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Egal ob psychische, körperliche, berufliche, familiäre oder finanzielle Belastungen – durch Logosynthese können Sie sofort gegensteuern. Mit Hilfe punktgenauer Sätze lösen Sie Schritt für Schritt störende Muster und Blockaden auf. Die Lebensenergie kommt wieder in Fluss. Eine überzeugende, einfache Methode für Selbstheilung und Selbstcoaching im Alltag.
Themen des Buchs:
I MENSCHEN ENTWICKELN SICH
1 Wie alles begann
2 Lernwege der Menschen
3 Selbstcoaching, ein Beispiel
II LOGOSYNTHESE VERSTEHEN
4 Warum Ihr wahres Wesen nicht leidet
5 Wie das Ganze zerbrechen kann
6 Wie Energie im Raum erstarrt
7 Wie Worte Wunder wirken
8 Wie wir Strukturen aufl ösen
9 Wie Tony eine Erinnerung entstört
10 Das Gehirn verstehen
III LOGOSYNTHESE LERNEN
11 Den Raum öffnen
12 Das Leiden einkreisen
13 Die Auslöser untersuchen
14 Die Sätze sprechen
15 Die Worte wirken lassen
16 Das Thema neu einschätzen
17 Die Zukunft gestalten
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 215
Veröffentlichungsjahr: 2012
Willem Lammers
Selbstcoaching mitLogosynthese
Blockaden auflösen Krisen bewältigen
Kösel
Für Andrea
Staunen
Wir lernen ein Leben lang. Wir entwickeln uns – körperlich, geistig, seelisch. Wir wachsen auf, werden älter, unsere Körperkräfte schwinden. Unser Weg führt weiter, mit immer neuen Chancen, Herausforderungen und Hindernissen. Wir erhalten Hilfe oder sind zurückgeworfen auf uns selbst. Nie verläuft der Weg glatt, nie gradlinig. Sogar dort, wo der Weg gerade erscheint, begegnen wir unserem Schicksal über das Unerwartete.
Viele Jahre lang habe ich nach dem Wesen von Veränderung und Entwicklung in Menschen gesucht, als Psychotherapeut, als Coach und als spirituell interessierter Mensch. Ich besuchte Ausbildungen und ließ mich viele Stunden lang selbst beraten. Dann geschah auf meinem Weg ein kleines Wunder, das Wunder der Worte. In der Folge entstand aus den vielen Bausteinen meiner dreißigjährigen Praxis ein zusammenhängendes System: die Logosynthese®. Es vollzogen sich faszinierende Gesamtbilder aus den Puzzleteilen meiner Erfahrung: Der Ursprung unserer Erfahrung als Menschen sowie Grundsätze für Entwicklung und Veränderung fügten sich zusammen zu einer einfachen Methode, um Veränderung und Entwicklung zu bewirken, Schritt für Schritt.
Worte wirken Wunder
Die Logosynthese ist ein bahnbrechendes, neues Modell zur begleiteten Veränderung. Sie hilft, körperliche, emotionale und mentale Zustände zu beeinflussen – durch ein ungewöhnliches Prinzip: durch die Macht der Worte. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie Alltagsprobleme lösen und eine Vielfalt von Lebensthemen in Angriff nehmen können:
Lebensziele erkennen und erreichenDie Führung über das eigene Leben übernehmenBeziehungen lebendig und positiv gestaltenZeit finden und Energie befreien für mehr Lebensfreude Leistung, Effizienz und Zufriedenheit im Beruf erhöhenAn dieser Stelle möchte ich den vielen Menschen danken, die einen Beitrag zu diesem Buch geliefert haben. Die wichtigsten darunter sind Andrea Fredi, Rudolf Karlen, Jürg Kesselring, Ursula Marti, Ulrike Scheuermann und Karin de Smit.
Befreien Sie sich von der Last alter Erinnerungen, von starren Mustern im Denken, Fühlen und Verhalten. Folgen Sie Ihrer inneren Stimme, der Stimme Ihrer Essenz, Ihres höheren Selbst.
Maienfeld, im Sommer 2012,
Willem Lammers
I MENSCHEN ENTWICKELN SICH
Alles fließt, nichts bleibt.
