Star Wars. Das Erbe der Jedi-Ritter 11. Rebellenträume - Aaron Allston - E-Book

Star Wars. Das Erbe der Jedi-Ritter 11. Rebellenträume E-Book

Aaron Allston

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Beschreibung

Die erfolgreichste Weltraum-Saga aller Zeiten geht weiter!

Während die Yuuzhan Vong weiter vordringen, schmiedet Luke Skywalker einen tollkühnen Plan: Er will sich in den feindlichen Stützpunkt auf Coruscant einschleusen. Inzwischen reisen Han und Leia von Planet zu Planet, um den Widerstand zu mobilisieren ...

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Inhaltsverzeichnis

DanksagungDramatis PersonaeKapitel 1
Einen Monat zuvor, Pyria-System: Besetzung von Borleias, 1. Tag
Kapitel 2
Besetzung von Borleias, 1. TagBesetzung von Borleias, 2. Tag
Kapitel 3
Weltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesetzung von Borleias, 3. Tag
Kapitel 4
Besetzung von Borleias, 4. bis 5. TagBesetzung von Borleias, 5. TagBesetzung von Borleias, 6. Tag, vor Morgengrauen
Kapitel 5
Weltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesetzung von Borleias, 9. Tag
Kapitel 6
Besetzung von Borleias, 9. Tag
Kapitel 7
Besetzung von Borleias, 9. Tag
Kapitel 8
Weltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesatzung von Borleias, 11. TagBesetzung von Borleias, 15. TagWeltschiff der Domäne Lah im Orbit um Myrkr
Kapitel 9
Rendezvouspunkt im tiefen RaumBesetzung von Borleias, 30. TagWeltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesetzung von Borleias, 37. Tag
Kapitel 10
Besetzung von Borleias, 37. TagWeltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um PyriaBesetzung von Borleias, 39. Tag
Kapitel 11
Besetzung von Borleias, 39. Tag
Kapitel 12
Besetzung von Borleias, 39. Tag
Kapitel 13
Besetzung von Borleias, 39. Tag
Kapitel 14
Weltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesetzung von Borleias, 39. TagDer Schlund
Kapitel 15
Besetzung von Borleias, 47. TagWeltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um CoruscantBesetzung von Borleias, 48. TagBesetzung von Borleias, 48. TagBesetzung von Borleias, 49. Tag
Kapitel 16
Besetzung von Borleias, 49. TagWeltschiff der Yuuzhan Vong im Orbit um Pyria
Kapitel 17
Coruscant-SystemBorleiasCoruscantWeltschiff der Yuuzhan Vong im Pyria-OrbitBorleias
Copyright

Danksagung

Ich bedanke mich bei:

meinem eigenen Inneren Kreis – Dan Hamman, Nancy Deet, Debby Dragoo, Sean Fallesen, Kelly Frieders, Helen Keier, Lucien Lockhart und Kris Shindler;

meinen Adleraugen Bob Quinlan, Luray Richmond und Sean Summers;

Caitlin Marlow für ihre Inspiration;

den Autoren vergangener und zukünftiger Erbe-der-Jedi-Ritter-Romane;

meinem Agenten Russ Galen;

Shelly Shapiro und Kathleen O. David von Del Rey und Sue Rostoni von Lucas Licensing.

Dramatis Personae

Jedi

Luke Skywalker: Jedi-Meister

Mara Jade Skywalker: Jedi-Meisterin

Jaina Solo: Jedi-Ritter

Kyp Durron: Jedi-Meister

Corran Horn: Jedi-Ritter

Tahira Veila: Jedi-Schülerin

Alema Rar: Jedi-Ritter, weibl. Twi’lek

Streitkräfte der Neuen Republik

General Wedge Antilles

Lando Calrissian: Kaufmann

Colonel Tycho Celchu

Commander Edlo Davip: Kapitän der Lusankya

Colonel Gavin Darklighter: Führer der Renegaten-Staffel

Captain Kral Nevil: Pilot der Renegaten-Staffel, Quarren

Captain Garik »the Face« Loran: Führer der Gespensterstaffel

Captain Yakown Reth: Führer der Schwarzmond-Staffel

Iella Wessiri Antilles: Geheimdienstchefin

Jagged Fel: Pilot der Zwillingssonnen-Staffel

Voort »Piggy« saBinring: Pilot der Zwillingssonnen-Staffel, Gamorreaner

YVH 1-1A: Droide

Zivilisten

Danni Quee: Wissenschaftlerin

Wolam Tser: Holodokumentarist

Tam Elgrin: Holocam-Mann

Yuuzhan Vong

Tsavong Lah: Kriegsmeister

Czulkang Lah: Kommandant

Viqi Shesh: ehemalige Senatorin der Neuen Republik

Maal Lah: Kommandant

Denua Ku: Krieger

Wyrpuuk Cha: Kommandant

Kadlah Cha: Krieger

Takhaff Uul: Priester

Ghithra Dal: Gestalter

1

Einen Monat zuvor, Pyria-System: Besetzung von Borleias, 1. Tag

»Ein Gott kann nicht sterben«, sagte Charat Kraal. »Und deshalb kann er auch keine Angst vor dem Tod haben. Wer ist also tapferer, ein Gott oder ein Sterblicher?«

Charat Kraal war ein Yuuzhan-Vong-Pilot – humanoid und etwas über zwei Meter groß. Seine Haut war dort, wo sie nicht mit geometrischen Tätowierungen bedeckt war, bleich und überall von den weißen, ein wenig glänzenden Linien alter Narben gezeichnet. Ein Unfall vor ein paar Jahren hatte ihm die Mitte seines Gesichts weggerissen; deshalb verfügte er nicht einmal über die winzige Nase der Yuuzhan Vong, nur über bräunlich verkrustete Knorpel und horizontale Atemöffnungen. Seine Stirn war weniger flach als die vieler anderer Yuuzhan Vong und der Stirn eines Menschen ähnlicher. Zwei Krieger hatten ihn deshalb geneckt, und er hatte sie umgebracht. Er verbarg diesen Schönheitsfehler so gut wie möglich, indem er auch den letzten Rest von Haaren auf seinem Kopf ausgerissen und Schädeltätowierungen hinzugefügt hatte, die den Blick höher lenkten, weg von der peinlichen Stirn. Eines Tages würde er sich ein Implantat verdienen, das seine Deformierung noch besser verbarg und damit seinem Problem ein Ende machte.

Er trug eine Ooglith-Maske, den transparenten Schutzanzug der Yuuzhan Vong, über einem schlichten Lendenschurz. Beide Kleidungsstücke waren lebende Geschöpfe, genetisch verändert und gezüchtet, um die ihm zugemessenen Aufgaben zu erfüllen und den Yuuzhan Vong bei ihrem Streben nach Ruhm behilflich zu sein.

Er saß im Cockpit seines Korallenskippers, des unregelmäßig geformten felsartigen Kampfjägers, und befand sich auf einer Routinepatrouille. Im Augenblick hatte er seine Kontrollhaube beiseite gelegt, dieses maskenartige Geschöpf, das ihn in geistiger Verbindung mit seinem Schiff hielt und ihm gestattete, es mit der Schnelligkeit von Gedanken und nicht der von Muskeln zu lenken.

Er und sein Einsatzpartner, Penzak Kraal, befanden sich in einem weiten Orbit um den Planeten Borleias. Sie hatten den Planeten vor kurzem den ungläubigen Eingeborenen dieser Galaxis abgenommen, damit er als Aufmarschplatz für den Angriff der Yuuzhan Vong auf die galaktische Zentralwelt Coruscant dienen konnte. Borleias war eine angenehm grüne Welt, nicht überzogen von den toten, krustigen Bauten der Ungläubigen und nicht von ihren unnatürlichen technologischen Werkzeugen entweiht; nur eine Militärbasis der Ungläubigen, die inzwischen zerstört war, hatte die Yuuzhan Vong mit ihrem Anblick beleidigt.

