Selbstmordhunde - Florian Scherzer - E-Book

Selbstmordhunde E-Book

Florian Scherzer

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Beschreibung

Drama meets Hörspiel Was passiert wenn die Sprecher einer beliebten Detektiv-Jugend-Hörspielreihe der Siebzigerjahre selbst in ein unglaubliches Abenteuer verwickelt werden und die Detektivdarsteller auf einmal selbst zu Detektiven werden müssen? Während der Produktion eines Hörspiels verschwindet eine Sprecherin und hinterlässt einen rätselhaften Trümmerhaufen. Die Darsteller der »3 Schnüffler« stehen plötzlich vor der Aufgabe, in die Rolle ihrer Rollen zu schlüpfen und ein immer seltsamer werdendes Geheimnis aufzuklären. Die Grenzen zwischen Hörspiel und Realität beginnen nach und nach zu verschwimmen. Wie in einem Rausch treiben Kogler, Rötzer und Balasz durch das München von 1976 und geraten in ein verwirrendes Spiel aus Vergangenheit, Zukunft, Freundschaft und Wahnsinn. Zu dem Roman entstand ein original Hörspiel, das über einen QR-Code abrufbar ist!

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Seitenzahl: 349

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Impressum

Handlung und Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen wäre rein zufällig.

1. Auflage, Juli 2022

Cover und grafische Gestaltung von Florian Scherzer

© Hirschkäfer Verlag, München 2022

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Verarbeitung in elektronischen Systemen.

eISBN 978-3-940839-87-9

Besuchen Sie uns im Internet:

www.hirschkaefer-verlag.de

Mit Liebe gemacht.

Zu diesem Buch gehört das Hörspiel »Die drei Schnüffler unddie Selbstmordhunde«. Man kann entweder im e-book das Scriptlesen oder das echte, gesprochene aufwww.selbstmordhunde.deganz oder Abschnitt für Abschnitt anhören.

Erster Teil

Heinrich und der Haxenwitz

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (1)

Die drei Schnüffler und das rätselhafte Morgenbier

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (2)

Die drei Schnüffler und der unglaubliche Mösenmeister

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (3)

Die drei Schnüffler und das unheimliche Trompetenschmatzen

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (4)

Die drei Schnüffler und die Heliumstimme

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (5)

Die drei Schnüffler und die Nachtwanderung

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (6)

Die drei Schnüffler und der Fluch der Vergangenheit

Die drei Schnüffler und die Liebe

Die drei Schnüffler und der Schlag in die Magengrube

Zweiter Teil

Die drei Schnüffler und das grausame Déjà-vu

Die drei Schnüffler und die veränderte Situation

Die drei Schnüffler und die wundersame Umarmung

Die drei Schnüffler und die drei Schnüffler

Die drei Schnüffler und die verwirrenden Schulhefte

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (7)

Die drei Schnüffler und die unglaublichen Marsmenschen

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (8)

Die drei Schnüffler und der raffinierte Romanist

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (9)

Die drei Schnüffler und die unheilige Heilige

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (10)

Die drei Schnüffler und der köstliche Schweinebraten

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (11)

Die drei Schnüffler und das gefälschte Skript

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (12)

Die drei Schnüffler und der unglaubliche Hirschen

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (13)

Die drei Schnüffler und die falsche Egate

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (14)

Die drei Schnüffler und der Neffentrick

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (15)

Die drei Schnüffler und der fatale Rückfall

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (16)

Dritter Teil

Die drei Schnüffler und die vierzehn Bilder

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (17)

Die drei Schnüffler und der Frosch mit der Maske

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (18)

Die drei Schnüffler und die ereignislose Heimkehr

Die drei Schnüffler und der weggeworfene Brief

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (19)

Die drei Schnüffler und die misslungenen Hörspiele

Die drei Schnüffler und der Anruf zur falschen Zeit

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (20)

Die drei Schnüffler und die weißen Haare

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (21)

Die drei Schnüffler und der verschwundene Irre

Vierter Teil

Jeff Jefferson und das rätselhafte Koordinatenheft

Jeff Jefferson und der Zeitfehler

Jeff Jefferson und die Blumenbluse

Jeff Jefferson und das Ende der drei Schnüffler

Jeff Jefferson und das zerrissene Telefonbuch

Jeff Jefferson und die geheimnisvolle Oma

Jeff Jefferson und die traurige Liste

Jeff Jefferson und das falsche Universum

Jeff Jefferson und das Dimensionstor

Jeff Jefferson und die zwölf Landkarten

Jeff Jefferson und die Kassettentheorie

Jeff Jefferson und die angesagten Geräusche

Jeff Jefferson und die kratzende Flöte

Jeff Jefferson und die tückische 482

Jeff Jefferson und der tschechische Bahnhof

Jeff Jefferson und die gefressene Katze

Jeff Jefferson und der saugstarke Knödel

Jeff Jefferson und die Denunziantenvögel

Jeff Jefferson und die Zeitreise

Letzter Teil

Renate und die ungeplante Reise (dreizehn Jahre später)

Renate und der tote Vater

Renate und der gestohlene Rucksack

Renate und der westdeutsche Vollidiot

Der letzte Schnüffler und die falsche oder richtige Tote

Heinrich und das Denkmal

Heinrich und das zweite Denkmal

So ein Buch schreibt sich ja bekanntlich nicht von alleine.

Aber für dieses Buch brauchte ich besonders viele Unterstützer. Jedem einzelnen, der vielen Menschen, die Lust darauf hatten, bei diesem Roman, dem Hörspiel und dem ganzen Drumherum mitzumachen, gebührt eigentlich ein ganzes eigenes Hörspiel. Ich habe einfach schon mal mit den Titeln angefangen. Die Hörspiele selber folgen bestimmt bald.

Klaus Huber und der Teufelssong

Tekin Gültekin und die Stimme im Hintergrund

Béla Krienke und der joviale Jeff

Konstantin Kretschmer und der hauchende Harold

Luis Bodenmeier und der raunende Richard

Vee Kuhnen und die piepsende Pat

Julia Schmalbrock und die Stimme aus der Zukunft

Die M-Soundler und die magische Mischung

Kristina Krienke und das unglaubliche Engagement

Lara und Dominique Scherzer und die Geduld der Engel

Benjamin Asher und der Mixer des Grauens

Martin Arz und das Verleger des Wahnsinns

Erster Teil

Heinrich und der Haxenwitz

Heinrich stand in der Metzgerei in der Schlange. Er ärgerte sich. Warum war er nicht schon am Freitag zum Einkaufen gegangen? Er hätte doch Zeit gehabt. Warum Samstagvormittag wie alle anderen auch? Wegen dem bisschen Wurst und den zweihundert Gramm Rindergulasch stand er jetzt seit über einer halben Stunde an. Nicht dass er etwas vorgehabt hätte. Er hatte nie etwas vor. Aber in einer Schlange warten an einem bierlosen Vormittag war schlimmer, als nichts vorzuhaben. Heinrich atmete hörbar aus.