HeraklitI
In diesem Teil möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen – eine Geschichte, die meine Einstellung zum Leben verändert hat, und die auch Ihr Leben verändern könnte. Sie beschreibt die Entdeckung und Entwicklung der Logosynthese und bezeugt, dass es immer und überall möglich ist, einen neuen Anfang zu machen, wenn Sie sich den Herausforderungen des Lebens stellen.
Dafür müssen Sie nicht mit dem Kopf durch die Wand, im Gegenteil. In nüchternen kleinen Schritten untersuchen Sie, wie Sie Ihre Welt wahrnehmen und auf sie reagieren. In der Folge helfen Ihnen die Sätze der Logosynthese, im Dickicht des Bekannten die Klarheit des Neuen zu erkennen. Die Klarheit, die Sie für ein neues Leben brauchen.
1 Wie alles begann
Leonore »neben den Schuhen«
Der 11. Januar 2005 war das Geburtsdatum der Logosynthese. An jenem Tag hatte ich einen Beratungstermin mit Leonore, einer kleinen, verunsicherten Frau von etwa 45 Jahren. Nach einem mysteriösen Sturz von einer Bahnhoftreppe sechs Jahre zuvor litt sie unter einer Vielfalt von Beschwerden: Sie war ängstlich, traurig und desorientiert. Sie konnte sich nicht erinnern, was an dem Tag am Bahnhof genau passiert war. Sie wusste nur, dass sie versucht hatte, in einen Zug einzusteigen, und nach dem Sturz verletzt war.
In der Sitzung beschrieb sie sich als »neben den Schuhen« und erzählte, wie sie am Morgen im Badezimmer neben die Tür der Duschkabine gegriffen hatte. Als sie dies berichtete, nahm ich rechts neben ihr einen Schatten wahr. Ich war überrascht über diese Kombination von Signalen und entschloss mich, Leonore beim Wort zu nehmen: »neben den Schuhen«. Der Ausdruck suggerierte, dass ihr physischer Körper sich an einem anderen Ort befand als dort, wo sie sich selbst wahrnahm. Ich teilte Leonore meine Gedanken mit und fragte sie, ob sie diese zwei Teile zusammenbringen könne. Auf diese Frage reagierte sie sehr ängstlich. Als ich ihr versicherte, dass sie das Experiment jederzeit abbrechen könne, machte sie einen Versuch. Daraufhin stellte Leonore sich vor, wie sie die Teile ineinanderschob. Es kamen sehr intensive Gefühle hoch. Sie zitterte und weinte; aber dann, nach etwa zehn Minuten, erinnerte sie sich genau, was vor sechs Jahren passiert war. An dem fatalen Morgen auf der Bahnhoftreppe war Leonore von einem hastigen Passanten überrannt worden, gestürzt und auf dem kalten Betonboden bewusstlos liegen geblieben. Als sie wieder zu sich kam, war sie völlig desorientiert. Stundenlang irrte sie herum, bis sie sich endlich dazu durchringen konnte, ihren Mann anzurufen. Er holte sie ab und brachte sie nach Hause. Nach diesem Ereignis war nichts mehr wie zuvor.
Die Entwicklung der Logosynthese
Die Sitzung mit Leonore beeindruckte mich tief. Ich begann, ihre Geschichte und andere genauer zu untersuchen. Dabei entdeckte ich, dass eine Spaltung des Ichs in verschiedene Teile keine Ausnahme ist, sondern der Normalfall. Ich fand heraus, dass wir uns mit einem persönlichen Energiefeld in einem Raum befinden und dass dieser Raum oft eingerichtet ist wie ein Museum – mit Statuen von Menschen aus unserer Geschichte und Bildern unserer Vorstellungen über die Zukunft. Wir neigen dazu, auf diese Statuen und Bilder zu reagieren, als wären sie real. Sie sind es aber nicht: Die Objekte im persönlichen Raum verzerren die Wahrnehmung unserer realen Umgebung im Hier und Jetzt, mit weitreichenden Folgen. Diese Entdeckungen faszinierten mich. Langsam lernte ich, zu verstehen, was mich anfänglich so überrascht hatte.