Die Stimme von Penzak Kraal erklang aus dem kleinen, kopfförmigen Villip, der an der Cockpitwand direkt unterhalb der Kuppel saß. Die meisten Korallenskipper waren nicht mit Villips ausgerüstet – bei ihnen hing alle Kommunikation von den telepathischen Signalen der Yammosk-Kriegskoordinatoren ab –, aber für Langstreckenpatrouillen brauchten die Jäger eine direktere Verbindung miteinander. »Das ist doch idiotisch. Wenn ein Gott der Gott der Tapferkeit ist, dann ist er schon dadurch tapferer, als jeder Yuuzhan Vong und jedes andere Lebewesen sein könnte.«

»Das frage ich mich. Sagen wir mal, du könntest unsterblich werden wie ein Gott, aber dabei ein Yuuzhan Vong bleiben. Du würdest nie dem Tod gegenüberstehen. Könntest du dann so mutig sein wie ein Yuuzhan Vong? Du könntest in alle Ewigkeit töten, wärst aber nie wirklich in Gefahr, selbst getötet zu werden, bräuchtest dem Tod nicht zu trotzen, bräuchtest nicht Zeitpunkt und Ort deines Todes zu wählen. Was ist besser: ein sterbliches Leben lang tapfer zu sein oder eine Ewigkeit töten zu können?«

»Wir haben keine solche Wahl. Aber wenn es möglich wäre, würde ich mich wohl für die Unsterblichkeit entscheiden. Wenn man lange genug lebt, könnte man vielleicht lernen, wieder so tapfer zu sein wie ein Yuuzhan Vong. Und wenn man lange genug tötet, könnte man vielleicht lernen, einen Stern zu töten.«

Charat Kraal wurde plötzlich ernst. »Ich habe gehört …«

»Was?«

»Dass die Ungläubigen das geschafft haben. Sie können einen Stern töten.«

Er hörte, wie Penzak Kraal gereizt zischte; im Villip sah er, wie die schiefen Züge seines Partners sich noch mehr verzerrten, als er den Mund in einem Ausdruck der Verachtung tiefer nach unten zog. »Und wenn? Sie tun es auf die falsche Weise, mit ihrer falschen Haltung und den falschen Mitteln. Und wie vollkommene Idioten haben sie vergessen, wie man es macht. Oder sie würden die Weltschiffe eins nach dem anderen zerstören.«

»Ich habe auch gehört …« Charat Kraal senkte die Stimme – ein alberner Instinkt, da niemand außer Penzak Kraal ihn hören konnte. »Dass die Götter ihnen ebenfalls gnädig sind. Den Ungläubigen, meine ich.«

»Lächerlich.«

»Weißt du, was in den Köpfen der Götter vor sich geht?«

»Ich kann ebenso wenig die Gedanken der Götter lesen, wie ich ein feindliches Kriegsschiff heraufbeschwören kann, um es zu vernichten und damit meinen persönlichen Ruhm zu vergrößern.«

In der Ferne, noch weit von Borleias und viele Kilometer von ihnen entfernt, wurde ein feindliches Kriegsschiff sichtbar, den Bug auf sie gerichtet. Das Schiff flog bereits mit hoher Geschwindigkeit, und es wurde rasch größer, als es sich Borleias näherte.

»Penzak, du Idiot!«

»Es ist doch nicht hier, weil ich es heraufbeschworen habe, du Idiot.« Das Gesicht des Villip wurde ein wenig unklar und passte sich dann der Veränderung in Penzaks Aussehen an. Penzak hatte seine Kontrollhaube aufgesetzt. Charat tat das Gleiche. Das Innere des Cockpits schien damit durchsichtig zu werden, bot ihm durch die Sinne des Korallenskippers freien Blick in alle Richtungen und zeigte ihm das sich nähernde feindliche Schiff in atemberaubenden Einzelheiten.

Nein, nun waren es Schiffe; mehr und mehr dieser widerwärtigen Metalldinger kamen aus dem Hyperraum, und alle hielten auf Borleias zu. Auf Charat und Penzak.

Einen Augenblick später konnte Charat ein Surren in der Kontrollhaube spüren, ein Zeichen dafür, dass Penzak dem Kommandanten der Domäne Kraal auf Borleias eine Nachricht übermittelte.

Das vorderste Schiff der Neuen Republik, ein spitzes Dreieck in Weiß, schoss über die beiden Korallenskipper hinweg, verdeckte die Sonne und warf seinen Schatten auf sie. Es war nicht annähernd so groß wie ein Weltschiff der Yuuzhan Vong, aber immer noch beeindruckend, und so nah, dass Charat das Gefühl hatte, er bräuchte nur den Arm auszustrecken und könnte mit den Fingern den Rumpf streifen.

Penzak Kraal riss den Korallenskipper nach unten und wendete, um sich dem Kurs des Schiffs anzupassen. Charat tat es ihm nach. Über sich sah er Bewegung am Bauch des Schiffs der Ungläubigen, was darauf schließen ließ, dass sie gleich die verhassten Sternjäger absetzen würden.

»Wie können wir ihnen am meisten schaden?«, fragte Charat.

»Folge mir«, sagte Penzak. »Wenn sie die Jäger starten: Greife keinen Jäger an; locke sie nur, damit sie uns folgen. Das Schiff wird nicht auf uns schießen, wenn die Jäger so nahe sind. Wir dringen durch die Startbuchten ein und zerstören die Einrichtungen dort, dann zerfetzen wir das Schiff von innen.« Er zog seinen Jäger herum und hoch, zum Bauch des Schiffs. Charat folgte.

Die Mon Mothma, einer der neuesten Kreuzer in der Flotte der Neuen Republik, ein Sternzerstörer, der zusätzlich mit Schwerkraftgeneratoren ausgestattet war, um die kurzen Sprünge der Yuuzhan-Vong-Schiffe nachvollziehen zu können, hielt direkt auf Borleias zu. Es war kein exakt berechnetes Ende des Hyperraumflugs gewesen – sie hatten einen Kurs direkt nach Borleias berechnet, und die Schwerkraft des Planeten hatte sie in den Echtraum gezogen, als sie nahe genug gewesen waren. Und nun lag vor ihnen der blaugrüne Planet, den sie zurückerobern sollten.

»Keine Spur von einem Yuuzhan-Vong-Weltschiff im Orbit«, berichtete der Sensoroffizier, ein Mon Calamari mit dunkelblauer Haut. »Die beiden Korallenskipper nähern sich, um anzugreifen.«

General Wedge Antilles, ein schlanker Mann mit müdem Gesicht und militärischer Haltung, Kommandant der Flottengruppe, deren Flagschiff die Mon Mothma war, nickte. »Schützen, behaltet sie im Auge und erledigt sie, wenn sie zu nahe kommen. Jägerkontrolle, fahren Sie mit dem Start der Sternjägerstaffel fort.«

»Ja, Sir.«

»Ja, Sir.«

Auf Datenschirmen wurden bunte Flecke sichtbar, als die Sternjäger der Neuen Republik – X-Flügler, A-9, B-Flügler, E-Flügler und mehr – ausschwärmten und sich dem Planeten zuwandten. Wedge, der hinten auf der geräumigen Brücke an der Kampfstation des Kapitäns stand, ignorierte die Schirme. Er konzentrierte sich stattdessen auf den Anblick, der sich ihm durch die Hauptsichtluke am Bug der Brücke bot.

Ich hoffe, die Vong hier haben diesen Planeten lieben gelernt, dachte er. Denn ich werde ihn ihnen abnehmen. Sie werden erfahren, wie es ist, wenn man etwas verliert, das man liebt.

Luke Skywalker beschleunigte seinen X-Flügler. Der Jäger raste aus der Hauptstartbucht und verlor dabei relativ zur Mon Mothma an Höhe. Hinter ihm formierten sich die Schiffe der elf anderen Piloten der Zwillingssonnen-Staffel, der neuen X-Flügler-Staffel, die unter seinem Befehl stand. »Zwillingssonnen gestartet«, sagte er.

»Verstanden, Zwillingssonnen.« Das war ihre Einsatzleitung auf der Brücke der Mon Mothma. »Achtung, zwei Korallenskipper manövrieren sich in Ihren Weg.«

Luke warf einen Blick auf das Sensordisplay. Tatsächlich tauchten unter ihm zwei rote Punkte auf. »Staffel, folgt mir. Wir werden sie in die Zange nehmen.«

Er hörte nur Zustimmung. Einige Stimmen klangen angespannt, aber nicht verängstigt. All seine Piloten waren Veteranen, Überlebende der Schwerter, der Schocks und anderer Staffeln, die beim Angriff der Yuuzhan Vong auf Coruscant nur Tage zuvor auf Schildtrios, Flügelpaare oder gar einzelne Piloten reduziert worden waren. Zwei Jäger bildeten ein Schildtrio mit ihm; sie wurden von seiner Frau Mara Jade Skywalker und dem ehemaligen corellianischen Sicherheitsoffizier und heutigen Jedi namens Corran Horn geflogen. All seine Piloten waren diszipliniert und kompetent. Viele wollten Rache.

