Star Wars™ Thrawn - Timothy Zahn - E-Book

Star Wars™ Thrawn E-Book

Timothy Zahn

0,0
9,99 €

Beschreibung

Die spannende Vorgeschichte zur erfolgreichsten Star-Wars-Trilogie – Großadmiral Thrawn ist Kult!

Nachdem Thrawn von imperialen Soldaten aus dem Exil befreit wurde, weckt sein taktisches Geschick schon bald Imperator Palpatines Aufmerksamkeit. Schnell erweist sich Thrawn als unverzichtbar für das Imperium, und sein Aufstieg scheint unaufhaltsam. Als Thrawn zum Großadmiral ernannt wird, werden seine Fähigkeiten jedoch auf eine harte Probe gestellt. Nun muss er beweisen, dass sein tödlicher Scharfsinn im Krieg gegen die aufkommenden Rebellen stark genug ist. Denn nicht nur unschuldige Leben werden bedroht, sondern auch der eiserne Griff des Imperiums um die Galaxis. Und auch Thrawns ganz eigene Pläne sind auf einmal in Gefahr …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 705

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Timothy Zahn

THRAWN

Roman

Deutsch von Andreas Kasprzak

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »Star Wars™: Thrawn« bei Del Rey/The Ballantine Publishing Group, Inc., New York.
Copyright der Originalausgabe Copyright © 2017 by Lucasfilm Ltd. & ® or ™ where indicated. All rights reserved. Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2017 by Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München Redaktion: Rainer Michael Rahn Umschlaggestaltung: Isabelle Hirtz, Inkcraft, nach einer Originalvorlage Jacket Design: Scott Biel Jacket Art: Two Dots JF · Herstellung: sam Satz: omnisatz GmbH, Berlin ISBN: 978-3-641-21455-5V003
Besuchen Sie uns auch auf:www.facebook.com/blanvalet undwww.twitter.com/BlanvaletVerlag
www.blanvalet.de

Für alle, die sich mehr Geschichten

über Großadmiral Thrawn wünschten.

Und für alle bei LucasFilm und Del Rey,

die dies möglich gemacht haben.

Danke.

Es war einmal vor langer Zeit

in einer weit, weit entfernten Galaxis …

1

Alle Wesen beginnen ihr Leben voller Hoffnungen und Ambitionen. Dazu gehört der Wunsch, dass ein direkter Weg zu ihren Zielen führt.

Doch das ist selten der Fall. Vielleicht auch nie.

Manchmal sind die Kurven und Windungen selbst verschuldet, weil sich Ansichten und Ziele im Lauf der Zeit wandeln. In der Regel sind sie aber das Produkt äußerer Einwirkungen.

So war es bei mir. Die Erinnerung daran ist lebhaft, nicht vom Alter vergilbt: Wie sich die fünf Admiräle von ihren Stühlen erheben, als ich in den Raum geführt werde. Die Aszendenz hat ihre Entscheidung getroffen, und sie sind hier, sie zu verkünden.

Keiner von ihnen ist glücklich über diese Entscheidung, das kann ich ihnen an den Gesichtern ablesen. Aber sie sind Offiziere und Diener der Chiss, und sie werden ihre Befehle ausführen. Das verlangt allein schon das Protokoll.

Das Urteil fällt genau so aus, wie ich es erwartet habe.

Exil.

Der Planet wurde bereits gewählt. Die Aristocra werden die nötige Ausrüstung bereitstellen, damit meine Isolation nicht durch Raubtiere oder die Elemente ein vorschnelles Ende findet.

Und schon werde ich weggeführt. Einmal mehr hat sich mein Lebenspfad gewendet.

Wohin er mich führen wird, kann ich nicht sagen.

Die kleine Hütte, augenscheinlich aus den Materialien der Umgebung erbaut, stand in der Mitte der Lichtung. Ringsum erhoben sich acht große, rechteckige Kästen mit jeweils zwei unterschiedlichen Markierungen. »Und damit ich mir das ansehe«, brummte Kapitän Voss Parck, »haben Sie mich extra von der Strikefast hier runterkommen lassen?«

»Ja, Sir«, erwiderte Oberst Mosh Barris säuerlich. »Es gibt da ein Problem. Sehen Sie diese Markierungen?«

»Natürlich sehe ich sie«, sagte Parck. »Bogolanische Schrift, richtig?«

»Es sind bogolanische Schriftzeichen, aber es ist nicht Bogolanese«, erklärte Barris. »Die Übersetzungsdroiden können nichts damit anfangen. Und die beiden Energiegeneratoren hinter der Hütte entsprechen keinem imperialen Bautyp.«

Kadett Erster Klasse Eli Vanto stand ein wenig abseits und versuchte, möglichst unauffällig zu wirken, während er den Kapitän und den leitenden Truppenkommandanten der Strikefast bei ihrer Unterhaltung über die mysteriöse Niederlassung beobachtete, die sie auf dieser namenlosen Welt gefunden hatten.

Gleichzeitig fragte er sich, was er hier tat.

Keiner der zehn anderen Kadetten von der Myomar-Akademie war mit Parcks Shuttle hier heruntergeschickt worden. Eli hatte keine nennenswerte Sachkenntnis über fremde Artefakte oder Technologien, und es war auch nicht, als müsste er Erfahrung auf Außeneinsätzen sammeln – er wurde schließlich zum Versorgungsoffizier ausgebildet. Folglich fiel ihm kein Grund ein, warum man ausgerechnet ihn ausgewählt hatte.

»Kadett Vanto?«, sagte Barris.

Eli riss sich aus seinen Gedanken. »Jawohl, Oberst?«

»Die Droiden sagten, es gäbe ein halbes Dutzend Handelssprachen, die bogolanische Schriftzeichen benutzen. Sie sind unser Experte für die obskuren Sprachen dieser Region.« Er deutete auf die Behälter. »Also?«

Eli trat vor, wobei er ein wenig das Gesicht verzog. Deshalb war er also hier. Er war in diesem Teil des Wilden Raums aufgewachsen, auf dem Planeten Lysatra am Rand der sogenannten Unbekannten Regionen. Das Frachtunternehmen seiner Eltern operierte größtenteils auf ihrer Heimatwelt und in der näheren Umgebung, aber sie übernahmen auch immer wieder Aufträge in den Unbekannten Regionen, weswegen Eli einige der lokalen Handelssprachen erlernt hatte.

Einen Experten machte das aber noch lange nicht aus ihm.

»Es könnte eine Abart von Sy Bisti sein, Sir«, sagte er. »Einige der Worte kommen mir bekannt vor, und der Satzbau würde dazu passen. Aber es ist nicht die Standardform.«

Barris schnaubte. »Falls man bei einer Sprache von Standard sprechen kann, die so unbedeutend ist, dass sich nicht mal Droiden damit aufhalten.«

Eli erwiderte nichts darauf. Sy Bisti war tatsächlich eine hoch entwickelte und überaus nützliche Sprache. Unbedeutend waren lediglich die Leute, die sie sprachen, und die Welten, auf denen sie lebten.

»Sie können also einen Teil davon lesen?«, hakte Parck nach.

»Ja, Sir«, antwortete Eli. »Es scheint sich größtenteils um Frachtinformationen und den Namen des Unternehmens zu handeln, von dem der Inhalt stammt. Und dann steht da noch, wie groß und erfolgreich dieses Unternehmen ist.«

»Was denn, sie schreiben Werbung direkt auf ihre Frachtkisten?«, fragte Barris.

»Ja, Sir. Das tun viele der kleinen Unternehmen hier draußen.«

»Aber der Name dieses Unternehmens ist Ihnen nicht bekannt?«, wollte Parck wissen.

»Nein, Sir. Ich glaube, er lautet Red Bype oder Redder Bype. Vermutlich der Name des Eigentümers.«

Parck nickte. »Wir werden in unseren Aufzeichnungen nach dem Namen suchen. Was ist mit der zweiten Beschriftung?«

»Tut mir leid, Sir«, sagte Eli. »Diese Schrift habe ich noch nie gesehen.«

»Großartig«, murmelte Barris. »Damit fällt dieser Ort hier unter das US-Protokoll, egal ob es nun eine Schmugglerbasis oder die Zuflucht von Überlebenden eines Schiffsunglücks ist.«

Eli zuckte leicht zusammen. Das Unbekannte-Spezies-Protokoll war ein Relikt aus der Blütezeit der Republik, als man praktisch alle paar Wochen auf eine neue Spezies gestoßen war. Der Senat hatte damals bestimmt, dass man mit allen neuen Völkern Kontakt herstellen und sie studieren sollte. Solche Aufgaben waren aber nicht Sache der modernen imperialen Flotte, und man wollte auch nichts damit zu tun haben, wie das Oberkommando mehrfach klargestellt hatte.

