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Ulrike ist eine moderne junge Frau, die auch ohne Mann ganz gut klarkommt. Aber auch moderne junge Frauen haben ihre Träume, und so bucht Ulrike spontan einen Wochenend-Trip in die Ewige Stadt.
Rom im Frühling ist wundervoll! Am Tiber blühen die Mandelbäume, in den Gärten der Borghese duftet es nach Blumen, und die Männer, die auf der Via Veneto entlangschlendern, wecken Sehnsüchte.
Ulrike ist selig, und weil die Luft vibriert vor Frühling und Verlangen, kauft sie in einer viel zu teuren Boutique ein Kleid, in dem sie sich wie eine Prinzessin fühlt - und ein ganz kleines bisschen hofft, ihrem Prinzen zu begegnen.
Eine Nacht bleibt Ulrike noch. Eine Nacht, in der sie ihrem persönlichen Signore Bellissimo begegnen könnte. Werden sich ihre geheimsten Wünsche erfüllen?
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Seitenzahl: 104
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Drei Tage Rom ... und eine Nacht
Vorschau
Impressum
Drei Tage Rom ... und eine Nacht
Über die blühende Kraft der Liebe und einen Signore Bellissimo
Von Laura Hanson
Ulrike ist eine moderne junge Frau, die auch ohne Mann ganz gut klarkommt. Aber auch moderne junge Frauen haben ihre Träume, und so bucht Ulrike spontan einen Wochenend-Trip in die Ewige Stadt.
Rom im Frühling ist wundervoll! Am Tiber blühen die Mandelbäume, in den Gärten der Borghese duftet es nach Blumen, und die Männer, die auf der Via Veneto entlangschlendern, wecken Sehnsüchte.
Ulrike ist selig, und weil die Luft vibriert vor Frühling und Verlangen, kauft sie in einer viel zu teuren Boutique ein Kleid, in dem sie sich wie eine Prinzessin fühlt – und ein kleines bisschen hofft, ihrem Prinzen zu begegnen.
Eine Nacht bleibt Ulrike noch. Eine Nacht, in der sie ihrem persönlichen Signore Bellissimo begegnen könnte. Werden sich ihre geheimsten Wünsche erfüllen?
Schon von außen sah das neue Steh-Restaurant anders als andere aus. Mitten im stadtnahen Altbauviertel des Hamburger Umlands lag es, in einer schmalen, gemütlichen Schlenderstraße, umgeben von Trödlern und Tante-Emma-Läden, einem Bildhauer-Atelier im Hinterhof, einer Goldschmiede-Werkstatt und der altmodischen Schuhmacherei.
»Quincy« stand in pinkfarbenen Leuchtbuchstaben am Kellereingang, und wer »Quincy« war, fragte niemand, denn natürlich hieß das zwei Meter große, rabenschwarze, mit Speckrollen übersäte Riesenschwein so, das im Schaufenster lag. »Quincy« schlief immer, weil sein Erfinder und Schöpfer, der unbekannte Bildhauer aus dem Hinterhof, sich noch nicht zutraute, Schweinsaugen zu formen und täuschend echt zu bemalen.
»Die Sau bringt uns Glück!«
Das hatten die drei Mutigen sofort gewusst, als sie »Quincy« ganz zufällig während ihrer Suche nach einem geeigneten Kellerraum für ihr geplantes »Edel-Imbiss/Steh-Restaurant« entdeckten. Nach verzückten Blicken auf das schwarze Borstenvieh und der Feilscherei mit seinem »Vater« hatte Ulrike den romantischen Hinterhof abgesucht, verschmutzte Kellerfenster registriert und gefragt: »He, Meister, sind die Räume etwa leer?«
Eine halbe Stunde später hatten sie Hausbesitzer Ohlsen rausgeklingelt, der nun nicht länger den Tag verfluchte, an dem ihm sein Onkel das schäbige, alte Haus vermacht hatte, denn nun kassierte er ja bald Miete für ein dreckiges Loch, in dem sich bisher nur streunende Katzen eingefunden hatten, um dort ihre Babys zu bekommen.
