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„Erlebe“ dieses Buch selbst – von Anfang an. „Dieses Denk-Modell ist kein Modell. Es ist pures gefühltes Leben!“ „Eine völlig neue Richtung in der Lebenshilfe. Sowas hab´ ich noch nie erlebt!“ „Ein absolut brillantes und erstaunlich wasserdichtes Konzept für glückliche Beziehungen und Kontakte.“ „Das ist so neu, ich kann es einfach nicht einordnen. Besser: Ich kann es jetzt überall sehen. Es passt in jeden Bereich, wo Menschen zusammen sind.“ „Warum lag das so lange direkt vor unseren Augen – und wir haben es nicht gesehen?!!“ „Von äußerer Heimat zu innerer Heimat – und zurück.“ „Ein Buch für alle: Helferinnen, Unterstützer, Therapeutinnen, Mitarbeiter als auch für Führungspersonen, Lehrerinnen, Referenten, Politikerinnen, Familien, Sportgruppen uvm.“ „… man kann es nicht beschreiben – man muss es selbst gelesen haben …“ Vom Autor des langjährigen Bestsellers: „Ich stehe nicht mehr zur Verfügung – Wie Sie sich von belastenden Gefühlen befreien und Beziehungen völlig neu erleben“
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Gebrauchsanweisung für dieses Buch
IN ROLLEN DENKEN
Die allumfassende würdevolle Lösung
Die wundervolle „Weltformel“
Die eigene Rolle frei wählen
Das große Menschheits-Potenzial
Das neue Menschen-Paradigma
Auf welche Bestrebung fokussiere ich?
Die Rollen des NeuroSonanz-Modells
Würdevolle Zaubersätze
Energievolle Rollenwechsel
Resonanz zwischen Ziel und Umsetzung
DIE PRAKTISCHE ANWENDUNG
Alles über die "Mitfühlende Fürsorge-Rolle"
Alles über die "Liebevolle Führungsrolle"
Das Potenzial der „Resonierenden Empfindungen“
Wenn eine Rolle tief berührt
Welcher Zaubersatz für welche Rolle?
Die KERN-Übung: Ziele klar erkennen
Durch „Zielbezogene Wertungen“ zur würdevollen Menschheit
Das Bildungssystem in der würdevollen Gesellschaft
Die revolutionäre Umsetzungstechnik
Praktischer Konstruktivismus
Positive Denk- und Fühl-Alternativen
Räumliche Fühl-Inspiration
Sich gegenseitig Heimat geben
Wie geht es weiter?
Danke
Anhang
Ausbildung für Freie Systemische Aufstellungen
Empathisches NeuroSonanz-Coaching
Über den Autor
Veröffentlichungen von Olaf Jacobsen
Buchempfehlungen
Die in diesem Buch beschriebenen Methoden sollen und können ärztlichen Rat und medizinische Behandlung nicht ersetzen.
Die vorgestellten Informationen und Anleitungen sind sorgfältig recherchiert und wurden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Dennoch übernehmen Autor und Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Verwertung der Angaben in diesem Buch entstehen. Die Informationen in diesem Buch sind für die Leser:innen zur eigenen, persönlichen Weiterbildung gedacht.
Wie wird hier geschlechtergerecht formuliert?
Wird eine Bezeichnung in der Mehrzahl benötigt, dann wird der Gender-Doppelpunkt verwendet (Bsp.: Teilnehmer:innen). Bei Bezeichnungen in der Einzahl wird unregelmäßig zwischen weiblich und männlich abgewechselt.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar
© 6.1.2025 Olaf Jacobsen Verlag, Theodor-Rehbock-Str. 7, 76131 Karlsruhe, www.olaf-jacobsen-verlag.de, [email protected]
Aktueller Stand: 28.3.2025
Das Werk einschließlich all seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Die Inhalte dürfen ohne Einverständnis des Verlags nicht kopiert und nicht verteilt werden. Alle Rechte sind vorbehalten.
