Sozialtherapeutisches Rollenspiel - Adelheid Stein - E-Book

Sozialtherapeutisches Rollenspiel E-Book

Adelheid Stein

0,0
23,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel ist eine klassische Methode der psychosozialen Arbeit. Sie wird vor allem in der Gruppenarbeit eingesetzt, z. B. in Suchtkrankenhilfe, in der Psychiatrie, aber auch in Elterngruppen, Erziehungsberatungsstellen und in der Supervision für Profis. Das Buch von Adelheid Stein macht den Leser vertraut mit der Methode: -- Wie bereitet man das Sozialtherapeutische Rollenspiel vor? -- Was ist bei der Durchführung und bei der Reflexion zu beachten? -- Welche Spielideen eignen sich für eine Fragestellung? Die vielfältigen Spielideen sind nach Themengebieten sinnvoll geordnet -- Kennenlern- und Beziehungsspiele, wahrnehmungszentrierte und problemzentrierte Spiele, Fantasie- und Erlebnisspiele. Für die 4. Auflage -- die erste nach dem Tod von Adelheid Stein (T 2001) -- wurde das Buch von einem Redaktionsteam überarbeitet und ergänzt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Adelheid Stein († 2001) war Professorin für Psychologie, Sonder- und Heilpädagogik/Sozialarbeit der Kath. Stiftungsfachhochschule München. Heute wird ihr Werk durch das Adelheid-Stein-Institut weiter getragen.

Coverbild unter Verwendung eines Fotos von HYPERLINK „http://www.bilderbox.com“ www.bilderbox.com.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ˂http://dnb.d-nb.de˃ abrufbar.

ISBN 978-3-497-01870-3

4. Auflage

© 2009 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, München, unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

Reihenkonzeption Umschlag: Oliver Linke, Augsburg

Satz: mm design, Mario Moths, Marl

Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regenburg

Ernst Reinhardt Verlag, Kemnatenstr. 46, D-80639 München

Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: [email protected]

Inhalt

Vorwort zur 4. Auflage

Von Walter Schild

Editorische Bemerkungen zur 4. Auflage

Von Hans-Michael Miller und Walter Schild

1Das Sozialtherapeutische Rollenspiel

1.1Allgemeine Darstellung des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

1.2Ziele des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

1.3Das Sozialtherapeutische Rollenspiel in der psychosozialen Arbeit

1.3.1Möglichkeiten der Hilfe des Sozialtherapeutischen Rollenspiels im Rahmen der professionellen Sozialen Arbeit

Besonderheiten des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

1.3.2Der Bezug zu den Arbeitsformen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

Der Hilfeprozess und die helfende Beziehung

Sozialarbeit/Sozialpädagogik als kreativer Prozess

Handlungsgrundsätze

Die Arbeitsformen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

1.3.3Die Besonderheit des Sozialtherapeutischen Bereiches

Das sozialtherapeutische Arbeitsfeld

1.3.4Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Rahmen der Arbeitsformen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Rahmen der Sozialen Einzelhilfe

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Rahmen der Sozialen Gruppenarbeit

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Rahmen der Familienbehandlung

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel im Rahmen der Sozialtherapie

1.3.5Selbstkontrolle als Voraussetzung für die Arbeit mit der Beziehung

Diagnostische Möglichkeiten

Die Verhaltensänderung

2Ausgangspunkte für Veränderungen in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

2.1Die Klienten der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

2.2Die Klienten in der Marginalität, vor allem während der Eingliederung

2.2.1Die Gruppe als Schutzraum

2.2.2Die Steuerung des Gruppenprozesses

2.2.3Spielregeln geben Orientierungshilfen

2.2.4Die Bedeutung der Ritualisierung

2.3Die Problemsituation als frustrierende Situation

2.3.1Die Strukturierung und Lösung des Problems

2.3.2Risikoarme Übung von sozialen Beziehungen und Wertgeltungen im Spiel

3Veränderungen durch das Sozialtherapeutische Rollenspiel

3.1Das Sozialtherapeutische Rollenspiel als Hilfe zur Identitätsentwicklung

3.1.1Die Bedeutung des Handelns für Eigenmacht und Eigenwert

Der Handlungsaspekt des Spiels

3.1.2Sozialarbeit als Hilfe zur Identitätsentwicklung

Die identitätsfördernden Fähigkeiten als diagnostische Hilfe

Die Förderung der Rollendistanz durch das Spiel

Die Förderung von Empathie und Ambiguitätstoleranz

Die Fähigkeit, Identität zu präsentieren

3.1.3Die Zunahme sozialer Kompetenz

3.1.4Die Aussöhnung mit der Vergangenheit

3.2Die Veränderung der sozialen Wahrnehmung, der Einstellungen und der Kommunikation

3.2.1Die Vermittlung von Informationen durch das Spiel

Die Vermittlung von Informationen über die gegenständliche Umwelt im Spiel

Die Vermittlung von Informationen über die soziale Umwelt im Spiel

Die Bedeutung der Redundanz

3.2.2Die Strukturierung und Veränderung der Wahrnehmung

3.2.3Die Änderung von Einstellungen

Der Erfahrungsaustausch im Rollenspiel

Die Gruppeneinfühlung

Ein Beispiel zur Veranschaulichung

3.2.4Das Sozialtherapeutische Rollenspiel und seine Möglichkeiten zur Kommunikationsverbesserung

Die Übersetzung von digitaler und analoger Kommunikation

Die Interpunktion der Ereignisfolgen

Symmetrische oder komplementäre Kommunikationsabläufe

Man kann nicht nicht kommunizieren

Der doppelte Aspekt jeder Mitteilung: Inhalts- und Beziehungsaspekt

4Das Vorgehen der Spielleitung

4.1Das Sozialtherapeutische Rollenspiel betont den Spiel-, nicht den Trainingscharakter

