22,99 €
In zwölf lyrischen Naturbetrachtungen beleuchtet die Kräuterheilerin und Erd-Intuitive Asia Suler die Heilkraft der lebendigen Erde, in der wir uns wiederfinden und spiegeln können. Denn wir dürfen Selbstmitgefühl und Empathie als Kräfte für persönliche und ökologische Heilung nähren und pflegen und damit an der großen Erdwandlung teilhaben. Die Erde, die Natur, kann uns Spiegel sein, auf dass wir erkennen, wer wir wirklich sind. Inmitten einer noch nie dagewesenen Umweltzerstörung kann man leicht in Hoffnungslosigkeit oder Apathie verfallen. Noch leichter vergessen wir unser angeborenes Gutsein oder vernachlässigen wir die Kraft unseres Mitgefühls. Jenen unter uns, die hochsensibel und von Natur aus mit den Abläufen in der natürlichen Welt vertraut sind, mag es schwerfallen zu glauben, dass wir genug sind, so wie wir sind – und dass dieses Bewusstsein die Erde heilen kann. Indem sie Lehren aus den Heilungsprozessen der Natur zieht, erinnert uns Suler daran, dass unser Gutsein, unser Einfühlungsvermögen, unsere intuitiven Verbindungen und unsere Fähigkeit zum Selbstmitgefühl mehr als nur Gegenmittel gegen Verzweiflung sind; sie sind vielmehr unsere wirksamsten Mittel für die planetarische Transformation. Wenn wir lernen, uns selbst in der Tiefe zu nähren und zu akzeptieren, erschließen wir uns unsere lebendigen, heilenden Verbindungen zur Erde. Durch die Kombination von poetischen Naturbeschreibungen mit Übungen und Reflexionen am Ende jedes Teils regt »Spiegel der Erde« uns an, so zu sein, wie wir sind, und die in jedem von uns innewohnende Einzigartigkeit und Heilkraft zu entdecken und zu pflegen. Die Welt besteht, wie sich herausstellt, aus kleinen Segnungen. Sie werden uns zuteil, aber wir selbst sind ebenfalls eine. Ein Mensch zu sein, der Erdbeeren in einem Korb sammelt oder Muscheln am Strand, bedeutet, Teil einer Geschenkökonomie zu sein, die auf den kleinsten lebensspendenden Tauschvorgängen beruht. Durch solche kleinen Gesten können wir dazu beitragen, dass die Freigiebigkeit der Erde fortbesteht.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 483
Veröffentlichungsjahr: 2025
Stimmen zu Spiegel der Erde
»Sulers Sinn für das Wundersame ist ansteckend, und ihre Prosa verströmt ihre grenzenlose Ehrfurcht vor der Natur. Spirituelle Naturliebhaber werden diesen meditativen Band zu schätzen wissen.«
Publishers Weekly
»Ich bin erstaunt, wie ein kleines Buch so viel Weisheit enthalten kann. Jeder Absatz ist wunderschön geschrieben und, was noch wichtiger ist, so tiefsinnig. Aufschlussreich, erbaulich und lebensbejahend: Spiegel der Erde geht tief und reicht hoch. Dieses Buch, in dem es sowohl um ökologische als auch um persönliche Heilung geht, bietet dem Leser einen Weg zurück zu Selbstakzeptanz, Verbundenheit und Zugehörigkeit und befähigt ihn so, sich für die Erde einzusetzen.«
Rosemary Gladstar, Kräuterkundige und Autorin von Medicinal Herbs
»Asia Sulers Herz fließt über, wenn sie ihre Leser anleitet und dazu inspiriert, in sich hinein und hinaus in den Spiegel der Natur zu schauen, um so das Mitgefühl für sich selbst zu vertiefen. Suler erzählt mit Klarheit, Wärme und Offenheit von ihrer persönlichen Transformation, auch von den schmerzhaften Seiten. Dieses wunderschöne Buch lädt die Leser ein, zu sehen und zu erfahren, wie unsere persönliche Heilung der ganzen Welt Heilung bringen kann. Spiegel der Erde ist ein Mittel gegen Verzweiflung; es gründet im Lebensnetz und in der Liebe der Autorin zur Welt.«
Robin Rose Bennett, Autorin von Healing Magic
»Wenn du das Land heilen, heilige Räume erwecken oder die Natur regenerieren möchtest, wird dieses Buch dich zum Ursprung deiner Verbindung mit der Welt bringen. Hier solltest du beginnen.«
Sarah Thomas, Gründerin der Upper Clarity School of Stone Medicine
»Was Asia Suler schreibt, ist im wahrsten Sinne des Wortes heilsam: Ihre Worte tragen die heilenden Eigenschaften der Erde in sich. Dies ist ein Buch, mit dem man leben kann – ein Buch, das einen wieder nach Hause bringt. Teils persönlicher Heilungsweg, teils ein Loblied auf die lebendige Welt und teils Weisheitslehre, ist Spiegel der Erde die wild mitfühlende, wild liebende Orientierung, die wir alle in diesen Zeiten brauchen, um zu der uns angeborenen freudigen Ganzheit zurückzufinden.«
Sylvia V. Linsteadt, Autorin von Our Lady of the Dark Country
»Asia Suler legt dir einen Mantel aus Kiefernzweigen um die Schultern, nimmt deine Hand und führt dich in ein inneres Heiligtum aus Frühlingsblüten, uralten, mondbeschienenen Hainen und wiederauflebenden Myzelgespinsten. Du wirst wie verwandelt wieder auftauchen, die Taschen voll mit jadegrünen Erkenntnissen über die natürliche Welt, und dein Herz erstrahlt in der Wahrheit deiner Wildheit und erdig-weichen Güte. Asia hat einen Wegweiser geschaffen, der als unerschrockener und zärtlicher Führer in die Ewigkeit dienen kann.«
Juliet Blankespoor, Autorin von Der heilende Garten
»Dieses aufschlussreiche Buch führt die Leser auf einen heilsamen Weg zurück zur Weisheit der Erde, die uns allen zugänglich ist – ob in einem Stück Glimmer oder in der geologischen Erinnerung an uralte Meteoritenschauer. Mit ihrer weitreichenden Erfahrung und ihrem anmutigen Schreibstil hilft Asia Suler uns, eine innige, liebevolle und großherzige Beziehung zur natürlichen Welt wiederzufinden. Dies ist ein Buch, das ich immer wieder lesen und weitergeben werde, und ich werde meine Freunde drängen, es jetzt zu lesen.«
Perdita Finn, gemeinsam mit Clark Strand Autorin von The Way of the Rose
»Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bücher über ökologisches Bewusstsein den Leser irgendwo zwischen Hilflosigkeit und Verzweiflung stranden lassen. Was für eine wohltuende Erleichterung ist es dann, ein Buch zu finden, das uns zu einer wechselseitigen Heilung unserer selbst und der Erde führt, indem wir eine tiefe und dauerhafte Beziehung zu der uns umgebenden Landschaft kultivieren, was im Grunde ganz einfach ist. Von der feinfühligen Einleitung bis zu den detaillierten Beschreibungen der Blüten des Hundszahns (»wie winzige Feen, die das Moos um ihre Füße herum genau betrachten«), Buchen (»rund und elegant wie eine Schnapsflasche«) und dem besonderen Schimmer von Glimmer (»wie die Milchstraße, die sich freigiebig über die dunkle Erde ergießt«) webt Suler ein Ökosystem der Heilung, in dem sowohl der Mensch als auch die natürliche Welt eine wichtige Rolle spielt. Mit persönlichen Geschichten über die Heilung von Krankheit und Trauma sowie mit Übungen, die die Leser bei ihren eigenen Erkundungen anleiten, bietet Spiegel der Erde ein lebendiges Beispiel dafür, wie man Gemeinschaft und Gleichgewicht wiederherstellen kann.«
Maia Toll, Autorin des Buches Wild Wisdom
»Asia Sulers außerordentliche Fähigkeit, mit ihren Metaphern eine Fülle lebendiger Bilder zu schaffen, hat mich wieder in die Mitte meiner Zugehörigkeit versetzt, und das fühlt sich wie eine Heimkehr an. Manchmal heftig, aber immer weichherzig und ehrlich, sind Sulers Erfahrungen ein Leuchtfeuer, das den Weg zum spiegelnden Wasser erhellt, wo die Natur nicht nur als Spiegel, sondern auch als wohlwollender Lehrer dient. Dieses Buch ist ein Juwel, das man immer wieder lesen möchte, da es jedes Mal eine weitere Klärung der Spiegel der Erde mit sich bringt.