Cover-Foto: StockSnap, people-2587249, abgerufen von pixabay.com am 5.1.2025
Foto am Ende der Gebrauchsanweisung: Olaf Jacobsen (2023)
Foto Beginn Kapitel „Alles über die Liebevolle Führungsrolle“: orchestra-6312709, solmaiororquestra, abgerufen von pixabay.com am 11.1.2025
Gestaltung des Covers: Olaf Jacobsen
ISBN 978-3-936116-69-4
„Rot“ – Du kennst diesen Begriff „Rot“. Du weißt, was damit gemeint ist. Eine Farbe.
Nun schreibe ich dir das Folgende auf: Stell dir vor, du wachst morgens gut gelaunt sehr früh auf, streckst dich ausgiebig, springst energievoll aus dem Bett – voller Vorfreude auf den Tag, schaust aus dem Fenster, hörst die Vögel, siehst den genialen blauen Himmel und kannst am Horizont gerade wundervoll den ersten strahlenden Rand der aufgehenden Sonne in Rot entdecken. Wenn du jetzt diesen Begriff „Rot“ liest, fühlt es sich für dich garantiert anders an als in der ersten Zeile. Jetzt steht dieser Begriff in einem bestimmten Zusammenhang.
So baue ich dieses Buch auf. Ich achte darauf, dass ich dir bestimmte Zusammenhänge Schritt für Schritt, Abschnitt für Abschnitt zur Verfügung stelle, mit denen du dann dein Leben auf neue Weise mit einem neuen Hintergrundwissen in einem neuen Rahmen neu betrachten kannst.
Mein Tipp, wie du dieses Buch lesen kannst, ist daher ganz einfach: Lies es Schritt für Schritt von vorne durch. Einen Abschnitt nach dem anderen. Lass dir dabei immer Zeit, damit sich alles in dir allmählich an die neuen Sichtweisen gewöhnen und sie integrieren kann. Natürlich kann es auch dazugehören, einen Abschnitt mehrfach zu lesen, bevor du weitergehst.
Solltest du die Neugierde haben, im Buch zu blättern und quer zu lesen, dann gehört auch das dazu. Allerdings kann es vorkommen, dass du weiter hinten zwar das Geschriebene verstehst („Rot“), du aber nicht merkst, dass dir für ein tieferes Verständnis der dort verwendeten Begriffe und Beschreibungen die vorigen Schritte und die Zusammenhänge und Hintergrundsichtweisen im Buch fehlen.
Liest du das Buch stattdessen der Reihe nach, dann stehen dir viel mehr innere Verknüpfungen zur Verfügung, die beim Lesen aktiviert und erinnert und trainiert werden.
Du hast die Wahl.
Folge gerne deinem Bauchgefühl und lass dich von deinem Gefühl führen. Lies so, wie du lesen möchtest. Mein eigenes Bauchgefühl führt mich immer noch am stimmigsten – stimmiger als jeglicher Tipp von außen. Vielleicht kennst du das auch von dir.
Ich wünsche dir beim Lesen für dein Leben viele neue, erfrischende und faszinierende Aha-Erlebnisse.
Dein Olaf
Karlsruhe, im März 2025
Erinnerst du dich an meine Aussage, dass du immer frei in deiner Entscheidung bist, welche Rolle du einnimmst? Ich habe geschrieben: Deine eigene subjektive Rollenverteilung hängt davon ab, auf welches Ziel du deine Aufmerksamkeit lenkst. Wir haben das bei dem Beispiel mit Ben, dem Taxi-Fahrer, und Finn, dem Fahrgast, gesehen.
Konzentrierst du dich auf dein eigenes Ziel, dann bist du in der Liebevollen Führungsrolle mit einem natürlichen Klarheitsgefühl, weil du am besten über dich Bescheid weißt.
Konzentrierst du dich auf das Ziel eines anderen Menschen, dann bist du in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle mit einem natürlichen Unsicherheitsgefühl, durch das du den anderen als „Besserwisser“ über sich selbst würdigst.
Umgekehrt gilt auch:
Fühlst du dich unsicher, dann kannst du dieses natürliche Gefühl als Zeichen dafür nehmen, dass du in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle bist. Du konzentrierst dich gerade auf das Ziel (die Bestrebung) eines anderen Menschen.
