Sex Diaries - Nico Gold - E-Book

Sex Diaries E-Book

Nico Gold

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Beschreibung

Es gibt Männer, die es einfach draufhaben, die jede Frau bekommen können und scheinbar nie an sich zweifeln. Die perfekten Verführer. Auch Nico Gold hatte einst neidisch zu seinen Konkurrenten aufgeblickt, bis er sich dazu entchloss, die Seiten zu wechseln. Er wurde selbst zum Frauenheld, lernte, wie man Frauen anspricht, sie kennenlernt und sie schließlich nach allen Regeln der Kunst verführt. Der Flirttrainer und professionelle Pick-up-Artist berichtet nun zum ersten Mal von seinen erotischen Erlebnissen. Er gewährt intime Einblicke in sein Verführungstagebuch - und gibt damit zugleich sein Wissen darüber weiter, wie man garantiert jede Frau ins Bett bekommt.

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Seitenzahl: 222

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Nico Gold

Sex Diaries

Bekenntnisse eines perfekten Verführers

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

VorwortJahresrückblickDie neue NachbarinDer Tag ohne RegelnArabian Nights – Die türkische PrinzessinEin wahrer GentlemanDer nackte MannSoll ich dich ins Krankenhaus fahren?Frauen und FußballHeiße Nächte auf MallorcaDarf ich mal streicheln?Scheiß auf den Film, BabyAuf den Hund gekommenDas schönste WeihnachtsgeschenkGewinnspiel! Jetzt mitmachen!
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Vorwort

Nachdem ich 2009 mein erstes Buch, »Der Sex-Instinkt«, veröffentlicht hatte, bekam ich eine Menge Mails von Lesern, die sich bedankten oder weiterführende Fragen stellten. Dabei fiel mir auf, dass immer wieder die Praxisbeispiele gelobt wurden. Das waren Abschnitte im Buch, in denen ich haarklein beschrieb, wie ich Frauen ansprach und verführte. Mit allen Details und Dialogen. Offenbar konnten die Leser anhand dieser Beispiele besonders gut lernen. Das war der Grundstein für ein Buch, das komplett aus Geschichten rund um die perfekte Verführung besteht. Das Ergebnis hältst du in den Händen.

 

Ich habe allerdings lange gezögert, bevor ich mich an die Arbeit gemacht habe. Ich fürchtete, ein derartiges Buch könnte wie Angeberei oder Eigenlob wirken. Das ist nicht meine Absicht.

Abgesehen von der Befürchtung, als Angeber dazustehen, kämpfte ich bei der Entstehung dieses Buches mit einem zweiten Gewissenskonflikt: Es gibt unter Verführern einen Ehrenkodex, mit dem ich mich stark identifiziere. Ich verachte jeden, der sich nicht daran hält. Neben dem Vorsatz, Frauen zu jeder Zeit respektvoll zu behandeln, enthält er unter anderem auch die Verpflichtung zu absoluter Diskretion. Was zwischen Mann und Frau passiert, bleibt zwischen ihnen und geht keinen etwas an. Der Amerikaner bringt es mit »Don’t kiss and tell!« auf den Punkt.

Ich bin zuversichtlich, dass ich trotz des tiefen Einblicks, den ich hier in meine Erlebnisse als Verführer gewähre, diesen Kodex nicht verletzt habe. So habe ich alle Namen der im Buch vorkommenden Frauen geändert. Und ich überlasse es deiner Fantasie, was im Schlafzimmer ganz genau passiert ist. Wichtig ist für dich ja in erster Linie, wie du in ihr Schlafzimmer reinkommst.

 

Warum also habe ich dieses Buch trotz meiner Bedenken geschrieben? Es gibt dafür eine ganze Reihe guter Gründe.

Um zu zeigen, dass der Umgang mit Frauen leicht ist, wenn das Fundament (Selbstwertgefühl, Vertrauen in das eigene Können) stimmt.

Um zu zeigen, dass jeder ein unwiderstehlicher Verführer werden kann.

Um zu zeigen, dass es endlose Möglichkeiten gibt, um Frauen kennenzulernen. An jedem Ort, zu jeder Zeit.

Um zu zeigen, dass das alles nicht besonders kompliziert ist. Ich verwende keine Zaubersprüche oder geheime Tricks.

Um zu zeigen, dass manchmal etwas nicht ganz so klappt, wie man es sich vorgestellt hat – dass man sich davon aber nicht entmutigen lassen darf.

