Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag - Marianne Glaeser - E-Book

Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag E-Book

Marianne Glaeser

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Beschreibung

Für alle, die sich nicht neu erfinden müssen – sondern sich endlich ganz bewohnen wollen.

Marianne Glaeser „Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag - Ein Handbuch“

In einer Welt voller Unsicherheiten und Herausforderungen bietet Marianne Glaeser mit ihrem Buch "Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag – Ein Handbuch: Das Haus mit vielen Zimmern®" einen einzigartigen Wegweiser zur Selbstentfaltung und emotionalen Heilung. Dieses praxisnahe Modell, das seit 2007 erfolgreich in Therapie und Coaching eingesetzt wird, hilft Ihnen, Ihre inneren Konflikte zu verstehen und Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.

Warum dieses Buch? Das Hausmodell stellt Ihre innere Welt als ein Haus mit vielen Zimmern dar, jedes Zimmer repräsentiert eine Facette Ihrer Psyche. Lernen Sie, Ihre Emotionen und Verhaltensmuster zu erkennen und selbstwirksam zu ordnen. Ob Sie alltägliche Herausforderungen meistern oder tiefgehende Traumata bewältigen möchten – dieses Buch bietet Ihnen die Werkzeuge, um Ihre inneren Ressourcen zu aktivieren und Blockaden zu lösen. Von Afrika bis Asien, von schwer traumatisierten Menschen bis zu denen, die einfach mehr Klarheit im Alltag suchen – das Hausmodell hat sich weltweit bewährt. Lassen Sie sich von realen Geschichten inspirieren, die zeigen, wie Menschen durch das Hausmodell ihre Selbstwirksamkeit zurückgewonnen haben.

Vorteile für die Arbeitswelt: Das Hausmodell unterstützt Führungskräfte und Mitarbeiter dabei, ihre emotionalen und mentalen Ressourcen besser zu verstehen und zu nutzen. Es hilft, innere Konflikte und Stressoren zu identifizieren und wertebasiert zu bearbeiten, was zu gesteigerter Arbeitszufriedenheit und Produktivität führt. Zudem fördert es Resilienz und Selbstwirksamkeit, verbessert die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team und unterstützt die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen.

Für wen ist dieses Buch? Coaches, TherapeutInnen und BeraterInnen können ihr Repertoire mit einem bewährten Modell erweitern, das ihre KlientInnen sicher durch emotionale Prozesse führt. Einzelpersonen können das Buch als Framework für Selbstreflexion und Selbstmanagement nutzen, um eigenverantwortlich an ihrer persönlichen Entwicklung zu arbeiten.

Ein Buch, das Mut macht: Marianne Glaeser lädt Sie ein, Ihre inneren Räumen kennenzulernen und – auf der Basis ihrer Werte – eine selbstbestimmte Auswahl zu treffen. Finden Sie Orientierung und innere Stabilität in einer komplexen Welt. "Das Haus mit vielen Zimmern®" ist Ihr Kompass zu einem bewussteren, erfüllteren Leben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Zum Inhalt

Alle Zimmer – zu jeder Zeit – unter einem (meinem!) Dach. Klingt verrückt? Ist aber wahr.

Inmitten von Stress, Selbstzweifeln und der Frage »Was ist bloß los mit mir?« zeigt Marianne Glaeser mit ihrem Modell »Das Haus mit vielen Zimmern®«, dass wir mehr sind als unsere Krisen. Viel mehr. Denn in uns wohnen nicht nur der Frust und die Erschöpfung – sondern auch der Kraft-Raum, der Glücks-Raum und der Raum für Zuversicht. Und das Beste: Wir dürfen jederzeit umziehen.

Dieses Handbuch ist ein liebevoller, praxisnaher Begleiter für alle, die sich selbst oder andere besser verstehen und durch emotionale Herausforderungen führen wollen – ob im Coaching, in der Führung oder einfach im ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Mit einem Modell, das in Slums geboren wurde und heute weltweit Menschen hilft, ihre Selbstwirksamkeit zurückzuerobern.

Für alle, die sich nicht neu erfinden müssen – sondern sich endlich ganz bewohnen wollen.

MARIANNE GLAESER

Selbstwirksamkeitin Berufund Alltag

Ein HandbuchDas Haus mit vielen Zimmern®

Verlag Franz Vahlen München

4ALLGEMEINE HINWEISE

Haftungsausschluss: Die in diesem Handbuch enthaltenen Namen sind fiktiv, und jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder verstorbenen Personen, Unternehmen oder Ereignissen ist zufällig und nicht beabsichtigt.