Fühlst du dich klar, dann bist du in der Liebevollen Führungsrolle und konzentrierst dich gerade auf dein eigenes Ziel (deine eigene Bestrebung).
Vielleicht wirst du jetzt sagen:
„Moment mal. Ich könnte doch auf ein eigenes Ziel konzentriert sein, mir dabei aber unsicher sein, wie ich dieses Ziel erreichen soll.“
Wenn du so denkst, dann verwechselst du etwas. Um das zu erklären, wird es jetzt auf ein paar Seiten etwas komplexer.
Ich beginne mit der einfachen Beschreibung folgender drei Begriffe:
„Unwissend“ sind wir, wenn wir etwas nichtwissen.
„Vorsichtig“ sind wir, wenn wir nicht wissen, ob wir auf einem bestimmten Weg zu einem Ziel eine Verletzung riskieren, und wenn wir gleichzeitig versuchen, das vorauszusehen (vor-sehen, Vor-Sicht).
„Unsicher“ sind wir, wenn wir keine Sicherheit fühlen.
Wir können eine gewisse Kontrolle über uns selbst haben und dadurch ein Sicherheitsgefühl herstellen. Wir können aber keine Kontrolle über einen anderen Menschen haben. Wir können nicht kontrollieren, wie ein anderer Mensch innerlich oder äußerlich reagiert. Deswegen haben wir niemals eine „Sicherheit“ über einen anderen Menschen. Wir fühlen uns bezogen auf andere Menschen und deren Bestrebungen immer unsicher.
Bezogen auf uns selbst können wir immer ein Gefühl von Sicherheit herstellen, wenn wir es wollen. Wir können uns sicher sein, dass wir etwas „nicht wissen“. Wir können uns besonders „vorsichtig“ verhalten, so dass wir uns dabei immer sicher fühlen und das Gefühl von Kontrolle behalten. Verlieren wir mal die Kontrolle, dann haben wir immer noch die Möglichkeit zu sagen, dass wir uns gerade ganz sicher sind, dass wir die Kontrolle verloren haben.
Wir können uns ganzsicher unwissend fühlen. Wir können uns ganzsicher vorsichtig fühlen. Beides geht gleichzeitig.
Wir können uns aber nicht sicher unsicher fühlen.
Warum? Schauen wir uns diese Aussage genauer an:
„Ich bin mir sicher, dass ich mich unsicher fühle.“
Du wirst während der ersten Hälfte des Satzes eine Sicherheit fühlen – und während der zweiten Hälfte des Satzes fühlst du dich unsicher. Wenn das nicht so wäre, würde deine Aussage nicht stimmen. Hier geht also nur „entweder – oder“. Entweder hast du deine Aufmerksamkeit auf deine Sicherheit oder auf deine Unsicherheit gelenkt. In der ersten Hälfte des Satzes ist deine Aufmerksamkeit auf deine Sicherheit gelenkt und du fühlst dich sicher. In der zweiten Hälfte des Satzes ist deine Aufmerksamkeit auf deine Unsicherheit gelenkt und du fühlst dich unsicher.
Schauen wir uns wieder deinen Einwand an:
„Moment mal. Ich könnte doch auf ein eigenes Ziel konzentriert sein, mir dabei aber unsicher sein, wie ich dieses Ziel erreichen soll.“
Auch darauf kannst du reagieren mit:
„Darüber, dass ich mir unsicher bin, wie ich dieses Ziel erreichen soll, bin ich mir vollkommen sicher.“
Diese Reaktion ist faszinierend: Am Anfang dieses Satzes warst du auf deine Unsicherheit fokussiert. Am Ende des Satzes bist du in eine Sicherheit gewechselt. Du bist also in der Lage, auf dich selbst bezogen in jeder Sekunde wieder eine neue Sicherheit herzustellen – sogar innerhalb eines Satzes!