Jetzt waren nur noch drei andere Kunden vor ihm. Wenn sich jetzt eine der alten Schachteln noch entschloss, mit der Metzgerin zu ratschen, würde er etwas sagen, dachte er. Natürlich würde er in Wirklichkeit nichts sagen, sich aber sehr deutlich seinen Teil denken und beim nächsten Mal in der Metzgerei in der Ganghoferstraße kaufen. An einem Donnerstag. Viel konnte ihn nicht aus seiner Gleichgültigkeit und Lethargie reißen. Aber warten müssen war eine Sache, die ihn nervös und wütend werden ließ.

Jetzt war nur noch eine Kundin vor ihm. Die Schlange hinter ihm reichte bis draußen und um die Ecke.

Plötzlich wurden die Leute unruhig. »Lasst den Mann durch«, sagte eine Frauenstimme. »Gehen Sie nur vor, Herr von Gleywitz. So lange zu stehen kann man Ihnen doch nicht zumuten«, hörte Heinrich eine andere Frau. Er drehte sich um und sah, wie sich ein älterer Mann mit nur einer Krücke Kunde für Kunde die Schlange vorarbeitete. Ein Kriegsversehrter mit einem Holzbein. Groß, aufrechte Haltung, weißes dichtes Haar, eine Jacke wie von einer Uniform. Er wirkte wie ein ehemals hohes Tier bei der Wehrmacht.

Von Gleywitz war jetzt direkt hinter Heinrich, tippte ihn an, und als der sich umdrehte, schaute ihn der Versehrte mit Hundeblick an. Heinrich ließ ihn vor. Auf den Einen kam es jetzt auch nicht mehr an.

»Ja, der Herr von Gleywitz«, sagte die Verkäuferin. »Was darf es denn sein?«

»Grüß Gott, Frau Wollinger, ich hätte gerne fünfzig Gramm Kochschinken.« Von Gleywitz blickte suchend in die Auslage. »Siebzig Gramm aufgeschnittenen Leberkäs, fünfzig Gramm Gelbwurst und dann brauch ich noch ein Stück Fleisch für Sonntag.«, Man konnte sehen, dass der Versehrte irgendetwas im Schilde führte. Sein Mundwinkel zuckte und er unterdrückte ein Lachen. »Ja, was nehm ich denn nur?« Die Verkäuferin und einige der Kundinnen wussten schon, dass gleich etwas Lustiges passieren würde und kicherten leise. »Ah, ich weiß«, rief von Gleywitz. Er packte sein Holzbein, nahm es ab, hielt es in die Höhe, blickte in die Runde der Kunden und rief: »Geben Sie mir eine halbe Haxe!« Alle Menschen im Laden brachen in schallendes Gelächter aus. Die Kunden draußen in der Schlange reckten die Köpfe, und als sie von drinnen zugerufen bekamen, was da gerade passiert war, brachen auch sie in lautes Lachen aus. Tränen flossen, es wurde sich auf Schenkel geklopft, Frauen in Lodenmänteln lagen sich kreischend in den Armen.

Heinrich hingegen würgte es. Nicht schon wieder, dachte er. Er sah von Gleywitz, wie er an seiner Prothese nagte und sie der Verkäuferin über den Tresen anbot. Auch die tat so, als nehme sie einen großen Bissen davon. »Mhhhm«, machte sie. Heinrich schmeckte schon die Kotze im Mund, und er bekam starke Kopfschmerzen. Die Kunden konnten sich kaum beruhigen. »Von-Gleywitz-Haxe mit Knödeln«, rief eine Frau. Noch mehr Gelächter. »Und Kraut«, brüllte ein Mann von draußen in den Laden. Er hatte das Wort wie den Begriff, den die Engländer und Amerikaner für Deutsche benutzten, ausgesprochen. »Der Kannibale vom Westend«, prustete die zweite Verkäuferin.

Bei »Kannibale« kotzte Heinrich über den Tresen.

Das Erbrochene lief über das Glas und tropfte innen auf den Aufschnitt und das Geflügel. Das Gelächter verstummte. Heinrich stieß die Kunden beiseite, rannte aus dem Laden und übergab sich zwischen den parkenden Autos noch einmal.

Das war dieses Jahr schon das zweite Mal. Nicht das Kotzen. Sondern die Sache mit dem Kannibalismus. Das erste Mal im Februar hatte ein Kind im Park ein anderes gebissen. Das hatte geblutet, und die Mutter hatte der anderen Mutter »Ihr Kind beißt meinem noch ein Stück aus dem Arm, nehmen Sie den Rotzlöffel weg oder ich rufe das Jugendamt« zugebrüllt. Heinrich hatte daraufhin so starke Kopfschmerzen bekommen, dass er für zwei Tage bei zugezogenen Vorhängen im Bett bleiben musste.

Er wusste genau, warum das immer wieder passierte. Wegen dem, was er im Zimmer seines Vaters gefunden hatte. Trotzdem war er beim Arzt gewesen. Der hatte ihn untersucht, »Überspannung« diagnostiziert und Heinrich eine Kur verschrieben, auf die er nie gegangen war.

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (1)

https://bit.ly/3pYk3Bs

Titel: Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde

Copyright: City Verlag GmbH, München, Mai 1978

Produktionstag 1

Autoren: B und B

Anfangsmusik ›Die drei Schnüffler lösen jeden Fall‹

Wir sind clever, wir sind gerissen,

Wir sind die Jungs mit dem guten Gewissen.

Wir finden den Gauner und halten den Dieb,

Verbrecher bestrafen ist unser Antrieb.

Die drei Schnüffler, die drei Schnüffler

Richard der Kluge,

Und Harold der Chef.

Der ewige Tollpatsch,

Das ist unser Jeff.

Die drei Schnüffler, die drei Schnüffler lösen jeden Fall

Musik wird langsam ausgeblendet.

Soundeffekte: Regen und Donner, Hundebellen, Türenklappern

Richard: Jeff, was hast du denn da wieder angeschleppt. Bei dem Wetter hat die nasse Töle hier im Schuppen nichts zu suchen.

Soundeffekte: Hundewinseln

Harold: Der stinkt ja bestialisch. Lass ihn bloß unter dem Vordach. Einen Hund durch den Regen zu führen. So eine Schnapsidee! Wo hast du das Tier überhaupt her?

Jeff: Das ist Tommy, der Hund meiner Tante Erica. Sie muss mal wieder wegen ihrer Spreizzehen ins Krankenhaus, und da hat sie ihn bei mir abgegeben. Besser als in der Hundepension, sagt sie. Und billiger.

Harold: Billiger? Bestimmt nicht. In der Hundepension kostet das mindestens zehn Dollar pro Tag.

Jeff: Das wenn ich gewusst hätte. Ich habe nur fünf Dollar mit ihr ausgemacht. Und ich muss ihm das Futter auch noch selbst kaufen.