Hinweis zur Gendergleichstellung: Im vorliegenden Text bezieht sich die männliche Form der Begriffe jeweils auf Personen beider Geschlechter.

Begriffliche Klarstellung: Die Begriffe »Coach«, »Therapeut«, »Berater« und »Haus-Guide« werden synonym verwendet, sofern sie im beschriebenen Kontext austauschbar sind. Sind spezifische Unterschiede relevant, so wird das ausdrücklich erläutert.

Hinweise zur professionellen Abgrenzung und rechtlichen Verantwortung: In diesem Buch werden Beispiele aus verschiedensten Settings angeführt – von Coaching/Beratung bis hin zu Trauma-Therapie. Es liegt in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, die eigenen rechtlichen, professionellen und persönlichen Grenzen zu kennen und einzuhalten.

5Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag

Ein Handbuch

Für

Therapeuten

Coaches

Arbeitgeber

Arbeitnehmer

Eltern

&

alle, die sich und andere besser

verstehen wollen.

7INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Teil 1 EINFÜHRUNG

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – der AHA-Moment

Erste Erfahrungen – ein Bild mit großer Resonanz

Woher die Kraft? Wirkmächtige Elemente des Modells

Verbildlichung

Neue Sprache – neue Perspektiven

Desidentifikation – der gesunde Abstand zu mir selbst

Praxisnahe Selbstexploration

Nachhaltigkeit

Umfassende Anwendbarkeit

8

Das Menschenbild des »Hauses«

Vielschichtigkeit menschlichen Erlebens

Ganzheitlichkeit

Individualität

Gemeinsame Gesetzmässigkeiten

Potenzial zu Veränderung und Entwicklung

Notwendigkeit von Selbstreflexion

Entscheidungsverantwortung

Sinn und Kraft aus Werten oder einer transzendenten Dimension

Hausordnung

Anwendungsbereich des Hausmodells

Teil 2 WAS DAS HAUS UNS LEHRT

Ich bin das ganze Haus – immer!

Ich bin so frei!

Mir selbst gegenübertreten – Handlungsfreiraum schaffen

Wir alle haben sie alle – die psychologischen Effekte einer gemeinsamen Realität

Menschenkenntnis

Empathie

Vergebung

Mut – Treibstoff des Lebens

Die Angst entmachten

Humor – oder: der Angst ins Gesicht gelacht

Dankbarkeit – oder: der Blick für das Geschenkte

Verantwortlich-keit – oder: Stehvermögen, wenn’s schwierig wird

Der Wert der Werte – unser Navigationssystem

9

Teil 3 DIE PRAXIS

Wichtiges für die Anwendung

Erforderliche Kompetenzen

Persönliche Fähigkeiten

Fachliche Qualifikation

Die »Sprache« der Metapher lernen

Empathische Imagination

Hoffnungsvolles Rahmen Halten

Beim Körper beginnen

Der Hausbesuch

5 Phasen im »Haus mit vielen Zimmern

®

«

Phase 1: Vorbereitung

Phase 2: Raumanalyse

Phase 3: Gestaltungsphase

Phase 4: Verarbeitung

Phase 5: Praktische Umsetzung

Arbeit mit Kindern und kognitiv beeinträchtigten Personen

Ist das Haus-Modell für meine Klienten geeignet?

Wann ist Vorsicht geboten – die Grenzen des Haus-Modells

Teil 4 DAS HAUSMODELL IN DER ARBEITSWELT

Mental Health am Arbeitsplatz – der Status Quo

Wenn die Krise zuschlägt

Wie konnte es so weit kommen?

Das Haus mit vielen Zimmern

®

: Ein Schlüssel zur Selbstwirksamkeit

Wie kann das Hausmodell helfen

»Wer bin ich denn nun wirklich?«

10

Teil 5 FALLBEISPIELE

A. Fallbeispiele aus der Beratungspraxis

A.1 – Wenn Harmonie zur Falle wird – Führung ohne Grenzen

A.2 – Hoffen auf Gesehen-Werden – oder der Mut, mich zu zeigen

A.3 – Grenzen schützen Räume

A.4 – Wirkkraft entwickeln

A.5 – Heute Freund, morgen Feind

A.6 – Fremdgesteuert

A.7 – Ich muss – ich darf – ich will!