4.2Das symbolische Spiel ermöglicht die Anpassung des Wirklichen an das Ich

4.2.1Vorgehensweisen der Spielleitung

Die Spielleitung arbeitet mit Bildern

Die Spielleitung arbeitet mit Symbolen

Die Stärkung der problemlösenden Fähigkeiten

4.3Der Traum von der Überwindung aller Widersprüche

4.4Die Spielleitung arbeitet stützend, nicht aufdeckend

4.5Die Darbietung von Bildern und Symbolen erfolgt beschreibend

5Die Spiele

5.1Zur Einführung

5.2Die Wahrnehmungszentrierten Spiele

5.2.1Erlebnisspiele mit realen Gegenständen

5.2.2Erlebnisspiele zum Kennenlernen

5.2.3Allgemeine Erlebnisspiele

5.2.4Jahreszeitliche Erlebnisspiele

5.2.5Erlebnisspiele zur Sinneswahrnehmung

5.2.6Erlebnisspiele mit Selbstdarstellung

5.2.7Erlebnisspiele mit Problemeingabe

5.2.8Erlebnisspiele mit doppelter Problemeingabe

5.2.9Erlebnisspiele zur Sinnfindung

5.2.10 Erlebnisspiel zur Schuldbearbeitung

5.2.11 Erlebnisspiele mit Bedeutungsfeedback

5.2.12 Erlebnisspiele mit Gruppenaktion

5.2.13 Einfühlungsspiele

5.2.14 Fantasiebilder

5.3Gruppenzentrierte Spiele

5.3.1Beziehungsspiele

5.3.2Die Gruppenspiegel

5.3.3Fantasieorientierte Gruppenspiele

5.3.4Realitätsorientierte Gruppenspiele

5.4Problemzentrierte Spiele

5.4.1Die Gruppeneinfühlung

5.4.2Das Situationsspiel

5.4.3Die Motivklärung

5.4.4Spiel mit Verhaltensalternativen

5.4.5Gesprächsführungen

Stützendes Gespräch

Gespräch mit stützenden Partnern

Gespräch mit Verhaltensalternativen

Gespräch mit Feedback

6Praxisbeispiele zur zielbezogenen Umsetzung von Spielen

6.1Die Auswahl von Spielen und ihre Umsetzung in einer Selbsterfahrungsgruppe

6.2Die problem- und themenzentrierte Anwendung des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

Rückblick und Ausblick

Von Manfred Riegger

Literatur

Vorwort zur 4. Auflage

Dieser Neuauflage liegt die Entscheidung zugrunde, das für das Sozialtherapeutische Rollenspiel zentrale Buch von Adelheid Stein im Wesentlichen unverändert neu vorzulegen. Wir ermöglichen damit einen Zugang zu den Ursprüngen der Methode. Für diese Entscheidung sprechen auch die Qualität des Textes, seine Anschaulichkeit und der „Originalton“ der Begründerin des STR, den diejenigen, die Prof. Dr. Adelheid Stein kennen und schätzen gelernt hatten, nicht missen möchten. Aus diesem Grunde haben wir auch die von Frau Dr. Stein für ihre Arbeit zugrunde gelegte Literatur in der Literaturliste im Wesentlichen beibehalten. Die Spiele, die das vorliegende Buch enthält, sind seit der ersten Auflage im Kern unverändert. Das spricht für ihre Ausgereiftheit. Lediglich die Genauigkeit ihrer Beschreibung hat sich im Laufe der Zeit gesteigert. Das trifft auch für diese Ausgabe zu.

Die Entscheidung für die Neuauflage des Buches in dieser Form hat eine bewegte Geschichte. Nicht nur hat das Buch den Verlag gewechselt. Im Adelheid-Stein-Institut (ASIS) selbst, das sich des fachlichen Vermächtnisses der Autorin annimmt, genauer gesagt: in der Redaktionsgruppe, die dieses Buch neu herausbringt, gab es Bedenken, einen Text, der in seinem Kern auf die Erstauflage von 1983 zurückreicht, in die heutige Fachwelt zu entlassen. Dazu kamen Zweifel, ob das Sozialtherapeutische Rollenspiel (STR) richtig benannt sei. Hat diese Gruppenmethode doch durch ihre Entfaltung in die verschiedensten Felder der psychosozialen und pastoralen Arbeit und Erwachsenenbildung hinein ihre „sozialtherapeutischen“ Wurzeln fast vergessen lassen. Fachleute und Teilnehmer/innen von Gruppen in diesem erweiterten Anwendungsbereich nehmen gelegentlich Anstoß an dem Therapiebegriff, finden ihn nicht zutreffend. Für andere ist das „Rollenspiel“ im Titel eine oft angstbesetzte Hürde, haben sie vielleicht doch schlechte Erfahrungen in und mit Rollenspielen gemacht. Diese Erfahrungen veranlassten das Institut zu einer breiten Debatte, ob das Sozialtherapeutische Rollenspiel umbenannt werden solle und wie eine zutreffendere Bezeichnung lauten könne.

Diese internen Diskussionen haben zu einer Verzögerung der Herausgabe des vorliegenden Buches geführt. In anderer Hinsicht freilich regten sie eine wertvolle fachliche Selbstvergewisserung an und führten zu Klärungen, die nur so zu erzielen waren. Nach einer beeindruckend argumentativen Auseinandersetzung beschloss die Mitgliederversammlung des Adelheid-Stein-Instituts (ASIS) im Februar 2008 mit großer Mehrheit, an der eingeführten Bezeichnung „Sozialtherapeutisches Rollenspiel“ festzuhalten. Dafür sprach, dass das Sozialtherapeutische Rollenspiel unter diesem Namen bekannt und anerkannt ist, aber auch die Einsicht, dass sich eine komplexe Methode in einem schlichten Titel inhaltlich kaum einmal umfassend abbilden lässt. Dies zeigten auch die Alternativvorschläge auf, die entweder andere Aspekte der Methode in den Vordergrund rückten, oder auf einer Abstraktionsebene angesiedelt waren, die das dem Vorgehen Gemeinsame gut erfasste, für die Vermittlung der Methode im Alltag jedoch als zu abstrakt empfunden wurde.