Neben dem Lehrcharakter sollen die Geschichten in diesem Buch auch unterhaltsam sein. Es bringt also nichts, mit dem Textmarker daneben zu sitzen und deiner Meinung nach besonders wichtige Stellen anzustreichen. Lass das Ganze einfach auf dich wirken.

Ich wünsche dir auf deinem weiteren Weg jedenfalls viel Erfolg und dass du selbst einige spektakuläre Geschichten mit Frauen erlebst!

 

Nico Gold Bochum, im Juli 2012

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Jahresrückblick

Schon wieder ein Jahr herum, denke ich, während ich die Straße entlanggehe. Die Zeit verfliegt so rasend schnell. Vor allem, wenn man viel erlebt.

Es ist der 31. Dezember, Silvester, und ich bin gerade auf dem Weg zur Party.

Janine hat mich eingeladen. Sie ist eine Kommilitonin von mir, die ich aus einem Geschichtsseminar kenne. In ihrer Dreier-WG will sie eine fette Party feiern und das neue Jahr gebührend begrüßen. Auch die benachbarte WG wird sich anschließen und die Tür für die Partymeute öffnen, so dass genug Platz für eine Menge Leute vorhanden sein wird. Deshalb sollte ich ruhig noch ein paar Freunde mitbringen.

Eine gute Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn der Party schelle ich an der Tür.

»Nico!«, Janine öffnet mir freudestrahlend. Sie sieht hinreißend aus. Diesmal trägt sie das ansonsten glatte Haar gelockt. Ungewohnt, aber wirklich süß. Zwischen Janine und mir ist nie etwas gelaufen, was in erster Linie daran liegt, dass sie einen Freund hat. Damit ist für mich klar, dass ich die Finger von ihr lasse, denn ich sabotiere keine Beziehungen. Inzwischen habe ich ihn auch kennengelernt. Markus ist ein cooler Typ, es scheint zwischen den beiden wirklich ernst zu sein.

»Du bist aber früh dran«, meint sie und schaut rechts und links an mir vorbei. »Hast du niemanden mitgebracht?«

»Zwei Freunde von mir kommen nachher noch«, antworte ich.

»Okay, na dann komm erst mal rein.«

Janine geleitet mich in die große Küche, wo auf mehreren zusammengestellten Tischen ein riesiges Buffet aufgebaut ist. Es besteht aus diversen Nudel- und Kartoffelsalaten, Frikadellen, Bockwürstchen und genug Baguettes für mindestens drei Silvesterpartys.

»Du, sorry, ich muss noch einiges erledigen, bevor es hier richtig losgeht. Muss dich kurz allein lassen«, meint Janine und drückt mir ein Bier in die Hand. Ehe ich etwas dazu sagen kann, ist sie auch schon verschwunden.

Die anderen sind offenbar oben. Zumindest sind von dort Schritte und ab und zu Stimmen zu vernehmen.

Da stehe ich nun mit meinem Bier in der Küche und schaue aus dem Fenster, als plötzlich eine Stimme meinen Namen ruft. Ich fahre herum. Im Zimmer steht ein junger Mann, der mir bekannt vorkommt.

»Du bist es wirklich, Mann. Wie lange ist das jetzt her?«, fragt er und geht auf mich zu.

Dann dämmert es mir. Sven. Sven Reimann. Wir haben vor einigen Jahren zusammen Abitur gemacht. Und in der Schule so manchen Unsinn angestellt.

»Da sind schon einige Jährchen ins Land gegangen«, antworte ich, »was treibst du hier? Das Letzte, was ich über dich gehört habe, war, dass du in Afghanistan bist.« Sven hat sich nach seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr für einige Jahre verpflichten lassen.

»Das hast du richtig gehört«, sagt Sven, »aber seit diesem Semester bin ich hier an der Uni eingeschrieben. Mathematik und Physik. Ich werde Lehrer.«

Darüber muss ich lachen. »Oh, Mann, wenn mir damals in der Schule jemand gesagt hätte, dass du mal Lehrer wirst, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt.«

»Ja«, Sven schmunzelt, »manchmal nimmt das Leben ungeahnte Wendungen.«

Wie sich im weiteren Gespräch herausstellt, ist Sven ein Kumpel von Janines Freund Markus, den er vom Studium kennt und der ihn eingeladen hat.