A.8 – Freiheit ist eine Wahl

A.9 – Ich habe das letzte Wort

A.10 – Karriere versus Muttersein

A.11 – Vom Verliebtsein und der Liebe

A.12 – Familienbande

A.13 – Es war einmal und ist noch da: Paarberatung

A.14 – Wenn Gefühle Bilder werden, können wir sie sehen

A.15 – Das Hausmodell in der Trauma Arbeit

B. Fallbeispiele aus dem Alltag

B.1 – Vater sein dagegen sehr …

B.2 – Der Trotz und die Wut – Kleinkinder

B.3 – Teenage trifft Midlife – Generationskonflikt

B.4 – Das Dachsymbol – die Entscheidungshilfe

B.5 – In guten wie in schlechten Zimmern … Beziehungskrisen

Wie geht’s weiter

11VORWORT

Das Haus mit vielen Zimmern®« ist das »Slum-Kid« unter den gebräuchlichen Beratungsmodellen, und zwar buchstäblich: Mitten im Verkehrschaos eines kenianischen Elendsviertels hat es seinen Weg in die Welt gefunden, damals, vor bald 20 Jahren. Ganz unerwartet präsentierte sich mir dieses bemerkenswerte Bild, das mich bis zum heutigen Tag in Bann zieht: eindrücklich, klar und in seiner alles umarmenden Komplexität. Dieses Modell ist durch keine der etablierten psychologischen Schulen geadelt, und anstelle von wissenschaftlichen Studien liegen nur Erfahrungsberichte vor – »streetwise« sozusagen, wie Slum-Kids eben sind.

»Das Haus mit vielen Zimmern®« besticht nicht durch intellektuelle Raffinessen. Es überzeugt vielmehr durch seine fast greifbare Lebensnähe und einer Robustheit, die auch der schonungslosen Wirklichkeit seines Entstehungsortes gewachsen ist. Das ist seine Basis. Das ist seine Kraft.

Seit 2007 habe ich die Möglichkeit, das Haus-Modell in unterschiedlichsten Settings anzuwenden – als Therapeutin in Afrika und Asien, als Coach in Europa. Es hat sich vielfach bewährt, und zwar bei Menschen aller Gesellschaftsschichten und Kulturen – tatsächlich12 vom Slum-Kid bis zum Intellektuellen, von Afrika, über Amerika, Asien und Europa. Ich habe es erprobt mit Paaren und Einzelpersonen, mit Freunden und Familie, und immer wieder mit mir selbst – all diesen Menschen war es möglich, die Metapher vom »Haus mit vielen Zimmern®« für ihre Bedürfnisse zu nutzen, um so aus ihrer Krise zu lernen und neue Lebens-Räume erschließen zu können.

In den letzten Jahren bin ich vermehrt mit Klienten konfrontiert, die mit Herausforderungen im Arbeitsumfeld zu kämpfen haben. Untersuchungen in Europa, Amerika und Canada bestätigen: Die Mental Health-Situation der Menschen am Arbeitsplatz – ein diskutierter Themenkomplex bereits vor 2020 – hat sich durch die Pandemie klar verschlechtert. Mehr Stress, mehr Angst, und insgesamt weniger Kraft und Motivation führen immer häufiger zu Burnout und der verzweifelten Frage, ob man diesem Leben denn überhaupt gewachsen sei. Arbeitnehmer wie Arbeitgeber erleben sich vermehrt mit ihrer Ohnmacht konfrontiert und sehen der Zukunft mit Besorgnis entgegen. Dünnhäutig vom leisesten Windhauch verschnupft verlieren überlastete Menschen schnell die Fassung und stoßen andere vor den Kopf. Die motivierende Führungskraft entwickelt autoritäre Züge, die selbstverantwortlichen Mitarbeiter verlieren den Blick für das Dringende – ein Zustand, der vor allem auch die Fähigkeit zum empathischen Miteinander stark in Mitleidenschaft zieht. Die emotionale Talfahrt gewinnt Momentum, der legendäre Teamspirit ist im Keller – so die Kurzdarstellung einer typischen Krise in gestressten Organisationen.