Und nicht nur das: Ich entdeckte auch, wie Menschen ihre gespaltenen Teile zusammenfügen und ihre persönlichen Museen ausräumen können. Sie lassen tatsächlich die Last ihrer Erinnerungen und Fantasien hinter sich. Sie beginnen, im Hier und Jetzt zu leben, ohne eine permanente, schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Lebensgeschichte und ohne diese Geschichte zu verdrängen. Die Macht der Worte macht es möglich – das Aussprechen und Wirkenlassen spezieller Sätze.
In meiner Arbeit als Begleiter von Menschen in Entwicklung forschte ich weiter. Aus meinen Beobachtungen, Erfahrungen und Überlegungen wurde ein zusammenhängendes System für Coaching und Entwicklung. Ich nannte das Ganze Logosynthese: »Mit Worten zusammenführen«. Inzwischen haben viele Kolleginnen und Kollegen in Beratung, Coaching und Psychotherapie die Logosynthese kennen und schätzen gelernt, sowohl in Europa als auch in Übersee. Das erste Buch über das Thema Triffst Du nur das Zauberwort erschien 2007 im Eigenverlag. Es handelt sich um eine Einführung in Logosynthese für Fachpersonen in Coaching, Beratung, Supervision und Psychotherapie. In 2008 erschien das erste Buch über Selbstcoaching mit Logosynthese unter dem Titel Worte wirken Wunder.
Seitdem hat sich die Logosynthese enorm weiterentwickelt. Immer mehr Menschen setzen die Methode für ihre eigene persönliche und spirituelle Entwicklung ein. Auf den folgenden Seiten zeige ich Ihnen auf, was Logosynthese ist und wie sie diese für sich selbst anwenden können.
Willkommen im Land hinter dem Spiegel!
2 Lernwege der Menschen
Wenn Sie mit Logosynthese experimentieren und Erfahrungen machen, werden Sie vermutlich nicht auf alle Ihre Fragen eine Antwort finden und möglicherweise die Unterstützung durch andere benötigen. An manchen Stationen im Leben ist es ratsam, sich der Zuwendung, Erfahrung und Kompetenz ausgebildeter Fachleute anzuvertrauen. Denn die Anwendung der Logosynthese in Coaching und Psychotherapie geht viel tiefer, ist aber in diesem Buch nicht beschrieben.
Dennoch: Ihr Selbst ist der beste Coach. Deshalb lernen Sie in diesem Buch die Anwendung der Logosynthese als Selbstcoaching oder besser noch: Sie lernen eine Methode kennen, um sich von Ihrem Selbst coachen zu lassen. Ihr wirkliches Selbst, Ihre Essenz, ist der beste Coach, den es gibt. Warum?
Dieser Coach hat immer ein klares Ziel vor Augen.Er verfolgt dieses Ziel mutig und unnachgiebig.Er ist optimal im Kontakt mit den Menschen und respektiert ihre Möglichkeiten und Grenzen.Er schätzt seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen richtig ein und kann Prioritäten setzen.Er ist sich im Klaren, welche Fähigkeiten er in einem bestimmten Moment einsetzen muss.In jedem Moment hat er den vollen Zugang zu seinem ganzen Wissen.Seine Emotionen sind ein Frühwarnsystem in Bezug auf Risiken und Chancen.Er weiß, wann er selbst Hilfe braucht. Er ist nicht allein, aber macht sich auch nicht abhängig.Er ist bereit zu lernen.In der Geschäftswelt wäre solch ein Coach unbezahlbar. Sie aber haben ihn schon, er ist immer für Sie da. Die Logosynthese hilft Ihnen, diesen Star-Coach in sich selbst zu entdecken und fest zu engagieren. Sie können ihn buchen, wann immer Sie wollen, und mit der Zeit möchten Sie nicht mehr auf seine Unterstützung verzichten. Für mich selbst ist die tägliche Praxis der Logosynthese aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Wenn auch Sie die Logosynthese regelmäßig anwenden, wird sie mit der Zeit zur wertvollen Unterstützung bei den Herausforderungen Ihres Alltags. Es fällt Ihnen leichter, Ihre Lebensziele zu erkennen und zu erreichen.