Richard (lacht mitleidig): Oh Jeff. Wie viel frisst denn so ein großer Hund überhaupt am Tag?

Harold: Wahrscheinlich mehr als man denkt. Mein Opa hatte einen, der war viel kleiner, und der hat mindestens zwei Dosen am Tag vertilgt.

Jeff (stöhnt): Und eine kostet schon 75 Cent. Bleiben gerade noch drei fünfzig übrig. Gut gemacht, Jeff.

Richard und Harold lachen.

Richard (ironisch): Vielleicht kann man ja mit so einem Hund Geld verdienen. Dann hast du wenigstens finanziell doch was davon. Als Spürhund oder bei der Jagd. Seine Schnauze ist ja lang genug.

Alle drei lachen.

Harold: Freundlich scheint er zu sein. Wenn er trocken ist, darf er rein.

Soundeffekte: Hundewinseln

Harold (wie mit einem Kleinkind sprechend): Ja, wo ist er denn, der Kleine? Ist er ein Braverle?

Sprecher: Endlich Abwechslung. Eine Woche Regen und das in den Sommerferien. Da konnte einem im berühmten Detektivbüro im Gartenschuppen schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Bei so einem Wetter trauten sich ja nicht einmal die Verbrecher vor die Tür. Da war sogar eine Kleinigkeit, wie der Besuch eines nassen Hundes, eine willkommene Unterhaltung.

Unsere drei Schnüffler hatten sich auf aufregende Ferien eingestellt. Radfahren, Schwimmen, Eis und vielleicht den ein oder anderen Fall, den es aufzuklären gibt. Aber der Dauerregen hat ihnen da wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Soundeffekte: Regentropfen auf Fensterscheibe

Richard: Ich habe in der Hitchfield Gazette gelesen, dass es seit 1870 nicht mehr so viel in einem Juli geregnet hat. Der Hitchfield River ist bei Bakersville schon über die Ufer getreten.

Harold: Du und dein Zeitungsgelese. Dass das Jahrhundertregenfälle sind, hätte ich dir auch ohne das Schmierblatt sagen können, Bücherwurm.

Soundeffekte: Türenklappern, Bellen, Winseln

Jeff: Freunde …

Harold und Richard: Jeff! Der Hund!

Jeff: Jaja, ist ja schon gut. Tommy, mach Sitz. Brav.

Soundeffekte: Hund schüttelt sich die Nässe aus dem Pelz

Harold (entnervt): Aaaaah! Tommy, kannst du das nicht draußen machen. Das ist ein neues Hemd!

Jeff: Freunde, ich hab Neuigkeiten.

Richard (begeistert): Lass hören, Jeff. Ein neuer Fall?

Harold: Ist in diesem verregneten Kaff endlich mal wieder was passiert? Ein Einbruch? Ein Diamantenraub? Schmuggler? Haben die Mexikaner wieder was angestellt?

Jeff: Nein, nein.

Richard: Sag bloß, es ist wieder nur eines deiner Gerüchte. Allison ist mit Buck auf dem Knutschhügel gesichtet worden? Wissen wir längst.

Harold (sarkastisch): Oder hast du Tommy was Neues beigebracht? Zum Beispiel Körperhygiene?

Jeff: Nein, so hört doch zu. Meine Tante Erica, die im Krankenhaus, hatte eine Idee. Sie sagt, dass uns Jungs das schlechte Wetter trübsinnig werden lässt. Und weil sie noch ein paar Wochen im Krankenhaus bleiben muss, hat sie vorgeschlagen, dass wir drei mit Tommy in ihr Ferienhaus an den Allenbough Lake fahren sollen. Da ist im Gegensatz zu hier bestes Wetter, und Regen ist für die nächsten Tage auch nicht angesagt. Was meint ihr? Besser als hier zu verschimmeln.

Richard: Ist das nicht das luxuriöse Haus auf dieser Insel im See. Mit Motorboot und Haushälterin? Wo du mit deiner Familie schon einmal eine Woche verbracht hast?

Jeff: Halbinsel. Aber ja. Das wär doch was. Vierzehn Tage schwimmen, Wasserski fahren und sich von Martha, der Haushälterin, bekochen lassen. Die ist während des Sommers immer am See und nicht in der Stadtwohnung. Tante Erica sagt, dass sie ganz froh wäre, wenn Martha mal wieder mehrere Leute versorgen muss. Seit Onkel Rudy vor fünf Jahren gestorben ist, hat sie kaum noch was zu tun. Und Martha liebt es, hungrige Mäuler zu stopfen.

Harold: Essen könnte ich immer.

Alle drei lachen.

Jeff: Also abgemacht?

Richard: Ich glaube kaum, dass meine Eltern was dagegen haben. Die arbeiten ja beide und sind bestimmt froh, wenn ich mal ein paar Wochen aus dem Haus bin.

Harold: Dass deine Mutter das Geld verdienen muss, ist immer noch merkwürdig. Kann dein alter Herr nicht einfach mal mit einem seiner Drehbücher Erfolg haben? Das ist doch nicht normal! Aber meine Mutter ist bestimmt auch ganz froh, mich aus dem Weg zu haben. Becky ist im Ferienlager, und so kann Mutter mit Conchita das Haus einmal grundreinigen.

Jeff: Freunde, das wird de luxe!

Alle drei lachen. Fröhliches Hundegebell.

Sprecher: Und so begann das neue Abenteuer unserer drei Schnüffler. Aus einem so verregneten und missglückten Ferienbeginn würde doch noch ein großes gemeinsames Abenteuer unserer drei Freunde werden. Wer hätte das gedacht?

Die drei Schnüffler und das rätselhafte Morgenbier

Es war der erste Tag der Hörspiel-Produktion. Heinrich graute schon am Montagmorgen, bevor er in den Verlag ging, vor der gesamten Woche. Vor jedem einzelnen Tag. Er wusste, er würde nicht bei seinem einen Morgenbier bleiben können und einen Schnaps, eher zwei, zusätzlich brauchen, um zumindest den Montag überstehen zu können. Irgendwann würde er es einfach nicht mehr schaffen aufzustehen, sich zu waschen, in die Goethestraße zu gehen, Jeff Jeffersons idiotische Texte zu sprechen, sich für Regie, Technik und Kollegen halbwegs erträglich zu verhalten und abends in der Erwartung des nächsten Tages wieder nach Hause zu gehen.

Heinrich sprach seit 1975 einen der drei jugendlichen Detektive in der Hörspielreihe ›Die drei Schnüffler‹: Jeff Jefferson. ›Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde‹ war Heinrichs fünfzehnte Folge. Selbstmordhunde. Er wunderte sich nicht mehr über die Folgentitel. Wer sich Hitchfield, Jeff Jefferson, Harold van Winkle oder Randolph Rex ausdachte, schrieb auch das Wort Selbstmordhunde auf Platten- und Kassettencover.

