Star Wars™ Thrawn - Allianzen - Timothy Zahn - E-Book

Star Wars™ Thrawn - Allianzen E-Book

Timothy Zahn

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Beschreibung

Die spannende Vorgeschichte zu Thrawn, der erfolgreichsten Star-Wars-Trilogie aller Zeiten, geht weiter!

In diesem packenden Roman von Bestsellerautor Timothy Zahn verbünden sich Großadmiral Thrawn und Darth Vader gegen eine dunkle Bedrohung für das Imperium! Die spannende Fortsetzung des New-York-Times-Bestsellers Thrawn folgt dem Aufstieg von Großadmiral Thrawn bis in die Reihen der imperialen Macht und begleitet ihn in seine Vergangenheit. Und sie bezeugt Thrawns erste Begegnung mit dem Mann, der eines Tages Darth Vader werden wird …

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Timothy Zahn

THRAWN ALLIANZEN

Deutsch von Andreas Kasprzak

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel »Star Wars™: Thrawn – Alliances« bei Del Rey, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC, New York.
Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
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Copyright der Originalausgabe2018 by Lucasfilm Ltd. & ® or ™ where indicated.All rights reserved.Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2019 by Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 MünchenRedaktion: Rainer Michael RahnUmschlaggestaltung: Isabelle Hirtz, Inkcraft nach einer OriginalvorlageUmschlagmotiv: © Two DotsUmschlagdesign: Scott BielCopyright © 2017 by Lucasfilm Ltd. & ™ Jacket Art: Larry RostantHK · Herstellungs: samSatz und E-Book: GGP Media GmbH, PößneckISBN: 978-3-641-23176-7V003
www.blanvalet.de

Für alle, die sich je gefragt haben, ob sie sich vielleicht mit der falschen Person eingelassen haben …

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …

PROLOG

Heute

»Ich habe eine Erschütterung der Macht gespürt.«

Imperator Palpatine hielt inne und streckte erwartungsvoll seine Sinne aus, um die Reaktion der beiden Männer vor seinem Thron zu beobachten.

Nein. Nicht Männer. Natürlich nicht. Männer waren unbedeutende, erbärmliche Kreaturen, zu nichts weiter fähig, als beherrscht oder eingeschüchtert oder zum Sterben in die Schlacht geschickt zu werden. Diese beiden waren weit mehr als nur Männer.

Ein Chiss-Großadmiral, ein strategisches und taktisches Genie. Ein Sith-Lord, gnadenlos und mächtig im Umgang mit der Macht.

Sie beobachteten ihn, und Palpatine wusste, dass jeder von ihnen auf seine eigene Weise abzuschätzen versuchte, warum man sie hergerufen hatte. Großadmiral Thrawn konzentrierte sich dabei auf Stimme, Miene und Körperhaltung seines Imperators. Lord Vader hingegen tastete mit der Macht nach seinem Meister.

Palpatine nahm all das wahr, aber er fühlte auch die Spannung zwischen diesen beiden, seinen nützlichsten Dienern.

Bei dieser Anspannung ging es nicht nur darum, dass jeder von ihnen den Platz an der Seite seines Meisters, den Platz im Herzen der imperialen Macht für sich allein haben wollte – auch wenn das sicherlich eine Rolle spielte.

Da war noch mehr. Viel mehr. Thrawn hatte vor Kurzem eine schwerwiegende Niederlage hinnehmen müssen: Eine kleine Gruppe von Rebellen, die er bereits erfolgreich auf dem Planeten Atollon in die Falle gelockt hatte, war ihm durch die Finger geschlüpft. Dieser Misserfolg hatte ihm Vaders Verachtung eingebracht.

Thrawn seinerseits war ein erbitterter Gegner des Todesstern-Projekts, das von Vader, Großmoff Tarkin und Palpatine unterstützt wurde. Stattdessen legte er sich für das von ihm favorisierte TIE-Defender-Projekt auf Lothal ins Zeug. Bislang war Thrawns Ablehnung noch nicht zu offenem Widerstand eskaliert, aber der Imperator wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war. Und Vader wusste es ebenfalls.

Doch Palpatine hatte sie nicht hergerufen, um ihnen eine Gelegenheit zur Versöhnung zu geben; er hatte ganz sicher nicht vor, persönlich in ihrem Konflikt zu vermitteln. Nein, was ihn umtrieb, waren andere, viel weitreichendere Überlegungen.

Thrawn hatte dem Imperium gegenüber den Treueeid geleistet, aber seine Loyalität war nie wirklich auf die Probe gestellt worden. Und Vader stand zwar an Palpatines Seite – ein Schüler an der Seite seines Sith-Meisters –, aber sein früheres Leben unter den Jedi konnte nicht einfach so ignoriert oder abgetan werden.

Nun bot diese erstaunliche Erschütterung der Macht eine Gelegenheit, in beiden Punkten Klarheit zu schaffen.

Palpatine blickte kurz zu dem hohen Fenster seines Thronsaals hoch. In der Ferne konnte man den Sternzerstörer Chimaera ausmachen, ein winziger Umriss in Form einer Pfeilspitze, hoch über den Gebäuden und Himmelsstraßen von Coruscant. Normalerweise war es Militärschiffen untersagt, sich der Oberfläche nur bis zu einem niedrigen Orbit zu nähern, aber Palpatine hatte entschieden, dass das Schiff während dieses Treffens präsent sein sollte. Es war eine subtile Mahnung an seine beiden Diener; eine Erinnerung daran, was er Thrawn gegeben hatte, und daran, was er Thrawn wieder wegnehmen konnte.

Vader ergriff zuerst das Wort, wie Palpatine erwartet hatte. »Vielleicht spürt Ihr den abtrünnigen Jedi Kanan Jarrus«, sagte er. »Oder die Kreatur, der Admiral Thrawn auf Atollon begegnet sein will.«

Palpatine lächelte schmal. Was er spürte, war nicht Jarrus. Diese Störung hatte er schon vor Langem zur Kenntnis genommen, analysiert und dann ausgeblendet. Wie Vader nur zu gut wusste. Seine Andeutung diente allein dem Zweck, Thrawn – und auch Palpatine – an die demütigende Niederlage des Chiss zu erinnern.

Thrawn zeigte keine sichtbare Reaktion auf Vaders Kommentar, aber Palpatine spürte, wie seine Haltung starrer wurde. Er hatte dem Imperator bereits versichert, dass er sich um Jarrus und die jüngst entwischten Phönix-Rebellen kümmern würde. Die Gründe dieses Scheiterns hatten größtenteils außerhalb von Thrawns Kontrolle gelegen; das war auch der Grund, warum Palpatine ihm nicht das Kommando über die Siebte Flotte entzogen hatte.

Vader hingegen kannte keine Toleranz, wenn es um Misserfolge ging, egal welcher Art, egal welche Gründe oder Entschuldigungen angeführt wurden. Fürs Erste begnügte er sich damit zu warten, aber er war mehr als bereit, einzuschreiten und dieses spezielle Problem zu lösen, sollte der Großadmiral scheitern.

»Nichts davon ist der Grund für diese Erschütterung«, erklärte Palpatine. »Es ist etwas Neues. Etwas gänzlich anderes.« Er blickte zwischen seinen Dienern hin und her. »Etwas, das nur von euch beiden gemeinsam enthüllt werden kann.«

Auch diesmal gab es keine sichtliche Reaktion, aber Palpatine konnte ihre Überraschung spüren. Ihre Überraschung, und ihren reflexartigen Widerwillen.

Von ihnen beiden gemeinsam?

Diesmal war es der Chiss, der als Erster sprach. »Bei allem gebotenen Respekt, Eure Majestät, ich glaube, meine Verpflichtung und meine Fähigkeiten wären anderswo von größerem Nutzen«, sagte er. »Die Rebellen, die von Atollon geflohen sind, müssen aufgespürt und unschädlich gemacht werden, bevor sie sich neu formieren und mit anderen Zellen zusammenschließen können.«

»Wohl wahr«, bestätigte der Imperator. »Aber die Siebte Flotte und Commander Woldar können sich fürs Erste auch allein darum kümmern. Außerdem wird Großmoff Tarkin den Commander unterstützen, bis er seinen neuen Posten antreten kann.«

Palpatine nahm ein Flackern in Vaders Emotionen wahr, vielleicht die Hoffnung, dass Thrawn dies fälschlicherweise für den richtigen Moment halten würde, um erneut Einwände gegen das Todesstern-Projekt zu erheben. Er hielt inne und gab dem Großadmiral Gelegenheit, genau das zu tun.

Doch Thrawn blieb stumm.

»Während Woldar und Tarkin diese Rebellen suchen und ausschalten«, fuhr der Imperator schließlich fort, »werden Sie und Lord Vader Ihr Flaggschiff nehmen und sich um diese Angelegenheit kümmern.«

»Ich verstehe, Eure Majestät«, erwiderte Thrawn. »Aber darf ich anmerken, dass Gouverneur Tarkin nicht so gut mit dieser speziellen Widerstandszelle vertraut ist wie ich. Vielleicht wäre es effizienter, Lord Vader einen meiner Sternzerstörer zur Verfügung zu stellen, damit er allein nach dieser Störung suchen kann.«

Palpatine nahm ein plötzliches Aufbranden von Zorn in seinem Schüler wahr, ausgelöst durch Thrawns unbedachte Wortwahl. Man stellte einem Sith-Lord kein Schiff zur Verfügung. Ein Sith-Lord nahm sich, was er wollte, wenn er es wollte.

»Sie überraschen mich, Admiral Thrawn«, sagte Palpatine. »Ich hätte ein gewisses Maß an Beflissenheit von Ihnen erwartet. Schließlich führt diese Reise in unmittelbare Nähe Ihrer Heimatwelt.«

Thrawns rot glühende Augen wurden unmerklich schmaler, und Palpatine spürte seine plötzliche Vorsicht. »Wie bitte, Eure Majestät?«

»Die Quelle der Störung liegt am Rand Ihrer Unbekannten Regionen«, informierte der Imperator ihn. »Sie scheint von einem Planeten namens Batuu auszugehen.« Der Name löste eine erneute Reaktion aus, diesmal von beiden Männern. »Ich nehme an, Sie haben schon davon gehört.«

Thrawns Augen waren abwesend, und Erinnerungen huschten über sein blauhäutiges Gesicht. »Ja«, murmelte er. »Ich habe tatsächlich schon davon gehört.«

Und Vader ebenso. Schließlich war es der Ort, an dem er und Thrawn vor langer Zeit einen von Palpatines eigenen Plänen gestört hatten – ohne es auch nur zu ahnen, natürlich.

