Silvia-Gold 234 - Rosa Sommer - E-Book

Silvia-Gold 234 E-Book

Rosa Sommer

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Beschreibung

Nora, eine Journalistin aus München, lässt sich von ihrer besten Freundin zu einer Single-Kreuzfahrt überreden - widerwillig, aber in der Hoffnung auf eine Auszeit vom stressigen Alltag. Doch statt entspannter Flirts und romantischer Dates erwartet sie auf der luxuriösen "Santa Monica" ein unerwartetes Abenteuer: Eine wertvolle Perlenkette ist verschwunden, und die Journalistin in ihr kann nicht anders, als der Sache nachzugehen. Dabei stößt sie immer wieder auf Sven, einen charmanten, aber geheimnisvollen Fremden, der ihr Herz höherschlagen lässt - und gleichzeitig Zweifel weckt. Was verbirgt er? Und hat er womöglich etwas mit dem Diebstahl zu tun? Je näher Nora der Wahrheit kommt, desto stärker gerät sie in einen Strudel aus Gefühlen und Misstrauen. Kann sie ihrem Herzen vertrauen - oder wird die Suche nach der Wahrheit alles zerstören?


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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Kurs auf die Liebe

Vorschau

Impressum

Kurs auf die Liebe

Eine Single-Kreuzfahrt voller Überraschungen

Von Rosa Sommer

Nora, eine Journalistin aus München, lässt sich von ihrer besten Freundin zu einer Single-Kreuzfahrt überreden. Doch statt entspannter Flirts und romantischer Dates erwartet sie auf der luxuriösen Santa Monica ein unerwartetes Abenteuer: Eine wertvolle Perlenkette verschwindet – und die Journalistin in ihr wittert eine Story.

Schnell gerät der charmante, aber undurchsichtige Mitreisende Sven in ihr Visier. Doch Beweise für seine Täterschaft zu finden, ist schwieriger als gedacht. Sicherheitschef Michael Leitgeb soll ihr helfen – arbeitet aber eher gegen sie. Mit seinen frechen Provokationen bringt er Noras Herz und Verstand gleichermaßen durcheinander.

Je näher sie der Wahrheit kommt, desto tiefer gerät sie in einen Strudel aus Gefühlen und Misstrauen. Wem an Bord kann sie wirklich trauen?

Nora saß im Münchner Reisebüro »Columbus« vor dem Schreibtisch ihrer Freundin und fixierte mit gerunzelter Stirn das Bild auf dem riesigen Computermonitor, den Livia in ihre Richtung gedreht hatte.

Auf dem überdimensionalen Foto aus einer Werbekampagne einer Reederei war ein riesiges, schneeweißes Kreuzfahrtschiff zu sehen, das in der hochaufschäumenden Gischt durch den Ozean pflügte. An Bord standen zahlreiche Pärchen, die mit erhobenen Köpfen grinsend in eine Kamera winkten.

Über der Szene prangte am Bildschirmrand der Slogan einer Agentur namens »Herzprofis«:

Traumreise für Singles! Sie sind es leid, allein zu sein? Kommen Sie an Bord der Santa Monica und finden Sie die große Liebe!

Unter dem Schriftzug befand sich ein knallroter Button mit dem Spruch:

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Es fühlte sich an, wie ein Schlag in die Magengrube – sowohl das Ansinnen ihrer Freundin, sie dermaßen offensichtlich an den Mann bringen zu wollen, als auch die Ermäßigung für Menschen, die es in dem Alter immer noch nicht geschafft hatten, unter die Haube zu kommen.

»Früher bist du wesentlich subtiler vorgegangen, wenn du mich verkuppeln wolltest«, schnaubte Nora und nahm einen Schluck von dem mittlerweile kalt gewordenen Kaffee.

Sie würgte den bitteren Nachgeschmack, sowohl ihrer Worte als auch des Getränks, hinunter und stellte die zarte, erdbeerrote Tasse klirrend auf den Unterteller zurück.

