Stadthexen - Claire - E-Book

Stadthexen E-Book

Claire

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7,99 €

Beschreibung

Magie kann überall praktiziert werden – auch und gerade in einer urbanen Umgebung! Deutschlands bekannteste Hexe zeigt, wie man die Stadt als magischen Kraftort entdecken und deren verborgene Energien nutzen kann. Mit zahlreichen praktischen Tipps, Rezepten und Ritualen regt Claire dazu an, inmitten des Großstadtdschungels den eigenen magischen Stil zu entwickeln, der der individuellen Lebenssituation entspricht.

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Seitenzahl: 212

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Die Autorin

Aufgewachsen inmitten einer reichen Fülle von alten, geheimnisvollen Bräuchen, interessierte sich Claire schon früh für die spirituelle Kraft der weißen Magie. Heute ist die Lebensberaterin und praktizierende Hexe eine der erfolgreichsten Autorinnen zum Thema Magie. Claire lebt in Leipzig.

www.hexe-claire.de

CLAIRE

Stadthexen

Magische Praktiken und

Kraftorte für das urbane Leben

WILHELMHEYNEVERLAG

MÜNCHEN

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen. Vollständig überarbeiteteTaschenbuchausgabe 04/2016

Copyright © 2009, 2016 by Claire

Copyright © 2016 dieser Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Die Originalausgabe erschien 2009

unter dem Titel Stadthexen im Schirner Verlag

Alle Rechte sind vorbehalten.

Redaktion: Dr. Diane Zilliges

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

Umschlagmotive: ©EveStock/shutterstock

Satz: Leingärtner, Nabburg

e-ISBN 978-3-641-17862-8V002

www.heyne.de

Inhalt

Gehören Hexen nicht aufs Land?

Innerer und äußerer Weg

Der innere Garten

Magie ist keine Einbahnstraße

Spirituelle Übungen

Besondere Hilfen für Stadthexen

Magische Praxis – die Basis der Stadthexe

Magische Substanzen selbst herstellen

Räucherwerk für die Stadt

Talismane anfertigen

Alles in Butter – Wunschlämpchen selber machen

Drogeriemagie

Rituale für drinnen

Ein paar Grundlagen

Magischer Hausputz

Wohnungsdekoration unter magischen Aspekten

Baderituale

Liebesrituale und wirkliche Harmonie

Rituale für draußen

Die eigene Stadt magisch erkunden

Schamanisch durch die Stadt – Visionsreisen einmal anders

Ahnenverehrung

Weitere Rituale für die Stadtmagierin

Das Stadtpflanzenlexikon für Hexen

Meine Auswahl

Kräuter und Pflanzen

Bäume der Stadt

Gehören Hexen nicht aufs Land?

Beim Begriff Hexe denkt man zuerst – na klar – an eine alte Frau, die etwas abseits in der Natur ihr kleines Hexenhäuschen hat und dort magische Tränke braut, während ihr eine schwarze Katze um die Beine streicht. Diese Vorstellung ist tief in der Bilderwelt unserer Kultur verankert und beeinflusst bis heute unterschwellig das Ideal davon, wie eine »richtige« Hexe lebt.

Gleichzeitig leben heute in Deutschland rund drei Viertel der Bevölkerung in Städten, und das gilt natürlich auch für Hexen. Was also tun mit dem verwunschenen Bild aus alter Zeit?

Leben bedeutet stetigen Wandel und Veränderungen, so war es schon immer, und gerade die Lebensphilosophie der Hexen weiß darum. Trotzdem ist es nicht immer einfach, von gewohnten Ideen loszukommen. Ideale und kulturelle Bilder sitzen tief. Ist man nicht erst dann eine »echte« Hexe, wenn man im Grünen lebt?