Er nimmt sich ein Bier aus einem der Kästen, die an der Wand stehen. »Und wie läuft’s bei dir? Gutes Jahr gehabt?«

»Ich habe viel erlebt in diesem Jahr«, sage ich und denke dabei vor allem an die Frauen, die ich kennengelernt habe.

»Ich könnte dir auch Geschichten vom Bund erzählen«, lacht Sven und schaut versonnen aus dem Fenster, »was wir da alles angestellt haben …«

Er nimmt einen tiefen Schluck aus der Flasche. »Und, hast du inzwischen eine Freundin?«, wechselt er abrupt das Thema.

»Nein«, antworte ich wahrheitsgemäß.

»Na ja, wenn ich so an früher denke, warst du auch nie so der Frauenheld, was?« Er setzt schon die Flasche an den Mund, als ihm wohl bewusst wird, dass das nicht besonders nett war. »Nicht böse gemeint«, schiebt er nach und setzt die Flasche wieder an.

»Ach, das hat sich in letzter Zeit geändert«, erzähle ich. »Ich habe mich schon mit einer Menge Frauen verabredet, nur eine Beziehung hat sich daraus nicht ergeben.«

»Warum nicht?«

»Na ja, weil ich nicht unbedingt auf der Suche bin. Das Singleleben kann sehr schön sein. Es lässt einem alle Freiheiten, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Hm, da ist schon was dran.« Auf einmal wirkt Sven nachdenklich. »Und wie hast du die Frauen so kennengelernt? Würd mich interessieren, ich bin ja auch Single.«

»Auf unterschiedlichen Wegen«, antworte ich.

»Angefangen hat mein Jahr richtig gut, denn im Januar zog diese hübsche Schauspielerin gegenüber von meiner Wohnung ein …«

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Die neue Nachbarin

Wenn ich vom Fußballspielen nach Hause komme, bin ich nicht gerade in der besten Verfassung für einen Flirt.

Ich bin vollgeschwitzt und je nach Witterung auch ziemlich dreckig. Dazu meist völlig ausgepowert.

Nicht gerade ideal, um bei einer Frau zu landen.

Doch in genau so einer Situation begegnete ich eines Abends meiner neuen Nachbarin.

Sie hielt mir die Haustür auf.

Ich war verschwitzt und schmutzig und hatte auch noch meine löchrigste Jogginghose an. Wie ich erst später beim Blick in den Spiegel feststellte, befand sich zudem von einem missglückten Kopfballversuch ein schlammiger Abdruck auf meiner Stirn.

Vielleicht war das der Grund, warum sie mich anlächelte. Sie war eine überaus zierliche Frau. Vielleicht knapp einen Meter sechzig groß. Lange, gewellte braune Haare und große blaue Augen, mit denen sie zu mir hochsah.

Ich sah sie an diesem Tag nicht zum ersten Mal. Bereits eine Woche zuvor war sie mir aufgefallen, als sie vor meinem Fenster mit vollgepackten Einkaufstüten vorbeiging.

Was für ein süßes Ding, hatte ich gedacht.

»Du bist wohl neu hier?«, fragte ich, während ich an ihr vorbei ins Haus ging.

»Richtig, vor zwei Wochen eingezogen. Mein Name ist Anna«, antwortete sie mit einer hellen, fast kindlichen Stimme.

»Da, wo ich herkomme, halten ja eher die Männer den Frauen die Tür auf … aber danke, Anna«, sagte ich und zwinkerte ihr zu.

»Da ist man einmal nett, und schon muss man sich solche Sprüche anhören!«, beschwerte sie sich lachend. Gemeinsam gingen wir die Treppen hinauf.

»Sag mal, läufst du immer in so eleganten Klamotten herum?«, fragte Anna und musterte mich kritisch.

»Nein, ich hatte gerade ein Bewerbungsgespräch bei einer Bank und habe mich deshalb schick gemacht. Normalerweise trage ich sportlichere Klamotten«, konterte ich staubtrocken.

Sie lachte, und dann waren wir auch schon an meiner Wohnung angelangt.

»Hier wohne ich.«

»Ach, cool. Ich wohne direkt gegenüber.« Sie deutete auf die benachbarte Wohnungstür.

»Dann sind wir jetzt also Nachbarn«, stellte ich fest.