Luke konnte verstehen, wie ihnen zumute war. Die Vong hatten vor ein paar Tagen mithilfe ihrer menschlichen Agentin Viqi Shesh beinahe seinen und Maras kleinen Sohn Ben entführt. Sie hatten seinen Neffen Anakin getötet, und sein Neffe Jacen war verschollen. Die Verluste, besonders der seines Schülers Anakin, quälten ihn auf eine Art, gegen die er überhaupt nichts tun konnte.

Als junger Mann wäre Luke in einer solchen Situation nur auf Rache aus gewesen, aber heute hatte er diesen Teil seiner Persönlichkeit unter Kontrolle. Rachegedanken gehörten zum Denken der Dunklen Seite, waren unreifes Denken. Er war schon lange nicht mehr dieser unschuldige Junge mit der glatten Haut; nun war sein Gesicht von Kampfnarben und Falten gezeichnet, entsprechend dem Gewicht der Erfahrung und der geistigen Ruhe, die er gewonnen hatte.

Er dehnte seine Wahrnehmung aus und suchte Mara. Er fand sie und wäre beinahe vor dem Kontakt zurückgeschreckt; sie war nun eine eisige Präsenz, vollkommen auf ihren Einsatz konzentriert.

Er zuckte die Achseln. Mara gab sich kühl und beherrscht, aber sie war ebenso erschüttert wie er darüber, dass sie Ben beinahe verloren hätten, dass einer ihrer Neffen tot und der andere verschwunden war, und es hätte ihn nicht überrascht, wenn sie vor Rachedurst geglüht hätte wie ein Lichtschwert. Die Tatsache, dass das nicht der Fall war, bedeutete, dass sie sich unter Kontrolle hatte.

»S-Flächen in Angriffsposition«, sagte Luke und ließ den Worten die Tat folgen, indem er den Schalter bediente, der die Flugflächen der S-Flügler zu dem vertrauten X-förmigen Angriffsprofil ausfuhr. »Erstes und drittes Trio, ihr nehmt euch den Anführer vor, der Rest konzentriert sich auf den Flügelmann. Schießt nach Belieben.« Er verband seine Laser zu Quadfeuer, sodass alle vier bei einem einzigen Druck des Auslösers schießen würden, und nahm den ersten Korallenskipper ins Visier. Vier rote Ströme vernichtender Laserenergie rasten auf den Korallenskipper zu …

Nein, es waren acht Ströme. Lukes Schuss, der auf die Steuerbordseite des Schiffs gezielt war, erreichte dieses Ziel nie; Dunkelheit erschien vor der Laserenergie, verzerrte den Raum rings um sie her wie eine riesige Lupe und zog das Laserfeuer an. Die ersten vier roten Energielanzen wurden einfach abgelenkt und verschwanden. Aber Maras Schuss, auf die Backbordseite gezielt, traf den Korallenskipper, einen Augenblick nachdem Lukes Salve verschwunden war. Er grinste; sie musste die Macht genutzt haben, um ihn zu beobachten, sonst hätte sie ihren Schuss nicht so vollendet auf seinen abstimmen können. Ihre Laser zuckten über den Rumpf des feindlichen Kampfjägers, bis die Verzerrung flackerte, dann schoss Luke erneut, und seine Laser fraßen ein Stück des Korallenskipperhecks weg. Corran schloss sich an. Das korallenartige Material des Jägers wurde heiß, und die Laser rissen rot glühende Brocken aus der Oberfläche.

Luke vollführte Ausweichmanöver und bewegte sich mit der Zufälligkeit eines fliegenden Insekts auf und ab, hin und her. Er sah ein glühendes Geschoss aus dem Plasmageschütz des Korallenskippers an Backbord vorbeisausen, weit genug entfernt, dass es keine Gefahr für ihn, Mara oder Corran darstellte. Tatsächlich gab es auch keinen Alarm von den anderen in der Staffel, kein plötzliches, tragisches Verschwinden eines Jägers der Neuen Republik von seinen Sensoranzeigen.

»Sie lassen sich auf keinen Kampf ein.« Das war Zwillingssonnen Elf, eine Frau namens Tilath Keer, die von Commenor stammte. »Wende und nehme die Verfolgung auf.« Luke sah die Jäger von Zwillingssonnen Vier bis Sechs und Zehn bis Zwölf wenden und den Korallenskippern folgen, die direkt Kurs auf die Mon Mothma nahmen.

Luke verspürte ein leichtes Kribbeln, aber ob diese Warnung von der Macht kam oder einfach auf seine eigne jahrelange Kampferfahrung zurückzuführen war, hätte er nicht sagen können. »Negativ, Verfolgung abbrechen«, sagte er. »Verfolgt sie nicht. Zwillingssonnen, bleibt auf dem ursprünglichen Kurs und formiert euch um die Record Time. Mon Mothma, die Skipper gehören euch.«

»Verstanden, Zwilling Eins.«

Luke wandte sich wieder Borleias zu und sah, wie seine Piloten die Verfolgung der Korallenskipper abbrachen und sich wieder zu einer Staffel formierten. Sobald seine Jäger sich von den Korallenskippern entfernt hatten, begannen die Lasergeschütze der Mon Mothma zu feuern. Einer der Korallenskipper wurde sofort zerstört, da sein Dovin Basal nicht imstande war, alle auf ihn eindringende Energie zu absorbieren; das Schiff verwandelte sich in einem grellen Blitz in glühende Partikel, die nicht größer waren als ein Fingernagel. Der andere konnte anscheinend mit seinem Dovin Basal besser umgehen, hielt einem Streifschuss stand und trudelte dann von der Mon Mothma weg. Auch er stellte keine Gefahr mehr für den Sternzerstörer dar.

Luke schüttelte den Kopf über das sinnlose Opfer der Yuuzhan Vong, über diese traurige Verschwendung von Leben, und formierte seine Staffel zu einem Angriffskeil vor der Record Time.

Die Record Time war ein bewaffneter Truppentransporter. Mit beinahe 170 Metern Länge und zwei bauchigen Hauptbereichen – im größeren der beiden waren die Brücke und die Truppenräume untergebracht, im kleineren die Triebwerke –, verbunden durch eine schmale Zugangsröhre, wirkte das Schiff unglaublich verwundbar, unglaublich zerbrechlich. Aber ihre Besitzerin, eine Händlerin – Luke nahm an, man hätte sie auch als Schmugglerin bezeichnen können –, hatte General Antilles dieses Schiff während des Falls von Coruscant angeboten und behauptet, es sei der schnellste, zähste Transporter seiner Art. Nun enthielten die Frachträume keine Handelswaren, sondern waren mit Soldaten gefüllt.

Lukes Kom gab ein kurzes Statikzischen von sich, dann erklang die Stimme einer Frau. »Record Time an Zwillingssonnen-Führer. Wir sind bereit.«

»Zwillingssonnen-Führer an Record Time – Sie bestimmen das Tempo. Wir werden dort bleiben, wo Sie uns brauchen.«

Der Transporter bewegte sich rasch vorwärts, nicht schnell nach Maßstäben eines Sternjägers, aber immer noch schnell genug für ein Schiff dieser Größe. Luke berechnete die Beschleunigungsrate und brachte seinen X-Flügler vor die Brücke des Schiffs. Mara und Corran kamen neben ihn. Ein weiteres Schildtrio war zur Backbordseite der Record Time zurückgefallen, ein drittes begleitete den Transporter an Steuerbord, und das letzte flog hinter dem Heck.

Rings um die Zwillingssonnen-Staffel beschleunigten Sternjägerstaffeln, Fregatten, Zerstörer und Shuttles auf Kampfgeschwindigkeit.

Luke hörte Colonel Gavin Darklighters Stimme über den Einsatzkanal: »Renegaten-Staffel an Borleias. Wir sind wieder da. Wir haben euch vor zwanzig Jahren eins verpasst. Jetzt werden wir das wiederholen.«

Luke grinste.

Staffeln von Korallenskippern stiegen bereits vom Planeten auf, als die Zwillingssonnen-Staffel mit dem Abstieg in die Atmosphäre begann. Sie waren ein wenig länger als X-Flügler und vergleichbare Jäger, aber erheblich massiver. Sie bestanden aus sehr dichten Yorikkorallen, waren am Bug zugespitzt und wurden zum Heck hin breiter. Ihre raue Außenseite entsprach ihrem organischen Ursprung.