Das funktioniert aber nicht, wenn du dich auf andere Menschen beziehst, auf ihre Bestrebungen und Wertungen und Reaktionsmöglichkeiten. Aufgrund unserer unterschiedlichen Gehirne und Perspektiven und Lebenswege kannst du dir niemals sicher sein, welches Ziel ein anderer Mensch jetzt gerade hat, wonach er strebt, wie er etwas bewertet und wie er auf etwas reagieren wird. Diese Unsicherheit ist permanent vorhanden – und genau diese Unsicherheit stufe ich als ein vollkommen normales Phänomen ein, das du immer fühlen wirst, wenn du dich auf die Bestrebungen anderer Menschen konzentrierst.
Überprüfen wir das kurz. Angenommen du sagst:
„Ich bin mir unsicher darüber, wie der andere Mensch denkt. Dass ich in diesem Punkt unsicher bin, dessen bin ich mir total sicher.“
Im ersten Satz dieser Aussage bist du unsicher, weil dein Fokus dabei auf einen anderen Menschen gerichtet ist. Hier bist du in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle – mit dem dazugehörigen natürlichen Unsicherheitsgefühl.
Im zweiten Satz redest du aber über deine eigene Unsicherheit, nicht mehr über den anderen Menschen. Hier kannst du wieder innerhalb eines Satzes eine Sicherheit herstellen, weil dein Fokus dabei wieder auf dich selbst gelenkt ist. Hier bist du in der Liebevollen Führungsrolle. Im zweiten Satz hast du also einen schnellen Rollenwechsel durchgeführt. Zuerst warst du in der (unsicheren) Mitfühlenden Fürsorge-Rolle – dann in der (klaren) Liebevollen Führungsrolle. Durch solche klaren und schnellen Fokus-Wechsel kannst du deine Rollen innerhalb kürzester Zeit frei wechseln.
Wenn du es also nicht schaffst, ein Unsicherheitsgefühl in dir wieder in ein Sicherheitsgefühl zu verwandeln, dann liegt das daran, dass du dich gerade bewusst oder unbewusst auf andere Menschen konzentrierst und aktuell an diesem Fokus auf andere Menschen festhältst. Aus irgendeinem Grund steckst du in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle fest.
Wenn du sagst, dass du „dir unsicher bist, wie du dein Ziel erreichen sollst“, dann lade ich dich dazu ein, in so einer Situation deine innere Fokussierung einmal ganz genau zu beobachten und zu analysieren. Denn wenn du so einen Einwand bringst, hast du höchstwahrscheinlich die zwei Rollen „Liebevolle Führungsrolle“ und „Mitfühlende Fürsorge-Rolle“ miteinander vermischt.
Ich vermute: Bist du dir unsicher, wie du dein Ziel erreichen „sollst“, dann bist du dir in Wirklichkeit unsicher darüber, wie andere Menschen es wollen, wie du dein Ziel erreichst, oder wie andere Menschen darauf reagieren, wenn du dein Ziel erreichst, oder du bist dir unsicher, wie andere Menschen dir empfehlen würden, dieses Ziel zu erreichen. Du schaust (unbewusst?) auf andere …
Du sagst nicht: „Ich bin mir sicher, dass ich nicht weiß, wie ich mein Ziel erreichen kann.“
Nach dieser ausführlichen Erläuterung wiederhole ich mein Angebot von vorhin noch einmal:
Fühlst du dich unsicher, dann kannst du dieses natürliche Gefühl als Zeichen dafür nehmen, dass du in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle bist. Du konzentrierst dich gerade auf das Ziel (die Bestrebung) eines anderen Menschen.
Fühlst du dich klar, dann bist du in der Liebevollen Führungsrolle und konzentrierst dich gerade auf dein eigenes Ziel (deine eigene Bestrebung).
Mir selbst geht es im gelösten Zustand so: Habe ich ein eigenes Ziel (z. B. einen Wunsch nach einem Heimatgefühl) und weiß momentan nicht, wie ich es erreichen kann, dann experimentiere ich einfach. Ich suche gezielt nach Möglichkeiten. Ich forsche aktiv – wie ein wissenschaftlicher Forscher. Und das mache ich alles mit einem „klaren“ Gefühl. Denn ich kenne ja mein Ziel und spüre und erfahre während meiner Suche und meiner Experimente, was mich meinem Ziel näherbringt und was nicht. Vielleicht bin ich beim Forschen vorsichtig, aber nicht unsicher.