»Ja, ich hoffe, du bist nicht besonders laut oder so.«

»Ach, kaum«, sagte ich, »nur wenn meine Kumpels von den Hells Angels vorbeikommen, dann hören wir hier manchmal etwas lauter AC/DC und so was. Außerdem übe ich regelmäßig auf meinem Alphorn. Ausgefallenes Instrument, ich weiß.«

Ich schaute ihr in die Augen. »Gut zu wissen, dass du hier direkt gegenüber wohnst. Wenn ich mal einen Kuchen backen will und keine Eier im Haus habe, weiß ich ja jetzt, wer mir aushelfen kann.«

»Ach, und du glaubst, dass ich immer Eier dahabe?«, lachte sie herausfordernd.

»Also bitte, eine gute Hausfrau erkenne ich doch auf hundert Meter«, antwortete ich mit einem schelmischen Grinsen. »Ich kann mir schon vorstellen, wie gut dir eine Schürze steht.«

»Oh, Mann, du bist echt unglaublich!«

»Hehe, na dann auf eine gute Nachbarschaft«, sagte ich und steckte meinen Wohnungsschlüssel ins Schloss.

 

Die Tage vergingen. Ich schrieb an einer Seminararbeit und hatte unsere Begegnung fast schon vergessen, als ich eines Abends wieder vom Training nach Hause kam und mein Blick an Annas Wohnungstür hängen blieb. Spontan entschloss ich mich, ihr einen Besuch abzustatten, und klingelte an ihrer Tür. Es wäre zu schade gewesen, nicht an unsere zufällige Begegnung anzuknüpfen. Irgendwie hatte Anna mir gefallen. Und wer wusste schon, wann ich sie sonst wiedersehen würde.

Sie öffnete in einem unheimlich verwaschenen Freizeitanzug.

»Schick, schick …«, spottete ich.

»Das sagt der Richtige!«, konterte sie.

Ich war natürlich wieder einmal total vom Fußball eingesaut.

»Ich dachte, ich pass mich mal deinem Niveau an«, fuhr sie mit einem zynischen Lächeln fort.

»Ach, du wusstest, dass ich komme?«

»Es lag so etwas in der Luft.«

Annas klare, blaue Augen strahlten mich an.

»Jedenfalls«, ergriff ich das Wort, »bin ich gekommen, um auf dein Angebot einzugehen!«

»Was für ein Angebot?«, fragte sie verdutzt.

»Dass du mir Eier leihst, falls ich einen Kuchen backen will.«

»Haha, von wegen Angebot«, prustete sie los. »Das habe ich dir nie angeboten. Du hast das einfach mit kackfrecher Selbstverständlichkeit eingefordert!«

Ich überlegte einen Moment.

»Dann möchte ich meiner Forderung hiermit Nachdruck verleihen!«

»Du willst allen Ernstes jetzt einen Kuchen backen?« Anna schaute auf ihre Armbanduhr. »Es ist halb zehn.«

»Nicht jetzt«, entgegnete ich. »Aber am Sonntagnachmittag, so gegen vier. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie in meinem Leben einen Kuchen gebacken habe. Ich könnte also noch eine helfende Hand gebrauchen«, lächelte ich sie einladend an.

Ein Moment der Stille.

»Ist das etwa deine Art, nach einem Date zu fragen?«

»Ich habe nie etwas von einem Date gesagt«, antwortete ich. »Wenn du magst, kommst du Sonntagnachmittag rüber, und wir backen einen leckeren Kuchen zusammen. Den können wir uns danach natürlich auch gemeinsam schmecken lassen.«

»Okay, warum nicht?«, sagte sie. »Was für ein Kuchen soll es denn werden?«

»Überraschung«, antwortete ich.

In Wirklichkeit hatte ich natürlich keine Ahnung.

»Gut, soll ich irgendwas mitbringen?«

»Eier!«

 

Am übernächsten Tag war es dann so weit. Ich hatte mich in der Zwischenzeit im Internet schlaugemacht, was man so alles für einen Kuchen braucht, und alle nötigen Zutaten eingekauft – bis auf die Eier, versteht sich.

Die Wahl fiel auf einen klassischen Schokoladenkuchen. Da konnte man nämlich fast nichts falsch machen. Falls doch etwas schiefgehen sollte, würde ich einfach alles auf Anna schieben, dachte ich grinsend.

