Silvia-Gold 53 - Rosa Sommer - E-Book

Silvia-Gold 53 E-Book

Rosa Sommer

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Beschreibung

Die einunddreißigjährige Klara wird von ihrer Großmutter, mit der sie eine kleine Buchhandlung führt, liebevoll als "Ladenhüter" bezeichnet. Das liegt daran, weil Klara nie ausgeht, sondern sich lieber hinter ihren Büchern vergräbt.

Doch eines Tages betritt ein interessanter Mann - zumindest aus der Sicht der Oma - den Buchladen, der Klaras Leben total auf den Kopf stellt. Der fröhliche Ire gibt der jungen Frau im wahrsten Sinne des Wortes Rätsel auf. Sie ist dadurch gezwungen, ihre heile Welt zu verlassen, die Stadt zu erkunden und mit verschiedensten Menschen in Kontakt zu treten, weil sie denkt, dieser Mann will ein Verbrechen begehen.

Klara entwickelt kriminalistischen Spürsinn und entdeckt ihre detektivischen Fähigkeiten - sie handelt wie die taffen Mädels in ihren geliebten Krimis und hat immer mehr Spaß an ihrer "Mission", den geheimnisvollen Mister X zu überführen ...

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EPUB

Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Impressum

Klara und der geheimnisvolle Mister X

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Nomad / iStockphoto

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6378-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Klara und der geheimnisvolle Mister X

Eine verliebte Frau entdeckt ihre detektivischen Fähigkeiten

Von Rosa Sommer

Die einunddreißigjährige Klara wird von ihrer Großmutter, mit der sie eine kleine Buchhandlung führt, liebevoll als »Ladenhüter« bezeichnet. Das liegt daran, weil Klara nie ausgeht, sondern sich lieber hinter ihren Büchern vergräbt.

Doch eines Tages betritt ein interessanter Mann – zumindest aus der Sicht der Oma – den Buchladen, der Klaras Leben total auf den Kopf stellt. Der fröhliche Ire gibt der jungen Frau im wahrsten Sinne des Wortes Rätsel auf. Sie ist dadurch gezwungen, ihre heile Welt zu verlassen, die Stadt zu erkunden und mit verschiedensten Menschen in Kontakt zu treten, weil sie denkt, dieser Mann will ein Verbrechen begehen.

Klara entwickelt kriminalistischen Spürsinn und entdeckt ihre detektivischen Fähigkeiten – sie handelt wie die taffen Mädels in ihren geliebten Krimis und hat immer mehr Spaß an ihrer »Mission«, den geheimnisvollen Mister X zu überführen …

»Liebes, hast du den neuen Gruber schon ausgepackt?«, tönte es glockenhell durch die Buchhandlung »Lesemaus«, gelegen in einer schmalen Seitenstraße im Berliner Ortsteil Neukölln.

Die jugendlich klingende Stimme gehörte der dreiundachtzigjährigen Herlinde Wagner, die das Geschäft zusammen mit ihrer Enkelin Klara führte.

Nachdem ihre Tochter und ihr Schwiegersohn vierundzwanzig Jahre zuvor bei einem Autounfall tödlich verunglückt waren, hatte sich die alte Dame des damals siebenjährigen Mädchens angenommen und es schließlich sogar adoptiert. Seitdem bildeten die beiden ein eingespieltes Team, das Freud und Leid sowie die spannendsten Geschichten aus ihren Büchern miteinander teilte.

Die alte Dame und ihre Enkelin hatten sich im Laufe der Jahre nicht nur durch einen besonders freundlichen Kundenservice einen Namen im Viertel gemacht, sondern auch durch ein bemerkenswert gut sortiertes Antiquariat mit einigen mitunter recht wertvollen Exemplaren.

Es kam nicht selten vor, dass sich sogar Universitätsprofessoren, Historiker und Journalisten in der »Lesemaus« umsahen. Einige von ihnen hielten nach seltenen Unikaten Ausschau, andere benötigten die alten unverkäuflichen Wälzer zum Recherchieren.