Als 1975 die erste Folge ›Die drei Schnüffler und das Pferd der Semiramis‹ auf Schallplatte und Kassette erschienen war, war Heinrich noch halbwegs stolz auf das Ergebnis gewesen. Aber schon nach Folge vier oder fünf hatte er das Gefühl, jede Figur und jede Ecke Hitchfields, dem fiktiven Ort des Geschehens, bis zum Erbrechen zu kennen und die Geschichten schon nach wenigen Worten zu durchschauen und sogar mitsprechen zu können, ohne sie zuvor gelesen zu haben.

Heute, das merkte er, als er die ersten Zeilen des Skripts in der Sprecherkabine überflog, war mal wieder eine der Out-of-Hitchfield-Geschichten an der Reihe. Verregnete Ferien hieß, die drei Schnüffler begaben sich auf eine Reise.

Heinrich kannte das Schema der Autoren nur zu gut. Erst kam ein Abenteuer mit Harold im Zentrum des Geschehens, dann eines mit Richard, dann eine lustige Folge mit dem Tollpatsch Jeff im Fokus, dann ein Verbrechen durch Mexikaner oder Indianer und schließlich eine Geschichte, die nicht in Hitchfield spielte. Nichts Neues also. Das war das Maximum an Abwechslung, das ihm die Autoren und der Verlag gönnten.

Für Heinrich bedeutete eine Nicht-in-Hitchfield-Geschichte, dass diesmal wenigstens ein paar neue Sprecher dabei waren. Eine Aufnahmewoche ohne den nervtötenden Schwägerl, der den Polizeichef von Hitchfield sprach, die unlustige Marlene Willibald, die die Witwe Jefferson, Jeffs Mutter verkörperte und den furchtbaren Gerhard Gramminger, der Lucky Lowdon, den ewigen Widersacher der Schnüffler spielte.

Eine Unterwegs-Folge der Schnüffler war eine Woche mit deutlich weniger »Heinrich, ich erwarte von einem Kollegen, dass er seinen Text vorbereitet hat, wenn er mit mir arbeitet.« oder »Hauch mich mal an, Heinrich. Du hast schon wieder ein paar Bier intus? Du stinkst und lallst. So kannst du keinen Dreizehnjährigen sprechen.« Also konnte er vor Dienstbeginn um acht im Stüberl im Erdgeschoss des Verlagsgebäudes in der Goethestraße sein Bier ohne schlechtes Gewissen trinken, und die Texte konnten ihm noch egaler sein als sonst.

Für die neuen Sprecher war Heinrich ein noch mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt und der respektable, erfahrene Herr Kogler. Der dritte Name auf den Platten- und Kassettencovern der beliebten Schnüffler-Hörspiele. Heinrich war Jeff Jefferson, der treudoofe Tollpatsch und lustigste der drei jugendlichen Detektive.

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (2)

https://bit.ly/3AENFJ5

Soundeffekte: Motorgeräusche, leise Gespräche im Hintergrund

Jeff: Guckt, genau wie Tante Erica gesagt hat, drei Stunden Busfahrt, und schon reißt der Himmel auf.

Richard: Ich habe trotzdem mein Regenzeug eingepackt. Man weiß ja nie. Ich habe in einem Buch gelesen, dass wenn es im März und April trocken war, ein regnerischer Sommer folgt. An der ganzen Ostküste. Nicht nur rund um Hitchfield.

Harold (mit zugekniffener Nase): Aber Tommy stinkt in trocken nicht viel weniger als in nass. Die Leute setzen sich schon weg von uns.

Soundeffekte: Hundewinseln

Jeff: An der nächsten Tankstelle müssen wir sowieso raus. Da ist die Haltestelle, und dort holt uns dann Martha ab.

Soundeffekte: Quietschende Bremsen

Jeff: Da sind wir ja schon. Vergesst eure Sachen nicht.

Soundeffekte: Die Bustür öffnet sich.

Harold (angestrengt): Puh, ist der Koffer schwer. Richard, fass mal mit an.

Richard: Was hast du denn alles eingepackt? Wir sind nur vierzehn Tage hier.

Harold: Ein Mann von Welt muss für alles die richtige Kleidung dabeihaben.

Jeff und Richard lachen.

Jeff: Hmm, der Bus ist ein bisschen zu früh. Martha ist noch nicht hier. Ich schlage vor, dass wir uns so lange im Laden der Tankstelle ein bisschen umschauen.

Harold: Vielleicht gibt es ja meinen Lieblingsschokoriegel.

Jeff und Richard (belustigt): Harold!

Die drei Schnüffler und der unglaubliche Mösenmeister

Mehr als Gerhard Gramminger und die anderen Nebenrollen-Sprecher hasste Heinrich Harald Rötzer den Harold. Dessen Rolle hatte ursprünglich Billy heißen sollen. Aber Herr Rötzer, der Star, hatte darauf bestanden, dass die Figur nach ihm benannt werden sollte. Das sagte doch schon alles über einen Menschen, fand Heinrich.

Harald Rötzer war bekannt aus den ›Schicksalsweg‹-Radiostücken der letzten Kriegsmonate. Er wurde immer noch auf der Straße als der junge Graf von Ehrenstein angesprochen. Mit weit über fünfzig. Und das im Jahr 1978. Dreiunddreißig Jahre nach Kriegsende. Zweiunddreißig Jahre nach Ausstrahlung der letzten Schicksalsweg-Folge. Heinrich fand das unglaublich. Aber alle, mit denen er darüber sprach, hielten es für gerechtfertigt. »Graf von Ehrenstein hat uns durch die schwere Zeit und die Bombenangriffe gebracht. Ich weiß nicht, ob ich den Krieg ohne ihn überstanden hätte«, hatte ihm Frau Gruber aus der Dispo einmal geantwortet, als Heinrich sich über Rötzers Prominenz bei ihr aufgeregt hatte.

Rötzer war seit damals in einigen Artikeln in verschiedenen Zeitschriften aufgetaucht und vielleicht das ein oder andere Mal in einer Wochenschau und später im Fernsehen. Seine zweite Frau war eine Fernsehschauspielerin, und mit ihr zusammen war er öfter in der Klatschpresse zu sehen gewesen. Das änderte sich auch nach der Scheidung nicht. Rötzer war ein gut aussehender Mann, Typ Kulenkampff. Groß, gut gekleidet, einnehmend. Das Schönheitsideal der sehnsüchtigen deutschen Frau der Nachkriegszeit. Ein eleganter Herr mit einer Prise waghalsiger Liebhaber. Trotzdem konnte er so sprechen, dass seine Stimme wie die eines Dreizehnjährigen klang. Ihn umwehte der Hauch der verloren gegangenen Epoche von vor dem Krieg. Er brachte ein bisschen den Glanz des Berlins der Zwanzigerjahre ins Millionendorf München der Siebziger. Aber rechtfertigte das, dass man auf der Straße erkannt und um Autogramme gebeten wird?

