe zu machen, kamen noch Nachrichten wie diese:

 

«Ich bin eines der ersten Mitglieder dieser Community und lese hier seit Monaten mit. Gerade sehe ich zum ersten Mal das Icon mit dem Schaf. Und ich denke mir so, hä? Was hat das Schaf mit Sekundenschlaf zu tun? Und überhaupt, was ist Sekundenschlaf für ein komischer Name für ein Buch über Augenblicksdummheiten …»

 

Es gab natürlich Proteste aus dem Umkreis des deutschen Schäferverbandes und auch von nicht organisierten Schaffreunden. Allerorten hieß es, es zeuge von grober Unsportlichkeit, den possierlichen Wollspender als Synonym für geistige Nichtschwimmer zu missbrauchen. Als Entgegnung nur ein kurzer Hinweis auf den Forschungsstand. Das Schaf hat einen Enzephalisationsquotienten (EQ) von 0,8. Dieser Quotient gibt das Verhältnis der Gehirngröße zur Größe des restlichen Körpers wieder. Je niedriger der EQ, desto Mäh. Das Pferd, auch nicht berühmt für seine Erfolge in der Weltraumtechnik, hat einen Enzephalisationsquotienten von 0,9, die Katze einen von 1,1. Weswegen wir Katzen in unsere Wohnung lassen und Schafe auf die Weide schicken.

 

Und doch verwandeln wir uns manchmal kurze Zeit in ein Schaf, stürzen mit unserem EQ von 7,8 in bodenlose Tiefen. Was zum Glück sehr komisch ist.

 

Viel Vergnügen mit Sekundenschaf.

Ein Schaf ist ein Schaf ist ein Schaf

Ein Schulkamerad, in den ich heimlich total verliebt bin, und ich verabreden uns zum ersten Mal. Wir machen zusammen bei ihm Musik, es ist super, ich habe Hoffnung, dass da vielleicht was geht. Am frühen Abend bietet er mir an, mich mit seinem Auto nach Hause zu fahren. Ich bin total aufgeregt, sage: «Sehr gern, wir können ja noch einen Tee bei mir trinken.» Er stimmt zu. Ich wohne seit kurzem in meiner ersten WG, in einem sehr beliebten Stadtteil, und er kurvt ewig herum, bis er endlich eine winzige, eventuell zu kleine Parklücke findet. Er manövriert und rangiert und schafft es tatsächlich einzuparken. Als er endlich den Motor abschaltet, höre ich mich sagen: «Herrje, wie willst du denn da morgen früh wieder rauskommen?»

Wir wollen ein Kind bekommen. Meine Frau hat ihren Eisprung. Ich suche Extramusik aus, bin frisch geduscht, sogar das Bett habe ich neu bezogen, alles ist vorbereitet, da fällt mir ein: «Mist, ich habe die Kondome vergessen!»

«Ich bin Steinbock», sagt ein Bekannter. «Wie Jesus.» Ich frage erstaunt: «Woher willst du wissen, was Jesus für ein Sternzeichen war?»

Ich liege abends im Bett, bin zu faul, für die abendliche Badroutine noch mal aufzustehen, und rufe meinem Freund hinterher: «Kannst du mir noch ein Glas Wasser bringen? Und meine Zahnbürste mit einer Schüssel?» Mein Freund bringt mir alles zum Bett. «Und aufs Klo müsste ich auch noch.» Mein Freund schaut mich unschlüssig an.

Ich lese von einem Poeten, der auf dem Sterbebett irgendetwas Poetisches gesagt hat, und frage mich: «Warum kauft sich überhaupt jemand ein Sterbebett?»

Ich bin zu Hause. Unten klingelt jemand, ich gehe zur Haussprechanlage. Es ist ein Kumpel, wir reden kurz. Dann frage ich ihn, von wo er gerade anruft.

«Ich kann morgen nicht kommen, weil ich Fieber habe.» «Dann komm doch heute.»