Aus diesem Grund hatten die beiden Frauen schon Jahre zuvor eine gemütliche Ecke zum Schmökern eingerichtet, wo sie ihre Kunden mit Kaffee und selbst gemachtem Kuchen bewirteten.

Der gesamte Geschäftsraum wirkte trotz seiner überquellenden Büchertische und aus allen Nähten platzenden Regale wie eine adrette Puppenstube – was allerdings auch an Herlindes geringer Größe von einem Meter fünfundfünfzig liegen mochte.

Das zumindest behauptete Georg Weller, einer der treuesten und zugleich ältesten Kunden der »Lesemaus«. Wenn er die Ladeninhaberin mit dieser Aussage aufzog, grinste er stets spitzbübisch von einem Ohr zum anderen und strahlte sie mit funkelnden Augen an, während Herlinde stets nur fein zu den Worten lächelte und dem alten Herrn seine Tasse Kaffee reichte.

»Das geht jetzt schon seit meiner Kindheit so«, pflegte Klara jedes Mal zu sagen, sobald der alte weißhaarige Herr das Geschäft verlassen hatte. »Ihr flirtet seit zwanzig Jahren miteinander, ohne Nägel mit Köpfen zu machen.« Dazu seufzte sie übertrieben theatralisch und fügte im Anschluss hinzu: »Ich bitte dich, Oma, gib ihm eine Chance und lass dich einmal von ihm ausführen!«

Immerhin bat der rüstige Rentner seit vielen Jahren beharrlich um ein Abendessen mit der »bezaubernden« Ladeninhaberin. Die Dreiundachtzigjährige schüttelte dann immer heftig den Kopf, scheinbar empört über das Ansinnen, wobei sie allerdings amüsiert zwinkerte und ihre grauen Löckchen durch die Luft hüpften wie kleine Springspiralen.

»Red keinen Unsinn, Kind«, sagte sie sanft tadelnd und sah ihre Enkelin über den Brillenrand hinweg zugleich nachsichtig an. Und die fragte sich in solchen Momenten einmal mehr, warum die alte Dame derart stur blieb, was ein Rendezvous mit dem sympathischen Herrn Weller betraf.

Klara liebte ihre Großmutter über alles und konnte sich keinen interessanteren Job als den einer Buchverkäuferin und kein besseres Leben als das an der Seite von Lindi, wie sie ihre Oma manchmal nannte, vorstellen.

Fremden gegenüber verhielt sich die Einunddreißigjährige zwar stets liebenswürdig, aber auch etwas zurückhaltend, weshalb ihr einige Stammkunden immer wieder rieten, von Zeit zu Zeit die Nase aus ihrem geliebten Roman zu nehmen und sich unter das Partyvolk zu mischen. Schließlich sei sie noch jung und sollte nicht daheim »versauern«.

Klara lachte meist verlegen, wenn sie das hörte, sah aber keinen Sinn darin, ein lautes Lokal der heimeligen Idylle im Buchladen vorzuziehen – zumindest nicht mehr, seit sie die Sturm- und Drangzeit in der ersten Hälfte ihrer Zwanziger hinter sich gelassen hatte.

Klara liebte actionreiche Abenteuerromane mit einem Hauch Romantik, atemberaubende Thriller und spannende Krimis, den Geruch von Papier und … neben ihrer Oma auch den störrischen rothaarigen Kater Fridolin. Sie hasste hingegen Ratten, weshalb Herlinde die Buchhandlung »Leseratte« nach der Übernahme von ihrem Vater in »Lesemaus« hatte umbenennen müssen.

Die junge Frau war die meiste Zeit über Single, und das ihrer eigenen Aussage nach gerne, tauchte jeden Morgen nach dem Öffnen der Buchhandlung um neun Uhr in ihr eigenes Universum ein – in dem sie im Geist knifflige Rätsel löste, geheimnisvolle Codes entschlüsselte, perfide Fallen umging, gerissene Verbrecher entlarvte und brutale Mörder jagte.

Egal, was die anderen sagte, am wohlsten fühlte sich Klara zwischen ihren Büchern – leicht verdauliche und spannende Gegenwartsliteratur sowie beliebte, modern interpretierte Klassiker in Taschenbuchformat, aber auch die alten Schinken, die mit ihren dicken Einbänden das Wissen der ganzen Welt zu umklammern schienen.