Doch Vader sagte auch jetzt nichts.

»Nun denn«, erklärte Palpatine. »Sie, Admiral, haben das Kommando.« Er blickte zu Vader hinüber. »Und Ihr, Lord Vader, werdet Euch um diese Störung kümmern.«

»Jawohl, Eure Hoheit«, bestätigte Thrawn.

»Ja, mein Meister«, sagte Vader.

Palpatine lehnte sich auf seinem Thron zurück. »Dann geht.«

Seine beiden Diener wandten sich um und gingen zur Tür, wobei sie zwischen der doppelten Reihe imperialer Gardisten dahinschritten, die lautlos den Weg flankierten. Palpatine blickte ihnen nach: dem Chiss in der weißen Uniform eines Großadmirals und dem schwarz gewandeten Sith-Lord, dessen langer Umhang hinter ihm herwallte.

Es stimmte, sie würden dieses spezielle Rätsel tatsächlich nur gemeinsam lösen können. Noch wichtiger als das war aber, dass Palpatine so Antworten auf Fragen erhalten würde, die zu lange schon im Raum standen.

Er lächelte schmal. Es war Zeit für Thrawn, sich seiner Zukunft zu stellen.

Und Zeit für Vader, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.

PROLOG

Damals

Anakin Skywalker schürzte die Lippen. »Nein«, sagte er. »Noch nie davon gehört.«

»Das wundert mich nicht«, erwiderte Padmé Amidala mit einem Kopfschütteln. Sie hatte ihr Haar offen gelassen; die Strähnen schimmerten leicht, als sie sich im Licht bewegten – ein Effekt, den Anakin schon immer bewundert hatte. »Es liegt weit draußen im Äußeren Rand, unmittelbar an der Grenze zu den Unbekannten Regionen.«

»Und wieso ist es so wichtig?«

»Keine Ahnung«, gestand Padmé. »Duja sagte in ihrer Nachricht, dass sie in der Gegend von Batuu auf Aktivitäten gestoßen ist und wir der Sache nachgehen sollten. Das ist alles, was ich weiß.«

»Irgendwo geht irgendetwas vor sich.« Anakin stöhnte. »Nicht gerade der exakteste Geheimdienstbericht, den ich je gehört habe.«

»Das sagen auch alle im Oberkommando.« Padmé machte eine Pause, und Anakin spürte die Mischung aus Verunsicherung und Hartnäckigkeit in ihr. »Und genau deswegen werde ich hinfliegen und mich dort selbst umsehen.«

Eigentlich hätte Anakin seine Frau gut genug kennen sollen, um zu wissen, dass es darauf hinauslaufen würde. Trotzdem trafen ihn die Worte wie ein Schlag in die Magengrube. »Allein?«, fragte er, obwohl er die Antwort bereits kannte.

»Natürlich nicht«, sagte Padmé. »Duja ist bereits dort, schon vergessen? Oh, sieh mich bitte nicht so an.«

»Wie?«

»Wie ein …« Es folgte eine kaum wahrnehmbare Pause, während sie kurz überprüfte, wo sich alle anderen in dem Bürokomplex aufhielten, und sich versicherte, dass gerade niemand in Hörweite war. »… wie ein Ehemann. Oder zumindest wie ein Jedi-Aufpasser«, fügte sie mit einem schelmischen Lächeln hinzu.

Anakin lächelte zurück. Einst war das alles, was er für sie gewesen war – obwohl er bereits damals mehr gewollt hatte. »Nun, ich bin ein Jedi-Aufpasser, schon vergessen?«, sagte er. »Es gibt also keinen Grund, warum ich nicht wie einer klingen sollte.« Kurz biss er die Zähne zusammen und verdrängte die aufkeimenden Emotionen, wie seine Jedi-Lehrer es ihm beigebracht hatten. »Unglücklicherweise bin ich aber auch ein Jedi-General, und da steht diese Schlacht an, die ich führen muss. Hätte doch nur …«

Er brach ab. Hätte doch nur Ahsoka nicht den Jedi-Orden verlassen. Aber sie war gegangen, und er vermisste sie schmerzlich – nicht nur wegen ihrer Kampfkünste.

Vielleicht dachte Padmé gerade das Gleiche; vielleicht vermisste sie Anakins junge Padawan fast genauso wie er. In jedem Fall ersparte sie ihm die Frage, ob jemand anderes seine Rolle bei der anstehenden Schlacht übernehmen könnte. »Du hast einige meiner ehemaligen Dienerinnen getroffen. Du weißt, wie gut sie in Kampf und Spionage ausgebildet sind.«

»Duja auch?«

»Sie ist eine der besten«, versicherte Padmé ihm. »Sobald ich zu ihr gestoßen bin, werden es die Aufpasser unserer Feinde sein, die sich Sorgen machen müssen.«

»Vielleicht.« Anakin zog die Augenbraue hoch. »Aber du hattest schon mal überzeugendere Argumente.«

»Ich weiß«, erwiderte Padmé. »Die muss ich mir allerdings für den Senat aufsparen.« Sie seufzte. »Anakin, denkst du, dieser Krieg wird jemals enden?«

»Natürlich«, antwortete er automatisch, mit einer Überzeugung, die er nicht wirklich empfand.

Das war die Frage, die sich alle stellten. Würde es jemals aufhören?

Bereits jetzt dauerte der Krieg länger, als er je erwartet hätte. Länger, als vermutlich die meisten von ihnen erwartet hatten. Bislang hielt Kanzler Palpatine alles noch zusammen, und er sorgte dafür, dass die Republik konzentriert und entschlossen blieb. Aber nicht einmal er konnte ewig so weitermachen. Oder?

So viele waren gestorben. So schrecklich viele.

Doch Padmé würde kein Opfer des Krieges werden, das hatte Anakin sich selbst geschworen. »Wann kommst du zurück?«, wollte er wissen.

»Ich weiß nicht«, erwiderte sie. »Es gibt nicht allzu viele stabile Hyperraumrouten in dieser Region, es wird also eine Weile dauern, überhaupt dorthin zu gelangen.«

»Soll ich eine Route für dich suchen?«, schlug Anakin vor. »Vielleicht enthalten die Jedi-Archive bessere Informationen als die Standardkarten.«

»Nein, schon gut«, winkte Padmé ab. »Jemand könnte deine Suche nachverfolgen, und niemand soll wissen, dass ich dorthin fliege. Das kannst du dir also für den Fall reservieren, dass wir deine Hilfe brauchen – dann wirst du nämlich schnellstmöglich zu uns stoßen müssen.«

»Vertrau mir, das werde ich.« Anakin schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, Padmé. Es gefällt mir nicht, dass du so lange auf dich allein gestellt bist.«

»Mir gefällt es auch nicht«, gestand sie. »Das HoloNetz war so weit draußen noch nie zuverlässig, nicht mal vor dem Krieg, und ich bezweifle, dass es seitdem besser geworden ist. Aber es gibt fünf private Kommdienste in der Region. Meine Nachrichten werden vielleicht mit Verzögerung ankommen, aber ich sollte zumindest in der Lage sein, dich zu erreichen.« Sie streckte die Hand aus und berührte seinen Arm. »Mir passiert schon nichts, Ani.«

»Ich weiß«, sagte Anakin.

Natürlich wusste er es nicht wirklich. Er konnte Padmé beschützen, wenn sie auf Coruscant war, zumindest die meiste Zeit über. Am Rande des Nirgendwo hingegen …

Aber sie hatte ihre Entscheidung getroffen, und er wusste, dass es nichts bringen würde weiterzudiskutieren. Padmés ehemalige Dienerinnen waren ihr gegenüber absolut loyal, und dieses Gefühl beruhte auf Gegenseitigkeit. Egal, ob Duja nun in Schwierigkeiten steckte oder einfach nur auf etwas Ungewöhnliches gestoßen war, sie hatte um Hilfe gebeten, und keine Macht der Galaxis würde Padmé davon abhalten, ihrem Ruf zu folgen.

»Versprich nur, dass du dich sobald wie möglich meldest«, sagte er und legte seine Hand auf die ihre.

Seine linke Hand, natürlich; die Hand aus Fleisch und Blut. Padmé schien sich nicht an dem Unterschied zu stören, aber er selbst achtete immer darauf.

»Mache ich«, versicherte sie ihm. »Ich fliege nur kurz hin, sehe mir die Sache an, und komme dann sofort zurück. Vermutlich werde ich vor dir wieder zu Hause sein.«

»Mach keine Versprechen, die du nicht halten kannst«, warnte er. »Apropos halten …«

Er trat dicht vor sie, und einen Moment lang, während sie eng umschlungen dastanden, waren sie ein Auge der Ruhe in dem brutalen Sandsturm, der durch die Galaxis tobte.

Doch dieser Moment währte nur kurz. »Ich muss gehen«, wisperte Padmé an seiner Schulter, dann löste sie sich sanft von ihm.

»Ich auch«, sagte er mit einem leisen Seufzen. »Ich werde dich vermissen.«

»Ich dich auch.« Sie schenkte ihm ein weiteres Lächeln, aber diesmal wirkte es eher müde als schelmisch. »Zumindest hast du Obi-Wan, der dir Gesellschaft leistet.«

Anakin schnitt eine Grimasse. »Das ist nicht dasselbe.«

»Ich weiß.« Sie kehrte für einen kurzen Kuss zu ihm zurück. »Wir nehmen uns Zeit füreinander, wenn wir zurückkommen. Nur wir zwei.«

»Das sagst du jedes Mal.« Andererseits: Er sagte es auch jedes Mal. »Sei vorsichtig, Padmé. Komm sicher zurück.«

»Du auch, Anakin.« Sie hob die Hand und streichelte seine Wange. »Schließlich bist du derjenige, der in einen Krieg zieht. Ich treffe mich nur mit einer alten Freundin.«

»Ja«, murmelte er. »Genau.«

Die Schlacht verlief wie so viele, die ihr vorausgegangen waren: Hier wurde der Feind um eine Winzigkeit zurückgedrängt, dort stieß er um eine Winzigkeit vor, und alle territorialen Gewinne und Verluste gingen unter in einem Mahlstrom aus Tod und Zerstörung.