An der Akademie gingen Gerüchte um, wonach Imperator Palpatine das Protokoll aufheben wollte, aber zumindest im Moment gehörte es noch zu den standardmäßigen Ordern, und es gab zu viele Senatoren, die es befürworteten.

Das würde den Zeitplan der Strikefast ordentlich durcheinanderbringen. Offiziere und Crew des Schiffes waren nicht gerade begeistert darüber, dass man ihnen einen Haufen Kadetten aufgehalst hatte, und Eli spürte, dass sie es kaum erwarten konnten, ihn und die anderen wieder auf Myomar abzusetzen. Der Fund hier würde diesen Abschied um mindestens zwei Tage verzögern.

»So ist es«, stimmte Parck zu. »Nun gut. Ihre Truppen sollen sich hier einrichten. Ich werde ein technisches Analyseteam rufen. Und halten Sie die Augen offen, für den Fall, dass unsere Schmuggler oder Gestrandeten zurückkommen.«

»Ja, Sir.« Barris’ Kommlink blinkte, und der Oberst zog das Gerät hervor. »Barris.«

»Hier ist Major Wyan von der Absturzstelle, Sir«, meldete sich eine angespannte Stimme. »Entschuldigen Sie die Störung, aber ich glaube, Sie sollten besser herkommen und sich das ansehen.«

Eli runzelte die Stirn. Das war das erste Mal, dass er von einer Absturzstelle hörte. »Ein Schiff ist abgestürzt, Sir?«, fragte er.

»Einer der V-Flügler ist runtergegangen«, erklärte Parck mit einem Nicken zur anderen Seite der Lichtung. Jenseits der Schwaden des abendlichen Nebels, die dort zwischen den Bäumen dahintrieben, konnte man in der Ferne flackernde Lichter ausmachen.

Eli nickte wortlos. Das Flackern war ihm bereits zuvor aufgefallen, aber er hatte angenommen, dass es nur weitere Mitglieder von Barris’ Team wären.

»Ich bin gleich da«, sagte der Oberst. »Falls Sie nichts dagegen haben, Kapitän?«

»Nur zu«, nickte Parck. »Ich bleibe mit Kadett Vanto hier. Vielleicht kann er uns ja noch mehr über die Beschriftung dieser Kisten sagen.«

Eli hatte das meiste davon entschlüsselt, als Barris gemeinsam mit einem Flotteninfanteristen in schwarzer Uniform und schwarzem Helm zurückkehrte. Der Oberst trug den Fliegeranzug eines V-Flügler-Piloten auf den Armen.

Nur war dieser Anzug mit Gras, Blättern und seltsam riechenden Beeren ausgestopft.

»Was ist das denn?«, fragte Parck.

»Das haben wir in der Nähe der Absturzstelle gefunden«, verkündete Barris grimmig, während er den Anzug vor dem Kapitän auf den Boden legte. »Keine Spur vom Piloten. Nur … das hier.« Er deutete mit der Hand.

»Eine Vogelscheuche«, murmelte Eli.

Parck bedachte ihn mit einem schneidenden Blick. »Ist so was normal bei diesen Leuten hier?«

»Einige Bauern benutzen noch Vogelscheuchen, um ihre Felder zu schützen«, sagte Eli. Sein Gesicht fühlte sich heiß an. Bei diesen Leuten hier. Parck machte keinen Hehl aus seinen Kernweltler-Vorurteilen. »Sie kommen auch bei Festen und Paraden zum Einsatz.«

Der Kapitän wandte sich wieder Barris zu. »Haben Sie nach dem Piloten gesucht?«

»Noch nicht, Sir«, erwiderte Barris. »Ich habe Befehl gegeben, rings um die Hütte in Stellung zu gehen, und ich werde eine weitere Einheit Truppen vom Schiff anfordern.«

»Gut«, sagte Parck. »Sobald sie hier sind, weiten Sie den Suchradius aus und finden Sie unseren Mann.«

»Jawohl, Sir«, bestätigte Barris. »Wir sollten aber bis zum Morgen warten.«

»Haben Ihre Soldaten Angst im Dunkeln?«

»Nein, Sir«, entgegnete der Oberst steif. »Aber wir haben auch die Notfallausrüstung aus dem V-Flügler gefunden. Der Blaster, die Ersatz-Energiemagazine und die Erschütterungsgranaten fehlen.«

Parcks Lippe zuckte. »Hinterwäldler mit Waffen. Wundervoll. Also schön. Suchen Sie, bis es dunkel wird, und machen Sie dann morgen früh weiter.«

»Falls es Ihnen lieber ist, können wir die Suche auch die ganze Nacht hindurch fortsetzen.«

Der Kapitän schüttelte den Kopf. »Es ist schwer genug, sich im Dunkeln auf unbekanntem Terrain zurechtzufinden. Ich habe zu viele Nachtpatrouillen gesehen, die die Orientierung verloren haben und dann das Feuer auf die eigenen Kameraden eröffneten. Und der aufziehende Nebel wird es nur noch schlimmer machen. Wir setzen die Luftüberwachung fort, aber Ihre Truppen bleiben bis Tagesanbruch im Lager.«

»Verstanden, Sir«, nickte Barris. »Wer immer die Granaten genommen hat, tut uns vielleicht den Gefallen und sprengt sich damit selbst in die Luft, bevor er sie gegen uns einsetzen kann.«

»Vielleicht.« Parck blickte zum dunkler werdenden Himmel hoch. »Ich kehre zum Schiff zurück und lasse das Suchraster der Sternjäger ausweiten.« Anschließend senkte er den Blick zu Eli. »Kadett, Sie bleiben mit Oberst Barris’ Team hier. Studieren Sie die Unterkunft und suchen Sie nach weiteren Aufschriften. Je früher wir alles über diesen Ort in Erfahrung bringen, desto früher können wir von hier verschwinden.«

Es war beinahe vollkommen dunkel, als Barris’ Leute ihren Schutzring errichtet hatten. Das Technikerteam hatte derweil im Schutz eines durchsichtigen Unterstands einen Untersuchungstisch aufgebaut, um das Gras und das Laub aus dem Fliegeranzug zu analysieren. Sie begannen gerade mit ihrer Arbeit, als Major Wyan und seine Suchmannschaft mit leeren Händen aus dem Wald zurückkehrten.

Sie hatten den Piloten des V-Flüglers also nicht gefunden. Aber zumindest schien es keine Verwundeten oder Toten unter ihnen zu geben. Wenn man bedachte, dass sich hier Primitive oder ein Schiffbrüchiger einer unbekannten Spezies mit Granaten und einem Blaster herumtrieben, war das gar nicht so schlecht, befand Eli im Stillen.

»Gibt es was Neues bezüglich des Anzugs?«, fragte Wyan, als er zu Barris herüberkam. Der Oberst beobachtete gerade die beiden Techniker, die sich über die ausgebreitete Füllung der »Vogelscheuche« beugten.

»Ja«, sagte Barris. Der Wind drehte kurz, und Eli schnappte den Hauch eines seltsamen Aromas auf, das ihm zuvor schon aufgefallen war. Vermutlich die Beeren, die die Techniker für ihre Analyse zerrieben hatten. »Bislang scheint es sich nur um einheimische Flora zu handeln. Vielleicht war es eine Art religiöses Ritual oder …«

Ohne Vorwarnung blitzte Licht auf, und hinter ihnen erklang der Donnerschlag einer Explosion.

»In Deckung!«, rief Barris. Er wirbelte herum, ließ sich auf ein Knie fallen und riss seinen Blaster heraus. Eli warf sich hinter einer der großen Kisten auf den Boden und spähte vorsichtig um den Rand herum. Auf halbem Weg zum Rand der Lichtung glommen die Flammen der Explosion im Gras; jenseits davon rannten Flotteninfanteristen mit feuerbereiten Blastern auf den nächstgelegenen Teil des Schutzkreises zu. Jemand aktivierte eine Taschenlampe, und der helle Lichtkegel wanderte durch den Wald, sodass der zwischen den Bäumen dahintreibende Nebel zu glühen schien. Eli folgte dem Lichtkegel mit den Augen und suchte nach dem Feind, der sie angegriffen hatte …

Stattdessen sah er, wie Barris von einer zweiten Explosion mit dem Gesicht voran zu Boden geschleudert wurde.