Punkt 16 Uhr klingelte es an der Tür. Anna stand mit einem Zehnerkarton Eier davor. »Ich dachte, ich bring ein paar mehr mit, damit du nicht jeden Tag vorbeikommst.«

Die Frau hatte Humor. Das gefiel mir.

»Wow, du kannst ja richtig gut aussehen!« Sie musterte mich von oben bis unten. Tatsächlich hatte sie mich bisher nur in gammeligen Sportklamotten gesehen. Jetzt trug ich immerhin ein Hemd und eine Jeans.

»Das Kompliment kann ich zurückgeben.« Sie schien mir an diesem Tag wirklich noch eine Spur attraktiver als ohnehin schon. Hatte sie sich etwa extra für mich hübsch gemacht?

 

Ohne Umwege führte ich sie in die Küche, wo ich die Zutaten und Backutensilien auf dem Tisch ausgebreitet hatte. »Ui, da ist aber jemand vorbereitet. Ich dachte, du hast das noch nie gemacht?« Sie wirkte ehrlich überrascht.

»Meine Mami hat mir ein paar wertvolle Tipps gegeben!«, erklärte ich augenzwinkernd.

Und so fingen wir an, den Teig zuzubereiten. Dabei erzählte Anna, dass sie extra 300 Kilometer von ihrem Heimatort weggezogen war, um an die Schauspielschule zu gehen.

»Eine zukünftige Schauspielerin«, resümierte ich. »Kannst du denn auch einen Orgasmus vorspielen?«

»Ich hoffe nicht, dass das nötig ist …« Sie schlug noch zwei Eier in die Schüssel und begann alles zu verrühren.

Während wir die Zutaten in einen Teig verwandelten, erfuhr ich einiges über sie. Dass sie in ihrem Heimatort für die Kirche eine Jugendgruppe geleitet hatte. »In den Sommerferien bin ich dann immer mit den Kindern ins Ferienlager gefahren. Da spielen sich Dramen ab, das kannst du mir glauben.«

Und natürlich erzählte sie mir von ihrem großen Traum, eine bekannte Schauspielerin zu werden. »Es wäre schon himmlisch, mich selbst eines Tages auf der Leinwand zu sehen – oder wenigstens im Fernsehen.«

Sie stellte auch eine Menge Fragen über mich, die ich ihr ausführlich und humorvoll beantwortete.

Der Teig war fertig. Wir gaben ihn in die Backform, und Anna verstaute sie fachmännisch im Ofen.

»Und wer darf jetzt die Schüssel ausschlecken?«, fragte ich.

»Da du dich bisher vor allem durch Passivität und vornehme Zurückhaltung ausgezeichnet hast, würde ich mal sagen, dass dieses Privileg mir vorbehalten bleibt«, forderte sie keck.

»Wenn das so ist«, überlegte ich, »gilt hier das Gesetz des Stärkeren.«

Ich griff mir die Schüssel. Natürlich ließ sie sich das nicht gefallen und packte ebenfalls zu. So kabbelten wir um die Schüssel. Als sie nicht lockerlassen wollte, griff ich hinein, nahm etwas Teig mit den Fingern auf und verteilte ihn in ihrem Gesicht.

»Ich kann nicht glauben, dass du das gemacht hast.« Aber ihr Grinsen verriet mir, dass sie mir nicht böse war. Blitzschnell griff sie ihrerseits in die Schüssel und verpasste mir einen ordentlichen Patscher auf die Wange.

»Schau uns nur an«, lachte ich und betrachtete ihr vollgeschmiertes Gesicht. »So sehen normalerweise zwei Siebenjährige aus, nachdem sie ihrer Oma in der Küche geholfen haben.«

»Wer hat denn damit angefangen?«, fragte Anna nur. »Ich habe mich lediglich verteidigt.« Zum Zeichen ihres Triumphs streckte sie ihr Kinn in die Höhe.

»Du bist natürlich völlig unschuldig«, lachte ich und näherte mich ihr langsam. Behutsam streifte ich ihr etwas Teig vom Kinn, leckte meinen Finger ab und sah ihr in die Augen.

»Mmh … lecker!«

Sie hielt meinem Augenkontakt stand. »Genau wie du!« Noch während ich die Worte sprach, nahm ich ihr Gesicht in die rechte Hand und zog sie sanft heran. Mit der linken Hand hob ich ihr Kinn leicht an und küsste sie.