Heinrich nannte ihn in seinen Gedanken aber weder Harald noch Harold noch Billy. Seit einem Vorfall war Rötzer für ihn der Mösenmeister. Heinrich hatte ihn einmal mit der Sekretärin des Chefredakteurs in einer Sprecherkabine nach Feierabend gesehen. »Ich bin der Mösenmeister«, hatte er gerufen und dann »Wer ist der Mösenmeister?«, und Fräulein Irgendwas hatte unter ihm gejammert »Natürlich Sie Herr Rötzer, Sie sind das«. Der damalige Tonmann hatte das – heimlich oder nicht – mitgeschnitten, und als er Heinrich sah, den Zeigefinger verschwörerisch auf die Lippen gelegt.

Als Prominenter mit einem bekannten Gesicht, einer berühmten Stimme und einem Auftreten wie Rötzer liefen einem nicht nur die Sekretärinnen nach, Rötzer bekam auch regelmäßig Fanpost oder sogar Geschenkkörbe von Verehrerinnen in den Verlag geschickt. Restaurants luden ihn zu Eröffnungen ein, kein Ball und keine Party, bei der sich die Veranstalter nicht wünschten, Rötzer würde erscheinen. Er war das prominente Aushängeschild der drei Schnüffler und des City-Verlags.

Bei Heinrich war das anders. Ihn würde niemand je am Aussehen erkennen. Zwar war er ein Mal bei ›Was bin ich?‹ aufgetreten (das Rateteam hatte seinen Beruf bereits nach vier Fragen herausgefunden), doch machte das Heinrich noch lange nicht zu einem bekannten Gesicht. Vielleicht war er auch einfach nicht interessant genug, oder die Menschen hatten Angst vor seiner negativen Art oder er sah einfach zu unauffällig aus. Oder zu durchschnittlich. Mittelgroß, mittelschlank, mittelblond, mittelgut gekleidet, mittelgut aussehend. Wer erinnert sich an so jemanden?

Aber zumindest stimmlich war Heinrich ein bisschen prominent. Obwohl er weder besonders markant oder auffällig klang. Gefällig war das richtige Wort. Aber er war nicht nur die Stimme eines der drei Schnüffler, sondern auch die Synchronstimme einiger amerikanischer Schauspieler. Wenn er zum Beispiel bei seinem Zahnarzt anrief, um einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung auszumachen, bekam sich die Sprechstundenhilfe gar nicht mehr ein, weil ein Prominenter bei ihr anrief. »Sie sind doch der Clint Eastwood. Ich brauche unbedingt ein Autogramm.« Clint Eastwood hatte er zwar noch nie gesprochen, eher Jugendliche und nicht oft Hauptrollen, aber wer regelmäßig ins Kino ging oder Filme im Fernsehen ansah, kannte Heinrichs Stimme. Kam Heinrich nach dem Telefonat aber persönlich in der Praxis vorbei, wurde er von der Dame, die ihn zuvor am Telefon angehimmelt hatte, behandelt wie jeder andere auch. Heinrich hatte sogar das Gefühl, schlechter. Aber das lag nicht an der Praxis, sondern an Heinrichs elendem Pessimismus.

Seit einem Jahr jedoch war das mit dem Synchronsprechen vorbei. Wer zu oft zu spät und mit vom Bier belegter Stimme zur Arbeit kam, wurde nicht mehr gebucht. Das war halt Hollywood und nicht der City-Verlag.

Ein bisschen weniger als Harald Rötzer hasste Heinrich Alfred Balasz, den Richard in der Serie. Heinrich wusste kaum etwas über Balasz. Nicht ob er eine Frau oder sogar eine Familie hatte, nicht ob er gerne Schnitzel aß oder lieber Gulasch, nicht ob er lieber Auto oder S-Bahn fuhr. Balasz hielt sich bedeckt und tat vornehm. Eigentlich wussten die wenigsten Privates über Alfred. Er trug altmodische Kleidung, das fiel auf. Nicht Sachen, die seit ein paar Monaten aus der Mode gekommen waren, sondern richtig antike Kleidung. Hüte, Tweedjacken, Knickerbocker. Manchmal wirkte er so snobistisch, dass man begonnen hatte, ihm eine adelige, ungarische Herkunft anzudichten. Scheinbar ärgerte ihn das, denn er erklärte immer wieder, dass er nicht ungarischer, sondern jugoslawischer Herkunft war. Ungarische Minderheit. Heinrich wusste, dass Balasz ursprünglich ein echter Schauspieler war, dass er ein paar Jahre an irgendeinem der großen Münchner Theater gespielt hatte und dass er in den Sechzigern in einem Kinofilm mit Heinz Erhardt mitgewirkt hatte. Von allen Sprecherkollegen war Balasz eigentlich einer der weniger unangenehmen für Heinrich. Aber weil er immer so gut im System ›Drei Schnüffler‹ und City-Verlag zu funktionieren schien und oft vertraut mit Rötzer wirkte, war er für Heinrich doch auch zum Hassobjekt geworden, fast wie alle anderen auch.

So sehr Heinrich seine Kollegen verachtete, so egal war er ihnen. Eine Zeit lang, ganz am Anfang der Hörspielreihe, hatten sie noch versucht, ihn zu Restaurantbesuchen mitzunehmen oder zu den Feiern bei Kollegen einzuladen oder zu überreden, zu Partys und Bällen mitzukommen. Doch nach der zehnten oder fünfzehnten Absage begannen sie Heinrich zu übersehen, und keiner dachte mehr daran, ihn überhaupt zu fragen.

Inzwischen war die einzige Reaktion, die er bei seinen Sprecherkollegen, der Regie und der Aufnahmeleitung hervorrief, die Angst, dass Heinrich nicht funktionierte. Aus Trotz oder einfach weil er statt einem Bier morgens ein Bier und zwei Schnäpse auf nüchternen Magen getrunken hatte. Aber sobald sie merkten, dass er auf seinem normalen Pegel war, vergaßen sie ihn wieder und versuchten, die Produktion so reibungs- und kontaktlos wie nur möglich über die Bühne zu bringen.

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (3)

https://bit.ly/3q2yx3m

Soundeffekte: Naturgeräusche

Sprecher: Die drei Schnüffler waren am Ziel ihrer kleinen Reise angekommen. Dem Lake Allenbough, einem See im Nordwesten des Staates. Der Geheimtipp für Ausflügler aus der nächsten Großstadt. Mitten im dichten Laubwald gelegen, einige einsame Kiesstrände und dem kleinen, verschlafenen Städtchen Allenbough am Westufer. Zweitausend Einwohner, ein Diner, eine Drogerie, ein Lebensmittelgeschäft, ein Eisenwarenladen, eine Bäckerei, ein Metzger, eine Grundschule, eine Highschool und die Tankstelle am Ortsrand, wo der Fernbus hielt.

Soundeffekte: Türglocke eines Ladens

Verkäuferin: Guten Tag, die Herren, was kann ich für euch tun?

