Soziokulturelle Milieus und Kirche - Gerhard Wegner - E-Book

Soziokulturelle Milieus und Kirche E-Book

Gerhard Wegner

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Beschreibung

In den letzten Jahren ist in Deutschland ein neues Instrument zur besseren Wahrnehmung von Stärken und Schwächen der Kommunikation des Glaubens und der kirchlichen Praxis eingesetzt worden: die Analyse soziokultureller Milieus. Sie bietet so etwas wie eine Lupe, um die Verhaftetheit kirchlicher Praxis in den Erfahrungsformen und Lebensstilen der Menschen überhaupt sehen zu können. Damit werden die jeweiligen lebensstilbezogenen Attraktoren bzw. Distanzierungsmechanismen deutlich und auch prinzipiell analysierbar. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine umfassende Milieuanalyse anhand einer Repräsentativbefragung bei den Evangelischen im Gebiet der größten deutschen Landeskirche: der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zum ersten Mal wird hier das Verfahren der Korrespondenzanalyse zur Klärung des Verhältnisses Kirche und Milieus angewendet.

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Seitenzahl: 270

Veröffentlichungsjahr: 2013

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In den letzten Jahren ist in Deutschland ein neues Instrument zur besseren Wahrnehmung von Stärken und Schwächen der Kommunikation des Glaubens und der kirchlichen Praxis eingesetzt worden: die Analyse soziokultureller Milieus. Sie bietet so etwas wie eine Lupe, um die Verhaftetheit kirchlicher Praxis in den Erfahrungsformen und Lebensstilen der Menschen überhaupt sehen zu können. Damit werden die jeweiligen lebensstilbezogenen Attraktoren bzw. Distanzierungsmechanismen deutlich und auch prinzipiell analysierbar. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine umfassende Milieuanalyse anhand einer Repräsentativbefragung bei den Evangelischen im Gebiet der größten deutschen Landeskirche: der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zum ersten Mal wird hier das Verfahren der Korrespondenzanalyse zur Klärung des Verhältnisses Kirche und Milieus angewendet.

Dipl.-Sozialwirtin Petra-Angela Ahrens ist Referentin, Prof. Dr. Gerhard Wegner ist Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI der EKD), Hannover.

Petra-Angela Ahrens Gerhard Wegner

Soziokulturelle Milieus und Kirche

Lebensstile - Sozialstrukturen - kirchliche Angebote

Verlag W. Kohlhammer

Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Reproduktionsvorlage: Andrea Siebert, Neuendettelsau Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN: 978-3-17-022153-6

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-026417-5

epub:

978-3-17-027100-5

mobi:

978-3-17-027101-2

Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur Neuauflage

Vorwort

Einleitung

Teil 1: Kirchenmitglieder und Milieudifferenzierung: Ergebnisse der Repräsentativbefragung Evangelischer im Gebiet der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