Pam Montgomery, Kräuterkundige, Lehrerin und Autorin von Plant Spirit Healing
»Asias Worte sind gleichermaßen tröstlich und lehrreich. Selbst in den dunkelsten Zeiten kann ihre Arbeit die innere Landschaft erhellen und uns einen Weg zu zeigen, wo es vorher keinen gab. Auf wundersame Weise bietet sie uns nicht nur Geschichten, sondern Zaubersprüche, die uns einen Weg durch unsere Welt bahnen und unser Leben so viel heller machen. Das Buch, das du in deinen Händen hältst, ist ein wahrer Schatz, dessen Gaben in dir leben und dich auf deinem Weg begleiten werden, lange nachdem du die letzte Seite umgeblättert hast.«
Sophia Rose, Kräuterkundige und Schriftstellerin
»Spiegel der Erde ist eine schöne Erinnerung daran, dass unsere Einweihung in die Natur ein lebenslanges Lernen ist. Als eine, auf die als Kind mehr projiziert wurde, als dass sie spiegeln durfte, war es so wohltuend, Asia Suler über die Natur als unseren ewigen Spiegel sprechen zu hören. Sie bietet einzigartige Einsichten, durch die sich diese göttliche Wahrheit von einer bloßen Idee zu etwas Greifbarem, Persönlichem und Wirklichem entwickelt. Wir werden daran erinnert, dass wir alle eine einzigartige Beziehung zu unserer leiblichen Mutter haben, und dasselbe gilt für die Große Mutter. Dieses Buch weckt in uns die Erinnerung daran, dass eine Beziehung zur Natur sowohl persönlich als auch allumfassend ist.«
Maryam Hasnaa At-Tauhidi, Gründerin der New Earth Mystery School und der Resonance Apothecary
»Lies dieses schöne Buch von Asia Suler, und deine Welt wird sich wieder drehen. Du wirst nicht nur sehen, dass die Welt dein Spiegel ist, sondern auch, dass die Welt dich anschaut. Du wirst von der Weide lernen, dass das, was bricht, neues Leben gebären kann, und von der Buche, dass es in Ordnung ist, länger an den Blättern festzuhalten, als das Lehrbuch sagt. Asia kommt mit einem Weidenzweig in der Hand, um uns bei der Heilung zu helfen, indem wir dem verzeihenden Land unsere Beichte ablegen, uns an den Regenerationszyklen der Erde ausrichten und uns daran erinnern, dass die Parzellen unseres Lebens – wie Gärten – Grenzen brauchen. Als beliebte Kräuterkundige und Hüterin der Erde entpuppt sich Suler als bezaubernde Poetin des Bewusstseins, die uns aufrüttelt, unser Leben zu heilen, indem sie bessere Geschichten darüber erzählt.«
Robert Moss, Autor des Bestsellers Dreaming the Soul Back Home
»Spiegel der Erde ist eine herzergreifende poetische Erkundung unseres Heilungsweges als Menschen: zur Selbstannahme, zur Überwindung unseres Traumas und vor allem zur Erinnerung daran, dass die Heilung der Erde bei uns beginnt. Asia führt den Leser geschickt auf den Weg, unsere Erinnerung daran wiederzubeleben, dass wir ein Teil der Erde sind und die Erde ein Teil von uns ist, und dass Heilungsarbeit das Wichtigste ist, was wir heutzutage tun können.«
Sajah Popham, Autorin von Evolutionary Herbalism
»Spiegel der Erde ist ein Buch der Hoffnung in Zeiten, die sich hoffnungslos anfühlen, ein von der Natur gesegneter Aufruf zu Heilung und heilsamem Handeln. Asias sanfter Geist zeigt uns den Weg, uns zu transformieren und neu auszurichten, nicht getrennt von der Welt, sondern im Dienst an der Welt. Wenn Sie sich auf dieses Buch einlassen, werden Sie neu verwoben mit dem Gewirk der Natur und tief verbunden sein mit unserer wechselseitigen Heilung.«
Heatherash Amara, Autorin von Warrior Goddess Training
Asia Suler
Spiegel der Erde
Es gibt heute unbedingt viele gute Gründe, das weibliche Geschlecht wieder besser sichtbar zu machen. Dies ist seit mehr als 40 Jahren auch Anliegen unseres Verlages. Ob dies durch Gendern erreicht wird, darf man jedoch hinterfragen, immerhin geht es um unsere Muttersprache. Sicher ist, dass der grammatische Genus nichts über das Geschlecht (Sexus) aussagt. Deswegen halten wir uns als Verlag beim Gendern bewusst zurück. Ausführliche Begründung dazu unter www.neue-erde.de/derdiedas
Asia Suler
Die Segnungen der Natur und unser Gutsein
Bücher haben feste Preise.
1. Auflage 2025
Asia Suler
Spiegel der Erde
Der Titel des englischen Originals lautet »Mirrors in the Earth«.
Copyright © 2022 by Asia Suler. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches, mit Ausnahme einer kurzen Rezension, darf ohne die schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise – elektronisch, mechanisch, durch Fotokopieren, Aufzeichnen oder anderweitig – vervielfältigt, in einem Abrufsystem gespeichert oder übertragen werden.
Übersetzt aus dem Englischen von Andreas Lentz.
This translation published by exclusive license from North Atlantic Books and by the agency of Agence Schweiger.
© für die deutsche Ausgabe Neue Erde GmbH 2025
Alle Rechte vorbehalten.
Umschlag:
Foto: canadastock/shutterstock.com
Gestaltung: Dragon Design, GB
Lektorat: Deutsches Lektorenbüro, Würzburg
Satz und Gestaltung:
Dragon Design, GB
eISBN 978-3-89060-006-2
ISBN 978-3-89060-871-6
Neue Erde GmbH
Cecilienstr. 29 · 66111 Saarbrücken
Deutschland · Planet Erde
www.neue-erde.de · [email protected]
In der Mitte der Erde gibt es eine Quelle, die klar wie Regenwasser hervorquillt. Aus weichem Waldboden entspringend, sprudelt diese Quelle seit Anbeginn der Zeit und wird noch lange nach uns weiterfließen.
In der Mitte der Erde befindet sich ein Strom des Wohlwollens.
Und du bist eingeladen, wieder davon zu trinken.
Vorwort
Einführung: Ein Buch über Glimmer
Teil Eins Der Schimmer Sich selbst sehen
1 Grenzen des Gartens und das Paradies auf Erden
2 Florida und innere Welten
3 Die Jahreszeiten des Traumas
4 Die, die ihr Laub behalten
Teil Zwei Der Spiegel Sich selbst wertschätzen
5 Zarter Frühling
6 Die Dosis verringern
7 Die Welt sieht dich
8 Junge Wälder
Teil Drei Das Leuchten Sich der Welt schenken
9 Weidenwasser
10 Die Zuckerbienen
11 Kastanienhaine und das Aufkeimen von Hoffnung
12 Der Reishi-Baum
Danksagungen
Anmerkungen
Über die Autorin
Stichwortverzeichnis
Weitere Titel bei Neue Erde
Büchernehmen dich mit auf eine Reise. Als Leserin war mir das von Anfang an klar, aber ich hatte keine Ahnung, wie tief es geht, wenn ich selbst die bin, die das Buch schreibt. Der Anstoß, dieses Buch zu schreiben, kam vor fast zehn Jahren. Zunächst war es ein sanftes Stupsen, wie ein Windhauch durchs offene Fenster. Mit der Zeit wurde das Gefühl immer drängender. Lange Zeit fühlte es sich an, als wachte ich morgens mit einer Katze auf, die sich auf meiner Brust zusammengerollt hatte – warm, schnurrend, schwer, unnachgiebig. Doch jedes Mal, wenn ich wirklich anfangen wollte, war ich ratlos, weil ich nicht genau wusste, worum es in meinem Buch gehen sollte.
In jenen Tagen verbrachte ich unzählige Stunden damit, aus den gewölbten Glasfenstern unserer Kleinstadtbibliothek zu blinzeln, während mein Computer vor sich hin dümpelte. Es dauerte Jahre, bis ich erkannte, dass das, was mich drängte, dieses Buch zu schreiben, genau das war, was ich überhaupt erst brauchte, um dieses Buch zu schreiben. Denn obgleich das Buch jeden Morgen selbstgefällig wie eine Katze erschien, konnte ich nicht wirklich loslegen, weil ich tief in mir überzeugt war, es nicht zu können. Ich musste mich auf den in diesen Kapiteln beschriebenen Weg zur Selbstakzeptanz begeben, um mich so klar zu sehen, dass ich verstand, was ich zu sagen hatte. In diesem Prozess wurde ich erst zu der Person, die »Spiegel der Erde« schreiben konnte.
Die Geschichten in diesem Buch sind die Aufzeichnungen von meinem Weg zur Verwirklichung – eine Landkarte der göttlichen Offenbarungen –, so wertvoll für mich wie eine Kette von Rubinen. Geboren aus den weiten Hartholzhainen der Appalachen, den wilden Quellen Floridas, den versteckten Parks von New York City und einer ganzen Reihe anderer wilder Orte, sind diese Geschichten jene Gleichnisse, die mir halfen, zu meiner Zugehörigkeit zur Erde zurückzufinden und auf die Rolle zu vertrauen, die ich bei der umfassenderen Heilung spielen sollte.
Schließlich, nach fünf Jahren mit neuen Anfängen und dem Verwerfen von Entwürfen, machte ich eine lebensverändernde Erfahrung: An einem mit Weiden bestandenen Ufer konnte ich mir selbst vergeben. Die Botschaft jenes Tages – auf die ich später in diesem Buch zurückkomme – ließ mich erkennen, worauf ich die ganze Zeit eigentlich hingeschrieben hatte. Es handelt sich nicht bloß um eine Sammlung tröstlicher Naturgeschichten oder um einen lyrischen Leitfaden für ökologisches Lernen. Es ist vielmehr ein Buch mit einer radikalen Prämisse: der persönlichen und ökologischen Heilung. Es ist eben jenes Buch, das ich schon die ganze Zeit gelebt habe.