Erst kurz und vorsichtig. Dann noch mal. Die Küsse wurden länger und wilder. Sie krallte ihre Hände in meine Haare. Schließlich packte ich sie, hob sie hoch und trug sie Richtung Schlafzimmer. Spielerisch protestierte sie und trommelte mit ihren Fäusten gegen meine Brust. Doch ihre strahlenden Augen verrieten sie.

Wie ein Bräutigam trug ich sie über die Türschwelle und setzte sie auf dem Bett ab. Es gab noch jede Menge Teig zu entfernen.

 

Mehr als eine Stunde später lag Anna erschöpft mit dem Kopf auf meiner Brust, und ich streichelte ihr übers Haar. Wir genossen die Ruhe nach dem Sturm. Doch plötzlich schreckte sie hoch und sah mich entsetzt an. »Scheiße! Der Kuchen!«

Halbnackt eilten wir in die Küche. Doch es war zu spät. Was wir schließlich aus dem Backofen holten, war ein verkohlter, stinkender Klumpen.

»Tja«, seufzte Anna, »wie es aussieht, müssen wir noch mal von vorne anfangen.«

»Nur zu gerne!«, sagte ich und gab ihr einen Klaps auf den Po.

 

Natürlich war das nicht das letzte Mal, dass Anna und ich uns trafen. Und ich spreche nicht von zufälligen Begegnungen im Treppenhaus. Unsere Affäre dauerte mehrere Wochen. Es war echt bequem, so nah beieinander zu wohnen. So war manches spontane Treffen möglich. Wir hatten jedes Mal eine tolle Zeit zusammen. Nur das Backen überließen wir lieber Menschen, die mehr davon verstanden. Oder die nicht ständig abgelenkt wurden. Unsere Liaison endete abrupt, als Anna sich in einen anderen verliebte und dessen Freundin wurde. Ich war ihr deswegen nicht böse. Man kann von keiner Frau verlangen, dass sie ewig auf einen wartet. Ich wollte mich nicht festlegen und musste die Konsequenzen tragen.

***

Sven nickt anerkennend, als meine Geschichte zu Ende ist. »Das muss ja himmlisch gewesen sein«, meint er, »du musstest ja nicht mal vor die Tür gehen, um Sex zu haben.«

»Das war wirklich vorteilhaft«, stimme ich zu.

Inzwischen sind einige weitere Gäste eingetroffen und unterhalten sich angeregt.

Langsam dürften auch meine Freunde auftauchen, denke ich mit Blick auf die Uhr, und wie auf Bestellung kommt Benno zur Tür herein, dicht gefolgt von Maxi. Es ist immer lustig, die beiden zusammen zu sehen, denn während Benno deutliches Übergewicht hat, kann man Maxi eher als Hungerhaken bezeichnen. Da Sven und ich in der Nähe des Buffets stehen, brauche ich die beiden nicht auf mich aufmerksam zu machen.

Benno kommt immer dorthin, wo das Essen ist. Ich kenne ihn lange genug, um das zu wissen. Schon seit der ersten Klasse verbindet Maxi, ihn und mich eine dicke Freundschaft.

Und tatsächlich, zielstrebig kommen die beiden auf uns zu. »Na, Jungs, wo habt ihr denn so lange gesteckt?«, frage ich sie zur Begrüßung.

»Benno hat an der PlayStation eine dicke Abreibung bekommen und wollte noch eine Revanche – die er aber auch verloren hat.« Maxi will ihm seinen Triumph richtig unter die Nase reiben, doch Benno hat jetzt ganz andere Sorgen. »Ist das Buffet schon eröffnet?«

»Sieht ganz so aus«, antworte ich, »nimm dir einfach was.«

»Gott sei Dank, ich bin am Verhungern.«

Das ist schwer zu glauben, wenn man sieht, wie sein Hemd über seinem dicken Bauch spannt.

»Ach, übrigens, schaut mal, wer hier neben mir steht«, lenke ich die Aufmerksamkeit auf unseren alten Schulfreund.

Maxi erkennt ihn als Erster. »Sven! Dich gibt’s auch noch?« Freundschaftlich klopft er ihm auf die Schulter.

»Sieht ganz so aus«, antwortet dieser.