Genau an diesem Punkt setzt das Beratungsmodell »Das Haus mit vielen Zimmern®« an: mit seinem Fokus auf das persönliche Innenleben ist es prädestiniert als Kompass durch die erste – und meist schwierigste – Phase in einem Konfliktlösungsprozess, bei der es darum geht, die eigenen Anteile mutig aufzuspüren und selbstwirksam einen dienlichen Perspektivenwechsel einzuleiten. Das Hausmodell leitet uns an, uns selbst und andere verständnisvoll betrachten zu lernen, und erinnert eindrucksvoll daran, dass auch der erdrückendste Erfahrungsraum letztlich doch nur einer von 13vielen »Räumen« ist, die alle zu jeder Zeit in uns existieren! All das eröffnet Perspektiven der Hoffnung und trägt damit maßgeblich zur Stärkung von Mental Health und Resilienz bei. Wir lernen das innere »Haus« frei zu gestalten und jene »Zimmer« zu beziehen, die uns einen zuversichtlicheren Ausblick eröffnen. Dieser ganz persönliche Prozess schafft die nötige Basis für ein konstruktives Voranschreiten in weitere Fokusbereiche eines Spannungsfeldes.

»Das Haus mit vielen Zimmern®« überzeugt: Als unkompliziertes und dennoch effektives Tool unterstützt es den Aufbau unserer Selbstwirksamkeit und verbessert die empathische Kommunikationsfähigkeit im Alltag und am Arbeitsplatz.

Möge es vielen helfen, das Vertrauen in ihre persönliche Stärke neu zu entdecken.

Marianne Glaeser

15

TEIL 1EINFÜHRUNG

17EIN BILD SAGT MEHR ALS TAUSEND WORTE – DER AHA-MOMENT

Nairobi 2007, an einem Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit. Schon braut er sich zusammen, der befürchtete Verkehrsstau. Ein lautes, buntes, für mein europäisches Auge bedrohliches Durcheinander. Und ich sitze fest – mittendrin. Für die Straßenhändler ein idealer Marktplatz. So mancher Autolenker macht gerne Gebrauch von den angebotenen Tees und Mandazis1, um sich von dem umgebenden Wahnsinn abzulenken. Ich war keine von ihnen. Ich will keinen Tee, kein Mandazi – ich will zu meinem Meeting, und zwar rechtzeitig!

Zunehmend angespannt nähert sich mein zorniges Gesicht der Windschutzscheibe. Wenn mich schon keiner hören kann, so sollen sie es wenigsten sehen: Ich will hier raus!

»Das wird dauern …«, meldet sich eine äußerst unerwünschte innere Stimme. Ein peinlich unschönes Wort entfährt meinen Lippen – aus ungeliebten Abgründen kommend, und doch mit derSelbstverständlichkeit18 eines Standardvokabulars. Ich falle in mich zusammen.

Atmen. Richtig! Atmen hilft. »Einatmen – ich beruhige mich. Ausatmen – ich lächle.« – oder so ähnlich habe ich das doch im Mindfulness Kurs einmal gelernt? (… wie gut, dass es von diesem Lächeln kein Foto gibt!)

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffne ich meine Augen. Keine Veränderung der Verkehrslage. Gab es einen Unfall? Mein leerer Blick landet im Gesicht einer Frau im Auto neben mir. Eigenartig – irgendetwas berührt mich an ihrem Ausdruck … Mein Blick schweift weiter, mit zunehmender Faszination. So viele Geschichten in diesen Gesichtern! Ganz persönliche Geschichten, jede und jeder einzelne von ihnen, hineingewoben in das mysteriöse Geflecht menschlichen Geschehens, alle an ihrem einzigartigen Platz, den niemand für sie füllen und gestalten kann.

Mitten im afrikanischen Verkehrschaos, in meinem kleinen, verriegelten Universum sitzend, trifft es mich wie ein Blitz: Wie ist es möglich, dass so viele Facetten dieser doch so »Fremden« etwas in mir zum Schwingen bringen? Die nachdenklichen Augen des Teenagers auf dem Rücksitz, der starrende Blick der Geschäftsfrau, bis hin zum dankbaren Lächeln des Bettlers wegen der Münzen, die man ihm aus den Autos zuwirft.

Und plötzlich ist er da – unerwartet simpel und schön – jener bemerkenswerte Aha-Moment, der mich für so viele weitere Jahre begleiten würde:

Ich bin ein Haus mit vielen Zimmern.

Wir alle sind es.