Luke fand, dass sie sehr schön aussehen konnten. Der, der nun auf sie zukam, und die beiden, die sie nach ihrem Start von der Mon Mothma gesehen hatten, schienen farblich aufeinander abgestimmt zu sein – Pastellrot und schimmerndes Silber verbanden sich zu einem unregelmäßigen Muster. Am Bug, in einer Art Nische in der Korallenoberfläche, befand sich der runde rötliche Dovin Basal, das Geschöpf, dessen Schwerkraft verändernde Fähigkeiten die Korallenkipper im Raum von einer Stelle zur anderen zogen und außerdem zur Verteidigung Gravitationsanomalien erzeugten, die Geschosse aufsaugten, wie ein Bantha auf Tatooine Wasser trank. An der Oberseite, direkt vor der Stelle, an der das Schiff seine größte Breite erreichte, befand sich die Kuppel über dem Cockpit; die Kuppel dieses Schiffs war blau.

Aber es war irrelevant, wie die Skips aussahen. Sobald sie in Schussweite kamen, begannen sie ihre Plasmageschütze abzufeuern, Lebensformen, die glühend heißes Material spuckten, das sich durch den Rumpf eines Sternjägers fressen konnte. »Wir greifen an; ihr gebt weiterhin dem Transporter Deckung«, befahl Luke und tat, was er angekündigt hatte; er riss sein Schiff abwärts auf den Planeten zu und eröffnete das Feuer. Er verließ sich darauf, dass seine Flügelleute bei ihm blieben, abwechselnd mit ihm schossen und auf unterschiedliche Bereiche zielten, um den Dovin Basal zu überlasten und zu verstören. Diesmal fing das Geschöpf, das den Skipper schützte, Maras Schuss ab, der auf einen Bereich leicht unterhalb der Mittellinie des Jägers gezielt war, aber er konnte die Schwerkraftanomalie nicht schnell genug herumreißen, um Lukes und Corrans Schüsse ebenfalls abzufangen; sie trafen die Yorikkoralle überall rings um die Kuppel des Piloten.

Glühend heiße Brocken, abgeschossen vom Flügelmann des Ziels, rasten auf Lukes X-Flügler zu. Luke hörte ein erschrockenes Quieken von R2-D2, der hinter seiner Kuppel in der Astromech-Bucht steckte, ignorierte das aber als irrelevant. Er stieg weiter ab, drehte den Jäger dabei um die eigne Achse und veränderte das Tempo der Drehungen und die Fluggeschwindigkeit jede halbe Standardsekunde. Er sah das Plasma zwischen seinem und Maras Jäger aufblitzen.

Dann befanden sie sich alle drei unterhalb ihrer Ziele und stiegen hinter den Hecks der Korallenskipper wieder auf. Die Schwerkraftanomalien der Skipper richteten sich neu aus und verharrten am Heck, bereit, unendliche Mengen von Energie aufzunehmen.

Die ersten Kämpfe zwischen Korallenskippern und Jägern der Neuen Republik waren für die Neue Republik katastrophal ausgegangen. Selbst erfahrene Piloten waren von der unglaublichen Zähigkeit der Skipper aus dem Gleichgewicht gebracht worden, von dem Versagen der Protonentorpedos und der Laserenergie, die in diese Miniatur-Schwarzen-Löcher gesaugt wurden, ohne auch nur den geringsten Schaden an den feindlichen Schiffen anzurichten, und von den schrecklichen Schäden, die die Plasmageschütze anrichteten, weil ihre Geschosse nach den Treffern sich in die Oberfläche der Sternjäger fraßen.

Nun sah das anders aus. Die überlebenden Piloten hatten ihre Taktik angepasst und alles, was sie über die Feinde erfahren hatten, an ihre Kameraden weitergegeben. Sie wussten nun, dass sie die Dovin Basale überladen mussten, indem sie sie aus mehreren Richtungen gleichzeitig beschossen, damit genügend Geschosse durchdrangen, um die Oberflächen der Korallenskipper zu beschädigen. Sternjägerpiloten mussten um jeden Preis vermeiden, von den Waffen eines Skips getroffen zu werden; selbst ein einziger Treffer konnte sich durch die Schilde fressen und sich als tödlich erweisen.

Und es gab außerdem jedes Mal, in jedem Kampf, neue Taktiken. Mara flog nun vor Luke und Corran her und lenkte das Feuer von beiden Korallenskippern auf sich. Dann veränderte sie plötzlich ihr Bewegungsmuster; es wurde so zufällig, wie es nur die Macht einem Piloten ermöglichte, und sie zuckte umher, bis sie direkt hinter den Skips war. Sie zog ihren Jäger nach Backbord, und als beide Plasmageschütze sie mit ihrem Feuer verfolgten, streifte das Feuer des Steuerbordskippers den an der Backbordseite; zwei glühende Plasmageschosse krachten in den Bauch des feindlichen Jägers.

Die Schwerkraftanomalien des Backbordschiffs versuchten den Bauch des Skippers zu schützen. In diesem Augenblick schoss Mara eine Vierersalve ab.

Das Skip explodierte und verbarg Maras X-Flügler damit einen Augenblick vor ihren Flügelleuten. Luke schoss eine Stottersalve auf die Unterseite des Skips an Steuerbord ab. Er hoffte, dass die Verwirrung des Piloten, nachdem er seinen eigenen Flügelmann getroffen hatte, zusammen mit den Anstrengungen des Dovin Basals, Maras Geschosse aufzunehmen, den Korallenskipper für kurze Zeit verwundbar machen würde.

Er hatte Recht. Seine Laser trafen die Unterseite des Skips und fraßen sich durch. Der Korallenskipper trudelte davon und verlor Flüssigkeit, die in dieser Beinahe-Vakuum-Region sofort gefror.

Luke überprüfte die Sensoranzeige. Zwei Skips erledigt. Mara kam wieder auf ihn und Corran zu. Ein kurzer Diagnosedurchlauf sagte ihm, dass sein Jäger keinen Schaden genommen hatte.

Weiter draußen waren zwei seiner Zwillingssonnen-Jäger verschwunden. Der Pilot des einen schwebte im Raum; Luke hoffte, dass der Druckanzug ihn am Leben erhalten würde, bis ein Rettungsshuttle eintraf. »Gute Taktik, Mara«, sagte er.

»Du machst immer die besten Komplimente.«

Luke grinste und lenkte seinen X-Flügler auf eine neue Gruppe feindlicher Jäger zu.

Sternjägerstaffeln beschränkten die Reaktion der Yuuzhan Vong auf drei Kampfschauplätze im Orbit. Die Zwillingssonnen-Staffel nutzte die Gelegenheit und raste durch die Atmosphäre in eine unverteidigte Zone, dann hielten sie auf den Bereich zu, von dem aus die Korallenskipper gestartet waren – sie hatten diesen Bereich mittels Schwerkraftsensoren ausfindig gemacht. Er hatte, was kein Zufall war, die gleichen Koordinaten wie der Militärstützpunkt der Neuen Republik, der sich auf Borleias befunden hatte. Luke freute sich nicht darauf zu sehen, was während der Besetzung durch die Yuuzhan Vong aus dem Stützpunkt geworden war.

Als sie dicht über den Dschungel hinwegflogen, konnte Luke die Zielzone bereits vor sich sehen. Sie sah nicht mehr aus wie in dem Holowürfel, den er sich zuvor angeschaut hatte. Das Hauptgebäude wirkte niedriger und breiter.

Korallenskipper stiegen darüber auf und kamen auf sie zu. Seine Sensoren sagten ihm, dass es sechs waren. »Zwillingssonnen, nach vorn«, sagte Luke. »Greift diese Jäger an. Record Time, ich überlasse es Ihnen, ob Sie mit uns zurückbleiben oder weiter zum vereinbarten Ziel fliegen wollen.«

»Zwillingssonnen, hier Record Time. Wir sind hier, um zu kämpfen. Wir sehen uns in der Landezone.«

»Verstanden.«

Lando Calrissian stand im Truppenraum der Record Time direkt neben dem Zugang zur Rampe und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie nervös er war.

Er schwitzte. Er konnte Schwitzen nicht ausstehen. Schwitzen war ein Zeichen schwerer Arbeit – wofür er überhaupt nichts übrig hatte – und passte einfach nicht zu seinem Image als einem Mann, der unendlich cool ist und alles vollkommen im Griff hat.