Nun, mit den Idealen ist es bekanntlich immer so eine Sache, wie einem viele Hexen, die in Dörfern leben, bestätigen können. Die ungeteilte Neugier der Nachbarn bedeutet für so manche Landhexe mehr Einschränkungen, als sich eine Stadthexe vorstellen kann. Im Mittelalter hieß es noch »Stadtluft macht frei!«, und auch wenn es bei diesem Ausspruch ursprünglich um das Thema Leibeigenschaft ging, hat er sich bis heute im übertragenen Sinne erhalten. Und ganz nebenbei: Es wäre von der schönen Natur auch nicht mehr viel übrig, wenn jeder plötzlich ein Häuschen im Grünen hätte, aber das nur am Rande.

Trotzdem ist die Stadt, in der so viele von uns leben, oft ein Stiefkind in der Magie. Das ist vor allem eine kulturelle Prägung. Wir Deutschen haben spätestens seit der Zeit der Romantik eine tief empfundene Liebe zum Wald und zur Natur, was ja auch wunderbar ist. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass alles Menschengemachte automatisch seelenlos ist.

Andere Kulturen machen es sich deutlich leichter in ihren Städten. In vielen Ländern Asiens gehören Straßenschreine zum alltäglichen Stadtbild. In Südamerika gibt es Altäre und heilige Orte an Straßen, an denen man Ahnen und Volkshelden wie Heilige verehrt und sie um ihre Unterstützung für persönliche Anliegen bitten kann. Auf Island werden ganz selbstverständlich Straßen um große Gesteinsbrocken herumgebaut, wenn bekannt ist, dass Elfen darin wohnen (was diese andernfalls tatkräftig kundtun – die Bauleute bemerken, dass die schweren Baumaschinen immer wieder auf unerklärliche Weise kaputtgehen).

Man kann nicht leugnen, dass sich bei uns viele Stadtbewohner spirituell abgeschnitten fühlen zwischen hohen Häusern, Straßenlärm und hektischen Menschen, die an ihnen vorbeieilen. Zum Glück kann man daran etwas ändern, indem man seine spirituelle Wahrnehmung schärft.

Natur gibt es auch in der Stadt. Wir übersehen sie nur, weil sie in unserer Erwartung nicht vorkommt. Unser Denken spaltet Dinge gern: hier die gute Natur, dort die böse Stadt – und nichts dazwischen. Heutzutage wird dieses Schwarz-Weiß-Denken von immer mehr Menschen hinterfragt, weil sie instinktiv spüren, dass das Leben in Wirklichkeit bunt ist. Es ist ein ewiges Sowohl-als-auch, kein starres Entweder-oder.

Vor einer Weile stand ich an einer Ampel, der Feierabendverkehr dröhnte an mir vorbei, aber das war nicht alles, was zu hören war. Hoch oben auf einem Dach saß ein Amselmännchen und sang die schönsten Lieder. Wer es nicht gewohnt ist, auf so etwas zu achten, hört nur den lauten Verkehr.

Wir haben die Wahl, worauf wir unsere Antennen ausrichten, was wir mit ins Bild unserer Wahrnehmung hineinlassen und was außen vor bleibt. Wenn man vorgefasste Erwartungen gegen unvoreingenommene Offenheit und Neugier tauscht, staunt man nicht selten, wie reich und farbenfroh das Leben tatsächlich ist, das uns umgibt. Es ist wichtig, dieses neue Kennenlernen der eigenen Umgebung mit einer liebevollen Einstellung anzugehen. Der Mensch ist nun einmal ein Gewohnheitstier, und wenn man etwas wirklich neu erleben will, dann braucht es Zeit, in die neue Wahrnehmung hineinzuwachsen.

Zu diesem Buch

Dieses Buch ist kein Ritualkochbuch, auch wenn ich viele Dinge konkret vorschlage, um dir die ersten Schritte in die Stadtmagie zu erleichtern und Ansatzpunkte für die eigene Praxis zu geben. Wir alle sind eigenständige Menschen und müssen daher selbst an unserem magischen Geflecht arbeiten. Von indigenen Schamanen hört man oft, dass Rituale niemals zu leeren Hülsen nach Schema F werden dürfen. Man muss sie beleben, indem man etwas Eigenes dazugibt. Lässt man das Eigene weg, führt man nur eine Handlung aus, ohne selbst »dabei« zu sein. Aus diesem Grund verlangen alte Zauberanweisungen (auch wenn der Zauber an sich einem festen Schema folgt) immer den Namen sowie persönliche Gegenstände oder Symbole der beteiligten Personen.