Im Laufe der folgenden Jahre sammelte ich die wichtigsten meiner von der Erde erhaltenen Offenbarungen – und erlebte unterwegs noch ein paar mehr. Durch das Schreiben habe ich den Weg des Selbstmitgefühls, auf den mich die Erde geführt hatte, neu gebahnt, damit ich ihn jederzeit wieder gehen kann. Damit ich ihn mit dir gehen kann.
Wir machen unsere Wege, indem wir sie gehen – und dies ist der neue Weg, den unsere Erde von uns will. Ein Weg zurück zu Selbstannahme, Verbundenheit, Zugehörigkeit und Wohlwollen. Ein Weg, der zu einer Welt führt, in der alles Leben als wertvoll angesehen wird – und in der jede von uns zum Erkennen der wunderbaren Gaben kommen kann, die wir zu teilen haben.
Denn deine Gaben sind genau das, was den kommenden Übergang auf der Erde möglich machen wird.
Ich dachte immer, ich bräuchte ein erderschütterndes Ganzheitserlebnis, um zu dem Menschen zu werden, der sich in seinen Gaben und seinem Mut gefestigt genug fühlte, um ein Buch über Selbstmitgefühl zu schreiben. Aber jetzt, nachdem ich diesen erdigen, aufgeweichten, von Blumen und Moos übersäten Weg gegangen bin, vom Rauschen des Baches sanft begleitet, weiß ich, dass die Medizin, nach der wir uns sehnen, genau hier unter unseren Füßen liegt; man muss nur nach unten schauen.
Schau in die Spiegel der Erde, und Heilung wird dich willkommen heißen.
EsistMittsommerin den südlichen Appalachen, und die Luft ist zum Schneiden. Man spürt das Wasser, das vom Wind getragen an einem vorbeistreicht, wie ein Atemhauch auf Seide. Ich laufe durch den Wald, barfuß und langsam. Das dichte Blätterdach hat die Schwüle gemildert, und meine Fußsohlen sind kühl auf dem Boden. Je weiter ich gehe, desto mehr verlangsamen sich meine Schritte, bis ich schließlich vor Staunen innehalte. Ich bleibe stehen, blicke auf den Waldboden unter mir und spüre, wie die Welt plötzlich auf dem Kopf steht. Mit meinem Verstand weiß ich, dass ich auf den Boden schaue, aber ein unvermitteltes wunderbares Schwindelgefühl sagt mir, dass die Erde umgedreht wurde und ich nach oben falle, in das sternenklare Weltenall. Überall glitzert und funkelt es – Milliarden und Abermilliarden von Glimmerflecken glitzern über den Waldboden. Es sieht aus, als würde sich die Milchstraße großzügig über den dunklen Boden verteilen. Ich bin barfuß im Wald und laufe zwischen Sternen umher.
Wenn du von Asheville aus nach Norden in das Herz der Blue Ridge Mountains von North Carolina fährst und dann scharf rechts abbiegst, um eine weitere halbe Stunde lang in den Falten der Berge weiterzufahren, kommst du zu einer alten Glimmermine. Glimmer hat in diesem Teil der Appalachen eine lange Geschichte; der Abbau dieses Minerals war einst ein großes Geschäft in diesen Bergen. Glimmer hat eine einzigartige chemische Struktur, die ihn sowohl zu einem Isolator macht, der die Wärme drinnen hält, als auch zu einem Leiter, der die Wärme durchlässt. Legt man ein Glimmerblatt zwischen eine heiße Kohle und einen Räucherkegel, verwandelt es den Kräuterturm in vollkommen unverkohlte Asche. Der als Isinglass vermarktete Glimmer wurde im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert zur Herstellung von Fenstern in Holzöfen und für die Stirnseiten von Petroleumlampen verwendet.1
Schon Jahrtausende zuvor war Glimmer bei den indigenen Völkern dieser Berge ein wichtiger Bestandteil von Zeremonien, so auch bei den Tsalagi oder Cherokee, den ursprünglichen Bewohnern der Gegend um das heutige Asheville. Glimmer aus den südlichen Appalachen wurde über Pilger- und Handelsrouten bis zu den legendären Hügeln der Hopewell-Kultur in Ohio transportiert.2 In den riesigen, von Menschenhand geschaffenen Erdwerken dieser Kultur wurden vor zweitausend Jahren Glimmerstücke aus den Appalachen vergraben, die zu Klauen, Pfeilen, menschlichen Körpern, Bären und Ovalen geformt waren. Einige Archäologen meinen, die kreisförmigen Glimmerstücke könnten für die Spiegelweissagung hergestellt worden sein – eine Wahrsagepraxis, bei der man in eine reflektierende Oberfläche blickt, um Visionen aus dem Jenseits zu erhalten.
Zu der Zeit, als ich meine Reise zur Glimmermine unternahm, lebte ich bereits seit mehreren Jahren in den Bergen im Westen von North Carolina und arbeitete als Kräuterkundige. Fasziniert von allen Aspekten der Naturmedizin, war ich an diesem Tag mit einer Gruppe von Steinesuchern in den Wald gekommen, um nach verschiedenen Edelsteinen, darunter Aquamarinen und Granaten, zu suchen. Doch während meine Begleiter sich weit über den Hang verstreuten, um die Abraumhalden der alten Mine zu durchkämmen, konnte ich nicht aufhören, den Glimmer zu meinen Füßen zu bestaunen.
Als ich dort im Wald stand, streifte eine sanfte Brise den Saum meines verblichenen Baumwollrocks. Mein Zopf, der fest wie ein Seil über meine linke Schulter hing, reichte bis zur Erde. Langsam beugte ich mich hinab, wobei mein Rock mich wie ein Wasserfall umspielte, und hob eine Sternenscherbe vom Boden auf. Ich zog den Glimmer aus seinem kleinen Krater in der Erde hervor. Es war das dickste Stück, das ich je gesehen hatte, mit seltsamen Schichtungen, die wie die Seiten eines zerlesenen alten Buches hervorstanden. In meiner Handfläche glitzerte die Spitze wie ein alter Spiegel und warf das diffuse Waldlicht auf mein Gesicht. Als ich ihn leicht drehte, funkelte mich der Stein an, und ich errötete in einer Art kindlichem Stolz. Es fühlte sich an, als würde mir meine Oma zuzwinkern, während ich in meiner Sonntagskleidung im Dreck spielte.
In diesem Augenblick wurden mir zwei Dinge bewusst: die Schwere der Selbstzweifel, die sich in mir versteckt hatten, und die Tatsache, dass das Heilmittel überall vorhanden war. Es fühlte sich an, als ob die großmütterliche Präsenz des Glimmers mir ins Ohr flüsterte: »Mach dir keine Sorgen, du bist gut, mein Mädchen.« Fast alle meine Kameraden waren jetzt außer Sichtweite und suchten nach exotischeren Stücken, aber ich konnte dieses Stück Glimmer nicht weglegen. Es war ein Spiegel, und die Selbstannahme, die ich darin sah, war genau das, was ich brauchte, um zu heilen.
Die Brise bewegte die Blätter der Ahornbäume und zauste mein Nackenhaar. Meine Füße, die wie festgewurzelt waren, hatten den Erdboden auf die Temperatur meines Körpers erwärmt, so dass ich zwischen meinen Fußsohlen und dem Boden keinen Unterschied mehr wahrnahm. Der Glimmer in meiner Hand blinkte wie ein Morsecode, und ich empfing die Botschaft – sie war so einleuchtend und einfach, dass mir nach Weinen zumute war.
* * *
Die Erde möchte, dass wir unser Gutsein erkennen – denn damit beginnt die Heilung.
Was hat dich hergeführt?
Einige Jahre vor dieser Begegnung mit dem Glimmer hatte ich alles in mein Auto gepackt, was ich aus meiner winzigen Wohnung in Brooklyn mitnehmen konnte, war den ganzen Tag durch sintflutartigen Frühlingsregen gefahren und erreichte bei Einbruch der Dunkelheit die Blue Ridge Mountains. Ich war an der Chestnut School of Herbal Medicine angenommen worden und ließ mein ganzes Leben in der Stadt hinter mir, um im Süden neu anzufangen. Damals dachte ich, ich wüsste, was Kräuterkunde ist. Wenn ich jetzt zurückdenke, wird mir klar, dass ich keine Ahnung hatte. An jenem ersten Tag in der Schule war ich die einzige in der Klasse, die nicht wusste, was eine Tinktur ist oder wie man Kräutertee zubereitet. Ich erinnere mich, wie ich beim gemeinsamen Mittagessen einen vollen Teller auf meinem Schoß balancierte und kaum etwas essen konnte. Es war nur eine Frage der Zeit, dachte ich, bis jemand herausfände, dass ich eine Schwindlerin war. Noch heute kann ich nachfühlen, wie stark meine Selbstzweifel waren. Zum Glück war aber mein Lerneifer noch stärker. Als ich in die Berge zog, stürzte ich mich mit Haut und Haar in die Kräuterkunde. Ich widmete mich einer Ausbildung, die eine Brücke zu meinem Lebenswerk werden sollte, und meine Lehrmeisterin war die Erde.
Nach meinem Abschluss an der Kräuterschule gründete ich ein kleines Geschäft namens One Willow Apothecaries. In den ersten Jahren verkaufte ich pflanzliche Arzneimittel und bot von zu Hause aus Beratungen an. Wie ich mich weiterentwickelte, entwickelte sich auch das Geschäft – es wandelte sich von einem einfachen Versandhandel mit pflanzlichen Produkten zu einer fächerübergreifenden Bildungseinrichtung, in der die Menschen lernen konnten, sich seelisch mit der Erde zu verbinden. In meinen Unterricht bezog ich alles ein, was ich selbst über die Verbindung mit der lebendigen Welt gelernt hatte: Ökologie, Mykologie, Geologie und erdbezogene mystische Überlieferungen. Schon bald begann ich, auf Konferenzen im ganzen Land zu sprechen, auch wenn ich erst ein paar Jahre unterrichtet hatte; aber ich tat es mit einer Leidenschaft, die so unmittelbar und gehaltvoll war wie ein ätherisches Öl. Ich leitete Retreats und nahm Menschen für Workshops mit in die Wälder. Schließlich gründete ich eine Online-Schule. Heute, über ein Jahrzehnt nach meinem ersten unbeholfenen Unterrichtstag, ist One Willow zu einem internationalen Bildungszentrum geworden. Und ich habe meine wahre Berufung als Guide gefunden, als jemand, der Menschen hilft, ihre tiefe Verbindung mit der Erde – und mit dem Grund ihres tiefsten Selbst – wiederherzustellen.
Im Laufe der Jahre wurde mir immer wieder die gleiche Frage gestellt: Wie bist du dazu gekommen? Immer wenn mich das jemand fragte, wusste ich, wie die wirkliche Frage lautete: Wie hast du es geschafft, deinen Lebensunterhalt aus der Verbindung mit der Natur zu bestreiten? Und wie kann ich das auch? Doch ich kann diese Frage nicht beantworten, ohne zunächst über meine ersten Tage in den Bergen zu berichten; und darüber zu sprechen, wie ich in den Bergen gelandet bin, mit nackter Seele und auf der Suche nach Verbindung, als hinge mein Leben davon ab; und nicht ohne über das zu sprechen, was vorher war.
Alles, was du in deinem Leben erlebt hast, ist wie zu Sand zermahlene Muscheln, ist wie die windgepeitschte Küstenlinie, die dich hierhergeführt hat. So seltsam und kurvenreich der Weg manchmal auch erscheint, mit den Gezeiten wechselnd oder in der Brandung verschwindend, am Ende ist der Weg immer genau richtig, weil man angekommen ist. Wenn man mich fragt, was mich hierhergebracht hat, sage ich normalerweise, ich sei in die Berge gezogen, um Pflanzen und Steine zu studieren – und um der Erde nahe zu sein. Die tiefere Wahrheit ist, dass ich in diese Berge und in ein der Natur gewidmetes Leben gelangt bin, weil ich selbst dringend der Heilung bedurfte.
* * *
Nach jener langen, regennassen Fahrt in den Süden, wo ich ein neues Leben beginnen wollte, lebte ich eine Woche lang in einer Herberge, bevor ich die heruntergekommene Mietwohnung am Rande der Stadt fand, die für die nächsten vier Jahre mein Zuhause sein sollte – ein kleines blaues Haus aus den 1920er Jahren mit einem so stark abgesenkten Boden, dass ich keinen Bleistift auf den Küchentisch legen konnte, ohne dass er herunterrollte. Für mich war das Haus der Himmel. Zu dem Häuschen gehörten rund 1000 Quadratmeter grasbewachsener Hang, auf dem ich einen Garten anlegen konnte, ein ruhiges Schlafzimmer zum Lernen mit Aussicht auf die Falten des Bergrückens über der Talsohle – ein Horizont, der zu meinem Prüfstein werden sollte, als ich nun begann, mich von den Strapazen zu erholen, die ich in meinem Übergang zum Erwachsensein durchlebt hatte.
Ich war erst Mitte zwanzig, als ich in jener ersten Nacht, eine Woche vor Beginn der Kräuterschule, in dem blauen Häuschen meinen Schlafsack ausrollte, und doch hatte ich in meinem Leben schon einiges erlebt. Eine Reihe von missbräuchlichen Beziehungen und Traumata hatten meine Teenagerjahre geprägt, dicht gefolgt von lähmenden gesundheitlichen Problemen, darunter eine Krankheit mit chronischen Schmerzen namens Vulvodynie. Sie betrifft die Muskeln und Nerven der Vulva und des Beckenbodens und kann von leichten Beschwerden bis zu quälenden Funktionsstörungen reichen. Leider befand ich mich am äußersten Rand dieses Spektrums. Ich war mitten im Studium, als ich die Diagnose bekam. Im Unterricht zu sitzen, fühlte sich an den meisten Tagen an, als säße ich auf einem Nagelbett. Ich zählte die Minuten, bis ich in den Wald gehen konnte, um allein zu sein, mich auf die Erde zu legen, zu weinen und Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Während meiner gesamten Studienzeit war ich sozusagen in zwei Schulen: auf dem Vassar College und in der Heilakademie der Natur. Meine Zeit in den Hörsälen von Vassar war intellektuell anregend, und ich werde nie vergessen, was für ein Privileg es war, dort studieren zu dürfen, aber meine Zeit in der Natur war mein Balsam, meine sichere Zuflucht und ein Klassenzimmer für meine Seele.
Als Kind der Vororte von Philadelphia wuchs ich nicht in enger Verbindung mit der Natur auf. Ich wusste, dass man Weinbergslauch essen kann, dass Bienen stechen und dass dunkle Wolken ein mögliches Gewitter ankündigen, aber meist war die Natur für mich nur so etwas wie ein verwaschenes Aquarell. Als ich zum ersten Mal chronische Gesundheitsprobleme bekam, veränderte sich mein Umgang mit allen und allem – auch mit der Natur. Wenn die Schmerzen am schlimmsten waren, fühlte ich mich nur im Wald wirklich getröstet. Obwohl meine Wunden für die meisten Menschen unsichtbar waren, wurden sie von der lebendigen Welt gesehen. Bei den Bäumen und Bächen konnte ich ganz ich selbst sein – voller Schmerzen, verwirrt, suchend und tieftraurig. Ich ging als verwundetes Wesen in den Wald, und der Wald nahm mich an, als sei ich nie anders als ganz gewesen. Je mehr ich mich mit ihm verband, desto stärker konnte ich die großartige Weisheit der Erde wahrnehmen. Ein lebenslanger Schleier lüftete sich vor meinen Augen. Ohne ihn sah ich, dass die nichtmenschliche Welt empfindungsfähiger, intelligenter, wohlwollender und lebendiger ist, als mir je gewahr geworden war.3
Heute, nachdem ich mit Tausenden von Schülern und Klienten aus aller Welt gearbeitet habe, weiß ich, dass wir oft auf genau diese Weise anfangen, unsere Verbindung zur Erde zu heilen. Eine Katastrophe ereilt uns, ein Trauma folgt, die Härte des Lebens trifft uns zu schwer, als dass wir sie alleine ertragen könnten, und unsere Seele fliegt auf der Suche nach Trost geradewegs durch die Fenstertür, die uns von der Außenwelt trennt. Wenn wir im tiefsten Innern Heilung brauchen, wird uns die Natur immer wieder zu sich nach Hause holen – nicht nur in die Eichenwälder oder Buchten am Wasser, sondern auch zu den Wohnungen in uns selbst, von denen wir uns entfremdet haben. Wenn ich über die Tage der chronischen Schmerzen spreche, sage ich oft, dass die Welt in meinem Körper so unangenehm war, dass ich nach draußen gehen musste. Aber jetzt weiß ich, dass die Intelligenz meines Körpers mich in den Wald trieb, weil er verstand, dass ich zu mir heimfinden würde, wenn ich die hellen, von Weiden gesäumten Teiche, diese Spiegel in der Erde, besuchte. Mein Körper wusste, dass diese Heimkehr der erste Schritt zur Heilung war – für mich selbst und für die Welt.
Ein Cheerleader für die Seele
Es gibt interessante ökologische Übereinstimmungen zwischen Ostchina und den Appalachen. Wann immer dieses Thema zur Sprache kommt, nicken sich Botaniker wissend zu. »Die Wälder Ostasiens und der südlichen Appalachen sind sich so ähnlich«, bemerkt der Ökologe George Constantz, »dass man sie kaum auseinanderhalten könnte, wenn man von einem zum anderen spränge«.4 Manche meinen, diese Ähnlichkeit reiche bis in die Zeit des Superkontinents Laurasia zurück, als diese beiden Regionen der Welt enge Nachbarn waren.5 Obwohl sie auf tektonischen Platten auseinandergedriftet sind, sind sich diese beiden Lebensräume über die Jahrtausende so ähnlich geblieben, dass viele aus China stammende Pflanzen hier gut gedeihen, darunter japanische Ahorne, Wasabi und asiatischer Ginseng.
Wie sich herausstellte, blühen hier auch sehr alte chinesische Heiltraditionen. Zwei Jahre nach meinem Abschluss an der Kräuterschule, als ich noch in meinem blauen Häuschen lebte, stieß ich auf Praktiker der daoistischen Steinheilkunde, die ebenfalls in diese Berge verpflanzt worden waren. Jeffrey Yuen, ein älterer Lehrer und daoistischer Priester in der achten Generation, hat die Jade-Purity-Linie der chinesischen Medizin hier in die Berge verpflanzt, ein einzigartiges Juwel in der Tradition der chinesischen Heilkunst. Ich befand mich im ersten Jahr meiner Ausbildung in daoistischer Steinheilkunde bei Sarah Thomas – einer gefragten örtlichen Akupunkteurin und Lehrerin dieser Linie –, als ich die verlassene Glimmermine besuchte und die für mein Leben wesentlichste Botschaft fand: Die Erde möchte, dass wir unser Gutsein sehen, denn die Heilung der Selbstverurteilung ist wesentlich für die Heilung der Welt.
Am Tag nach unserem Besuch in der Mine traf sich Sarahs Klasse zu einem Vortrag. Mitten in der sommerlichen Hitzewelle saßen wir in einem abgedunkelten Wohnzimmer: fünfundzwanzig Studenten mit Stift und Papier, bereit, das Ben Cao für Glimmer zu schreiben. Ein Ben Cao, im Westen Materia medica genannt, ist das gesammelte, schriftlich niedergelegte Wissen über ein bestimmtes Heilmittel – in diesem Fall einen Stein. Die Informationen in einem Ben Cao stammen aus den unterschiedlichsten Quellen – darunter klinische Erfahrungen, wissenschaftliche Studien und alte Texte – und können Tausende von Jahren zurückreichen. Wir hatten bereits das Ben Cao von einem Dutzend anderer Steine erarbeitet; heute wollten wir über Glimmer sprechen. Während es sich die Schüler auf der Couch gemütlich machten, begann Sarah zu erklären, warum Glimmer so heilkräftig ist. In der chinesischen Medizin wird Heilung ganzheitlich verstanden; es gibt keine Unterscheidung zwischen Körper, Geist und Seele. Steine werden wie Kräuter auf Rezept verabreicht, und jeder Stein hat seine eigenen heilenden Eigenschaften. Wir lernten bald, dass die Fähigkeit des Glimmers ist, uns unser Gutsein zurückzuspiegeln.
Der Glimmer, auch Mo Xi Shi oder Quellstein genannt, hilft, uns an unsere göttliche Natur zu erinnern und die Spinnweben zu entfernen, die unsere Fähigkeit, unseren Eigenwert zu erkennen, beeinträchtigen. Glimmer ist ein Spiegel, und er zeigt uns unser wahres Selbst. »Gebt einem Klienten während einer Behandlung ein Stück Glimmer in die Hand«, verriet Sarah, »und es wird ihn daran erinnern, wer er ist: ein göttliches Wesen, das von Natur aus gut ist, ganz gleich, wie schwer der Weg war. Wie ein Cheerleader für die Seele erinnert uns der Glimmer daran, dass es genügt, die zu sein, die wir sind, um der Erde Licht zu bringen. Bei einer Akupunkturbehandlung kann Glimmer wie ein Stein der Wiedergeburt wirken, der einer angeschlagenen Seele und einer müden Welt einen Neuanfang beschert.« Während Sarah sprach, schrieb ich so schnell wie möglich mit und konnte die Tränen kaum zurückhalten. Es hätte keine passendere Bestätigung geben können für das, was ich am Tag zuvor in dem Wald, dessen Boden mit Glimmer übersät war, empfunden hatte. Es war die Bestätigung, nach der meine Seele so lange gesucht hatte.
* * *
Hätte man mich in den ersten Jahren meiner chronischen Schmerzen gefragt, wo der größte Schmerz sitzt, hätte ich auf die gereizten Nerven und Muskelfasern meines Beckenbodens verwiesen. Unabhängig davon, wie stark unsere körperlichen Schmerzen sind, haben die meisten Verletzungen ihre Wurzeln in unserem emotionalen Boden.
Als ich am College war und die Diagnose Vulvodynie erhielt, sagten die Ärzte, meine einzige Möglichkeit bestünde darin, die Nervenenden aus diesem Bereich meines Körpers operativ entfernen zu lassen. Nachdem ich all die Nachmittage im Wald verbracht hatte – und miterlebt hatte, wie sich die Erde nach heftigen Regenfällen oder Rauhreif selbst heilte –, verzichtete ich auf die Operation und beschloss, meinen eigenen Weg zu gehen. Es war ein gewundener steiniger Weg der Heilung, welcher Physiotherapie, Ernährungsumstellung, Trauma-Integration und die ständige Pflege der lebendigen Welt beinhaltete; aber als ich fast fünf Jahre später in mein kleines blaues Haus in den Bergen kam, war ich schmerzfrei.
Das Verschwinden der körperlichen Schmerzen war ein Wunder, aber als ich in die Appalachen kam, wusste etwas in mir, dass es, wie beim Glimmer mit seinen vielen Schichten, immer noch Schichten gab, die geheilt werden mussten. In der Kräuterkunde sprechen wir vom spiralförmigen Weg der Heilung. Wenn du immer tiefer gehst und die Quelle deiner Kraft und die Gaben freilegst, die du in die Welt bringen sollst, wirst du immer wieder auf dieselben Lektionen stoßen. Mit jeder Umdrehung erreichst du eine neue Ebene der Vollendung, des Mitgefühls und des Verständnisses. Wahre Heilung verläuft nicht linear; sie ist ein Labyrinth. Auf unserem Weg haben wir die Möglichkeit, uns der alten Wunde mit neuen Perspektiven und gereiften Kräften zu nähern und mit jeder Runde auf eine neue Ebene der Heilung zu gelangen.
Wenn wir an einer Überzeugung festhalten, die dem Wachstum unserer Seele nicht förderlich ist, wird unsere Seele versuchen, über unseren Körper unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen – manchmal mit einem Zustand oder einem Vorfall, der so offenkundig ist, dass wir nicht länger ignorieren können, was in uns vorgeht. Von dort aus werden wir durch die Schichten unserer emotionalen Wunden geleitet, den ganzen Weg hinab bis zu der Wurzel, an der alles begann: dem ersten nicht stimmigen Glaubenssatz.
Als ich an jenem Tag in der Mine im Wald stand, mit einer Ansammlung von Glimmer zu meinen Füßen, hatte ich das, was man einen »Erleuchtungsmoment« nennt. Ich nahm den kleinen Spiegel in die Hand und holte einen Teil meiner Seele zurück. Damit kam die Wahrheit ans Licht, die ich mir nach meinem schwierigen frühen Erwachsenwerden, nach meiner Diagnose und in den Jahren der Heilung nicht eingestehen konnte. Als die Sterne in der Erde auseinanderfielen, erkannte ich endlich, was dieser verborgene Glaube war – eine Gedankenform wie eine Klette, die so tief in den Fasern meines Wesens steckte, dass sie mir bis jetzt nicht bewusst gewesen war.
Irgendwo in meinem Inneren glaubte ich, nicht wirklich gut zu sein.
Der elterliche Spiegel der Erde
Es gibt viele Gründe, warum jemand dazu kommt zu glauben, er sei nicht gut. Das Gefühl eines inneren Mangels kann sich durch offene Unterdrückung, Missbrauch, Mobbing oder Vernachlässigung bösartig ausbreiten, aber es kann auch subtil wachsen und sich aus einer Vielzahl verborgener Quellen speisen – von der religiösen Erziehung bis zu den sozialen Medien. Die meisten von uns haben in ihrem Leben Erfahrungen gemacht, die uns an unserem grundlegenden Gutsein zweifeln ließen, sei es, dass wir in der Schule nicht dazugehörten oder keine Bestätigung von unseren Eltern erhielten, sei es, dass wir in den sozialen Medien von einem Troll angegriffen wurden oder unseren Arbeitsplatz verloren. Für diejenigen unter uns, denen soziale Fragen oder die Umwelt am Herzen liegen, kann allein der Blick auf die von Menschen verursachten Ungerechtigkeiten dazu führen, dass wir nicht nur an unserer eigenen Tugend, sondern ganz grundsätzlich am Gutsein der Menschheit zweifeln. Im Mittelpunkt vieler Bemühungen um Verbesserungen steht ein impliziter Pessimismus: die unausgesprochene Überzeugung, dass der Mensch von Natur aus unweigerlich Unfrieden mit sich bringt.
Obwohl ich mit meiner Heilung schon so weit gekommen war – von New York City in die Appalachen, den chronischen Schmerz überwunden und die ersten Schritte auf meinem Weg als Lehrerin gemacht hatte –, sah ich beim Blick in den Spiegel dieses Glimmers den Keim meiner Verletzung. Ich sah den Anteil von mir, der glaubte, nicht würdig, nicht liebenswert, unzulänglich und hoffnungslos fehlerbehaftet zu sein – und ich empfand tiefe Zärtlichkeit für diesen neu entblößten Teil von mir. Ich erkannte mit Erschrecken, dass dieser Glaube an meine eigene Unwürdigkeit der Grund für all die Verletzungen war, die ich in meinem Leben erfahren hatte, einschließlich meiner Bereitschaft, Missbrauch, Zurückweisung und Überforderung zu akzeptieren. Und ich erkannte, dass ich nicht allein damit war.
Ob es uns bewusst ist oder nicht, viele von uns meinen, nicht genug zu sein. Hinter so vielen Nöten, die wir als Menschen erleben, steckt dieser Irrglaube. Auf einer tiefen und sehr persönlichen Ebene zweifeln wir an unserem Gutsein, und diese stille Sorge ist genau das, was uns aus unserer Zugehörigkeit entfernt hat – zuerst zu uns selbst und dann zur Erde.
Bevor das Spiegelglas erfunden wurde, war die Natur einzige Möglichkeit, uns im Spiegel zu sehen: ruhige Gewässer, Glimmerstücke, die Schwärze in den Augen eines anderen. Obwohl wir heute Spiegel, Kameras und Selfies haben, können wir immer noch nicht sehen, wer wir wirklich sind. In der Natur gibt es jedoch einen Ort, an dem es möglich ist, in unmittelbaren liebevollen Kontakt mit unserer Seele zu treten: Wir brauchen nur in den wohlwollenden Spiegel der Erde zu schauen.
In einer gesunden Elternschaft besteht die Rolle der Betreuungspersonen unter anderem darin, das Kind zu spiegeln. Wenn Kinder beginnen, sich als Individuen zu erleben, ist es die Aufgabe der Eltern, diese Gefühle und das angeborene Gutsein des Kindes widerzuspiegeln, damit es sein Selbstwertgefühl und die notwendigen Lebenskompetenzen entwickeln kann. Viele von uns haben diese frühe Phase der gesunden Rückspiegelung nur unzureichend erlebt. Aber unabhängig davon, wie unsere Herkunftsfamilie aussah, haben wir alle immer noch Zugang zu einer wichtigen Quelle der Fürsorge, denn die Natur ist der elterliche Spiegel, der uns nie im Stich lassen wird.
Auf einer sehr unmittelbaren Ebene ist die Natur unsere lebenslange Betreuerin. Sie ist die Quelle, aus der unser Leben hervorgeht, und ein Spiegel, der uns hilft, wenn wir uns selbst aus den Augen verloren haben. Wann immer wir aus unseren Verstecken hinausschauen, reflektiert uns die Natur die Tiefe unseres Gutseins – nicht, weil es in der Natur Gegenstände gibt, auf die wir uns projizieren, oder weil die mehr-als-menschliche Welt keine Persönlichkeit und keine eigenen Empfindungen hat, sondern weil die Wesen der natürlichen Welt unsere Verwandten, unsere Ältesten und unsere Lehrer sind. Wie die Potawatomi-Autorin und Botanikerin Robin Wall Kimmerer in ihrem Buch Braiding Sweetgrass [deutsch: Geflochtenes Süßgras)] erzählt: »In einigen indigenen Sprachen bedeutet das Wort für Pflanzen ›die, die für uns sorgen‹.«6 Wenn wir uns in der ganzen Welt sehen, erinnern wir uns daran, wer wir sind.
Das Leben in der rein menschlichen Welt ist unnatürlich und hart für die Seele. So, wie unsere Nachbarschaften und Gemeinschaften heute aufgebaut sind, haben wir selten Gelegenheit, bei den wohlmeinenden Ältesten und den Spiegeln der mehr-als-menschlichen Welt zu sein. Ist es da ein Wunder, dass unsere Selbstwahrnehmung so verzerrt ist? Doch die Außenwelt hat nie aufgehört, uns zu zeigen, wer wir sind.
Manche Menschen denken, die Natur sei dem Menschen gegenüber gleichgültig; aber ich habe durch meine eigenen Erfahrungen, die Geschichten meiner Schüler und die Weisheit, die von den indigenen Kulturen auf der ganzen Welt überliefert wurde, bestätigt gefunden, dass dies einfach nicht stimmt. Die Natur ist bewusst, und sie ist wohlwollend. Sie möchte uns ein gesundes Selbstmitgefühl vermitteln, denn wenn die Selbstliebe intakt ist, werden wir zu besseren Bewohnern der Welt.
In einer kürzlich durchgeführten Studie fanden Forscher heraus, dass Selbstmitgefühl tatsächlich unser Verantwortungsgefühl, unsere Moral und unser Einfühlungsvermögen gegenüber anderen erhöht.7 Ein stabiles Selbstwertgefühl steht auch in einem positiven Zusammenhang mit Dingen wie Neugier und dem Wunsch, uns zu fordern.8 Die Fähigkeit, unser Gutsein zu erkennen, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass wir zu schöpferischen, mitfühlenden und inspirierten Kräften für eine Veränderung der Welt werden. Wenn wir uns im Spiegel der Erde erblicken, können wir uns um diesen Ort, den wir unser Zuhause nennen, kümmern und unsere Gaben zum Wohle des Ganzen einbringen. Die Erde möchte, dass wir auf die Bäume, die Flüsse und die Steine schauen, denn wenn wir uns in ihnen widergespiegelt sehen, werden wir wieder ein Teil von allem.
In den letzten Jahren ist das Interesse an Naturheilmitteln explodiert, aber die tiefste Heilung rührt von den Beziehungen her, die neu zu schmieden die Erde uns auffordert. Als ich mit meinen Schmerzen in den Wald ging, beruhigten mich nicht nur die aromatischen chemischen Verbindungen der Bäume; ich wurde durch die Art und Weise, wie sie mir die Hand reichten, geheilt. Ich erinnere mich noch gut an einen bestimmten Baum, einen ausladenden Ahorn mittleren Alters, der durch jahrelange Kletterei von Schülern in Mitleidenschaft gezogen worden war. Ich besuchte diesen Baum fast jeden Tag und brachte ihm kleine Geschenke wie Federn, die ich gefunden hatte, oder Steine, die wie Herzen geformt waren. Ich hatte Lederstücke dabei, mit denen ich versuchte, Äste zu flicken, die von Kletterern angebrochen worden waren. Wenn niemand in der Nähe war, sang ich dem Baum etwas vor. Dann eines Tages, als ich den vertrauten Pfad entlangging, spürte ich, wie ein großer Energieball den Pfad herabgerollt kam und direkt in meine Brust sprang. Es fühlte sich an, als landete mit Wucht ein Welpe auf mir, der mich überschwenglich begrüßte. Das Gefühl war so heftig, dass sich mir die Nackenhaare sträubten. Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich mich tatsächlich nach einem Hund oder einem Menschen um; die Energie war so handfest. Dann blickte ich den Weg hinunter und sah es: Es war der Ahorn. Mein Freund wusste, dass ich kommen würde; der Baum begrüßte mich nicht nur, er hieß mich willkommen. Ich spürte, wie etwas in mir ganz weich wurde. Wie konnte ich schlecht sein, wo ich doch von dieser Welt so sehr geliebt wurde? Wie könnte irgendetwas oder irgendjemand auf dieser Erde wirklich schlecht sein, wenn diese Welt auf so wunderbare Weise einfach gut ist?
Ein Buch der Spiegel
Überall auf der Erde gibt es Spiegel, klar wie Glimmer, die dir immer wieder dein Gutsein zeigen. Ganz gleich, wo du dich befindest – inmitten deiner verknäulten Selbstzweifel, auf deinem spiralförmigen Weg der Selbsterkenntnis –, wird es willkommene Spiegelungen geben, die dich wie Leuchtfeuer nach Hause geleiten. Wirf einen Blick in deinen Hinterhof – die Geschichten sind da, dich zu halten, zu trösten und in den Schoß zurückzuholen. Mache dich auf die Suche nach dir selbst, und irgendwann wirst du Glimmer finden. Gewöhnlich, spektakulär, strahlend und vertraut: etwas Vielschichtiges, das dir Licht bringt; ein Wesen, das in der Lage ist, der Hitze dieser Zeiten zu widerstehen und in Bahnen zu lenken, was dir in dieses Leben mitgegeben wurde. Du bist so viel wunderbarer, als dir bewusst ist.
Dieses Buch, das du in den Händen hältst, ist mit seinen Kapiteln ein Handschmeichler aus Glimmer. Jede Seite ist eine reflektierende Schicht, die dir hilft, dich selbst zu sehen. Jedes Kapitel ist eine Bestätigung der Erde, ein kleiner Spiegel, der dir zeigt, wer du bist und wie sehr du geliebt wirst. Jeden Tag wird uns suggeriert, etwas an uns sei unnatürlich oder dysfunktional – sei es die Scham darüber, wie lange wir brauchen, um uns von einem Verlust zu erholen; der Glaube, unsere Sensibilität sei ein Makel; die Sorge, wir seien zu unbedeutend, um etwas verändern zu können; oder die Angst, unsere Traumata hätten uns unheilbar geschädigt. Dieses Buch und die Übungen, die jedes Kapitel begleiten, sind wie ein Spiegel aus Glimmer, der dir deinen Wert zurückspiegelt und jede von Menschen ausgelöste Scham zum Verschwinden bringt, weil du erkennst, wie sehr du willkommen bist in dieser Welt.
Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Überzeugung, dass das Wiedererkennen unseres Gutseins ein entscheidender Teil der notwendigen Kurskorrektur ist. Die Erde teilt diese reflektierenden Geschichten mit uns, klar wie Quarzsplitter, weil Selbstmitgefühl ein Beitrag zur ökologischen Heilung der Welt ist.
Meinen Geschichten liegt das Verständnis zugrunde, dass die zentrale Wunde unserer Kultur – die Verletzung, die uns dazu gebracht hat, uns von der Erde abzuspalten und giftige Wertvorstellungen anzunehmen – nicht das Ergebnis irgendeines Fehlers in der menschlichen Psyche ist, sondern das Ergebnis von Trauma und Selbstverurteilung. Die indigene Wissenschaftlerin und Community-Organisatorin Lyla June sagte einmal in Anlehnung an die Weisheit ihrer Ältesten Patricia Davis: »[In unserer Kultur] sagen wir, dass die Menschen nicht in Erbsünde, sondern in ursprünglicher Schönheit geboren werden.«9
Viele von uns gehen davon aus, wir müssten zuerst uns selbst ändern, wenn wir die Welt verändern wollen, doch in diesem Buch vertrete ich die Überzeugung, dass es Selbstannahme ist, was uns zur Heilung fehlt. Nur wenn wir uns selbst mit mitfühlendem Verständnis begegnen, können wir Zugang zu einer verborgenen Kraft finden, zu den neuen Denkweisen und den Offenbarungen, die uns wieder in die Erdgemeinschaft zurückfinden lassen. Wenn wir immer stärker aus unserer ursprünglichen Schönheit heraus leben anstatt aus den Wunden, die uns in Selbstzweifel stürzen, bringen wir unsere ungeheure Schöpferkraft wieder in Übereinstimmung mit dem größeren Traum der Welt.
In diesem Buch begeben wir uns auf einen dreistufigen, von Glimmer erhellten Weg. Der Schimmer der Natur bannt unseren Blick und lädt uns ein, uns selbst klarer zu sehen, der Spiegel überführt diese Selbsterkenntnis in den Glanz der Selbstwertschätzung, und das Leuchten befähigt uns, ein strahlendes Selbstmitgefühl zu verkörpern, eine Qualität, die der Schlüssel ist, um diese Zeit der ökologischen Not zu meistern und die Gaben zu kultivieren, die wir in diese Welt zu bringen haben.
Im Mittelpunkt dieses Buches steht eine Frage, die einfacher zu beantworten ist, als ich es mir hätte vorstellen können, als ich das glänzende Stück Glimmer vom Boden aufhob: Was sind die Gaben, die wir als verletzliche, fehlbare und unglaublich fürsorgliche Menschen darbringen können, um das Blatt zu wenden – in einer Zeit, in der die Umwelt so tief verletzt ist, in einer Zeit, in der alle tiefsitzenden Wunden unserer Trennung zum Vorschein kommen? In diesem Essayband findet sich die Antwort, die uns die Welt zurückspiegelt, hell wie eine Ansammlung von Glimmerbrocken am Boden.
* * *
Selbstmitgefühl ist ein Geschenk für diese Welt.
Sieblicktesichnervös im Raum um, bevor sie ihre Hand hob. Ihr Arm zitterte, und ich merkte, dass sich hier eine dieser Fragen anbahnte, die vielleicht mit ein paar Tränen enden würde. Sie begann ihre sorgfältig einstudierte Frage, aber schon nach den ersten paar Worten wusste ich genau, was sie fragen wollte – und wie ich ihr antworten konnte. Jedes Mal, wenn ich Intuitive Pflanzenmedizin unterrichte, einen Kurs, in dem die Studenten lernen, sich mit dem Bewusstsein der grünen Welt zu verbinden, taucht diese Frage auf. Ich weiß meist vorher, dass sie kommt, denn ich spüre, wie die Sorgen wie Gewitterwolken auf mich zurollen. Normalerweise lautet das Geständnis in etwa so: »Ich liebe es, einen Garten anzulegen, aber seit ich mich auf einer tieferen Ebene mit den Pflanzen verbunden habe, fühle ich mich jedes Mal schuldig, wenn ich versuche, Unkraut zu jäten oder etwas wegzuschneiden. Was soll ich tun?« Wenn ich diese Frage höre, lächle ich immer aus tiefstem Herzen und sende eine Welle des Verständnisses aus. Ich weiß genau, wie die Fragenden sich fühlen – wie oft habe auch ich mich schon gefragt, ob es mir zusteht, einen wuchernden Strauch auszureißen oder eine Löwenzahnwurzel wegzuhacken. Aber dann gebe ich eine unerwartete Antwort. Denn neben ihren vielen Vorteilen, Schönheiten und Segnungen sind Gärten auch dazu da, uns Grenzen aufzuzeigen.
Die Leute sagen, Gartenarbeit sei nichts für empfindsame Seelen, und in gewisser Weise haben sie recht. Von außen betrachtet sieht die Gartenarbeit nach Narzissen und sonnigen Tagen aus, aber hinter jedem blühenden Blumenbeet stecken harte Arbeit und noch härtere Entscheidungen. Unkraut jäten, wuchernde Pflanzen zurückschneiden, invasive Arten bekämpfen – wunderschöne Gärten beruhen auf Grenzen und den damit verbundenen schwierigen Entscheidungen. In dieser Hinsicht ist die Gartenarbeit jedoch die ideale Medizin für die empfindsame Seele. Gärten sind Schulen für Fortgeschrittene in der Kunst, Grenzen zu ziehen. Ich kenne keinen Ort, an dem es einfacher oder offensichtlicher ist, eine der wichtigsten Lektionen der physischen Existenz zu lernen: dass Grenzen uns helfen zu gedeihen.
Viele von uns sind in einer Kultur aufgewachsen, in der wir keine Ahnung haben, wie gute Grenzen aussehen – oder wie lebensfördernd sie sein können. Jenen weichherzigen Menschen, die sich von Natur aus zu Aktivitäten wie Gartenarbeit hingezogen fühlen, fällt es noch schwerer, eine Grenze zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst zu ziehen. Sensible Menschen sind offen für die Launen, Wunder und reichen Schattierungen des Daseins und haben von Natur aus weniger Grenzen als andere. Wenn jemand in meiner Klasse vorsichtig die Hand hebt, um diese Frage zu stellen, freue ich mich immer auf den Austausch, weil ich weiß, dass ich mit einer hochsensiblen und zutiefst mitfühlenden Person spreche, die bereit ist, mit Hilfe der nichtmenschlichen Welt an ihren Grenzen zu arbeiten.
Auf dem Weg zur Verwirklichung unseres Gutseins sind wir oft aufgefordert, zunächst unsere Grenzen festzulegen und zu wahren. Denn wie können wir Mitgefühl für uns selbst haben oder das immense Wohlwollen erkennen, das diese Welt für uns hegt, wenn wir nicht wissen, wie wir unser Selbst von anderen abgrenzen sollen? Wie können wir ein Gefäß für all die Gaben sein, die durch uns hinausfließen wollen, wenn wir nicht wissen, wie wir die weichen Ränder unseres Gefäßes gestalten sollen? So sehr spirituelle Traditionen den Wert der Einheit auch hochhalten: Wir können nicht aufsteigen, solange wir unser individuelles Selbst nicht wertzuschätzen wissen – die einzigartige Person, als die wir in diese Welt gekommen sind. Du bist nicht nur ein Selbst; du hast ein Selbst. Obwohl unsere einzigartigen Seelen ewig sind, sind unsere Körper ein Teil der Natur, eine Leihgabe für die Dauer unserer Zeit hier. Wenn wir das Selbst, das uns in diesem Leben gegeben wurde, wertschätzen und pflegen, nähren und ehren wir den schöpferischen irdischen Impuls, der uns geschaffen hat. Diese Erde möchte dir zeigen, wie wertvoll du eigentlich bist – aber zuerst musst du lernen, den Garten deines Selbst zu pflegen.
In Brooklyn wächst ein Garten
Mit Gartenarbeit begann ich in einem alten Mietshaus in Brooklyn, New York, nur einen Block von der U-Bahnlinie L entfernt. Meine Mitbewohnerin und ich wohnten im zweiten Stock, und unter uns befand sich ein winziger Hinterhof, kaum größer als eine Briefmarke – ein unkrautbewachsener, ausgetretener, plattgewalzter Ort, voll mit Ziegelsteinen und Betonschutt. Für uns jedoch war der Hinterhof eine Oase. Von unserer Feuerleiter aus sahen wir auf das spindeldürre Unkraut hinunter, und beide malten wir uns aus, wie der Ort mit rosa Blumen, Paprika und Basilikum aussehen würde.
Eines Tages fassten wir endlich den Mut, unsere Vermieterin Mary zu fragen, ob wir einen kleinen Garten anlegen dürften. Mary wohnte im Erdgeschoss, so dass der gesamte Hinterhof ihr gehörte. Als wir einzogen, war sie schon weit über achtzig und eine echte alte Brooklyner Dame. Wann immer sie jemand fragte, woher sie stamme, sagte sie, sie wohne jetzt in der North 8th Street, stamme aber eigentlich aus der North 7th – die Unterscheidung war unglaublich wichtig. Mary lernte ihren Mann, den Sohn italienischer Einwanderer, in den 1930er Jahren kennen. Ich stelle mir vor, dass das Rendezvous irgendwo im Niemandsland zwischen North 7th und 8th stattgefunden haben muss. Ihr künftiger Ehemann war in der winzigen Einzimmerwohnung aufgewachsen, in der wir jetzt lebten, damals zusammen mit allen neun Geschwistern, den Eltern und Großeltern. Meine Mitbewohnerin und ich konnten kaum unsere Betten unterbringen, aber irgendwie hatten in dieser Wohnung vierzehn Menschen gelebt. Nach ihrer Verlobung verließ Mary ihre heimatliche Gegend, um bei der Familie ihres Mannes zu leben, und zog in das Erdgeschoss des Gebäudes in der North 8th. Ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, ob sie jemals darüber hinweggekommen ist. Nach dem Tod ihres Mannes war Mary nun die alleinige Herrin des Hauses.
Mary zögerte zunächst, uns ihren Segen zu geben, aber das hatten wir kommen sehen. Veränderungen waren nicht gerade beliebt bei Mary – hatten wir nicht schon oft gehört, dass in dem neuen Gebäude für Kampfsport auf der anderen Straßenseite früher sowohl Gras als auch »Pulver« verkauft wurde? – Aber nachdem wir einige Male unschuldig gelächelt und das Versprechen gegeben hatten, dass sie bei allem, was wir taten, das letzte Wort haben würde, gab uns die Matriarchin der North 8th Street ihren Segen.