»Oberst!«, schrie Wyan.

»Alles in Ordnung«, rief Barris zurück. Die Ansammlung von Gras und Laub auf dem Untersuchungstisch hinter ihm stand in lodernden Flammen, und der Tisch selbst war durch die Explosion halb umgekippt. Dahinter stemmten sich die beiden Techniker wackelig auf Hände und Knie hoch. Eli hingegen blieb flach auf die Erde gepresst, einen leisen Fluch auf den Lippen, während er auf die unvermeidliche dritte Explosion wartete.

Doch das Unvermeidliche blieb aus. Einer nach dem anderen meldeten sich die Soldaten bei Barris, um zu bestätigen, dass der Schutzkreis intakt war. Wyan wagte sich bis zwanzig Meter über den Rand der Lichtung hinaus und durchsuchte den Wald, woraufhin er verkündete, dass die unbekannten Angreifer geflohen waren.

Die Tatsache, dass niemand etwas sah, konnte Eli aber nicht wirklich beruhigen; schließlich hatte vor dem Angriff auch niemand etwas gesehen.

Und die Explosionen selbst waren ebenfalls rätselhaft.

»Das waren definitiv keine Erschütterungsgranaten«, erklärte Wyan. »Dafür waren sie nicht stark genug. Ich tippe darauf, dass jemand die Zylinderstifte aus den Magazinen gezogen und sie überladen hat.«

»Ich glaube nicht, dass ›Hinterwäldler‹ auf die Idee kommen würden, so etwas zu tun«, kommentierte Eli mit gefurchter Stirn.

»Sehr scharfsinnig, Kadett«, entgegnete Wyan sarkastisch. »Oberst Barris glaubt, dass unser Schiffbrüchiger zurück ist.« Er deutete auf die Hütte. »Aber ich habe Sie nicht hergerufen, um Ihre Meinung zu unserer taktischen Situation zu hören. Mich interessiert eher, ob Sie in der Hütte oder den Kisten etwas gefunden haben, das uns einen Hinweis auf das Aussehen oder die technischen Kenntnisse des Feindes geben kann.«

»Nicht wirklich, Sir«, gestand Eli. »Die Form des Betts und das Essbesteck deuten auf einen Humanoiden hin. Aber das ist auch alles.«

»Was ist mit den Generatoren? Er muss ein bestimmtes Maß an technischem Wissen haben, um sie bedienen zu können, oder?«

»Nicht unbedingt«, sagte Eli. »Sie sind größtenteils automatisiert.«

Wyan blickte finster in die Nacht hinaus. »Warum dann der Angriff?«, murmelte er leise. »Und warum war er so halbherzig? Falls der Kerl schlau genug ist, um Blastermagazine zu überladen, sollte er auch schlau genug sein, den Sicherungsstift aus einer Granate zu ziehen.«

»Vielleicht will er uns verscheuchen, ohne sein Zuhause zu zerstören«, mutmaßte Eli.

Wyan warf ihm einen harten Blick zu, und es sah aus, als wollte er seine Warnung wiederholen, dass Kadetten keine militärischen Ratschläge geben sollten. Doch der Tadel blieb aus. Vielleicht fiel ihm wieder ein, dass Eli sich in diesem unbedeutenden Winkel der Galaxis auskannte. »Und wie gelangte er an unserem Schutzkreis vorbei?«

Ein leises, kratzendes Geräusch erklang neben Elis Füßen, und er schreckte zurück. Doch es war nur ein kleines Tier, das durchs Gras krabbelte. »Vielleicht hat er die Blastermagazine mit einem Katapult oder etwas Ähnlichem hierhergeschleudert.«

Wyan zog die Augenbrauen hoch. »Durch den Unterstand?«

Eli verzog das Gesicht, als er zu der Stelle verbrannten Grases hinüberblickte, von der noch immer Qualm aufstieg. Nein, natürlich nicht – ein heranfliegender Sprengkörper wäre vom Unterstand abgeprallt und nicht auf dem Tisch gelandet. Das war dumm von ihm gewesen. »Vermutlich nicht, Sir.«

»Vermutlich nicht, Sir«, echote Wyan sarkastisch. »Danke, Kadett. Machen Sie sich wieder an die Arbeit, und diesmal finden Sie besser etwas Hilfreiches.«

»Ja, Sir.«

»Major?«, rief Barris, während er über die Lichtung marschierte.

»Sir?« Wyan wirbelte zu dem Oberst herum.

»Der Kapitän schickt V-Flügler für eine weitere Rastersuche«, verkündete Barris. »Nehmen Sie in der Zwischenzeit Ihre Einheit und bauen Sie am Rand der Lichtung Scheinwerfer auf – ich will, dass der Waldrand so hell erleuchtet ist wie das Innere eines Zündmoduls. Und danach stellen Sie die Sensoren neu ein. Das nächste Mal, wenn uns Sprengkörper um die Ohren fliegen, möchte ich es vorher wissen.«

Wyans Antwort ging in plötzlichem Triebwerksgrollen unter, als zwei V-Flügler dicht über den Baumwipfeln vorbeiheulten. »Was?«, fragte Barris.

»Ich wollte den Oberst nur daran erinnern, dass es hier jede Menge Vögel gibt«, wiederholte Wyan. »Und auch kleine Bodentiere – ich hätte mir gerade eben fast den Knöchel verstaucht, als ich auf eins davon getreten bin. Falls wir die Sensoren zu genau einstellen, wird es heute Nacht einen Alarm nach dem anderen geben.«

»Na schön, vergessen Sie das mit den Sensoren«, sagte Barris. »Kümmern Sie sich einfach um die Scheinwerfer …«

Plötzlich verwandelte helles Licht die nächststehenden Bäume in dunkle Silhouetten, als irgendwo in der Ferne ein Feuerball hochloderte. »Was zum …?«, grollte Wyan.

»Da ist ein V-Flügler abgestürzt!«, schnappte Barris, die Hand bereits an seinem Kommlink. »Rettungsteam zum Transporter. Sofort!«

Diesmal war die Leiche des Piloten nicht verschwunden. Sein Blaster hingegen schon, ebenso wie die Energiemagazine und die Erschütterungsgranaten.

Gerüchte und Spekulationen machten die Runde.

Eli arbeitete in der Hütte des Schiffbrüchigen, folglich bekam er von den meisten der gewisperten Diskussionen nicht viel mit. Doch hin und wieder kam einer der Techniker herein, um etwas Neues zur Analyse zu holen, und die meisten von ihnen informierten ihn redselig über ihre eigenen Vermutungen, wobei sie vorgaben, sie hätten keine Angst.

Aber sie hatten Angst.

Ebenso wie Eli. Die Flutlichter, die entlang des Waldrands gleißten, hatten weitere Angriffe verhindert, aber die Schwärme von Insekten und nachtaktiven Vögeln, die sie anlockten, waren beinahe ebenso nervenaufreibend. Die V-Flügler, die über ihren Köpfen hin und her sausten, erzeugten die Illusion von Schutz und Sicherheit, aber Elis Körper verspannte sich jedes Mal, wenn sie vorüberflogen, und er fragte sich, wann wohl die nächste Maschine vom Himmel stürzen würde.

Und als wäre das nicht genug, war da noch das Warum.

Warum passierte das alles? Versuchte jemand, die Imperialen zu verscheuchen? Oder wollte der Angreifer sie hier festnageln? Oder sie verwirren? Oder, die schlimmste Möglichkeit: War das hier irgendein makabres Spiel?

War der mit Gras gefüllte Pilotenanzug ein Trick gewesen, ein Ablenkungsmanöver, oder einfach nur ein Ritual der Eingeborenen?

Zumindest auf diese Frage erhielt Eli eine Antwort. Es war ungefähr Mitternacht, und nach einer Komm-Besprechung mit Kapitän Parck gab Barris Befehl, den ausgestopften Fliegeranzug noch einmal genau zu untersuchen.