Bin kürzlich nach London geflogen und habe mich auf dem Hinflug gefreut, dass England eine Stunde hinter der deutschen Zeit zurück ist und man so am Anreisetag eine Stunde gewinnt. Für den Rückflug musste ich sehr früh aufstehen, tröstete mich aber mit dem Gedanken: «Egal, ich kann ja im Flugzeug eine Stunde länger schlafen.»

Meine Frau sitzt mit ein paar Freundinnen am Wohnzimmertisch. Als ich reinkomme und mich ins Fitnessstudio verabschieden möchte, sagt meine Frau: «Du gehst doch eh nur in die Sauna.» Auf meine Entgegnung, dass heute Damensauna ist und ich trainieren muss, sagt eine der Freundinnen: «Dann zieh dir doch eine Perücke auf.»

Der schlaksige, attraktive junge Mann hatte ein ausgeprägtes, hübsches Bäuchlein, und ich so: «Ooooh, der ist ja schwanger!»

Ich lese, dass Männer, die Ebola überlebt haben, danach mindestens drei Monate lang Kondome tragen müssen, und frage mich, ob das beim Pinkeln nicht sehr umständlich ist.

Saß kürzlich in einem Vortrag über Tequila, bei dem gesagt wurde, dass Agaven sieben bis zehn Jahre zum Reifen bräuchten. Ich meldete mich und fragte: «Was machen die Bauern denn in der Zeit!?»

Ich habe vollkommen unbedarft die Gardine beiseitegezogen und war wie vom Donner gerührt, bevor ich loslief, um zu schauen, ob vor all meinen anderen Fenstern auch Schnee liegt.

Meine Oma hat sich von einer Nachbarin ein Pfund Kaffee geborgt. Sie trifft die Nachbarin wenig später im Supermarkt, bedankt sich noch mal und legt ihr ein Pfund Kaffee in den Einkaufswagen.

Ich stehe im Supermarkt an der süßwarenfreien Kasse. Eine Frau legt Rosinenschnecken und Gummibärchen auf das Band, sieht das Hinweisschild und sagt zu ihrem Mann: «Mist, und ich habe NUR Süßigkeiten, jetzt müssen wir uns wieder neu anstellen.»

Stand vor einem Plakat, auf dem für Germany’s Next Topmodel geworben wurde, und überlegte, ob «Celebrate!» der richtig gebildete Imperativ Plural von «celebrare» ist.

Eine Freundin lässt sich in einer Parfümerie verschiedene Düfte vorführen und sagt dann zur Verkäuferin: «Ich nehme das ‹Demonstration›!» (englisch ausgesprochen)

Ich arbeite neben dem Studium für ein Umweltprojekt, bei dem ich Fische rette. Als nach einer Auszählung nur ein einziger Fisch auszusetzen ist, denke ich, dafür laufe ich jetzt nicht mit dem Eimer den langen Weg außenrum zum Wasser. Trage den Fisch also einfach in der Hand und nehme die Abkürzung. Dabei muss ich allerdings ein Geländer überwinden. Erwische mich in allerletzter Sekunde dabei, wie ich mir den lebendigen Fisch zwischen die Zähne klemmen will, um die Hände zum Klettern frei zu haben.

Ich lebe noch bei meinen Eltern. Gestern habe ich vergessen, den Müll rauszubringen, und dachte: «Ich muss ausziehen, damit ich so einen Scheiß nicht mehr machen muss.»

Auf einer Party stellte sich mir ein Entwicklungsingenieur vor. Er erklärte mir, dass er für die Entwicklung neuer Produkte zuständig sei, und ich sagte: «Also sind Sie Erfinder! Aber wo schon so viel erfunden wurde – bleibt da überhaupt noch etwas übrig?»

Neulich im Garten: «Jetzt schnell noch fertig gießen, bevor der Regen kommt.»

Ich bin gestern mit Kontaktlinsen eingeschlafen. Als ich heute Morgen erwachte, dachte ich: «Ich kann wieder sehen!»