Befreien Sie sich selbst – Ihr wirkliches Selbst – von belastenden Erinnerungen, emotionalen Verletzungen, einschränkenden Glaubenssätzen und hemmenden Vorstellungen. Alles können Sie nicht heute lösen. Aber Sie können heute damit beginnen.
3 Selbstcoaching, ein Beispiel
Kleos Selbstcoaching
In diesem Kapitel können Sie sich eine Vorstellung über die Anwendung der Logosynthese bilden, und zwar am Beispiel von Kleo und ihrem Chef. Sie sehen, wie Kleo mit Hilfe von Logosynthese eine Angst auflöst und deren Auslöser neutralisiert.
Kleo trifft den Chef
Kleo ist eine 26-jährige Marketingassistentin. Sie arbeitet seit zwei Jahren in der Firma und liebt ihren Job, auch wenn dieser für sie eine große Herausforderung ist. Eines Morgens bekommt sie eine E-Mail von ihrem Chef Markus, mit der Einladung zu einem dringenden Meeting am nächsten Freitag – ohne weitere Erklärung. Beim Lesen der Mail wird sie unruhig. In den folgenden Stunden kann sie sich nicht auf ihre normalen Aufgaben konzentrieren. Ihr Kopf ist voll mit Szenen, in denen Markus sie anschreit oder sie gar entlässt. Als sie sich dieser Gedankenspiele bewusst wird, sieht sie eine Gelegenheit, die Logosynthese anzuwenden. Diese hat sie kürzlich in einem Workshop kennengelernt. Sie nimmt sich Zeit, das Problem zu fokussieren, stellt sich ein Glas Wasser bereit und schaltet das Telefon ab. Dann fängt sie an, ihre inneren Muster zu erkunden, indem sie sich die folgenden Fragen stellt:
Was passiert gerade in meinem Körper?Welche Emotionen löst das bei mir aus?Welche Gedanken gehen mir dabei durch den Kopf?Wie sehr belastet mich das auf einer Skala von 0 bis 10?Kleo bemerkt nun in ihrem Körper die folgenden Anzeichen von Spannung: einen Kloß im Hals, ein Engegefühl im Bauch und ein Ziehen in den Schultern. Damit sind Emotionen verbunden: Sie fühlt Angst, Scham und auch leichten Ärger. Gedanken tauchen auf – sie sei inkompetent, ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Sie meint aber auch, dass ihr Chef sie besser führen müsse.
All diese Körpergefühle, Emotionen und Gedanken sind mit erheblichem Stress verbunden: Wenn sie an den nächsten Freitag denkt, ist das Niveau dieser Belastung bei einer 8 auf einer Skala zwischen 0 und 10.
Wenn Kleo diesem Stress auf den Grund geht, stellt sie fest, dass die Körpersymptome, Emotionen und Gedanken jeweils Reaktionen auf eine Fantasievorstellung sein müssen. Dann untersucht sie, was genau es ist, was zu dieser hohen Belastung führt. Sie erkundet ihre Vorstellungen über das kommende Meeting und konzentriert sich auf die schlimmste: Markus brüllt sie an und sagt ihr, die Firma brauche sie nicht mehr. Wieder stellt sie sich Fragen:
Wer oder was ist das Bedeutendste in dieser Vorstellung?In diesem Fall ist das eindeutig Markus, der Chef. Sie fragt weiter:
Wo im Raum um mich herum nehme ich ihn wahr?Markus steht in der Vorstellung direkt vor ihr, auf etwa zwei Meter Distanz.
Wie weiß ich, dass er da ist? Kann ich ihn sehen, hören oder spüren?Kleo sieht das gerötete Gesicht ihres Chefs vor sich, sie hört ihn laut brüllen und sie spürt eine erdrückende Welle von Energie.
Sie hat gelernt, dass dies Auslöser für negative Gemütszustände sind, aber auch, dass diese Zustände sie nicht wirklich betreffen müssen. Kleo weiß jetzt genug, um Logosynthese anzuwenden. Sie entwirft Satz 1 der Logosynthese und spricht ihn aus. Dieser Satz holt ihre Energie zurück, die in der Fantasie gebunden ist in Bildern, Geräuschen und anderen Sinneserfahrungen, dass ihr Chef sie feuert.