Erst da entdeckten sie, dass das Kommlink des Helms fehlte.

»Clevere kleine Echsenaffen«, knurrte Barris, als Eli näher an die Unterhaltung heranrückte. »Was ist mit dem anderen?«

»Das Kommlink ist noch hier«, meldete Wyan, nachdem er in den Helm des zweiten abgeschossenen Piloten geblickt hatte. »Sie hatten wohl keine Zeit, es herauszunehmen.«

»Oder sie wollten es gar nicht«, entgegnete Barris.

»Weil sie unsere Kommunikation ohnehin schon abhören können?«

»Genau«, nickte der Oberst. »Aber damit ist es jetzt vorbei. Rufen Sie die Strikefast und lassen Sie diese Frequenz sperren.«

»Jawohl, Sir.«

Barris richtete seinen grimmigen Blick auf Eli. »Haben Sie auch etwas beizutragen, Kadett? Oder haben Sie uns ebenfalls nur belauscht?«

»Ja, Sir«, sagte Eli. »Ich meine, nein, Sir. Ich wollte melden, dass ich zwischen der inneren und der äußeren Hülle eines der Container ein paar Münzen gefunden habe. Sie stammen aus der Anfangszeit der Klonkriege. Es sieht aus, als wäre unser Schiffbrüchiger schon seit einer ganzen Weile hier …«

»Moment«, unterbrach ihn Barris. »Münzen?«

»Viele Piloten hier draußen legen frisch geprägte Münzen von geringem Wert in ihre Frachtkisten«, erklärte Eli. »Es soll Glück bringen, außerdem ist es eine Art Versicherung, für den Fall, dass jemand versucht, die Daten auf dem Ladungsverzeichnis zu ändern. Wenn die Piloten die Kisten wieder zurückerhalten, nehmen sie die Münzen raus und ersetzen sie durch neue.«

»Falls der Schiffbrüchige gemeinsam mit den Kisten auf diesem Planeten gelandet ist, müsste er also seit mehreren Jahren hier sein«, brummte Wyan nachdenklich. »Das könnte sein Verhalten erklären.«

»Finde ich nicht«, warf Barris ein. »Falls er eine Mitfluggelegenheit zurück in die Zivilisation will, warum kommt er dann nicht einfach aus dem Wald und fragt?«

»Vielleicht war er auf der Flucht, als er abstürzte«, gab Wyan zu bedenken. »Oder vielleicht kam er freiwillig hierher und will nur, dass wir verschwinden.«

»In dem Fall steht ihm eine große Enttäuschung bevor«, sagte Barris. »Also gut, Kadett, suchen Sie weiter. Soll ich Ihnen zur Unterstützung einen Techniker zuweisen?«

»Es ist nicht sonderlich viel Platz in der Hütte, Sir. Wir würden einander vermutlich nur im Weg stehen.«

»Dann machen Sie sich wieder an die Arbeit«, befahl Barris. »Früher oder später wird unser Freund sein Glück überstrapazieren. Und wir werden bereit sein, wenn das passiert.«

In dieser Nacht gab es fünf Opfer unter den Flottentruppen, die den Schutzkreis am Rand der Lichtung bildeten. Drei von ihnen wurden durch den unsichtbaren Feind ausgeschaltet – ihre Brustplatten oder Helme waren durch Erschütterungsgranaten zerfetzt. Niemand sah irgendetwas, weder vor den Angriffen noch danach. Die beiden anderen Opfer wurden versehentlich von ihren eigenen nervösen Kameraden erschossen, die sie im nebelverhangenen Dunkel für Eindringlinge hielten.

Als die Morgenröte den Himmel erhellte, war Barris wieder am Komm und machte Meldung bei der Strikefast, und kaum dass die Sonne den letzten Rest des nächtlichen Nebels aufgelöst hatte, trafen zwei weitere Einheiten Sturmtruppen ein. Sie besprachen sich mit Barris und marschierten dann im Eilschritt in den Wald, die Blaster vor der Brust.

Eli bezweifelte, dass sie bei der Suche nach dem rätselhaften Angreifer mehr Glück haben würden als Barris’ Leute. Doch auch er musste zugeben, dass die Gegenwart der weißgerüsteten Krieger der Moral einen höchst willkommenen Schub versetzte.

Er war gerade dabei, auf der Suche nach weiteren Markiermünzen die letzte Kiste auseinanderzunehmen, als er auf der anderen Seite der Hütte ein leises, aber durchdringendes Kreischen hörte, gefolgt von lauten Rufen und Verwünschungen.

Ein Alarm? Eli zog sein Kommlink hervor und aktivierte es.

Nur um es hastig wieder auszuschalten und es so weit von sich wegzuhalten, wie er nur konnte, als das Jaulen von draußen ohrenbetäubend laut in seinen Ohren explodierte.

Jemand blockierte ihre Komms.

»Alle Truppen in Alarmbereitschaft!«, hörte er Barris auf der anderen Seite der Lichtung brüllen. »Alle Truppen in Alarmbereitschaft. Major Wyan, wo stecken Sie?«

Eli eilte um die Hütte herum und wäre beinahe mit einer Flotteninfanteristin zusammengestoßen, die auf den Schutzkreis am Waldrand zurannte. Ihr Gesicht unter dem schweren schwarzen Helm war aschfahl, ihre Uniform von Staub befleckt. Im selben Moment, als Eli Barris entdeckte, trat Wyan an die Seite des Kapitäns. »Alle Kommkanäle sind gestört, Sir«, meldete der Major.

»Ich weiß«, grollte Barris. »Genug ist genug. Achtzehn Sturmtruppen irren da draußen im Wald herum – schicken Sie ein paar Ihrer Leute los, um sie zurückzurufen. Wir rücken ab.«

»Wir ziehen uns zurück, Sir?«

»Haben Sie ein Problem damit?«

»Nein, Sir. Aber was ist damit?« Wyan deutete mit dem Daumen auf die Hütte. »Das Protokoll verlangt, dass wir dieses Lager untersuchen.«

Barris starrte ein paar Sekunden finster zu dem Bauwerk hinüber. »Aber wir müssen es nicht hier untersuchen«, erklärte er dann. »Wir nehmen alles mit.«

Wyans Kiefer sackte nach unten. »Zur Strikefast?«

»Warum nicht?«, entgegnete der Oberst, aber er wirkte, als würde er die Sache gerade erst in Gedanken durchgehen. »Wir haben mehr als genug Platz im Shuttle. Geben Sie den Technikern Befehl, die schweren Repulsorlifte von Bord zu holen und sich an die Arbeit zu machen.«

Wyan sah sich mit einem sichtlichen Mangel an Enthusiasmus auf der Lichtung um. »Ja, Sir.«

»Und sagen Sie ihnen, sie sollen sich beeilen«, rief Barris ihm nach, während der Major sich entfernte. »Dass sie unsere Kommlinks blockieren, kann nur bedeuten, dass sie einen groß angelegten Angriff planen.«

Eli presste sich dicht gegen die Hütte und blickte zum Waldrand hinüber. Er konnte keine lauernden Feinde entdecken, andererseits hatte zuvor ja auch nie jemand etwas gesehen.

Drei Minuten später marschierte eine Gruppe grimmig dreinblickender Infanteristen auf die Hütte zu und begann, Repulsorliftplatten an den Generatoren und Frachtkisten zu befestigen. Einer der Techniker blieb bei Eli, während die anderen ihre Beute zurück zum Shuttle bugsierten, und die beiden besprachen, wie man das Bauwerk transportieren könnte, ohne es zu zerstören.

Sie diskutierten noch immer über verschiedene Möglichkeiten, als die ersten Sturmtruppen, wie von Barris befohlen, aus dem Wald zurückkehrten. Die Komms blieben weiterhin blockiert, während sich die restlichen Truppen vor dem Lager sammelten und eine defensive Formation einnahmen, die Gesichter dem Wald zugewandt, in Erwartung eines Angriffs, von dem sie alle glaubten, dass er kommen würde.

Doch er kam nicht. Eine halbe Stunde später waren Hütte, Generatoren und Kisten an Bord des Shuttles gebracht, und die Gruppe wartete auf den Befehl zum Aufbruch.

Es gab nur ein kleines Problem. Einer der Sturmtruppler war verschwunden.