Heute Nacht las ich einen Artikel im Politikteil der Zeitung. In einem Zitat von Obama entdeckte ich einen Rechtschreibfehler. Ich fand das dann aber voll okay, denn Deutsch ist schließlich nicht seine Muttersprache.

Nun, ich mag R.E.M. nicht besonders gerne. Unlängst hatte ich irgendwo gelesen, dass die Band sich aufgelöst hat. Da mir das egal war, habe ich es sofort wieder vergessen. Bis gestern ein R.E.M.-Song im Radio lief und ich dachte: «Verflucht! Ich dachte, die gibt’s nicht mehr. Was soll der Scheiß?»

Ich lese irgendwo den Satz «Die Azteken nutzten das Rad nicht» und denke: «Wie irre stur man sein muss, so etwas Praktisches zu ignorieren?»

Ich schwimme im Meer, es fängt an zu regnen, und ich denke: «Scheiße, schnell raus, bevor ich nass werde!»

Lese flüchtig eine Überschrift «75 Jahre Hitler – Ich habe den Krieg verhindern wollen» und denke: «Na, da hat Hitler ja wirklich alles für getan.» Ah, okay: 75 Jahre Hitler-Attentat. Der Attentäter wird zitiert.

Einige Freunde und ich reden über Filmmusik und kommen auf den Film «Diva» zu sprechen. A. sagt: «Da geht es doch um diese farbige Sängerin, oder?» Ich: «Aber ist der nicht eh in Schwarzweiß gedreht?»

In England dürfen keine Pornos mehr gedreht werden, in denen bestimmte sexuelle Handlungen zu sehen sind. Eine davon ist «Caning». Da ich nicht wusste, was das ist, habe ich es gegoogelt, allerdings habe ich «Canning» eingegeben. Und habe mich sehr gewundert, dass sie jetzt nicht mehr Einwecken dürfen in englischen Pornos.

Ich lese in den Nachrichten die Überschrift «IS: Allianz erwartet langen Kampf» und denke: «So was kann man versichern?»

Auf meinem Arbeitsweg komme ich an einem neu errichteten Gebäude vorbei. Alles ist sehr modern gehalten, viel Glas und Metall, von der Beschriftung der Wohngenossenschaft an der Außenfassade bis hin zur Gestaltung der Hausnummer. Ebendiese Hausnummer lautet «12 C», und beim Vorbeigehen dachte ich gestern: «Hm, eigentlich kommt es mir kälter vor, aber wenn’s da steht.»

Habe gerade den Begriff «Mariä Heimsuchung» gelesen und gedacht: «Wie macht man denn das a mit den Punkten drauf auf der Tastatur?»

Der Patient braucht eine Überweisung. Ich sehe die Diagnose «Nabelbruch» und frage ihn: «Welche Seite?»

Habe mich gerade gefragt, ob dicke Menschen weniger CO2 verbrauchen, weil sie ja besser isoliert sind als dünne.

Dachte eben für einen Moment: «Ein Mönch hat ja keine Mutter, wegen Zölibat und so!»

Ich lese einen Text über Cleopatra, erfahre dort, dass sie nach zwei Ehen und einer Liaison mit Cäsar in ihrer vierten Langzeitbeziehung Zwillinge hatte und denke: «Klar, Kinderwunschbehandlung.»

Wir gingen zur Beerdigung unseres Freundes Wilhelm. Als wir dort eintrafen, beobachteten wir etliche Leute, die bereits vor der Kapelle warteten. Ein älterer Mann sah unserem alten Freund ziemlich ähnlich. «Schau mal», sagte ich, «Wilhelm ist auch schon da!»

Kurz vor dem Zubettgehen. Mein Freund ist bereits im Badezimmer und reinigt die Zähne mit Zahnseide. Ich ärgere mich: «Mist, jetzt muss ich warten, bis er fertig ist, um sie auch zu benutzen.»