1 Einleitung

2 Erhebungskonzeption und Durchführung

3 Ergebnisse zur Milieudifferenzierung

3.1 Sozialstruktur der Evangelischen in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

3.2 Indikatoren zur Lebensführung

3.2.1 Ausstattungsniveau

3.2.2 Modernität bzw. biografische Perspektive

3.3 Lebensführung und Sozialstruktur

3.3.1 Alterszugehörigkeit

3.3.2 Bildungsstand

3.3.3 Geschlechtszugehörigkeit

3.3.4 Elternschaft

3.3.5 Ortsgröße

3.4 Die Bedeutung sozialstruktureller Aspekte für die Lebensführung

3.5 Vorlieben für Musikrichtungen

3.6 Interesse an Fernsehsendungen

3.7 Die Bedeutung von Musikvorlieben und dem Interesse an Fernsehsendungen für die Lebensführung

3.7.1 Vorlieben für Musikrichtungen

3.7.2 Interesse an Fernsehsendungen

3.7.3 Zwischenbilanz

3.8 Grafische Darstellung zur Milieudifferenzierung im zweidimensionalen sozialen Raum

3.8.1 Musikvorlieben und Fernsehinteressen

3.8.2 Dimension 1: Modernität bzw. biografische Perspektive

3.8.3 Dimension 2: Ausstattungsniveau

3.8.4 Das Gesamtbild des zweidimensionalen sozialen Raumes

4 Lebensführung und Anknüpfungspunkte der kirchlichen Angebote

4.1 Die Teilnahme an gemeindlichen Angeboten

4.1.1 Anknüpfungspunkte

4.1.2 Teilnahme an gemeindlichen Angeboten im zweidimensionalen sozialen Raum

4.1.3 Bewertung

4.2 Bekanntheit und Nutzung übergemeindlicher Angebote bzw. Dienste

4.2.1 Anknüpfungspunkte

4.2.2 Bekanntheit und Nutzung übergemeindlicher Angebote bzw. Dienste im zweidimensionalen sozialen Raum

4.2.3 Bewertung

5 Resümee

Teil 2: Die Veranstaltungen

1 Durchführung und Evaluation der Veranstaltungen

2 Atmosphärisches: Eindrücke aus Ankündigungen und Beobachtungen der Veranstaltungen

2.1 Alfeld 2005: „Herzenswünsche im Advent“

2.2 Lange Nacht der Kirchen in Hannover 2006

2.2.1 „Performance: Zeitreise II“: Ruine der Aegidienkirche

2.2.2 „Brasilianische Nacht“: St. Thomas-Kirche

2.3 „Sommer am Ehmer Küsterberg“: Open Air (Gottesdienste) in Wolfsburg 2006

2.3.1 Open Air in Wolfsburg 1

2.3.2 Open Air in Wolfsburg 2

2.4 1. Lange Nacht der Kirchen in Wolfsburg 2006

2.5 „Ich wünsche dir Zeit“

2.5.1 Alfeld 2006

2.5.2 Bessingen 2007

2.5.3 Friedland 2007

2.5.4 Priepert 2007

3 Ergebnisse der schriftlichen Kurzbefragungen

3.1 Sozialstrukturelle Zusammensetzung des Publikums

3.1.1 Geschlechterverteilung

3.1.2 Alterszugehörigkeit

3.1.3 Bildung

3.2 Informationswege

3.3 Orientierungen im Publikum

3.3.1 Musikvorlieben

3.3.2 Veranstaltungsinteresse

3.3.3 Verbundenheit mit der Kirche

3.4 Veranstaltungsbewertung

3.5 Das Publikum der Veranstaltungen im zweidimensionalen sozialen Raum

4 Resümee

Teil 3: Neuschöpfung durch das Evangelium – Theologische Überlegungen zum Verhältnis von Mission und Milieu

Literatur

Anhang

Vorwort zur Neuauflage

Mit diesem Buch liegt eine durchgesehene und ergänzte Neuauflage der Milieustudie vor, die das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI) im Jahr 2008 veröffentlicht hat. Sie ist unter dem Titel: „‚Hier ist nicht Jude, noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier …‘. Erkundungen der Affinität sozialer Milieus zu Kirche und Religion in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers“ erschienen und war schon seit einiger Zeit vergriffen.

Durch einen Impuls der Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat in der Zwischenzeit eine Projektgruppe unter Beteiligung des SI eine Handreichung für Kirchengemeinden erarbeitet, die sich als anwendungsbezogene Hilfe zur Wahrnehmung verschiedener Milieus versteht. Sie basiert auf der SI-Studie und bezieht dabei auch Ergebnisse zur milieuspezifischen Verortung der Potenziale für ehrenamtliches Engagement in Kirchengemeinden ein, die für diese Handreichung ausgewertet wurden. Die Broschüre „Das Blickfeld erweitern. Menschen begeistern – Ehrenamtliche gewinnen“ ist unter Federführung von Albert Wieblitz vom Haus Kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche im Mai 2010 herausgegeben worden, dem wir herzlich für sein Einverständnis danken, diese handlungspraktische Ergänzung zu unserer Studie im Anhang dieses Buches zu dokumentieren.