»Was soll das heißen, verschwunden?«, fragte Barris so laut, dass man seine Stimme auf der gesamten Lichtung hören konnte. Hinter ihm marschierten drei Sturmtruppler pflichtbewusst in den Wald zurück. »Wie kann ein Sturmtruppler einfach so verschwinden?«

»Ich weiß es nicht, Sir«, sagte Wyan, während er sich umblickte. »Aber Sie haben recht. Je früher wir von hier verschwinden, desto besser.«

»Natürlich habe ich recht«, erwiderte Barris. »Lassen Sie die Techniker an Bord gehen, gefolgt von Ihren Truppen in standardmäßiger Nachhutformation.«

»Was ist mit den Sturmtruppen?«, wollte Wyan wissen.

»Die haben ihren eigenen Transporter«, erklärte der Oberst. »Sie können hierbleiben und so lange das Unterholz durchkämmen, wie sie wollen. Wir für unseren Teil brechen auf, sobald alle Mann an Bord sind.«

Das war alles, was Eli hören wollte. Barris hatte ihn bei seinem Befehl nicht direkt erwähnt, aber er war mehr Techniker als Soldat, und so wandte er sich zu dem Shuttle um.

Doch dann hielt er inne. Einer der Sturmtruppler stand steif vor der Rampe Wache, seine Waffe kampfbereit vor der Brust. Falls er etwas dagegen hatte, dass Barris ihn und seine Kameraden hier zurücklassen wollte …

Da barst der Sturmtruppler ohne jede Vorwarnung in einer heftigen Explosion auseinander.

Eli warf sich sofort flach auf dem Boden. »Alarm!«, hörte er jemanden rufen, die Stimme verzerrt durch das Klingeln in seinen Ohren. Eine Handvoll Sturmtruppler stürmte auf den Wald zu, aber Eli konnte nicht sagen, ob sie tatsächlich jemanden entdeckt hatten oder einfach nur hofften, ihren Angreifer auf gut Glück zu erwischen. Er blickte wieder zum Shuttle hinüber …

Sein Atem stockte. Der Rauch der Explosion lichtete sich und enthüllte, dass das Schiff selbst nur kleinere Schäden davongetragen hatte, die meisten davon Bagatellen; nichts, was die Flugfähigkeit oder die Widerstandfähigkeit der Hülle beeinträchtigen sollte. Die Rüstung des Sturmtrupplers – nun nicht mehr strahlend weiß, sondern rußgeschwärzt – lag in ihren Einzelteilen um die Stelle herum, wo der Soldat gestanden hatte.

Sie war alles, was noch übrig war. Es gab keine Leiche.

»Nein«, hörte Eli sich selbst murmeln. Das war unmöglich. Eine Detonation, die das Schiff dahinter kaum beschädigte, konnte einen Körper nicht vollkommen auflösen. Schon gar nicht, ohne dabei auch die Rüstung zu zerfetzen.

Er nahm eine Bewegung zu seiner Linken wahr. Die drei Sturmtruppler, die nach dem verschwundenen Soldaten gesucht hatten, traten wieder auf die Lichtung. Sie hatten ihren Kameraden gefunden.

Oder zumindest das, was noch von ihm übrig war.

Eli hatte fast erwartet, dass der Shuttle und der Truppentransporter unter Beschuss geraten würden, als sie in den Himmel emporstiegen. Aber ihnen zuckten keine Raketen hinterher, keine Laserimpulse, keine von Katapulten hochgeschleuderten Granaten. Und kurz darauf waren sie wieder sicher im Hangar der Strikefast – zu Elis grenzenloser Erleichterung.

Kapitän Parck wartete am Fuß der Rampe, während die Männer von Bord gingen. »Oberst«, sagte er mit einem grimmigen Nicken, als Barris hinter Eli auftauchte. »Wann habe ich Ihnen Erlaubnis erteilt, Ihren Posten zu verlassen?«

»Das haben Sie nicht, Sir«, erwiderte Barris, und Eli hatte keine Mühe, die Müdigkeit in seiner Stimme wahrzunehmen. »Aber ich war der Befehlshabende vor Ort. Ich tat, was ich für das Beste hielt.«

»Ja«, murmelte Parck. Eli linste über die Schulter und sah, wie der Kapitän von Barris zu dem Shuttle selbst blickte. »Mir wurde mitgeteilt, Sie hätten alles von der Lichtung mitgenommen.«

»Ja, Sir«, bestätigte der Oberst. »Alles, was dort war, bis hin zur Erde auf dem Boden. Die Techniker können mit der Arbeit beginnen, wann immer Sie möchten.«

»Das eilt nicht«, sagte Parck. »Sie werden mich jetzt erst einmal in mein Büro begleiten. Die anderen werden sich zur Nachbesprechung melden.« Er wandte sich zu den aufgereihten Technikern und Flotteninfanteristen um.

Und dann fiel sein Blick auf Eli.

Hastig drehte der Kadett den Kopf wieder nach vorne. Es gehörte sich nicht, Offiziere zu belauschen. Hoffentlich hatte Parck es nicht bemerkt.

Eine vergebliche Hoffnung. »Kadett Vanto?«

Eli wappnete sich und machte auf dem Absatz kehrt. »Ja, Sir?«

»Sie werden uns ebenfalls begleiten«, erklärte Parck. »Kommen Sie.« Er ging los, und sie folgten ihm aus dem Hangar.

Doch zu Elis Überraschung führte ihr Weg sie nicht zum Büro des Kapitäns. Stattdessen marschierte Parck zum Kontrollraum über dem Hangar, dessen Beleuchtung seltsamerweise gedämpft war. »Sir?«, fragte Barris, als der Kapitän ans Beobachtungsfenster trat.

»Ein Experiment, Oberst.« Parck wandte sich im Halbdunkel zu dem Mann an der Kontrollkonsole. »Sind alle fort? Gut. Dann schalten Sie das Licht im Hangar aus.«

Barris trat neben ihn, als die Beleuchtung vor dem Fenster zu nachtähnlicher Düsternis verblasste, und Eli schob sich vorsichtig von der anderen Seite hinter Parck; er wollte keine Aufmerksamkeit erregen, gleichzeitig aber sehen, was vor sich ging. Der Shuttle und der Truppentransporter unter ihnen waren deutlich zu erkennen; jenseits davon, im hinteren Teil des Hangars, standen drei Shuttles der Zeta-Klasse und ein Harbinger-Kurierschiff. »Was für ein Experiment?«, wollte Barris wissen.

»Ich möchte eine Theorie überprüfen«, erklärte Parck. »Machen Sie es sich bequem, Oberst; Kadett. Das könnte eine Weile dauern.«

Sie warteten beinahe zwei Stunden, bis eine schattenhafte, menschlich wirkende Gestalt aus dem Shuttle huschte. Lautlos bewegte sie sich durch den abgedunkelten Hangar auf die anderen Schiffe zu, wobei sie alles an Deckung nutzte, was sie auf dem Weg dorthin fand.

»Wer ist das?«, fragte Barris, während er sich näher zu der Transparistahlscheibe vorbeugte.

»Die Quelle unserer Probleme unten auf dem Planeten, falls ich mich nicht irre«, antwortete Parck mit sichtlicher Befriedigung. »Ich glaube, wir haben unseren Schiffbrüchigen gefunden.«

Eli blinzelte, die Brauen zusammengezogen. Ein Mann? Ein einzelner Mann?

Barris konnte es offensichtlich auch nicht glauben. »Das ist unmöglich, Sir«, protestierte er. »Eine Person allein kann nicht für diese Angriffe verantwortlich sein. Er muss Hilfe gehabt haben.«

»Dann lassen Sie uns noch einen Moment warten und sehen, ob sich ihm jemand anschließt«, sagte Parck.

Doch niemand sonst tauchte auf, während die schattenhafte Gestalt zu den anderen Schiffen schlich. Dort hielt sie einen Moment inne, als würde sie überlegen, dann trat sie bedächtig vor die Luke des mittleren Zeta-Shuttles und verschwand im Inneren. »Es scheint, als wäre er in der Tat allein«, konstatierte Parck, anschließend zückte er sein Kommlink. »Er ist im mittleren Zeta. Waffen auf Betäubung. Ich will ihn lebend und unverletzt.«

Nach all dem Ärger, den der Schiffbrüchige auf der Oberfläche verursacht hatte, erwartete Eli, dass er den Sturmtruppen einen heftigen Kampf liefern würde. Doch zu seiner Überraschung ergab sich der Fremde ohne jeglichen Widerstand.