Finde ich nicht allein heraus, was mich weiterbringt, dann entscheide ich mich „klar“ dafür, andere Menschen um Unterstützung zu bitten, und gebe ihnen „klare“ Anweisungen, wie sie mir helfen sollen. Ich kann sogar die klare Anweisung geben: „Ich weiß gerade nicht, wie du mir genau helfen kannst. Probiere bitte einfach etwas aus oder folge deinen Erfahrungen und ich schaue, ob ich dadurch meinem Ziel näherkomme.“ Ich habe dabei zwar noch keine eigenen Ideen oder Impulse, habe dadurch aber auch in keiner Sekunde ein „Unsicherheitsgefühl“. Denn ich bin ja der Chef meines Ziels – auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich es optimal erreichen kann. Ich bin der einzige, der weiß und bewerten kann, wann ich mein Ziel erreicht habe. Niemand anderes kann mir sagen, wann ich wirklich zufrieden bin und „Heimat“ fühle. Das kann nur ich fühlen.
Fühle ich mich aber richtig unsicher, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder mir wird bewusst, dass ich irgendwie Angst davor habe, von anderen Menschen negativ bewertet zu werden. Oder ich denke – mich innerlich anpassend:
„Diese anderen Menschen wissen es bestimmt besser, wie ich mein Ziel erreichen könnte.“
Ich schaue also verstärkt auf die Ziele und die damit verknüpften Wertungen anderer. Diesen Menschen habe ich mich innerlich untergeordnet. Ich habe ihnen den Chefsessel überlassen. Die Ziele und Wertungen anderer Menschen stehen im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit – nicht mehr meine eigenen Ziele. Dadurch habe ich unabsichtlich und unbewusst die Rolle gewechselt. Ich kümmere mich mit meiner Aufmerksamkeit um die anderen und befinde mich damit in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle. Dementsprechend spüre ich das dazugehörige natürliche Unsicherheitsgefühl, denn ich kann niemals genau wissen, wie es die anderen machen würden, wie genau die Ziele und Wertungen der anderen sind, und bin deswegen auf natürliche Weise unsicher.
Aktuell habe ich seit ein paar Tagen ab und zu ein leichtes Ziehen oder einen leicht schmerzlichen Druck im rechten Unterbauch – nur für wenige Momente, aber immer mal wieder. Mir wurde bewusst, wie ich mich dabei sofort unsicher fühlte, Stress hatte, an meine Hausärztin gedacht habe, mir vorgestellt habe, im Krankenhaus Kontakt zu Ärzten zu haben und operiert werden zu müssen. Mir wurde klar: Ich konzentriere mich bei körperlichen Unstimmigkeiten immer wieder sofort ängstlich auf die Bewertungen und Ziele von Ärztinnen und nehme dadurch automatisch die „Mitfühlende Fürsorge-Rolle“ ein, an die ich unabsichtlich ein Stress-Gefühl geknüpft habe.
Nachdem mir das bewusst geworden war, habe ich meine Haltung geändert und mir gesagt: „Moment, das ist ganz allein eine Sache zwischen meinem Körper, dem Universum und mir. Das, was ich gerade erlebe, ist mein ganz persönlicher Weg. Es sind meine eigenen bewussten und unbewussten Bestrebungen in mir als auch universelle Bestrebungen, die zu diesem Schicksal führen. Meine Frage an mich selbst ist jetzt, wann und wie ich die Ärzt:innen selbst nutzen möchte, wie ich sie als Unterstützung für meinen eigenen Weg einsetzen möchte. Wie WILL ICH es?“
Durch diese Haltung, durch das Lenken meiner Aufmerksamkeit auf mein eigenes Ziel, auf meinen eigenen Willen, sind meine Unsicherheit und mein Stressgefühl sofort komplett verschwunden. Ich fühlte Klarheit und spürte genau in mich hinein, ob und wann ich mit der Sache zur Ärztin gehen möchte.