Ich lasse mich von der vordergründigen Banalität dieses Bildes nicht abhalten und folge seiner Entfaltung. Gott sei Dank. Denn genau in seiner Schlichtheit liegt die Kraft, wie sich in vieler Weise noch zeigen würde:

19Jeder Mensch ist wie ein Haus mit vielen Räumen. Unzählige Türen in allen möglichen und unmöglichen Farben und Formen führen in verschiedenste Zimmer: das Liebes-Zimmer, das Hass-Zimmer, das Trauer-Zimmer, das Glücks-Zimmer, das Ruhe-Zimmer, das Lärm-Zimmer, das Freundes-Zimmer, das Feindes-Zimmer, das Wut-Zimmer, das Sanftmut-Zimmer, das Leidenschafts-Zimmer, das Langeweile-Zimmer … Die Liste ist endlos – denn in jedem Menschen finden wir das gesamte Spektrum an Raumvariationen – vom Heiligen-Raum bis zum Killer-Raum. Wir alle haben sie alle …

Während wir die Existenz all dieser Zimmer als gegeben annehmen müssen, liegt unsere Freiheit in der Wahl unserer persönlichen Werte, die den Räumen ihre ganz individuelle Rangordnung geben. Diese Werte finden im Dachsymbol – einem Sinnbild mit »Leitsternfunktion«, das am höchsten Punkt des Hauses sichtbar ist – ihren Ausdruck: von Kreuz, Halbmond, oder anderen Symbolen der Transzendenz, über individuell gestaltete Bilder bis hin zum Selbstporträt – alles kann hier aufscheinen als Repräsentation dessen, was uns Orientierung gibt im verwirrenden Labyrinth unseres Innenlebens. Wir finden es, indem wir unsere persönlichen Kernwerte definieren, die grundlegenden Überzeugungen also, die unser Verhalten prägen. Das Haussymbol ist die Schaltzentrale für das »innerhäusliche« Geschehen, und obliegt allein der Autorität des Individuums – eine zentral wichtige Aufgabe für jeden Hausherren/ jede Hausfrau, die die Verantwortung für die Gestaltung ihres Hauses ernst nehmen will.

Nun sind es unsere ganz individuellen Umstände und Hintergründe, die unser »Geburts-Zimmer« bestimmen, den Raum, von dem wir ausgehen. Dieser Herkunfts-Raum ist gefüllt mit Kindheitserinnerungen und prägenden Beziehungen; wir kennen die Gepflogenheiten und identifizieren uns damit. Hier formt sich unser Selbstbild – egal ob die Atmosphäre nun positiv oder negativ ist. Dieser Ort ist für die einen nur ein temporäres Zuhause, aus dem sie hinauswachsen, für die Anderen ein Ort, der zum Gefängnis wird. Je nachdem. Wesentlich ist es, zu erkennen, dass wir mehr sind als das, was ein einziger Raum von uns zu reflektieren vermag. Viel 20mehr. Es braucht Mut (ja, Mut!) nach der Türklinke zu greifen, um den vertrauten Raum zu verlassen auf der Suche nach dem größeren Ganzen. Von besonderer Bedeutung für das In-Besitznehmen des gesamten Hauses ist der bewusste Blick auf das ererbte Dachsymbol: Entspricht es meinem Innersten, oder repräsentiert es mir wesensfremde Werte und muss gegen ein Symbol meiner Wahl ausgetauscht werden? Denn diese Entdeckungsreise durch das Haus ist nichts für Ängstliche. Vielleicht erklärt das, warum sich viele ein ganzes Leben lang nicht über den limitierten Horizont ihres Herkunfts-Raumes hinausbewegen – eine verführerisch simple Wahl, angesichts der herausfordernden Alternative, sich in einem ganzen »Haus mit vielen Räumen« zurechtfinden zu müssen. Der jeweilige Horizont bestimmt natürlich unser Weltbild, und so ist es nicht verwunderlich, dass wir uns als eng-horizontige Zimmerinsassen sehr schnell bedroht fühlen: Unerforschte Räume erscheinen störend »fremd« und werden als Gefahr bekämpft – im Außen, im »Anderen«, während wir leugnen, dass all das – ja, genau das – potenziell auch in uns selber lebt.