Padmé war noch nicht wieder nach Hause gekommen, als die erschöpften Truppen nach Coruscant zurückkehrten, und sie hatte auch keine Nachrichten geschickt. Anakin überprüfte die Kommdienste, die sie hatte benutzen wollen, und anschließend alle anderen, die in jenem Teil des Äußeren Randes verfügbar waren. Nichts. Also durchkämmte er die zahllosen Berichte, die routinemäßig zur Analyse und Archivierung nach Coruscant geschickt wurden; er suchte nach ihrem Namen, nach dem Bautyp ihres Schiffes, ihrer körperlichen Beschreibung, sogar nach dem Schmuck, den sie für gewöhnlich trug. Noch immer nichts. Schließlich bat er den Jedi-Rat, dass er persönlich nach ihr suchen dürfte, aber Count Dooku plante eine neue Offensive, und so wurde sein Antrag abgelehnt. Eine weitere Schlacht später – diesmal eine kurze – war Anakin wieder auf Coruscant.

Noch immer keine Nachricht. Doch als er diesmal die Dokumente durchforstete, wurde er fündig. Padmés Schiff – oder zumindest eines derselben Klasse und Bauart – war verlassen auf Batuu entdeckt worden. Die einheimischen Jäger, die darauf gestoßen waren, behaupteten, niemand wäre an Bord gewesen.

Padmé Amidala, Senatorin und ehemalige Königin von Naboo, war verschwunden.

1

Es gab Passagiere, dachte Commodore Karyn Faro, während sie auf dem Kommandosteg der Chimaera stand, und dann gab es Passagiere.

Darth Vader fiel definitiv in letztere Kategorie.

Faro blickte grimmig auf die Sternenlandschaft vor dem Cockpitfenster hinaus. Ihrer Meinung nach gab es auf imperialen Schlachtschiffen grundsätzlich keinen Platz für Passagiere; falls Vader in der Galaxis umherkutschiert werden wollte, sollte er sich sein eigenes Schiff besorgen.

Oder vielleicht war die Chimaera jetzt sein Schiff. Er hatte sich jedenfalls schnell eingerichtet und begonnen, Veränderungen vorzunehmen.

Inmitten der leisen Unterhaltungen ringsum hörte Faro das Geräusch der aufgleitenden Brückentüren, und als sie sich herumdrehte, sah sie einen weiß gerüsteten Sturmtruppler eintreten. Er blickte sich ohne große Eile um und trat dann auf Faro zu.

Ihr Blick wurde noch ein wenig grimmiger. Das war eine dieser unwillkommenen Änderungen in der Routine der Chimaera.

Als der Soldat vor ihr stehen blieb, hatte sie wieder eine neutrale Miene aufgesetzt. »Commodore Faro«, grüßte er sie mit der steifen Förmlichkeit, die sie inzwischen von Sturmtruppen gewöhnt war. »Ich bin …«

»Ja … Commander Kimmund, ich weiß«, unterbrach sie ihn mit der gleichen Förmlichkeit.

Er zeigte keine Reaktion, aber Faro war sicher, dass er überrascht blinzelte, auch wenn jedes Anzeichen von Emotion unter seinem Helm verborgen blieb. Die weißen Rang- und Einheitsabzeichen waren auf der weißen Rüstung kaum zu erkennen, wenn man nicht über die optischen Hilfssysteme von Sturmtruppen verfügte, aber Faro hatte schon vor Langem gelernt, sie zu entziffern. »Was kann ich für Sie tun?«

»Ich muss mit Ihnen über die Positionierung und Priorisierung unserer Transporter sprechen«, erklärte Kimmund. Auch seine Stimme verriet keinerlei Überraschung. Er hatte sich schnell wieder gefasst. »Ihr Hangarmeister hat Probleme, Befehle zu befolgen.«

Innerlich schüttelte Faro den Kopf. Ja, das klang ganz nach Lieutenant Xoxtin. Die Frau machte alles auf ihre ganz eigene, präzise Art, und wer erreichen wollte, dass sie von ihren Methoden abwich, hatte besser einen Verladekran parat.

Leider gehörte ihre Familie zur Elite von Coruscant, außerdem war sie eng mit dem obersten imperialen Berater für den Mittleren Rand befreundet. Deswegen konnte Xoxtin sich solche Eigenheiten herausnehmen – weil kaum ein Flottenoffizier bereit war, den nötigen Druck auszuüben.

Zum Glück für Kimmund war Faro eine der wenigen Ausnahmen.

»Ich werde persönlich mit ihr sprechen«, versicherte sie dem Sturmtruppler. »Wie sollen Ihre Schiffe denn priorisiert werden?«

»Lord Vaders Lambda sollte natürlich oberste Priorität genießen«, erklärte Kimmund. »Direkt gefolgt von der Darkhawk.«

Womit Admiral Thrawns persönlicher Shuttle nur noch Rang drei einnahm. Das wäre ein klarer Verstoß gegen das Flottenprotokoll, wie Kimmund zweifelsohne wusste.

Trotzdem, Thrawn hatte seinen Offizieren Anweisung gegeben, mit ihren Gästen – das war der Ausdruck, den er benutzt hatte – zu kooperieren. Außerdem war es nicht so, als könnte das Schiff auf Platz drei der Liste nicht ebenso schnell startklar gemacht werden wie die Nummer eins. Es war nur weiter vom Eingang entfernt, man musste also ein paar Meter weiter gehen, um es zu erreichen. Thrawn wäre vermutlich damit einverstanden.

Davon abgesehen wäre die Darkhawk nicht mal der erste zivile Transporter auf der Liste; da war noch das Schiff, das gegenwärtig auf Platz vier stand. Thrawn hatte es vor zwei Jahren einer Bande Piraten abgenommen und benutzte es seitdem, wann immer er anonym reisen wollte. Der Transporter der ersten Legion fiel in dieselbe Kategorie: ein altes Separatistenschiff aus der Zeit der Klonkriege, äußerlich heruntergekommen, aber ausgestattet mit den modernsten Waffen, Schilden und Sensorstörsystemen, die die imperiale Technologie zu bieten hatte. Trotz seiner überlebensgroßen, bedrohlichen Persönlichkeit schien Lord Vader auch den Wert von Subtilität zu erkennen.

Entweder das, oder er benutzte ein erobertes Separatistenschiff, um alle daran zu erinnern, wer den Krieg gewonnen hatte.

»In Ordnung«, sagte sie, an Kimmund gewandt. »Ich kümmere mich darum.«

»Danke, Commodore.« Der Sturmtruppler nickte, und nachdem er kurz vor ihr salutiert hatte, machte er zackig kehrt und schritt über den Kommandosteg davon.

Während Faro ihm nachblickte, widmete sie sich den komplexen Abwägungen, die frustrierenderweise zum Leben eines imperialen Offiziers gehörten. Xoxtins Familie hatte Einfluss; aber Kimmund war der Kommandant der Ersten Legion – der Eliteeinheit, die Lord Vader aus den Reihen der berühmten 501ten rekrutiert und zu seiner persönlichen Sturmtruppe gemacht hatte. Und theoretisch stand die rechte Hand des Imperators weit über dem Rest des verworrenen, politischen Geflechts von Coruscant.

Aber falls es zum Äußersten kam, würde Vader sich dann die Mühe machen, sie zu unterstützen? Er war dafür bekannt, sich aus politischen Streitereien herauszuhalten, und es gab keine Garantie, dass er sich später überhaupt noch an diese Situation erinnern würde. Xoxtin hingegen würde es ganz sicher nicht vergessen.

Für solche Balanceakte gab es nie einen richtigen Moment, aber dieser Moment schien Faro besonders ungünstig. Man hatte sie vor gerade einmal sechs Wochen zum Commodore befördert und ihr zugesichert, dass sie den Kampfverband 231 übernehmen würde, sobald der gegenwärtige Kommandant eine der größeren Flotten übernahm.

Aber bislang hatte sich dieses Versprechen nicht erfüllt. Und jetzt, wo das unerklärte Verschwinden von Commander Eli Vanto aus der Siebten Flotte die Gerüchteküche anheizte, war Faro nicht länger sicher, wo ihre Zukunft lag. Xoxtin und ihre Familie zu verärgern konnte sich in dieser Situation als fatal erweisen.

Trotzdem. Sie hatte es Kimmund versprochen. Und wichtiger noch: Falls ein Untergebener ihre Befehle ignorierte, selbst wenn dieser Untergebene so gute Beziehungen hatte wie Xoxtin, dann musste sie etwas unternehmen, falls sie keinen kritischen Präzedenzfall schaffen wollte.

Faro starrte durch die Aussichtsfenster und überlegte, wie sie die Sache angehen sollte, da löste sich der fleckige Tunnel des Hyperraums unvermittelt in helle Linien auf, die einen Moment später zu Sternen zusammenschrumpften.

Die Chimaera war angekommen.

Nur leider nicht an ihrem geplanten Zielort. Stattdessen hingen sie mitten im sprichwörtlichen Nirgendwo.

Die Sterne leuchteten durch die Fenster, ihre Position in perfektem Einklang mit den Navschirmen, was bedeutete, dass Commodore Faros Berechnungen korrekt waren.

Lord Vader hält sich reglos im Hintergrund, aber sein schweres Atmen verrät seine Position – es ist nicht so gleichmäßig, wie man meinen möchte. Und auch seine Körperhaltung birgt eine Bandbreite an mentalen und emotionalen Reaktionen. Aber jetzt gibt es da nicht viel abzulesen. Nicht viel zu interpretieren. Nicht viel zu antizipieren.