Schwer lag die Stille auf Noras Vorwurf zwischen den beiden Freundinnen. Von draußen drang Stimmengewirr in das winzige Büro, dessen Tür einen Spalt weit offenstand. Livia liebte es, wenn sie durch diese schmale Öffnung mit der Außenwelt verbunden war und sie nicht das Gefühl haben musste, in dem kleinen Raum eingesperrt zu sein.

Nora spürte einen Luftzug, der nach Frühling und den ersten blühenden Bäumen auf der Straße roch. Sie freute sich auf den Sommer und ihren ersten Urlaub nach drei Jahren, den sie allerdings in den heimatlichen Bergen zwischen saftig grünen Almen und Hüttengaudi zu verbringen gedachte.

Oder vielleicht würde sie in ein exotisches Land reisen, in dem sie von morgens bis abends unter Palmen Cocktails schlürfen und zwischendurch im warmen Meer baden würde. Möglicherweise könnte sie auch auf einem Kamel durch die Wüste reiten, nachts in einem Berberzelt schlafen, nur das Sausen des Sandes und das Schnauben der Tiere im Ohr.

Nora zwinkerte, um sich ins Hier und Jetzt zurückzubeamen. Jedenfalls war alles besser, entschied sie, als umgeben von einer Meute liebeshungriger Männer und Frauen über den Ozean zu schippern.

Sie sah vor ihrem geistigen Auge ältliche stark geschminkte Damen mit einem pinkfarbenen Cocktail in der Hand, die angesäuselt den feschen Crewmitgliedern nachstellen, und Herren jenseits der sechzig in weißen Socken und Sandalen, die jedem Rock hinterhergaffen. In ihrer Vorstellung würde sie auf einer spießigen Kreuzfahrt eher an Langeweile sterben als ihren zukünftigen Lebenspartner zu treffen.

Livia, deren Blick nach dem Vorwurf ihrer Freundin beschämt zu Boden gefallen war, sah wieder hoch und strich sich dabei verlegen eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Doch sie gab sich noch nicht geschlagen:

»Die Dating-Agentur hat zwar für ihre Kunden einen eigenen Bereich auf dem Schiff angemietet, aber es sind natürlich auch ganz normaler Urlauber an Bord, mit denen du dich unterhalten kannst.«

»Das ist ja noch peinlicher«, quetschte Nora hinter zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Du arbeitest viel zu viel und bist immer zu müde, um noch auszugehen. Wie willst du denn da einen Mann kennenlernen? Die letzten drei Male, als wir uns zum Mädelsabend verabredet hatten, hast du kurzfristig abgesagt, weil du nach einem langen Tag in der Redaktion völlig fertig warst«, argumentierte Livia weiter.

Ihr Gegenüber setzte eine betretene Miene auf und murmelte:

»Ich weiß, es tut mir ja auch leid, aber ...«

»Und als wir uns einmal zwischendurch mit Sarah und Benny im Kino getroffen haben, hast du während des Films die ganze Zeit gegähnt und dich danach gleich verabschiedet. Dabei war ausgemacht, dass wir danach noch in eine Cocktailbar gehen. Ich weiß zufällig«, präsentierte Livia den letzten Grund für ihren Vorschlag mit mitfühlendem Blick, »dass du gerne wieder eine Beziehung hättest. Das mit Richard ist ja auch schon ewig her ...«

Nora hob die Hand, um das Gespräch über den Mann, mit dem sie drei Jahre ihres Lebens verbracht hatte, zu stoppen und keine Erinnerungen an ihn hochkommen zu lassen.

Doch Livia wollte ihrer Freundin die Idee unbedingt schmackhaft machen und sprach rasch weiter:

»Ich dachte mir daher, dass du dringend einen Urlaub brauchst, bei dem du nicht viel organisieren musst und dich rund um die Uhr bedienen lassen kannst. Du genießt die Annehmlichkeiten, die dir auf diesem modernen Luxusliner geboten werden, und knüpfst dabei nette Kontakte. Vielleicht hast du sogar ganz unverbindlich ein paar interessante Dates. Dann musst du in den verschiedenen Häfen zumindest nicht allein an Land gehen, kannst gemeinsam mit einem tollen Mann einen traumhaften Strand erkunden oder durch eine malerische Altstadt bummeln. Hört sich das nicht absolut romantisch an?«

Nora schüttelte abwehrend den Kopf, wobei ihre naturblonden schulterlangen Locken von einer Seite zur anderen flogen. In ihren dunkelgrünen Augen blitzte es.