Die selbst- und traditionsbewusste Entscheidung des Adelheid-Stein-Instituts für die Bezeichnung „Sozialtherapeutisches Rollenspiel“, die auch auf einer Rückbesinnung auf die Entstehungsgeschichte der Methode fußte, gab grünes Licht für die Bearbeitung des Buches in der vorliegenden Form. Eine die heutigen fachlichen Grundlagen und Terminologien berücksichtigende Neuinterpretation des STR soll in einer weiteren Veröffentlichung folgen.

Es war der Stil von Adelheid Stein, ihre Veröffentlichungen mit Ausbilder/innen und Praktiker/innen des STR vorzubereiten, um möglichst viele sachdienliche Erfahrungen zu berücksichtigen. Dieser guten Tradition folgend, hat sich auch zur Bearbeitung dieser Neuauflage eine Redaktionsgruppe gebildet, die alle anstehenden Fragen beriet und die Überarbeitung der Spiele unter sich aufteilte. Dieser Gruppe gehörten Angela Hahn, Herbert Huber, Hubert Lohner, Hans-Michael Miller, Dr. Manfred Riegger und Prof. Walter Schild an. Die ergänzten Formulierungen der Spiele wurden von Prof. Siegmund Juen, Brigitte Müller, Dr. Barbara Nagele-Fritz und Gabriele Treiber-Naegele überprüft. Diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei an dieser Stelle für ihr sachkundiges Engagement herzlich gedankt.

Adelheid Stein schrieb im Vorwort der dritten Auflage, die sie noch selbst betreute: „Ich wünsche allen Lesern, dass ihnen dieses Buch Hilfe für ihre Arbeit sein kann.“ Diesen Wunsch geben wir auch dieser neuen Auflage mit auf den Weg.

Ebersberg, im Mai 2008

Walter Schild

für die Mitglieder der Redaktionsgruppe

Die Redaktionsgruppe:

Angela Hahn,

Dipl.-Sozialpädagogin (FH)

Herbert Huber +,

Dipl.-Sozialarbeiter (FH), – Sozialtherapie –, Supervisor, Psychotherapeut

Hubert Lohner,

Dipl.-Psychologe

Hans-Michael Miller,

Großhandelskaufmann, Sozialarbeiter (grad.), Dipl.-Psychologe

Dr. Manfred Riegger,

Dipl.-Sozialpädagoge (FH), Dipl.-Theologe

Walter Schild,

Dipl.-Sozialpädagoge (FH), Supervisor (DBSH), em. Prof. für Soziale Arbeit

Editorische Bemerkungen zur 4. Auflage

Von Hans-Michael Miller und Walter Schild

Da das erste Kapitel (1.1 und 1.2) in das inhaltliche Anliegen des Buches sehr gut einführt, sollen hier nur die den Inhalt berührenden Veränderungen dieser Neuauflage benannt und begründet werden.

Die Kapitel des theoretischen Teils wurden neu gruppiert. So wurden die Ausführungen zur Identitätsentwicklung und zur Veränderung der sozialen Wahrnehmung, der Einstellungen und Kommunikation unter dem neuen Kapitel 3: „Veränderungen durch das Sozialtherapeutische Rollenspiel“ zusammengefasst. Der Bezug des STR zur Sozialen Arbeit, bisher ein eigenes Kapitel, wurde in das erste Kapitel integriert; herausgenommen wurde die Sozialarbeitstheorie von Germain/Gitterman. Auf die bisher in Kapitel 1 zu findenden Abgrenzungsüberlegungen des STR zu ähnlichen Methoden wurde ebenfalls verzichtet, nicht zuletzt, weil das STR inzwischen fachlich etabliert ist. Der Redaktionsgruppe schien es sinnvoller, den spezifischen Ansatz des STR positiv zu Wort kommen zu lassen. Dies soll hier kurz begründet werden.

Beim STR handelt es sich um eine an Regeln gebundene Arbeitsweise, in der von Sozialarbeitern/Sozialpädagogen stützend, nicht aufdeckend gearbeitet wird. Das STR zielt, als eine Methode Sozialer Arbeit, auf eine ganzheitliche Weiterentwicklung der Persönlichkeit, ihres Selbstbildes, ihres Erlebens und Verhaltens ab. Einer in anderen Spiel- und Therapieformen erfahrenen Spielleitung werden deshalb Elemente des STR bekannt vorkommen. Grundlage des STR ist, dass dem Spielenden zugetraut und zugemutet wird, die Verantwortung für sich selbst auch in den Spielprozessen zu behalten. Dafür wird aber in Kauf genommen, dass unbewusste Widerstände in der jeweiligen Situation die Aktualisierung und damit die Bearbeitung verdrängter Konflikte, Erlebnisse, Bedürfnisse usw. einschränken, vielleicht sogar verhindern. Weil das Aufrechterhalten von Verdrängungen oft den Einsatz hoher psychischer Energien erfordert, die dann für eine positive, konstruktive Lebensbewältigung nicht zur Verfügung stehen, werden mit den Spielen dennoch Angebote gemacht, gegebenenfalls verdrängtes Material in subjektiv verarbeitbaren Dosen an die Oberfläche dringen zu lassen und so allmählich seine lebenshemmende Kraft abzubauen.

Widerstände zulassen, Deutungen von Aussagen der Spielenden zu unterlassen – damit folgt das STR den Prinzipien emanzipatorischer Sozialer Arbeit, die Entwicklungsstand und Entwicklungstempo des Klienten akzeptiert und ihn damit vor Verfremdung bzw. der Unterwerfung unter angenommenen oder tatsächlichen sozialen Druck und Leistungserwartung schützt.