Oft saß sie bis weit nach Ladenschluss in der Leseecke bei Cappuccino und Kirschkuchen und schmökerte in den Neuerscheinungen. Wenn sie sich von der Fantasie des Autors mitreißen ließ, vergaß sie Zeit und Raum.

Nicht selten fand Herlinde, die mit ihrer Enkelin in einer hübschen Dreizimmerwohnung über dem Laden wohnte, diese schlafend in dem großen Lehnstuhl vor – auf ihren Knien ein aufgeschlagenes Buch, vor ihr auf dem runden Tischchen eine leere Kaffeetasse und einen Kuchenteller voller Krümel.

Manchmal wunderte sich die alte Dame in solchen Momenten über den friedvollen Ausdruck in Klaras hübschem, von schulterlangen goldenen Locken umrahmtem Gesicht – wo das Kind doch schon so viel mitgemacht hatte in seinem kurzen Leben und noch dazu ständig diese nervenaufreibenden, schaurigen und oftmals blutigen Geschichten las.

Herlinde weckte die über der Lektüre eingenickte junge Frau dann sanft und schob ihren schlafschweren Körper die Treppe hinauf bis in ihr Zimmer – in dem sich ebenfalls haufenweise Bücher stapelten und ein Geruch von staubigem Papier und Klaras blumigem Parfüm in der Luft hing. Und in dem der rothaarige Kater erfreut maunzte, wenn sich sein Frauchen endlich neben ihm ins Bett legte, sich seufzend ihn die Daunendecke kuschelte und murmelnd weiterschlief.

Die Dreiundachtzigjährige machte sich nur allzu oft Sorgen um ihre Enkelin, die seit zwei Jahren kein Interesse mehr an Männern zu haben schien, nachdem sie in ihrer letzten, etwas länger dauernden Beziehung sehr enttäuscht worden war. David hatte sie nicht nur finanziell ausgenutzt, sondern auch noch nach Strich und Faden betrogen.

Mittlerweile schien Klara regelrecht menschenscheu geworden zu sein und traf sich nur noch regelmäßig mit ihrer ehemaligen Schulkollegin und einzigen Freundin Annika.

Dabei wäre es Herlinde durchaus recht, wenn sich Klara nicht nahezu rund um die Uhr daheim aufhalten würde. Ständig wusste die nämlich alles besser – vor allem, was die Morgengymnastik schon in aller Hergottsfrüh, die angeblich der Gelenksteife vorbeugen sollte, sowie die regelmäßige Einnahme von Tabletten und laufende Kontrolle des Blutdrucks betraf. Zu viel Zucker war darüber hinaus ebenso verboten wie eine Nachlässigkeit bei der Flüssigkeitszufuhr und ganz generell zu wenig Bewegung.

Kurz gesagt: Manchmal ging der rüstigen Seniorin die Fürsorge ihrer gesundheitsbewussten Enkelin gehörig auf die Nerven.

Vielleicht sollte ich mich mit Annika verbünden, dachte die alte Dame eines Nachts, nachdem sie Klara wieder einmal aus der Leseecke treppauf in ihr Zimmer und neben dem aufgeregt maunzenden Kater ins Bett bugsiert hatte. Da gab es doch dieses neumodische Internet im Computer, in dem die ganze Welt miteinander kommunizierte und jeder alles suchen und finden konnte. Dort konnte man ganz bestimmt auch einen passenden Mann für Klara auftreiben.

Nachdem der Plan erst einmal geschmiedet war, kletterte Herlinde zufrieden in ihr Bett und schloss lächelnd die Augen.

***

Bereits am folgenden Tag setzte die resolute Dreiundachtzigjährige ihr Vorhaben in die Tat um und telefonierte mit Annika, während ihre Enkelin Mittagessen vom Chinesen holte.

Gemeinsam schmiedeten und verfeinerten die beiden Frauen den ausgeheckten Plan so lange, bis sie sicher sein konnten, dass Klara keinen Verdacht schöpfen würde, sollten sie Erfolg haben.