Wir dürfen da wirklich mehr Mut haben. In unseren Breiten sind wir die Eingeborenen, auch wenn wir uns das zwischen Smartphone und Computer gar nicht mehr richtig zutrauen. Sind wir anders gebaut oder verdrahtet als die »edlen Wilden«, die bis heute so gern verklärt werden? Kein bisschen. Es stimmt allerdings, dass wir seelisch und spirituell nicht mehr so gut verankert sind, weil unsere Traditionen zu großen Teilen abgebrochen sind.

Zum Glück kann man jederzeit beginnen, sich wieder in das Geflecht der Traditionen, des alten Wissens – einfach des Zaubers des Lebens – einzuweben. Nicht indem man blind die Vergangenheit nachzumachen versucht, sondern indem man die Weisheit der Vorfahren im Hier und Jetzt nutzt. Mitten in der Stadt, mitten in der Hektik, aber auch mitten in all den noch unentdeckten Energien, Verbindungen und zauberhaften Möglichkeiten, die das Leben für uns bereithält.

Ich habe dieses Buch in fünf Bereiche aufgeteilt. Erst einmal geht es mir mit »Innerer und äußerer Weg« um den Blick hinter die Kulissen der Magie. Heutzutage wird wieder viel gezaubert, aber manchmal ein bisschen zu wenig über die Zusammenhänge und Ursächlichkeiten nachgedacht.

Auch wenn blinde Tradition tatsächlich Schlamperei ist, wie Bertolt Brecht es sinngemäß ausdrückte, können wir viel von unseren Vorfahren lernen. Tradition bedeutet bekanntlich nicht, die Asche anzubeten, sondern die Glut weiterzutragen. Die Reisen zu den inneren Sternenwelten, wie es früher genannt wurde, die Pflege des inneren Gartens, diese alten Traditionen geben uns auch heute noch Kraft und Halt. Man muss sie nur nutzen und praktizieren.

Und da hapert es oft. Gerade bei geistigen Übungen ist es nicht selten, dass Leute darüber weggehen oder sie beurteilen, ohne sie überhaupt ausgeführt haben. Wenn die Übungen sich auch noch als halbwegs gut durchführbar lesen, werden sie von vornherein nicht ernst genommen. Dabei weiß jeder ernsthaft spirituell Suchende: Was am einfachsten erscheint, ist fast immer die höchste Kunst.

Das ist wie beim Meditieren. Eine beliebte Meditationstechnik besteht darin, ruhig dazusitzen und die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen zu lassen. Geradezu lächerlich simpel, nicht wahr? Und doch springen manche Anfänger schon nach wenigen Minuten auf und verlassen den Meditationsraum, weil sie es nicht mehr aushalten. Dabei ist es »einfach« nur Dasitzen.

Mir ist natürlich klar, dass gerade Anfänger auch vom »Blingbling« der Hexentraditionen angezogen werden: die Kerzen, die Kräuter, die schönen Altäre und geheimnisvollen Symbole. Dagegen ist auch nichts zu sagen, aber wenn du dich mit all den schönen Dingen nach Herzenslust ausgetobt hast und so langsam die tieferen Sinnfragen auftauchen: Tu dir einen Gefallen und fang mit der geistigen Arbeit an. Du wirst dich wundern, was du da noch alles rausholen und erreichen kannst!

Wenn dir das alles schon völlig klar ist, kannst du natürlich auch gern gleich mit der magischen Praxis und dem Wirken im Außen beginnen. Nach den eher grundsätzlichen Dingen folgt nämlich das zweite Kapitel voller magischer Rezepturen, denn die »Hardware« darf nicht fehlen. All diese Angebote sind erprobt, und ich habe bewusst Dinge ausgewählt, die man anfertigen kann, ohne ein Vermögen dafür auszugeben.