Wie gesagt: Wir alle haben sie alle – diese unendlich vielen Räume in dem einen Haus …

Der eigentliche Unterschied zwischen mir und irgendeinem »Kriminellen« ist demnach nicht notwendigerweise mein tugendhafterer Charakter, oder, um in der Sprache meiner Metapher zu bleiben, mein »schöneres Haus«. Was uns unterscheidet, ist vielleicht viel mehr das Glück, vor solch extremen Umständen bewahrt worden zu sein, deren destruktiver Wucht wohl die wenigsten von uns standhalten könnten. Es ist so leicht, andere von unseren privilegierten Zimmern aus zu verurteilen. Aber Vorsicht! Ein paar Krisen und Versuchungen später könnten wir uns selbst in bisher ungeahnten »Räumen« wiederfinden, die in ihrer Abgründigkeit unser Selbstbild zutiefst erschüttern würden. Die unerwartete Konfrontation mit den abscheulichen Winkeln unseres Hauses tut weh, sehr weh, und lässt uns bitter oder demütig werden – je nachdem …

Ja, wir alle haben sie alle …

Genauso, wie uns manchmal das Dunkel überkommt, so gibt es natürlich auch die freudigen Überraschungen im Haus der vielen 21Zimmer. Was für eine Vielfalt an Realitäten und Möglichkeiten, die es hier zu erleben und zu verstehen gilt! Sehr oft sind es Lebenskrisen, die uns herausfordern, neue Räume zu betreten, auf der Suche nach einer Lösung. Ist der Leidensdruck groß genug, so sind wir dann auch endlich bereit, unsere Angst vor dem Fremden zu überwinden und uns auf Neues einzulassen. Es sind nicht immer Krisen, die uns helfen, endlich unser »Komfort-Zimmer« zu verlassen. Oft sind es Veränderungen im Lebensumfeld – eine neue Beziehung, ein Jobwechsel, die Geburt eines Kindes oder die Pflegebedürftigkeit eines Elternteils. In solchen Fällen wird der Zimmerwechsel zur notwendigen Antwort auf diese neuen Herausforderungen – sie fordern zusätzliche Ressourcen. In neuen Zimmern finden wir neue Antworten auf bisher ungelöste Lebensfragen und erleben uns selbst auf oft unerwartete Weise. Diese Veränderungen eröffnen uns die Möglichkeit, bisher unentdeckte Interessen zu erkunden und Aspekte unserer Persönlichkeit ans Licht zu bringen, die wir zuvor nicht kannten. Oft erleben wir es wie ein »kleines Wunder«, wenn sich uns hilfreiche Erlebnisräume erschließen, die bislang nicht Teil unserer Identität waren. So ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit belastenden schulischen Erfahrungen im Erwachsenenleben plötzlich eine Leidenschaft für ein bestimmtes Studium entwickeln. Diese Erfahrung lässt sie die Freude am Lernen entdecken und erkennen, dass sie unter Umständen über beträchtliche Lernfähigkeiten verfügen. Sie erfahren sich – zum ersten Mal – als akademisch interessiert und erfolgreich, was in krassem Widerspruch zu ihrem alten – schulisch geprägten – Selbstbild steht. Diese Reise vom Raum der negativen Schulzeit hin zu einem erfüllenden akademischen Erfolg erweitert den Haushorizont um dieses »Erfolgszimmer«, das bis dahin nicht bewohnt werden konnte, und nun eine neue Definition der eigenen Identität einleitet. Wir sind somit wieder um »ein Zimmer größer« und einen Schritt weiter auf dem Weg zur eigenverantwortlichen Gestaltung unseres »Hauses«.

Doch – es bleibt spannend. Denn, immer wieder machen wir die Erfahrung, wie ein Spielball in den Händen unsichtbarer Akteure zu sein.

22»Wie kommt es, dass ich im Wut-Raum sitze, wann immer meine Mutter mich um einen Gefallen bittet?«

»Warum gehe ich wie ferngesteuert in den Trauer-Raum, sobald ich dieses Lied höre?«

»Ich liebe Karottensalat mit Rosinen! Er schmeckt nicht nur gut – er zieht mich auch direkt in meinen Kuschelraum …«

Diese »unsichtbaren Spieler«, unsere Trigger, zu identifizieren und verstehen zu lernen, ist ein wesentlicher Schritt hin zu einem freien, selbstbestimmten Leben, das heißt den Lebens-Raum mit Bedacht selbst wählen zu können, anstatt von einem in den anderen gestoßen zu werden. Mit zunehmender persönlicher Reife wissen wir die Kraft unseres Dachsymbols zu nutzen, wählen dementsprechend unser Zimmer selbst, und bereiten uns mit klarem Fokus und der nötigen Disziplin auf den jeweiligen Eintritt vor. Es gilt so mancher Versuchung zu widerstehen auf dem Weg in den Raum unserer Wahl, nämlich jenen Möglichkeiten, die uns kurzfristige Freuden bereiten könnten, uns aber den Blick auf unser Dachsymbol – das, was wirklich für uns zählt – vernebeln. Auf diese Weise beginnen wir unser Haus selbstbestimmt zu gestalten.