Vielleicht hatten sie ihn überrumpelt. Vermutlich erkannte er aber einfach, wie sinnlos Gegenwehr wäre.

Zumindest wusste Eli jetzt, warum Parck ihn mit in den Kontrollraum genommen hatte. Die Frachtkisten des Gefangenen waren mit einer Abart von Sy Bisti beschriftet; falls der Mann ebenfalls diese Sprache sprach – und falls es die einzige Sprache war, die er beherrschte –, würden die Imperialen einen Dolmetscher brauchen.

Die Gruppe war auf halbem Weg zu dem Ausgang, wo Parck, Barris, Eli und ihre Sturmtruppen-Eskorte warteten, als die Beleuchtung im Hangar wieder eingeschaltet wurde.

Wie Eli bereits aufgefallen war, war der Gefangene von menschlicher Statur und Größe, aber da endeten die Ähnlichkeiten zu einem normalen Menschen auch schon. Seine Haut war blau, seine Augen glühten rot, und sein Haar schimmerte in tiefem Blauschwarz.

Eli versteifte sich. In seiner Heimat auf Lysatra gab es Legenden über solche Wesen; über stolze, tödliche Krieger, die in den Geschichten Chiss genannt wurden.

Mühsam riss er die Augen von dem Gesicht des Fremden los und verdrängte die alten Mythen seiner Kindheit. Die Kleidung des Gefangenen schien aus zusammengenähtem Fell und Tierhäuten zu bestehen, dem Aussehen nach von der einheimischen Fauna des Waldes, in dem er gelebt hatte. Obwohl er in der Mitte eines Rechtecks aus bewaffneten Sturmtrupplern ging, umgab ihn eine Aura beinahe königlichen Selbstbewusstseins.

Selbstbewusstsein. Das war auch Teil der alten Geschichten.

Die Sturmtruppen führten den Fremden bis auf ein paar Meter heran und bedeuteten ihm dann stehen zu bleiben. »Willkommen an Bord des Venator-Sternzerstörers Strikefast«, sagte der Kapitän. »Sprechen Sie Basic?«

Einen kurzen Moment schien der Nichtmensch ihn zu studieren. »Oder Sy Bisti?«, fügte Eli in dieser Sprache hinzu.

Barris warf ihm einen Blick zu, und der Kadett zuckte zusammen. Das war dumm gewesen. Er hätte auf einen Befehl warten sollen. Der Gefangene musterte ihn ebenfalls, aber sein Gesichtsausdruck wirkte eher nachdenklich als verärgert.

Kapitän Parck für seinen Teil war ganz auf den Fremden konzentriert. »Ich nehme an, Sie haben ihn gefragt, ob er Sy Bisti spricht?«

»Ja, Sir«, bestätigte Eli. »Entschuldigen Sie, Kapitän. Ich dachte nur … In den alten Geschichten heißt es, die Chiss sprechen Sy Bisti, wenn sie …«

»Die was?«, fragte Parck.

»Die Chiss«, wiederholte Eli, und er spürte, wie ihm die Hitze in die Wangen stieg. »Sie sind eine … nun, meine Leute hielten sie immer für einen Mythos des Wilden Raums.«

»Ist das so?« Parck beäugte den Gefangenen. »Nun, es scheint, als wären sie mehr als bloß ein Mythos. Aber ich habe Sie unterbrochen. Fahren Sie fort.«

»Ich wollte nur sagen, dass die Chiss in den alten Geschichten Sy Bisti sprachen, wenn sie mit unserer Spezies in Kontakt traten.«

»Weil Sie diese Sprache uns gegenüber benutzt haben«, erklärte der Gefangene gelassen.

Eli zuckte zusammen. Der Chiss hatte Sy Bisti gesprochen … aber er reagierte auf eine Bemerkung, die der Kadett auf Basic gemacht hatte. »Verstehen Sie Basic?«, fragte er, wieder auf Sy Bisti.

»Ein wenig«, erwiderte der Gefangene in derselben Sprache. »Aber das hier liegt mir mehr.«

Eli nickte. »Er sagt, er verstehe etwas Basic, aber Sy Bisti liege ihm mehr.«

»Ich verstehe«, nickte Parck. »Nun gut. Ich bin Kapitän Parck, Kommandant dieses Schiffes. Wie lautet Ihr Name?«

Eli öffnete den Mund … »Nein«, hielt Parck ihn mit erhobener Hand zurück. »Sie können seine Antworten übersetzen, aber ich möchte sehen, wie viel Basic versteht. Ihr Name, bitte?«

Einen Moment lang schwieg der Chiss, und sein Blick wanderte durch den Hangar. Er wirkte aber nicht wie ein Wilder, der von der Größe und der technologischen Pracht um ihn herum überwältigt war, dachte Eli, eher wie ein Militär, der die Stärken und Schwächen seines Feindes abschätzte.

»Mitth’raw’nuruodo«, antwortete er schließlich, als sich seine Augen wieder auf Parck richteten. »Aber ich denke, es ist einfacher für Sie, wenn Sie mich einfach Thrawn nennen.«

2

Wichtige Entscheidungen oder Ereignisse können den Pfad eines Lebens ändern. Und solche Geschehnisse haben mich auf meinen gegenwärtigen Weg geführt.

Aber manchmal kann auch die kleinste Begebenheit den Pfad in eine andere Richtung lenken. Im Fall von Eli Vanto war es ein einzelnes Wort.

Chiss. Wo hatte er diesen Namen gehört? Welche Bedeutung hatte er für ihn? Eine Antwort hatte er bereits gegeben, aber es mochte noch weitere geben. Die Wahrheit hatte nicht selten mehrere Schichten. Wie sahen sie in diesem Fall aus?

Auf einem so großen Schiff gab es nur eine praktikable Möglichkeit, das herauszufinden.

Also beschrieb mein Pfad eine weitere Wendung. Und seiner ebenfalls.

»Thrawn«, wiederholte Parck, wie um sich an den Klang des Namens zu gewöhnen. »Sehr schön. Wie ich schon sagte, willkommen. Sie sollen wissen, dass wir nicht vorhatten, Ihren Frieden zu stören. Wir waren auf der Suche nach Schmugglern und stießen dabei zufällig auf Ihr Heim. Eine unserer Vorschriften verlangt, dass wir alle unbekannten Spezies studieren, auf die wir stoßen.«

»Ja«, erwiderte Thrawn auf Sy Bisti. »Das sagten auch die Händler, die als Erste mit meinem Volk Kontakt aufnahmen.«

»Er versteht, Sir«, übersetzte Eli. »Sein Volk hatte Kontakt mit Händlern, und sie haben die Chiss über diese Vorschrift in Kenntnis gesetzt.«

»Warum hast du dich dann nicht gezeigt?«, wollte Barris wissen. »Warum hast du uns angegriffen und meine Leute getötet?«

»Es war notwendig …«, begann Thrawn auf Sy Bisti.

»Genug«, fuhr Barris dazwischen. »Er versteht Basic. Das bedeutet, er kann es auch sprechen. Also sprich! Warum hast du meine Männer angegriffen und getötet?«

Einen Moment lang betrachtete der Gefangene ihn nachdenklich. Eli warf Parck einen Blick zu, aber der Kapitän blieb stumm.

»Na gut«, sagte Thrawn auf Basic. Die Worte waren mit einem schweren Akzent behaftet, aber verständlich. »Es war nötig.«

»Warum?«, fragte Parck. »Was wollten Sie damit bezwecken?«

»Ich wollte nach Hause zurück.«

»Sie waren also schiffbrüchig auf diesem Planeten?«

»Ich war …« Er sah Eli an. »Xishu azwane.«

Der Kadett blinzelte. Er war …? »Er sagt, er war im Exil«, erklärte er den anderen.

Das Wort hing schwer in der von Schiffsabgasen geschwängerten Luft des Hangars. Eli starrte Thrawn an, während er die Lagerfeuergeschichten aus seiner Kindheit Revue passieren ließ. Die alten Legenden hatten die Einheit und die militärische Macht der Chiss betont.

Nie war die Rede davon gewesen, dass sie einen der Ihren verstoßen könnten.

»Warum?«, erkundigte sich Parck.