In meinen Anfängen war das noch anders. Damals waren die meisten Hexenbücher stark von der Zeremonialmagie und deren Vorgaben geprägt. Ich konnte mir in jungen Jahren aber weder kostbares Jasminöl noch echten Safran als Räucherwerk leisten und weiß noch gut, wie schnell man sich dann »draußen« fühlt. Kaum war die magische Welt entdeckt, schloss sie scheinbar auch schon wieder ihre Türen, wenn das entsprechende Kleingeld fehlte.

Nach manchen Zutaten ein wenig suchen zu müssen ist allerdings in Ordnung und führt einen hin und wieder sogar zur entscheidenden Erkenntnis. Wie im Märchen, wenn einer weisen Frau für den entscheidenden Zauber eine bestimmte Zutat gebracht werden muss, die man nur unter großen Mühen beschaffen kann.

Im dritten und vierten Teil des Buches dreht sich dann alles um lebendige und kreative Rituale für drinnen und draußen, die die Basis für dein eigenes magisches Schaffen bilden. Dazu gehört aus meiner Sicht auch ein Abschnitt über das wichtige Thema der Ahnenverehrung.

Zum Abschluss, Teil fünf, folgt ein Stadtpflanzenlexikon. Ich wollte herausfinden, ob man in der Stadt als magischer Selbstversorger leben kann – man kann es tatsächlich.

Noch ein Hinweis

Bevor wir beginnen, noch etwas, das mir sehr am Herzen liegt: Wenn man verschiedene Rituale, Anleitungen und so weiter in einem Buch liest, dann ist das erst einmal sehr konzentriert und kann einem auch mal zu viel werden. Wie soll man das alles umsetzen und womit zuerst anfangen? Schließlich haben die meisten auch so schon einen stressigen Alltag.

Probiere einfach das aus, was dich wirklich anspricht, und mach es dir im Alltag zu eigen. Es ist besser, wenn du eine einzige Sache findest, die du gern machst und die dir immer wieder wirklich etwas gibt, als wenn du zehn Sachen auf einmal probierst und zwei Wochen später mit deinen Interessen schon wieder ganz woanders bist. Du hast dir dieses Buch ja gekauft, damit du tatsächlich etwas mitnehmen kannst für dich, damit es etwas in deinem Leben bewegt.

Der eigentliche Zauber findet nicht auf den Seiten von Büchern statt, sondern in dem Moment, wo du ihn zum Leben erweckst und anfängst, etwas zu tun. Das Hexentum ist ein Praxisweg. Als Ende der 1960er-Jahre die sichtbare Wiederbelebung dieses Weges begann, nannte der britische Autor Stewart Farrar sein berühmtes Buch »What witches do«, also »Was Hexen tun«. Damit hatte er einen zentralen Punkt in drei Worten zusammengefasst. Es ging nicht darum, was Hexen denken, worüber sie philosophieren oder an was sie glauben. Es ging um das, was sie tun.

Unsere Kultur ist von einer Buchreligion geprägt, nämlich dem Christentum und seiner Bibel. Auch wenn man sich nicht damit identifiziert, sollte man diese Prägung nicht unterschätzen, sonst nimmt man sie unbewusst einfach mit und bleibt »in Büchern stecken«, ohne sich jemals wirklich an die Praxis zu wagen.

Innerer und äußerer Weg

In meiner beratenden Tätigkeit als Hexe erreichen mich nicht selten aufgeregte Zuschriften von Leuten, die spontan irgendein Ritual aus dem Internet ausprobiert haben, das keine Wirkung zu zeigen scheint. Was kann man da bloß tun? An dieser Frage sieht man schon, dass einiges zu tun ist!