Hannover, im August 2011

Petra-Angela Ahrens, Gerhard Wegner

Vorwort

Am Anfang stand die Verheißung: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus.“ (Gal. 3,28) Durch den Glauben sind sie alle „Kinder Gottes in Jesus Christus“. Da gelten die alten trennenden Unterschiede nicht mehr: diejenigen zwischen Sippen und Stämmen, zwischen Reichen und Armen, Kulturen und Rassen. Im Glauben sind sie alle gleich vor Gott. Partikulare Bindungen, an die sich die Identitäten heften, sind gesprengt. Bewusst wurde dieser universelle Charakter des christlichen Glaubens am Streit um die Geltung der Beschneidung: sie konnte keine Heilsbedingung mehr beanspruchen. Zur christlichen Gemeinde konnten nun Beschnittene und Unbeschnittene gleichermaßen gehören. Die Beschneidung war nur noch ein kulturelles, kein religiöses Zeichen. Gott ist ein Gott aller; „in ihm“ gibt es keine trennenden Unterschiede oder Grenzen.

So weit – so klar. Kein Christenmensch kann dem grundsätzlich widersprechen. „Grundsätzlich“ bedeutet: diese Aufhebung aller Unterschiede gibt es im Glauben – aber nicht im Schauen! Auf Erden bleiben sie bestehen und sie können sogar dadurch, dass man auf die Aufhebung aller Unterschiede eben im Glauben verweist, erst richtig gerechtfertigt werden. Es käme auf sie „grundsätzlich“ ja nicht an …

Aber der Stachel bleibt – und zwar im Blick auf die empirische Kirche: Wenn sie sich in ihrer aktiven Mitgliedschaft auf lediglich einige Ethnien, Gruppen, Klassen oder Schichten – oder eben soziokulturelle Milieus – reduziert, dann muss das Anlass sein, das eigene Tun zu überprüfen. Denn dann stellt sich die Frage, ob wirklich das universelle Evangelium – oder nicht vielmehr nur eine begrenzte rassische, klassen- – oder eben milieubezogene – „Ideologie“ verkündigt wird. Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn auch der universelle Glaube kann stets nur in partikularer Verkörperung bezeugt werden – sonst wäre er ein Hirngespinst. Wenn er sich allerdings dauerhaft in Abgrenzung und Distanz zu anderen Menschen und ihren kulturellen und sozialen Formen etabliert und entsprechend isoliert reproduziert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit etwas in der Kommunikation des Glaubens nicht stimmen. Nicht immer werden sich derartige Defizite umgehend beheben lassen – es bleibt dann aber ein Leiden an der Gespaltenheit des Christus-Leibes, das den Schmerz der Reduktion der Kirche bewusst bleiben lässt. Und dieser Schmerz treibt über die vorhandenen Gefangenschaften der Kirche hinaus.

In den letzten Jahren ist in Deutschland ein neues Instrument zur besseren Wahrnehmung von Stärken und Schwächen der Kommunikation des Glaubens und der kirchlichen Praxis entwickelt und vielfach eingesetzt worden: Die Analyse soziokultureller Milieus. Sie bietet so etwas wie eine Lupe, um die Verhaftetheit kirchlicher Praxen in den Erfahrungsformen, Lebensstilen und nicht zuletzt den Geschmäckern der Menschen überhaupt sehen zu können. Mit ihrer Hilfe kann man gut erkennen, das und warum sich in den klassischen sonntäglichen Gottesdiensten diese, in den Kirchenkonzerten jene und auf dem Kirchentag noch wieder andere Gruppen von Menschen tummeln - und weswegen die jeweils anderen dort eben nicht so gerne hingehen. Anders gesagt: die jeweiligen habitus- oder lebensstilbezogenen Attraktoren bzw. Distanzierungsmechanismen werden deutlich und damit auch – jedenfalls prinzipiell – bearbeitbar. Milieus werden damit zu einem wichtigen Thema einer jeden kirchlichen Praxis, die über den Kreis derjenigen, die bisher erreicht werden, hinausgehen will.