Richard: Guten Tag. Wir warten nur auf jemanden und schauen uns so lange ein bisschen um.

Harold: Wo sind denn die Süßigkeiten?

Verkäuferin (lachend): Das habe ich mir fast gedacht, dass du danach fragen wirst. Zweiter Gang links. Sagt mal, Jungs, ist das euer Hund da draußen?

Richard: Ja, das ist Tommy. Wir passen auf ihn auf, solange seine Besitzerin, Tante Erica, im Krankenhaus ist. Und wir dürfen so lange auch ihr Haus hüten.

Verkäuferin: Ach, das Inselhaus? Erica? Ich wusste gar nicht, dass sie einen Hund hat. (nachdenklich) Dass sie NOCH einen Hund hat. (geheimnisvoll) Behaltet ihn gut im Auge.

Jeff: Keine Sorge. Der läuft nicht weg. Dafür ist er zu verfressen.

Verkäuferin: Ja, aber es ist doch ein Rassehund. Ein irischer Schäfer…

Soundeffekte: Ein ganzer Arm voller Süßigkeiten wird geräuschvoll auf dem Tresen des Ladens abgeladen.

Harold: Das sollte für die nächsten zwei Tage reichen. Genug Twittlers um auf einer einsamen Insel mitten in einem geheimnisvollen See zu überleben.

Richard und Jeff (lachend): Halbinsel!

Jeff: Seht mal, Freunde, da draußen, der Buick, das muss Martha, die Haushälterin, sein. Sie sieht aus, wie ich mir eine Haushälterin vorgestellt habe: Mollig, alt, Schürze und Haube. Ich denke, dass wir hervorragend bekocht werden. Harold, hast du all deine Klamotten auch in Übergröße dabei?

Gelächter

Pausenmusik

Soundeffekte: Autogeräusche

Richard: Schaut, ich fasse es ja nicht. Das sieht ja aus wie in einem Film! Da steht das Haus doch glatt mitten auf einer Halbinsel. Ist das ein prächtiger Bau. Mit den ganzen Türmchen und Erkern. Vielleicht bekomme ich ja eines der Turmzimmer. Oder die Bibliothek.

Harold: Und drumherum nichts als der glitzernde See. Ich hatte schon fast vergessen, wie Sonnenschein aussieht. Und da unten, da an dem Steg, das ist das Motorboot. Klasse, das ist ja mal elegant. Zum Glück hab ich die guten Hemden dabei. Die passen perfekt zum Boot.

Richard: Und das da scheint der Fußweg von der Insel auf die andere Seite der Bucht zu sein. Sieht sehr sumpfig aus.

Martha: Das ist der Pfad zur alten Silbermine. Den ist schon lange keiner mehr gegangen. Es wundert mich, dass man ihn noch so gut erkennen kann. Seid lieber vorsichtig, wenn ihr ihn entlanglauft. Ich weiß nicht, wie matschig er ist. Und den Hund dürft ihr auf gar keinen Fall frei laufen lassen.

Soundeffekte: Empörtes Gebell

Sprecher: Die Jungs waren begeistert. So ein Haus hatte noch keiner von den dreien je gesehen geschweige denn betreten. Jeff hatte nicht zu viel versprochen. Richard bezog wie gewünscht das Turmzimmer, Harold das Zimmer mit dem eigenen Bad, und Jeff blieb im Erdgeschoss. Er musste sich ja um Tommy kümmern.

Soundeffekte: Essensgong

Harold: Vor lauter Aufregung habe ich meine Twittlers noch gar nicht angerührt. Ich habe einen Bärenhunger. Was Martha uns wohl gekocht hat?

Richard: Es duftet jedenfalls schon mal köstlich.

Jeff: Nach gebratenem Hähnchen. Zum Nachtisch gibt es bestimmt selbst gemachten Pudding oder sogar Eiscreme.

Harold: Seht nur. Tommy läuft auch schon das Wasser im Munde zusammen.

Soundeffekte: Bellen

Alle drei lachen.

Sprecher: Martha hatte sich selbst übertroffen. Es gab einen sommerlichen Salat, dann, wie von Jeff vermutet, ein Hähnchen mit Kartoffelschnitzen und einer Sauce zum Niederknien. Aber zum Nachtisch gab es Marthas Spezialität. Sie tischte den Jungs eine riesige Eistorte auf.

Martha: Esst nur. Ich freue mich, wenn es euch schmeckt.

Sprecher: Und das taten sie.

Soundeffekte: Geschirr- und Besteckklappern

Die drei Schnüffler und das unheimliche Trompetenschmatzen

In der Produktions-Mannschaft von ›Die drei Schnüffler‹ gab es eine Person, die Heinrich mochte. Immerhin. Alois, der Geräuschemacher. Vor dem Krieg Technikwart beim Reichssender München. Dann Ostfront. Nach dem Krieg Technikwart beim Bayerischen Rundfunk, dann Technikwart beim City-Hörspielverlag. Weil er dort auch die Geräuschemacherausrüstung wartete, war er nach einem Unfall des eigentlichen Geräuschemachers selbst einer geworden. Schritte, Knarzen, Wiehern, Klopfen, Telefonläuten, Hufgetrappel, Trinken, Geschirrgeklapper, Hund, Katze, Schwein, Vogel. Eine Beschäftigung, die Alois eigentlich egal war, die er nur machte, weil er zuverlässig in einer Schachtel voll Sand so laufen konnte, dass es realistisch wie alle möglichen Formen von Gehen oder Rennen klang, weil er bellen und winseln konnte wie ein Hund, weil er eine spezielle Holzschachtel mit Kurbel von seinem Vorgänger übernommen hatte, die perfekte Motorgeräusche imitieren konnte und weil er mit dieser Arbeit ein bisschen mehr verdiente als als ein Technikwart. Außerdem waren die Arbeitszeiten regelmäßig, und es regte sich niemand auf, wenn er besoffen ins Studio kam.

Im Laufe der Jahre hatte Alois eine Art Berufskrankheit entwickelt. Irgendwann war ihm aufgefallen, dass die Geräusche, die er im Alltag machte, nicht mehr die echten waren, die jeder andere erzeugte. Wenn er lief, kam bei jedem Schritt ein falsches Geräusch heraus. Mal klang es wie Wassertropfen, mal wie Pistolenschüsse, mal wie das Miauen einer kleinen Katze, mal wie der tiefste Ton einer Klarinette. Aber das passierte nicht nur beim Laufen. Sein Schmatzen klang meist wie die Trompetenstimme des bayerischen Defiliermarsches, wenn er pinkelte, hörte es sich an wie das Brummen eines 1956er-Fendt-Bulldogs.

Alois war deswegen erst beim Hausarzt, dann bei einem Psychiater gewesen. Der hatte ihn auf- und abgehen lassen, dann hatte er sich sein Schmatzen angehört. Alles normal, die falschen Töne passierten nur in Alois’ Kopf, sagte der Arzt. Der Alkoholkonsum sei schuld.

