Skagerrak! - Friedrich von Kühlwetter - E-Book

Skagerrak! E-Book

Friedrich von Kühlwetter

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Beschreibung

Ein umfassendes, klares und übersichtliches Bild einer gewaltigen Seeschlacht des Ersten Weltkrieges. Innerhalb weniger Stunden trafen am 31. Mai 1916 gegen 14 Uhr 100 deutsche und 151 britische Schiffe aufeinander. Der Kampf erstreckte sich bis in die Nacht und forderte auf beiden Seiten erhebliche Verluste. Packend und anschaulich wird der gesamte Verlauf der bis dahin größten Seeschlacht der Weltgeschichte geschildert.

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Skagerrak!

Der Ruhmestag der deutschen Flotte

von

Friedrich von Kühlwetter

______

Erstmals erschienen bei

Ullstein & Co, Berlin, 1916

__________

Vollständig überarbeitete Ausgabe.

Ungekürzte Fassung.

© 2017 Klarwelt-Verlag.

ISBN: 978-3-96559-055-7

www.klarweltverlag.de

Inhaltsverzeichnis

 

Titel

Auf Vorposten

Auf der Jade

Der 31. Mai

Der Feind in Sicht

Das Gros greift ein

Ran an den Feind!

Die Nacht

Am nächsten Tage

Heimkehr - Abrechnung

Kaisers Dank

Auf Vorposten

eit draußen in See liegt „T 47“. Grau und regenschwer hängt der Himmel über der hohen Dünung, in der das Boot stampft und schlingert. Ununterbrochen reiten die Wellen heran, schlagen mit dumpfem Klatschen gegen die Bordwand, dass sich das Fahrzeug ächzend über wirft. Ein Zittern geht jedes Mal durch den ganzen Schiffskörper, wenn er sich wie stöhnend wieder aufrichtet. Keine zwei Seemeilen weit vermag der Blick den dichten Schleier ringsum zu durchdringen. Seit vierundzwanzig Stunden ist „T 47“ draußen auf Wache. Zweiundzwanzig Monate schon der gleiche, einförmige und gerade darum für den Seemann so anstrengende Dienst. Keine Spur, keine Rauchfahne, die auf den Feind schließen lassen könnten, zu erblicken. Das einzige, was vors Glas kommt, ist das braune Segel eines Finkenwärder Fischers, der trotz Wetter und Minen hier herum auf Fang ausgeht. Dann wieder huscht in schneller Fahrt der Turm mit den ragenden Sehrohren eines deutschen U-Bootes, das zu gefährlicher Jagd zur englischen Küste hinüberzieht, vorbei. Ein im Winde verwehter fröhlicher Zuruf, ein herzlicher Wunsch auf den Weg, ein Mützenschwenken. Flüchtig, schattengleich, wie er gekommen, verschwindet der Graue in Wellen und Nebel. Mit hart Ruder wird gedreht, mit nördlichem Kurs geht es zurück auf dem Stropp, gegen die See, die, vom letzten Nordwest aufgerührt, schwer heranwälzt.

Der abnehmende Mond und der linksdrehende Wind sind böse Wetterzeichen. Dazu fällt das Barometer noch immer und die Möwen stiegen unruhig hin und her, kreischen schrill, aufgeregt. Sorgenvoll furcht sich die Stirn des Kommandanten. Eine ganze Mütze voll Sturm steht da noch bevor. Das gibt Arbeit! Im Südwesten türmt sich eine dunkle Wolkenwand auf. Rasend schnell kommt sie hoch, greift um sich. Der fahle Schein, wo die Sonne vergeblich durch das graue Gewölk durchzubrechen strebte, ist verschwunden. In wenigen Minuten ist der Sturm da. In den Lüften heult und tobt es; wie straff gespannte Saiten singt es in den Leinen, wie in einem Hexenkessel kocht und brodelt es.

In schweren Brechern überstürzen sich die Wellen. Brüllend werfen sie sich auf das Boot, drängen es so zum Überholen, dass die See in den Schornstein zu schlagen droht. Wie mit Riesenfäusten krallt es heran, gierig, drohend.

Längst ist alles seefest gezurrt, Strecktaue sind geschoren, um auf dem glitschigen Deck das Gehen zu ermöglichen. Die Maschinenoberlichter sind geschlossen, alle Luken dicht, Geschütze und Ausstoßrohre mit Persenningen verwahrt. Jeder Brecher stürzt auf die Back, leckt gierig zur Brücke hoch, langsam fließt das Wasser ab. Die Luft ist vom Wasser erfüllt, das in tausenden Tropfen zerstiebt, der schwarze Schornstein grau vom Salz.

Längst hat der Kommandant das Boot mit der Nase gegen die See drehen und mit langsamer Fahrt gegenandampfen lassen. Bald halb aus dem Wasser hochgehoben, bald darunter begraben pendelt „T 47“ seinen vorgeschriebenen Stropp. Eine Regenbö nach der anderen braust herüber, die Sturzseen jagen heran. Das Salzwasser brennt in den Augen. Auf Sekunden nur schweifen die Gedanken weit weg, an Land, wo die Lieben jetzt in der warmen, trockenen Stube sitzen. Im nächsten Augenblick schon ein Zusammenreißen, und fest starrt der Blick hinaus in das Wetter, sucht durch den Regenschleier zu dringen. Umsonst. Die englische Flotte, nach der er späht, hält sich seit langen Monaten kläglich verborgen. Trotzdem heißt es scharf auf der Wacht sein.

Auf der Brücke steht der Kommandant, neben ihm der Steuermann und der Rudergänger, am Heck noch ein Posten. Von der norwegischen und dänischen Küste sind Meldungen eingetroffen, dass dort zahlreiche Minen angetrieben wurden, die der letzte Sturm losriß. Und der Engländer kümmert sich den Teufel darum, dass sich seine Minen, wie es internationales Seerecht vorschreibt, nach dem Losreißen entschärfen. — Auch nach feindlichen U-Booten muss Auslug gehalten werden.

„Backen und Banken!“

Trotz des Schlingerns des Bootes hat es der Koch fertigbekommen, Pflaumen und Klöße zu kochen. Freilich ist das nicht so einfach. Gar mancher fürwitzige Kloß will über den Rand des Topfes hinaus, und nur das Aufdrücken des Deckels belehrt ihn, dass sein Platz wo anders sei. Lecker dringt der Geruch aus der Kombüse. Einzeln balancieren die Leute mit ihren Blechkumps über Deck. Dem Kommandanten wird eine Portion zur Brücke hinaufgereicht. Breitbeinig, mit einem Arm festgehakt, fasst er die Blechschüssel. Der Dienst ist schwer da draußen. Der Körper darf nicht von Kräften kommen.

Die Nacht bricht herein, es wird finster. Der Sturm tobt mit unverminderter Stärke. Gespenstisch branden die weißen Wellenkämme heran. An Schlaf ist nicht zu denken in der engen Koje. Nur in der Hängematte liegt es sich einigermaßen leidlich. Um ¾ 12 Uhr wird die Wache gepurrt. Müde, verschlafen stolpert sie an Deck. Wach, Wechsel. Viel ist nicht zu übergeben. Kurs und Umdrehungszahl der Maschine. Der Kommandant bleibt wegen des schweren Wetters an Deck. Wieder eine Nacht ohne Schlaf. Zum Hundertsten Male vielleicht in diesem Jahr. Was hat das zu bedeuten. Der Dienst am Feinde kennt nicht Nerven, nicht Schlaf! Nur einmal an den Feind heran können, und hundert schlaflose Nächte sind vergessen. Das Nachbarboot kommt langsam heran. Ein leises Schmunzeln, ein Trost. Der drüben schlingert sich ebenso die Seele aus dem Leibe wie „T 47“.

Wie der Sturm gekommen ist, so staut er ab. Eine schwere Dünung bleibt, aber die Sonne brennt wohlig warm vom tiefblauen Himmel. Der Blick des Wachtoffiziers sucht den Horizont ab. Nichts. Wieder ein Tag vergeblichen Harrens. Gespannt hält er das Doppelglas einen Augenblick gegen Südost. Scharf hebt sich dort ein grauer Strich vom Himmel ab, wird größer, deutlicher. Ein Zeppelin! Ganz niedrig stiegt er mit Kurs auf das Schiff. Deutlich sind die Leute in den Gondeln erkennbar. Nun fiert er seine Signale:

„Neues vorm Feind?“

Der Sprechtrichter versagt bei dem Surren der Propeller. So wird ihm die Antwort und ein Gruß gewinkt. Weiter zieht er seine Bahn, nimmt Kurs nach Westnordwest, seinem Ziele zu und verschwindet in der Feme.

Der Tag bringt Abwechslung. Das Depeschenboot kommt heran. Die Wurfleine wird klar gemacht, der Postsack übergeholt. Dann bringt der F. T.-Gast die Meldung der Obersten Heeresleitung von den Kriegsschauplätzen. Überall geht es voran! Nur hier heißt es mit zusammengekniffenen Lippen und geballten Fäusten warten, bis der Moment gekommen ist!

Jetzt kommen aufregende Augenblicke.