«Wo heute schon mal Feiertag ist und keiner arbeiten muss», dachte ich mir, «könnte man ja ruhig mal einen verkaufsoffenen Tag veranstalten.»

Staatstheater Wiesbaden, kurz vor der Ouvertüre der «Hochzeit des Figaro». Im Orchestergraben reden zwei Musiker heftig gestikulierend miteinander, und ich denke: «Ach guck, da spielen auch Gehörlose mit.»

Bei meiner Schwiegermutter ist in der vergangenen Woche eine Gürtelrose diagnostiziert worden, und ich habe mich gefragt, ob Gürtelrose wohl eine Erbkrankheit ist und ich die dann auch bekomme.

«Hast du die Balkontür richtig zugemacht?» – «Ja, wieso?» – «Damit keiner reinkommt.»

Ich lese auf einer amerikanischen Nachrichtenseite, dass ein Ebolapatient 103 Grad Fieber hatte, bin aber clever genug, mir zu denken, dass das ein Druckfehler sein muss, weil er ja sonst gekocht hätte.

Ich habe mich gerade kurz gefragt, ob es ein Wort wie «Fremdscham» auch für Situationen gibt, in denen man das Leid anderer mitfühlt.

«Ich war auf einem Termin, ca. 20 km von zu Hause entfernt, und habe beim Herumkramen in meiner Jackentasche versehentlich den Knopf auf der Fernbedienung vom Garagenöffner gedrückt. Da habe ich gedacht: «Na toll, jetzt muss ich den ganzen Weg wieder zurückfahren, um zu gucken, ob die Garage aufgegangen ist.» – «Und? Bist du zurückgefahren?» – «Nein. Aber ich habe versucht, das Tor durch Drücken wieder zu schließen.»

Bin in Amsterdam. Ich lese im Fenster der organischen Salatbar SLA direkt unter dem Logo den Slogan «Eat. Shit. Leave.» und denke, dass das vermutlich die puristischste und vielleicht ehrlichste Formel ist, auf die je ein Restaurantbesitzer sein … Ah. «Eat. Share. Live.» steht da.

In der Buchhandlung: Kunde kommt rein und fragt: «Haben Sie ein Fremdwörterbuch?» Ich: «In welcher Sprache denn?»

Ich sitze während meiner Ausbildung aushilfsweise in der Telefonzentrale eines Unternehmens. Ein Anrufer bittet mich, mit Herrn Wess verbunden zu werden. Herr Wess ist aber nicht erreichbar. Nach mehreren gescheiterten Versuchen wiederholt der Anrufer ungeduldig: «Wilhelm/Emil/Siegfried/WESS!» Daraufhin antworte ich: «Wie der Herr mit Vornamen heißt, weiß ich leider nicht.»

Irgendwann Anfang der 90er. Wir schauen ins Kinoprogramm, mein Kumpel fragt: «Hast du Rocky Vau gesehen?» Derselbe (!) Kumpel fragte mich anderthalb Jahrzehnte später: «Hast du Fünf wie Vendetta gesehen?»

Meine Kollegin fragt am Telefon einen Mieter: «Von wo tropft es denn? Von oben?»

Ich lese die Biographie von David Foster Wallace, der sich 2008 das Leben genommen hat. Als ich das Buch zur Seite lege, schaue ich, ob er nicht einen Twitter-Account hat, dem ich folgen könnte.

Speeddating, die junge Frau gegenüber macht sehr intensiv Yoda, sagt sie, und ich denke: «Wie cool, Schwertkampf, Philosophie, komisch Sprechen – ach so: Yoga.»

Ich hatte eine kleine Rolle in einem Theaterstück, und wir Schauspieler trafen uns zum ersten Mal. Wir machten also Smalltalk, aßen Schnittchen, und ich fragte den einzigen schwarzen Schauspieler, wen er denn spiele. Er sagte «Na, was denkst du denn?» – «Keine Ahnung.» – «Den Schwarzen.» Das Stück war übrigens Othello.