1Ich nehme alle meine Energie, die gebunden ist in dieser Vorstellung, dass Markus mich entlässt, an den richtigen Ort in mir selbst zurück.
Als Kleo den Satz gesagt hat – mit ruhiger Stimme, ohne spezielle Betonung –, lässt sie die Worte wirken. In dieser Wirkungspause beobachtet sie nur, wie sie Wolken am Himmel beobachten würde. Nach 30 oder 40 Sekunden merkt sie, dass sich etwas verändert, dass sie sich entspannt. Dann fährt sie fort mit dem zweiten Satz:
2Ich entferne alle Fremdenergie im Zusammenhang mit dieser Vorstellung von Markus, wie er mich entlässt, aus allen meinen Zellen, aus meinem Körper und aus meinem persönlichen Raum und schicke sie dorthin zurück, wo sie wirklich hingehört.
3Wieder lässt Kleo den Satz wirken. Sie beobachtet, was in ihr vorgeht. Eine Minute vergeht. Sie bemerkt, wie sie tief atmet und ihre Schultern sich entspannen. Der Kloß im Hals löst sich auf und sie wird ganz ruhig. Nun formuliert sie den dritten Satz. Dieser bringt ihre Energie zurück, die in ihren Reaktionen auf die imaginäre Szene blockiert ist: Ich nehme alle meine Energie, die gebunden ist in allen meinen Reaktionen auf diese Vorstellung von Markus, wie er mich entlässt, an den richtigen Ort in mir selbst zurück.
Wieder macht Kleo eine Pause und beobachtet die Wirkung der Worte des dritten Satzes während etwa einer Minute. Sie entspannt sich, ihr Bauch wird frei und sie spürt ihre Lebensenergie in sich zurückströmen. Dann vergleicht sie diesen neuen Zustand mit dem Zustand, bevor sie diese Sätze sagte.
Etwas Interessantes ist passiert: Kleo sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Die Angst vor dem Chef hat sich aufgelöst, und der Wunsch, ihm aus dem Weg zu gehen, ist verschwunden. Kleo realisiert, dass auch Markus nur ein gestresster Manager ist, überwältigt von seiner Verantwortung, und dass er sogar ihre Unterstützung braucht, um diese Bürde tragen zu können. Deshalb muss sie ihm selbst klarmachen, wie sie geführt werden will: Markus kann bei dieser Belastung sicher nicht Kleos Gedanken lesen.
Kleo ist beruhigt und weiß jetzt, wie sie sich auf das Treffen vorbereiten kann. Sie trinkt ein Glas Wasser und geht wieder an die Arbeit. Das Meeting am Freitag wird eine perfekte Gelegenheit sein, um mit ihrem Chef neue Arbeitsabsprachen zu treffen.
Die Anwendung der Logosynthese hat Kleo geholfen, unangemessene Reaktionen in zufriedenstellende umzuwandeln. Nachdem sie vorher ängstlich, verkrampft und verwirrt war, ist sie nun fähig, Markus’ Standpunkt zu verstehen und mit ihrem eigenen in Einklang zu bringen. Sie erkennt jetzt ihre eigene Verantwortung in der Zusammenarbeit.
Was macht Kleo, um die Angst aufzulösen?
Dies ist eine typische Anwendung der Logosynthese beim Selbstcoaching. Kleo wird durch die Einladung von Markus mit einer Herausforderung konfrontiert. Sie fühlt sich unfähig, damit umzugehen. Ihre Vorstellung des Meetings führt zu unangenehmen Körpergefühlen, Emotionen und Gedanken. Bei genauer Betrachtung werden diese ausgelöst durch Fantasien über das, was passieren könnte. Bei dieser Anwendung der Logosynthese sucht Kleo nicht nach den Auslösern solcher Fantasien in ihrer Vergangenheit – sie bleibt sozusagen in der Aktualität ihres Bewusstseins. Später in diesem Buch werden Sie noch tiefere Ebenen kennenlernen.