Er schaute zu den Männern und Frauen, die im Truppenraum warteten. Die meisten saßen in Reihen auf hochlehnigen Truppensitzen und waren wegen der zu erwartenden Turbulenzen angeschnallt. Ihre Kommandanten gingen vor diesen Reihen auf und ab und gaben dabei letzte Anweisungen, Ratschläge und Ermutigungen; auch Witze und Beleidigungen machten die Runde.

Dann wandte sich Lando seinen eigenen Leuten zu. Sie standen im Kreis, jeder mit einer Hand an dem Metallpfosten inmitten des Kreises, und starrten ihn an. Sie waren ungerührt und furchtlos. »Seid ihr bereit?«, fragte er.

Wie ein einziger Mann antworteten sie: »Ja, Sir.«

Er wusste, wenn sie das Schiff verließen, würde er einige von ihnen nie wieder sehen. Anders als die anderen anwesenden Kommandanten störte ihn diese Gewissheit nicht. Seine Leute würden ihren Zweck erfüllen.

Das Schiff schauderte, als feindliches Feuer die Record Time traf. Lando sah Angst, ja sogar das Bedürfnis, sich zu übergeben, auf den Gesichtern der anderen Soldaten.

Nicht bei seinen Leuten. Sie starrten ihn weiter an und warteten.

Luke, begleitet von Mara und Corran, raste hinter der Record Time her. Er verzog das Gesicht, da er das obere Steuerbordlasergeschütz und das Triebwerk dort durch Plasmafeuer verloren hatte. Energie, Manövrierfähigkeit und Kampfkraft seines Jägers waren beeinträchtigt.

Vor ihm hielt die Record Time auf den Dschungel zu, oder vielleicht auf das offene Feld direkt vor der Basis; von hier aus war das nicht zu erkennen. Kleine Lichtblitze zuckten vom Boden auf, trafen den Rumpf des Transporters und schwärzten ihn. Luke befand sich zwar direkt am Heck der Record Time, glaubte aber sehen zu können, wie sich die Kanten des Bugs des Transporters unter dem Beschuss verzogen. Dann drehte sich das Schiff nach Backbord, und Luke sah, dass er Recht hatte; der Bug der Record Time war von den Plasmageschossen schrecklich deformiert worden. Er nahm nicht an, dass das Schiff noch raumtüchtig war.

Nach einem letzten Ruck und einem letzten Zittern wusste Lando, dass der Transporter gelandet war. Der Alarm war so laut, dass er kaum etwas anderes hören konnte. Ein letztes Mal holte er tief Luft und nickte seinen Leuten zu, dann drückte er auf den Knopf hinter sich.

Der obere Teil der Luke glitt sofort nach oben. Der untere Teil senkte sich und wurde zur Rampe. Warme, feuchte Luft drang ins Schiff. Hinter der Rampe befand sich Feld mit wadenhohem, faserigem Gras, und dahinter waren rötliche Yuuzhan-Vong-Gebäude zu erkennen – ein großes zylindrisches Ding, von dem in unregelmäßigen Abständen Arme abzweigten.

»Los, los, los«, schrie Lando, und seine Leute ließen die Stange los, die sie gehalten hatten. Mit einem unartikulierten Kriegsschrei drängten sie zur Rampe, die Blastergewehre bereit.

Als sie die Rampe erreichten, begann das feindliche Feuer. Lando hörte, wie die hintere Wand des Truppenraums klirrte, als Munition dort auftraf. Nein, es war keine Munition, erinnerte er sich, sondern Lebewesen, die die Yuuzhan Vong warfen: Knallkäfer, insektoide Projektile, die beim Aufprall explodierten, und Messerkäfer, die alles durchtrennten, was sie trafen und dann umherschwirrten, um anzugreifen, was sie verfehlt hatten.

Einer seiner Leute wurde gleich von mehreren Knallkäfern getroffen, von einem sogar an der Kehle. Der Aufprall genügte, um sie zu zerreißen. Dieser Soldat brach zusammen, sein Kopf krachte auf den Boden des Schiffs und rollte auf Lando zu.

Lando hielt ihn mit dem Fuß auf wie ein Ballspieler und betrachtete ihn leidenschaftslos. Sein erster Verlust an diesem Tag. Der Kampfdroide blickte mit dem gleichen Ausdruck wie einen Moment zuvor zu ihm auf. Der Schaden sah nicht allzu schlimm aus, dachte Lando. Man würden ihn leicht beheben können.

Die unverletzten neunzehn Kampfdroiden eilten die Rampe hinunter und ins Feld, wo sie sich der rechten Flanke des großen roten Gebäudes zuwandten. Ihr Kriegsschrei wandelte sich von einfachem Gebrüll zu Worten, die Lando nicht verstehen konnte.

Aber er wusste, was sie sagten. Er hatte dafür gesorgt, dass dieser Kriegsschrei in all seinen Droiden installiert worden war. In der Sprache der Yuuzhan Vong brüllten die Droidensoldaten: »Wir sind Maschinen! Wir sind besser als die Yuuzhan Vong!«

Auf der Brücke der Record Time sagte der Kommunikationsoffizier, ein Rodianer mit makellos sauberer grüner Schuppenhaut und zuckendem Mund an der Spitze seines dreieckigen Kinns: »Kapitän, es funktioniert. Sie verlassen ihre Deckung und zeigen sich.«

Der Kapitän, eine hoch gewachsene Frau mit kupferrotem Haar, das sie unter eine Offiziersmütze gesteckt hatte, löste die Gurte und stand auf. Das brachte ihren Kopf direkt in den Rauch, der an der Brückendecke immer dichter wurde. Sie hustete, duckte sich und trat an die Seite des Rodianers.

Der Schirm präsentierte eine Rundumsicht, gesammelt von den Holocams, die überall am Rumpf des Transporters angebracht waren. Er zeigte den Boden rings um das Schiff, Dschungel an Backbord und offenes Feld an Steuerbord.

Lando Calrissians Droidensoldaten hatten die Rampe verlassen und rannten ununterbrochen schießend über das Feld. Und Yuuzhan-Vong-Krieger tauchten überall auf dem Feld auf oder kamen aus dem Dschungel gerannt, eilten auf die Droiden zu und ignorierten den Transporter – sie stürzten sich wie wütende Tiere auf die Droiden, die sie durch ihre Worte und durch ihre schiere Anwesenheit zutiefst beleidigten.

»Senden Sie dieses Bild an alle Schiffe und Fahrzeuge in der Kampfzone«, sagte der Captain. »Übermitteln Sie der Mon Mothma, dass die Taktik funktioniert. Dann sagen Sie … o verflucht.«

Auf dem Schirm war zu sehen, dass etwas Riesiges hinter dem Gebäude hervorkam und sich dem Transporter näherte. Es handelte sich um ein Lebewesen, das vage an ein Reptil erinnerte und selbst die Größe eines großen Hauses hatte. Seine Haut war bläulichgrün, aber an seinem Kopf und am Rückenkamm wuchsen rote und silberne Yorikkorallen. Aus dem Kamm erhoben sich außerdem riesige segelartige Platten, und Plasmageschütze schoben sich zu Dutzenden aus den Yorikkorallen.

Der Kapitän erhob die Stimme zum Befehlston eines Kommandanten: »Schafft die Truppen sofort vom Schiff. Das übrige Personal folgt den Truppen. Alle Waffen auf dieses Ziel richten. Sofort schießen. Und saugt den Rauch hier ab. Wir müssen atmen können, wenn wir kämpfen wollen.«

Das hier musste eins der Geschöpfe sein, die die Vong auf Dantooine eingesetzt hatten. Der Kapitän hatte eine unangenehme Vorahnung, dass die Record Time diesen Planeten nicht wieder verlassen würde.

2

Besetzung von Borleias, 1. Tag

Die organischen Soldaten eilten aus den Buchten der Record Time, ihr Kriegsgeschrei ein unverständliches Brüllen. Lando hielt zusammen mit seinem Leibwächter, einem weiteren Droidensoldaten, auf die Hauptgruppe von Soldaten zu, während die anderen weiter zum Hauptgebäude stürmten und ausschwärmten, um das Gebäude zu umzingeln, oder stehen blieben, um ihre Ausrüstung einzusetzen.