Faro trat vor. »Wir haben den Hyperantrieb zweimal überprüft, Admiral«, sagte sie. Die Muskeln in ihrem Gesicht sind angespannt. In ihrer Stimme schwingt mehr Nervosität mit als sonst. »Die Techniker dachten, es könnten vielleicht die Alluvialdämpfer sein, aber sie haben nichts gefunden. Ich habe eine zweite Untersuchung angeordnet, aber bislang ist alles im grünen Bereich.« Ihre Augen bleiben fest auf ihren Admiral gerichtet, während sie spricht, wie es sich gehört, aber die Anspannung ihrer Muskeln zeigt, dass sie gegen den Drang ankämpfen muss, sich zu Lord Vader herumzudrehen. Sie ist nicht erfreut, ihn auf dem Kommandosteg zu sehen, aber sie weiß, dass sie in dieser Sache kein Mitspracherecht hat.

»Dann muss der Fehler bei der Mannschaft der Chimaera liegen«, schlussfolgerte Vader. Er tritt vor, seine Stimme von Ungeduld erfüllt.

»Bei allem Respekt, Lord Vader, das glaube ich nicht«, erklärte Faro. Jetzt sieht sie ihn an, und ihre Haltung wird noch steifer. In ihrer Stimmung schwingt ein Hauch von Vorsicht und Furcht mit, aber auch Entschlossenheit. »Diese Hyperraumroute wird nur selten benutzt, und ihre Parameter und Ränder sind nur schlecht definiert. Ich halte es darum für wahrscheinlicher, dass wir in den Schatten einer bis dato nicht kartografierten Masse geraten sind.«

»Ja?« Sein Stimmmuster wird unmerklich tiefer. Er hebt die Hände und hakt die Daumen unter den Gürtel. »Und wo ist diese mysteriöse Masse?«

Die Muskeln in Faros Hals ziehen sich kurz zusammen. »Wir haben sie noch nicht geortet«, erklärte sie. Ihre Augen richten sich wieder auf ihren Admiral. »Unsere besten Sensortechniker arbeiten an dem Problem, Sir.«

»Vielleicht sind Ihre besten Techniker nicht so gut, wie Sie glauben«, kommentierte Vader.

»Offiziere und Mannschaft der Chimaera sind ihren Aufgaben gewachsen, Lord Vader«, sagte Thrawn. »Commodore, falls wir wirklich von einer Masse aus dem Hyperraum gezogen wurden, sollten wir vielleicht weiterfliegen, um ihren Schatten und dessen Wirkung zu verlassen.«

»Ja, Sir«, nickte Faro. Die Anspannung auf ihrem Gesicht lässt sichtlich nach. »Navigator, zwei Drittel Energie voraus. Scanner, Suche nach Objekten fortsetzen.«

»Und nach anderen Schiffen«, fügte Thrawn an.

Faros Miene spiegelt Verwirrung wider. »Andere Schiffe, Sir?«

»Erwarten Sie, dass wir angegriffen werden?«, fragte Vader.

»Es ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich«, sagte Thrawn. »Meine Hauptsorge ist aber, dass andere Schiffe ebenfalls aus dem Hyperraum gezogen wurden, so wie wir. Wir dürfen keine Kollisionen oder andere Kontakte riskieren.«

»Commodore Faro erklärte doch gerade, wie selten diese Route benutzt wird«, entgegnete Vader. Seine Worte haben einen harten Unterton. »Erwarten Sie wirklich, dass ein Verkehrsaufkommen von zwei Schiffen pro Woche eine Gefahr darstellt?«

»Das sind in der Tat die Zahlen der Navigationsdatenbank«, bestätigte Thrawn. »Aber das Verkehrsprofil könnte sich seit diesen Aufzeichnungen geändert haben. Als ich das letzte Mal hier war, wurde diese Route noch viel seltener beflogen.«

»Sie waren schon einmal hier?«, fragte Faro. Ihre Miene und ihr Tonfall verraten Überraschung. »Das wusste ich nicht.«

»Gibt es einen Grund, warum Sie es wissen sollten, Commodore?«, hielt Vader dagegen.

»Verzeihung, Admiral«, sagte Faro rasch. Eine neue Woge der Nervosität erfüllt ihre Stimme.

»Sie müssen sich nicht entschuldigen, Commodore«, erwiderte Thrawn. »Es war vor vielen Jahren, während der Klonkriege.«

»Ich verstehe.« Ihre Anspannung schwindet, ersetzt durch einen Ausdruck von Interesse, sowohl in ihrer Stimme, als auch in ihrem Gesicht. »Ich wusste nicht, dass sie sich während dieser Zeit in der Republik aufgehalten haben.«

»Das ist längst Vergangenheit«, fuhr Vader dazwischen. »Was jetzt zählt, ist die Gegenwart und die Zukunft.« Er dreht sich um, dass sein langer Umhang um ihn herumwirbelt und sein halb verborgenes Lichtschwert im Licht der Brücke glänzt. Die Hände bleiben noch einen Moment am Gürtel eingehakt, dann senkt er sie an die Seiten, seine Finger leicht gekrümmt. »Ich bin in meiner Kabine. Informieren Sie mich, sobald wir unsere Reise fortsetzen können.«

»Natürlich, Lord Vader«, versicherte ihm Thrawn.

»Und informieren Sie Ihren Noghri, dass er sich von der Darkhawk fernhalten soll«, fügte der Sith-Lord hinzu. »Commander Kimmund hat ihn bereits zweimal an Bord erwischt. Ein drittes Mal werde ich ihn nicht tolerieren.«

»Ich verstehe, mein Lord«, sagte Thrawn. »Rukh ist manchmal etwas übereifrig bei seiner Aufgabe, die Vorgänge an Bord der Chimaera zu überwachen. Ich werde mit ihm sprechen.«

»Es gibt keinen Grund, warum er überhaupt an Bord ist«, schiebt Vader nach. Seine Stimme wird tiefer. »Falls er wirklich ein so guter Kämpfer und Fährtenleser ist, wie Sie behaupten, hätte er bei Woldar und Tarkin bleiben sollen, um sie bei der Jagd auf Jarrus und die Rebellen zu unterstützen.« Er neigt den Kopf leicht zur Seite. »Oder haben Sie nach den Konfrontationen auf Atollon Angst um ihre persönliche Sicherheit?«

Faros Gesichtsmuskeln spannen sich, ihre Körperhaltung wird steif.

»Im Gegenteil, Lord Vader«, antwortete Thrawn. »Solange Sie und die Erste Legion an Bord sind, ist die Sicherheit der Chimaera garantiert. Aber diese Mission könnte unser aller Fähigkeiten bedürfen, auch die von Rukh.«

»Die Mission wird früher vorbei sein, als Sie denken«, sagte Vader. »Wir werden die Störung finden, ich werde mich darum kümmern, und dann kehren wir nach Coruscant zurück.«

»Ich verstehe«, bestätigte Thrawn.

»Gut.« Vader dreht sich ein wenig, sodass er aus dem Fenster blicken kann. »Also beeilen Sie sich. Ich will wissen, was die Aufmerksamkeit des Imperators erregt hat.«

»Ich ebenso, mein Lord«, erwiderte Thrawn. »Ich ebenso.«

Nachdem Kimmund Rukh das erste Mal von Bord der Darkhawk geworfen hatte, hatte er Sturmtruppler Sampa befohlen, Warnsensoren an sämtlichen Einstiegsluken anzubringen. Einer dieser Sensoren war ausgelöst worden, als Rukh sich das zweite Mal auf den Transporter geschlichen hatte, und der wachhabende Sturmtruppler hatte ihn in kürzester Zeit gestellt und von Bord gescheucht.

Kimmund saß gerade im Bereitschaftsraum der Ersten Legion und betrachtete auf einem Bildschirm, wie die Dinge auf der Chimaera vorangingen – oder genauer gesagt, wie sie nicht vorangingen –, als einmal mehr der Sensoralarm erklang.

Als er zwei Minuten später in voller Rüstung den Hangar betrat, das Blastergewehr in der Hand, schloss er im Stillen eine Wette mit sich selbst ab, ob sein erster Schuss ein Volltreffer werden würde. Er erreichte die Darkhawk und ging vorsichtig um den Bug herum.

Nur um den kleinen Noghri fünf Meter vom Schiff entfernt vorzufinden, wo er ruhig dastand, ihm gegenüber Sergeant Drav und Sturmtruppler Morrtic. Kimmund fiel auf, dass Morrtic einen zusätzlichen Sturmtruppenhelm an ihrer Seite hielt. »Wo habt ihr ihn gefunden?«, fragte er.

»Genau hier, Sir«, antwortete Drav grimmig. »Er stand vor der Luke.«

»Tat so, als würde er nur einen Spaziergang machen«, fügte Morrtic an.

Kimmund wandte sich dem Noghri zu: ein kleines, humanoides Wesen mit grauer Haut und einer Reihe kleiner Hörner, die über seine Stirn verliefen. Er musterte die Sturmtruppen mit derselben Grimasse, die er fast immer zur Schau trug. Seine Arme hingen locker an den Seiten, aber Kimmund hatte Rukh beim Training mit dem Kampfstab gesehen, der hinter seinem Rücken hing, und er wusste, wie unglaublich schnell die Kreatur nach ihrer Waffe greifen konnte.

Ein Teil von ihm hoffte beinahe, dass der Noghri es versuchen würde. Von drei Sturmtruppler umringt, hätte er keine Chance. Dann könnten sie ihm diesen selbstgefälligen Ausdruck vom Gesicht wischen – zumindest war Kimmund ziemlich sicher, dass es Selbstgefälligkeit war. »Also?«, fragte er.

»Also?«, wiederholte Rukh mit kratzender Stimme.