Thrawn wandte sich zu Eli um. »Auf Basic, falls es geht«, sagte der Kadett.

Der Chiss sah wieder Parck an. »Die Anführer und ich sahen die Dinge nicht auf dieselbe Weise.«

»Und diese Meinungsverschiedenheiten waren so groß, dass man Sie ins Exil schickte?«

»Ja.«

»Interessant«, murmelte der Kapitän. »Gut, darum haben Sie also Spielchen mit Oberst Barris’ Leuten gespielt. Jetzt sagen Sie uns, wie.«

»Es war leicht«, erklärte Thrawn. »Ihr Schiff stürzte ab, nicht weit von dem Ort meines … Exils. Ich konnte es mir ansehen, bevor die anderen Soldaten kamen. Der Pilot war tot. Ich nahm seine Leiche und versteckte sie.«

»Und dann hast du seinen Anzug mit Gras ausgestopft«, fügte Barris hinzu. »In der Hoffnung, wir würden nicht merken, dass du seine Ausrüstung gestohlen hast.«

»Das auch«, sagte der Chiss. »Wichtig war aber, dass Sie den Anzug und die schlechten Pyussh-Beeren mitnahmen.«

»Die Beeren?«, echote Barris.

»Ja. Schlechte Pyussh-Beeren locken die kleinen Tiere der Nacht an.«

Eli nickte leicht. Schlecht – vergoren; Tiere der Nacht – nachtaktive Tiere. Es klang, als hätte Thrawn einen ziemlich großen Basic-Wortschatz, aber die spezifischeren Ausdrücke fehlten ihm, weswegen er improvisierte. Auch seine Grammatik war wackelig, was darauf hindeutete, dass er sie aus Büchern gelernt hatte, anstatt sie sich durch Unterhaltungen anzueignen.

Bedeutete das, dass die Chiss nur eingeschränkten Kontakt mit Spezies außerhalb der Unbekannten Regionen hatten?

»Also hast du die präparierten Blastermagazine an die Tiere geschnallt«, sagte Barris. »So hast du sie an unserem Schutzkreis vorbeibekommen.«

»Ja«, antwortete der Gefangene. »Und so habe ich später die Soldaten angegriffen. Ich warf Beeren auf ihre Rüstung.«

»Aber Sie haben auch einen weiteren Sternjäger vom Himmel geholt«, entgegnete Parck. »Wie haben Sie das gemacht?«

»Ich wusste, Schiffe würden kommen, um mich zu suchen, und ich habe mich vorbereitet. Ich band …« Er zögerte. »Ohuludwu.«

»Drahtseile«, übersetzte Eli.

»Drahtseile zwischen die Baumspitzen. Das Schiff flog dagegen.«

»Und bei dieser Höhe konnte der Pilot nicht rechtzeitig reagieren«, brummte Parck mit einem Nicken. »Es hätte Ihnen übrigens nichts gebracht, falls sie den Jäger intakt in die Hände bekommen hätten. Er besaß keinen Hyperantrieb.«

»Ich wollte nicht den Jäger«, erwiderte Thrawn. »Ich wollte das …« Wieder eine Pause. »Ezenti ophu ocengi.«

»Die Ausrüstung und das Kommlink des Piloten«, übersetzte Eli.

»Aber er hat das Kommlink nicht genommen«, warf Barris ein. »Wir haben die Uniform im Lager überprüft, und das Komm war noch da.«

»Nein«, erklärte Thrawn. »Es war das … Kommlink des ersten Piloten.«

Eli nickte vor sich hin. Gerissenheit, taktische Finesse und Souveränität in jeder Situation. Das waren die Eigenschaften eines wahren Chiss – zumindest in den alten Geschichten.

Dennoch: Exil?

»Wie einfallsreich«, räumte Parck ein. »Für uns sah die Sache eindeutig aus, weswegen sich niemand die Mühe machte, die Seriennummer zu kontrollieren. Und da wir nur die Frequenz des ersten Kommlinks gesperrt hatten, nachdem es verschwand, konnten Sie uns über das zweite weiterhin belauschen.«

»Du hast also einen Mann getötet, nur um an sein Kommlink zu gelangen«, grollte Barris. Er fand den Einfallsreichtum des Gefangenen offensichtlich nicht so beeindruckend wie der Kapitän. »Warum hast du meine Männer danach weiter angegriffen? Zum Spaß?«

»Ich töte nicht gern«, erklärte Thrawn ernst. »Aber Soldaten mit voller Rüstung mussten kommen.«

»Mit voller …?« Barris brach ab. »Die Sturmtruppen? Du wolltest, dass wir Sturmtruppen schicken?«

»Die anderen Soldaten haben Helme.« Der Chiss zeichnete einen imaginären Helmrand auf seiner Stirn nach. »Das reichte nicht.« Er hob die Hand vor sein Gesicht. »Ich brauchte eine Maske.«

»Weil Sie nur so unbemerkt das Lager betreten konnten«, kommentierte Parck mit einem Nicken.

»Ja«, sagte Thrawn. »Ich brachte ein Magazin vor einem Soldaten zur Explosion, damit ich die Rüstung nehmen und sie untersuchen konnte …«

»Und wie hast du das bewerkstelligt, ohne dass irgendjemand die Explosion hörte?«, schnitt Barris ihm das Wort ab.

»Das … Kommlink«, erklärte der Chiss.

»Natürlich – die Rückkopplung aus den Komms«, knurrte der Oberst.

»Der Lärm übertönte die Explosion. Die Rüstung hat mir verraten, wie ich Soldaten töten kann, ohne Lärm zu machen, ohne sichtbaren Schaden. Ich tötete einen, nahm seine Rüstung und ging zum Schiff.«

»Während wir unsere Ausrüstung an Bord brachten?«, fragte Barris.

»Ich nutzte einen Moment, als niemand an Bord war«, antwortete Thrawn. »Dann habe ich die Rüstung am Eingang des Schiffes mit kleinen Ästen aufrecht hingestellt, mit einer Granate innen, um sie zu zerstören.«

»Ein Ablenkungsmanöver, damit wir nicht merken, dass tatsächlich zwei Sturmtruppler verschwunden sind«, sagte Parck. »Wo haben Sie sich während des Transports versteckt?«

»Im Gehäuse des zweiten Energiegenerators«, weihte Thrawn sie ein. »Er ist beinahe leer. Ich habe die meisten Teile benutzt, um den anderen zu reparieren.«

»Ich nehme an, Sie waren eine ganze Weile auf diesem Planeten«, murmelte Parck. »Ich kann verstehen, dass Sie so verzweifelt von dort fortwollten.«

Thrawn straffte die Schultern. »Ich bin nicht verzweifelt. Aber mein Volk braucht mich.«

»Warum?«

»Sie sind in Gefahr. Es gibt viele Gefahren in der Galaxis. Gefahren für mein Volk. Gefahren für Sie.« Er vollführte eine seltsame Handbewegung. »Sie sollten von meinem Volk lernen.«

»Aber Ihr Volk hat Sie ins Exil geschickt«, erinnerte ihn Parck. »Ging es bei Ihrer Meinungsverschiedenheit darum? Um die Größenordnung dieser Gefahren?«

Thrawn blickte Eli an. »Können Sie das wiederholen?«, bat er auf Sy Bisti.

Eli übersetzte die Frage des Kapitäns. »Wir alle sehen die Gefahren«, antwortete Thrawn nun in seinem akzentbehafteten Basic. »Unsere Meinungen waren unterschiedlich, was die Lösung angeht. Sie wollen keinen … ezeboli hlusalu.«

Eli schluckte hart. »Sie wollen keinen Präventivschlag.«

»Dann braucht Ihr Volk Schutz«, sagte Parck, wobei sich sein Tonfall auf subtile Weise änderte. »Aber wie wollen Sie das bewerkstelligen, ganz allein und ohne Schiffe oder Verbündete?«

Eli runzelte die Stirn. Eine seltsame Frage. Wollte der Kapitän herausfinden, ob der Gefangene womöglich Verbündete unter den Chiss hatte?

Thrawn schien sich nicht daran zu stören. »Ich weiß es nicht«, erklärte er ruhig. »Ich werde einen Weg finden.«

»Da bin ich sicher«, nickte Parck. »Aber in der Zwischenzeit könnten Sie sicher ein wenig Erholung gebrauchen. Es war ein hektischer Tag. Commander?«

»Sir?« Einer der Sturmtruppler trat vor.