In ihrem Umgang mit der Herausforderung durchläuft Kleo die folgenden Schritte:
Sie konstruiert unbewusst ein fiktives Bild, wie katastrophal das Meeting mit Markus, ihrem Chef, verlaufen wird.Sie reagiert auf diese unbewusste Fantasievorstellung automatisch mit einschränkenden Gedanken, negativen Emotionen und schmerzhaften körperlichen Empfindungen.Kleo hat im Logosynthese-Workshop gelernt, ihre eigenen Prozesse zu untersuchen und zu hinterfragen. In ihrem Selbstcoaching realisiert sie, dass sie Fantasiebilder kreiert und dass sie mit negativen Körpergefühlen, Emotionen und Gedanken auf diese Bilder reagiert. Sie untersucht sowohl diese negativen Reaktionen als auch die Fantasie, welche zu diesen Reaktionen führt. Dann sagt sie drei bestimmte Sätze – jeweils mit einer Pause danach.
In dieser Pause beobachtet sie genau, was bei ihr abläuft. Das Aussprechen der Sätze an sich verändert augenblicklich ihre Gedanken, ihre Emotionen und ihre körperlichen Empfindungen: Kleos Bilder und die damit verbundenen Reaktionen werden neutral, und sie kann anders denken, fühlen und handeln. Das Gespräch mit Markus bietet jetzt die Möglichkeit zu einer Neudefinierung der Zusammenarbeit.
In der Anwendung der Logosynthese ist ein solcher Verlauf üblich, zum großen Erstaunen aller Beteiligten. Auch jetzt, nach Jahren der täglichen Anwendung in meiner Arbeit und für mich selbst, überrascht mich die Wirkung der Sätze immer wieder neu. Sogar wenn Menschen nur eine einfache Einführung des Modells im Internet gelesen haben, kommen Reaktionen wie die folgende von einer Kollegin:
»Ich würde mich freuen, mehreren Leuten zu begegnen, die die fantastische Wirkung von Logosynthese in der Arbeit entdeckt haben. Meine Begeisterung wächst ständig. In meinem eigenen kleinen Kreis – mit meinen Töchtern, Freunden, meinem Bruder und diese Woche auch mit meinem Freund – habe ich auffallend gute Resultate. Jeder bemerkt es sofort. Wer weinte beim Reinkommen, verließ lachend das Haus. Ich kann fast nicht warten bis zum Kurs im September.«
Macht Sie das neugierig?
II LOGOSYNTHESE VERSTEHEN
Die Wirklichkeit ist nicht so, wie ich sie gern hätte.
Sie ist nicht so, wie sie sein sollte.
Sie ist nicht so, wie man mir gesagt hat, dass sie sei.
Sie ist nicht so, wie sie einmal war.
Noch ist sie so, wie sie morgen sein wird.
Die Wirklichkeit um mich herum ist, wie sie ist.
Jorge Bucay
Hier folgt ein ausführlicher Teil über die Hintergründe und die Wirkungsprinzipien der Logosynthese. Sie haben zwei Möglichkeiten:
1. Wollen Sie die Logosynthese verstehen, bevor Sie mit der praktischen Anwendung beginnen? Dann lade ich Sie herzlich ein, diesen Teil II zu lesen. Ich beschreibe die Grundsätze der Logosynthese und wie ich diese entdeckt habe. Dazu gibt es einige Übungen, die Ihnen dabei helfen, die Theorie nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern vielmehr ganzheitlich zu erfahren. So erhalten Sie eine solide Theorie für Ihre eigene Anwendung der Logosynthese.
2. Ist Ihr Lernstil eher praxisorientiert? Möchten Sie sofort mit der Anwendung experimentieren? Dann lassen Sie diesen Teil II aus und gehen direkt weiter zum Start von Teil III: »Logosynthese lernen«. Dort weihe ich Sie in die Geheimnisse der Anwendung der Logosynthese ein und Sie können sich von Ihren eigenen Erfahrungen überraschen lassen. Später können Sie dann immer noch das Resultat Ihrer Übungen mit der Theorie im Teil II vergleichen.