Menschliches Erleben und Verhalten im Spannungsfeld von Egozentrik und sozialen Erwartungen, von Beharren und Verändern in den zeitlichen Dimensionen von gestern, heute, morgen ist immer damit konfrontiert, den vielfältigen Anforderungen nicht gerecht werden zu können oder nicht gerecht werden zu wollen. Die daraus resultierende persönliche Psychodynamik kann in verschiedenen Spielen zum Ausdruck kommen. In den Situationsspielen aus der Reihe der Problemzentrierten Spiele greift der Spielende eine aktuelle oder für ein andauerndes Problem signifikante Szene auf und spielt, bei kargster Szenerie, wie sich die Situation aus seiner Sicht abgespielt hat. Während das Psychodrama großen Wert auf die möglichst große Nähe zur Ursituation legt, damit die begleitende Affektivität wieder hergeholt werden kann, lässt das STR Distanz zu und betont die problemlösende Arbeit. In der Suche der Schlüsselsituation, in der Auswahl und der Beschreibung der Gegenrollen und entsprechend der beteiligten Spieler entstehen im Problemgeber wieder so viele, allerdings rational gefilterte Affekte, dass das Spiel in seiner Wirkung dem ursprünglichen Erleben so nahe kommt, dass es zum Ausgangspunkt für problemlösende Prozesse werden kann.

Das STR unterstellt, dass jeder Mensch für sein Leben, aber auch für einzelne Vorgänge oder zu bewältigende Situationen die Erwartung einer „guten Gestalt“ hat, umgangssprachlich gesagt, es möge „eine runde Sache“ werden. Das STR bietet dafür in vielen Spielformen Optimierungshilfen, sei es durch ein neues Verständnis biografischer Zusammenhänge, durch eine Veränderung der Wahrnehmung, des eigenen Kommunikationsstils oder einzelner Verhaltenssequenzen. Etwas zurückgenommen gegenüber z. B. der Gestalttherapie ist im STR der direkte, „reine“ Ausdruck von Gefühlen, weil diese immer situativ gebunden sind. „Suchen Sie sich einen Gegenstand, ein Bild aus, damit wird sich ein Erlebnis verbinden“, ist oft eine Anweisung im Rahmen des STR, die im Erlebnis den Zusammenhang von Situation und Gefühlen deutlich werden lässt. Vergleichbar ist auch Körperarbeit im STR nur angedeutet. Allerdings spielt Verhalten als körperlicher Ausdruck innerer Vorgänge im Bereich problemzentrierter Spiele eine entscheidende Rolle, wo durch die Beiträge anderer Gruppenmitglieder eine Ausweitung des problembezogenen Verhaltesrepertoires angeboten wird. Wenn der Spielende für sich daraus eine Alternative zum bisherigen Vorgehen findet und in seine Vorstellung künftigen Verhaltens einbaut, verändern sich auch Denkmuster und Einstellungen. Nicht die Abgrenzung ist die Sichtweise für das STR, sondern die Integration vielfältiger, oft widersprüchlicher Erlebnisse und Erfahrungen in den ,roten Faden’ des eigenen Lebens, die (Wieder-)Entdeckung vielfältiger eigener Kräfte und ihre Integration in die Bewältigung des Lebens, die Integration von Wunsch und Wirklichkeit, von Wahrgenommenem und Transzendentem in den Sinn des eigenen Lebens.

Während bis auf die anfangs erwähnten Streichungen die Substanz und Diktion des Originaltextes gewahrt blieb, wurden die Spiele in der Weise „runderneuert“, dass die bisher karge Spielstruktur durch die in wörtlicher Rede ausgeführten Einstimmungen, Eingaben, Anweisungen und beispielhaften Auswertungsfragen angereichert wurde. Dabei haben wir – soweit überliefert – auf die Formulierungen von Adelheid Stein zurückgegriffen. Diese Formulierungen sind Vorschläge, die Lernenden eine Stütze anbieten und Erfahrenen als Anregung dienen können. Wenige Spiele wurden umbenannt: so die „Musiktruhe“, weil dieses Möbel nicht mehr in Gebrauch ist. Das „Gruppenzentrierte Fantasiespiel“ wurde aus systematischen Gründen an das „Realitätsorientierte Gruppenspiel“ angepasst und „Das Gespräch mit Verhaltensmodifikation“ wurde wegen der ungewollten Nähe zu dem Modifikationsbegriff in der Verhaltenstherapie zum „Gespräch mit Verhaltensalternativen“. In einem Schlusskapitel wurden das ausführlichere Fallbeispiel und Konzeptüberlegungen von Adelheid Stein zusammengefasst. Das Buch klingt mit einem „Rückblick und Ausblick“, einer Würdigung des STR von Manfred Riegger, aus.

Die weitgehend unveränderte Übernahme des Textes der Autorin kann möglicherweise zu Irritationen führen, da sich Sprachwendungen, Fachbegriffe und Bezugskonzepte seither weiterentwickelt haben. Das führt zu keinen Einbußen der Gültigkeit der Aussagen, sondern erlaubt heute einen Blick in den Entstehungskontext des Sozialtherapeutischen Rollenspiels. Der Text lädt damit ein zu einer Entdeckungsreise in die Sprach- und Denkwelt einer inspirierten Frau.

1 Das Sozialtherapeutische Rollenspiel

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel ist ein eigenständiges sozialpädagogisches Vorgehen, das sich von anderen Behandlungsweisen unterscheiden lässt und sich an den Handlungsstrategien der Sozialarbeit/Sozialpädagogik und deren beruflicher Haltung orientiert. Deshalb wird die Besonderheit der Klienten in sozialen und individuellen Notlagen, in Krisen und extremen Lebenssituationen berücksichtigt und auf die Voraussetzungen eingegangen, die die Entstehung solcher Probleme bedingen. Es werden Verhaltensweisen herausgestellt, die Veränderungen einleiten, stabilisieren und helfende Beziehungen ermöglichen.