Seine Droiden wurden nun heftig beschossen; ihre Laminanium-Rüstung war bereits gezeichnet von kleinen Aufprallkratern der Knallkäfer und fleckig von den Säften der Messerkäfer, die sie getroffen hatten, ohne ihnen etwas anhaben zu können. Lando beobachtete, wie ein Krieger der Yuuzhan Vong sich zwischen zwei von ihnen warf, seine Vonduun-Krabben-Rüstung dunkel, aber schimmernd, und mit dem Amphistab dabei nach hinten und rechts schlug. Der starre Stab zielte auf die Mitte eines Droiden, aber der fing ihn mit der freien Hand ab, so schnell, das die Bewegung nur verschwommen zu sehen war. Dann richtete er seinen schweren Blaster aus und schoss; Energie durchzuckte den Vong-Krieger. Er wurde nach hinten gerissen und fiel dann qualmend zu Boden.

Ein Schlag gegen Landos Rücken, der nicht fest genug war, um von einem Knallkäfer zu stammen, warf ihn ins Gras, und er hörte, wie sein Leibwächter sagte: »Runter, Sir.« Dann schoss der Droide. Lando richtete sich halb auf und sah, wie ein Yuuzhan-Vong-Krieger sich im vollen Lauf näherte und dabei Haken schlug, um dem Blasterfeuer des Droiden zu entgehen.

Lando kam auf die Knie hoch, zielte auf einen Punkt rechts von dem angreifenden Feind, schoss und zog die Waffe dann nach links. Seine Schüsse zielten bewusst geringfügig an denen des Droiden vorbei, und der Yuuzhan-Vong-Krieger, der nun nur noch fünf Schritte entfernt war, geriet beim Ausweichen in die Schusslinie und wurde am Knie getroffen. Er fiel nach vorn, rutschte auf Lando und den Droiden zu und schwang den nun biegsamen Amphistab.

Lando stand auf. Er und der Droide wichen in unterschiedliche Richtungen zurück und schossen dabei weiter auf den gestürzten Krieger. Der Yuuzhan Vong erhob sich mit an mehreren Stellen geschwärzter Rüstung und bog den Arm zurück, um etwas zu werfen, aber ein Schuss – Lando war nicht sicher, ob er von ihm oder dem Droiden gekommen war – traf ihn am Hals. Er taumelte rückwärts.

Lando nickte dem Droiden zu. »Ich bin Geschäftsmann«, sagte er.

»Ja, Sir.«

»Du weißt, was das bedeutet.«

»Dass Sie nur sehr ungern hier sind, Sir.«

»Ganz richtig.« Die beiden gingen um die qualmende Leiche herum und weiter auf Landos Leute zu.

Nun war das gepanzerte Tier deutlich zu sehen. Die Muskeln unter den Panzerplatten und rings um sie arbeiteten, die Plasmageschütze überall am Rücken des Reptils bewegten sich – und richteten sich direkt auf Lando, oder es kam ihm zumindest so vor.

Er warf sich zu Boden und fing wieder an zu schießen. Luke, Mara und Corran überflogen die Basis mit hoher Geschwindigkeit, was ihnen einen sehr kurzen Blick auf das Yuuzhan-Vong-Gebäude, die Record Time und das riesige Geschöpf verschaffte, das Plasmaklumpen auf den Transporter abschoss.

Luke seufzte. Als er zum letzten Mal einem dieser Geschöpfe gegenübergestanden hatte – später hatten sie erfahren, dass die Yuuzhan-Vong-Bezeichnung für sie Rakamat lautete –, hatte die Taktik, die er benutzt hatte, um es zu töten, ihn stundenlang bewusstlos gemacht. Das konnte er sich jetzt nicht leisten. »Sehen wir mal, ob wir das Ding von den Bodentruppen ablenken können«, sagte er. »Kette Zwei, Drei und Vier: Wann immer ihr damit fertig seid, mit den Skips dort hinten zu spielen, wir könnten euch hier brauchen, wo ernsthaft gekämpft wird.«

Er führte Mara und Corran in einem engen Bogen wieder zur Kampfzone. Alle drei X-Flügler begannen, kurz bevor sie über das freie Feld flogen, mit Ausweichmanövern, und Plasma schoss rings um sie her durch die Luft. Luke feuerte mit gekoppelten Lasern auf das riesige Geschöpf und sah, wie die Dovin-Basal-Verteidigung des Rakamat all seine Geschosse und die der beiden anderen unschädlich machte. Dann waren sie wieder über dem Dschungel.

Lando kroch auf den Ellbogen vorwärts und murmelte dabei ununterbrochen »Ich bin zu alt für diese Dinge, ich bin Geschäftsmann, ich bin zu alt für diese Dinge, ich will jetzt was zu trinken« vor sich hin. Der Rhythmus seiner eigenen Worte hielt ihn davon ab, wirklich zu bemerken, wie sehr er schwitzte und wie groß seine Angst war, als Plasmageschosse nur Meter über ihn hinwegflogen und in die Seite der Record Time krachten. Das Gegenfeuer bestand aus schweren Lasersalven, die ihn verdampfen würden, wenn sie ihn auch nur streiften. Sein Droide bewegte sich bewusst langsam, damit Lando nicht hinter ihm zurückblieb.

Er war in einen Kreis von Soldaten gekrochen, ehe er sich dessen bewusst wurde – es waren sechs Leute, fünf Menschen und eine Twi’lek, und nur drei von ihnen hatten Gewehre. »Wo sind eure Waffen?«, fragte er.

Die rothäutige Twi’lek hockte vor einem Haufen Ausrüstung. »Wir sind Pioniere.«

Einer der anderen, ein Mann mit einem lang gezogenen Gesicht und einem Blastergewehr, sagte: »Die da sind Pioniere.« Er schoss auf die Beine des riesigen Geschöpfs, das sich ungerührt weiter auf sie zubewegte.

»Pioniere?«, fragte Lando. »Mit Sprengstoff?«

Die Frau nickte.

»Ihr versteckt euch hinter eurem Sprengstoff?«

Sie nickte abermals, und ihre verzweifelte Miene zeigte deutlich, dass sie verstand, wie verrückt das war.

»Fangt an zu graben«, sagte Lando. »Ein flaches Loch. Groß genug für den gesamten Sprengstoff.«

»Nein«, sagte der Mann mit dem Blaster. »Wir lassen ihn einfach zurück und setzen uns ab.«

»Nein, wir graben.« Lando warf der Twi’lek einen Blick zu, die erstarrt war, die Hand auf halbem Weg zu ihrer Feldschaufel, und von ihm zu dem Soldaten und wieder zurück schaute.

Der Soldat bedachte Lando mit einem schmeichelnden Lächeln. »Ich bin nur ein Unteroffizier, aber das ist hier im Feld immer noch besser als ein Zivilist. Wir gehen.«

Lando packte ihn am Kragen seiner Tunika und zog ihn näher. Der Mann musste trotz seiner selbstsicheren Haltung jünger als zwanzig sein. »Jetzt hör mir mal genau zu, Banthafutter«, sagte Lando. »Ich habe einen Todesstern gesprengt, als es dich noch nicht mal gab. Ich kann innerhalb von zwanzig Sekunden ein Gespräch mit General Antilles führen, der den Todesstern zusammen mit mir gesprengt hat, und dann werde ich wieder General Calrissian sein, und du verbringst den Rest deiner militärischen Laufbahn damit, auf Kessel Erfrischungsräume zu reinigen. Oder du kannst jetzt graben. Was möchtest du tun?«

Der Soldat sah ihn einen Augenblick an, und während dieser kurzen Zeit verdichtete sich der Strom der Plasmageschosse in der Luft über ihnen. »Ich denke, wir sollten graben, Sir.«

»Genau.« Lando ließ ihn los. Er warf der Twi’lek einen Blick zu und deutete auf den Mann. »Geben Sie ihm Ihre Schaufel.«

»Ja, Sir.«

Lando nahm dem Soldaten das Blastergewehr ab und stellte sich an seiner Stelle an den Rand der Gruppe. Er schoss ein paar Mal auf entfernte Yuuzhan-Vong-Krieger und einmal auf das Geschöpf. Dann drehte er sich zu seinem Leibwächter um und lächelte. »Das ist die richtige Art, mit Arbeitskräften zu verhandeln.«

Der Droide nickte. »Ja, Sir.«

Als Luke und seine Staffelkameraden erneut über das Rakamat flogen, wobei ihre Schüsse abermals von den Schwerkraftanomalien des Geschöpfs abgefangen wurden und andere die Seite des Yuuzhan-Vong-Gebäudes trafen, entdeckten sie eine Gruppe von Soldaten, die direkt vor dem sich nähernden Rakamat standen. Es sah aus, als wären sie dabei, ein Loch zu graben. »Was meinst du?«, hörte er Maras Frage. »Verrückte?«

»Ein Picknick«, spekulierte Luke.

