Selbstherrliche Idioten! - Marianne Kaufmann - E-Book

Selbstherrliche Idioten! E-Book

Marianne Kaufmann

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Beschreibung

Das H63D-Syndrom ist eine Multiorganerkrankung, verursacht durch nicht an Proteine gebundenes Eisen (NTBI) im Rahmen einer erblich bedingten Hypotransferrinämie. Anders als die klassische Hämochromatose kennt kaum ein deutscher Arzt dieses Krankheitsbild, obwohl es gar nicht so selten ist. Wie sie sich vor dem Übersehen des Syndroms und Fehldiagnosen schützen können, erfahren sie in diesem kleinen eBook. Anschaulich illustriert an der realen und ergreifenden Krankengeschichte des Sohnes der Autorin.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 37

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Selbstherrliche Idioten!

VorwortDer SturzDurchbrücheTieffliegerUntergangDreißigUnerwünschtDas H63D-SyndromMedizinischer WarnhinweisLiteraturbeispieleImpressum

Vorwort

Dies ist die Geschichte von Michael. 

Leider. 

Denn Michael ist mein Sohn, heute Mitte Vierzig. Während fast alle seine Freunde aus Jugendtagen jetzt in der Erntezeit ihres Berufslebens stehen, mit Frau und Kindern sowie dem ganzen Trubel eines “normalen” Lebens, ist Michael weder arbeitsfähig, noch in der Lage seinen Alltag komplett alleine zu bewältigen. 

Schicksal könnte man sagen, und ja, gewiss ist viel Schicksalhaftes an seiner bisherigen Lebensgeschichte. Aber ebensoviel spielt auch menschliches Einwirken und Versagen eine Rolle, mit wenig vorteilhaften Folgen.

Für meinen Sohn und andere, denen eine ähnliche Zukunft droht, kann ich nicht viel mehr tun als zu versuchen, mit der Hilfe von Verwandten und Freunden die Öffentlichkeit wachzurütteln, die allgemeine ebenso wie die medizinische. Dabei gehe ich den direkten Weg zu Ihnen als Leser und vielleicht ebenfalls Betroffener, denn die Route über die Fachverbände und ihre entsprechenden Veröffentlichungen dauert zu lange, ist steinig und manchmal auch zu sumpfig.

Klinkenputzen bei den großen Wissenverwaltern wäre mithin eine Verschwendung kostbarer Zeit; denn jetzt, da ich dies schreibe, gibt es viele weitere Michaels beiderlei Geschlechts dort draußen, die krank sind - und nicht wissen, wieso? Oder noch schlimmer: sie gehen mit Fehldiagnosen durchs Leben und werden im schlechtesten aller Fälle auch noch unpassend behandelt. Denn, und auch das ist eine ebenso subjektive wie traurige Erkenntnis: die Medizin integriert gerade an ihren Rändern neue Erkenntnisse in die Praxis nur sehr langsam.

Mit der geradezu fantastischen Weiterentwicklung der Bildgebung, also CT, MRT, Ultraschall usw., können Ärzte heute schneller und leichter abnorme Befunde erheben. Allerdings haben die Möglichkeiten der Behandlungen mit den Diagnosemöglichkeiten nicht Schritt gehalten. Bis auf einige bahnbrechende Neuerungen u.a. in der Behandlung von Diabetes Typ II, koronaren Herzkrankheiten, manchen Augenleiden, HIV oder Hepatitis C ist die Medizin heute kaum einen Schritt weiter als 1970. 

Schlimmer noch: das Zeitalter der zuverlässig wirkenden Antibiotika geht zu Ende und niemand unternimmt ernsthaft etwas dagegen. Neue Medikamente werden vor allem für Massenerkrankungen entwickelt, oder was man dafür hält. Ansonsten kommen vor allem Scheininnovationen auf den Markt, die keine wirklich neuen Ansätze bieten, sondern alten Wein in neue Schläuche füllen. 

Bei 98% der viralen und sonstigen Erkrankungen steht die Menschheit nach wie vor ohne Werkzeuge da und muss sich auf ihr Immunsystem verlassen, nicht anders als unsere Vorfahren in der Steinzeit. Da wundert es nicht, dass die statistische Lebensererwartung nicht mehr so rasant weiter steigt. Ich sage voraus: sie wird sogar wieder sinken, sobald die Antibiotikakrise ihre volle Wirkung entfaltet haben wird.

Zudem gibt es weitaus mehr unentdeckte Krankheiten und Syndrome als den meisten Ärzten lieb und den Patienten bewusst ist. Menschen leiden an Krankheiten, die noch niemand beschrieben hat und bemerken diese Wissenslücke nicht, weil ihre einzelnen Symptome fragmentiert von den jeweils “zuständigen” Fachrichtungen behandelt werden. Dies liegt einerseits daran, dass die Wissenschaft bei Weitem noch nicht einmal einen Bruchteil der existierenden Fehlfunktionen des menschlichen Körpers erforscht hat. Andererseits weiß man in der Wissenschaft oft schon von neuen Erkenntnissen, lange bevor dieses Wissen in der Praxis angekommt. Ein schlechter Scherz mit wahrem Kern besagt, dass nicht existiert, was nicht im deutschen “Ärzteblatt” erschienen ist. So platt dieser Witz auch sein mag, umso wahrer erscheint er mir von Tag zu Tag.

Fragen Sie Ihren Arzt doch einfach einmal, wann er zuletzt eine wissenschaftliche Studie ungefiltert im Original erworben und gründlich gelesen hat. Die Zahl wird gegen Null gehen, denn die überwältigende Mehrheit der wegweisenden Studien erscheint auf Englisch. Alleine das ist schon für viele Mediziner abschreckend. Hinzu kommt, dass die Leselizenz einer wirklich guten Studie zwischen dreißig und sechzig Euro kostet. Rechnen Sie dazu noch die immense Arbeitsbelastung der deutschen Ärzteschaft, dann wird es nur allzu menschlich verständlich, das man sich mit dem Ärzteblatt und ähnlichen Zeitschriften begnügt.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Die Verbreitung neuen Wissens dauert in der Medizin nicht selten zehn, manchmal sogar zwanzig Jahre. Man braucht bloß eine Neuerung aus der Praxis zu nehmen und ihren Weg zurück bis zur ersten Studie zu verfolgen. Das ist mühsam, aber möglich. Vor allem ist die Resistenz gegenüber neuem Wissen erschreckend. Vielleicht liegt es daran, dass die Medizin immer noch ein sehr konservatives Fach ist, mit einer merkwürdigen Ausgestaltung der Aus- und Weiterbildung, an der viele “Gatekeeper” und “Stakeholder” beteiligt sind. Oft hilft so nur der Generationenwechsel, damit altes Denken durch neues Wissen ersetzt wird.

Hinzu kommt: die Medizin wurde in immer mehr Fachgebiete aufgesprengt, sodass vor allem syndromatische Erkrankungen, die mehrere Fachbereiche betreffen, es schwer haben erkannt und anerkannt zu werden. Denn entweder fühlt sich keiner dafür zuständig oder aber ein Fachgebiet zieht das Syndrom an sich und vernachlässigt die weiteren Symptome. Der gute alte Hausarzt mit der bezahlten Zeit zum Zuhören beim Hausbesuch und der Muße zum Reflektieren ist kein Auslaufmodell, es gibt ihn schon lange nicht mehr.