»Tatsache«, staunt Benno und lässt für einen Moment von seinem Essen ab, »Sven Reimann, Mathe-LK bei Schubert.«

Hände werden geschüttelt und alte Erinnerungen ausgetauscht. Derweil tritt Maxi, der nicht nur mein Freund, sondern seit einiger Zeit auch mein Mitbewohner im Studentenwohnheim ist, neben mich.

»Und? Schon abgecheckt, ob ein paar gute Frauen da sind?«

»Ach, Maxi«, lache ich, »das ist wieder alles, was dich interessiert, was?«

»Ich frag ja nur«, hebt er abwehrend die Hände. »Ich mein, welche Frau möchte Silvester schon allein sein. Heute geht bestimmt was. Ein Kinderspiel.«

»Das kommt mir irgendwie bekannt vor«, sage ich. »Hast du nicht so was Ähnliches auch über Karneval gesagt?«

»Kann schon sein.« Er kratzt sich am Kopf. »Und Rosenmontag war ja wohl geil dieses Jahr, wenn man von ein paar Details absieht.«

Für den Bruchteil einer Sekunde steht Maxi wieder im Piratenkostüm vor mir.

Oh, ja, Rosenmontag. Diesen Tag werde ich bestimmt nie vergessen.

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Der Tag ohne Regeln

Für Karneval konnte ich mich noch nie richtig erwärmen. Menschen in lächerlichen Verkleidungen, Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit und unlustige Büttenreden, bei denen sich alles reimen muss und nach jeder sogenannten Pointe ein Tusch gespielt wird. Vermutlich würde niemand im Publikum darüber lachen, hätten nicht alle schon anderthalb Promille intus. Besonders peinlich finde ich, wenn Menschen an Karneval hemmungslos feiern, die die restliche Zeit des Jahres mit steinerner Miene durchs Leben gehen.

Das alles sind die Gründe dafür, warum ich das närrische Treiben alljährlich aus sicherer Distanz beobachte und froh bin, wenn ich einigermaßen davon verschont bleibe.

Da aber einer meiner besten Freunde stolzer Rheinländer ist, werde ich jedes Jahr aufs Neue mit dem Karneval konfrontiert.

Benno ist eine rheinische Frohnatur, wie sie im Buche steht. Er trinkt gerne und oft, liebt es, gut und viel zu essen, und hat immer einen lustigen Spruch auf Lager. Keine Frage, dass er die fünfte Jahreszeit alljährlich mit fast religiöser Gewissenhaftigkeit zelebriert. Da wird schon Wochen im Voraus geplant. Fester Bestandteil ist natürlich der Besuch des Rosenmontagszugs in Köln. Laut eigenen Angaben war Benno bisher in jedem Jahr seines Lebens dabei. »Sogar schon als Embryo im Bauch meiner Mutter!«, wie er nicht müde wurde zu betonen, wenn das zur Sprache kam.

Und jedes Jahr aus Neue versuchte Benno, mich zu überzeugen, doch einmal mitzukommen. »Wenn du erst einmal dabei warst und alles mit eigenen Augen gesehen hast«, so lautet sein Credo, »dann wirst du mich fortan auf Knien anflehen, dass du wieder mitkommen darfst.«

Und so kam es, wie es kommen musste: In einem schwachen Moment geistiger Umnachtung – Gerüchte besagen, dass da Alkohol im Spiel war – ließ ich mich tatsächlich dazu breitschlagen, ihn zu begleiten, beharrte aber darauf, mir nicht extra ein Kostüm zuzulegen.

»Kein Problem«, meinte Benno nur, »in meiner Familie hat sich im Lauf der Jahre ein beachtliches Repertoire angesammelt. Da wird nichts weggeschmissen.« Da würde schon etwas für mich dabei sein, sagte er mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen.

Als ich dann am Rosenmontag gegen acht Uhr morgens in Bennos Wohnzimmer stand, wusste ich, was es da zu lächeln gegeben hatte. Ich hatte die Wahl zwischen einem Kuhanzug und einem Donald-Duck-Kostüm.

Während ich überlegte, was das kleinere Übel war, klingelte es an der Tür.

Maxi wollte natürlich auch mitkommen und stand als Captain Jack Sparrow aus Fluch der Karibik im Zimmer. Er interessierte sich hauptsächlich der Frauen wegen für Karneval und hatte Benno schon einige Male begleitet.