»Was hast du hier zu suchen?«

»Das ist das Schiff meines Meisters«, sagte Rukh. »Ich kann gehen, wohin immer ich will.«

»Die Chimaera ist Großadmiral Thrawns Schiff«, korrigierte Kimmund ihn ungehalten. »Nicht Lord Vaders Lambda oder die Darkhawk. Du wurdest gewarnt, dich von hier fernzuhalten.«

»Deine Soldaten können dir bestätigen, dass ich nicht an Bord war«, entgegnete Rukh. »Sprich mit ihnen. Frag sie.«

Kimmund richtete seine Aufmerksamkeit auf Drav. »Und?«

»Wir waren hier, zehn Sekunden nachdem der Alarm losging«, räumte der Sergeant ein. »Falls er an Bord war, dann nicht länger als ein paar Augenblicke.«

»Ist das so?«, grollte Kimmund, wobei er sich wieder zu Rukh herumdrehte. »Was soll das? Spielen wir jetzt schon dumme Kinderstreiche?«

»Keine Streiche«, sagte Rukh. »Das ist sehr ernst. Die Sicherheit meines Meisters ist meine Aufgabe, und ich werde nicht zulassen, dass Unbekannte sie gefährden.«

»Wir sind wohl kaum Unbekannte«, entgegnete Kimmund steif. »Wir sind die Erste Legion, Lord Vaders persönliche Leibgarde. Das gesamte Imperium kennt uns.«

»Das Imperium vielleicht – ich nicht«, erwiderte Rukh. »Aber das wird sich ändern.«

»Tu, was du willst«, brummte Kimmund. »Merk dir nur eines: Sollten wir dich noch mal auf einem unserer Schiffe erwischen, werden wir dich erschießen.«

»Ihr könnt es versuchen«, sagte der Noghri. »Ich habe nichts gegen euch. Aber ich werde meine Aufgabe erfüllen.« Er vollführte eine knappe, augenscheinlich sarkastische Verbeugung vor Kimmund und stakste auf seinen kurzen Beinen zum Hangarausgang.

»Sollen wir ihm folgen, Sir?«, fragte Drav.

»Nein. Er hat leider recht. Dank Thrawn genießt er absolute Bewegungsfreiheit an Bord der Chimaera. Hoffentlich hat Lord Vader inzwischen klargestellt, dass das unsere Schiffe nicht mit einschließt.« Kimmund deutete auf den Helm in Morrtics Hand. »Was ist das?«

»Damit hat er den Alarm ausgelöst«, erklärte Morrtic. Sie hielt den Helm hoch, damit er ihn genauer betrachten konnte. »Er stand vermutlich hier draußen und hat ihn durch die Luke geworfen, um den Sensor zu aktivieren.«

Kimmund runzelte die Stirn und aktivierte den verbesserten Sichtmodus seines eigenen Helms. War das …? »Ist das Jids Helm?«

»Ja, Sir«, bestätigte Morrtic säuerlich. »Und ja, er war in der Elektrowerkstatt, wo das neue Kommsystem eingebaut werden sollte.«

»Wie hat Rukh ihn sich dann geholt?«

Morrtic wechselte einen Blick mit Drav, und dieser antwortete: »Keine Ahnung, Sir.«

»Keine Ahnung?«

»Wir wissen nur, er hat nicht seinen Elektrostab benutzt, um die Sensoren zu grillen«, warf Morrtic ein. »Ich habe sie überprüft.«

»Was ist mit seiner Tarnung?«, fragte Kimmund. »Hat Sampa herausgefunden, wie dieser Trick funktioniert?«

»Ja, er hat nachgeforscht«, bestätigte Drav. »Es ist wie eine optische Sinrich-Phasenverschiebung, aber nach einem vollkommen anderen Muster. Scheint nur jeweils drei Minuten zu funktionieren, ehe es aufgeladen werden muss, außerdem funktioniert es nicht bei Menschen; nur die doppelschichtige Haut eines Noghri kann die Energie leiten, und es tarnt nur ihn selbst, nichts anderes.«

»Das ist der Schlüssel«, erklärte Morrtic weiter. »Sampa hat etwas zusammengebastelt. Wenn die Gewichtssensoren im Boden aktiviert werden, wird der Eingang mit einem feinen Dunst aus mikroreflektivem Staub besprüht. Sobald Rukh den am Leib hat, können wir ihm folgen, egal wohin er sich verkriecht.«

»Gut«, sagte Kimmund. »Das bedeutet also, er war nicht an Bord. Wenigstens etwas.«

»Ja«, grollte Morrtic. Sie hielt Jids Helm hoch. »Wir werden dann mal nachsehen, wie er sich den hier schnappen konnte.«

»Tut das«, presste Kimmund hervor. »Das nächste Mal, wenn er Ärger macht, stirbt jemand. Vorzugsweise er; aber falls nicht, dann derjenige, der ihn durchgelassen hat. Und zwar nicht durch meine Hand, sondern durch die von Lord Vader.«

Er blickte zur anderen Seite des Hangars hinüber und musste gegen den Wunsch ankämpfen, sein Gewehr hochzureißen und dem unverschämten Noghri gleich hier und jetzt in den Rücken zu schießen. »Also geben Sie den anderen Bescheid, Sergeant. Von jetzt an gibt es keine Ausreden mehr.«

Die Chimaera flog zwei Stunden im Normalraum weiter, bis Thrawn den Befehl gab, es wieder mit dem Hyperantrieb zu versuchen.

Ohne Ergebnis.

»Es ist fast so, als wäre da ein Abfangkreuzer in der Nähe«, sagte Faro, während der Sternzerstörer seine Reise durch die sternenerhellte Dunkelheit im Normalraum fortsetzte. »Aber kein Schiff hat genug Energie, um so ein Feld von außerhalb unserer Scanner-Reichweite zu erzeugen.«

»Es sei denn, das Schiff wäre getarnt«, ertönte eine tiefe Stimme hinter ihnen.

Faro zuckte zusammen. Vader hatte gesagt, er wolle informiert werden, sobald die Chimaera dieses mysteriöse Hindernis überwunden hätte. Entsprechend war Faro davon ausgegangen, dass er nicht auf die Brücke zurückkehren würde, bis er diese Nachricht erhielt. Nun, offenbar war ihm langweilig geworden.

»Mein Lord«, begrüßte Thrawn Vader ruhig. »Wie Sie vielleicht wissen, ist es unmöglich, gleichzeitig einen Gravitationsgenerator und ein Tarnkappensystem einzusetzen. Die beiden Felder würden einander aufheben.«

»Vielleicht hat jemand eine neue Technik gefunden«, konterte Vader. »Die Wissenschaft der Unbekannten Regionen könnte andere Ansätze verfolgen.«

»Die Technologien mögen sich unterscheiden«, räumte Thrawn ein. »Aber die Wissenschaft selbst? Eher weniger. Es gibt Gesetze, die universell gültig sind.«

»Mag sein«, erwiderte der Sith-Lord. »In jedem Fall scheinen wir in einer Sackgasse zu stecken. Welche Lösung schlagen Sie vor?«

Thrawn schwieg einen Moment lang, und Faro fiel auf, wie sein Blick von der Sternenlandschaft draußen zur regionalen Sektorkarte und dann weiter zum vergrößerten Diagramm ihrer aktuellen Hyperraumroute wanderte. »Falls wir dem etablierten Weg nicht folgen können, müssen wir uns eben unseren eigenen bahnen«, sagte er. »Commander Faro, ändern Sie unseren Kurs um vierzig Grad nach Backbord.«

»Gibt es eine weitere Route, von der das Imperium nichts weiß?«, erkundigte sich Vader.

»In dieser Region?«, erwiderte Thrawn. »Nicht dass ich wüsste. Unsere Optionen beschränken sich darauf, ein Scoutschiff vorauszuschicken, damit es eine Route für uns sichert oder diese Route durch Mikrosprünge selbst auslotet. Letzteres scheint mir die effizientere Lösung.«

»Das wird viel Zeit beanspruchen«, entgegnete Vader mit einem drohenden Unterton in der Stimme. »Der Imperator hat uns angewiesen, dieser Störung schnellstmöglich auf den Grund zu gehen.«

»Der Hyperraumroute zu folgen hat sich als wenig effektiv erwiesen«, betonte Thrawn. »Falls wir so weitermachen wie bisher, werden wir vermutlich noch viel mehr Zeit verlieren.«

»Es sei denn, wir haben bereits den Rand des blockierten Gebiets erreicht.«

Thrawn legte den Kopf schräg. »Navigator?«, rief er. »Sprung in die Lichtgeschwindigkeit.«

»Jawohl, Admiral.«

Faro stemmte die Beine gegen das Deck und drehte sich zu den Aussichtsfenstern herum. Die Sterne verwandelten sich in Streifen …

Und dann zogen sie sich wieder zu Sternen zusammen, begleitet vom stotternden, tiefer werdenden Ächzen des Hyperantriebs, welches einen fehlgeschlagenen Sprung anzeigte.

Faro war nicht dumm genug, vor ranghöheren Offizieren zu fluchen, aber die Versuchung war groß.

»Interessant«, murmelte Thrawn. Falls der Fehlversuch ihn frustrierte, war es weder an seinem Tonfall noch an seinem Gesichtsausdruck abzulesen. »Commodore, ändern Sie den Kurs der Chimaera um vierzig Grad backbord.«

»Ja, Sir«, bestätigte Faro. »Falls ich einen Vorschlag machen dürfte?«

»Ihr Admiral hat Ihnen einen Befehl gegeben«, grollte Vader.

»Sprechen Sie, Commodore«, forderte Thrawn sie auf.

Faro spürte, wie sich ihre Kehle zusammenzog. Vaders Bemerkung stellte an sich einen Befehl dar. Wollte Thrawn, dass sie den einfach ignorierte? »Ich habe einige Berechnungen angestellt, Sir«, sagte sie hastig, nicht sicher, ob Vader sie unterbrechen würde. Oder Schlimmeres. »Sprung um Sprung nach Batuu zu reisen wird ungefähr neununddreißig Stunden dauern. Falls wir stattdessen nach Mokivj fliegen, können wir von dort aus eine andere Hyperraumroute nach Batuu nehmen;  dadurch würden wir vierzehn bis fünfzehn Stunden einsparen.«

Thrawn neigte den Kopf. »Zeigen Sie es mir.«

Faro legte die Route auf den großen Bildschirm und hielt den Atem an, während sie auf Vaders unvermeidliche Frage wartete, was für eine Art Hyperraumroute zwei so unbedeutende Welten verband.

Und es wäre eine vollkommen berechtigte Frage. Die Navkarten zeigten an, dass eine solche Verbindung existierte, ja, aber sie war nicht so genau definiert und wurde viel seltener benutzt als die Route, der die Chimaera auf ihrem Weg nach Batuu bislang gefolgt war. Und sollten die Informationen über die Mokivj-Batuu-Route genauso unzuverlässig sein wie die, welche sie in diese Situation gebracht hatten, dann könnten sie direkt in die nächste Sackgasse geraten.