Ganz gleich, ob Sie nun über die Theorie oder über die Praxis einsteigen, bereiten Sie sich vor auf Neues. Die Prinzipien und die Methoden der Logosynthese sind weit entfernt vom herkömmlichen, materialistischen Weltbild. Damit sind sie für viele Interessierte zunächst ungewohnt, ja unglaublich. Lassen Sie sich überraschen!
4 Warum Ihr wahres Wesen nicht leidet
Der 1. Grundsatz der Logosynthese
Unser wahres Wesen leidet nicht – Wir leiden, weil das Bewusstsein unserer Essenz verloren geht.
Der erste Grundsatz der Logosynthese setzt voraus, dass es eine Essenz des Menschen gibt, eine Daseinsform oder Qualität, welche über die Existenz auf dieser Erde hinausgeht. Die Essenz umfasst mehr als die naturwissenschaftliche Einheit von Körper und Psyche, die ihren Ursprung in der befruchteten Eizelle hat. Körper und Psyche entwickeln sich in diesem Modell von der befruchteten Urzelle aus, beeinflusst von Vererbung und Umgebung, von nature und nurture.
In der Logosynthese sind wir mehr als ein physischer Körper, der sich bemüht, auf dieser Erde zu überleben und seine Gene weiterzugeben. Wir sind mehr als ein Geist, der bewusst versucht, seine Ziele in dieser Welt zu erreichen. Wir sind Essenz. Doch oft ist uns diese Essenz nicht bewusst. Viele Menschen haben den Kontakt zu ihr verloren. Die folgende Übung bringt Ihnen das Bewusstsein Ihrer eigenen Essenz ein wenig näher.
Übung: Jetzt stimmt alles…
Ziehen Sie sich an einen ruhigen Ort zurück und entspannen Sie sich. Atmen Sie einige Male tief ein und aus, und sagen Sie in jeder Ausatmung leise das Wort »Entspannen«, bis eine tiefe Entspannung Ihre Glieder durchzieht.
Stellen Sie sich nun vor, wie Sie zeitlich zurückgehen … Erinnern Sie sich an eine Situation oder an einen Moment, wo Ihre ganze Lebensenergie Ihnen frei zur Verfügung stand, als Sie das Gefühl hatten: Ja, jetzt stimmt alles … Holen Sie diese Situation in Ihr Bewusstsein zurück, mit den Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen. Untersuchen Sie diese Situation weiter:
Wann war das?Wo war das?Wer war dabei?Wie habe ich mich körperlich gefühlt?Welche Emotionen habe ich bei mir wahrgenommen?Schreiben Sie Ihre Antworten so genau wie möglich auf:
Hier ein paar Beispiele aus einer Seminargruppe: Wir waren verliebt und tanzten. – Mir war eine schwierige Arbeit gelungen. – Ich war hoch in den Bergen. – Ich war auf Ayers Rock in Australien. – Ich stand oben auf dem Podest an den Olympischen Spielen. – Ich schaute mir die Sonnenblumen von van Gogh an. – Der Sex mit meinem Partner war fantastisch. – Sonne, See und Sand. – Ich war in einer Kirche und habe gebetet.
Die Lebensenergie im Fluss
Was verbindet alle diese geschilderten Momente? Auf diese Frage fanden die Teilnehmenden die folgenden Antworten: Nur das Hier und Jetzt ist wichtig. – Die Zeit scheint still zu stehen, Vergangenheit und Zukunft verlieren ihre Bedeutung. – Die Erfahrungen sind sehr intensiv. – Kontakte brauchen keine Worte. – Die Menschen sind von Liebe und Dankbarkeit erfüllt. – Die Welt ist nicht so wichtig. – Angst, Scham, Schmerz, Ekel, Ärger und Wut verschwinden. – Das Leiden fehlt.
Besonders der letzte Punkt ist im Kontext der Logosynthese wichtig. Warum leiden wir? Gibt es einen Zustand, eine Seinsweise, worin wir weniger leiden müssen? Ist es möglich, weniger zu leiden? Während der Entwicklung der Logosynthese habe ich mich lange mit diesen Fragen beschäftigt. Meine Erkenntnis: Wir leiden körperlich und psychisch, wenn wir das Bewusstsein unserer Essenz verloren haben.