1.1 Allgemeine Darstellung des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel wurde bevorzugt für den sozialtherapeutischen Bereich entwickelt und bietet Spielformen zur Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, des Sozialverhaltens in Gruppen (hier besonders zur Verarbeitung von Gruppen- und Familienkonflikten) sowie der Wahrnehmung, Strukturierung und Lösung aktueller Probleme.

Es zielt auf die Mobilisierung von Selbsthilfekräften des Klienten und arbeitet bevorzugt mit dessen gesunden Anteilen. Es berücksichtigt gleichzeitig das Lerntempo und den Informationsstand des jeweiligen Gruppenmitgliedes und ist von daher vielseitig einsetzbar. Da weitgehend mit Bildern und Symbolen gearbeitet wird, kann von Seiten der Klienten sehr bald auf Abwehrtechniken verzichtet werden.

Die Spiele werden eingeteilt in wahrnehmungszentrierte, gruppenzentrierte und problemzentrierte Spiele. Wahrnehmungszentrierte Spiele dienen der Selbst- und Fremdwahrnehmung, beschäftigen sich mit bewussten und vergessenen Anteilen der eigenen Geschichte, mit Schuldgefühlen und Sinnkrisen. Die Auseinandersetzung mit an Gegenstände oder Bilder gebundenen Erlebnissen und Gefühlen, die Einfühlung in andere und eine besondere Form des Umgangs mit Symbolen bestimmen die Spiele.

Gruppenzentrierte Spiele greifen Erlebnisse in Gruppen auf und ermöglichen solche. Sie spiegeln die Struktur der Gruppe und den Gruppenprozess oder befassen sich mit den Besonderheiten der Beziehungen in einer Gruppe oder der zu anderen Gruppen. Sie zielen auf die Aufarbeitung von Sozialisationsdefiziten, die Veränderung von Einstellungen und die Verbesserung der Entscheidungs- und Konfliktfähigkeit. Als Spielform wird hier das Rollenspiel verwandt, das durch Verschlüsselung der Gruppenthematik zum Symbolspiel wird.

Problemzentrierte Spiele haben den Erlebnis- und Handlungsaspekt einer problematischen oder frustrierenden Situation zum Gegenstand. Sie dienen der Analyse des Problems und der Entwicklung von Alternativen des Handelns, der Verarbeitung von Insuffizienzgefühlen und von Allmachtsdenken. Die hierfür angewandte Spielform ist das Rollenspiel, das wiederum durch Verschlüsselung zum Symbolspiel werden kann.

In seiner Durchführung folgt das Sozialtherapeutische Rollenspiel bestimmten Regeln, die die Hilfe zur Selbsthilfe beim Klienten zum Ziel haben. Es handelt sich hierbei um solche Regeln, die für alle Spiele Gültigkeit haben, und um solche, die die Besonderheit der jeweiligen Spielform mit ausmachen. Diese Spielregeln haben ihre Verbindlichkeit für den Spielleiter und die Gruppenmitglieder. Der Spielleiter vermittelt sie durch sein Modell. Als allgemeine Verbindlichkeiten gelten für den Spielleiter:

Das Problem hat Vorrang vor der Regel.

Der Spielleiter kennt und beachtet die Regeln; in Ausnahmefällen kann das Problem ein Abweichen von den Regeln erforderlich machen.

Gefühle und Erlebnisse sind immer an Gegenstände oder Bilder zu binden!

Weder Spielleiter noch Gruppenmitglieder interpretieren die Beiträge der anderen („Im Bild bleiben“)!

Die Stellungnahme zum Problem eines anderen Gruppenmitgliedes geschieht mittels Einfühlung.

Der Spielleiter spielt mit, ohne seine Distanz zu verlieren.

Spielanweisungen sehen Ausweichmöglichkeiten für das Gruppenmitglied vor.

Das Tempo des Vorgehens und die Intensität des Entschlüsselns bestimmt das Gruppenmitglied.

Das Rollen- und Identifikationsfeedback des Spielleiters steuert den Gruppenprozess.

Kein Gruppenmitglied wird mit dramatischen Ereignissen allein gelassen. Der Spielleiter stützt, wenn dies die Gruppenmitglieder noch nicht vermögen.

Die Zweckmäßigkeit eines Verhaltensmodells wird an den damit verbundenen Konsequenzen erfahren. Es wird nicht verurteilt.

Unzweckmäßige Modelle sind in der Regel nur speziellen Situationen gegenüber nicht brauchbar. Sie sind eine wertvolle Grundlage für Lernen.

Mit den Teilnehmern einer Gruppe im Sozialtherapeutischen Rollenspiel wird ein Kontrakt geschlossenDer Prozess der Veränderung bezieht einmal mehr den Erlebnis-, einmal mehr den Handlungsbereich ein. Alle Sitzungen werden sorgfältig ausgewertet, so dass eine Weiterführung des Verarbeitungsprozesses von Gruppenproblemen und individuellen Beiträgen möglich wird. Es wird vornehmlich in Gruppen gearbeitet. Das Sozialtherapeutische Rollenspiel kann, je nach fachlich begründeter Notwendigkeit, allein oder in Verbindung mit anderen Arbeitsweisen eingesetzt werden.

1.2 Ziele des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel vermittelt sowohl diagnostische Hinweise, um eine psychosoziale Behandlung im sozialtherapeutischen Bereich einzuleiten, wie es auch selber den Reifungsprozess des Klienten und den des Sozialarbeiters/Sozialpädagogen mit beeinflusst.

Wir gehen von der Vorstellung aus, dass zwischen dem diagnostischen und dem therapeutischen Prozess eine Interdependenz besteht, dass etwa diagnostische Aussagen bereits Veränderungsaspekte beinhalten und dass Aussagen über einen Veränderungsprozess – und sei dieser noch so eingeschränkt – wiederum diagnostische Beiträge liefern.