Heinrich hatte Alois morgens im Stüberl kennengelernt und sein morgendliches Bier immer mit ihm gemeinsam getrunken. Heinrich eines, Alois meistens in derselben Zeit drei. Die beiden hatten nie viel miteinander gesprochen, aber Heinrich tat die Anwesenheit eines Kollegen, dem er sich verwandt fühlte, gut.

Für Alois war Heinrich ein besonderer Freund, weil er behauptete, die falschen Töne auch zu hören. Sie hatten es getestet, und fast immer waren sie sich einig, welches Geräusch Alois Bewegungen verursachten. Vielleicht aber lag auch das nur am Alkohol.

Irgendwann hatte Alois seine eigene Flasche Schnaps im Goethe-Stüberl dabeigehabt, hatte, darauf vom Wirt angesprochen, randaliert. Seitdem hatte er Lokalverbot.

Also ging Alois morgens statt ins Goethe zu Gisi in der Schwanthalerstraße. Der Laden war voller Ostfrontveteranen mit einem Hang zur Kriegsverklärung und leidenschaftlichen Soldatenliedersängern. Der Vor- und Nachteil des neuen Lokals war, dass Alois nach den zehn Minuten Fußweg zum Verlag schon wieder halb nüchtern in die Arbeit kam. Dafür aber umso schlechter gelaunt. Heinrich war es neben den alten Kameraden bei Gisi zu alkoholikerlastig. Nicht dass er nicht selbst schon längst sein Suffproblem erkannt hatte. Aber ganz so weit unten war er noch lange nicht.

Immerhin war Heinrichs Trinken eine reine Morgenroutine. Andere tranken literweise Kaffee, er brauchte ab Montagfrüh um acht sein Bier, und wenn der Tag schlimm zu werden versprach, auch noch ein zweites und einen Schnaps. Die Tagespunkte, für die er eigentlich zwei Bier und zwei Schnäpse brauchte, konnte Heinrich inzwischen meistens umschiffen.

Nach seinem Besuch im Stüberl rührte er den ganzen Tag keinen Alkohol mehr an. Wenn andere abends Bier oder Wein tranken, trank Heinrich Kaffee oder weißes Limo. An den Wochenenden oder an freien Tagen blieb er auch vollkommen nüchtern. Heinrichs Trinkverhalten war dem der meisten anderen komplett entgegengesetzt.

Obwohl beide nicht mehr im selben Stehausschank verkehrten und Alois’ Schicht vom Vormittag auf den Nachmittag gelegt worden war, blieben sich die beiden verbunden.

Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde (4)

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Titel: Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde

Copyright: City Verlag GmbH, München, Mai 1978

Produktionstag 2

Autoren: B und B

Pausenmusik (Zeitsprung)

Harold: Guten Morgen Freunde, ich habe geschlafen wie ein Baby. Und ihr?

Richard: Die frische Luft ist das beste Schlafmittel. Hier, greif zu. Martha hat sich beim Frühstück selbst übertroffen. Versuch mal den gebratenen Speck und diese frischen Semmeln … köstlich.

Soundeffekte: Türenknarzen und Hundegebell

Jeff: Guten Morgen, Schlafmützen. Ich war schon mit Tommy draußen. Der Weg, den wir gestern bei der Herfahrt sehen konnten, sieht abenteuerlich aus. Aber trocken. Was meint ihr, sollen wir den heute mal erkunden. Oder vorher ins Wasser? Es ist wunderbar warm.

Harold: Ja. Aber erst ein ausgiebiges Frühstück.

Richard: Überiss dich nicht. Mit vollem Bauch schwimmen ist ungesund.

Jeff: Hier Tommy, versuch mal den Speck.

Harold: Hey, das war meiner.

Martha: Keinen Streit, Jungs. Es ist genug für alle da. Auch für Tommy.

Sprecher: Nach einem morgendlichen Bad im Allenbough Lake und ausgiebigem Trocknen auf dem zum Haus gehörigen Steg, machten sich die drei Schnüffler auf den Weg, den Pfad zur Silbermine zu erkunden. In ihren Rucksäcken ein köstliches Picknick, das ihnen Martha eingepackt hatte: gebratene Hühnchenkeulen, frisches selbst gebackenes Brot und goldgelbe Butter, Schinken, hart gekochte Eier, drei Flaschen mit selbst gemachter Limonade und ein ganzer Napfkuchen. Genug Proviant für einen wunderschönen Ausflug.

Soundeffekte: Sommerliche Geräusche, Zikaden, Wind etc.

Jeff: Tommy, bleib schön hier. Immer brav bei Fuß.

Harold: Der Hund wirkt ganz schön aufgeregt. Wahrscheinlich sein Jagdinstinkt.

Jeff: Was? Tommy und jagen?

Richard: Na ja, immerhin ist er ein direkter Nachfahre der Wölfe. Was man gar nicht glauben kann, wenn man ihn so beim Gekraultwerden beobachtet.

Soundeffekte: Geraschel

Harold: Seid mal still, ihr beiden. Ich glaube, ich habe etwas gehört.

Jeff (flüsternd): Etwa das Wild, das Tommy gewittert hat? Rehe? Wildschweine? Vor denen soll man sich ja in Acht nehmen.

Richard: Ach was, das ist nur der Wind.

Harold: Da, schon wieder. Das klingt eher wie das Schmatzen von Schritten im sumpfigen Boden.

Soundeffekte: Schmatzende Schritte und Geraschel

Jeff: Ja genau. Das ist das Wild. Gibt es hier nicht sogar Elche?

Richard: Jetzt habe ich es auch gehört. Das kam vor dort.

Jeff: Da bewegt sich auch was. Ein Wildschwein?

Richard (besonders leise flüsternd): Nein, das ist ein Mensch. Das geht viel zu aufrecht.

Harold: Oder Bigfoot.

Jeff kichert leise.

Richard: Jeff, du und ich unterhalten uns weiter. Harold, du schleichst dich an und stellst den Heimlichtuer. Mal sehen, was der da so herumlungert. Das riecht nach einem neuen Fall!

Soundeffekte: Geraschel, schmatzende Schritte, leise, unverständliche Gespräche zwischen Richard und Jeff

Harold (leise vor sich hin murmelnd): So, Kamerad, jetzt wollen wir doch mal sehen, warum du uns hier so nachschleichst.

Soundeffekte: Gerangel und Rascheln

Pat: Hey, lass mich los!

Harold: So, Bürschchen, hab ich dich. Warum stellst du uns nach?

Pat: Hey, aua, meine Haare.

Richard: Harold, bring den Schurken mal zu uns. Den möchte ich persönlich verhören.

Jeff: Richard, das ist ja gar kein Bürschchen. Das ist ein Mädchen.