Das „Universum“ (oder der „Zufall“) öffnete einen Weg: Weil Jacqueline gerade ein neues Rezept für ihre Physiotherapie brauchte und wir im neuen Quartal unsere Gesundheitskarten in der Praxis neu einlesen lassen mussten, musste ich zur Praxis fahren. Das war eine Gelegenheit, gleichzeitig einen Termin bei unserer Hausärztin zu machen und mit ihr erst einmal zwanglos über meine Beobachtung meiner Druckgefühle im rechten Unterbauch zu reden. Mal schauen, was sie so dazu sagt. Tatsächlich konnte sie mir ein Wissen anbieten, das mir auf meinem Weg weitergeholfen hat: eine mögliche leichte Verengung des Übergangs zwischen Dünn- und Dickdarm. Auf jeden Fall nichts Lebensbedrohliches. Eine anschließende Sonographie brachte mir noch mehr Klarheit und bestätigte, dass es nichts Lebensbedrohliches ist.
In einer früheren Phase meines Lebens habe ich beobachtet, dass ich mich unsicher fühle, wenn ich mir wünsche, andere Menschen glücklich zu machen oder ihnen zu gefallen (denn wenn ich ihnen gefalle, reagieren sie angenehm auf mich). Ich wollte, dass sie meine Person oder etwas, was ich tue, positiv bewerten und sich dadurch positiv, aufgeschlossen und angenehm verhalten. Denn so ein Verhalten mir gegenüber fühlt sich für mich immer gut an. Ich hatte die Absicht, das Verhalten anderer Menschen positiv zu beeinflussen. Ich wusste nur nicht, wie das gehen kann. Ich schaute also ebenso verstärkt auf die Ziele und Wertungen anderer und gab mir dadurch unbewusst die Mitfühlende Fürsorge-Rolle mit der logischen Folge, mich dauerhaft unsicher zu fühlen. Ausnahme: Mein Gegenüber sagt mir klar, was ich tun kann, damit ich ihr oder ihm gefalle, denn dadurch bekäme ich eine Sicherheit … Die wäre aber bald wieder verflogen und es käme erneut eine Unsicherheit, weil ich ja nicht weiß, ob diese Situation auch dauerhaft hält. Denn es könnte ja sein, dass mein Gegenüber irgendwann einmal seine Meinung ändert …
Häufig wird empfohlen, es solle einem „egal“ sein, wie andere Menschen über einen denken. Im Grunde ist diese Empfehlung nichts anderes als der Wechsel von der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle, in der man auf die Ziele der anderen Menschen schaut, hin zur Liebevollen Führungsrolle, in der man auf seine eigenen Ziele schaut und überlegt, wie man andere Menschen als Unterstützung für die eigenen Ziele einsetzen möchte (falls sie mitmachen). Sobald man sich wieder fragt, wie die anderen Menschen denken und werten, ist man wieder in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle und fühlt sich wieder auf natürliche Weise unsicher und wartet unbewusst auf Anweisungen von außen.
Wird uns bewusst, dass die Mitfühlende Fürsorge-Rolle nur Sinn macht, wenn uns ein anderer Mensch konkret um Unterstützung oder Hilfe für sein Ziel bittet, dann können wir uns leichter auf uns selbst konzentrieren. Wir nehmen nur die Mitfühlende Fürsorge-Rolle gegenüber einem anderen Menschen ein, wenn dieser Mensch das auch wirklich ausdrücklich will. Solange uns ein anderer Mensch nicht klar für seine Ziele beauftragt und uns keine Anweisungen gibt, bleiben wir in der Liebevollen Führungsrolle – klar konzentriert auf unsere eigenen Ziele.