Zum Zwecke einer klareren Darstellung wird im folgenden eine Trennung beider Bereiche vorgenommen und aufgezeigt, inwieweit Einflussnahmen durch das Rollenspiel auf die Gruppe und den einzelnen denkbar sind und inwiefern diagnostische Ansätze erkennbar werden können.

Diagnostische Hinweise erhält der Sozialarbeiter/Sozialpädagoge dadurch, dass er im Rollenspiel und den folgenden Auswertungsgesprächen das soziale Handeln und die Konfliktlösungsmöglichkeiten der einzelnen Klienten und des Gruppenverbandes erfährt. Er lernt die Wahrnehmungsmöglichkeiten der Gruppenmitglieder bezüglich des eigenen und fremden Verhaltens, ihre Möglichkeiten zum Agieren und Reagieren, ihre Einstellungen zu augenblicklichen und früheren Erlebnissen kennen. Er erhält Informationen über ihre Hoffnungen und Resignationen, ihren Sinnbezug und ihre Wertvorstellungen, auch über ihre Motivation, Situationen zu verändern, und entdeckt zunehmend die Stärken der Klienten, die ein Umlernen ermöglichen. Die Ziele im Rahmen des Veränderungsprozesses sind:

die Wiederherstellung des Vertrauens in die eigene Kraft;

die Weckung schöpferischer Fantasie, die es erlaubt, Veränderung, die noch nicht geleistet werden kann, zu träumen;

das Mutmachen zum Fehler, der häufig erst den nächsten Lernschritt möglich macht;

das Erfahren von Eigenmacht durch Handlung;

die Schulung der Wahrnehmung, der körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit;

die Differenzierung der Sensibilität Konflikten gegenüber und der Einfühlungsfähigkeit in andere;

die Einübung von Rollen, die wir in unserer Gesellschaft zu spielen haben;

die Ermutigung zu nonkonformem Verhalten und die Zunahme der Fähigkeit, die damit verbundenen Konsequenzen richtig einzuschätzen und die eigene Belastbarkeit abzuwägen;

der Erwerb von Rollendistanz und die gleichzeitige Zunahme der Fähigkeit, divergente Spannungen auszuhalten;

das Kennenlernen zweckmäßiger Konfliktlösungsstrategien und der Fähigkeit, mit anderen zu kooperieren;

eine Zunahme der Fähigkeit zur Selbstdarstellung, zur Selbstbehauptung und, wenn notwendig, zur Selbstbegrenzung.

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel will eine Erweiterung des Verhaltens-repertoires und die Zunahme der Fähigkeit zu sozialer Kompetenz erreichen. Als Nahziel zu sehen sind die Freude am Spiel und die Bereitschaft, sich und andere in der Gruppe zu erfahren.

1.3 Das Sozialtherapeutische Rollenspiel in der psychosozialen Arbeit

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel wurde aufgrund von Bedürfnissen entwickelt, die sich im Bereich der Sozialtherapie ergaben. Es orientiert sich an den Arbeitsformen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik und an deren Handlungsgrundsätzen.

Die Vielfalt der vom Sozialarbeiter/Sozialpädagogen zu beachtenden Faktoren wird auch vom Sozialtherapeutischen Rollenspiel im Sinne der Beachtung der professionellen Methode berücksichtigt. Die Spielleitung setzt ihre persönlichen Erfahrungen und ihre berufsspezifischen Kenntnisse im Rahmen des Hilfeprozesses ein unter Beachtung der Freiheit und Würde der Klientel. Es werden nicht nur die interpersonalen Bedürfnisse und Probleme gesehen, es werden vielmehr all die Bedingungen beachtet, die auf den einzelnen und sein Beziehungsgefüge einwirken.

!

„Die Soziale Arbeit hat sich mit den gesamtgesellschaftlichen Strömungen auseinanderzusetzen. Weltweit wird die Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen beobachtet. Der Verlust an Sicherheiten und Bindungen schafft zwar einen Freiraum, der jedoch verunsichert. Unsere Lebensformen werden individualisiert. Vom einzelnen werden Eigenleistungen gefordert, auf die er nicht vorbereitet ist. Er muss planen, sich an bestimmte Umstände anpassen, improvisieren, organisieren, Ziele entwerfen, Hindernisse erkennen, Niederlagen einstecken und neue Anfänge versuchen“ (Beck/Beck-Gernsheim 1994 ).

Lasten wie Chancen verlagern sich auf die Individuen. Dieser erworbenen Freiheit stehen neue institutionelle Anforderungen und Zwänge gegenüber; ein Netz von Regelungen, Maßgaben, Anspruchsvoraussetzungen usw. umgeben sie. Eine Vielzahl von Entscheidungssituationen zeigt sich, für die es keine Rezepte mehr gibt. Es bleibt nicht aus, dass sich damit individuelle Orientierungsprobleme ergeben: der Mensch wechselt ständig seine Gruppenorientierung, schlüpft immer wieder in neue Rollen.

Die „individualisierte Gesellschaft“ entwickelt sich. In der Sozialen Arbeit wurden vielfältige Konzepte entwickelt, die versuchen, den vielschichtigen Verflechtungen sozialer Krisen und Belastungssituationen gerecht zu werden. Hierbei sind zwei intellektuelle Tendenzen beobachtbar: menschliche Bedürfnisse und Probleme werden innerhalb der Person lokalisiert oder die soziale Ordnung ist ihr Urheber. So beschäftigen sich Konzepte u. a. mit der Beratung und Behandlung einzelner, mit systemorientierter und lebensweltorientierter Sozialarbeit.