»Dreihundert Euro im Monat«, hatte er verlangt. »Souterrains in dieser Lage sind nun einmal begehrte Objekte ...«
Und die Kesseste der drei Mutigen, Ulrike, hatte ihn mit grünen Nixenaugen angeblitzt, ihre blonde Mähne in den Nacken geworfen, die wunderschönen Lippen verächtlich geschürzt und gesagt: »Sie gottverdammter Halsabschneider! Aber dafür, dass wir Ihren Karnickelstall auf Vordermann bringen, verlangen wir mindestens einen Mietvertrag über zwanzig Jahre.«
Ohlsen mochte keine Frauen, die fluchten, schon gar keine, die sich erdreisteten, Männern Widerworte zu geben, noch weniger, falls das überhaupt möglich war, solche, die ihre schmalen Hände kampfeslustig in die Hüften stemmten. Er stimmte zu, nur um sie los zu sein.
Ja, die Sau hatte ihnen tatsächlich Glück gebracht! Drei Monate lang schufteten Ulrike, genannt Uli, und ihre Freunde Nele und Joschi nun schon beinahe Tag und Nacht, stemmten morsche Böden auf, legten Leitungen frei, stritten sich über Fliesen und Wandverkleidungen, bekamen halbe Nervenzusammenbrüche, schworen, sich für ein Leben lang zu trennen ... und wurden doch fertig.
Zur Eröffnung des »Quincy« in der letzten Woche hatten sie nachts Handzettel in Briefkästen geworfen und in Kneipen verteilt. »Jetzt lassen wir die Sau raus!«, stand darauf, und das gefiel den Anwohnern wohl, denn sie kamen in Scharen. Omis und Opis, Hausfrauen und Geschäftsleute, Kinder und Halbwüchsige stürzten sich auf Scampi in Knoblauch und Pizza-Vierecke.
Joschi, ein Dreißigjähriger mit abgebrochenem Jurastudium, dezent langmähnig und heimlich in Uli verliebt, mixte an der stromlinienförmigen, kleinen Bartheke grün-lila Drinks, die selbst den stärksten Mann umhauen mussten. Nele, zweiunddreißig, geschieden und gerade in ihrer »Nie-wieder!«-Phase, kochte in der offenen Küche, und Uli, sechsundzwanzig Jahre, servierte.
»Mann, das ist echt super!«, lobte ein Knirps von etwa acht Jahren. »Kann ich morgen auch ohne Geld was kriegen? Weil ... meine Mutter ist doch mittags noch im Büro, und Kohldampf hab ich immer.«
Vielleicht war es unüblich, am Eröffnungstag großmütige Versprechungen zu machen. Die drei Mutigen waren knapp bei Kasse, die Ersparnisse längst aufgebraucht, die Konten gewaltig überzogen. Und außerdem waren sie ja nicht die Heilsarmee. Andererseits ...
Ulrike schaute sich den Knirps genauer an und entschied, dass er süß und frech zugleich aussah.
»Okay«, sagte sie burschikos, »du kannst kommen.«
Eine nicht ganz schmuddelige Hand streckte sich ihr vertrauensvoll entgegen.
»Ich heiße Ben«, stellte sich der Kleine vor. »Wir werden prima miteinander klarkommen.«
Irgendwie hatten andere Gäste das mitbekommen. Die alte Frau dort drüben, zum Beispiel. Sie fuhr sich über die Augen und meinte: »Da drüben, ganz oben, da wohne ich. Und hier hat mein Frieder früher seine Wäscherei betrieben. Wenn ich es mir leisten könnte, ich käme auch jeden Tag.«
Oma Hansen hieß sie, und sie sah so rund und gütig, eben richtig zum Knuddeln aus, dass Ulrike ... Nun ja, es war doch Eröffnung!
»Du hättest zur Caritas gehen sollen, Uli«, kritisierte Nele. Und fügte dann noch hinzu: »Kein Wunder, dass die Männer dich alle ausnutzen!«
Letzteres auszusprechen war gemein. Ulrike hatte ein großes Herz, richtig, und eine Kämpfernatur wie sie zog nun einmal Menschen an, die schwächer waren und sich nicht wehren mochten gegen die Unbill des Lebens.
»Denk an Rainer. Und an Klaus. Und vergiss nicht diesen ...«
Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hätte Nele eine Liste der jungen Männer aufzählen können, die sich unsterblich in Ulrike verliebt hatten ... und ihr dann auf der Tasche lagen. Ach ja. Aber das war ja nun vorbei, denn seit die Idee mit »Quincy« entstanden war, hatte Uli keine Zeit mehr, für Männer zu kochen und Wäsche zu waschen, die frühestens gegen halb zwei mittags aufstanden, reichlich aßen, sich noch einmal aufs Ohr legten und gegen Abend putzmunter waren.
Außerdem: Richtige Liebe oder wenigstens Verliebtheit war es von ihrer Seite nie gewesen, eher ein gut ausgeprägter mütterlicher Instinkt, der die berufslosen oder arbeitsunwilligen, doch intelligenten jungen Männer davor beschützen wollte, in der Gosse zu landen.