Annika legte ein Profil auf der Webseite einer Singlebörse an, trug als Kontaktperson sich selbst ein und würde ab sofort alle Anfragen von flirtwilligen und infrage kommenden Männern beantworten.

»Gut achtzig Prozent der Typen sind zu vergessen«, ließ Annika Herlinde einige Tage später an dem Ergebnis ihrer Partnersuche teilhaben. Die junge Frau nippte an einem heißen Kakao, während draußen ein Herbststurm tobte und feuchte Blätter an die Glasfront des Cafés »Süßes Eck« klatschte.

Ihr Gegenüber nickte verständnisvoll, während sie sich ein riesiges Stück Mohntorte in den rot geschminkten Mund schob. Klaras Freundin warf einen skeptischen Blick auf die Mehlspeise und fragte: »Dürfen Sie das eigentlich …«

Die alte Dame hob die Hand und funkelte durch ihre Brillengläser Annika kampfeslustig an, die sofort verstummte und wissend in sich hinein grinste.

»Na jedenfalls«, begann sie erneut und nahm einen weiteren Schluck Kakao, »gibt es bisher nur einen Interessierten, der, meiner Meinung nach, eine Chance bei Klara hätte.« Sie griff nach ihrem Smartphone und hielt Herlinde das Display unter die Nase, auf dem die Gestalt eines muskulösen jungen Mannes mit nacktem Oberkörper prangte. »Tom«, sagte sie knapp.

Die Buchhändlerin rückte sich ihre Brille zurecht, fixierte das Bild mit zusammengekniffenen Augen und meinte dann: »Na, hoffentlich investiert der Knabe nicht nur in seinen Körper, sondern auch in seinen Geist, sonst wird meine Enkeltochter nichts mit ihm anfangen können.« Dann pickte sie mit ihrer Gabel wehmütig die letzten verbliebenen Krümel Mohntorte von ihrem Teller, bevor von mit verzücktem Gesichtsausdruck von ihrem gesüßten Milchkaffee trank. »Und wie geht es jetzt weiter?«, fragte sie, während sie die Tasse bedächtig wieder absetzte.

Annika warf ihrer Gesprächspartnerin, die innerhalb der letzten halben Stunde mindestens fünfzig Gramm Zucker zu sich genommen hatte, einen besorgten Blick zu.

»Nun ja«, sagte sie dann und schloss, in der Hoffnung auf einen dramatischen Effekt, kurz ihre blassgrünen Augen, »es läuft alles nach Plan. Ich werde diesen Tom, der übrigens sehr nett und sympathisch geschrieben hat, einfach in den Buchladen bestellen. Nachdem ich ihm vorher die Lage erklärt habe, kann er sich Klara ganz unauffällig nähern. Wenn ihm gefällt, was er sieht, wird er sie ja sicher um ein Date bitten. Ob und wann er ihr sagt, dass wir beide das alles eingefädelt haben und ihr Treffen kein Zufall war, ist seine Sache.«

Herlinde, zwischen deren Augenbrauen sich eine steile Falte gebildet hatte, nickte zögernd, wobei ihre Löckchen nur wenig wippten.

»Besser, dieses abgekartete Spiel bleibt ein Geheimnis«, meinte sie dann mit bekümmerter Miene.

So richtig wohl fühlte sie sich mittlerweile nämlich nicht mehr dabei, ihre Enkelin derart zu hintergehen. Und dabei dachte sie keineswegs an den verbotenen übermäßigen Zuckerkonsum. Gleich darauf straffte sie jedoch die schmalen Schultern. Unsinn, dachte sie, der Zweck heiligt die Mittel.

***

Und bereits drei Tage später, an einem goldenen Tag Mitte Oktober, trat Tom durch die Tür der »Lesemaus« in den sonnendurchfluteten Verkaufsraum der Buchhandlung. Klara stand mit dem Rücken zu ihm auf einer Leiter und sortierte gerade neue Bücher ein.

Herlinde, die den jungen Mann sofort erkannt hatte, schnappte sich eine Jacke von der Garderobe und rief ihrer Enkelin zu: »Ich muss schnell einkaufen gehen, hab die Milch vergessen!«

Dann verschwand sie – mit einem raschen Augenzwinkern in Toms Richtung. Der stand verlegen mitten im Raum und wirkte wie bestellt und nicht abgeholt.