»Das ist eine Idee.«

Luke führte Mara und Corran wieder zurück zur Yuuzhan-Vong-Basis. Einen Augenblick später schlossen sich ihnen drei weitere Zwillingssonnen an.

»Schön, euch zu sehen«, sagte Luke. »Trennt euch und nähert euch der Basis von der anderen Seite, sodass ihr den Rand des Dschungels eine halbe Sekunde nach uns erreicht. Die da unten erwarten, das wir nur zu dritt sind. Und los.«

Der Boden war weich, und sie hatten innerhalb von weniger als einer Standardminute ein Loch gegraben und den Sprengstoff der drei Pioniere darin untergebracht. Dann krochen sie von dem Loch weg und auf die Record Time zu.

Die Twi’lek kroch nicht. Sie lag am hinteren Ende der Gruppe flach auf dem Rücken und nestelte an einem Fernauslöser, während Landos Droide sie an den Füßen weiterzog. Der Droide schoss dabei ununterbrochen über die Frau hinweg auf das Rakamat.

Lando, der an der Spitze der Gruppe kroch, hörte den Lärm der zurückkehrenden X-Flügler. Er wusste, dass diese Angriffe aus der Luft auf das Geschöpf vergeblich waren, aber er war dennoch dankbar dafür, denn sie hatten bisher verhindert, dass er und seine kleine Gruppe ständig unter Feuer standen.

Drei X-Flügler rasten von rechts heran und schossen auf die linke Seite des Geschöpfs. Die Schwerkraftanomalien zuckten herum und in die Schussbahn, und Lando glaubte zu sehen, wie sich die roten Laserstrahlen der Kampfjäger krümmten, als sie in diese Miniaturausgaben Schwarzer Löcher eindrangen.

Dann rasten drei weitere X-Flügler von links heran und schickten ihr Laserfeuer in die rechte Seite des Geschöpfs. Der Kurs der sechs Kampfjäger kreuzte sich wie bei einer Kunstflugvorführung, dann verschwanden sie wieder über dem Dschungel.

Lando sah, wie glühende Yorikkorallen explodierten und aus dem Reptilienfleisch gerissen wurden, als dies sich blitzschnell in Dampf verwandelte.

Schlammiges Blut floss aus der rechten Flanke des Geschöpfs. Das Rakamat brüllte, ein Geräusch wie eine Kreuzung zwischen Erdbebengrollen und entferntem Donner, und schleuderte Plasma nach den sechs Kampfjägern. Aber es bewegte sich immer noch weiter auf Landos kleine Gruppe und auf die Record Time zu.

»Fertig«, rief die Twi’lek-Pionierin.

»Macht euch bereit«, sagte Lando. »Wir werden versuchen, es mit dem nächsten Angriff der X-Flügler abzustimmen, falls sie rechtzeitig zurückkommen.«

Die Frau begann nun selbst zu kriechen, was Landos Droiden freisetzte.

Lando fand sich plötzlich zwei Baumstümpfen gegenüber. Er blickte auf. Es waren keine Stümpfe. Es waren die Beine eines Yuuzhan-Vong-Kriegers, in Vonduun-Krabben-Rüstung gehüllt. Der Amphistab des Kriegers war so gerade wie ein Speer, und der spitz zulaufende Schwanz war auf Landos Rücken gerichtet; der Krieger war bereit zuzustoßen.

Die Spitze schoss abwärts, aber eine dunkle Gestalt schützte Lando vor ihr und vor dem blendenden Licht aus Plasma und Laserenergie über ihnen. Lando hörte einen Menschen schreien, und dann lag der Yuuzhan-Vong-Krieger flach im Gras; seine Füße zuckten nur Zentimeter von Landos Nase entfernt. Einer der Soldaten lag auf ihm, aber er wurde bereits schlaff, denn der Amphistab war glatt durch ihn hindurchgegangen.

Von seiner Position aus konnte Lando unter die Schurzplatten der Rüstung des Yuuzhan-Vong-Kriegers sehen. Während der Krieger die Leiche des Soldaten von sich schob, zog Lando seine Waffe herum, schoss und traf den Krieger dort, wo weder Beinrüstung noch Schurz ihn schützten. Diesmal war es der Yuuzhan Vong, der vor Schmerz aufschrie. Der Krieger zuckte und wand sich, offenbar von Qualen gepeinigt, die selbst ein Yuuzhan Vong nicht ertragen konnte.

Landos Leibwächterdroide landete zwischen Lando und dem Krieger. Er trat gegen den Amphistab, was die Waffe zur Seite riss, aber der nun wieder biegsame Stab biss den Droiden. Der Angriff erfolgte schneller, als Lando sehen konnte, aber er durchdrang die Rüstung des Droiden nicht und hätte auch dann nichts bewirkt. Der Amphistab flog mehrere Meter weit weg.

Dann stand der Droide über dem Krieger, zielte sorgfältig und begann zu schießen.

Lando drehte sich um. Das riesige Geschöpf hinter ihnen blutete immer noch, war aber schneller geworden. Es wusste, dass es verwundet war, vielleicht tödlich verwundet, und es wollte unbedingt die Record Time erreichen .

Die Twi’lek hatte den Auslöser in der Hand, den Daumen über dem Knopf.

»Warten Sie noch«, sagte Lando.

Die Frau drehte sich mit verängstigter Miene um, widersprach aber nicht.

Das Röhren der zurückkehrenden X-Flügler brachte alles und jeden auf dem Feld zum Beben. Lando richtete einen kleinen Teil seiner Aufmerksamkeit auf den Himmel und den Rest auf das sich nähernde Geschöpf. Die Vorderbeine des Reptils erreichten nun die Stelle, wo der Sprengstoff vergraben war, dann waren sie darüber hinweg und der Hauptteil des Körpers bewegte sich auf das Stück aufgewühlten Bodens zu.

Lando schluckte. Wenn er Erfolg hatte, würde das Geschöpf sterben. Es tat ihm irgendwie weh zuzusehen, wie es sich nichts ahnend und unschuldig auf seinen Tod zubewegte.

Er gab den Yuuzhan Vong die Schuld. Es war besser, als die gesamte Verantwortung für den Tod eines solchen Geschöpfs selbst zu tragen, und er wusste, wenn die Yuuzhan Vong das Rakamat nicht versklavt hätten, hätte es ihn vielleicht nie angegriffen.

Der Triebwerkslärm der X-Flügler wurde lauter, und die Plasmageschütze des Geschöpfs richteten sich nun wieder in die Luft. Lando sah die Jäger von zwei Seiten kommen, diesmal aus dem Norden und Süden statt von Osten und Westen. Er sah rote Laserblitze in die Schwarzen Löcher des Geschöpfs zucken, sah, wie das Gegenfeuer des Reptils die Unterseite eines X-Flüglers streifte und begann, sich hineinzubrennen.

Dann waren die Sternjäger weg, und die Plasmageschütze schickten ihnen glühenden Tod hinterher. »Jetzt!«, rief Lando.

Er sah nicht einmal, wie die Frau den Knopf drückte, er sah nur das Feuer unter dem Geschöpf hervorzucken, rötlichgelb und so bösartig aussehend wie etwas, das von den Yuuzhan Vong hätte kommen können. Die Flammen umschlangen es und streckten Lando durch Hitze und Lärm nieder; er drückte das Gesicht ins Gras, um dem zu entkommen.

Einen Moment später konnte er wieder aufblicken. Das Geschöpf lag auf der Seite, sein Bauch aufgerissen und geschwärzt von der Wucht der Explosion. Das Blut strömte nur so, aber erstaunlicherweise lebte es noch, zumindest im Augenblick noch, denn seine Flanke hob und senkte sich angestrengt.

Es schoss nicht mehr auf X-Flügler oder auf den Truppentransporter. Lando konnte sehen und hören, wie die Laser des Transporters wieder zu schießen begannen, jetzt nicht mehr auf das Geschöpf, sondern auf einzelne Yuuzhan-Vong-Krieger, die in Sicht kamen.

Landos Droide schoss ebenfalls. Lando schaute zu ihm hin und sah, wie der Droide einen Schuss nach dem anderen in die Leiche des Yuuzhan-Vong-Kriegers abfeuerte, der Lando beinahe getötet hatte. Der Krieger war längst tot, sein Oberkörper war von vielen Schüssen weggebrannt.