Diese Metapher erinnert auf so einfache Weise an eine sehr komplexe Realität: nämlich an die simultane Existenz all unserer Seins-Weisen:

In jedem Moment

alle Räume

unter einem Dach.

Die Erinnerung daran ist ein Hoffnungsträger in so mancher Krise, ein letztes Flämmchen, das uns weitersuchen lässt. Wer kennt sie nicht, die lähmende Stimme der Depression, die uns da unaufhörlich zuflüstert:

»Ich bin das ganze Haus!«

Wehe denen, die dieser Lüge auf den Leim gehen! Sie werden – 23ihrer inneren und äußeren Bewegungsfreiheit beraubt – noch lange im Raum der Schwermut verweilen …

Das Wissen um die vielen Räume in uns ist ein starkes Mittel gegen diese Machtlosigkeit. Es bleibt uns zwar nicht erspart, einen Weg aus diesen dunklen Löchern zu finden und uns dann auch herauszuarbeiten, aber es ist nicht mehr ganz so finster.

[1] Mandazi ist eine Form von frittiertem Brot, das seinen Ursprung an der Suaheli-Küste hat.

24ERSTE ERFAHRUNGEN – EIN BILD MIT GROSSER RESONANZ

»Ich schließe meine Augen – um zu sehen.«

Paul Gauguin

In meiner Arbeit mit traumatisierten Slumkindern in Kenia konnte ich staunend beobachten, wie mühelos diese Metapher Kindern und Jugendlichen den Zugang zu ihrem Innenleben zu eröffnen vermochte, während die direkte Frage nach ihrer Befindlichkeit sie allzu oft verstummen ließ. Ich brachte Papier und Farbstifte mit und legte ihnen das Bild eines Hauses mit vielen Türen vor. So konnten sie nun ihr eigenes Haus gestalten, indem sie die Türen nach Belieben beschilderten, so, wie sie es in sich selbst wahrnahmen. Manchmal bekamen alle einen Namen, dann wieder waren es nur ganz wenige. Immer jedoch wussten sie, in welchem dieser Räume sie zurzeit »zuhause« waren.

Ich erinnere mich an Ruth, ein 12-jähriges Mädchen, das seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante und ihren Cousinen in Kibera2lebte und von ihnen wie eine Sklavin missbraucht wurde. Ruth war sehr scheu, es war schwer, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Doch sie hörte aufmerksam zu, als ich ihr das Haus erklärte. Ich lud sie ein, ihr »Zimmer« zu malen, und diesem Zimmer einen Namen zu geben:25 Es war ein enger, dunkler Raum, in dem sie zusammengekauert in einer Ecke saß. Den Namen des Zimmers schrieb sie zuletzt unter ihre Zeichnung: »Stummes Zimmer« … Damit gab sie mir ein sehr klares Bild davon, wie sie sich fühlte, ohne viel reden zu müssen, was ihr zu dem Zeitpunkt ohnehin nicht möglich war.

Wir arbeiteten weiter am Bewusstsein, dass es immer noch all die anderen Räume in ihr gab – Räume, die wir über den Weg der Erinnerungen »besuchen« konnten – ihre inneren Ressourcen. Sie lebte auf, als sie mir von ihrem »Freude«-Raum erzählte, von dem Raum, in dem die Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter lebendig waren, an ihr früheres Zuhause, an die Freundin, mit der sie in der Nachbarschaft spielte, etc. … der Gedanke, dass dieser Raum in ihr existierte – hier und jetzt – gab ihr Kraft, was sich direkt in ihrer Stimmungslage zeigte. Einige Wochen später erzählte sie mir, dass sie letzte Nacht von ihrer Tante ausgesperrt worden war – als Strafe für ein kleines Missgeschick beim Kochen. Sie musste die Nacht ungeschützt vor der Hütte verbringen, der akuten Gefahr von Vergewaltigung ausgesetzt. »Ich bin in mein Freude-Zimmer gegangen, zu Mama. Das hat mir sehr geholfen, die Nacht zu überstehen!« Sie lächelte, und ich war zutiefst berührt von dieser Kraft.