Will ich als Autor einen „Bestseller“ schreiben, dann blockiere ich damit meine Ideen beim Schreiben. Warum? Ich bin mit diesem Ziel auf die potenziellen Leser:innen fokussiert und befinde mich dadurch in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle, in der ich meine eigenen Ziele (mein Potenzial) zurückstelle. Obwohl gerade niemand da ist! Ich sitze alleine vor dem Computer und frage mich, wie möglichst viele andere Menschen es toll fänden. Das ist noch schlimmer! Denn niemand gibt mir Anweisungen, was ich jetzt schreiben soll, damit er mein Buch kauft. Niemand beschreibt mir jetzt gerade seinen Wunsch, was für ein Buch er will. Niemand gibt mir ein Feedback, was ich bezogen auf seinen Wunsch falsch mache und wie es richtig wäre. Ich fühle mit diesem Ziel, einen Bestseller zu schreiben, also ein Unsicherheitsgefühl – ohne dass jemand da ist. Ich befinde mich in der Mitfühlenden Fürsorge-Rolle, ohne dass eine Person anwesend ist, mit der ich mitfühlen kann, und ohne Auftrag. Das verstärkt meine Unsicherheit sogar noch wesentlich. (Ich habe früher erlebt, dass Verleger oder Lektorinnen ihre eigene natürliche Unsicherheit gefüllt haben, indem sie scheinbar „wussten“, was Leser:innen wollten, und mir das überzeugt mitgeteilt haben …)
Will ich aber meine Erkenntnisse, Gefühle und Sichtweisen so ausformulieren, dass ich es selbst als besonders „stimmig“ und „schlüssig“ empfinde, dann bin ich in der Liebevollen Führungsrolle, fühle und führe mich selbst und empfinde dabei Klarheit (deswegen verlege ich meine Bücher im Selbstverlag). Dadurch kann ich jetzt bereits beim Schreiben über jedes Stimmigkeitsgefühl in mir Begeisterung erleben. Ich lese mein Geschriebenes, fühle, wie stimmig es für mich selbst ist, bin begeistert und lasse auch weiterhin euphorisch meine Finger über die Tasten fliegen. Lebensfreude pur beim kreativen Erschaffen.
Beobachte einmal: Kannst du diesen Unterschied in dir auch entdecken, wie ich es eben von mir beschrieben habe? Ich kenne dich ja nicht (ich bin unsicher dir und deinen Wünschen gegenüber) und weiß nicht, ob es dir auch so ergeht.
Nutze beim Zieleverfolgen dein Unsicherheitsgefühl, um genau in dir selbst zu beobachten: „Bin ich wirklich nur auf mich und mein eigenes Ziel konzentriert? Bin ich bei meinem Ziel wirklich in der Chef:in-Rolle? Oder schaue ich innerlich irgendwie auch auf andere Menschen, wie sie wohl über meine Situation denken, was sie mir empfehlen oder wie sie mich bewerten würden, wenn sie z. B. mitbekommen, dass ich nicht weiß, wie ich mein Ziel erreichen kann?“
Ich weiß, dass diese Rollensichtweise ein völlig neues Denken und Fühlen ist, was ich dir gerade anbiete. Obwohl es alles eigentlich vollkommen „selbstverständlich“ ist, was ich beschreibe. Ich weiß selbst, dass es nicht leicht ist, das sofort umzusetzen und überall auf den Alltag zu übertragen. Ich glaube, das liegt daran, dass wir gemeinsam in einer großen „Menschheits-Falle“ feststecken. Und wenn wir diese Falle bewusst erkennen können, dann sind wir auch in der Lage, diese Falle zu verlassen. Haben wir die Falle verlassen, dann haben wir plötzlich den vollen Zugang zu unserem gesamten Potenzial, zu unserem großen Menschheits-Potenzial, mit dem wir uns endlich gegenseitig Heimat geben können. Deswegen habe ich die Hypothese, dass wir uns alle innerhalb kürzester Zeit ändern können – durch einfache bewusste Rollenwechsel. Es wird eine neue Gesellschaft entstehen können (die es in Ansätzen schon gibt). Deshalb schreibe ich dieses Buch.
In diesem Abschnitt beschreibe ich nun genau diese Falle, von der ich eben gesprochen habe, – und ich beschreibe das damit zusammenhängende Potenzial, das frei wird, wenn wir diese Falle erkannt haben und mit ihr umgehen können.