Sie fühlte sich hintergangen, hatte sie doch ihre Mittagspause gegen den Willen ihres Chefs beim »Stadtboten« um eine halbe Stunde verlängert, nur um ihre Freundin noch rasch im Büro besuchen zu können. Und anstatt sie mit Tratsch und Klatsch aus dem Bekanntenkreis zu versorgen, den sie aus Zeitgründen kaum mehr zu Gesicht bekam, wollte ihr Livia eine Kreuzfahrt für Singles aufschwatzen.

»Dein Job und deine Karriere sind dir wichtig«, fuhr diese fort, »das versteh ich ja auch. Ich weiß, wie hart du arbeitest, um bald zu einer größeren Zeitung wechseln und dort eine leitende Funktion einnehmen zu können. Aber du darfst dein Privatleben nicht ständig vernachlässigen. Und du willst dich doch auch wieder einmal verlieben, oder?«

Nora schaute aus dem Fenster, um dem bohrenden Blick ihrer Freundin auszuweichen, doch schließlich nickte sie.

Ihr Beruf verschlang zwar nicht nur viel Zeit, sondern erfüllte sie auch mit tiefer Zufriedenheit, aber so richtig glücklich war sie trotzdem nicht. Sie musste sich eingestehen, dass sie schon seit Monaten Lust darauf hatte, wieder einmal das Prickeln am Beginn einer Beziehung zu spüren. Und natürlich wünschte sie sich, so wie nahezu jeder andere Mensch auch, sich in der Geborgenheit einer vertrauten Beziehung fallen zu lassen und gemeinsam mit einem Partner alle Hürden des Alltags zu meistern.

Livia schien zu bemerken, dass sich die Haltung ihrer Freundin verändert hatte, und setzte rasch nach:

»Was hast du denn schon zu verlieren? Du fährst auf dem glitzernden Meer bei strahlendendem Sonnenschein an wunderbare Orte, brauchst dich um nichts zu kümmern, kannst dich an Bord verwöhnen lassen ... und wenn es sein soll, triffst du die Liebe deines Lebens. Wenn nicht, dann hast du auf dieser tollen Reise zumindest Eindrücke gewonnen, die dir keiner mehr nehmen kann.«

In dem Moment, als Livias Worte verklungen waren, erhob sich Nora, umrundete den Schreibtisch und zog ihre Freundin überraschend vom Stuhl hoch in die Arme.

»Ich danke dir«, flüsterte sie, »dass du so gut auf mich und mein Herz achtest. Und du hast mit allem recht, was du gesagt hast.« Sie schob ihr Gegenüber ein Stück von sich und grinste spitzbübisch. »Buch diese Kreuzfahrt für mich! Ich schreib dir später, wann ich Urlaub nehmen kann.«

Dann griff sie nach ihrer Tasche und verabschiedete sich. An der Tür drehte sie sich noch einmal um. »Und wir beide machen wieder regelmäßig unseren Mädelsabend, so wie früher. Ich verspreche es! Dein Schatz wird ab sofort wieder häufiger auf dich verzichten müssen.«

Livia nickte erfreut und blicke der aparten jungen Frau nach, als diese das Reisebüros verließ. Sie war froh, dass Nora dem Vorschlag doch noch zugestimmt hatte, und hoffte, dass alles so klappte, wie geplant.

Seit der Trennung von Richard nahm ihre Freundin immer sofort Reißaus, wenn ein Mann ihr zu nahe kam, schon beim kleinsten Kompliment ergriff sie die Flucht. Auf einem Schiff konnte sie nicht davonlaufen, so viel stand fest. Livia lächelte still in sich hinein und bewegte die Maus über den mit bunten Fischen übersäten Computerbildschirm, der sich Minuten zuvor in den Ruhemodus begeben hatte, um sich wieder an die Arbeit zu machen.