Doch ausnahmsweise enthielt sich der Dunkle Lord eines Einwurfs.

»Ein ausgezeichneter Vorschlag, Commodore«, lobte Thrawn. »Setzen Sie Kurs auf Mokivj.«

»Jawohl, Sir.« Sie wandte sich der Navigationskonsole zu und fing den Blick des Offiziers auf, der dort gerade Dienst tat. Er bestätigte den Befehl mit einem wortlosen Nicken, und einen Moment später begann das gewaltige Kriegsschiff, sich nach steuerbord zu drehen.

»Elf«, sagte Vader.

Thrawn drehte sich zu ihm um. »Verzeihung?«

»Die Zeitersparnis beträgt maximal elf Stunden«, verdeutlichte der Sith-Lord.

»Mag sein«, erwiderte Thrawn. »Aber das ist es trotzdem wert.«

»Vielleicht«, kommentierte Vader. »Wir werden sehen.«

Wie erwartet behielt Vader recht. Mokivj mit Mikrosprüngen zu erreichen dauerte drei Stunden länger, als Commodore Faro geschätzt hatte, womit die Zeitersparnis exakt seiner Voraussage entsprach.

Ihm selbst gefiel es nicht, dass sie nach Mokivj flogen. Er wollte diesen Ort nicht sehen.

Aber nun waren sie hier, in Sichtweite des Planeten …

»Analyse, Commodore?«, fragte Thrawn leise, als die Chimaera den Planeten umrundete, um zu ihrem Startpunkt für ihre nächste Hyperraumroute zu gelangen.

»Ich verstehe das nicht, Sir«, sagte Faro, während sie stirnrunzelnd auf ihr Datenpad blickte. »Die weitflächige Zerstörung hier lässt sich eigentlich nur durch einen Kometeneinschlag oder einen katastrophalen Vulkanausbruch erklären, aber ich finde keine Hinweise auf einen Kometen oder aktive Vulkane.«

Vader starrte aus dem Aussichtsfenster. Wo sich einst üppige grüne Wiesen und Wälder befunden hatten, erstreckten sich nun auf einem Großteil der Planetenoberfläche leblose Ebenen und Wüsten, unterbrochen nur von kleinen Einsprengseln grüner Fauna, die sich trotzig gegen die umliegende Verwüstung behaupteten. Wolken bedeckten einen Großteil des Himmels, aber keine weißen, bauschigen Wolken, und auch nicht die grauen Türme von Regenwolken, sondern brodelnde Massen, die die Sonne aussperrten und Dunkelheit und Kälte über das Land brachten.

»Vielleicht war es etwas noch Zerstörerisches als ein Komet«, sagte Thrawn. »Commander Hammerly, wie viele Monde erfassen Sie?«

»Monde, Sir?«, fragte Hammerly. Sie klang verwirrt.

Vader drehte sich zu der Frau herum. Schon wieder hinterfragte ein Untergebener die Befehle des Admirals. Vielleicht war es Zeit, die Brückenmannschaft an die Notwendigkeit unbedingten, sofortigen Gehorsams zu erinnern. »Ja, Sir … Monde«, fügte Hammerly hastig an.

Vader sah Thrawn an, aber er machte keinerlei Anstalten, die Offizierin zu bestrafen oder sie auch nur verbal zu rügen, weil sie seine Anweisung infrage gestellt hatte. Er schien lediglich auf ihre Antwort zu warten.

In Gedanken schüttelte Vader abfällig den Kopf. Der Admiral ließ die Zügel auf seinem Schiff viel zu locker, und es würde ihn nicht überraschen, wenn die Rebellen bei Atollon deswegen entkommen waren.

»Es sollten zehn sein«, fuhr Thrawn fort. »Sechs sind verhältnismäßig klein, aber die vier anderen sind so groß, dass sie durch ihre eigene Gravitation eine runde Form angenommen haben.«

»Wieso ist das von Belang?«, fragte Vader. Er hakte die Daumen unter seinen Gürtel und spürte die Nähe des Lichtschwerts.

»Es ist nicht so, als hätten wir etwas Besseres zu tun, während wir dieses System durchqueren«, erklärte Thrawn. »Außerdem interessiert es mich, ob die Archive der Chimaera auf dem neuesten Stand sind.«

Es war eine vernünftige Begründung, vorgetragen in einem vernünftigen Tonfall.

Aber Vader ließ sich nicht täuschen. Alles, was Großadmiral Thrawn tat, diente einem Ziel – einem geheimen Plan oder Interesse oder Vorhaben. Einmal mehr spürte er das Gewicht seines Lichtschwerts.

»Verzeihung Admiral, aber unsere Sensoren zeigen etwas anderes«, meldete Hammerly, während sie mit gefurchter Stirn ihren Monitor betrachtete. »Ich zähle sechs Monde, von denen nur einer rund ist.«

»Dann sind die restlichen vier auf der anderen Seite des Planeten«, warf Vader mit einem Anflug von Ungeduld ein. War das denn nicht offensichtlich?

»Das glaube ich nicht, mein Lord«, sagte Thrawn. »Sehen Sie sich das Wechselspiel der Gravitationskräfte an, das Commander Hammerly auf dem Schirm eingeblendet hat. Es zeigt keine anderen Körper mit größerer Masse in diesem planetaren System an.«

Vader betrachtete das Display. Er konnte die Berechnungen nicht im Kopf durchführen – dafür gab es schließlich Droiden –, aber die Ergebnisse der Sensoroffizierin waren am unteren Rand des Bildschirms aufgelistet. »Wollen Sie sagen, die anderen Monde sind auf die Oberfläche gestürzt?«, fragte er.

»Unwahrscheinlich«, entgegnete Thrawn mit unterdrückter Anspannung. »Vier Himmelskörper dieser Größe hätten Mokivj in ein flammendes Inferno aus Lava verwandelt.«

Wie Mustafar, dachte Vader im Stillen. »Wo sind sie dann?«

Thrawn schüttelte den Kopf. »Das ist ein Rätsel, dem wir auf den Grund gehen müssen.«

»Nein«, sagte Vader.

Abrupt senkte sich Stille über die Brücke. »Verzeihung, mein Lord?«, fragte Thrawn, seine Stimme sorgsam moduliert.

»Wir sind nicht hier um irgendwelche Mysterien zu erforschen«, erklärte Vader mit Nachdruck. »Wir sind hier, um die Erschütterung zu finden, die der Imperator in der Macht gespürt hat. Das ist unsere Mission.«

»Gewiss«, räumte Thrawn ein. »Aber vielleicht stellt sich ja heraus, dass es eine Verbindung gibt.«

»Eine Verbindung?«

»Ich weiß, es erscheint nicht sehr wahrscheinlich, mein Lord«, erwiderte Thrawn.

Einen langen Moment starrte Vader ihn an, während er versuchte, die Motive des Nichtmenschen zu durchschauen. Aber falls sich unlautere Hintergedanken hinter diesen rot glühenden Augen verbargen, konnte er sie zumindest nicht spüren. »Dann lassen Sie uns weiterfliegen«, sagte er.

»Wie Sie wünschen, mein Lord.« Thrawn wandte sich zu Faro um. »Commodore, sobald wir das Startfenster für die Hyperraumroute erreicht haben, fliegen wir mit maximaler Geschwindigkeit nach Batuu.«

»Jawohl, Sir«, bestätigte Faro.

Nun drehte der Chiss sich wieder zu Vader herum. »Falls Sie mir die Bemerkung erlauben, Lord Vader: Falls der Imperator eine Präsenz in diesem Teil der Galaxis wahrgenommen hat, ist es durchaus möglich, dass diese Entität Ihre Präsenz wahrnimmt.«

Der Gedanke war Vader auch schon gekommen. Mehr als einmal. »Mag sein«, sagte er. »Aber etwas wahrzunehmen ist nicht dasselbe, wie auf etwas vorbereitet zu sein.«

»Nein«, bestätigte Thrawn leise. Vielleicht dachte auch der Großadmiral gerade an eine unangenehme Episode aus seiner Vergangenheit. »Das ist es nicht.«

2

»Eines sage ich dir, Erwzo«, brummte Anakin grimmig, während er den Eta-2-Abfangjäger der Actis-Klasse von seinem Hyperantriebsring loskoppelte. »Falls Padmé etwas zugestoßen ist, wird jemand auf Batuu sein blaues Wunder erleben.«

R2-D2 zwitscherte zustimmend. Das war eine von R2s besten Eigenschaften, dachte Anakin, während er den Actis von dem Ring fortsteuerte und auf den Planeten unter ihnen ausrichtete: Der kleine Droide tat, was immer nötig war, um seinem Meister selbst auf den schwierigsten und gefährlichsten Pfaden zu folgen.

Doch hier mussten sie diesen Pfad erst einmal finden.

Für Anakin war das ein ungewohntes Problem. Ob es sich um große Flotten der Separatisten im All oder Rauch und Blasterfeuer am Boden handelte – irgendetwas zeigte ihm immer, wo er gebraucht wurde. Und in den seltenen Fällen, wenn die Truppen der Republik den Zielort vor ihm erreichten, stand in der Regel ein Klon bereit, um ihn zum Schauplatz der bevorstehenden Schlacht zu führen.

Doch auf Batuu würde er nichts dergleichen finden. Der Planet war spärlich besiedelt, und die Scanner zeigten lediglich eine Handvoll Außenposten und kleiner Handelsniederlassungen an. In Dujas Nachricht an Padmé hatte sie eine der größeren Siedlungen, Schwarzdorn, als Treffpunkt festgelegt. Falls die Frauen nicht mehr dort waren, würde Anakin sich der nächsten Siedlung zuwenden, und dann der nächsten – bis er sie gefunden hätte.

R2-D2 hatte die Koordinaten bereits eingegeben, und nach einem letzten Blick auf das Navdisplay richtete Anakin die Nase des Actis auf den Horizont aus und gab langsam Schub …

Da stieß R2-D2 eine schrille Warnung aus. »Was ist?«, fragte Anakin. Mit zusammengezogenen Brauen überprüfte er den Raum hinter ihnen.