Auf Facebook sehe ich, dass eine alte Bekannte geheiratet hat. Wir sind zusammen zur Grundschule gegangen, wir haben immer gemeinsam Geburtstag gefeiert, weil sie am selben Tag geboren wurde wie ich, also am 14.2.1974. Ich grübele, wie alt sie wohl ist.

Stand morgens vor dem Marathonlauf in Berlin an der abgesperrten Strecke am Innsbrucker Platz. Beim Anblick der ganzen Polizeiautos habe ich mich gefragt, warum die da rumstehen, fährt doch grade eh kein Auto hier lang.

«Warst du schon mal in Sneak Preview? Ich muss da unbedingt mal rein, der läuft immer wieder. Dann ist er sicher super.»

Ich hatte eine Zeitlang immer wieder leichten Schwindel und habe deshalb beim HNO-Arzt einen Schwindeltest machen müssen. Dazu werden die Gehörgänge mit lauwarmem Wasser durchgespült und dadurch ein Schwindelgefühl ausgelöst. Als ich meiner Chefin davon erzählt habe, meinte sie: «Ach, und das Wasser läuft dann zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus?»

Beim Silbenrätsel stehen nur noch zwei zur Auswahl. Dann muss das Wildpferd wohl BRAZE heißen.

In unserem Haus wurde der Flur gestrichen. Ich spreche den Maler an, ob er nicht auch unsere Tür mitstreichen könne. Antwort vom Maler:

«Wenn, dann nur schwarz …»

Meine Antwort: «Sie können die Tür doch nicht schwarz anmalen.»

Im Treppenhaus ist vor der Nachbarstür ein Paket abgestellt worden. Interessiert lese ich den Absender, lese den Namen meines Nachbarn und freue mich, dass er auch in derselben Straße wie ich wohnt.

Vor Jahren einmal war meine Mutter auf irgendeinem Amt, der Beamte blickte auf das Formblatt, auf das sie ihren Namen, also «Welding», geschrieben hatte, und fragte sehr erfreut: «Sind Sie mit Juliane Werding verwandt?»

Computer aus. Mantel an. Tasche um. Handschuhe aus der Tasche geholt. Draufgeschaut. Gedacht: «Verflixt, wo ist mein dritter Handschuh?» Noch mal nachgedacht. Handschuhe angezogen. Heimgegangen.

Mir kam der Gedanke, wie ich wohl mit geschlossenen Augen aussähe. Also stellte ich mich vor den Spiegel und schloss die Augen.

Ich arbeite als Hebamme. Auf Station möchte ich die Frauen nicht überfallsmäßig überraschen und klopfe so grundsätzlich an jede Zimmertür, bevor ich sie öffne – natürlich auch beim Rausgehen.

Ich verlieh einem Kollegen ein Buch mit dem Titel «Tokio total. Mein Leben als Langnase». Eine paar Tage später meinte mein Kollege, das Buch sei ja ganz witzig, nur wisse er nicht, wieso der Untertitel «Mein Leben als Lasagne» heiße.

Es ist Samstag, ich laufe leicht müde mit meiner Freundin über den Flohmarkt. Ein Stand verkauft alte Radios, die allesamt sehr schick aussehen. Aus einem tönt der Wetterbericht. Als ich so vorbeilaufe, denke ich mir: «Krass, haben die noch alte Wetterberichte aus der Zeit aufgehoben?»

Ich sitze in der S-Bahn, die mir irgendwie enger vorkommt als sonst, jedenfalls weiß ich nicht, wohin mit meinen Beinen. Als ich im nächsten Bahnhof aus dem Fenster schaue, steht dort «Kurzzug». «Ach so. Deshalb …», denke ich.

Mein WG-Mitbewohner kommt Samstagmorgen von einer Geschäftsreise zurück. Schlaftrunken höre ich ihm bei einem Kaffee in der Küche zu. Er erzählt