♥♥♥

Zu Hause angekommen, kickte Nora ihre High Heels von den Füßen und ließ sich im Wohnzimmer seufzend in ihren Lieblingssessel fallen. Sie war nach einigen kräftezehrenden Besprechungen erst um neun Uhr aus dem Büro gekommen und anschließend fast den gesamten Heimweg gelaufen, da es zu regnen begonnen hatte.

Total ausgelaugt streckte sie die Beine von sich, um erst einmal kurz zu entspannen, ehe sie sich vor dem Zubettgehen noch rasch etwas zu Essen machte.

Livias Gesicht tauchte hinter ihren geschlossenen Lidern auf, was sie zu einem neuerlichen Seufzer veranlasste. Sie gestand sich ernüchtert ein, dass sie den Entschluss, an einer Single-Kreuzfahrt teilzunehmen, bereits bereute.

Fest stand allerdings: Sie brauchte Urlaub! Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie auch zugeben, dass sie sich gerne wieder einmal langfristig auf einen Mann einlassen würde. Und selbst wenn sich kein geeigneter Kandidat an Bord befände, gab es auf einem so riesigen Schiff bestimmt genug spannende Möglichkeiten, sich zu beschäftigen und nicht an die Arbeit zu denken.

Zudem würde sie ihr noch unbekannte Orte erkunden, Land und Leute kennenlernen und sich ein paar Sehenswürdigkeiten ansehen können.

Auch gegen einen kleinen Flirt ohne ernsthafte Absichten wäre nichts einzuwenden, im Küssen von Fröschen hatte sie schließlich schon Übung. Sie ließ ihre Fehlgriffe in Sachen Liebe Revue passieren und musste schließlich lachen, nachdem auch das letzte Gesicht, bei dem es sich um das von Richard handelte, vor ihrem geistigen Auge verblasste.

Jedenfalls lag diese Art, einen Urlaub zu verbringen, so sehr außerhalb ihrer Komfortzone, dass es ein spannendes Experiment werden könnte. Und vielleicht, dachte sie, erlebe ich ja sogar ein echtes Abenteuer mit überraschendem Happy End.

Nora drückte sich die Hand auf den Bauch, der mehrmals laut vor Hunger knurrte. Sie stand auf, schaltete den Ofen ein, holte einen mit Käse überbackenen Nudel-Gemüse-Eintopf aus dem Kühlschrank und schob das Fertiggericht bei zweihundert Grad Umluft in den Ofen.

Dann trat sie auf den kleinen Balkon ihres winzigen Single-Appartements im dritten Stock eines modernen Mehrparteienhauses, blickte über die Dächer des Viertels und genoss die laue Abendluft. Sie nahm die Aromen wahr, die sich tagsüber auf den Straßen zwischen all den Menschen angesammelt hatten und welche die Stadt nachts erleichtert in die Dunkelheit ausatmete.

Es roch nach Staub, Essen und nassem Hund, allerdings wehte vom nahe gelegenen Park auch der Duft von feuchter Erde, Wiesenblumen und gemähtem Gras zu ihr herüber, als wollte ihr ein Frühlingsbote Grüße schicken.

Als sie zu frösteln begann, trat Nora zurück ins Wohnzimmer und zog die Balkontür hinter sich zu. Sie sah nach dem Auflauf, der an der Oberfläche bereits eine goldbraune Farbe angenommen hatte, ehe sie ins Schlafzimmer ging und in einen bequemen Hausanzug aus nachtblauem Samt und dazu passende Pantoffeln schlüpfte.

Auf dem Weg zurück zur hell erleuchteten Küche machte sie im Vorzimmer bei dem hohen Garderobenspiegel Halt, um sich zu betrachten. Im diffusen Licht sah sie eine schlanke Frau mit schmalem Gesicht und müden Augen.