Die Haare in seinem Nacken kribbelten. Da war ein Schiff, von der Größe eines mittleren Frachters, aber von unbekannter Bauart.

Und es trat direkt neben seinem Hyperantriebsring in den Orbit ein.

Anakin wusste, dass er etwas unternehmen musste. Ohne den Ring konnte er das System nicht verlassen, und falls der Eindringling ihn stahl – oder schlimmer noch, ihn zerstörte –, würde Anakin hier festsitzen, bis er eine Nachricht nach Coruscant schicken konnte. Also riss er den Steuerknüppel hart zur Seite, um den Jäger in eine enge Wende zu lenken, und raste dann zurück in Richtung Ring, wobei er eine kurze 360-Grad-Rolle hinlegte, um sich zu vergewissern, dass keine weiteren Überraschungen in der Nähe lauerten.

Der Eindringling schien jedoch allein zu sein. Anakin straffte die Schultern, vergewisserte sich, dass R2-D2 die Laserkanonen feuerbereit gemacht hatte, und aktivierte anschließend das Komm. »Unbekanntes Schiff, hier spricht General Anakin Skywalker von der Galaktischen Republik«, sagte er. »Identifizieren Sie sich und nennen Sie den Grund Ihres Hierseins.«

Nichts. Vielleicht kommunizierten sie nicht auf den Standardfrequenzen der Republik.

Oder sie sprachen kein galaktisches Basic, was in dieser entlegenen Region tatsächlich die wahrscheinlichere Erklärung war.

Anakin schürzte die Lippen und ging im Geiste die Liste der Sprachen durch, die er beherrschte. Auf Huttese und in der Handelssprache der Jawas konnte er sich halbwegs fließend ausdrücken, aber Batuu war weit vom Einfluss der Hutten entfernt. Meese Caulf vielleicht? Auch diese Sprache wurde eigentlich in einem anderen Sektor gesprochen, aber es war seine beste Option.

»Unbekanntes Schiff, hier spricht General Anakin Skywalker von der Galaktischen Republik«, wiederholte er, wobei er hoffte, dass sein Mund die Meese-Caulf-Laute korrekt formte und die grammatische Struktur verständlich war. »Sie nähern sich Ausrüstung der Republik und stören eine republikanische Mission. Sie haben Anweisung, sich zurückzuziehen und sich zu identifizieren.«

»Seien Sie gegrüßt«, antwortete eine ruhige Stimme in derselben Sprache. »Sagten Sie, Ihr Name sei General Skywalker?«

»Ja.« Anakin runzelte die Stirn. »Wieso, haben Sie von mir gehört?«

»Nein«, erwiderte die Stimme. »Ich war nur überrascht. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich Ihre Ausrüstung nicht beschädigen werde. Ich wollte mir diese interessante Technologie nur ein wenig genauer ansehen.«

»Freut mich, das zu hören«, sagte Anakin. »Und jetzt, wo Sie sie genauer angesehen haben, ziehen Sie sich bitte zurück.«

Kurz geschah nichts, dann trieb das Schiff in gemächlichem Tempo von dem Ring fort. »Darf ich fragen, was einen Abgesandten der Republik in diesen Teil der Galaxis führt?«, wollte der Eindringling wissen.

»Darf ich fragen, was Sie das angeht?«, entgegnete Anakin. Es war nicht sehr höflich, aber er war auch nicht in der Stimmung für Nettigkeiten. Jede Minute, die er hier vergeudete, um sicherzugehen, dass der Fremde keine Dummheiten versuchte, war eine Minute, die er eigentlich der Suche nach Padmé widmen sollte. »Sie können Ihre Reise jetzt gerne fortsetzen.«

»Meine Reise?«

»Fliegen Sie, wohin immer Sie fliegen wollten, bevor Sie hergekommen sind, um sich meinen Hyperantriebsring anzusehen«, verdeutlichte Anakin.

Erneut folgte eine Pause. Das fremde Schiff verharrte ein paar Hundert Meter von seinem Ring entfernt – immer noch viel zu nahe. Anakin wurde langsam ungeduldig. »Ja, ich könnte weiterfliegen«, sagte der Fremde schließlich. »Aber vielleicht wäre es besser, ich helfe Ihnen bei Ihrer Suche.«

R2-D2 piepste verwirrt.

»Ich sagte doch schon, ich bin hier in einer Mission der Republik unterwegs«, erklärte Anakin. »Das ist keine Suche.«

»Ja, das haben Sie gesagt«, erwiderte der Fremde. »Aber warum sollte eine Republik, die sich gerade im Krieg befindet, einen einzelnen Sternjäger auf eine Mission schicken. Da halte ich es für wahrscheinlicher, dass Sie persönlich nach etwas suchen.«

»Ich bin auf einer Mission«, presste Anakin hervor. Allmählich wurde die Sache wirklich irritierend. »Ich folge dem direkten Befehl des Obersten Kanzlers Palpatine.« Nicht dass Palpatine wusste – geschweige denn guthieß –, was er hier tat. Aber falls der Eindringling von den Klonkriegen gehört hatte, dann sollte ihm auch der Name des Kanzlers ein Begriff sein. »Ich habe keine Zeit für Verzögerungen.«

»Ich verstehe«, sagte die Stimme. »Vielleicht wäre es dann das Beste, ich zeige Ihnen einfach, wo das Schiff ist, nach dem Sie suchen.«

Anakins Hände verkrampften sich um den Steuerknüppel. »Wovon reden Sie?«, fragte er leise.

»Ich weiß, wo das nubianische Schiff gelandet ist«, erklärte der Fremde. »Und ich weiß, dass der Pilot vermisst wird.«

Anakin knirschte mit den Zähnen. »Dann haben Sie eine private Übertragung abgefangen?«

»Ich habe meine eigenen Quellen«, erklärte der Fremde, noch immer mit ruhiger Stimme. »Wie Sie bin ich auf der Suche nach Informationen. Und wie Sie bin ich allein. Keiner von uns hat die nötigen Ressourcen, um die Ermittlungen erfolgreich voranzutreiben. Aber gemeinsam finden wir vielleicht die Antworten, die wir suchen.«

»Ein interessantes Angebot«, brummte Anakin. Und dann war er endlich nahe genug heran. Er atmete tief ein und streckte seine Sinne in der Macht aus.

Der Fremde war kein Mensch – nicht dass Anakin damit gerechnet hätte –, aber wie viele andere Spezies in der Republik war er menschenähnlich.

Doch sein Geist unterschied sich von allem, was Anakin je zuvor wahrgenommen hatte. Er war perfekt geordnet, mit Mustern, die sich flüssig und präzise kreuzten, ähnlich wie bei einem Wissenschaftler oder Mathematiker. Doch der Inhalt dieser Muster und die gedämpften Emotionen, die darin mitschwangen, waren vollkommen undurchsichtig. Es war wie eine elegante, exakte Aneinanderreihung fremdartiger Schriftzeichen.

Und er war auch nicht allein. Da war noch ein anderer Nichtmensch an Bord.

»Sie sagen, wir beide sind allein?«, fragte Anakin, während er abschätzte, wo sich der Hyperantrieb an dem Schiff befand, und dann die Kanonen auf diese Stelle ausrichtete. Sollte der Fremde behaupten, dass er allein war, dann log er vermutlich auch in anderen Punkten.

Und der wahrscheinlichste Grund, warum er hinsichtlich Padmés Schiff lügen würde, war, dass er selbst mit ihrem Verschwinden zu tun hatte. Sollte das der Fall sein, würde Anakin ihn hier festsetzen, bis er ein paar echte Antworten bekam.

»Ja«, antwortete der Eindringling. »Und dann natürlich noch mein Pilot und Ihr Droide.«

Anakin zögerte, den Finger über dem Feuerknopf. »Eben haben Sie keinen Piloten erwähnt.«

»Ebenso wenig wie Sie Ihren Droiden«, konterte der Fremde. »Da keiner der beiden an unseren Nachforschungen beteiligt sein wird, hielt ich es nicht für nötig, das Gespräch darauf zu bringen.«

»Erzwo begleitet mich auf allen meinen Missionen.«

»Ist das so?«, fragte der Nichtmensch. »Interessant. Ich wusste nicht, dass Navigationsmaschinen noch andere Aufgaben erfüllen. Haben wir eine Allianz?«

Anakin starrte das fremde Schiff an. Falls das zweite Wesen an Bord wirklich nur ein Pilot war, dann hatte der Eindringling vielleicht nicht wirklich gelogen, sondern es nur nicht für erwähnenswert gehalten. Schließlich gab es auch in der Republik noch Politiker, die sich selbst jetzt, nach Jahren des Krieges, noch weigerten, Klone als vollwertige Lebewesen zu akzeptieren. Vielleicht betrachtete diese spezielle Kultur aus irgendeinem Grund Piloten als Wesen zweiter Klasse. »Nach welchen Antworten suchen Sie denn?«

»Ich möchte diesen Konflikt besser verstehen, in den Sie verstrickt sind«, verkündete der Fremde. »Ich möchte mehr über Richtig und Falsch wissen, über Ordnung und Chaos, über Stärke und Schwäche, über Absicht und Reaktion.« Es folgte eine kurze Pause, und als die Stimme wieder erklang, war sie von neuer Förmlichkeit erfüllt. »Sie haben nach meiner Identität gefragt. Ich bin bereit, sie Ihnen zu verraten. Mein Name ist Commander Mitth’raw’nuruodo, Offizier der Expansions- und Verteidigungsflotte der Chiss-Aszendenz. Im Namen meines Volkes erbitte ich Ihre Unterstützung, um mehr über diesen Krieg zu lernen, bevor seine Verwüstung unsere eigenen Welten erreicht.«

»Ich verstehe«, sagte Anakin vorsichtig. Es gab seit Langem Gerüchte über fremde Zivilisationen, die jenseits des Wilden Raums verborgen lagen. War die Chiss-Aszendenz womöglich eine von ihnen?