Diese lebensweltorientierte Perspektive besagt, „daß die menschlichen Bedürfnisse und Probleme aus den Transaktionen zwischen Menschen und ihrem Umweltverhältnissen entstehen“ (Germain/Gitterman 1983, 1). Dies bedeutet, dass Störungen in der Person-Umwelt-Ausgeglichenheit vorliegen, die Beeinträchtigungen der Lebensbewältigung und der Lebensqualität darstellen. Germain und Gitterman haben mit dem „Life-Model“ ein Handlungsmodell der Sozialarbeit entwickelt, das Bedingungen für die Entwicklungen von Problemen und Störungen und ihre Bewältigungsversuche aufzeigt. Es wird hierbei die systemische Vernetzung sozialen Lebens gesehen. Die Stärkung des Entwicklungspotentials der Individuen, Familien und sozialen Gruppen und die Beeinflussung spezifischer Teilbereiche der Umweltbeschaffenheit in einer Weise, dass eine befriedigende Kommunikation zwischen ihnen möglich ist, wird als Ziel gesehen. Die Unterstützung durch Sozialarbeit wird immer dann notwendig, wenn Störungen im sozialen Austauschprozess oder Gefährdungen auftreten. Eine negative Person-Umwelt-Beziehung wird als Life-Stress bezeichnet, der aus „tatsächlichen oder vermeintlichen aus der Umwelt herantretenden Anforderungen, Verletzungen, Verlusten oder Konflikten resultiert, die die tägliche oder vermeintliche Kompetenz des Betroffenen übersteigen“ (Germain/Gitterman 1983, 7).

Lebensverändernde Ereignisse, interpersonale Prozesse und Eigentümlichkeiten der Umwelt können für die Entstehung des Life-Stresses ausschlaggebend sein. Zur professionellen Aufgabe des in der Praxis tätigen Sozialarbeiters gehört die Übernahme der Rolle des Vermittlers, des Anwaltes und des Organisators. Seine Arbeitsweise ist zunehmend begleitend präventiv orientiert, er wird sich in gewisser Weise auf die Lebensfelder seiner Adressaten einlassen, sie einfühlend miterleben.

1.3.1 Möglichkeiten der Hilfe des Sozialtherapeutischen Rollenspiels im Rahmen der professionellen Sozialen Arbeit

Besonderheiten des Sozialtherapeutischen Rollenspiels

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel ist als ein ausgezeichnetes Instrumentarium im Prozess sozialer Hilfe zu sehen. Dies zeigt sich in drei Bereichen:

es unterstützt die helfende Person,

gibt dem Klienten Möglichkeiten der Bearbeitung und des Trainings,

bezieht Einzelpersonen, vorwiegend aber die Gruppe, als Spiegel der sozialen Umwelt ein.

Die helfende Person bekommt die Möglichkeit, die professionelle Handlung vorzubereiten, sich in die Realitäten des Klienten einzufühlen und die einzelnen Schritte des Arbeitsprozesses zu reflektieren.

Der Klient setzt sich im Spiel mit seiner Vergangenheit auseinander, entdeckt eigene Veränderungsmöglichkeiten und Ressourcen, findet neue Zukunftsbezüge und die Zunahme seiner sozialen Kompetenz.

Die Gruppe vermittelt Aspekte der sozialen Umwelt mit ihren belastenden und fördernden Möglichkeiten und gibt Gelegenheit zur Identifikation mit Gleichen und zur Korrektur des Sozialverhaltens. Diese Hilfen ergeben sich zum Teil aus den Themen, zum Teil aus der Struktur der Spiele.

Die Themen zeigen die Wahrnehmungs- und Bearbeitungsrichtung auf, z. B. Auseinandersetzungen mit einem Elternteil, der Familie oder anderen biografischen Inhalten.

Die Struktur regelt den Ablauf und gibt der Spielleitung Möglichkeiten der Steuerung mit eigenen Erlebnissen, vor allem aber im Auswertungsgespräch den Einsatz professioneller Hilfemöglichkeiten.

1.3.2 Der Bezug zu den Arbeitsformen der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

Der Grundsatz der Sozialarbeit, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, bestimmt ihre Arbeitsformen: die soziale Hilfe an einzelnen, Gruppen, Familien, im Gemeinwesen und im Sozialtherapeutischen Bereich.

Der eingeleitete Hilfeprozess dient der Lösung psychosozialer Probleme. Die Analyse der problematischen Situation und die darauf aufbauende Handlungsstrategie beachten den Klienten in seiner Verflochtenheit mit seinem Umfeld. Damit wird deutlich, dass Sozialarbeit/Sozialpädagogik die Lebenssituation eines Menschen berücksichtigt, also neben den persönlichen auch solche Ursachen und Bedingungen der Hilfsbedürftigkeit beachtet, die im sozialen Umfeld und in der gesamtgesellschaftlichen Situation liegen. Soziale Hilfe hat es demnach mit einer breit angelegten Veränderung zu tun, wobei Möglichkeiten und Bereitschaften aller Beteiligten hierzu nicht immer vorhanden sind. Mehr als andere Disziplinen arbeiten Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit Klienten, die sich therapeutischen Einflüssen immer wieder entzogen haben, deren Schädigung als irreversibel gilt, die sich aber gleichzeitig hilfsbedürftig fühlen. Da dieser Personenkreis mit den herkömmlichen therapeutischen Mitteln nicht erreichbar ist, ergibt sich die Frage nach Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten der Sozialarbeit.

Sozialarbeit hat es vordringlich mit Motivierung zu tun, dem Klienten gegenüber wie auch Institutionen und die Öffentlichkeit betreffend. Das Sozialtherapeutische Rollenspiel ist ein Mittel neben vielen anderen, das eingesetzt werden kann, um zur Problemlösung zu motivieren und um Problemlösung zu üben. Es ist im Einzelbezug anwendbar, in Gruppen und Familien, kann in Gruppierungen der Gemeinwesen Probleme verdeutlichen und im Rahmen der Sozialtherapie verwendet werden.