»1-1A, du kannst jetzt aufhören«, sagte Lando. »Was ist denn? Ein Problem bei deiner Gefahrenerkennungs-Software?«

Der Droide sah ihn an. »Ja, Sir. Ich befürchte schon, Sir. Ich betrachte den hier immer noch als Gefahr.«

»Vorrangbefehl siebenundzwanzig eins eins sechs, betrachte dieses Ziel als ungefährlich.«

»Verstanden, Sir.« Der Droide hörte auf zu schießen.

»Ich werde dich reparieren lassen«, sagte Lando. »Aber das braucht dir nicht peinlich zu sein. Du hast dich gut geschlagen.«

»Ja, Sir.«

Die Situation war weitgehend unter Kontrolle, als Wedge in seinem Shuttle zur Planetenoberfläche kam. Er flog über den Standort der Basis der Neuen Republik auf Borleias.

Früher einmal war es ein imperialer Stützpunkt gewesen, eine TIE-Jäger- und Sturmtruppengarnison, deren Aufgabe darin bestand, ein in der Nähe gelegenes Forschungslabor zu bewachen, das von dem imperialen General Evir Derricote geleitet wurde. Dann war die Renegaten-Staffel, zu dieser Zeit von Wedge selbst angeführt, nach Borleias gekommen, um Derricote den Planeten abzunehmen. Die imperiale Garnison war zu einem Stützpunkt der Rebellenallianz geworden, und danach, nachdem die Rebellen Coruscant eingenommen hatten und in diesem Teil der Galaxis zu einer legalen Macht geworden waren, eine Basis der Neuen Republik.

Nun lag alles in Trümmern. Wo sich die Hauptgebäude befunden hatten, gab es eine andere Art von Gebäude, pastellrot und hellsilbern, mehrere Stockwerke hoch und mit einem runden Kern, aus dem acht in mehr oder weniger gleichen Abständen abzweigende Arme wie die Tentakel eines Meeresgeschöpfs ragten. Wedge wusste, dass es sich nicht wirklich um ein Gebäude handelte, sondern um etwas Organisches, ein lebendes Geschöpf, das die Yuuzhan Vong gezüchtet hatten, um darin zu wohnen. War es wie eine Bombe auf die ehemalige Basis geworfen worden und hatte einfach alles zerdrückt, oder war es aus ihrer Mitte herausgewachsen? Wedge hätte es nicht sagen können.

Neben dem Gebäude lag ein riesiges Geschöpf, eine weitere lebende Waffe der Yuuzhan Vong, das Reptil, von dem die Record Time berichtet hatte. Es lag auf der Seite in einer gewaltigen schwarzen Blutlache. Wedges Leute berichteten, sein Tod sei Lando Calrissian und einer kleinen Gruppe von Pionieren zu verdanken.

Das Hauptgebäude war von zahlreichen kleineren Bauten umgeben, die wie die gebogenen Muscheln geformt waren, die man auf den Rücken von Hochsee-Kopffüßern und einiger Landschnecken fand. Sie hatten jeweils die Größe eines kleinen Hauses und sahen mit ihren Pastellfarben und den geschwungenen Linien eigentlich sehr angenehm aus – solange man nicht daran dachte, dass hier Wesen lebten, die andere intelligente Wesen ohne Gnade töteten und sich selbst zum Vergnügen Wunden beibrachten.

Der Rest der alten Basis lag in Trümmern, Schiffshangars und Wartungsgebäude waren nur noch geschwärzte Hülsen. Wedge nahm an, dass sie als Übungsziele für die Plasmageschütze von Korallenskippern gedient hatten.

Hier wimmelte es jetzt von Truppen der Neuen Republik. Es gab auch Leichen in Uniformen der Neuen Republik und viele tote Yuuzhan Vong. Wedge sah, wie seine Leute Gefangene in offene Bereiche führten, die von anderen Soldaten umstellt waren. Viele dieser Gefangenen waren Menschen, auf deren Stirn er selbst auf diese Entfernung eindeutig die korallenähnlichen Doppelhörner erkannte, die sie als Sklaven der Yuuzhan Vong kennzeichneten. Andere Gefangene waren Yuuzhan Vong, aber ihre Haut war glatt und wies nicht die großen Tätowierungen oder Narben auf, die er bei Vong-Piloten gesehen hatte. Also nahm Wedge an, dass es Beschämte waren, die Paria-Kaste der Yuuzhan-Vong-Gesellschaft, deren Körper Veränderungen abstieß und die daher niemals eine höhere Position in der Hierarchie erreichen konnten.

Die alte Basis war verloren. Sie hatten zwar den Stützpunkt der Yuuzhan Vong erobert, aber das war kein Ort, den Wedge als sein Einsatzzentrum am Boden benutzen wollte. Wahrscheinlich befanden sich in diesem Gebäude zahllose Fallen und Gefahren für seine Leute, und es würde zweifellos auch den Flüchtlingen, die sie aus Coruscant erwarteten, nicht zusagen.

Er aktivierte sein Kom. »Sonder Eins, Antilles hier. Gebt mir eine Eskorte. Wir fliegen zum Forschungslabor.«

»Sofort.« Kurze Zeit später waren zwei X-Flügler an seinen Flanken; in einem saß Gavin Darklighter und im anderen sein Flügelmann Kral Nevil. Wedge lenkte sein Schiff in Richtung des Forschungslabors und beschleunigte. Nicht lange danach schwebte er über seinem Ziel.

General Derricotes Biotiklabor war ein lang gezogenes, einzeln stehendes Gebäude, mehrere Stockwerke hoch, dessen Ostseite an eine steil abfallende Klippe grenzte; die Westseite zog sich auf anmutige Art den Hang hinunter. Das oberste Stockwerk war nur ein schmaler Streifen, breit genug für einen Flur entlang einer Reihe von Zimmern, das nächste Stockwerk darunter breiter, das darunterliegende noch breiter, sodass das ganze Ding wie ein riesiger Keil wirkte, dessen Spitze zum Himmel zeigte. Offiziell hatte Derricote hier eine seltene Pflanzenspezies von Alderaan studiert. Insgeheim war diese Einrichtung genutzt worden, um ein tödliches Virus, das Krytos-Virus, das Nichtmenschen befiel und tötete, zu züchten. Das Virus wurde nach der Eroberung von Coruscant durch die Allianz von den Imperialen verbreitet.

Von oben konnte Wedge sehen, dass das Gebäude unbeschädigt war. Der Dschungel war näher herangewachsen, Bäume umgaben es, Ranken zogen sich über die türkisfarbenen Sichtfenster. Aber diese Fenster waren nicht zerbrochen; es überraschte Wedge nicht, dass Derricote hier Transparistahl benutzt hatte.

Wedge sendete eine Holocam-Aufname des Gebäudes und fügte die Koordinaten hinzu. »Mon Mothma, das hier wird unser Bodenstützpunkt sein. Schickt mir so bald wie möglich eine Besatzungstruppe und Pioniere aus unserer Reserve. Ich will, dass der Dschungel im Norden, Osten und Süden einen Kilometer weit gerodet wird, und zwei im Westen – wegen der in den Dschungel geflohenen Yuuzhan Vong brauche ich einen entsprechenden Sicherheitsbereich. Sobald das passiert ist, sollen die Bodentruppen eindringen und das Gebäude von Yuuzhan Vong und anderen Raubtieren räumen und dann Leute hereinbringen, die es säubern, die Generatoren wieder in Gang bringen und so weiter. Das Feld unmittelbar westlich des Gebäudes wird unsere Landezone sein.

Geben Sie den Befehl weiter, dass alle toten Yuuzhan Vong für Forschungszwecke ihrer Ausrüstung entledigt werden, aber ihre Leichen sollen liegen bleiben, wo sie gefallen sind.« Dabei ging es Wedge nicht darum, die Feinde zu beleidigen. Die Yuuzhan Vong hatten in der Vergangenheit mehrmals das Bedürfnis gezeigt, die Leichen ihrer Gefallenen zurückzuholen. Indem er diese Leichen liegen ließ, hoffte Wedge, die Anzahl der Überfälle auf seine Leute zu verringern.

»Eine Abteilung soll die Yuuzhan-Vong-Basis umstellen, und eine andere soll die Gebäude zusammen mit Danni Quees Leuten und Landos Droiden nach Gefangenen und Vong durchkämmen, die sich versteckt haben. Wenn sie fertig sind, evakuiert ihr die Basis und lasst sie von den Pionieren sprengen.«