Und falls dem so war, könnte man sie überzeugen, die Republik in ihrem Kampf zu unterstützen? Diese Möglichkeit allein war es wert, das Risiko einzugehen und auf Mitth’raw’nuruodos Vorschlag einzugehen. »Also gut«, erklärte er. »Im Namen von Kanzler Palpatine und der Galaktischen Republik nehme ich Ihr Angebot an.«

»Ausgezeichnet«, sagte Mitth’raw’nuruodo. »Vielleicht könnten Sie damit beginnen, mir die Wahrheit über Ihre Suche zu erzählen.«

»Ich dachte, Sie sind bereits über alles im Bilde«, entgegnete Anakin. Sein Nacken kribbelte wieder. »Sie wissen von Padmés Schiff.«

»Das nubianische Schiff?« Einen Moment lang herrschte Stille, und Anakin hatte das Gefühl, als würde Mitth’raw’nuruodo mit den Schultern zucken. »Die Bauart und das Triebwerkssystem unterscheiden sich grundsätzlich von allem, was ich bislang in dieser Region gesehen habe. Ihr Schiff weist ähnliche Charakteristiken auf, die logische Schlussfolgerung war also, dass ein Fremder den anderen sucht.«

»Ah.« Dieser Mitth’raw’nuruodo schien auf alles eine schnelle und vernünftige Antwort zu haben. »Es stimmt, das nubianische Schiff gehört zu uns. An Bord befand sich eine Abgesandte der Republik, die sich hier mit einem Informanten treffen sollte. Als wir keine Rückmeldung von ihr empfingen, wurde ich hergeschickt, um nach ihr zu suchen.«

»Ich verstehe«, sagte Mitth’raw’nuruodo. »War dieser Informant vertrauenswürdig?«

»Ja.«

»Sind Sie da sicher?«

»Unsere Gesandte war es.«

»Dann ist ein Verrat unwahrscheinlich. Hat der Informant Sie kontaktiert?«

»Nein.«

»In dem Fall sind die wahrscheinlichsten Szenarien, dass sie einen Unfall hatten oder gefangen genommen wurden«, schlussfolgerte Mitth’raw’nuruodo. »Wir sollten zur Oberfläche fliegen und herausfinden, was davon zutrifft.«

Endlich. »Das hatte ich gerade vor, als Sie aufgetaucht sind«, grollte Anakin. »Sie meinten, Sie wissen, wo sich das Schiff befindet?«

»Ich kann Ihnen die Koordinaten übermitteln«, bot Mitth’raw’nuruodo an. »Aber vielleicht wäre es praktischer, Sie kommen zu mir an Bord. Mein Shuttle ist für zwei Passagiere ausgelegt. Wir können den Flug zusammen unternehmen.«

Anakin lächelte schmallippig. Er würde sich tatsächlich gerne auf dem Schiff des Fremden umsehen.

Aber nicht jetzt. Das konnte warten, bis sich der Chiss ein wenig mehr Vertrauen verdient hatte. »Danke, aber ich nehme lieber mein eigenes Schiff. Wie gesagt, ich könnte dort unten Erzwo brauchen.«

»Wie Sie wünschen.« Falls Mitth’raw’nuruodo ein Problem mit Anakins Ablehnung hatte, war es seiner Stimme jedenfalls nicht anzumerken. »Ich fliege voran.«

»Gut«, sagte Anakin. Es gefiel ihm ohnehin besser, den Chiss vor seinen Laserkanonen zu haben.

»Ich werde sofort die nötigen Vorbereitungen treffen«, erklärte Mitth’raw’nuruodo. »Eines noch. Ich weiß, dass viele Spezies Probleme haben, Chiss-Namen korrekt auszusprechen. Ich schlage also vor, Sie nennen mich bei meinem Kernnamen: Thrawn.«

»Schon in Ordnung, Mitth’raw’nuruodo«, erwiderte Anakin. Kam es ihm nur so vor, oder versuchte der Chiss, provozierend und herablassend zu klingen? »Ich komme damit schon klar.«

»Mitth’raw’nuruodo«, korrigierte der Nichtmensch.

»Das sagte ich doch«, erwiderte Anakin. »Mitth’raw’nuruodo.«

»Es wird Mitth’raw’nuruodo ausgesprochen.«

»Ja. Mitth’raw’nuruodo.«

»Mitth’raw’nuruodo.«

Anakin presste die Zähne zusammen. Er konnte einen feinen Unterschied zwischen seiner Aussprache und der des Chiss hören, aber er war nicht sicher, wie er seine Version korrigieren sollte. »Also gut«, brummte er. »Thrawn.«

»Danke«, sagte Mitth’raw’nuruodo – Thrawn. »Das sollte es einfacher machen. Mein Schiff ist bereit. Lassen Sie uns aufbrechen.«

Padmés Schiff stand auf einer kleinen Lichtung in einem bewaldeten Gebiet dreißig Kilometer vom Außenposten Schwarzdorn entfernt. Im Gegensatz zu den meisten Lichtungen, die Anakin in seinem Leben gesehen hatte – und auch zu der in einem Kilometer Entfernung, wo er seinen Actis abgestellt hatte –, war diese hier größtenteils von Ästen überwachsen, deren Laub alles darunter verbarg. Dennoch war sie durch einen Pfad zwischen den umliegenden Bäumen mühelos und vor allem spurenlos zu erreichen.

Doch ihr Schiff war nicht das einzige.

Zwei grobschlächtig wirkende Männer und ein paar Nichtmenschen unterschiedlicher Spezies standen um die Einstiegsluke versammelt, während fünf weitere Menschen in Frachtgleitern saßen, die am Rande der Lichtung geparkt waren. Die Haltung und Körpersprache der neun kündete von Ungeduld, und die Gruppe am Schiff bearbeitete die Luke mit Schweißbrennern.

Anakin starrte sie hinter einem Baum hervor finster an, die Hand bereits um sein Lichtschwert geschlossen. Er und Thrawn hatten an zwei unterschiedlichen Stellen landen müssen, und Anakin hatte dem Chiss versprochen, bis zu seiner Ankunft außerhalb der Lichtung zu warten, sodass sie ihre Nachforschungen gemeinsam beginnen könnten.

Doch da hatte Anakin noch nicht gewusst, dass das Schiff von Fremden belagert wurde. Und nur, weil er Padmé nicht spüren konnte, hieß das nicht unbedingt, dass sie nicht immer noch an Bord war, womöglich verletzt oder bewusstlos.

Das änderte alles. Auf seinen neuen Verbündeten zu warten, wenn alles ruhig war, war eine Sache. Aber auf ihn zu warten, obwohl Padmé in Gefahr schweben könnte – das war etwas vollkommen anderes.

Hinter ihm gab R2-D2 ein leises, fragendes Trillern von sich. »Nein, bleib einfach hier, Erzwo«, wisperte Anakin. »Ich rufe, falls ich Verstärkung brauche. Und halte dich diesmal bitte aus der Schusslinie, ja?«

R2-D2 piepste gekränkt.

»Ich sagte Nein«, erklärte Anakin mit Nachdruck. Letzten Monat hatten die Techniker drei Tage damit verbracht, den Droiden wieder zusammenzuflicken, nachdem er einen Blasterschuss von einem B2-RP-Superkampfdroiden abbekommen hatte – und zwar nur, weil der kleine Astromech sehen wollte, was auf dem Schlachtfeld passierte.

Nach einem finalen Protest verstummte R2-D2 schließlich. Anakin blickte sich ein weiteres Mal nach unliebsamen Überraschungen in der Nähe um, und als er keine entdecken konnte, trat er zwischen den Bäumen hervor auf die Lichtung. »Rührt euch nicht!«, rief er.

Alle Augen richteten sich auf ihn, und die Schweißbrenner erloschen, während die Kerle zu dem unerwarteten Störenfried herumwirbelten. Anakin konzentrierte sich auf die Gruppe vor dem Schiff, als er näher trat, sicher, dass die Macht ihn warnen würde, falls Gefahr von den Männern bei den Speedern drohte.

Er hatte kaum fünf Schritte getan, da sah er aus den Augenwinkeln, wie zwei der Männer in den Gleitern Blaster aus ihren Holstern zogen. Er machte einen weiteren Schritt, während er seinen Geist und seinen Körper in Kampfbereitschaft versetzte …

Ein zweites Bild tauchte vor seinen Augen auf: Die Macht überlagerte die Gegenwart mit einem Ausschnitt aus der unmittelbaren Zukunft: zwei Blasterstrahlen aus der Richtung der Fahrzeuge; der erste brannte sich in seine Brust, der andere in seine Seite.

Mit einem Zischen stach die blaue Klinge seines Lichtschwerts in die Luft vor …

Anakin wirbelte die Waffe umher, wehrte den ersten Schuss ab, dann den zweiten, und verharrte.

Zwei Sekunden lang rührte sich niemand. Dann rissen die sieben anderen wie auf ein Signal hin ihre Blaster aus den Holstern und eröffneten das Feuer …

Doppelsicht: Blasterstrahlen zischten auf seinen Torso zu, seinen Kopf, seine Seite … Die Macht beschleunigte seine Wahrnehmung und verlangsamte die Zeit, während sie seine Hände in einem verschwommenen Wirbel lenkte. Er wehrte die Schüsse nicht länger nur ab; er schickte sie direkt zu ihrem Ursprungsort zurück …

Anakin hatte den Fremden bei ihrem ersten Angriff die Möglichkeit gegeben, die Obi-Wan gern als zweite Chance zum Nachdenken bezeichnete, indem er ihre Blasterstrahlen in den Wald umleitete, anstatt sie direkt auf die Schützen zurückzuschleudern. Doch jetzt, wo das Zahlenverhältnis neun zu eins gegen ihn stand, konnte er sich diesen Luxus nicht länger leisten.

Doppelsicht: Lichtblitze zuckten auf seine Brust, seinen Kopf und noch mal auf seine Brust zu. Mit perfekter Präzision lenkte er die Geschosse zurück, den ersten in einen Arm, den zweiten in ein Bein, den dritten in eine Schulter …

Nichts davon war tödlich. Er wollte sie nur verletzen, kampfunfähig machen und von weiteren Dummheiten abbringen. Falls Padmé nicht hier war, konnten sie ihm vielleicht verraten, wo er sie finden würde.