Ich sage es einmal so: Kein Buddhist würde auf die Idee kommen, dass man das Meditieren von heute auf morgen lernen kann. Aber bei der Magie denken viele Menschen, dass man dafür nicht groß zu üben bräuchte. Einfach die angegebenen Zutaten nach Anweisung nutzen, und schon braucht man sich keine Gedanken mehr zu machen.

Das kann so natürlich nichts werden, denn die Magie hat so etwas wie eine eingebaute automatische Sicherung. Die schützt sie vor beliebiger Benutzbarkeit. Es kann eben nicht jeder, unabhängig von seiner inneren Reife und spirituellen Erfahrung, einfach machen, was er gerade will. Na gut, machen kann man es natürlich schon (viele tun das), aber die Ergebnisse werden nicht die sein, die man sich vorgestellt hat.

Vorgegebene Rituale können wunderbar funktionieren, aber nur, wenn sie mit der richtigen inneren Einstellung und einem gewissen Schatz an spirituellen Erfahrungen ausgeführt werden. Und natürlich mit Gefühl. Ansonsten gibt es vielleicht einen kleinen Effekt, aber der ist bald schon wieder verpufft.

In diesem Kapitel geht es um ein paar Grundlagen, die dich fit machen, damit du mit der Magie die bestmöglichen Ergebnisse erzielst. Als Nebeneffekt schärfen die Übungen hier auch noch deine Intuition und wirken seelisch ausgleichend. Jede spirituelle Tradition, die nicht bloß an der Oberfläche kratzt, kennt neben dem äußeren Tun auch das innere Handeln. Beide gehen Hand in Hand und ergänzen sich gegenseitig. Wird eine Seite vernachlässigt, gerät man ins Ungleichgewicht, die Kräfte kommen dann ins Stocken. Wer nur in inneren Übungen versinkt, vergisst das reale Leben. Wer nur zaubert und nach außen wirkt, weiß irgendwann gar nicht mehr, warum er das, was er will, eigentlich anstrebt.

Für alle Übungen hier möchte ich vorab noch einmal auf ein sinnvolles Maß hinweisen: Lieber eine Übung auswählen und regelmäßig damit arbeiten, als fünf verschiedene Übungen auf einmal probieren und es dann doch bald wieder sein lassen. Der spirituelle Weg lebt von einer gewissen Gleichmäßigkeit. Der innere Halt, den dir eine regelmäßige Praxis gibt, ist durch nichts zu ersetzen.

Der innere Garten

Innerer Garten, das ist ein Begriff, den wir den Weisheiten der fahrenden Völker verdanken. Viele wissen zumindest vom Gefühl her gleich, was damit gemeint sein könnte. Es geht um die Innenschau, was vielleicht ein altmodisches Wort ist, den Nagel aber auf den Kopf trifft. Durch diese Innenschau berühren wir den spirituellen Urgrund hinter den materiellen Erscheinungen und verbinden uns sowohl mit unserem Instinkt als auch mit der Kraft des Lebens an sich.

Es gibt mittlerweile unendlich viele Rituale und magische Rezepte, die nach außen zielen. Im Ritual geht man tatsächlich nach außen, aber ganz allgemein ist unsere gesamte Kultur darauf ausgerichtet, sich mit dem Außen zu beschäftigen. Wie sehe ich aus? Wie wirke ich? Was werden die anderen wohl von mir halten? Natürlich ist diese Seite des Lebens wichtig. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das ursprünglich immer in Gruppen gelebt hat. Wir sind also schon von Natur aus daran interessiert, was die anderen von uns halten. Daran ist nichts verkehrt.

Aber für ein gesundes Gleichgewicht brauchen wir auch den Blick nach innen. Wenn man das eigene Innere nicht mehr erkennt, erkennt man auch nicht das Innere der Dinge und Personen ringsum. Der intuitive Blick hinter die Kulissen kommt dann abhanden. Und die inneren Bilder, mit denen wir äußere Wirklichkeiten gestalten können, verkümmern.

Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen theoretisch an, also nehmen wir einfach mal ein Beispiel: Wenn wir mit unserer inneren Wahrnehmung nicht in Kontakt sind, kaufen wir vielleicht einen tollen Kristall, um damit zu heilen. Der Stein sieht fantastisch aus, sehr symmetrisch, keine Stellen, an denen etwas abgebrochen oder angekratzt ist. Er scheint perfekt. Doch schon bald stellt er sich als ziemlich saft- und kraftlos heraus und wird zum Staubfänger im Regal.

Etwas später finden wir beim Spazierengehen einen Kiesel. Er scheint die Form eines Herzens zu haben, auch wenn andere das sicher nicht gleich erkennen. Eine Woche später ruft die beste Freundin an, die mitten in einem Beziehungsschlamassel steckt. Der Herzstein kommt uns in den Sinn, und die Freundin bekommt ihn als Geschenk. Sie findet ihn zwar in Wirklichkeit nicht besonders herzförmig, freut sich aber über die Geste und trägt ihn bei sich. Eine Woche später ruft sie an, und: Ihr Liebesglück ist wieder perfekt, der Knoten ist geplatzt. Und sie ist sich sicher, dass das etwas mit dem Stein zu tun hat.

Das ist es, was ich echte Magie nenne. Magie kann nicht »gemacht« werden. Sie kann nicht künstlich ausgedacht oder hindekoriert werden. Echte Magie wirkt nach ihren eigenen Regeln. Dazu muss man mit der spirituellen Welt verbunden sein, sonst kann es nicht klappen – wie sollte es auch ohne eine tragfähige Verbindung?

Bezogen auf die Steingeschichte hat der siebte Sinn (oder wie auch immer man es nennen möchte) unbewusst erkannt, dass das Thema Liebe bald eine große Rolle spielen wird, und schon einmal vorsorglich das passende Heilmittel, die passende Energie besorgt. Alles Weitere ergibt sich dann von selbst. Deshalb ist es auch so wichtig, nicht für alles gleich eine Erklärung haben zu wollen. Die kommt schon ganz von selbst, und meist muss man nicht mal lange warten.

Wer nicht in Kontakt mit seiner inneren Stimme ist, wäre vermutlich achtlos an dem Stein vorbeigelaufen. Nur bewusstes und zugleich spielerisches Handeln lässt Magie entstehen. Man kann sie nicht planen, sie geht eigene Wege, und wir haben die Möglichkeit, mitzugestalten. Mit »spielerisch« meine ich dabei nicht kindisch oder albern. Ich meine damit, dass es Raum geben muss, in dem Dinge sich überhaupt erst entfalten können.

Manchmal läuft man am Wesentlichen vorbei, oder es klappt nicht wie gewünscht. Auch damit muss man umgehen können, sonst ist Magie nicht unser Weg. Es ist nur menschlich, aber viele leiden heutzutage an heftigem Perfektionismus. Sie wollen am liebsten nur beginnen, was auch zu 100 Prozent gelingen wird. Magie entspringt dem Leben, und das Leben kennt keinen Perfektionismus. Im Leben kommt alles durch, was einfach stark genug ist. Wäre das Leben nur halb so perfektionistisch, wie wir es gern wären, wäre das Tier- und Pflanzenreich um einige Arten ärmer, und wir Menschen wären wahrscheinlich auch ein bisschen anders.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch das umgekehrte Phänomen: Einige sind emotional und spirituell so ausgehungert, dass sie wahllos auf alles zurennen, was nur irgendwie »Kraft« zu versprechen scheint. Oft hört man Geschichten von Leuten, die von einem Wahrsager zum nächsten ziehen, die jeden Heiler abklappern und jede Magierin und irgendwann bitter enttäuscht davon sind. Wenn man sie fragt, ob da nicht innerlich irgendein Glöckchen geklingelt hat, wenn sie an jemand Unseriösen geraten sind, dann sagen sie alle Ja. Eigentlich, tief drinnen, war da dieses kleine Zeichen, dieses ungute Gefühl im Bauch, der Moment, in dem man gestutzt hat. Auch davor schützt bewusste Arbeit mit der inneren Stimme. Wenn man sie kennt, weiß man, wie sie sich anhört, und wird sie nicht mehr überhören, wenn sie warnen will.