In meiner Privatpraxis als Psychotherapeutin konnte ich weitere Erfahrungen sammeln. Meine Klientel kam aus der Nairobi Expat-Szene und aus der kenianischen Bildungsschicht, das heißt, es waren Menschen aus allen Erdteilen, vorwiegend mit akademischem Bildungshintergrund.

Auch in diesen Fällen hat sich das Modell vom »Haus mit vielen Zimmern®« eindrucksvoll bewährt. Meine ursprünglichen Bedenken, das simple Bild könnte intellektuellen Köpfen nicht standhalten, haben sich sehr bald verflüchtigt. Es ist gerade die schlichte Klarheit dieses Modells, die jenen flexiblen und geschützten Rahmen bietet, innerhalb dessen Orientierung möglich wird. Egal, wie bescheiden oder differenziert die Zimmer des Hauses gestaltet werden – der Rahmen vermag unterschiedlichsten Bedürfnissen standzuhalten.

Ich arbeitete sowohl mit einzelnen Individuen, bevorzugt aber auch mit Paaren in Krisen. Meist war Untreue die Ursache für den 26Scherbenhaufen ihrer Zweisamkeit. Ein weiteres, relativ häufiges Problem, das Paare in Notlagen brachte, war die Überforderung durch die neuen Aufgaben des Elternseins. Was immer der Grund für ihre Krise war, die Darstellung ihrer problematischen Situation folgte meist einem chronologischen Verlauf: Es war einmal und ist nicht mehr … eine sehr hoffnungslose Sichtweise.

Die Vorstellung, dass alle beide zu jederzeit das »ganze Haus« sind, wirft ein neues Licht auf eine schwierige Situation. Anstatt den Verlust einer leidenschaftlichen Vergangenheit zu betrauern und den leidvollen Ist-Zustand zu beklagen, ermutigt diese Metapher dazu, die Lektion des beklemmenden »Jetzt-Zimmers« mutig anzuhören, und sich gemeinsam auf die Suche nach lebenswerteren Räumen zu machen. Denn wenn jeder alle Räume in sich trägt, so liegt der Gedanke nahe, dass wir in einem einzigen Menschen die ganze Welt entdecken können. Sind wir bereit, danach zu suchen? Sind wir bereit, uns auch in dunklen Räumen zu zeigen und unsere Partner auszuhalten, wenn sie sich darin verlieren? Die Haus-Metapher bietet einen Ansatz, der Hoffnung erlaubt: alle Zimmer unter einem Dach. Jederzeit.

»Warum hast du dich damals in deinen Partner verliebt?« Mit dieser Frage fordere ich schmollende Paare gerne heraus, wenigstens für einen Augenblick ihr »Frust-Zimmer« zu verlassen, und einen kurzen Blick in ihr »Liebes-Zimmer« zu wagen. Wie lebendig dieser Raum mit all seinen schönen Erinnerungen tatsächlich meist noch ist, wird sehr schnell deutlich, wenn diese Lebendigkeit in den Augen meiner Klienten aufblitzt, sobald sie sich überwunden haben, meine Frage zu beantworten – ein sehr schwieriger »Zimmerwechsel«, der fast immer mit großen Widerständen verbunden ist. Kein Wunder. Denn es werden Gefühle und Erinnerungen berührt, die dem derzeitigen Gemütszustand diametral entgegengesetzt sind.

Doch es gibt ihn, diesen Raum, das macht diese kleine Übung spürbar – auch wenn er fest verschlossen scheint. Ein guter Ausgangspunkt für die Arbeit mit krisengeschüttelten Paaren …

Die Metapher vom Haus mit vielen Zimmer ist ausgesprochen user-freundlich, wie sich auch in meinem Familien- und Freundeskreis27 gezeigt hat. »Mensch, ich sitze in diesem Frust-Zimmer fest!«, oder, »Wie komme ich bloß aus dem Angst-Zimmer raus?«, waren sehr bald geläufige Formulierungen in meinem Umfeld. Das Bild prägt sich ein, in seiner intrinsischen Logik und seiner hoffnungsvollen Erinnerung daran, dass unsere Wirklichkeit viel größer ist als das, was der Moment uns präsentiert.

[2] Der größte Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi.