Smart Learning Design - Sirkka Freigang - E-Book

Smart Learning Design E-Book

Sirkka Freigang

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Beschreibung

Menschen lernen am besten mit Geschichten, die sie bewegen. Doch wie funktioniert gutes Lernen? Sirkka Freigang zeigt, welches Potenzial in den neuen Technologien steckt, um aus passiver Wissensvermittlung eine nachhaltige und aktive Lernerfahrung zu machen. Ihr Buch führt Sie in die Grundlagen von Smart Learning Environments ein und erklärt, wie Sie selbst mit Hilfe des Smart Learning Design Toolkits innovative Lern- und Arbeitswelten im Unternehmen gestalten können. Ihre Tipps, Tools und Hacks, die sie auch in Form persönlicher Hologramm-Botschaften mit auf den Weg gibt, helfen, schon mit relativ geringem Aufwand viel zu erreichen. Der Praxistransfer wird durch Zusatzinhalte und Communitys unterstützt (Videos, Interviews, 3D-Welten und Hologramme). Inhalte: - Warum wir Smart Learning Design brauchen: Herausforderungen & Lösungsansätze - Was Smart Learning Environments auszeichnet: Definition, Merkmale, Ziele - Was Lernende brauchen, um effektiv lernen zu können: Strukturen, Systeme, Strategie - Wie Smart Learning Experiences gestaltet werden können: Toolkit mit Templates und Anleitungen Die digitale und kostenfreie Ergänzung zu Ihrem Buch auf myBook+: - Zugriff auf ergänzende Materialien und Inhalte - E-Book direkt online lesen im Browser - Persönliche Fachbibliothek mit Ihren Büchern Jetzt nutzen auf mybookplus.de.

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Seitenzahl: 267

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

InhaltsverzeichnisHinweis zum UrheberrechtmyBook+ImpressumAbkürzungsverzeichnisVorwort1 Check-in1.1 Magic Book Experience1.2 Warum gibt es Smart Learning Design?1.3 Empfehlungen zur Nutzung des Handbuchs2 Grundlagen2.1 Was sind Smart Learning Environments?2.1.1 Definitionen 2.1.2 Ziele und Visionen2.1.3 Aktueller Forschungsstand2.1.4 Neueste Erkenntnisse2.1.5 Technologische Merkmale2.1.6 Interdisziplinäre Einordnung2.1.7 Zusammenfassung2.2 Was zeichnet gutes Lernen aus?2.2.1 Konstruktivismus als lerntheoretische Basis2.2.2 Arbeitsplatzbezogenes Lernen2.2.3 Selbstgesteuertes Lernen mit persönlichen Lernumgebungen (PLEs)2.2.4 Der Raum als dritter Pädagoge2.2.5 Smart Learning im Metaverse2.2.5.1 Potenziale und Beispiele2.2.5.2 Zusammenfassung2.2.6 Didaktische Empfehlungen2.2.6.1 Zielorientiert vorgehen2.2.6.2 Learn like a PIRATE2.2.6.3 Lernwirksamkeit erhöhen2.2.6.4 Hybride Lerninhalte von Lernenden gestalten lassen2.2.6.5 Visuell-räumliche Anker setzen2.2.6.6 Personal Learning Environments integrieren2.2.6.7 Toolboxen und Infrastruktur bereitstellen2.2.7 Stellenwert von Design2.3 Fazit: Smart Learning erfordert Gestaltungsarbeit3 Smart Learning Design3.1 Wie können Smart Learning Experiences gestaltet werden?3.1.1 Das Toolkit (1) – Methoden und Templates3.1.1.1 Das HoLEX®-Framework 3.1.1.1.1 Die fünf Dimensionen de HoLEX®-Frameworks3.1.1.1.2 Dimensionsübergreifende Wechselwirkungen und Abhängigkeiten3.1.1.1.3 Empfehlungen zur Anwendung des HoLEX®-Frameworks als Planungs-, Analyse- und Entwicklungsinstrument3.1.1.2 HoLEX®-Cards mit 30 Erfolgsfaktoren3.1.1.3 Die SLE-Canvas-Collection3.1.1.3.1 Canvas-Collection Teil I3.1.1.3.2 Canvas-Collection Teil II3.1.1.4 Das HoLEX®-Modell zum Rapid Prototyping3.1.2 Das Toolkit (2) – Games and more 3.1.2.1 Hybride Vernissage3.1.2.2 EDU-Breakouts und SLE-Games3.1.2.2.1 QR-Code-Suche3.1.2.2.2 1, 2 oder 33.1.2.2.3 Montagsmaler3.1.2.2.4 Escape Game3.1.2.3 AR-Sticker3.1.2.4 Zusammenfassung3.1.3 Das Toolkit (3) – Formate für Co-Creation3.1.3.1 Smart Learning Community3.1.3.2 Smart Learning Barcamp3.1.3.3 Smart Learning Playground3.1.3.4 Smart Learning Design Sprint3.1.3.4.1 Der Design Sprint als Format3.1.3.4.2 Das HoLEX®-Framework im Rahmen von Design Sprints3.1.3.4.3 Wichtige Merkmale3.1.3.5 Smart-Learning-Facilitator-Programm3.1.3.6 Smart-Learning-Strategieentwicklung3.1.3.6.1 Schritt 1: Auftragsklärung und Management-Alignment3.1.3.6.2 Schritt 2: Stakeholder Mapping und User Research3.1.3.6.3 Schritt 3: Das Anwender-Barcamp3.1.3.6.4 Schritt 4: Definition von Kernthemen und Challenges3.1.3.6.5 Schritt 5: Facilitator-Ausbildung und Empowerment der MultiplikatorInnen3.1.3.6.6 Schritt 6: Der Design Sprint3.1.3.6.7 Schritt 7: Lösungen testen3.1.3.6.8 Schritt 8: Retrospektive und nächste Schritte3.1.3.6.9 Fazit4 Check-out4.1 Ausblick: Zukunft gestalten auf der Basis von Open Innovation4.2 Danksagung4.3 Die AutorInnen und Podcast-GästeLiteraturDie AutorinIhre Online-Inhalte zum Buch: Exklusiv für Buchkäuferinnen und Buchkäufer!Stichwortverzeichnis

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ePDF:

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Sirkka Freigang

Smart Learning Design

1. Auflage, Januar 2024

© 2024 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): © akinbostanci, gettyimages

Produktmanagement: Dr. Bernhard Landkammer

Lektorat: Ursula Thum, Text + Design Jutta Cram, Augsburg

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Sofern diese Publikation ein ergänzendes Online-Angebot beinhaltet, stehen die Inhalte für 12 Monate nach Einstellen bzw. Abverkauf des Buches, mindestens aber für zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, online zur Verfügung. Ein Anspruch auf Nutzung darüber hinaus besteht nicht.

Sollte dieses Buch bzw. das Online-Angebot Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte und die Verfügbarkeit keine Haftung. Wir machen uns diese Inhalte nicht zu eigen und verweisen lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung.

Abkürzungsverzeichnis

AI

Artificial Intelligence

AR

Augmented Reality

BMBF

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bpb

Bundeszentrale für politische Bildung

CoP

Communities of Practice

CPS

Cyber-Physical System

DBR

Design-Based Research

DT

Design Thinking

ESN

Enterprise Social Network

HLIs

Human Learning Interfaces

ITS

Intelligent Tutoring System

IASLE

International Association for Smart Learning Environments

IdD

Internet der Dinge

IoT

Internet of Things

LMS

Learning Management System

MOOC

Massive Open Online Course

NLP

Natural Language Processing

OER

Open Educational Resources

PLE

Personal Learning Environment

SLE

Smart Learning Environment

TEL

Technology-Enhanced Learning

TELE

Technology-Enhanced Learning Environment

VR

Virtual Reality

WBT

Web-Based Training

WOL

Working Out Loud

Geschlechtergerechte Sprache

Im Interesse einer geschlechtergerechten Sprache werden in der vorliegenden Arbeit vorzugsweise geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder ein »Binnen-I« verwendet. Hierbei gilt der Grundsatz einer symmetrischen Sprache. In Ausnahmefällen (z. B. bei längeren Aufzählungen oder Begriffszusammensetzungen wird jedoch zugunsten der Lesbarkeit auf zu unsymmetrische Formen wie z. B. »ExpertInnenmeinungen« verzichtet und die männliche Form verwendet, wobei explizit beide Geschlechter gemeint werden.

Englische Begriffe

Die Verwendung englischer Begriffe wie »Smart Learning«, »New Work« oder auch »Metaverse« gehören zum deutschen Sprachgebrauch. Ich weiß, dass dies vielfach bemängelt wird und zu viele Buzzwords auch nerven können. Im allgemeinen Schreibfluss habe ich jedoch einige englische Begriffe wie auch Definitionen nicht explizit ins Deutsche übersetzt – auch aufgrund der zunehmenden Internationalisierung der Wissenschaft.

Vorwort

Hallo, ich bin Sirkka.

Meine persönliche Lernreise auf dieser Welt hat im Jahr 1978 begonnen. Wenn du magst, nehme ich dich ein Stück weit mit.

Ich bin in einem Kinderheim in Stuttgart groß geworden. Mit drei Jahren wurde ich adoptiert und bekam einen neuen Vor- und Nachnamen, damit auch »ein neues Leben«. Gewalt gehörte zum Alltag. Ich kann mich punktuell an einzelne Situationen erinnern, z. B. dass ich aus Angst vor meiner Adoptivmutter mit Bauchschmerzen aus der Schule nach Hause gelaufen bin. Den größten Teil der Kindheit habe ich vergessen, das scheint ein »Überlebensmechanismus« zu sein. Erst im Teenageralter habe ich verstanden, dass das alles nicht normal ist. Davor bin ich ernsthaft davon ausgegangen, dass so was zum Leben dazugehört.

Mit dieser Erkenntnis habe ich angefangen, neue Wege zu suchen. Man muss Dinge nicht als gesetzt akzeptieren, man kann sie ändern, indem man sie aktiv gestaltet. Mit 16 Jahren habe ich dann aktiv Hilfe gesucht und u. a. meinen Adoptivvater kontaktiert, den ich jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Durch meinen fortwährenden Wunsch nach einer Veränderung habe ich es dann geschafft, mein »Zuhause« zu verlassen, und lebte dann in einer betreuten WG. Es war nicht einfach, das kann ich sagen, aber mein Engagement hat sich gelohnt, auch wenn ich trotz Würgemalen am Hals vom Jugendamt abgewiesen wurde. Sobald ich volljährig wurde, bin ich in meine erste eigene Wohnung umgezogen. In dieser Zeit habe ich gelernt: Ich kann alles verändern, indem ich mein Leben und mein Umfeld aktiv gestalte.

Ich bin ein Mensch von insgesamt 8,07 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Trotz schwieriger Startbedingungen bin ich privilegiert. Ich bin Weiß, in Deutschland geboren und gebildet. Durch meinen schwierigen Start ins Leben habe ich es früh gelernt, Krisen zu bewältigen und psychische Stärke zu entwickeln. Rückblickend könnte man wohl sagen, dass ich an all den persönlichen Herausforderungen in meiner Kindheit am meisten gewachsen bin. Heute betrachte ich das Leben mit seinen relativ überschaubaren Schwierigkeiten als Anlass für kontinuierliche Entwicklung, insbesondere im beruflichen Kontext.

Über das Leben könnte man so viele Geschichten schreiben. Ich schreibe eine Geschichte über das Lernen und ich freue mich, dass du jetzt ein Teil meiner Geschichte geworden bist. Wenn du möchtest, vernetze dich direkt mit mir über LinkedIn:

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Digitale Erweiterungen

Dieses Buch enthält QR-Codes, die auf digitale Zusatzinhalte verweisen.

Das Buch enthält darüber hinaus auch webbasierte 3D-Hologramme. Zum Anzeigen der Inhalte öffnest du deine Smartphone-Kamera und scannst die jeweiligen QR-Codes. Folge den Anweisungen auf dem Bildschirm und starte die AR-Experience.

1 Check-in

Meine berufliche Lernreise hat mit meinem Studium 1999 an der Freien Universität in Berlin begonnen. Ich kann mich gut erinnern, warum ich mich für das Fach »Erwachsenenbildung« entschieden habe. Ich dachte damals, dass Erwachsene noch so so viel lernen müssen. Grundstein dieser Annahme waren natürlich meine persönlichen Erfahrungen aus der Kindheit. Fachlich betrachtet erhält das lebenslange Lernen heutzutage im Kontext exponentieller technologischer Entwicklungen einen komplett neuen Stellenwert, der mir damals in diesem Ausmaß noch gar nicht bewusst war.

Während des Studiums habe ich mich intensiv mit den gängigen Lehr- und Lerntheorien von Behaviorismus über Kognitivismus bis hin zum Konstruktivismus beschäftigt. Meine Nebenfächer waren Soziologie und Psychologie. Während des Studiums hatte ich die Möglichkeit, mir meine Seminare überwiegend selbst auszusuchen. Eine Freiheit, die es in dieser Form heute leider nur noch selten gibt. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich es geliebt habe, meinen Semesterplan zusammenzustellen. Bis auf ein paar grundlegende Module war ich komplett frei in der Gestaltung meiner Lerninhalte. Das hat mich begeistert, meinen Wissensdurst und meine Neugier beflügelt. Ich kann mich eigentlich nicht daran erinnern, dass ich (wie zur Schulzeit üblich) keine intrinsische Motivation zum Lernen verspürt hätte – höchstens im Fach Statistik vielleicht.

Meine persönliche Erfahrung war also, dass Lernen Spaß macht, wenn man sich die Inhalte selbstständig auswählen und zusammenstellen kann. Neben meinen stark geisteswissenschaftlich ausgelegten Seminaren habe ich auch praxisbezogen gelernt. Spontan kommt mir eine E-Learning-Vorlesung von Prof. Ludwig Issing in den Sinn. Das Thema E-Learning steckte damals (2002/2003) noch in den Kinderschuhen. Inhaltlich ging es um das Lernen mit Hypertexten im Internet. Wenn man sich überlegt, welch unglaubliche Entwicklung in den letzten Jahren stattgefunden hat, ist das wirklich beeindruckend. Deutlich wird das in einem Fünf-Minuten-Podcast aus dem Jahr 2008, zu dem Prof. Issing von e-teaching.org eingeladen wurde. Er spricht über drei Jahrzehnte E-Learning.

Podcast aus dem Jahr 2008: Rückblick auf drei Jahrzehnte E-Learning

Durch Prof. Issing habe ich auch zum ersten Mal vom »weiterbildungsblog« erfahren. Er wird von Dr. Jochen Robes herausgegeben und gehört seit 2003 zu meinen regelmäßigen Newslettern. Jochen Robes schreibt über Bildung, Lernen und Trends. Ich war schon immer begeistert von neuen Technologien, Trends und Lerninnovationen. Wahrscheinlich deshalb, weil die klassische (Hochschul-)Lehre so ziemlich das Gegenteil davon ist. Obwohl ich mich im Studium intensiv mit modernen Konzepten der Erwachsenenbildung beschäftigt habe und es viele Vorlesungen zu dem Thema gab, sah die Praxis komplett anders aus.

Der Begriff »Vorlesung« sagt ja schon alles. Warum soll man Erwachsenen, die selbst lesen können, etwas vorlesen? Aber das war an der Tagesordnung (und ist es noch heute). Eine Person steht vorn und hält einen Monolog bzw. Vortrag. Damals mit dem Overhead-Projektor, heute mit Powerpoint-Folien. Da ist man weit entfernt von modernen Postulaten eines aktiven, selbst gesteuerten Lernprozesses. Studierende werden darauf konditioniert, passiv Inhalte zu konsumieren. Trainiert wird überwiegend das Rezipieren von Daten und Fakten. Und das nicht erst im Studium, sondern bereits in der (Grund-)Schule. Deshalb habe ich mich oft gefragt, warum es eine so große Diskrepanz zwischen evidenzbasiertem Wissen – beispielsweise aus der Berufspädagogik, der Arbeitspsychologie oder der Lehr- und Lernforschung – und der täglichen Praxis im Bildungsbereich gibt. Warum werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse konsequent nicht angewendet?

Diese Erkenntnis hat mich dazu bewogen, sehr bewusst Dinge anders zu machen, gängige Muster zu hinterfragen, zu brechen sowie viel zu experimentieren. In einem Uni-Seminar habe ich beispielsweise die Ergebnisse meiner Seminararbeit in einer Kombination aus Text und Bild auf mehrere Flipchart-Papiere gescribbelt und auf einer Wäscheleine im Seminarraum aufgehängt. Die Anordnung war so gewählt, dass die Studierenden im Zickzack durch den Seminarraum laufen und sich währenddessen selbstständig mit den Inhalten beschäftigen mussten. Anschließend haben wir uns über die fachlichen Inhalte ausgetauscht und auch über die Lernerfahrung selbst reflektiert. Ich kann mich bis heute daran erinnern, dass mich der Professor als »Didaktik-Meister« bezeichnet hat.

Mein Ziel war es schon damals, die frontale Wissensvermittlung in eine aktive Lern­erfahrung zu transformieren. Dazu habe ich bewusst den Raum so umgestaltet, dass eine gewisse Struktur zwischen Inhalten und räumlicher Anordnung entstehen konnte. Ich habe Tische und Stühle an den Rand geschoben und eine große Fläche geschaffen, in der man sich frei bewegen konnte. Das gezielte Durchbrechen bekannter Lernformen hat anfangs zu deutlichen Irritationen geführt. Nicht nur die Gestaltung des Raumes, sondern auch das didaktische Setting generell, also die Kombination aus (leitfragengestütztem) selbstständigem Lernen, dem Laufen sowie der Reflexion am Ende. Das physische Laufen diente dazu, auch mental in Bewegung zu kommen, Aktivität und Schwung zu erzeugen. Also alles Faktoren, die das Lernen nachweislich fördern.

Wie ich auf diese Idee gekommen bin, weiß ich nicht mehr genau. Es könnte gut sein, dass ich mich zuvor mit der Loci-Methode beschäftigt hatte. Als Studentin habe ich mich gern mit philosophischen Fragen auseinandergesetzt. Die Loci-Methode geht auf die griechische Antike zurück. Dabei werden die zu lernenden Fakten mit einer bekannten Umgebung verknüpft. Im Kern geht es darum, dass sich Menschen Bilder besser einprägen können als bloße Informationen wie Text oder Zahlen. Zudem profitiert die Methode von der assoziativen Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Eine erste Erwähnung findet sich bei Cicero in »De Oratore«. Er beschreibt darin, wie er eine Rede mithilfe der Loci-Methode auswendig lernt, indem er gedanklich den Raum eines Forums in Rom abschreitet.

Meine persönliche Lernerfahrung an der Universität war die, dass sich das Experimentieren und das »Mutigsein« gelohnt haben und auch die Studierenden – trotz anfänglicher Verwunderung – am Ende ein positives Feedback gaben. Letztlich zieht sich jenes Erlebnis wie ein roter Faden durch meine gesamte berufliche Laufbahn:

Ich beschäftige mich intensiv mit Wissenschaft und philosophischen Fragestellungen unserer Welt.

Ich identifiziere und hinterfrage auf der Basis philosophischer Konzepte und wissenschaftlicher Befunde aktuelle Muster in der Praxis.

Ich kreiere innovative Lernkonzepte, um das Lernen effektiver und schöner zu gestalten.

Meine erste berufliche Erfahrung während meines Studiums der Erwachsenenbildung durfte ich im Rahmen eines Praktikums in der Allianz machen. Dort war ich in der Personalabteilung im Bereich der beruflichen Ausbildung tätig. Zu meinen Aufgaben gehörte es u. a., Seminare für die Azubis zu konzipieren, zu leiten sowie auszuwerten. In meinem Zeugnis aus 2002 heißt es dazu: »Zu dem von ihr nach entsprechender Auftragserteilung völlig selbständig konzipierten und durchgeführten Seminar für unsere Auszubildenden ist besonders hervorzuheben, dass Frau Freigang Präsentationsmedien sehr kreativ einsetzte, die TeilnehmerInnen umfassend aktiv einbezog, sicher und überzeugend referierte und Lernmethoden einbrachte, die für uns neu waren.«

Ich kann mich beispielsweise daran erinnern, dass ich einen Adventskalender aus Metaplanwand-Papier gestaltet habe (das Seminar war im Dezember angesetzt). Darin versteckt waren grundlegende Informationen zum Thema Kommunikation nach Friedemann Schulz von Thun. Zudem sollten die Azubis ihre eigene Kritikfähigkeit in einem Rollenspiel erproben, in dem sie die Rolle eines Musikproduzenten in Berlin einnehmen und den Track von Ellen Allien mit dem Titel »Erdbeermund« bewerten sollten.

Ziel des Ganzen war es, einen intrinsisch motivierten, realweltlichen Bezug zwischen den theoretischen Fakten der Kommunikationspsychologie und dem Leben bzw. den Interessen und Bedürfnissen der Azubis herzustellen.

Nach meinem ersten Praktikum bei der Allianz folgten drei weitere über meine Studienzeit hinweg. Aufgrund der positiven Resonanz bin ich meinem experimentellen Stil treu geblieben und habe in den folgenden Jahren (und eigentlich bis heute) weitere Lerninnovationen entwickelt.

Ein Techno-Lied auf die Ohren mit Ellen Allien

Ende 2002 wurde ich schließlich von der Allianz beauftragt, eine dreitägige Klausur (wie es damals hieß) für die AusbildungsgruppenleiterInnen zum Thema »Ausbildung heute und morgen« zu konzipieren. Ziel war es, neben Arbeitsplatzanalysen auch die Zusammenarbeit untereinander zu fördern und einen Maßnahmenkatalog mit abgeleiteten Verbesserungsvorschlägen zu erarbeiten. Damit sollte »eine Optimierung von Arbeitsabläufen« bzw. »eine Anpassung der Erstausbildung an veränderte Bedingungen […] unter Anwendung kreativer Methoden erreicht werden. Probleme in den Arbeitsbereichen waren zu diskutieren und konstruktive Lösungen zu erarbeiten«.

Rückblickend betrachtet würde ich sagen, dass dies eines meiner zur damaligen Zeit innovativsten und kreativsten Formate war, die ich jemals umgesetzt habe. Drei Tage bieten eben auch viel (Frei-)Raum für innovatives Arbeiten:

Jedem Tag war einer Farbe zugeordnet, um die jeweiligen Inhalte des Workshops damit zu verknüpfen und so das Erinnerungsvermögen zu stärken. Dazu wurden abstrakte Kunstwerke im jeweiligen Farbton mithilfe von Overhead-Projektoren an die Wände projiziert.

Jeder Tag wurde darüber hinaus einem spezifischen Duft zugeordnet. Ziel war es, die jeweiligen Inhalte des Workshops parallel zur Farbe auch mit einem spezifischen Duft zu verbinden und damit das Erinnerungsvermögen zu stärken. Dazu hatte ich eine Duftlampe mit drei sehr unterschiedlichen, aber dezenten Düften vorbereitet.

Bewegungs-, Konzentrations- bzw. Ruhephasen wurden im Wechsel mit jeweils passenden Workshop-Einheiten eingesetzt, um die Lernwirksamkeit zu stärken. So gab es beispielsweise eine leitfragengestützte Fahrradtour durch die wunderschöne Umgebung des Seminarhotels in Potsdam. Darüber hinaus begaben sich alle Teilnehmenden auf eine Meditationsreise, während der sie auf dem Boden lagen und eine meditative Audiosequenz auf sich wirken ließen. Die AusbildungsleiterInnen konnten die Meditationsreise selbstgesteuert beenden, indem eine vordefinierte Anzahl an Personen gut hörbare Murmeln auf den Parkettboden kullern ließen.

Das waren meine ersten prägenden Lessons Learned, an die ich mich auch heute, über 20 Jahre später, noch erinnern kann.

Warum reflektiere ich das alles im Check-in?

Zum einen, weil das Teilen persönlicher Erfahrungen sehr wertvoll ist, um andere Menschen zu inspirieren. Menschen lernen durch Geschichten, die sie bewegen. Pure Daten und Fakten sind irgendwann ermüdend. Wer will schon eine 300-seitige wissenschaftliche Abhandlung über Smart Learning lesen? Reale Erlebnisse sind spannend. Daten und Fakten werden dabei in einen Kontext eingebettet, sie erhalten ein Gesicht, werden mit Emotionen verbunden und bleiben so viel besser in Erinnerung. Deshalb wird es auch in diesem Buch die eine oder andere biografische Anekdote geben.

It’s not about facts – it’s about feelings.

Die Vielfalt der Lernräume

Zum anderen spreche ich deswegen von meinen Erfahrungen, weil die letzten Jahre im Bildungsbereich von ROI, wirtschaftlichem Druck und Effizienz geprägt waren. Natürlich muss man auch im Bildungsbereich auf die Kosten sowie auf Effektivität und Qualität achten. Kritisch sehe ich es aber, wenn versucht wird, hauptsächlich durch viel (Video-)Content (Stichwort »digitale Lernplattformen«) bzw. dem Trichter- oder Gießkannenprinzip alles abzudecken, was in den Bereich Re- und Upskilling, lebenslanges Lernen und Weiterbildung generell fällt. Besonders schwierig wird es, wenn in kürzester Zeit – z. B. nach einem Fünf-Minuten-Video – ein Top-Resultat erwartet wird, idealerweise ein Zuwachs an Fähigkeiten und (Methoden-)Kompetenz.

Das ist nun überspitzt, aber ich höre häufig von der Anforderung, in immer kürzeren Slots immer mehr »Wissen« zu vermitteln. Menschen funktionieren aber nicht wie ein Uhrwerk. Nur weil man oben viel »reinkippt«, kommt unten nicht zwingend viel raus. Deshalb lautet meine Empfehlung ganz klar: mehr investieren – ganzheitliche Konzeption, Lernzeit und Budget – und anders priorisieren. Dabei sind Räume des Lernens existenziell, um wirksame Lernerfahrungen machen zu können. Egal welche Art von Raum hier gestaltet bzw. angeboten wird, der Begriff hat im Kontext des Lernens viele unterschiedliche Facetten und Bedeutungen, die im Laufe des Buches noch näher beleuchtet werden (siehe Abbildung).

Ich möchte dafür plädieren, mehr in den gesamten Bildungsapparat zu investieren. Das fällt schwer, aber wir können uns ja mal kurz auf ein kleines Gedankenexperiment einlassen. Denn meiner Meinung nach braucht nachhaltiges Lernen herausragende Konzepte, Zeit, Ruhe und mehr als einen Frei- oder Experimentierraum, um sich mit anderen Peers kontinuierlich austauschen zu können:

Fällt es leichter, die Prioritäten zu justieren, wenn man die Ausgaben für betriebliche Weiterbildung mit den Budgets anderer Bereiche, wie z. B. Marketing, Sales, IT etc. vergleicht? So kann man die Kosten in Relation zum Gesamtsystem betrachten und die Ausgaben relativieren.

Meine Annahme: Die Budgets für HR und Personal sind im Vergleich zu anderen Abteilungen sehr niedrig angesetzt oder werden als Erste gekürzt.

Können tatsächlich Kosten eingespart werden, wenn man die Weiterbildungsbudgets niedrig hält? Welche indirekten Folgekosten könnten entstehen, wenn Weiterbildung nicht strategisch gefördert wird?

Meine Annahme: Die Folgekosten für schlecht ausgebildetes Personal, zum Beispiel in Form mangelnder Anpassungs- und Innnovationsfähigkeit, übersteigen die vorher notwendige Investition, um dies zu verhindern, bei Weitem.

Könnte eine größere Investition in die Entwicklung strategisch verankerter, skalierbarer Weiterbildungskonzepte langfristig die Kosten senken, den ROI sichern und gleichzeitig die Qualität und Learning Experience verbessern?

Meine Annahme: Die Entwicklung ganzheitlicher, strategisch fundierter Weiterbildungskonzepte, die darauf ausgelegt sind, langfristig Unternehmensziele zu erreichen, und die gleichzeitig durch den Einsatz digitaler Technologien maximal skalierbar sind, können bei einem erhöhten Erstaufwand langfristig die Folgekosten senken.

Wie kann man mit wenig Aufwand viel bewirken und nachhaltigen Mehrwert erzeugen? Wie können beispielsweise interne ExpertInnen als unternehmensweite MultiplikatorInnen wirken und das aktive Teilen von Wissen in Peer-Learning-Formaten unterstützen?

Meine Annahme: Durch Co-Creation-Ansätze können interne Talente sichtbar und strategisch in Bildungsangebote integriert werden. Kontinuierliche, auf Austausch angelegte Angebote (z. B. Lunch & Learn) benötigen kaum Ressourcen, können intern aber zu einem hohen Mehrwert beitragen.

Damit soll das Gedankenexperiment auch schon abgeschlossen sein. Es geht natürlich nicht nur um Kosten und Investitionen, sondern hauptsächlich um ausgefeilte Konzepte. Und dass die Realität und die Verteilung von Budgets in Organisationen weit komplexer sind, als ich es in diesen Annahmen darstellen konnte, ist selbstverständlich. Jede Branche, jeder Kontext, jede Organisation tickt anders.

Wichtig ist, Qualität vor Quantität zu setzen und nachhaltigen Impact zu erreichen. Wie können wir also konkrete Mehrwerte für das Lernen in Organisationen erzeugen?

Wie dies praxisorientiert erreicht und gestaltet werden kann, möchte ich in diesem Buch zeigen. Dafür teile ich meine Erfahrungen aus den letzten Jahren, in denen ich unterschiedliche Smart-Learning-Projekte umsetzen und Klienten in unterschiedlichsten Formen begleiten durfte. In Ergänzung zu meiner wissenschaftlichen Publikation aus dem Jahr 2021 soll dieses Buch Erfahrungswerte dokumentieren, Lessons Learned aufzeigen sowie Methoden und Instrumente vorstellen, mit denen es gelingt, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu überführen.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass persönliche, fachliche und berufliche Erfahrungen kombiniert werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse bekommen einen Rahmen, ein Gesicht, eine Geschichte.

Nach diesem Check-in mit persönlichen Einblicken in meine Lernreise werden zunächst einmal wissenschaftliche Grundlagen zusammengefasst, bevor der Praxistransfer anhand konkreter Projekte fokussiert wird. Du kannst dir also selbst aussuchen, was dich am meisten interessiert, oder natürlich auch alle Buchkapitel durchstöbern. Zudem kannst du auch meine Dissertation, die den Ursprung dieses Buches bildet, downloaden. Das E-Book mit allen Forschungsergebnissen steht als kostenfreies PDF zur Verfügung.

Das Internet der Dinge für Bildung nutzen (Springer Open Access)

In diesem Buch möchte ich aufzeigen, welches Potenzial in neuen Technologien steckt, um aus passiver Wissensvermittlung eine nachhaltige Lernerfahrung zu machen. Außerdem werde ich Tipps, Tools und Hacks mit dir teilen, wie man mit relativ geringem Aufwand viel erreichen kann. Vieles ist einfacher als vermutet. Und einiges kann man in Experimenten selbst erkunden, so z. B. auch das Lernen mit Avataren. Seit 2020 experimentiere ich mit meinem Avatar als 3D-Hologramm. Und seit 2023 habe ich mein Ziel erreicht. Ich wollte schon immer einen sprechenden, realitätsnahen Avatar von mir selbst erzeugen. Und du gehörst zu den Ersten in Deutschland, die es im Rahmen dieses Buches erleben und ausprobieren können.

Wie es dazu kam, dass ich mich selbst geklont habe

Wenn du es jetzt gleich ausprobierst, ist wichtig zu wissen, dass die Performance, also die Ladegeschwindigkeit, von deinem Internetzugang abhängt. Gutes Internet ist eine zwingende Voraussetzung dafür, dass es funktioniert. Zudem kann die Ladezeit insbesondere beim ersten Hologramm etwas länger sein (ca. 20 bis 30 Sekunden), da viele Daten verarbeitet werden müssen. Manchmal hilft es auch, die Adresszeile im Browser neu zu starten, um das Hologramm platzieren zu können. Grundsätzlich gilt, je kürzer die Sequenz, desto kürzere Ladezeiten gibt es. Deshalb sind meine Hologramm-Botschaften maximal eine Minute lang. Damit das AR-Hologramm im realen Umfeld platziert werden kann, benötigt dein Smartphone/Tablet eine AR-Readiness-Funktionalität. Ich schätze, dass mindestens 80 Prozent aller Devices mittlerweile AR-ready sind. Die AR-Technologie nutzt dabei die Kamerafunktion im Smartphone oder Tablet, um deinen Raum zu scannen und meinen Avatar in deiner Umgebung zu platzieren. Wenn du das mit einem »Klick« getan hast, kannst du mich vergrößern, verkleinern, neu platzieren, um mich herumlaufen oder auch einen Screenshot vom Bildschirm zusammen mit mir machen (lassen).