Das Ziel unseres Buches besteht darin, zu einem sinnvollen, theologisch und sozialwissenschaftlich reflektierten, aber gleichwohl pragmatisch vernünftigen Umgang mit der Milieuthematik beizutragen. Auf der einen Seite ermutigen wir zu einem pragmatischen Umgang mit der Milieuanalyse – warnen aber auf der anderen Seite auch vor einer Überschätzung dieses Instruments. Ohne gezielte und ernsthafte theologische und kirchenpraktische Reflexion und Steuerung seines Einsatzes ist es bestenfalls für Ersatzhandlungen brauchbar und gaukelt illusionäre Möglichkeiten vor. Wenn man das Instrument jedoch im Sinne authentischer Transformation des Evangeliums nutzt und schärft, zeigt es seine immense Nützlichkeit.

Der vorliegende Band umfasst eine Reihe von Texten und Studien, die aufeinander bezogen sind, aber durchaus auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Im Mittelpunkt steht eine große Analyse der Milieubezogenheit der größten deutschen Landeskirche: der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zum ersten Mal wird hier das Verfahren der Korrespondenzanalyse zur Klärung des Verhältnisses Kirche und Milieus angewendet.

In den Band eingeflossen sind insgesamt drei empirische Forschungsprojekte:

Zunächst eine Studie aus dem Jahr 2005, die sich auf Diskussionsverfahren mit kirchendistanzierten Vertretern aus vier verschiedenen Milieus stützt. Bereits diese Studie hat sehr deutlich die Vorordnung des religiösen Interesses vor jede Milieufrage aufzeigen können (Anhang A).

Dann die große Analyse zum Milieubezug der Evangelischen im Gebiet der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Diese Untersuchung konnte im Rahmen einer groß angelegten Mitgliederbefragung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers anlässlich der Kirchenvorstandswahlen 2006 durchgeführt werden. Unter anderem belegt sie unsere zentrale These der Vorrangstellung der religiösen Orientierung für die Beteiligung am kirchlichen Leben (Teil 1).

Schließlich eine Analyse der Milieubezogenheit einer Reihe von Veranstaltungen, die zum Teil ausdrücklich für dieses Projekt durchgeführt worden sind. Zum Teil sind sie unter einem klaren Milieubezug „vermarktet“ worden. An dieser Studie wird unsere zentrale These besonders gut belegbar, indem sich zwar eine beträchtliche Milieuerweiterung für kirchliches Handeln erreichen lässt, aber keine grundsätzliche Verschiebung (Teil 2).

Die Darstellung dieser drei Studien, insbesondere der zweiten und dritten, steht im Mittelpunkt dieses Buches. Ihnen nachfolgend werden einige grundlegende theologische Klärungen unter dem Titel „Neuschöpfung durch das Evangelium“ vorgenommen (Teil 3).

Am Zustandekommen des gesamten Projektes waren viele engagiert beteiligt. Ihnen allen möchten wir gerne Danke! sagen.

Unser Dank geht an Oliver Krieg von TNS-Emnid, der sich spontan bereit erklärte, eine Frage in eine laufende bundesweite Erhebung aufzunehmen und uns die Daten umgehend zukommen ließ. Dadurch wurden wichtige Vergleiche unserer Ergebnisse für die Evangelischen im Gebiet der Hannoverschen Landeskirche mit der bundesweiten Bevölkerung möglich.

Für sorgfältige Durchsicht der Ergebnisse zur repräsentativen Mitgliederbefragung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und wertvolle Hinweise zu ihrer Darstellung gilt unser herzlicher Dank Dr. Ingrid und Dr. Wolfgang Lukatis.

Bei der Konzeption und Durchführung der Veranstaltungen haben seitens des SI Elke Neuhausen und Dr. Heinrich Grosse nicht nur mitgedacht, sondern auch aktiv und mit Engagement mitgemacht bei der Organisation und der Durchführung der Kurzbefragungen vor Ort und sie haben ihre Eindrücke zu Publikum und Atmosphäre der Veranstaltungen in Beobachtungsprotokollen festgehalten. Wiebke von Nathusius hat mit bewährter Umsicht und Akkuratesse die Befragungsteams mit allem Notwendigen ausgestattet, auf den richtigen Weg zum Einsatzort gebracht und danach für die richtige Zuordnung der „Rückläufe“ Sorge getragen.