»Da hat man leichtes Spiel«, versicherte er mir. »Die Frauen sind betrunken und zu jeder Schandtat bereit.« Die Vorfreude war seinen geschminkten Augen deutlich anzusehen, wobei es ein komisches Gefühl war, einen guten Freund plötzlich mit Eyeliner zu sehen. Das Kostüm passte jedenfalls ganz gut zu ihm. Er war eher klein und schmächtig, das rote Kopftuch und die darunter hervorlugende Dread-Locks-Perücke verliehen ihm einen Hauch Verwegenheit.

Er riet mir zum Kuh-Outfit, das aus einem schwarz-weiß getupften Ganzkörperoverall bestand und einen Gummieuter auf Hüfthöhe hatte. »Stell dich nur darauf ein, dass dir sämtliche betrunkenen Gören an die Zitzen fassen werden«, lachte Benno. »Ach, und die Männer natürlich auch.«

Der feine Herr ging als Joker aus The Dark Knight. Sein ansonsten rötliches Haar hatte er mit grünem Farbspray besprüht. Dazu trug er einen bunten Anzug und hatte sich diese typische Clownsfratze mit den vernarbten Mundwinkeln geschminkt.

»Warum habt ihr euch eigentlich beide geschminkt, Freunde?«, lachte ich, während ich mich anschickte, den Overall überzuziehen. »Ich glaube, wir müssen uns mal ernsthaft unterhalten!«

Doch nur Sekunden später waren es Maxi und Benno, die lachten.

Als ich mit dem ersten Bein in den Overall schlüpfte, war noch alles in Ordnung. Aber als ich das zweite Bein hineinsteckte und den Stoff hochzog, war ein lautes Ratschen zu vernehmen, als hätte jemand eine Seite aus einem Buch herausgerissen.

Das Kostüm war der Länge nach aufgerissen.

»Das macht die Entscheidung einfach«, grinste Benno und deutete auf das Donald-Duck-Kostüm, das fein säuberlich über einem Stuhl hing.

Der blaue Matrosenanzug passte perfekt. Dazu gehörten eine gleichfarbige Mütze, eine rote Fliege und ein orangefarbener Plastikschnabel, den man mittels Gummizug über die Nase spannen konnte. Man durfte dann nur nicht den Fehler machen, durch diesen Schnabel zu atmen. Das Ding stank übelst nach Plastik. Das eigentliche Highlight waren aber die Entenfüße. Orangefarbenen Stoffteile, die man über seine Schuhe schnallte. Sie erinnerten in ihrer Form an etwas zu klein geratene Taucherflossen, und ich ahnte bereits, dass die Dinger mich unheimlich nerven würden.

 

So kam es, dass an diesem Rosenmontag um kurz nach halb zehn ein verwegener Pirat, ein wahnsinniger Clown und Donald Duck Bennos Wohnung in einer ruhigen Seitenstraße verließen und sich auf den Weg zum nicht weit entfernten Hauptbahnhof machten.

Der Pirat hatte in der rechten Hand eine Alditüte, in der sich zwei große Colaflaschen mit selbst gemixtem Rum-Cola-Gemisch befanden. Auf die Frage, in welchem Verhältnis er gemischt habe, meinte er nur augenzwinkernd, dass es sich um eine »gute Mischung« handelte. Der Clown – die dickste Version des Jokers, die ich je gesehen hatte – trug einen Rucksack, der randvoll mit Bierdosen gefüllt war. Und es dauerte nicht lange, bis er die ersten herausholte.

Allein bei dem Gedanken, um diese Uhrzeit Bier zu trinken, wurde mir übel, und so lehnte ich dankend ab. Maxi schien damit weniger Probleme zu haben und nahm freudig an.

»Ist gut gegen die Kälte«, bemerkte er lächelnd. Ja, kalt war es. Wenigstens hatte ich durch meine Stoffflossen einigermaßen warme Füße.

Am Bahnhof trafen wir auf einige andere Kostümierte, was mir half, mich etwas wohler zu fühlen, auch wenn sich in mir der leichte Verdacht hegte, dass ich nicht gerade das angesagteste Kostüm des Jahres erwischt hatte. Wogegen ich allein auf dem Weg nach Köln noch zwei weitere Joker sah, von denen es allerdings keiner mit Bennos Leibesfülle aufnehmen konnte. Immerhin verhalf ihm das zu einem gewissen Alleinstellungsmerkmal.

Während der Fahrt erklärten mir die Jungs alles, was ich ihrer Meinung nach über Karneval wissen musste.