Über den QR-Code gelangst du zu meiner ersten persönlichen Nachricht für dich.

1.1 Magic Book Experience

Kommen wir zur »Magic Book Experience«: Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber wenn ich Fachbücher lese, dann recherchiere ich nebenher am Smartphone etliche Inhalte, um ein tieferes Verständnis zu einzelnen Informationen zu bekommen. Es fängt eigentlich immer beim Autor bzw. der Autorin an. Welchen Hintergrund hat diese Person? Kann ich weitere Quellen im Internet finden – Wikipedia-Artikel, Websites und Blogs – oder könnte ich mich sogar via LinkedIn oder anderen Kanälen digital vernetzen, um auch nach dem Lesen des Buches noch up to date zu bleiben? Vor allem schlage ich erwähnte Modelle, Paper oder Empfehlungen nach, die direkt im Buch genannt werden. Ich bin also permanent dabei, Zusatzinformationen zu suchen.

Wäre es nicht schön, wenn man ein Buch in der Hand hätte, das es einem ermöglicht, interessante Zusatzinformationen mit einem »Scan« oder einem »Klick« zu erhalten? Wäre es nicht großartig, wenn man Infografiken direkt herunterladen oder beschriebene Methoden mittels Templates direkt ausdrucken und nutzen könnte?

Genau das war der Gedanke beim vorliegenden Buch. Es ist kein normales Buch, es handelt sich um eine »Magic Book Experience«, also eine Erfahrung der besonderen Art. Unter anderem deshalb, weil ich dir als Autorin persönliche Hologramm-Botschaften mit auf den Weg gebe. Du als LeserIn hast dabei eine ganz individuelle Reise vor dir, weil du an den Stellen einen Deep Dive machen kannst, die dich besonders interessieren. Die Book Experience bietet aber noch mehr – Details dazu findest du in den nächsten beiden Abschnitten.

1.2 Warum gibt es Smart Learning Design?

Ich habe mich vor dem Schreiben des Buches natürlich gefragt: Brauchen wir überhaupt noch mehr Literatur zum Thema Lernen (am Arbeitsplatz)? Gibt es nicht schon genug Erkenntnisse zu E-Learning, kollaborativem Lernen, adaptiven Lernsystemen und Co.?

Und jetzt auch noch Smart Learning?

Sofern man die Perspektive auf internationale Literatur erweitert, scheint es eine unüberschaubare Menge an Lernbegriffen, Lernkombinationen, Bedeutungen und Zusammenhängen zu geben, die seit 2012 in der »Encyclopedia of Sciences of Learning« aufgeführt und systematisch beschrieben sowie verglichen werden. Diese Enzyklopädie enthält über 4.000 Einträge zu unterschiedlichen Lernformen und Lernbegriffen und erläutert deren Herkunft, deren Definition sowie den jeweiligen theoretischen Hintergrund (Seel, 2012). Die Vielzahl an (neuen) Begriffen verdeutlicht den enormen Stellenwert, den Lernen mittlerweile in unserer Gesellschaft einnimmt, was ja durchaus positiv zu bewerten ist. Die Fülle an Begriffen zum Thema Lernen führt gleichzeitig dazu, dass eine Abgrenzung schwerfällt und die Grenzen gleichsam fließend erscheinen. Die Terminologie der Lehr- und Lernforschung stellt sich insgesamt als höchst divers dar. Horst Siebert charakterisiert die Lehr- und Lernforschung als ein unübersichtliches Feld. Und damit hat er recht.

Ziel dieses Buches ist es nicht, verschiedene Lernformen systematisch zu analysieren und eine saubere Differenzierung herauszuarbeiten. Dieser Schritt wurde bereits von vielen anderen (vgl. Seel, 2012) sowie auch von mir im Rahmen meiner Dissertation unternommen (Freigang, 2021). Das vorliegende Handbuch verfolgt andere Ziele.

Ziel des Buches ist es, die Bildungspraxis in Deutschland auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse besser zu machen. Hierfür werden Befunde aus der Lehr- und Lernforschung mit technologischen Innovationen sowie mit Methoden und Gestaltungsprinzipien aus dem Design kombiniert. Ein solcher interdisziplinärer Zugang aus Bildungswissenschaften, Informatik und Design ist bis dato eher ungewöhnlich, da systemisches Denken und Gestalten sehr komplex sind. Meiner Meinung nach ist der systemische Ansatz für das Lernen aber sehr bedeutsam. Wie hängt die Raumgestaltung mit neuen Technologien und Didaktik zusammen? Ich möchte insbesondere herausarbeiten, wie man auf der Basis einer agilen Gestaltungsarbeit wirksame Lernangebote innovieren kann, die sich an Methoden des Design Thinking orientieren, neue Technologien sinnvoll integrieren und Grundlagen des Kommunikationsdesigns berücksichtigen.

Gute Bildung braucht systemisches Denken.

Zudem war es mir wichtig, diese theoretischen Erkenntnisse mit meinen langjährigen Erfahrungen anzureichern, die ich im Rahmen verschiedener Projekte sammeln konnte. Der Fokus soll auf wirklich Neuartigem und Nützlichem liegen – vor allem auf praxisorientierten Methoden, Tipps und Templates, die eine aktive Anwendung fördern und erleichtern.

Das Konzept von Smart Learning ist bis dato noch wenig untersucht und es gibt relativ wenig Literatur im Vergleich zu traditionellen Ansätzen des berufsbegleitenden Lernens. Es geht also um Innovationen im Bildungsbereich, die bereits heute, u. a. durch den Einsatz von Technologien möglich, aber kaum bekannt sind und noch weniger in der Praxis angewendet werden.