Klara war inzwischen von der Leiter geklettert und wandte sich dem vermeintlichen Kunden mit einem freundlichen »Wie kann ich Ihnen helfen?«, zu.

Sie musterte den breitschultrigen Mann, der ihr aus ernsten braunen Augen einen interessierten Blick zuwarf, während er sich mit einer fahrigen Bewegung durch das dichte schwarze Haar fuhr. Er wirkte ein wenig ratlos und sagte immer noch kein Wort.

»Suchen Sie ein bestimmtes Buch, oder wollen Sie sich nur umsehen?«, versuchte die junge Frau weiterzuhelfen und strich sich eine widerspenstige blocke Locke aus dem Gesicht.

In die Stille, die danach im Laden herrschte, erklang leise irische Folk-Musik, die immer wieder abbrach, um gleich darauf wieder zu beginnen.

»Im Pub nebenan wird für das Live-Konzert am Abend geprobt«, erklärte Klara.

Tom nickte, dann räusperte er sich und meinte: »Tut mir leid, ich war nur gerade ein wenig überfordert von der Situation.«

Sein Gegenüber sah ihn fragend an, woraufhin er mit der Hand wedelte, als wollte er eine lästige Fliege verscheuchen. Er war es nicht gewohnt, solche Spielchen zu spielen. Allerdings hatte er dieser Annika versprochen, ihrer Freundin, die offenbar ohne ihr Wissen an den Mann gebracht werden sollte, nichts von dem Profil in der Single-Börse zu verraten.

Und tatsächlich gefiel ihm diese Freundin ausnehmend gut! Sie hatte intelligente graue Augen, einen wachen Blick, wunderschönes blondes Haar und kirschrot glänzende Lippen. Erst jetzt sah er, dass dort an einer Stelle ein winziger Krümel hing. Er deutete mit der Hand auf seinen Mund und sagte: »Sie haben da …«

Ohne Verlegenheit lachte Klara laut auf und sagte: »Ich habe vorher Kuchen gegessen. Wollen Sie vielleicht auch ein Stück? Und einen Kaffee? Dann können Sie in Ruhe überlegen, welches Buch Sie interessiert.«

Eine halbe Stunde verließ Tom den Laden mit dem neuen Krimi von Andreas Gruber und einer Verabredung mit der überaus reizenden Buchhändlerin. Zuvor hatte sie ihm plakativ geschildert, wie meisterhaft ihr Lieblingsautor seine Mordopfer verstümmelte. Sie vertrat nämlich die Meinung, dass kein Mensch ohne guten Krimi auskam und wirklich etwas versäumte, wenn er sich beim Lesen desselben nicht zumindest ein klein wenig fürchtete und ekelte.

Eine Viertelstunde später kehrte Herlinde vom Einkaufen zurück, seltsamerweise ohne Einkauf, dafür mit Annika im Schlepptau. Beide fragten verdächtig beiläufig, ob alles in Ordnung sei und ob es etwas Neues gäbe.

»Also gut«, sagte Klara, »was ist hier los?«

Ihre Großmutter starrte mit schuldbewusstem Blick zu Boden, während ihre Freundin scheinbar entrüstet murmelte: »Wieso? Wir wollten doch nur wissen …«

»Spar dir bitte die schlecht gespielte Empörung«, unterbrach Klara und forderte anschließend knapp: »Nun?«

Kurz darauf rief sie, nachdem Herlinde die Kuppelaktion gestanden hatte, ungläubig: »Ihr habt was?«

Annika streifte sich mit einer bedächtigen Handbewegung ihr langes, haselnussbraunes Haar über die Schultern nach hinten und sagte: »So blöd das jetzt klingt, aber wir haben es doch nur gut gemeint. Komm, gib Tom eine Chance! Er kann ja nichts dafür und ist außerdem echt ein Netter.«

Nach kurzem Zögern stahl sich ein Lächeln in Klaras Mundwinkel und sie nickte.