Aber jetzt war ohnehin Schluss damit. Ulrike hatte nicht einmal mehr Zeit, von einem Mann zu träumen. Die Liebesromane aus der Leihbibliothek, zerfleddert von ebenso sehnsüchtigen jungen Frauen wie ihr, schmorten irgendwo im Bücherregal. Die Verfallsdaten der Ausleihzeiten gingen schon fast bis in die Steinzeit zurück. Ach ja. Liebe gab es eben doch nur in Romanen. Wer wusste das besser als sie?
♥♥♥
April war es, und das Wetter schlug Kapriolen. Nachts fror es wie auf der Zugspitze im Januar, tagsüber schüttete es. Die Menschen im Altbauviertel hielten es nicht länger in ihren Wohnungen aus. Die Lokale waren überfüllt mit schimpfenden Menschen. Im »Quincy« war der Bär los.
Morgens um neun, wenn Nele und Ulrike vom Gemüsemarkt zurückkehrten – in einem dreirädrigen, ächzenden Uraltwagen –, drückten schon die ersten Hungrigen ihre regenfeuchten Nasen an der Fensterscheibe platt.
»Wir öffnen erst um zehn«, erklärte Nele dann immer morgenmuffelig. »Steht doch auf dem Schild!«
Aber Ulrike winkte die ersten Gäste herein, braute einen Espresso, der Tote erwecken konnte, und schnitt schnell ein italienisches Landbrot in Scheiben. Das war halt Service. Oder nicht? Man konnte doch nicht immer ans Geldverdienen denken.
»Ach, Uli!«, seufzte Birgit, Mutter von drei Kindern. »Gestern, da war mein Eugen schon wieder betrunken.«
Eugen war ihr Mann, und betrunken war der immer. Aber Uli tröstete Birgit trotzdem.
»Es wird schon«, sagte sie und schnitt schnell ein Stück vom eingelegten Kürbis ab, servierte ihn mit Parmaschinken und ein paar Tröpfchen Marsala.
»Hm«, machte Birgit genießerisch und vergaß für ein paar Minuten ihren Eugen.
Mittags kam Oma Hansen, Ben lugte herein, schnitt eine Grimasse, als er die »Schickimickis« entdeckte, diese jungen Leute aus der Werbung, die immer so laut sprachen und Sportwagen fuhren.
Aber die brachten nun einmal das Geld. Sie tranken um eins am helllichten Tag Champagner, vom Teuersten natürlich, und Trinkgeld gaben sie auch. Und wenn sie – lärmend natürlich – verschwunden waren, kamen Ulis liebste neue Nachbarn: Meier, der Wäschereibesitzer, Runtzig, der alte Schuster und die Verkäuferin der Bäckerei gegenüber. Und natürlich die Zufallspassanten, die sich vom unwiderstehlichen Duft einer sanft köchelnden Minestrone oder würziger Pasta asciutta anziehen ließen.
Diesmal war einer der Hungrigen ein Italiener, so ein ganz smarter, glutäugiger Schöner, der Ulrike tief in die Augen sah, bevor er mit Kennermiene ein Menü zusammenstellte.
Vom Wetter sprach er, davon, dass er Uli viele Geheimrezepte aus seiner südlichen Heimat verraten könnte. Und dann sagte er es, sagte diesen Satz, der zur Katastrophe führte, obwohl er ganz unschuldig klang: »Kennen Sie Rom?«
Drei Worte nur, doch was lösten sie aus! Ulrikes grüne Nixenaugen bekamen jenen schwärmerischen Ausdruck, den Nele und Joschi nicht mochten.
»Rom?«, fragte sie nach, als hätte sie nicht verstanden.
Der Italiener lächelte.
»Ah, Roma! Roma! Stadt der Städte! Sie nicht gelebt, wenn nicht kennen! Roma ist amore! Capito, Signorina?«
Der schöne Mensch kramte in seiner eleganten Brieftasche, zog einen winzig zusammengefalteten Stadtplan der Ewigen Stadt heraus und tippte auf die Sehenswürdigkeiten.
»Villa Borghese!«, schwärmte er. »Ah, diese Blüten, bellissima! Das Kolosseum, nun ja. Aber die Kirchen! Santa Maria Maggiore, zum Beispiel. Ah, Roma!«
Nele knallte die grünen Spaghetti zornig auf die Bartheke.