Vom Westen treibt eine schwarze Kugel heran. Hebt sich, senkt sich und kommt näher. Eine Mine. Einige gute Schützen treten mit Gewehren an die Reling. Auch der Kommandant tut mit. Geschickt wird das Boot quergesteuert. Der dritte Schuss schon sitzt. Ein donnernder Krach, Hans, hoch hebt sich ein Wasserberg. Die Gefahr ist beseitigt. Im nächsten Augenblick meldet ein Funkspruch dem Flottenchef:

„Feindliche Mine auf x Grad Länge und Breite abgeschossen.“

Wieder vergeht ein Tag und mit ihm die Aussicht auf das Zusammentreffen mit dem Feind. Eine neue Sonne aber kommt morgen und mit ihr die Hoffnung auf Kampf, auf Abrechnung, auf Sieg!

 

Auf der Jade

m Hafen von Wilhelmshaven, an der Brücke, liegen die Torpedoboote. Halbflottillenweise, mit Schornsteinen und Bug scharf ausgerichtet, wie Rekruten auf dem Exerzierplatz, an denen auch der strengste Unteroffizier nichts zu tadeln hätte.

Den ganzen Vormittag haben die Boote Kohlen übergenommen. Die Mannschaft ist dabei, die letzten Spuren zu beseitigen. Mit Feuerlöschschläuchen, mit Schrubbern und Absetzern wird der schwarze Staub, der in die kleinsten Fugen und Ritzen dringt, entfernt. Die Kohlenpäckchen sind verstaut; die Leute haben sich gewaschen. Nur die schwarz umränderten Augen verraten noch, welcher Tätigkeit sie sich hingegeben haben.

Elf Boote, eine Flottille, liegen da. Auf dem einen flattert der Flottillenstander des Chefs. Die Boote werden seeklar gemacht.

Die Befehlsordonnanz kommt an Bord, begibt sich nach dem Führerboot. Wenige Minuten vergehen, dann taucht aus einem Niedergang der Chef an Deck auf, wo er mit seinen dort versammelten Halbflottillenchefs und Kommandanten eine Besprechung an der Hand einer Seekarte hält.

Nur kurze Zeit ist der Führer mit seinen Offizieren zusammen. Unwillkürlich spitzt die Mannschaft die Ohren. Mancher Blick fliegt hinüber zu der über die Karte gebeugten Gruppe, um etwas über die Unternehmung, die da jedenfalls geplant wird, zu erfahren. Eine Viertelstunde vergeht, da wird von der Brücke das Signal der Signalstation gemeldet:

„Schleuse ist geöffnet.“

Die Offiziere trennen sich und begeben sich auf ihre Boote.

Im nächsten Augenblick tönt schrill ein Pfiff und der Ruf:

„Klar zum Manöver!“

Ein kurzes Rennen und Hasten. Ein sekundenlanges Durcheinander an Deck, dann ist alles auf Manöverstation.

„Leinen los!“

„Ab vorn. — Ab achtern. — Beide Maschinen langsame Fahrt voraus!“

Langsam löst sich ein Boot nach dem andern von seinem Liegeplatz und strebt der Schleuse zu, in der in kurzer Zeit zwei Flottillen versammelt sind. Leise, geräuschlos schiebt sich aus der Kaimauer das Schleusentor, das die Schleuse nach dem Hafen absperrt. Das gegenüberliegende, das nach der Jade führt, öffnet sich. Schmutziggelb und leicht bewegt liegen die Wasser der Jade voraus. Lange sieht der alte Schleusenmeister von der Signalstation ans dem letzten Boote, das eben die Mole rundet, nach. Tagaus, tag, ein sind die flinken schwarzen Gesellen hier durch, gelaufen. Auf jedem Boot fast hat er Bekannte. Viele, die meisten sind zurückgekommen. Mancher Brave aber hat draußen bei kühnem Unternehmen ein nasses Seemannsgrab gefunden.

Bald haben die Boote große Fahrt aufgenommen. So dicht hintereinander sausen sie dahin, stets die Nase des einen am Heck des Vordermanns, dass jeden Augenblick ein Zusammenstoss unvermeidlich scheint. Jahrelange Übung aber, die auf den Zentimeter genau rechnet, lässt jedes Unglück vermeiden.

Erzählt man sich doch eine niedliche Geschichte in der Marine, die den Führern der Boote ein ehrendes Zeugnis ausstellt. Der vor wenigen Jahren verstorbene Admiral Zeye, der das Lehrgeschwader in der Ostsee befehligte und sich mit der Ausbildung der Boote in Verbänden befasste, hatte eines schönen Tages von seinem Flaggschiff aus an einer langen Stange eine Sektflasche befestigen lassen. Wer die Flasche erwischte, dem sollte sie gehören. Die schöne Aussicht auf ein Glas guten Sektes währte aber nicht lange. Haarscharf sauste gleich das erste Boot unter der Stange hinweg, und mit kühnem Griff riss der Kommandant die Flasche triumphierend an sich. Die übrigen hatten das Nachsehen. Der Admiral soll allerdings über den überraschend guten Ausfall des Versuchs so erfreut gewesen sein, dass er die Kommandanten der anderen Boote überreichlich entschädigte.