Smarte Bildungsinnovationen sollen mit dem vorliegenden Praxisbuch für dich greifbar werden. Und zwar auf eine explorative Art und Weise. So kannst du neue Erfahrungen bereits beim Lesen des Buches machen, indem du die integrierten Technologien ausprobierst und immersive Lernmethoden kennenlernst. Wenn du dich darauf einlässt, wird es eine intensive Erfahrung, die über »reines Lesen« hinausgeht.

1.3 Empfehlungen zur Nutzung des Handbuchs

Du hältst also ein interaktives und hybrides Buch in deinen Händen. Ich möchte dich zum spielerischen Erkunden neuer Lernkonzepte und Technologien einladen. Kapitel 2 wird sich zunächst mit Innovationen im Bildungsbereich beschäftigen, die unter dem Konstrukt »Smart Learning« zusammengefasst werden können. Es wird die Frage beantwortet, was Smart Learning auszeichnet und v. a. wozu derartige Lernumgebungen nützlich sind.

Im ersten Teil wird das Konzept von Smart Learning aber nicht nur theoretisch hergeleitet und systematisch erläutert. Du kannst direkt eintauchen, selbst erleben und erforschen, wie neues Lernen aussehen kann. Alle LeserInnen werden eingeladen, sich ihr eigenes Bild über neues Lernen zu konstruieren. Darüber hinaus werden auch kritische Punkte beleuchtet, die man dann in einer Community teilen und weiter diskutieren kann. Es ist ein lebendiges Arbeitsbuch. Es lebt durch deine eigenen Erfahrungen, die du beim Erkunden und Experimentieren in und mit innovativen Lern- und Arbeitswelten machen kannst und die du darüber hinaus mit der Buch-Community teilen kannst.

Unsere Mission lautet: Create experiences – not lessons. Scanne den QR-Code und werde Teil unserer Online-Community auf LinkedIn (hierfür ist ein LinkedIn-Account notwendig). Diskutiere mit anderen Smart-Learning-EnthusiastInnen und teile deine Erfahrungen. Sofern du einen Screenshot mit meinem Avatar-Hologramm gemacht hast, kannst du dieses Foto auch gern in deinem ersten Posting nutzen, um dich kurz vorzustellen und dich mit den anderen zu vernetzen.

Aus der bildungswissenschaftlichen Literatur ist bekannt, welche Faktoren sich positiv auf das Lernen auswirken. Auf der Grundlage dieser Kriterien werden im Kapitel 3 schließlich praxisnahe Formate, Methoden und Tools vorgestellt, die einen erfolgreichen Transfer in den beruflichen Alltag unterstützen.

Lernen kann und soll (wieder) intrinsisch motiviert sein, mehr Spaß und Freude bereiten. Die Book Experience wird dazu führen, kognitive Spuren in deinem Gehirn zu verankern, sodass auch noch nach vielen Jahren eine (hoffentlich positive) Erinnerung hervorgerufen wird. Durch immersive und emotionsverbundene Lernerlebnisse, die insbesondere auch im Austausch mit anderen vertieft und mit diskursiven Sichtweisen verschränkt werden, entstehen nachhaltig vernetzte Repräsentationen im Gehirn.

Lernen ist kein Selbstzweck. Es soll dazu dienen, Handlungsspielräume zu erweitern bzw. Handlungsvielfalt zu erzeugen, um selbstbestimmter und zufriedener durch das eigene Leben navigieren zu können. Auf die Kompetenz(entfaltung) und Performanz kommt es an. Wie wir dies erreichen können, zeige ich dir Schritt für Schritt, u. a. mit konkreten Anleitungen. Es werden leicht nutzbare Formate, Methoden und Tools vorgestellt, die dazu geeignet sind, die Bildungspraxis zu verbessern. Außerdem werden mögliche Lösungswege für die Herausforderungen unserer komplexen (Weiter-)Bildungspraxis vorgestellt und es wird erläutert, mit welchen Instrumenten innovative Formate entwickelt und gestaltet werden können.

Ein zentrales Element in Kapitel 3 wird das sogenannte HoLEX®-Framework sein, das auf den Forschungsergebnissen meiner Dissertation aufbaut. HoLEX® ist die Abkürzung für »holistic learning experience« und bezieht sich auf einen systemischen bzw. soziotechnischen Ansatz, der bei der Gestaltung von Weiterbildungsangeboten berücksichtigt werden sollte. Das Framework bündelt relevante Dimensionen und Faktoren, die Einfluss auf die Ermöglichung von Lernen haben, und hilft Lern-De­signerInnen, viele unterschiedliche Einflussbereiche gleichwertig im Design- und Gestaltungsprozess zu berücksichtigen.

In Kapitel 3 wird vor allem darauf eingegangen, wie Smart Learning oder auch das HoLEX®-Framework in der Praxis angewendet werden kann und welche Auswirkungen das für die Rollen der Führungskräfte, MitarbeiterInnen oder auch der Facilitator hat. Dabei fließt meine jahrelange Erfahrung aus unzähligen Smart-Learning-Projekten ein, sodass ein hoher Bezug zur Praxis entsteht. Über die Jahre hat sich ein systematischer Ansatz entwickelt, wie das Konzept von Smart Learning strategisch in Unternehmen verankert werden kann. All diese Erfahrungen möchte ich in diesem Buch mit dir teilen, indem ich dir konkrete Instrumente und Templates an die Hand gebe, die du sofort einsetzen kannst, um Smart Learning Environments auch in deiner Organisation aktiv zu gestalten.

Das HoLEX®-Framework ist ein guter Prozess für gute Bildung.