Sprecher: In der Tat. Der ominöse Verfolger unserer drei Schnüffler entpuppte sich als blondes, sommersprossiges, etwa dreizehnjähriges Mädchen. Schlank, groß, in Shorts und kurzärmeliger Bluse, das lange Haar zu einem Zopf gebunden.

Pat: Was soll das? Ich bin euch gar nicht nachgeschlichen. Warum sollte ich mich denn für so armselige Jungs wie euch interessieren. Nur weil ihr plötzlich im Inselhaus auftaucht, macht euch das noch nicht interessant. Außerdem stöbert ihr in meinem Revier herum. Da muss ich ja wohl nachsehen, wer ihr seid und ob ihr nichts Böses im Schilde führt.

Richard: Schon gut. Reg dich nicht auf. Es kam uns nur verdächtig vor.

Jeff (stammelnd): Hallo erst mal, ich bin Jeff. Und das sind Harold und Richard.

Pat: Ich bin Patricia, also Pat. Und ihr seid die feinen Inseljungs. Wer ist das süße Wollknäuel?

Harold: Na ja, süß …

Gelächter

Die drei Schnüffler und die Heliumstimme

Die Figur Jeff und die Person Heinrich hatten nicht viel gemeinsam. Der eine tollpatschig, gutmütig, fröhlich, sympathisch und ein wenig naiv. Der andere so ziemlich in allem das Gegenteil davon. Aber das Gestammel Jeffs beim Anblick von Pat zeigte doch eine Gemeinsamkeit der beiden. Pat brachte beide aus dem Konzept.

Am zweiten Aufnahmetag von ›Die drei Schnüffler und die Selbstmordhunde‹ hatte Heinrich, weil er wusste, dass viele seiner besonders verhassten Kollegen nicht da sein würden, nur ein Bier ohne Schnaps getrunken und kam also fast nüchtern ins Studio. Trotzdem seine übliche halbe Stunde zu spät und fast genauso schlecht gelaunt wie eh und je.

Er warf seine Jacke über den Stuhl im Vorraum der Sprecherkabine, nahm sich das Skript und betrat den Raum hinter der großen Glaswand.

Rötzer und Balasz standen bereits mit Kopfhörern vor ihren Mikrofonen. Das für Heinrich und ein weiteres waren noch unbesetzt. Die beiden Sprecher nickten Heinrich kurz zu. »Sieh mal einer an, wer heute nicht der Letzte ist … Wunder geschehen«, sagte Willi, der Regisseur, in sein Mikrofon außerhalb der schalldichten Scheibe. »Warten wir nur noch auf das Fräulein Borgwart.«

Die drei Sprecher sahen sich an. In den Augen des Mösenmeisters glaubte Heinrich sehen zu können, dass er schon gespannt darauf wartete, ob das Fräulein Borgwart seine nächste Eroberung werden könnte. Irgendwann, so dachte Heinrich, muss er Rötzer wieder einmal mit Namen ansprechen, und dann rutscht ihm bestimmt ein »Mösenmeister« heraus. Ein bisschen freute er sich darauf.

»Du weißt aber schon, dass wir hier auf so engem Raum alles riechen, Kogler?«, fragte Balasz.

»Da hat aber einer schon die Fahne gehisst«, darauf Rötzer und zog pantomimisch eine Flagge einen Mast hoch. Heinrich war das egal. Kommentare zu seinen Morgenbieren war er gewohnt. Solange das die einzigen Bemerkungen der anderen Sprecher zu seiner Person waren, konnte er damit leben.

Schließlich, nach ein paar Minuten des Schweigens, öffnete sich die Tür zum Vorraum, und jemand trat in das Studio. Aus dem Inneren der Sprecherkabine konnte man die Eingangstüre nicht komplett sehen, aber die Regie hatte ihr Mikrofon nicht ausgeschaltet. So konnte Heinrich hören, dass es sich dabei um die vierte Sprecherin, Fräulein Borgwart, handelte. »Tut mir leid, die ganzen Baustellen und die verspätete Trambahn«, hörte man eine ungewöhnlich piepsige Frauenstimme.

Darauf der Regisseur: »Jetzt sind sie ja da, Fräulein Borgwart. Die Herren sind auch erst seit ein paar Minuten komplett.«

Die Tür zur Sprecherkabine öffnete sich, und eine kleine rothaarige Frau kam herein. Rötzer und Balasz sahen sich belustigt an. »Hoppla, eine Rote. Rostiges Dach und so weiter …«, murmelte Rötzer und rieb sich die Hände.

Die Frau war klein, kräftig, trug eine Jeans und eine Art gelbe Bluse mit grünen Blüten darauf. Wie man das halt gerade so trug. Sie war etwa so alt wie Heinrich. Vielleicht ein, zwei Jahre jünger. Fräulein Borgwart trug ihre Haare zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden. Sie wirkte auf Heinrich, als würde sie dauernd lachen, obwohl sie in den zwei Minuten, die sie im Raum war, eher neutral dreinblickte.

Eigentlich waren ihm grundfröhliche Menschen suspekt, aber irgendwas rührte ihn an der Frau. Natürlich waren die roten Haare etwas, das sofort die Aufmerksamkeit vieler Männer erregte. Ihre leichte Üppigkeit kam Heinrich auf eine ungewohnte Art und Weise sexuell vor. Er fühlte sich in ihrer Gegenwart unruhig.

Rötzer trat einen Schritt auf die Frau zu und hielt ihr die Hand hin. Er sprach ein bisschen zu langsam und überdeutlich. Fast als könne sie nicht so gut Deutsch oder weil sie per ihn nur eine Frau war: »Ja, wenn das nicht das Fräulein Borgwart ist. Ich habe schon viel von Ihnen gehört.« Heinrich rollte innerlich mit den Augen. Natürlich hatte Rötzer noch nie irgendetwas von Fräulein Borgwart gehört. Aber das war halt seine Masche. Rötzer fuhr fort: »Grüß Gott. Mein Name ist Rötzer, sofern das noch nicht bekannt ist. Das ist der Kollege Balasz, und das dort ist der Herr Kogler. Balasz spricht den Richard, meine Wenigkeit den Harold, und das ist der dumme Jeff.« Er deutete auf Heinrich.

Fräulein Borgwart schüttelte uns allen die Hände und schaute jedem in die Augen: »Borgwart, angenehm, Borgwart, Borgwart.« Ihre Stimme war seltsam. Unnatürlich kindlich für eine erwachsene Frau. Als habe sie eine kleine Prise Helium eingeatmet.

Heinrich blickte betreten auf den Boden und sagte nichts. »Angenehm, Sie kennenzulernen. Es ist ja schon eine Überraschung, dass so eine wie Sie … also so eine junge Frau …«, sagte Rötzer. Er war ein bisschen aus dem Tritt geraten. Eine rothaarige, die keine Mannequinfigur hatte. Und dann wirkte sie auch noch selbstbewusst. Das war nicht sein übliches Terrain. Ob er die klarmachen können und wollen würde? Man konnte seine Neugierde und Gier förmlich greifen.