Als ein buddhistischer Meister gefragt wurde, was das größte Problem der westlichen Welt sei, sagte er: Sie ist selbst-vergessen. Scheinbar dreht sich den ganzen Tag alles um uns, aber eigentlich kennen wir uns selbst kaum.

Die nötigen inneren Voraussetzungen, um das zu ändern, bekommt man hin und wieder sogar geschenkt – in besonders lichten Momenten voller Begeisterung zum Beispiel. Um sich dauerhaft damit zu verbinden, muss (ich benutze das Wort »muss« nicht oft, aber hier ist es angebracht) man zu einer regelmäßigen Übung finden, die auf allen Ebenen verbindend wirkt: den Körper mit der Seele, die Seele mit dem Geist, den Geist mit dem Körper und alle drei mit dem Spirituellen. Was ich hier schreibe, ist auch als Anregung dafür gedacht.

Ich empfehle dir, die Übungen aus diesem Buch nach Gefühl auszuprobieren und immer genau das zu machen, was deinem eigenen Empfinden nach das Beste ist. Magie ist kein Leistungssport. Manche verhalten sich, als ginge es darum, als Erster über eine Ziellinie zu kommen. Man kann ihnen deshalb keinen Vorwurf machen, denn sie wissen es einfach noch nicht besser. Auch Magie wird – wie alles heutzutage – oft möglichst bequem und »konsumentenfreundlich« beschrieben. Bloß niemanden abschrecken, lieber alles etwas abschleifen, damit es leicht verdaulich ist. Das ist genau das andere Extrem zu starren Anleitungen und dieser Drohkulisse, die früher in der Magie gebräuchlich war. So nach dem Motto: »Wenn du das nicht exakt so machst, passiert etwas Schlimmes!« Die Wahrheit liegt aber wie so oft in der Mitte.

Man kann das gut an der Mondmagie verdeutlichen. Dabei muss man manchmal warten, bis es passt: Bei abnehmendem Mond wird traditionell gebannt, bei zunehmendem Mond zieht man Dinge an. Früher hieß es ganz starr: Wenn du das nicht so machst, wird alles schiefgehen, und Unglück über dich kommen. Heute wird alles lockerer beschrieben, und manche sehen dann aber überhaupt nicht ein, auch nur einen Tag zu warten, wenn sie doch genau heute ein Ritual machen wollen. Sie können sich selbst nicht mehr zurücknehmen, sie können nicht mal ein bisschen warten, selbst wenn es gar nicht so dringend ist und der richtige Mondstand ihnen wirklich helfen würde.

Das sind die Extreme, und die Wahrheit in der Mitte lautet: Wenn etwas wirklich akut ist und man nicht warten kann (zum Beispiel weil sich etwas Wichtiges in drei Tagen entscheiden wird und der Mond bis dahin nicht den gewünschten Stand erreicht), dann kann man natürlich sofort arbeiten. Aber wenn man umgekehrt Zeit hat, warum sollte man sich dann um den Rückenwind »von oben« bringen, nur weil man es zu eilig hat?

Wenn möglich, dann suche in deiner magischen Arbeit diese Wahrheit in der Mitte. Frage bei vorgegebenen Regeln nach ihrem Hintergrund, wenn du ihn nicht kennst. Verwende nur, was für dich Sinn macht und sich in der Praxis bewährt. Aber wirf nicht gleich alles Bekannte über Bord, man muss das Rad schließlich nicht jedes Mal neu erfinden und sollte die Überlieferungen und Erfahrungen unserer Vorfahren wertschätzen.