Ihr Haar wirkte struppig und musste dringend gepflegt und wieder in Form geschnitten werden. Nora war schon längere Zeit nicht mehr beim Friseur gewesen und schien sich und ihr Aussehen ein bisschen vergessen zu haben, seit ihr Vorgesetzter ihr mehr Aufgabenbereiche zugeteilt und größere Verantwortung in Aussicht gestellt hatte.

Spätestens mit fünfunddreißig plante sie, dem »Stadtboten« den Rücken zu kehren und sich bei einem großen Nachrichtenmagazin als Chef-Redakteurin zu bewerben. Und das bedeutete, sie musste hart arbeiten und viel leisten, bis sie diesen Schritt machen konnte. Denn sie wollte unbedingt vermeiden, bei den großen Zeitungen abzublitzen und sich unsterblich vor ihrer Familie, ihren Freunden und ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zu blamieren.

Nora stieg Essensgeruch in die Nase, in dem bereits die Andeutung von verbranntem Käse mitschwang. Sie eilte in die Küche, schlang sich ein Geschirrtuch um die Hand und öffnete fluchend den Backofen.

Kurz darauf saß sie an ihrem Klapp-Esstisch, der gerade einmal Platz für eine Personen bot, und spießte lustlos abwechselnd ein paar viel zu weiche Nudeln und ein Stück matschiges Gemüse auf ihre Gabel. Obwohl sie die dunkelbraune Käsekruste abgekratzt hatte, roch der Auflauf wie verbrauchte Holzkohle nach einem Barbecue und schmeckte auch dementsprechend.

Nora schmiss die Hälfte des Essens schweren Herzens in den Bio-Abfall, als ihr davon übel wurde, und setzte sich anschließend vor ihren Laptop. Sie öffnete den firmeninternen Kalender, in den alle Zeitungsmitarbeiter ihre freien Tage und Urlaube eintrugen.

Erfreut stellte sie fest, dass sich im Mai noch kein einziger Vermerk befand und somit alle ihre Kollegen verfügbar waren. Sie hatte sich diesen Monat für ihre Reise gewünscht, weil es noch nicht so heiß sein würde, egal, wo die Fahrt hinging.

Da Nora häufig unter Kreislaufproblemen litt und zudem eine sehr helle, zu Sommersprossen neigende Haut hatte, vermied sie bei besonders hohen Temperaturen lange Aufenthalte im Freien. Und an Tagen, an denen die pralle Sonne mit heißen Strahlen vom Himmel stach, hielt sie sich vorwiegend in verdunkelten Räumen auf oder verbarg ihr Gesicht im Freien unter einem riesigen Strohhut. Private Treffen vereinbarte sie im Sommer in der Regel erst am Ende des Tages, wenn das Licht nicht mehr grell war und bereits langsam den bläulichen Ton des Abends annahm.

Rasch trug sie unter ihrem Namen zwei Urlaubswochen von Mitte bis Ende Mai in den Kalender ein und schrieb ihrer Freundin anschließend eine Mail, in der sie ihr die gewünschte Reisedaten mitteilte.

Sie ergänzte noch, sollte das Schiff genau zu der Zeit nicht auslaufen, könnte sie auch im Juni fahren. In diesem Monat wollte nur ihr Kollege Ulf vierzehn Tage frei haben, was kein Problem darstellte, die meisten anderen machten aufgrund ihrer schulpflichtigen Kinder erst später Ferien.

Schon drei Minuten später blinkte das Briefsymbol in ihrem Posteingang. Livia wollte gleich am nächsten Tag versuchen, für sie eine Kabine auf der Santa Monica im Mai oder Juni zu buchen und ihr dann Bescheid geben.

Erste Vorfreude stieg zu Noras eigenem Erstaunen in ihr auf – endlich Urlaub! Dass sie diesen gemeinsam mit vielen anderen Alleinstehenden verbringen würde, die beim Streit um die attraktivsten Singles an Bord unter Umständen biestig wurden und die Ellenbogen ausfuhren, blendete sie vorerst noch aus. Sie würde sich zu gegebener Zeit damit auseinandersetzen ...