Unser Körper
Wir sind ein physischer Körper mit den Bedürfnissen der materiellen Welt – Essen, Trinken, Beziehungen, die Vermeidung von Gefahren und die Lust auf Fortpflanzung. Unser Körper ist ganz auf die Funktionen des biologischen Überlebens ausgerichtet, als Individuum und als Spezies. Die Biologie und die Medizin untersuchen diesen Körper mit empirischen Methoden: als Materie, als Maschine oder als Interaktion von Materie und Energie. Die Methoden der Wissenschaft unterscheiden sich für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht grundsätzlich.
Unsere Psyche
Neben einem Körper sind wir auch eine Psyche. Wir verarbeiten und kombinieren die Sinneseindrücke der Außenwelt. Wir sind anpassungsfähig: Mit Regen und Trockenheit, mit Wärme und Kälte können wir umgehen. Wir können unsere Umgebung aktiv verändern und fast nach Belieben gestalten. Wir können persönliche und kollektive Ziele formulieren und setzen alles daran, diese in Zeit und Raum zu erreichen.
Der Psyche kommen wir mit rationalen Mitteln näher. Die wissenschaftliche Psychologie beschäftigt sich dazu mit den Individuen; die Soziologie und die Anthropologie erforschen die Menschen in ihrer natürlichen und kulturellen Umgebung.
Unsere Essenz
Wir sind aber mehr als Körper und Psyche. Seit Anfang der Menschheitsgeschichte gehört eine Essenz, ein höheres Selbst, ein wahres Selbst, ein göttlicher Funke zum Fundament der menschlichen Erfahrung. Wir sind Wesen außerhalb von Zeit und Raum, die sich endlos weiterentwickeln. Wir sind fähig, unsere Welt aktiv zu gestalten, und zwar über eine schöpferische Intention. Unsere Welt nimmt die Gestalt an, die wir für das immerwährende Lernen unserer Essenz brauchen. Das Leben hat einen Sinn und macht einen Sinn. Dieses Wissen liegt in uns selbst. Es kann nur innerlich untersucht und vom Individuum mitgeteilt werden. Beim Untersuchen dieser Perspektive bleibt die Wissenschaft draußen: Der Scan des Temporallappens im Gehirn eines meditierenden Menschen gibt ebenso wenig Information über dessen Erfahrung wie die magnetischen Eigenschaften meiner Computerfestplatte über das Buch, das ich gerade darauf schreibe. Unserer Essenz kommen wir auf anderen Wegen näher. Dazu zählen nicht nur die klassischen Zugänge wie Meditation, Mystik und Kontemplation. Auch Liebesbeziehungen, Träume, Kunst, Kultur, Arbeit, Tanz, Sport sind Wege zum Selbst, zur gelebten Essenz. Sollten diese Wege für Sie blockiert sein, sollte Ihre Vergangenheit das Bewusstsein der Essenz trüben, dann kann die Logosynthese für Sie eine Tür öffnen.
Die Aufgabe
Die Essenz, das Selbst, macht den Unterschied zwischen einem lebendigen und einem toten Körper, zwischen der Psyche und einem Computer. Die Essenz macht den nackten Affen zum Menschen. Sie gibt ihm eine Aufgabe, eine Berufung, die seinem Leben Sinn und Bedeutung verleiht. Anfänglich, als ursprüngliches Selbst, sind wir Menschen in Kontakt mit dieser umfassenden Natur. Wir wissen noch, was wir wirklich sind: unsterblich, unverletzlich und allmächtig.
Dieses tiefste Wesen ist weder Mann noch Frau. Es kennt kein Alter. Im irdischen Lebenssystem ist dieses Bewusstsein nicht lange haltbar, denn bei Ankunft auf dieser Erde machen wir eine harte Landung: Der Körper ist uns unbekannt, wir verstehen die Welt um uns herum nicht und wir haben keine Sprache. Wir können das volle Bewusstsein unserer Essenz unmöglich aufrechterhalten. Zu stark sind die Indizien, die darauf deuten, dass in dieser Welt alles anders ist:
