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Katharina genießt das Leben in der Großstadt. Bis privates Drama, schlechtes Timing und der erste Corona-Lockdown dafür sorgen, dass sie mehrere Wochen bei ihren Eltern in der nordhessischen Pampa festsitzt. Da hilft es nicht, dass sie sich das Gästezimmer mit ihrer Schwester teilen muss und ihre Eltern sie behandeln, als wäre sie nicht längst erwachsen. Und dann ist da noch Hanna, die wortkarge Landwirtin, in deren Gegenwart Katharina offenbar nicht anders kann, als sich ein ums andere Mal zu blamieren.Doch jeder Lockdown endet irgendwann und als Katharina endlich nach Hamburg zurückkehren kann, glaubt sie nahtlos an ihr altes Leben anknüpfen zu können. Nur dass irgendwie nichts mehr exakt so ist wie zuvor und die Zeit sich einfach nicht zurückdrehen lassen will und die Liebe eben hinfällt, wo sie will.
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Seitenzahl: 364
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Katharina genießt das Leben in der Großstadt. Bis privates Drama, schlechtes Timing und der erste Corona-Lockdown dafür sorgen, dass sie mehrere Wochen bei ihren Eltern in der nordhessischen Pampa festsitzt. Da hilft es nicht, dass sie sich das Gästezimmer mit ihrer Schwester teilen muss und ihre Eltern sie behandeln, als wäre sie nicht längst erwachsen. Und dann ist da noch Hanna, die wortkarge Landwirtin, in deren Gegenwart Katharina offenbar nicht anders kann, als sich ein ums andere Mal zu blamieren.
Doch jeder Lockdown endet irgendwann und als Katharina endlich nach Hamburg zurückkehren kann, glaubt sie nahtlos an ihr altes Leben anknüpfen zu können. Nur dass irgendwie nichts mehr exakt so ist wie zuvor und die Zeit sich einfach nicht zurückdrehen lassen will – und die Liebe eben hinfällt, wo sie will.
Enni Rock, 1980 in Kassel geboren, studierte Germanistik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften im In- und Ausland. Als Journalistin und freie Autorin hat sie für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet. „Stadt. Land. Lockdown.“ ist ihr dritter Roman.
ENNI ROCK
Roman
ImpressumBibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.Alle Rechte vorbehalten. Jede Verwertung oder Vervielfältigung dieses Buches – auch auszugsweise – sowie die Übersetzung dieses Werkes ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.© 2022 Enni Rock (www.enni-rock.de)Coverdesign: Wonderburg DesignsLektorat, Korrektorat & Satz: Maren Keller, Kontext-Kassel(www.kontext-kassel.de)Verlag: Selfpublishing Kassel (www.selfpublishing-kassel.de)ISBN: 9783987562099
Für meine Lockdown-Lifesaver
Die kleine Regionalbahn kam leise surrend zum Stehen und Katharina wartete, bis die Türen sanft und beinahe geräuschlos zur Seite glitten. Die Reisetasche über der Schulter trat sie auf den trostlosen Bahnsteig hinaus. Außer ihr stieg niemand aus oder ein, und auch sonst war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Das verfallene Bahnhofsgebäude vor ihr und der brüchige Asphalt unter ihren Füßen standen in krassem Gegensatz zu der beinahe sterilen Funktionalität des Elektrotriebzugs. Hier und da sprossen Grashalme aus den Rissen, luden Schlaglöcher dazu ein, in ihnen hängenzubleiben. Ein altmodischer ovaler Abfallbehälter hing schief und verbeult an seiner Halterung, und irgendwo in der Ferne dröhnte eine Motorsäge. Katharina hatte das Gefühl, aus einer Zeitkapsel geklettert zu sein.
Kurz spürte sie den Impuls, kehrt zu machen, aber in ihrem Rücken schlossen sich die Türen bereits wieder und setzte sich die Bahn mit einem ganz leichten Rucken in Bewegung, um sich dann schnell von ihr und der tristen Einöde zu entfernen. Kein Wunder, dachte sie, hier will niemand länger bleiben als nötig. Von irgendwo her drang Hundegebell an ihre Ohren. Immerhin, ein Zeichen von Leben. Willkommen in der nordhessischen Pampa.
Sie ließ die Tasche von ihrer Schulter gleiten und zog ihr Handy hervor. Eine ganze Armada neuer Push-Benachrichtigungen erwartete sie und sie überflog die Schlagzeilen, die sich erwartungsgemäß alle um dasselbe Thema drehten. Vor nicht ganz drei Wochen noch hatten sie unbeschwert zusammengesessen und waren der festen Überzeugung gewesen, dass es sich bei der offenbar von China aus um die Welt gehenden neuen Lungenkrankheit nur um eine Grippe handelte. Seitdem schienen sich die Ereignisse zu überschlagen und sie war sich gar nichts mehr sicher. Quasi im Stundentakt kamen neue Hiobsbotschaften, wurden steigende Infektionszahlen und erste Todesfälle auch in Deutschland vermeldet, Risikogebiete ausgerufen und Veranstaltungen abgesagt. Die Weltgesundheitsorganisation sprach von einer Pandemie, in der EU machten die ersten Länder ihre Grenzen dicht. Reisewarnungen wurden erlassen, schließlich Einreiseverbote verhängt. Schulen und Kitas wurden geschlossen, kurz darauf der Einzelhandel und schließlich auch die Gastronomie. Innerhalb weniger Tage schien die ganze Welt aus den Fugen geraten zu sein.
Sie seufzte und sah sich um. Trotz der Flut an Eilmeldungen schien das alles hier plötzlich weit weg. Als wäre sie in einer Blase, in der alles genauso still und verlassen wie eh und je war.
Sie öffnete die Navigationsapp, orientierte sich kurz und checkte zur Sicherheit noch einmal die vor ihr liegende Route. Bisher war sie immer nur mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt und auch wieder zurückgebracht worden, ohne groß auf die Umgebung zu achten. Andererseits: Wie schwer konnte es sein? Das Dorf war schließlich nicht besonders groß. Sie steckte das Gerät wieder ein, warf sich die Tasche erneut über die Schulter und machte sich auf den Weg.
Vorbei an dem verwaisten Vorplatz samt Parkstreifen gelangte sie zu der Umgehungsstraße, die das Bahnhofsgelände wenig vorteilhaft vom eigentlichen Dorf abschnitt. Immerhin führte ein Fußweg an ihr entlang und durch eine kleine Unterführung ging es auf die andere Seite, wo die ersten Häuser standen und ein Schild in Richtung Ortskern wies. Über holprige Gehsteige und schließlich über Kopfsteinpflaster lief Katharina an eng beieinanderstehenden Bauten vorbei, die überwiegend in gutem Zustand zu sein schienen, aber deren Alter nicht zu übersehen war. Vereinzelt stachen eine heruntergekommene Scheune oder ein offensichtlich leerstehendes Ladengeschäft heraus. Zu sehen bekam sie niemanden, und auch das Hundegebell war verstummt. Nur einmal hörte sie ein Auto, das auf einer parallel verlaufenden Straße unterwegs sein musste.
Sie ging weiter, erreichte und passierte den Ortskern, der offenbar aus einem kleinen Platz mit einer Kneipe bestand, und hatte das Dorf schließlich einmal durchquert. Sie folgte einer als Sackgasse gekennzeichneten Straße, im Grunde ein besserer Feldweg, an deren Ende das inzwischen fast zwei Jahre alte, aber noch immer brandneu aussehende Haus ihrer Eltern stand. In Hörweite eines kleinen Wasserlaufs und von Wiesen und Äckern auf der einen Seite und den das Tal umgebenden Hügeln auf der anderen Seite eingerahmt, wirkte es tatsächlich recht idyllisch. Aber eben auch ziemlich abgelegen, und Katharina fragte sich nicht zum ersten und nicht zum zehnten Mal, wieso ihre Eltern freiwillig hierhergezogen waren. Ihr früherer Wohnort, nur wenige Kilometer von hier entfernt, wo Katharina aufgewachsen und zur Schule gegangen war, war ja schon ziemlich dörflich gewesen. Aber das hier?
Im Carport vor dem Haus stand ein kleines Elektroauto, die angrenzende Garage war offen, aber leer. Sie hielt inne. Vielleicht hätte sie sich doch ankündigen sollen. Was, wenn ihre Eltern nicht zuhause waren? Sie hatte keinen Schlüssel und noch schien zwar die Sonne und spendete etwas Wärme, aber für Mitte März war die Luft eisig. Falls sie länger hier draußen warten müsste, würde es schnell ungemütlich werden. Von wegen Frühlingsbeginn, dachte sie und kramte ihr Handy hervor, das zwar neue Push-Benachrichtigungen anzeigte, aber keine persönlichen Nachrichten.
Sie gab sich einen Ruck und legte die letzten Meter bis zur Haustür zurück, wo sie auf die Klingel drückte und dann nervös von einem Bein aufs andere trat, während sie in Gedanken noch einmal die Worte durchging, die sie sich auf der Zugfahrt zurechtgelegt hatte. Ich wollte fragen, ob ich ein paar Tage bei euch bleiben kann. Nina und ich brauchen mal eine Auszeit. Nein, nichts Schlimmes. Wir finden nur beide, dass uns etwas Abstand gerade guttun würde.
Die Tür schwang auf und ihre Mutter stand mit überraschter Miene vor ihr. „Du?“
Katharina musste unwillkürlich lachen. „Schöne Begrüßung. Hallo Mama.“
„Entschuldige“, gab ihre Mutter zurück, lächelte ebenfalls und zog sie nach einem Moment des Zögerns in eine kurze Umarmung. „Hallo. Wir hatten nur nicht mit dir gerechnet.“
„Überraschung?“, versuchte Katharina es mit einem schiefen Lächeln.
„Ja, das würde ich auch sagen“, erwiderte ihre Mutter und zog ihre Strickjacke fester um sich. „Aber komm erstmal rein. Die ganze Kälte zieht ja ins Haus.“
Im Flur stellte Katharina ihre Tasche ab, zog Schuhe und Jacke aus. Letztere nahm ihre Mutter ihr sogleich ab und hängte sie ordentlich an die Garderobe. Dann musterte sie ihre Tochter und schaute sie erwartungsvoll an.
„Und wie kommen wir zu dem spontanen Vergnügen? Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen ihr euer Kommen angekündigt habt.“
Katharina presste die Lippen aufeinander. Unter anderen Umständen würde sie sich auf den gutgemeinten Sarkasmus ihrer Mutter einlassen, aber jetzt konnte sie an keine passende Erwiderung denken.
„Nina und ich haben uns getrennt“, platzte es stattdessen aus ihr heraus. „Also, ich … Nina hat …ich meine, ich hab …“ Und jetzt spürte sie auch noch, wie ihr gegen ihren Willen die Tränen kamen. Na, toll.
„Ach, Trinchen, das tut mir leid“, sagte ihre Mutter und schien zwar nicht gerade schockiert, aber doch ehrlich betroffen. Sie zog sie erneut zu sich heran, die Umarmung diesmal fester und anhaltend. „Ist ja gut.“
Katharina überhörte den ungeliebten Spitznamen und verwarf auch den Ärger über ihre Unfähigkeit, sich an ihr zurechtgelegtes Skript zu halten oder zumindest ihre Tränen zu unterdrücken. Stattdessen ließ sie ihnen freien Lauf und gestand sich ein, dass es guttat, das Gesicht an der Schulter ihrer Mutter zu vergraben und sich trösten zu lassen.
„Das wird schon“, sagte ihre Mutter mit sanfter Stimme und streichelte ihr über den Rücken, und Katharina fühlte sich einmal mehr weit in die Vergangenheit zurückversetzt, denn das letzte Mal, dass sie sich weinend an ihre Mutter geklammert hatte, war nun wirklich einige Jahre her. Und das Gefühl der Zeitreise wurde noch potenziert, als aus dem angrenzenden Wohnzimmer eine rasch lauter werdende Stimme zu ihnen in den Flur drang.
„Wer ist es denn?“
Katharina erstarrte. Jule? Sie löste sich von ihrer Mutter und schnellte herum. Und tatsächlich: Auf der Schwelle zum Wohnzimmer erschien ihre Schwester, auf deren Miene sich in schneller Abfolge Erstaunen, Wiedersehensfreude und dann Unsicherheit abzeichneten.
„Was ist denn los?“
Katharina wischte sich mit einer schnellen Bewegung die Tränen aus dem Gesicht.
„Nichts“, sagte sie.
„Nina und sie haben sich getrennt“, sagte ihre Mutter.
Katharina warf ihr einen irritierten Blick zu.
„Ach, Trinchen“, seufzte Jule und kam mit ausgebreiteten Armen auf sie zu.
Nenn mich nicht Trinchen, dachte Katharina, schluckte den nutzlosen Protest aber abermals herunter.
„Tut mir leid für dich, shit hurts und so“, sagte Jule, „aber ganz ehrlich, um deine Nina ist es jetzt nicht sooo schade.“
Katharina entzog sich der Umarmung ihrer Schwester und trat einen Schritt zurück. „Danke. Sehr hilfreich.“ Sie schniefte und wischte sich abermals durchs Gesicht. „Was machst du überhaupt hier?“
„Was jeder kluge Seemann tut, wenn er einen Sturm aufziehen sieht: den sicheren Hafen ansteuern.“
„Seemann?“
„Oder jede kluge Reisebloggerin, wenn eine globale Pandemie ausbricht und der gesamte Reiseverkehr zum Erliegen kommt.“
„Ist eine Pandemie nicht immer global?“
Jule machte eine wegwerfende Handbewegung. „Potayto – potahto.“
Katharina schüttelte den Kopf, ließ es aber dabei bewenden. Wegen ihrer ständigen Reiserei und der langen Aufenthalte im Ausland sprach Jule häufig mehr Englisch als Deutsch, weshalb sie die Angewohnheit hatte, englische Redewendungen in ihre Sätze einzubauen. Mittlerweile hatten sie sich alle daran gewöhnt.
„Ich mache uns erstmal einen Tee“, erklärte ihre Mutter und ging in Richtung Küche. „Den können wir jetzt wohl alle gebrauchen.“
Katharina sah ihr nach. „Alles okay mit Mama?“
Jule zuckte mit den Schultern und richtete ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf die Reisetasche, die noch immer vor der Garderobe stand. „Also wirklich Schluss?“, fragte sie.
Katharina atmete tief ein und hörbar wieder aus. „Scheint so.“
In Jules Augen blitzte Neugier. „Habt ihr euch gestritten? Ist sie fremdgegangen?“ Ihre Augen weiteten sich. „Bist du fremdgegangen?“
Katharina sah ihre Schwester irritiert an. Wie so oft war sie nicht sicher, ob Jule es ernst meinte oder sie nur aufziehen wollte. Ein leichtes Zucken um Jules Mundwinkel gab ihr die Antwort und sie boxte ihr gegen die Schulter. Nicht wirklich hart, aber auch nicht sonderlich sanft.
„Schon gut, schon gut, ich frag ja nur“, wehrte Jule ab. „Und jetzt?“
Katharina zuckte mit den Schultern. „Brauche ich auch einen sicheren Hafen. Die Wohnung läuft ja auf Nina. Und mit allem, was gerade passiert, wusste ich auf die Schnelle nicht, wo ich sonst hinsollte.“
Jule sah sie mitfühlend an. „Na, komm“, sagte sie, legte Katharina einen Arm um die Schulter und zog sie mit sich in Richtung Küche. „Abwarten und Tee trinken.“
Sie gingen in die Küche, wo Jule sich von ihr löste, um einen Küchenschrank zu öffnen und drei Tassen herauszunehmen. Ihre Mutter stand derweil neben dem Induktionsherd und bewachte einen Kochtopf, während sie losen Tee in einen Filter schaufelte.
„Was gibt es denn?“, fragte Jule.
„Eine neue Ceylon-Assam-Mischung, die ich noch nicht ausprobiert habe.“
Jule machte ein Geräusch, das wohl signalisieren sollte, dass sie sich auf das Gebräu freute. Für Katharina war schwarzer Tee einfach nur eins: schwarz. Und bitter. Im Grunde Wasser. Sie bevorzugte Kaffee. Am liebsten den frisch gemahlenen, den der neue Automat in ihrer Küche zu zaubern im Stande war. Ninas Küche, dachte sie, nicht mehr unsere. Wie schnell Besitzstandsverhältnisse sich verändern konnten. Gestern, vorgestern noch unvorstellbar und plötzlich brutale Realität.
„Milch?“
Jules Frage riss sie aus ihren Gedanken und sie machte eine gleichgültige Geste. Sie bezweifelte, dass Milch die Sache besser machte, aber was wusste sie schon.
Jule schien zu verstehen und kam mit den Tassen zu der kleinen Kücheninsel hinüber.
Katharina zog sich einen der Hocker heran und setzte sich ihr gegenüber. „Wie lange bist du eigentlich schon hier?“, fragte sie. „Und wieso überhaupt? Das Letzte, was ich von dir gehört habe, war, dass du in Thailand bleiben wolltest.“
Jule lächelte schief. „Jaaa“, sagte sie gedehnt, „ich hatte gedacht, es wäre vielleicht klüger, das ganze Drama einfach da unten auszusitzen. Immerhin sind die gut auf Epidemien vorbereitet, und die Fallzahlen sind nach wie vor recht niedrig. Und anders als hier haben die auch schon im Januar angefangen, bei der Einreise zu screenen und Quarantäne anzuordnen.“ Sie lächelte schief. „Und vor allem tragen so ziemlich alle schon seit Wochen Masken. Im Zug von Frankfurt aus war ich gefühlt die Einzige und musste mich dafür auch noch doof angucken lassen.“
„Wahrscheinlich dachten die Leute, dass du krank bist“, wandte ihre Mutter ein, die mit der Hand über dem Regler des Herdes nur darauf zu warten schien, diesen beim ersten Anzeichen kochenden Wassers wieder auszuschalten. „Masken gehören hier eben nicht zum normalen Erscheinungsbild.“
„Schon klar. Andererseits: Was ist noch normal?“, gab Jule zurück. „Ich fand es auf jeden Fall freaky. Als ob ich das Problem wäre.“
„Na ja, du hast es sichtbar gemacht“, murmelte Katharina.
„Pfff“, stieß Jule verächtlich hervor.
„Aber warum bist du eigentlich nicht dageblieben? Ich meine, klingt ja in der Tat nicht ganz abwegig, dass es da sicherer sein könnte.“
„Tja, könnte. Aber Tatsache ist, dass niemand weiß, wie lange sich das alles hinziehen kann. Und nachdem in den letzten Tagen immer mehr Airlines ihre Flüge gestrichen haben, war es mir dann irgendwann doch zu riskant. Außerdem sind seit heute auch in Thailand alle Geschäfte außer Supermärkten und Apotheken geschlossen. Insofern kann ich genauso gut hier rumsitzen und nichts tun.“
„Nur dass du das hier auch ohne Corona gekonnt hättest“, bemerkte Katharina und sah kurz zu ihrer Mutter, die gerade dabei war, den Tee aufzugießen, ihre spitze Bemerkung aber offenbar überhörte. „Und wie bist du jetzt hergekommen?“, wandte sie sich wieder Jule zu.
„Mit dem Flugzeug.“
Katharina schnitt eine Grimasse. „Wirklich?“
„Wirklich.“
„Ich glaube, deiner Schwester ist schon klar, dass du nicht geschwommen bist“, schaltete ihre sich Mutter ein, prüfte noch einmal, dass sie den Herd wirklich abgeschaltet hatte und kam mit der Teekanne in den Händen zu ihnen herüber. „Aber die Lufthansa holt doch schon seit Tagen Urlauber mit Sonderflügen zurück. Ich dachte, es gibt gar keine normalen Verbindungen mehr?“
„Ja, aber das sind ja Charterflüge für die Touris, die jetzt vorgezogen oder umorganisiert werden müssen. Und ich bin schließlich keine normale Urlauberin.“ Sie setzte einen betont selbstgefälligen Ausdruck auf. „Als erfahrene und gut vernetzte Reisebloggerin hab ich mich natürlich rechtzeitig umgehört und meine Connections genutzt.“
„Soll heißen?“, hakte Katharina unbeeindruckt nach.
„Soll heißen, dass ich vorgestern Abend ins Flugzeug gestiegen und mit einem ganz regulären Thai Airways-Flug nach Frankfurt geflogen bin“, erklärte Jule zwinkernd und griff nach einer der jetzt mit dampfendem Tee gefüllten Tassen. „Könnte aber sein, dass das tatsächlich schon einer der letzten war.“
„Gutes Timing“, bemerkte Katharina. Auch wenn ihre Schwester ihr gehörig auf die Nerven gehen konnte, war sie natürlich froh, dass Jule nicht irgendwo im Ausland festsaß. Vielleicht war es naiv, aber im Ernstfall würde sie ihre Hoffnung lieber in das deutsche Gesundheitssystem setzen.
„Kompliziert ist es dann erst ab Frankfurt geworden“, fuhr Jule fort. „Irgendwie scheint keiner richtig zu wissen, was jetzt gilt. War gar nicht so einfach, hierherzukommen. Ich musste ewig auf einen Anschluss warten.“
„Ja, es hieß schon, dass der Regionalverkehr eingeschränkt wird“, bestätigte ihre Mutter.
„Verständlich. War ziemlich leer in den Zügen.“
Katharina nickte zustimmend. Sie hatte von Hamburg kommend auch kaum Mitreisende gehabt.
„Also mir ist schon wohler dabei, dass du wieder in Deutschland bist“, kommentierte ihre Mutter in finalem Tonfall. „Jetzt warten wir mal ab, wie es weitergeht.“ Sie sah zu Katharina. „Und du bleibst dann wohl auch erstmal ein paar Tage hier. Ihr müsst euch das Gästezimmer dann eben teilen. Ihr wisst ja, wir haben jetzt nicht mehr so viel Platz wie früher.“
„Kein Problem“, sagte Jule und fügte an Katharina gewandt hinzu: „Solange du nicht wieder schnarchst.“
„Ich schnarche nicht“, stelle Katharina klar.
„Das hab ich aber anders in Erinnerung.“
„Ich war erkältet.“
„Hm. Henne, Ei“, gab Jule zurück. „Wenn ich so gesägt hätte, hätte mir am nächsten Morgen auch der Hals wehgetan.“
„Ha. Ha.“
„Ach, Kinder“, warf ihre Mutter ein. „Seid ihr nicht zu alt für dieses Gezänk?“
„Niemals“, versicherte Jule grinsend. „Aber sag mal, Schwesterherz, was ist eigentlich mit deiner Arbeit?“
„Wir sind ohnehin im Homeoffice“, erklärte Katharina. „Ist also egal, wo ich bin, solange das Internet funktioniert.“ Sie warf einen fragenden Blick zu ihrer Mutter. „Tut es doch, oder?“
„Ich weiß ja, dass du glaubst, wir leben hier in der völligen Einöde“, tadelte die, „aber ja, ich kann dich beruhigen. Dein Vater und ich arbeiten schließlich auch von hier aus.“
Katharina war nicht sicher, ob ihr Vater als selbstständiger Architekt und ihre Mutter als Angestellte im Öffentlichen Dienst wirklich im selben Umfang auf eine stabile Internetverbindung angewiesen waren, wie sie mit ihrem Job in der Agentur, aber sie ließ es fürs Erste dabei bewenden. „Und du?“, fragte sie an Jule gewandt.
„Für mich ist es auch egal, wo ich bin.“
„Ich meinte, wie es jetzt für dich weitergeht. Reisen scheint ja gerade nicht so … gefragt zu sein.“
Jule schlürfte vorsichtig von ihrem Tee. „Ja, ja, Reiseblogger, wir machen den ganzen Tag Urlaub und hängen am Strand ab.“ Sie verdrehte die Augen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich tatsächlich mehr arbeite als du, Schwesterchen, aber um deine Frage zu beantworten: Ich habe auch keine Glaskugel. Mal sehen, wie lange das hier alles geht. Erstmal habe ich noch genug Material zu verarbeiten und ich bin ja breit genug aufgestellt, um nicht gleich unterzugehen. Wenn ich nicht reisen kann, arbeite ich eben an meinen anderen Projekten weiter.“
Katharina nickte nur und sah auf ihre eigene Teetasse hinab. Wenn sie ehrlich war, wusste sie immer noch nicht genau, wovon Jule eigentlich lebte und wie sie sich das ständige Reisen und Leben im Ausland leisten konnte. Vielleicht wären die kommenden Tage eine gute Gelegenheit, ihre Wissenslücke zu füllen.
„Na schön, ihr zwei“, schritt ihre Mutter ein. „Ich hatte für heute geplant, die Tomaten zu säen. Die müssen vorgezogen werden. Ihr dürft gerne helfen, wenn ihr schon mal da seid.“ Ihr Ton klang dabei weniger einladend als auffordernd.
„Tomaten? Jetzt? Ist es nicht noch viel zu kalt?“, fragte Katharina erstaunt.
„Natürlich nicht im Freien“, erklärte ihre Mutter, als wiederhole sie Selbstverständlichkeiten. „Im Wintergarten, auf der Fensterbank. Raus in den Garten kommen die erst im Mai. Nach den Eisheiligen.“
„Okay.“ Noch eine Wissenslücke. Wobei sie mit dieser gut hätte leben können.
„Super, ich bin dabei“, erklärte Jule mit deutlich mehr Enthusiasmus und wie immer offen für die meisten Dinge. Man sollte alles mindestens einmal ausprobiert haben, sagte sie gern. Katharina bezweifelte das. Ihr fielen eine Menge Dinge ein, die sie definitiv nie ausprobieren wollte.
„Gut“, sagte ihre Mutter. „Dann trinkt euren Tee aus oder nehmt ihn mit rüber. Ich lege schon mal die Zeitungen aus, damit wir keine Sauerei mit der Blumenerde machen. Sonst kriegt euer Vater nachher noch einen Schlag, wenn er heimkommt.“
Katharina schmunzelte. Dass ihre Mutter es immer wieder schaffte, der eher peniblen Art ihres Mannes im selben Zug Rechnung zu tragen, indem sie sich auch ein wenig darüber lustig machte, schien ihr ein Geheimnis der erfolgreichen Ehe ihrer Eltern. Wobei sich dieser Hang zum Kompromiss und Ausgleich wohl eher auf sie vererbt hatte, während Jule nur den Sarkasmus übernommen zu haben schien, allerdings in deutlich potenzierter Form.
„Wo ist Papa überhaupt?“
„Auf irgendeiner Baustelle, wo sonst“, antwortete ihre Mutter.
Ja, wo sonst, dachte Katharina. Ihr Vater hatte immer schon viel gearbeitet. Als kleine Kinder hatten sie ihn im Grunde nur morgens und abends zu sehen bekommen und es als völlig normal empfunden, dass Väter eben unter der Woche meistens abwesend waren. Zumal es nicht bedeutet hatte, dass sie ein schlechtes oder liebloses Verhältnis zu ihrem Vater hatten.
„Ach, ich fahre dann nachher besser noch mal einkaufen“, sagte ihre Mutter, die eigentlich schon auf dem Weg aus der Küche war, jetzt aber doch noch einmal stehenblieb. „Wir brauchen jetzt ja doch noch ein paar Sachen mehr und wer weiß, was uns die nächsten Tage noch erwartet. Wenn ihr etwas braucht, schreibt es auf. Der Zettel liegt neben dem Telefon.“
„Hauptsache, wir haben Klopapier“, spottete Jule.
„Mach dich nur lustig“, gab ihre Mutter zurück. „Dein Vater fängt schon an, zu rationieren.“
Katharina hatte einen Schluck von ihrem Tee trinken wollen und hielt erschrocken inne. „Ernsthaft?“
„Nein“, lachte ihre Mutter und verließ die Küche. „Zumindest noch nicht.“
Katharina schüttelte den Kopf und sah zu Jule. „Tja, auch das beste Niedrigenergiehaus auf dem Land stößt in Sachen Selbstversorgung wohl an seine Grenzen.“
„Passivhaus“, korrigierte Jule. „Und fang nicht schon wieder an. Bei dir klingt das immer, als wären die beiden ein paar Verrückte, die im Garten einen Bunker ausgehoben haben und sich auf den dritten Weltkrieg vorbereiten.“
„Mama und Papa als Prepper?“ Katharina lachte.
„Sie wollten es einfach eine Nummer kleiner – und ist doch super, wenn sie klimaverträglicher leben wollen.“
„Ja, ist es. Ich verstehe nur nicht, warum es ausgerechnet hier sein muss.“
„Warum nicht hier? Wenn es ihnen doch gefällt? Nicht jeder träumt vom Leben in der Großstadt.“
„Ist ja schon gut“, besänftigte Katharina. „Ich hab nichts gesagt.“ Sie schaute zur Tür, um sicherzugehen, dass ihre Mutter nicht doch noch in Hörweite war. „Aber mal im Ernst, so richtig begeistert ist sie nicht, dass wir hier sind, oder?“
„Ach, quatsch“, winkte Jule ab. „Sie ist einfach ein bisschen angespannt. Wundert dich das, bei allem, was gerade abgeht? Ich glaube, ihr wäre wohler, wenn Papa nicht ständig unterwegs wäre und Leute treffen würde. Und jetzt stehen wir noch auf der Matte.“
„Hm.“ Katharina nickte. „Aber apropos, bist du sicher, dass du nicht … ich meine …“
Jule hob die Brauen. „Angst, dass ich dich anstecke?“
„Weniger mich, aber Mama und Papa sind ja nicht mehr die Allerjüngsten und ältere Menschen zählen zu den Risikogruppen, oder nicht?“
„Lass sie das nicht hören. Aber keine Sorge, ich war vorsichtig und wie gesagt schon lange nur noch mit Maske unterwegs. Ich hab ja überlegt, mich zwei Wochen irgendwo einzuquartieren, aber die Hotels nehmen keine“, sie hob die Finger und malte Anführungszeichen in die Luft, „Touristen mehr auf, und was glaubst du, wie die gucken, wenn ich sage: Hallo, ich komme gerade aus Asien und würde gerne vorsorglich in ihrem Haus Quarantäne machen.“
„Ja, okay.“
„Und bei Freunden sieht es nicht viel besser aus. Was soll ich denen sagen? Ich glaube nicht, dass ich irgendwie gefährlich bin, aber nur um ganz sicherzugehen würde ich es lieber bei euch riskieren als bei meiner eigenen Familie?“ Sie warf Katharina einen vielsagenden Blick zu und griff nach ihrer Tasse. „Aber wenn du dich dann besser fühlst, kann ich natürlich in der Garage campieren.“
Katharina hob die Hände. „Ich hab ja nur gefragt.“
Jule erhob sich und ging mit ihrer Tasse in der Hand in Richtung Wohnzimmer. „Dann komm, auf zu den Tomaten.“
Katharina schüttelte erneut den Kopf. Wenn ihr vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass sie sich in dieser Situation wiederfinden würde, hätte sie laut gelacht. Jetzt war ihr nach Vielem zumute, aber nicht nach Lachen.
Sie warf noch einmal einen Blick auf ihr Handy, aber Nina hatte ihr offenbar nichts mehr mitzuteilen. Gut so, dachte sie. Was gab es auch noch zu sagen? Einen Stich versetzte es ihr dennoch.
Die nächste halbe Stunde verbrachten sie damit, die Mulden leerer Eierkartons mit Pflanzerde und Substrat zu füllen, in jede Mulde einen Samen zu legen und dünn mit Erde zu bedecken und das Ganze dann mit einem Handsprüher zu befeuchten. Am Ende stülpte ihre Mutter kleine Plastikhauben über die Kartons und erklärte, dass sie nun jeden Tag vorsichtig gewässert werden mussten, damit die Jungpflanzen in etwa zehn Tagen pikiert werden konnten. Was ihr ein schickeres Wort für Umtopfen zu sein schien.
Nach der gemeinsamen Pflanzaktion übernahmen Jule und ihre Mutter den Einkauf, während Katharina sich mit ihrer Tasche ins Gästezimmer begab. Sie überprüfte noch einmal, dass sie tatsächlich alles dabeihatte, was sie nach dem Wochenende für die Arbeit brauchen würde. Dann packte sie die wenigen anderen Sachen aus, die sie heute Vormittag in aller Eile zusammengerafft hatte. Das Gästezimmer war nicht gerade groß, zumal Jule bereits einen guten Teil in Beschlag genommen hatte, aber ein paar Tage würde sie es hier wohl aushalten. In der Zwischenzeit musste sie sich überlegen, wie es weitergehen sollte. Sie musste ihr übriges Zeug aus der Wohnung holen und vor allem eine neue finden.
Ungläubig ließ sie ihren Blick über die wenigen Habseligkeiten ihrer Schwester schweifen, die immerhin fast ihren gesamten Besitzstand ausmachten. Jule hatte schon lange keine feste Wohnung mehr und so war ihr Hausstand nie größer als das, was sie tragen beziehungsweise ohne Auto oder größere Hilfsmittel transportieren konnte. Katharina konnte sich das nicht vorstellen. Sie lebte auch nicht gerade auf großem Fuße, aber allein ihre Wintergarderobe hätte das Fassungsvermögen von Jules mobilem Haushalt deutlich gesprengt.
Sie schnappte sich ihren Kulturbeutel und zog sich ins Bad zurück, wo sie so lange unter der Dusche blieb, bis sie sicher war, dass sie auch die letzte Träne vergossen hatte. Zumindest für diesen Tag.
Als sie schließlich in frischen Klamotten und mit feuchtem Haar zurück in Richtung Küche schlurfte, war ihr Vater nach Hause gekommen.
„Trinchen“, rief er aus und schien ähnlich überrumpelt wie ihre Mutter zuvor. „Das ist ja … eine Überraschung. Erst deine Schwester und jetzt du.“ Er schien sich zu besinnen und machte einen Schritt auf sie zu, um sie in den Arm zu nehmen, und auch diese Umarmung fühlte sich besser an, als Katharina erwartet hatte oder bereit war, zuzugeben.
„Hallo Papa.“
„Wie kommt’s denn?“, fragte er und schaute sie musternd an, als müsste er prüfen, ob sie sich seit ihrer letzten Begegnung verändert hatte.
Sie suchte gerade nach einer Ausflucht, als sie zu ihrer Erleichterung das Geräusch der Haustür vernahm. „Das sind Mama und Jule mit den Einkäufen“, rief sie und löste sich von ihrem Vater. „Ich geh mal besser helfen.“
Okay, sie war schon mal unauffälliger gewesen, aber ihre Mutter würde ihm sicher ohnehin erzählen, was passiert war. Kein Grund also, dass sie es tat und dabei Gefahr lief, erneut in Tränen auszubrechen.
Im Flur kam ihr Jule entgegen.
„Hey, soll ich was tragen helfen?“
„Klar, du kannst das Klopapier aus dem Auto holen. Ist auf dem Rücksitz gestapelt. Passte nicht in den Kofferraum.“
„Falls sich das Reisebloggen mal nicht mehr rentiert, probier es bitte nicht als Stand-up-Comedian“, entgegnete Katharina und drückte sich an ihrer Schwester vorbei ins Freie.
Die Stapelauf dem Rücksitz erwiesen sich als eine einzelne Großpackung, die sie zusammen mit einer weiteren Einkaufstüte zurück ins Haus trug. Den genauen Anweisungen ihrer Mutter folgend, verstaute sie die Lebensmittel in diversen Schränken und Fächern. Alles schien seinen angestammten Platz zu haben. Der Energieverbrauch war wohl nicht das Einzige, das hier streng nach Plan lief.
„Frag doch deinen Vater und deine Schwester mal, wann sie essen wollen“, bat ihre Mutter, und Katharina ging ins Wohnzimmer hinüber.
Der Fernseher lief, irgendein Nachrichtensender, und Katharina spürte sofort, dass es wohl eine neue Hiobsbotschaft gab.
„Was ist?“, fragte sie.
„Italien meldet achthundert Tote“, sagte Jule. „An einem Tag.“
Katharina stieß die Luft aus, die sie unwillkürlich angehalten hatte. Sie hatte natürlich keine Ahnung, wie viele Menschen sonst an einem einzelnen Tag in einem Land dieser Größe verstarben, aber die Zahl klang in jedem Fall verstörend. Hatte sie nicht heute früh noch etwas von siebenundvierzig Menschen gehört, die in Deutschland bislang insgesamt an Corona verstorben waren? Aber dann hieß es ja auch, dass Länder wie Italien oder auch England im Pandemieverlauf ein paar Wochen vor Deutschland lagen.
Sie schob die Gedanken beiseite und zu dem großen Stapel anderer, denen sie ebenfalls nicht nachhängen wollte.
„Ähm, Mama will wissen, wann ihr essen wollt.“
Sie half ihrer Mutter dabei, das Abendbrot vorzubereiten, und später saßen sie alle vier im Wohnzimmer gemeinsam um den Esstisch herum. Der Fernseher war aus, und Jule erzählte noch einmal ausführlicher von ihrer Zeit in Thailand und der Rückreise – während sie sich von der luftgetrockneten Ahlen Wurst nahm und erklärte, dass sie das Einzige sei, das sie mitunter aus der nordhessischen Heimat vermisste.
„Papa, kann ich morgen dein Auto haben?“, fragte sie dann unvermittelt.
„Wo willst du denn hin?“
„Ich dachte, Trinchen und ich fahren noch mal schnell nach Hamburg und holen ihre Sachen.“
Katharina erstarrte und spürte auch ohne aufzusehen, wie sich plötzlich alle Blicke auf sie richteten.
„Sieht ja aus, als bekämen wir morgen eine Ausgangssperre oder was ähnlich Krasses“, fuhr Jule fort, „und dann kommen wir erstmal nicht mehr von hier weg.“
Ihr Vater räusperte sich, aber er sagte nichts und stellte weiter keine Fragen, also vermutete Katharina, dass ihre Mutter ihn hinsichtlich Nina eingeweiht hatte. Sie konnte nicht noch länger auf ihren Teller starren, also sah sie vorsichtig auf und fing gerade noch den Blick auf, den sich ihre Eltern zuwarfen. Sie konnte ihn nicht richtig deuten. War das Sorge? Irritation? Sie schaute zu Jule, aber die war damit beschäftigt, sich noch eine Scheibe Brot mit der Ahlen Wurst zu belegen.
Katharina hatte es bis jetzt bewusst vermieden, allein mit Jule zu sein, weil sie sich keinen weiteren Fragen hatte aussetzen wollen, aber jetzt sah sie ein, dass das ein Fehler gewesen war.
„Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich nur ein paar Tage bleibe, bis ich in Hamburg was Neues gefunden hab.“ Okay, angesichts der sich zuspitzenden Lage war das vielleicht naiv gewesen, aber sie hatte heute früh nicht wirklich viel Zeit oder den klaren Kopf gehabt, lange darüber nachzudenken. Und zu Freunden hatte sie auch nicht fahren können, weil die ebenfalls hätten wissen wollen, was vorgefallen war, dass sie so fluchtartig die gemeinsame Wohnung verlassen musste. Sie war sicher gewesen, dass ihre Eltern nicht allzu sehr nachbohren würden, wenn sie andeutete, dass sie nicht darüber reden wollte. Aber sie hatte nicht mit ihrer Schwester gerechnet.
„Hast du denn etwas in Aussicht?“, fragte ihr Vater.
„Äh, nein. Noch nicht.“
„Dürfte jetzt auch schwierig werden“, bemerkte Jule kauend, was ihr einen tadelnden Blick ihrer Mutter einbrachte. Sie schluckte, ehe sie weitersprach. Im Haus der Eltern blieb man eben ein Leben lang Kind. „Ich mein ja nur – wer holt sich neue Mitbewohner ins Haus, wenn gerade eine infektiöse Lungenkrankheit umgeht. Oder kannst du dir eine eigene Wohnung leisten?“
Katharina funkelte ihre Schwester an. Wollte sie ihr das Leben schwer machen oder einfach nur nicht allein hier festsitzen? Sie hätte gern erwidert, dass sie das natürlich konnte, aber bei der angespannten oder vielmehr rapide einbrechenden Auftragslage in der Agentur und der nicht ganz unwahrscheinlichen Möglichkeit, dass sie vielleicht sogar in Kurzarbeit würde gehen müssen, erschien ein etwas längerer Aufenthalt bei ihren Eltern gerade nicht ganz unattraktiv. Notgedrungen sagte sie genau das.
„Na ja, vielleicht ist das dann nicht die schlechteste Idee“, sagte ihre Mutter schließlich und zu ihrem Mann gewandt: „Jule hat ja recht, in den Nachrichten klang es doch sehr wahrscheinlich, dass morgen etwas in diese Richtung beschlossen wird.“ Er nickte. Und schon richtete ihre Mutter ihre Aufmerksamkeit wieder auf Katharina. „Was hast du denn dabei?“, wollte sie wissen. Tatkräftig wie gewohnt. Während ihr Vater eher der Typ war, Dinge länger zu durchdenken, ganz der gewissenhafte Architekt, war ihre Mutter diejenige, die lieber handelte. Sachbearbeiterin eben.
„Ähm, na ja, ein paar Klamotten hab ich schon dabei. Aber ich wollte wie gesagt nur ein paar Tage bleiben.“
„Außer deinem Laptop und dem ganzen Kram für die Arbeit hab ich nur etwas Unterwäsche und ein paar Shirts gesehen“, bemerkte Jule, und Katharina sah sie irritiert an.
„Wieso warst du an meiner Tasche?“
„Wir teilen uns das Zimmer, Trinchen. Ich hätte mir schon die Augen zuhalten müssen, um nicht zu sehen, was du dabeihast.“
Katharina blieb skeptisch. Seit wann war Jule so besorgt um ihre Garderobe. Oder war sie aus einem anderen Grund so erpicht darauf, ihr beim Auszug zu helfen. Aber sie kam nicht dazu, danach zu fragen.
„Dann macht mal“, seufzte ihr Vater. „Aber fahrt vernünftig. Zwischen hundert und hundertdreißig ist der Verbrauch am geringsten.“ Er warf Jule einen vielsagenden Blick zu. „Und das Auto ist noch ohne Kratzer.“
Jule gab sich empört. „Als ob ich jemals.“
„Und wie war das mit dem Laternenpfahl damals beim Rückwärtseinparken?“
„Ganz leicht touchiert. Wenn du nicht dabei gewesen wärst, hättest du es gar nicht gemerkt.“
Katharina lauschte dem Hin und Her der Beiden und war abermals froh, dass die Aufmerksamkeit nicht mehr auf sie oder den Grund für ihre temporäre Obdachlosigkeit gerichtet war. Ob ihre Eltern wohl Alkohol im Haus hatten? Sie könnte jetzt wirklich ein Glas Wein gebrauchen. Am liebsten roten. Der machte sie in der Regel so müde, dass sie schon schlief, ehe ihr Kopf richtig das Kissen berührte.
„Dann fahrt aber nicht so spät los morgen früh“, mahnte ihre Mutter und schaute erst Jule und dann sie an. „Es ist ja doch ein Stück zu fahren und ihr wollt doch nicht erst nachts wieder hier sein. Ich bin ohnehin immer früh wach, ich kann euch rechtzeitig wecken.“
„Aber frühstücken dürfen wir schon erst noch, oder?“, fragte Jule amüsiert, aber ihre Mutter blieb ernst.
„Ich packe euch was ein für unterwegs.“
Katharina runzelte die Stirn. „Willst du uns aus dem Haus haben? Habt ihr was vor?“
„Ach, was. Ich will nur nicht, dass ihr den halben Tag hier vertrödelt und es dann so spät wird. Jule hat es doch selbst gesagt: Vielleicht haben wir morgen schon eine Ausgangssperre.“
„Na ja, so schnell wird die schon nicht in Kraft treten. Die Leute müssen ja eine Chance haben, erstmal wieder nach Hause zu kommen“, wandte Jule ein.
„Trotzdem“, sagte ihre Mutter und es klang wie ein Basta.
„Okay, okay“, gab Jule nach. „Im Frühtau zu Berge.“
Ihr Vater schmunzelte immerhin, aber ihre Mutter nickte nur. Vielleicht nicht gerade zufrieden, aber irgendwie befriedet. Vielleicht hatte Jule recht und die ganze Situation machte ihrer Mutter doch mehr zu schaffen, als sie gedacht hätte. Obwohl sie eigentlich nicht zu übertriebener Sorge neigte.
„Dann gehen wir wohl besser früh schlafen, Trinchen, nicht dass du morgen früh nicht aus dem Bett kommst“, zog Jule sie auf.
Katharina schnitt eine Grimasse, auch wenn sie wusste, dass es nicht gerade dazu beitrug, ihre Position als die ältere und vermeintlich vernünftigere Schwester zu behaupten. Zumal Jule einen wunden Punkt traf. Schon zu Schulzeiten war es Katharina oft schwergefallen, morgens pünktlich aufzustehen, während Jule genauso gut bis mittags schlafen konnte, wie sie es schaffte, schon in aller Frühe auf den Beinen zu sein, und das offenbar unabhängig davon, was sie am Vorabend gemacht hatte oder wann sie ins Bett gegangen war. Soweit sie wusste, hatte sich daran nichts geändert, und auch Katharina schlief noch immer gern und brauchte ihre acht Stunden jede Nacht, um am nächsten Morgen einigermaßen zu funktionieren. Früh ins Bett zu gehen war also tatsächlich keine schlechte Idee, zumal wenn sie nach Hamburg fahren und Nina gegenübertreten würden.
„Ach, und Trinchen“, sagte ihr Vater beiläufig. „Wenn du das nächste Mal duschst, schau doch bitte, dass du nicht ganz so lange brauchst. Das Warmwasser gibt es ja nicht umsonst.“
Katharina schaute ihn verblüfft an.
„Wir können uns das auch gerne mal zusammen anschauen.“ Er sah Jule an. „Wäre vielleicht für euch beide ganz interessant, mal zu verstehen, wie das genau funktioniert mit unserer Warmwasseraufbereitung. Überhaupt die ganze Technik hier. Wusstet ihr zum Beispiel –“
„Ach, du, das passt schon“, unterbrach Jule ihn. „Du weißt doch, Frauen und Technik und so. Perlen vor die Säue.“ Sie grinste und ihr Vater seufzte.
„Na, schön. Dann seid einfach ein bisschen sparsamer.“
„Versprochen“, gelobte Jule, zwinkerte dabei aber und hob eine Hand mit zwei überkreuzten Fingern.
Ihr Vater wollte etwas entgegnen, aber ihre Mutter wählte diesen Moment, um zu intervenieren. „Wie lief es denn vorhin auf der Baustelle?“ fragte sie und legte zur Sicherheit noch eine Hand auf seine. Was den gewünschten Effekt erzielte, denn ihr Mann sah zu ihr, schloss seinen Mund zunächst wieder und begann dann seinen Bericht.
Katharina hörte einen Augenblick zu, aber da sie keine Ahnung hatte, um wen oder um was es ging, verlor sie schnell das Interesse. Sie betrachtete ihre Eltern und wieder musste sie kurz an Nina denken. Es war noch nicht lange her, dass sie so zusammengesessen hatten. Sich beim Abendessen über ihren Tag ausgetauscht hatten, scheinbar vertraut, harmonisch, eingespielt. Aber das war wohl nie wirklich der Fall gewesen. Schein und Sein. Wie hatte sie das nur so verwechseln können?
Sie schüttelte den Gedanken schnell ab.
Sie warf einen Blick zu Jule hinüber, aber die schien tatsächlich den Ausführungen ihres Vaters zu folgen.
Ach, was solls, dachte Katharina und stand auf, um in die Küche zu gehen. „Habt ihr eigentlich Alkohol im Haus?“
Ihre Mutter hatte Wort gehalten und sie geweckt, damit sie auch wirklich früh aufbrachen. Mit geschmierten Brötchen und einer Thermoskanne im Gepäck standen sie jetzt vor dem Haus, während ihr Vater das Auto aus der Garage herausfuhr. Mit den Schlüsseln in der Hand ging er auf Jule zu und ließ es sich nicht nehmen, ihr noch ein paar mahnende Worte oder auch gutgemeinte Ratschläge mitzugeben, je nach Perspektive.
Katharina sah amüsiert zu, bis ihre Mutter plötzlich neben sie trat. „Du würdest mir doch sagen, wenn etwas nicht in Ordnung wäre?“, fragte sie leise.
„Klar“, beeilte Katharina sich zu versichern. „Mach dir keine Sorgen. Ist ja nicht meine erste Trennung.“ Sie setzte ein schiefes Lächeln auf, aber ihre Mutter musterte sie noch einen Moment, bevor sie ihr über die Wange strich und sie kurz in den Arm nahm. Dann schob sie sie in Richtung Wagen, wo Jule mittlerweile die Schlüssel erhalten hatte und ihrer Schwester einen ungeduldigen Blick zuwarf.
„Ich komme ja“, sagte Katharina und ging zur Beifahrertür.
„Dann fahrt vorsichtig“, rief ihre Mutter ihnen zu. „Und seht zu, dass ihr Abstand haltet.“
Abstand? Katharina runzelte die Stirn. Meinte sie –?
„Zu wem?“, fragte Jule.
„Zu allen“, stellte ihre Mutter klar. „Pandemie – schon vergessen? Ansteckende Viruserkrankung.“
Ah. Katharina atmete auf. Und ärgerte sich zugleich, dass ihre Gedanken sofort wieder um Nina gekreist waren. Obwohl ihre Mutter ja nicht wissen konnte, wie sehr Abstand halten auch in dieser Hinsicht der beste Rat war, den sie hätte geben können.
„Machen wir“, versprach Jule und stieg ein.
„Wir sind vorsichtig“, versicherte auch Katharina und ließ sich auf dem Beifahrersitz nieder.
Was für eine seltsame Situation, dachte sie. Sie hatte Jule gestern noch danach gefragt, ob sie keine Angst hätte, ihre Eltern anstecken zu können. Dass sie selbst genauso gut als potenzielle Überträgerin infrage kam, hatte sie dabei irgendwie ausgeblendet. Kein Wunder, dass ihre Eltern nicht nur begeistert über ihr Kommen gewesen waren. Schließlich gab es keine Möglichkeit, sicher zu sein, dass keiner von ihnen bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen war.
„Wir müssen echt vorsichtig sein“, sagte sie zu Jule, sobald die Autotüren geschlossen waren. „Ich will mir gar nicht ausmalen, wenn wir –“
„Hey, chill mal“, beruhigte Jule sie. „Wir fahren einfach durch und passen auf, dass wir niemandem begegnen. Und auf ein Wiedersehen mit deiner Ex legen wir doch eh keinen Wert, oder?“
Katharina seufzte. Nein, wirklich nicht.
Sie fuhren los und kamen gut voran. Schon auf der Landstraße war nicht viel los und auf der Autobahn war es für einen Samstag gespenstisch leer.
Irgendwann meldete ihr Magen sich mit einem leichten Grummeln und Katharina biss vorsichtig in eines der noch halb eingewickelten Brötchen, bemüht, keine Krümel im Auto ihres Vaters zu verteilen. Der Audi hatte schon etliche Jahre auf dem Buckel, war aber so gut gepflegt, dass der Innenraum es mit dem eines Neuwagens locker aufnehmen konnte.
„Ich glaube, da ist was in den Fußraum gefallen“, kommentierte Jule, der ihre Anstrengungen offenbar nicht entgangen waren.
„Ha, ha.“
Jule grinste. „Mach dich locker, Schwesterchen. Zu einem echten Roadtrip gehören Essen und Trinken im Auto genauso dazu wie Krümel und Verpackungsmüll.“
„Sind wir deshalb hier? Für das Roadtrip-Erlebnis? Ich dachte, du wärst in Sorge, dass ich nicht genügend Essentials dabeihabe.“
Gestern Abend im Gästezimmer hatte Katharina noch einmal versucht, ihre Schwester umzustimmen. Ob es wirklich notwendig war, den halben Tag auf der Autobahn zu verbringen? Aber Jule war hartnäckig geblieben. Zuerst mit Verweis auf ihre mangelhafte Ausstattung, falls es tatsächlich zum Lockdown kommen sollte. Dann mit dem, was der Wahrheit vermutlich näherkam. Ich weiß ja nicht, was passiert ist, aber wenn du dir nicht anders zu helfen weißt, als freiwillig hier Unterschlupf zu suchen, statt bei Freunden oder was weiß ich wo, dann muss es ja schon was Größeres sein. Katharina hatte geschwiegen. Und wenn du nicht doch noch einen Geistesblitz hast, wo du in Hamburg unterkommen könntest, dann sollten wir schnellstens deine Sachen holen. Jule hatte es nicht ausgesprochen, aber der Nachsatz, Bevor du doch wieder zu Nina zurückgehst, hatte irgendwie in der Luft gehangen. Worauf Katharina gerne entgegnet hätte, dass diese Gefahr wirklich nicht bestand, aber sie hatte Jule keinen Grund liefern wollen, weiter nachzubohren, also hatte sie geschwiegen. Und ja, es war nicht die schlechteste Idee, ihre Sachen möglichst schnell aus der Wohnung zu holen und das Kapitel Nina ein für alle Male abzuschließen. Aber lieber biss sie sich die Zunge ab, als zuzugeben, dass Jule auch damit recht hatte.
Also hatte sie ihren – ohnehin halbherzigen – Widerstand aufgegeben und sich gefügt. Wie so oft. Obwohl sie zwei Jahre älter war, hatte sie nie wirklich die Rolle der großen Schwester innegehabt. Dazu war Jule viel zu selbstbewusst und selbstbestimmt. Wenn überhaupt, war es Katharina, die ab und zu Jules Unterstützung gebraucht hatte, wenn es darum ging, ihre Eltern von etwas zu überzeugen oder sich durchzusetzen. Schließlich stand nirgends geschrieben, dass es immer die ältere Schwester sein musste, die sich einsetzte oder die Beschützerrolle übernahm. Und hätte es doch irgendwo gestanden, hätte Jule die Regel lächelnd überschrieben oder ganz ausradiert.
„Two birds, one stone, Trinchen“, verkündete sie jetzt. „Deine Essentials sind wichtig, aber ich komme selten genug dazu, Auto zu fahren, und wenn ich schon mal Papas Audi kriege, sag ich doch nicht Nein.“ Sie ließ den Motor kurz aufheulen, blieb aber auf der mittleren Spur, auf der sie schon die ganze Zeit in sehr gleichmäßigem und moderatem Tempo unterwegs waren. Die Autobahn war immer noch weitgehend leer und nur ab und zu zogen sie an langsamer fahrenden Wagen vorbei oder wurden ihrerseits überholt.
Katharinas Handy vibrierte hörbar und sie nahm es aus der Mittelkonsole und warf einen Blick aufs Display.
„Neuigkeiten?“, fragte Jule.
„Die überlegen ernsthaft, Autohersteller Beatmungsgeräte herstellen zu lassen.“
„Super Idee. Weil so eine Klimaanlage ja praktisch dasselbe ist“, kommentierte Jule sarkastisch.
„In Spanien gestern vierhundert neue Todesfälle“, scrollte Katharina weiter durch die Schlagzeilen, „Kuba schickt medizinische Teams nach Italien, Russland medizinische Ausrüstung.“
„Zumindest scheint diese Pandemie gut dafür zu sein, ideologische Gräben zu überwinden.“
„Traurig genug, oder? Ich meine, dass es dafür immer erst einer Katastrophe bedarf.“
Jule deutete ihre Zustimmung an. „Na ja, warten wir mal ab, wie lange das hält.“ Sie warf einen Blick in den Rückspiegel. „Nichts von deiner Ex?“
Meiner Ex