Was ich bisher erläutert habe, ist ziemlich neu. Zumindest werden in unserer aktuellen Gesellschaft diese beiden Rollen nicht auf das gesamte Leben und die gesamte Menschheit übertragen. Eigentlich sind wir alle ein ganz anderes Denken und Fühlen gewohnt. Wir sind in unserer Kindheit in einer Welt aufgewachsen, in der die Erwachsenen gegenüber uns Kindern „besser wussten“, wie das Leben abläuft. Sie haben uns gesagt und gezeigt, wie etwas geht, wie es richtig und wie es falsch ist. Sie waren in der Liebevollen (?) Führungsrolle, haben eigene Ziele vor Augen gehabt, hatten eigene Vorstellungen, haben uns Anweisungen gegeben, Korrekturen ausgesprochen – und wir standen in der Mitfühlenden (!) Fürsorge-Rolle für die Vorstellungen und Ziele der Erwachsenen zur Verfügung. Wir haben uns angepasst und uns auf natürliche (!) Weise unsicher gefühlt. Denn wir konnten ja aufgrund der unterschiedlichen Gehirne und Perspektiven niemals genau wissen, welche Ziele die Erwachsenen vor Augen hatten. Wir konnten „nicht sicher“ voraussehen, ob das, was wir tun, die Erwachsenen zufrieden oder unzufrieden macht, glücklich oder unglücklich. Außerdem konnten wir aufgrund unseres Mitfühlens gut spüren, ob die Erklärungen, Anweisungen und Korrekturen der Eltern liebevoll und geduldig oder mit einem Stress, einer Strenge oder einem Druck verknüpft waren.
Im schlimmsten Fall sind wir in unserer Kindheit in eine schwerwiegende Falle geraten, in der wir noch heute stecken: Wir haben immer wieder Erwachsene erleben müssen, die uns nicht liebevoll geführt haben, sondern wiederholt streng, hart, verzweifelt, kritisch oder ungeduldig waren. Oder sie haben sich auf eine andere Weise verschlossen verhalten, so dass es uns als Kind wehgetan hat, weil uns die nötige Verbundenheit verloren ging und sich damit unser Heimatgefühl mit Stress und Schmerz verknüpft hat. Vielleicht wurden die Erwachsenen ärgerlich oder sogar ohnmächtig wütend, weil wir bei ihren Zielen nicht so mitgemacht haben, wie sie es sich gewünscht haben. Es gibt (leider) viele Kinder, die in solchen Momenten von den Erwachsenen schmerzlich bestraft wurden oder immer noch werden – körperlich oder durch Missachtung oder durch emotionale Distanz oder durch Abwertungen oder durch Anschreien.
Unsere natürliche Reaktion auf etwas Schmerzvolles ist, uns selbst schützen zu wollen. Wir tun alles, damit sich dieser Schmerz nicht wiederholt. Weil uns der Schmerz „von außen“ zugefügt wurde, entwickeln wir das Schutzmuster, verstärkt dieses Außen zu beobachten und zu versuchen, Schmerzhaftes zu verhindern. Wir haben Angst vor Schmerz. Unser Schutzmuster ist, verstärkt das strenge oder schmerzliche Verhalten der Erwachsenen vorauszuberechnen. Wir wollen uns so verhalten, dass die Erwachsenen möglichst nicht streng und schmerzlich handeln, oder wir wollen rechtzeitig weglaufen können. Dieser Selbstschutz erfordert ein intensives Beobachtenanderer Menschen. Wir haben uns also darin trainiert und uns das Verhaltensmuster angewöhnt, vorsichtig oder ängstlich auf die Ziele und Wertungen anderer Menschen zu schauen, um uns selbst zu beschützen. Das ist eine „emotionale Falle“, in die wir unbewusst geraten sind. Denn in welcher Rolle stecken wir seitdem fest?
Weil wir aus Vorsicht oder Angst verstärkt unsere innere Aufmerksamkeit auf die Vorstellungen und Ziele anderer Menschen konzentrieren, geben wir uns dadurch unbewusst die Mitfühlenden Fürsorge-Rolle. Die Mitfühlende Fürsorge-Rolle hat aber als Konsequenz ein natürliches Unsicherheitsgefühl. Wir schauen also vorsichtig oder ängstlich auf die Ziele und Wertungen anderer und fühlen uns dabei unsicher