»Lass dich bloß nicht einwickeln von dem da«, warnte sie. »Nichts ist mit Rom. Ein Jahr wollten wir hier schuften und jede Menge Geld verdienen. Dann kannst du meinetwegen verreisen. Vorher nicht!«
Ulrike nickte. Der schöne Mensch aus Italien verließ beleidigt ihr Lokal, nicht ahnend, dass er für die anderen Gäste ein Gesprächsthema zurückgelassen hatte.
»Rom! Na, da beklauen sie doch die Fremden immer. Kannst du überall lesen. Und die Trümmer aus alten Zeiten überall, na, ich weiß nicht!«
Runtzig, der Schuster, steckte eben voller Vorurteile.
»Rom? La dolce vita«, überlegte ein Mann um die siebzig laut. »Der Trevi-Brunnen, wo immer die Mädels reinspringen, ganz nackig!«
Ulrike seufzte. »Hört schon auf«, murrte sie. »Ich kann ja gar nicht verreisen.«
Die Tür wurde aufgestoßen, und da stand noch so ein durchnässter Mensch mit kaputtem Regenschirm.
»Ach, Kinder«, seufzte der Trödler, »wieso muss unsereiner bloß in Deutschland leben? Italien, ja, das wäre was. Da haben sie jetzt Frühling. Am Tiber blühen bestimmt schon die Mandelbäume ...«
Nele blickte kritisch zu Ulrike hinüber. Zu gut kannte sie ihre Freundin. So ein leichtfertig ausgesprochener Satz konnte in Uli Sehnsüchte erwecken, die ... zu bestimmt nichts Gutem führten.
»Schlag dir die Flausen aus dem Kopf, Fräulein Schmitt«, erklärte sie zornig. »Und hilf mir mal bei der Zabaione! Die geht heut weg wie warme Semmeln.«
Das schwarze Schwein »Quincy« schlief seelenruhig weiter, obwohl der Laden nur so brummte. Abends, beim Kassensturz, sah Joschi die beiden jungen Frauen treuherzig an.
»Wenn's so weitergeht, werden wir reich«, sagte er. »Dann stellen wir Leute ein und legen uns auf die faule Haut.«
Uli seufzte. So waren die Männer! Die taten immer so arbeitsam – falls überhaupt –, aber wenn es Zeit zum Ackern war, träumten sie längst von einer Hängematte zwischen zwei wehenden Palmen.
Ach, Rom!
»Bei uns blühen die Mandelbäume nie richtig, Nele«, jammerte Ulrike.
»Na und? Dafür ist der Parmaschinken alle, und du musst endlich die Zucchinisuppe machen.«
Sicher, Ulrike liebte Nele, schon seit damals, als die beiden Schlüsselkinder sich unweit von hier mittags getroffen hatten und ihre Freundschaft mit zwei geklauten Äpfeln besiegelten. Das war ungefähr fünfzehn Jahre her.
»Du bist schrecklich unromantisch, Nele«, sagte sie seufzend. »Dieses Rosa der Mandelbäume, ach, Nele, weißt du, das mag ich einfach gern.«
♥♥♥
Ben, der kleine Frechdachs, bekam Windpocken, Oma Hansen Arthritis und Joschi einen Wutanfall. Denn Ulrike huschte immer mal zwischendurch in die vierte oder fünfte Etage gegenüber und servierte den Kranken auf pinkfarbenen Papptellern eine Salatkreation à la Uli, ein Steinbeißerfiletchen mit Kerbel oder ein deftiges Ossobuco.
»Was is'n das?«, fragte der rot gepunktete Junge.
»Heißt: ›Fleisch mit Loch‹, genau übersetzt«, erklärte Ulrike ihm. »Und schmeckt prima.«
Oma Hansen weinte ein wenig, zumal ihre Besucherin auch noch schnell das Geschirr abwusch und dem Staub den Garaus machte.
»Ach, Fräulein Uli«, sagte die gütige, alte Dame, »mein Frieder, der hätte Sie auch lieb gehabt.«
Uli beguckte Fotos von Frieder und heulte ein wenig mit seiner Witwe. Und dann war Nele auch noch wütend, zumal ein gewisser Rainer vor dem Edel-Imbiss auf und ab marschierte. Rainer war ja die ganz kleine Liebe von ehemals, und natürlich war er hungrig.
»Übrigens war ich gerade auf Reisen«, erzählte er großspurig, als er satt war. »Auch in Rom. Du, stell dir vor, ich bin durch die Katakomben gewandert, und auf der Spanischen Treppe, da ...«