Es bedurfte eines langen Tages des Abräumens, bis wir auf etwas stießen, das auch nur im Entferntesten an Erde erinnerte, und wir mussten gleichwohl noch Säcke mit ordentlichem Mutterboden für die neuen Beete heranschaffen. Mary schaute von Zeit zu Zeit zwischen den cremefarbenen Vorhängen an ihrem Hinterfenster hervor – neugierig, misstrauisch, aber meistens nur neugierig auf diese herrliche Brooklyner Art. Gleich von Anfang an gab es Schätze zu entdecken. Beim Graben fanden wir die Überreste eines alten Siegesgartens* sowie handgestempelte Ziegelsteine von der Jahrhundertwende, die wahrscheinlich nicht weit von unserer Haustür entfernt hergestellt worden waren.
Obwohl ich den vorangegangenen Sommer auf einer Farm in Hawaii verbracht hatte, war Gartenarbeit noch relativ neu für mich. Wie bei den meisten Anfängen hatte ich große Hoffnungen und viel Zuversicht, obwohl ich so gut wie nichts darüber wusste. Mit Hilfe einiger Freunde aus der Nachbarschaft bauten wir sechs kleine Hochbeete und machten uns daran, die Pflanzen in ihrem neuen Zuhause unterzubringen. Wir säten Salat und Ringelblumen, und da wir zwar einen starken Glauben hatten, aber im Grunde nicht viel erwarteten, waren wir erstaunt, als alles tatsächlich zu wachsen begann. Wie sie blühte und sich der Sonne entgegenstreckte, war jede Pflanze ein Wunder. Wir liebten sie so sehr, dass wir die Grundregel der Gartenarbeit vernachlässigten und uns weigerten, irgendetwas wegzuschneiden.
Wie jeder Gärtner weiß, ist das Stutzen der Blüten des Basilikums unerlässlich, wenn man einen schönen Busch haben will. Aber wir waren so voller Ehrfurcht vor der Kostbarkeit dieser Pflanzen, die inmitten des Brooklyner Betons wuchsen, dass wir sie sich selbst überließen. Wir beobachteten sie von der Feuertreppe aus, als wären sie unsere Kinder, die tagein, tagaus im Garten umherliefen. Doch bald wurde alles schlaff und verwelkte und war Anfang August verdorrt.
Erstaunlicherweise wurde Mary zu einem der größten Fans des Gartens – nicht, dass sie nicht jede Gelegenheit nutzte, sich über den Wasserverbrauch oder die herumliegenden Werkzeuge zu beschweren. Aber man muss schon ein hartes Herz haben, um nicht wenigstens ein bisschen weich zu werden, wenn direkt vor dem Fenster ein riesiger Busch blühender Herzen steht. Obwohl wir unsere Vermieterin überzeugt hatten, hatte ich immer noch das Gefühl, dass wir bei dieser ganzen Gartengeschichte etwas Entscheidendes übersehen hatten. Ich fragte mich, warum unsere robuste kleine Pflanzung so früh aufgegeben hatte. In den folgenden Jahren lernte ich, dass Gartenarbeit großen Respekt und zugleich das Einhalten von Grenzen erfordert.
Wenn man einen wirklich üppigen Garten haben möchte, der sein volles Potential entfaltet, muss man beschneiden, jäten, stutzen und verjüngen. Im ersten Jahr habe ich eine oder zwei kleine Ernten von Kräutern gehabt; damals dachte ich, das sei normal. Heute weiß ich, dass man fast die ganze Saison über Pesto machen kann, wenn man das Basilikum einfach immer wieder zurückschneidet. Je mehr man sich traut, den Überschuss zurückzuschneiden, desto mehr wird man mit Wachstum belohnt. Wir haben einen Garten angelegt, weil wir lernen wollten, wie man für Pflanzen sorgt, aber am Ende haben wir eigentlich mehr darüber erfahren, wie wir für uns selbst sorgen können.
Gartenarbeit verrichten die Menschen seit mindestens zehntausend Jahren. Noch vor den großflächigen Äckern des fruchtbaren Halbmondes hatten die Menschen Waldgärten und indigene Landbewirtschaftungsmethoden, die heute als Permakultur bekannt sind.1 Die Interaktion mit der Umwelt – Unkraut jäten, säen und Unterholz wegbrennen – ist Teil unseres kollektiven Erbes. Wenn die Gartenarbeit im Geiste des Respekts und gemeinschaftlicher Schöpfung mit der Natur erfolgt, ist es, als nähme man ein Stück der Leinwand der Erde und bekäme die Erlaubnis, etwas darauf zu malen.
Wenn man nicht auf Ergebnisse aus ist und sich einfach dem Tun hingibt, kann Gartenarbeit eine der größten menschlichen Freuden sein – und einer unserer großartigsten Lehrer. Nach den Siegesgärten des Zweiten Weltkriegs war Gartenarbeit eine gewisse Zeit nicht sehr gefragt, aber heute sind Gärten bei fast allen Menschen wieder sehr beliebt, auch bei den Brooklynern. Der Zeitpunkt für dieses wiederauflebende Interesse am Gärtnern könnte nicht günstiger sein, denn von all den Lektionen, die uns das Gärtnern vermitteln kann – Zusammenarbeit, Kommunikation mit Pflanzen, Zeiteinteilung und ein Gefühl für die Zyklen des Lebens –, ist die vielleicht wichtigste Lehre jene, mit der wir uns in unserer heutigen Welt besonders schwertun: Grenzen setzen.
Helle Lichter und Apfelmus
Seit ich denken kann, weiß ich, dass ich sehr empfindsam bin. Als Neugeborenes testete mein Kinderarzt mein »Reaktionsvermögen« und erklärte meinen Eltern nach einer fünfzehnminütigen Testreihe, ich fiele aus dem Rahmen. Zum Glück hatte ich Eltern, die meine Hochsensibilität als Eigenart respektierten und mir nicht abtrainieren wollten – ich wünschte mir, alle hochsensiblen Menschen hätten eine so sanfte Landung erlebt.
Meine Eltern nahmen meine emotionalen Stürme und übertriebenen Reaktionen auf alltägliche Dinge einfach hin. Sie lachen immer noch darüber, wie es war, als sie mir meine erste feste Nahrung gaben: Apfelmus. Beim ersten Löffel wurden meine Augen groß wie ein Silberdollar, und ich zitterte am ganzen Leib. Sie fragten sich, ob ich allergisch auf die neue Nahrung reagierte – bis ich meinen Mund gierig für einen weiteren Löffel öffnete. Anscheinend tat ich das bei jedem einzelnen der nächsten zwanzig Bissen, denn mein Nervensystem leuchtete vor lauter Neuheit wie ein Weihnachtsbaum.
Von klein auf war es für mich normal, dass mein ganzes Leben von tiefen Empfindungen geprägt war – nicht nur von meinen eigenen, sondern auch von denen anderer Menschen. Ich war mir sehr bewusst, dass die Dinge, die ich tat oder sagte, andere Menschen beeinflussten. Ich war mir dessen gewahr, weil ich fühlte, was auch immer sie fühlten. Deshalb war ich in der Schule sehr ruhig und aufmerksam, um dann, wenn ich wieder zu Hause in meiner vertrauten Umgebung war, über die Stränge zu schlagen. Wenn meine Eltern die Zeugnisse sahen, in denen meine Teilnahme am Unterricht als zurückhaltend und aufmerksam beschrieben wurde, fragten sie sich, von wem die Lehrer wohl sprachen. Meine Hochsensibilität wirkte oft wie eine Art Magnet, der Gleichaltrige – und später auch Partner – anzog, die von Haus aus mit schwierigen Gefühlen, psychischer Instabilität oder großen Problemen zu kämpfen hatten. Zuerst dachte ich, es würden alle wie ich eine Art Erdungsstab für die aufgewühlten Emotionen ihrer Freunde sein. Später bekam ich das Gefühl, dies sei meine besondere Aufgabe, eine Überzeugung, die mich in eine ganze Reihe von Beziehungen verwickelte – romantische und andere –, die ausschließlich darauf beruhten, dass ich viele Emotionen aufsaugen konnte. Meine Sensibilität trug wesentlich dazu bei, dass ich in meinen frühen Erwachsenenjahren in eine Reihe von missbräuchlichen Beziehungen geriet, und führte dazu, dass mein Körper im Gefolge dieser Traumata gesundheitliche Probleme auszubilden begann. Je nach Situation kann Hochsensibilität sowohl ein Geschenk als auch eine Herausforderung sein, aber sie führt fast immer zu einem lebendigen Austausch. Als natürlich Mitfühlende sind hochsensible Menschen ausgezeichnete Zuhörer, Berater und Heiler. Das Problem ist, dass sie, wenn sie nicht lernen, sich abzugrenzen, vielfach Menschen und Situationen anziehen, die ihre Energien aufbrauchen.
In unserer Gesellschaft heißt es oft, Sensibilität sei eine Art Charakterschwäche. Viele hochsensible Menschen wachsen in dem Glauben auf, etwas stimme mit ihnen nicht, doch in Wahrheit ist Hochsensibilität Teil der Natur. In ihrem bahnbrechenden Buch The Highly Sensitive Person [Der hochsensible Mensch] zeigt die Psychologin Elaine Aron, dass Hochsensibilität (oder, wie sie in wissenschaftlichen Kreisen genannt wird,