Als motivierende Spiele in der Gruppe werden zunächst solche Spiele angeboten, die der Klient kennt. Es wird mit den Stärken der Gruppenmitglieder gearbeitet, die sich abschirmen können, solange das Gruppenklima noch angstbesetzt ist. Die zunehmende Freude am Spiel aktiviert die Bereitschaft zur Problemarbeit. Der Umgang mit Spielpartnern konfrontiert mit der Notwendigkeit der Selbstdarstellung, der Selbstbehauptung und der Selbstbeschränkung. Über lange Jahre erprobte Verhaltensformen werden, auf die Spielsituation übertragen, damit transparent und einer Korrektur zugänglich. Neue – sowohl brauchbare wie unzweckmäßige – Verhaltensmodelle werden von Gruppenmitgliedern angeboten, erprobt, verbessert und später auf die Realität übertragen.

Kenntnisse über den Umgang mit einzelnen sind ebenso wichtig wie die über Gruppen, Familien und Gemeinwesen, um das Sozialtherapeutische Rollenspiel sinnvoll anzuwenden und den Klienten die notwendige Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln. Sie sind die Grundlage für das Spiel und für das Problemverständnis einzelnen und Gruppen gegenüber.

Der Hilfeprozess und die helfende Beziehung

Der Hilfeprozess dient der Lösung psychosozialer Probleme; die helfende Beziehung ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit mit den Klienten. Die Schaffung einer vertrauensvollen Beziehung geschieht durch die partnerschaftliche Haltung des Sozialarbeiters/Sozialpädagogen, der als Spielleiter mitspielt, d. h. auch eigene Probleme nennt und sich in unverstandene Gruppenmitglieder einfühlt. Hierbei verliert er jedoch zu keiner Zeit die notwendige Distanz, die es ihm ermöglicht, rechtzeitig Hilfestellung zu leisten. Gleichzeitig gewährt er auch den Gruppenmitgliedern den notwendigen Abstand, den sie in dieser Anfangsphase brauchen, um die Möglichkeiten und Fähigkeiten der anderen ab- und die eigenen Chancen einzuschätzen. Spiele, die bereits bekannt sind und solche, die noch wenig Bewegung und Risiken erfordern (wie z. B. die Erlebnisspiele), eignen sich besonders, eine angstfreie Atmosphäre zu schaffen.

Es ist wichtig, einen Kontrakt zu schließen, Form und Inhalte der gemeinsamen Arbeit abzustecken und Nahziele zu formulieren, die die Gruppe anstreben kann, ohne sich zu überfordern. Als wichtige Regeln dieses Kontraktes gelten verbindlich:

Die Gruppenmitglieder können nur über eigene Probleme berichten. Wenn zu den Problemen anderer Stellung bezogen wird, geschieht dies in der Form der Einfühlung. Es wird also mitgeteilt, wie man sich selber in der Situation des anderen fühlen würde.

Der andere wird nicht interpretiert. Die Gruppenmitglieder beschreiben ihre Bilder und Erlebnisse und finden hierdurch deren Bedeutung.

Diese Vereinbarungen haben für den Spielleiter die gleiche Verbindlichkeit wie für die Klienten. Die Fähigkeit, Probleme einzubringen und sich Problemen anderer zu stellen, wird bei den einzelnen Gruppenmitgliedern unterschiedlich rasch entwickelt. Mit zunehmender Vertrautheit gelingt es, Konflikte zuzulassen, auszuhalten, zu benennen und zu lösen. Der Spielleiter hat hierbei die Rolle des „Befähigers“, d. h., er vermittelt soviel Hilfe wie nötig und soviel Freiraum wie möglich.

Dieser Prozess der Problemlösung führt zu einer zunehmenden Sensibilisierung der Gruppenmitglieder eigenen und fremden Problemen gegenüber. Jeder Beitrag hat Modellcharakter, und die Erfahrung, dass es sich selten um Probleme einzelner handelt, die nicht gleichzeitig Probleme vieler sind, hilft die Ich-Kräfte zu stabilisieren. Immer häufiger treten die Modelle einzelner Gruppenmitglieder an die Stelle des Spielleiters. Allmählich werden die Regeln, die zu den einzelnen Spielformen gehören, durchsichtig, ohne dass sie je ausdrücklich genannt wurden. Die Gruppe verselbstständigt sich, stützt die Schwachen, sanktioniert, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden, und hat ihre Beziehungen geklärt. Nun folgt die Überprüfung der im Schutzraum der Gruppe erprobten Verhaltensweisen in der Realität, die Rückmeldung an die Gruppe und die Korrektur von angebotenen Verhaltensmodellen. Die Gruppenmitglieder werden selbstständig und können auf den engen Schutzraum verzichten.

Sozialarbeit/Sozialpädagogik als kreativer Prozess

Wird unter Kreativität die Fähigkeit verstanden, neue Beziehungen zu sehen, von herkömmlichen Denkschemata abzuweichen und ungewöhnliche Ideen und Einfälle zu produzieren, so wird der Bezug zur Sozialarbeit deutlich. Permanente Veränderungen der gesellschaftlichen Bedingungen, der persönlichen Situationen und der Umweltgegebenheiten erfordern flexible Einstellungen und Arbeitsweisen.

Da der helfende Prozess der Sozialarbeit/Sozialpädagogik ein Veränderungsprozess ist, wird auf die Entstehung von Neuem gezielt oder auf die Umstrukturierung von Bekanntem. Es handelt sich um Problemlösungsprozesse, um Kreativität auf zwei Ebenen:

einmal auf der des Helfers, der das Problem seines Klienten erkennen und Strukturierungshilfen leisten muss, um es sichtbar werden zu lassen, und der gleichzeitig Vorstellungen entwickelt, wie Hilfe möglich wird;

zum anderen auf der Ebene des Klienten, der mit Hilfe des Sozialpädagogen/Sozialarbeiters allmählich Problembezüge gewinnt, in kleinen Schritten Lösungsmöglichkeiten kennenlernt und sich dafür oder dagegen entscheidet.