Mit inneren Bildern arbeiten

Innere Bilder und Empfindungen sind das wichtigste Werkzeug einer Hexe, aber das gilt im Grunde für jeden spirituellen Weg. Der Kontakt zur spirituellen Ebene kommt nicht über rationale Erwägungen zustande, sondern auf der Ebene des Gefühls.

Die Empfindungen sind hier auch deshalb wichtig, weil nicht jeder visuell veranlagt ist. Wo der eine konkrete Bilder vor dem inneren Auge sieht, hat jemand anderer ein bestimmtes Gefühl im Körper oder verbindet mit etwas einen Geschmack oder Geruch, der spontan in Erinnerung kommt. Wer spirituell schon ein paar Erfahrungen gesammelt hat, wird die typische Gänsehaut in »wahren« Momenten kennen. Wenn einfach alles stimmt, wenn man auf dem richtigen Weg und im engen Kontakt mit der spirituellen Ebene ist, kommt da plötzlich dieser Schauer und durchrieselt einen.

Für viele ist der Einstieg in diese Ebene anfangs schwierig, aber das gibt sich meist ganz schnell, denn sie ist nichts, was man erst erlernen müsste. Jeder Mensch hat diese Ebene, sie ist bereits da, wir müssen sie nur wieder ans Licht holen.

Ich nenne sie gern die wortlose Kraft, denn sie steckt hinter den Worten. Wir lernen von klein auf, alles mit Worten zu bezeichnen, und irgendwann denken wir, dass die Welt aus diesen Worten besteht. Beispielsweise heißt dieses kochende Gefühl im Magen Wut, diese lichtvolle Farbe nennen wir gelb, dieses runde gelb-rote Ding da ist ein Apfel und so weiter. Wir vergessen den ursprünglichen Eindruck und speichern alles unter den Begriffen ab, die wir dafür kennen. Dadurch schauen wir gar nicht mehr so genau hin. Im Alltag ist das praktisch und sinnvoll.

Für die Magie ist es wichtig, dass wir noch mal einen Schritt zurückgehen und den ursprünglichen Eindruck wahrnehmen. Streiche einmal alle Worte und achte nur auf das Gefühl, das etwas in dir auslöst. Lass dir ruhig Zeit und übe es auch bei kleinen alltäglichen Eindrücken. Du wirst merken, dass diese wortlose Kraft stärker wird, wenn du sie wieder beachtest. Dein instinktives Empfinden für Stimmigkeit kommt zurück.

Es ist also wichtig, zuerst zu fühlen, zu spüren und innerlich zu sehen (je nachdem, welcher Typ du bist oder welche Sinneswahrnehmung von sich aus antwortet) und erst danach Worte für diesen Eindruck zu finden, wenn man sie denn unbedingt braucht. Oft ist das Körpergefühl oder der Eindruck an sich bereits aussagekräftig genug, oft kann man es auch gar nicht richtig in Worte fassen. Das sind die Momente, in denen man etwas einfach weiß – und es stimmt dann auch tatsächlich.

Vor einer Weile erzählte mir eine Frau, dass sie ihre inneren Botschaften vor allem über Musik wahrnimmt. Und zwar ganz praktisch, genauso exakt wie ein Orakel. Wenn sie über wichtige Entscheidungen nachdenkt, die gerade anstehen, kommt ihr oft spontan ein Ohrwurm in den Sinn. Anfangs ist ihr das gar nicht aufgefallen, aber mit der Zeit erkannte sie, dass ihr Textzeilen der Songs die Antwort auf ihre Frage geben. Menschen sind in allen Dingen etwas unterschiedlich, das ist auch in der Magie nicht anders.

Wenn man mit inneren Bildern arbeitet, ist Geduld wichtig. Wir werden mit so vielen Bildern am Tag konfrontiert: über die Werbung, die Nachrichten, das Smartphone, das Internet und so weiter. Manchmal ist es nicht leicht, zu den eigenen Bildern zurückzufinden, weil von außen schon so viele Bilder da sind. Dann fühlt man sich oft schon komplett voll – vor allem anfangs.