Danken möchten wir auch den Studierenden der Evangelischen Fachhochschule Hannover (jetzt Fakultät 5 – Diakonie, Gesundheit und Soziales der Fachhochschule Hannover), die im jeweiligen Befragungsteam des SI vor Ort mitgewirkt haben.

Unser besonderer Dank gilt Fritz Baltruweit vom Evangelischen Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik im Michaeliskloster in Hildesheim, der nicht nur die Gestaltung aller vom SI initiierten Veranstaltungen mitgeplant und -organisiert, sondern auch selbst aktiv darin mitgewirkt hat. Dabei hat er es – wie immer – verstanden, das jeweilige Publikum in das Geschehen einzubinden und wie selbstverständlich auch zum Mitmachen (-singen) zu bewegen. Als Beispiel dafür mag die ausnahmslos erfolgreiche Einübung des Kanons „Shalom“ stehen, die in jeder dieser so unterschiedlichen Veranstaltungen auch mental eine „Gemeinde“ entstehen ließ.

Schließlich richtet sich unser herzlicher Dank an die Kirchengemeinden, in denen die Veranstaltungen stattgefunden haben. Die Bereitschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer, Küster und der anderen (ehrenamtlich) Mitarbeitenden, sich für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen und ihre tätige Mithilfe bei der Durchführung haben das ganze Unternehmen überhaupt erst möglich gemacht: Nicolaikirche in Alfeld, St. Thomaskirche in Hannover, Aegidienkirche (Marktkirchengemeinde) Hannover, St. Ludgeri Ehmen (die auch selbst die Kurzbefragungen einschließlich der zur „1. Langen Nacht der Kirchen in Wolfsburg“ organisiert hat), Bessinger Kirche, St. Marien in Friedland, Dorfkirche Priepert.

Hannover, im Mai 2008

Petra-Angela Ahrens, Gerhard Wegner

Einleitung

Die vielfältigen Debatten der vergangenen Jahre über einen Umbau der Kirche, der gleichzeitig den gestiegenen Anforderungen in Sachen Kommunikation des Glaubens und den verringerten Ressourcen der Kirche gerecht werden muss, haben immer wieder das Thema der Reichweite eben dieser Kommunikation hochkommen lassen. Die Frage: Wen erreichen wir eigentlich (noch)? – beschäftigt viele Pfarrkonvente, Kirchenleitungen, kirchliche Einrichtungen und Arbeitsbereiche. Warum kommen immer nur diese Menschen und nicht jene zu unseren Veranstaltungen? Wie könnten wir neue Menschen für die Kirche und den Glauben gewinnen? Wie könnten wir wieder wachsen und mehr Bedeutung gewinnen – statt nur zu schrumpfen? Wer hat Geschmack an der Kirche und am Glauben – und wer nicht?

Die Kirche organisiert sich nicht für sich selbst, sondern hat ihre Existenzberechtigung ausschließlich darin, Menschen mit dem christlichen Glauben in Berührung zu bringen. Nicht die Inklusion in Kirche als solche ist folglich das alleinige Ziel, sondern sie ist lediglich der – allerdings: einzig mögliche – Weg, Menschen mit Erscheinungsformen des Glaubens – was immer das näher hin bedeutet – bekannt zu machen und sie in Formen des Austausches im Glauben hineinzuziehen. Die Beteiligung an der Kommunikation des Glaubens in diesem Sinne ist wiederum der entscheidende Indikator dafür, dass Menschen möglicherweise zum Glauben an Gott gefunden haben. Ohne Beteiligung an der sichtbaren Gestalt der Kirche in ihren vielfältigen Facetten geht es folglich nicht – aber diese sichtbare Gestalt hat nur funktionale Bedeutung und darf sich nicht vor die lebendige Begegnung der Menschen mit dem Evangelium schieben. Selbstkritik an der Verselbständigung ihrer eigenen Formen ist deswegen der Kirche inhärent und treibt sie in ihrer Organisationsentwicklung voran.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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