»Sie und Ihre Einheit werden unseren Gast zum Büro des Deckoffiziers begleiten, während wir eine Unterbringung und Erfrischungen für ihn vorbereiten«, befahl Parck. »Thrawn, ich muss mich jetzt um meine anderen Pflichten kümmern. Wir setzen diese Unterhaltung später fort.«

»Danke, Kapitän Parck«, erwiderte der Chiss. »Ich freue mich schon darauf.«

Eli saß gerade in seiner Kabine und arbeitete an dem Bericht, den er schreiben sollte, als sie ihn holten.

Er war noch nie im privaten Büro des Kapitäns gewesen, ja noch nicht mal in diesem Teil der Strikefast.

Und er war noch nie in Gegenwart so vieler hochrangiger Offiziere gewesen. Der Kadett fühlte sich, als würde er vor einen speziellen Ausschuss treten.

Oder vor ein Kriegsgericht.

»Kadett Vanto«, begrüßte Parck ihn, dann deutete er auf einen Stuhl, der vor der Reihe der Offiziere platziert worden war.

»Ja, Sir.« Eli setzte sich und hoffte, dass man sein nervöses Zittern nicht bemerkte.

»Zunächst einmal möchte ich Sie für Ihr Verhalten während der jüngsten Mission loben«, fuhr der Kapitän fort. »Sie haben sich auch unter Feuer vorbildlich geschlagen.«

»Danke, Sir«, sagte Eli. So, wie er die jüngsten Tage in Erinnerung hatte, hatte er aber wenig mehr getan, als sich möglichst weit von den Kampfhandlungen und der Verwirrung fernzuhalten.

»Sagen Sie, was halten Sie von unserem Gefangenen?«

»Er scheint sehr selbstsicher zu sein, Sir«, antwortete er. Warum befragten sie ausgerechnet ihn darüber. »Sehr beherrscht.« Er überlegte. »Nur als er im Hangar gefasst wurde. Da haben Sie ihn offensichtlich überrascht.«

»Das glaube ich nicht«, entgegnete Parck. »Er hat sich bereitwillig ergeben, ohne jeden Widerstand oder Fluchtversuch.« Er legte den Kopf leicht schräg. »Sie scheinen über seine Spezies Bescheid zu wissen.«

»Nicht wirklich, Sir«, versicherte Eli ihm. »Bei meinem Volk gibt es Geschichten über die Chiss – eigentlich eher Mythen –, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Soweit ich weiß, wurde seit Jahrhunderten keiner von ihnen mehr auf Lysatra oder auch nur in diesem Sektor gesehen.«

»Aber immerhin haben Sie Mythen. Das ist mehr, als die Datenbanken der Strikefast bieten können«, erwiderte Parck. »Was besagen diese Geschichten denn?«

»Die Chiss sollen große Kämpfer sein«, begann Eli. »Schlau, einfallsreich, stolz. Und es herrscht große Loyalität unter ihnen. Dieses Exil … Sie müssen die Idee eines Präventivschlags wirklich hassen, wenn sie Thrawn deswegen verbannt haben.«

»So scheint es«, stimmte Parck zu. »Ich höre, dass Sie auf Myomar zum Versorgungsoffizier ausgebildet werden.«

»Jawohl, Sir.« Der abrupte Themenwechsel brachte Eli einen Moment lang aus dem Konzept. »Meine Familie führt ein Frachtunternehmen, und sie fanden, der Dienst für das Imperium wäre eine gute …«

»Haben Sie irgendeine Erfahrung als Lehrer oder Tutor?«

»Nicht wirklich, Sir«, sagte Eli. Wollte der Kapitän ihm einen Wechsel seines Ausbildungsschwerpunkts nahelegen?

Hoffentlich nicht. Er hatte seine Jugend damit verbracht, Lieferungen für seine Familie durchzuführen, und er wollte nicht irgendwo in einem Büro oder einem Klassenzimmer eingesperrt sein.

Einen Moment lang musterte Parck ihn, dann lehnte er sich in seinem Sessel zurück und wandte sich den anderen Offizieren zu. Sie schienen ein wortloses Signal auszutauschen, dann …

»Gut, gut, Kadett«, sagte der Kapitän und blickte wieder ihn an. »Ab sofort sind Sie unserem Gefangenen als Verbindungsperson, Dolmetscher und Berater zugewiesen. Sie werden außerdem …«

»Sir?«, platzte es aus Eli hervor. Er spürte, wie seine Augen sich weiteten. »Ich bin nur ein Kadett …«

»Ich war noch nicht fertig«, sagte Parck. »Neben Ihren Pflichten als Dolmetscher werden Sie ihm außerdem helfen, sein Basic zu verbessern. Er beherrscht die Sprache recht gut, wie Sie ja selbst gesehen haben, aber er muss seinen Wortschatz ausbauen und an seiner Aussprache und Grammatik feilen. Noch Fragen?«

»Nein, Sir«, brachte er hervor. Eine Überraschung folgte so schnell auf die andere, dass er nicht wusste, wie er reagieren sollte. »Das heißt … ja, Sir. Warum ist es wichtig, dass er Basic kann? Schicken wir ihn nicht auf den Planeten zurück?«

Ein leises Murmeln machte sich unter den Offizieren breit, und Eli hatte das bestimmte Gefühl, dass er gerade eine unsichtbare Linie überschritten hatte. Er versteifte sich …

»Nein«, erklärte Parck. Seine Stimme klang ruhig, aber da war ein harter Unterton, als hätte er bereits mit den anderen über diese Frage diskutiert – ohne sich mit ihnen einig zu werden. »Wir bringen ihn nach Coruscant.«

»Nach …?« Eli presste die Kiefer zusammen, bevor er noch mehr sagen konnte. Vor seinem geistigen Auge huschten Visionen alter Könige vorbei, die ihre besiegten Feinde durch die Straßen führten, um sie vor dem Volk zur Schau zu stellen.

Aber das war sicher nicht, was Parck im Sinn hatte. Oder?

»Ich glaube, der Imperator wird diesen Chiss kennenlernen und mehr über ihn erfahren wollen«, sagte der Kapitän. Sein Tonfall führte Eli zu der Vermutung, dass diese Worte mehr für die Offiziere gedacht waren als für ihn. »Außerdem denke ich, dass seine Spezies dem Imperium von großem Nutzen sein könnte. Wird in Ihren Mythen auch erwähnt, wo sich ihr Heimatplanet befindet?«

»Nur, dass sie aus den Unbekannten Regionen stammen, Sir. Nichts Genaueres.«

»Schade«, brummte Parck. »Dann können Sie das Ihren Pflichten für die nächsten Tage hinzufügen: Finden Sie so viel wie möglich über den Gefangenen und seine Spezies heraus.«

»Jawohl, Sir«, sagte Eli, und sein Herzschlag beschleunigte sich. Innerhalb weniger Minuten war er vom einfachen Kadetten zum Dolmetscher und Lehrer für ein Wesen aufgestiegen, das geradewegs aus Lysatras Legenden stammte.

Und der einzige Nachteil an der Sache war, dass es ihn seine Zukunft kosten konnte.

Er hatte bereits gesehen, dass das Imperium ein gewaltiges Konstrukt war, eine riesige, unnachgiebige Maschine. Falls er auch nur ein kleines Stück von seinem selbstgewählten Karrierepfad abkam, könnte seine Laufbahn eine andere Richtung einschlagen; eine, die ihn geradewegs auf das Hauptdeck einer vergessenen Sternbasis führte, wo er einsam und allein an einem Schreibtisch endete.

Zum Glück war es nur ein kleiner Schlenker auf seinem Pfad. Es sollte nicht länger als eine Woche dauern, Thrawn mit der Strikefast nach Coruscant zu bringen. Danach würde Eli mit den anderen Kadetten nach Myomar zurückkehren – und mit einer Geschichte, die er den Rest seines Lebens erzählen konnte.

Nein, es würde schon gut gehen.

»Sie wirken amüsiert?«, sagte Kadett Vanto. Er lehnt sich auf seinem Stuhl zurück.

»Amüsiert?«, fragte Thrawn.

»Als würde Sie etwas mit einem Gefühl von Humor erfüllen«, erklärte Vanto. Für diese Erklärung wechselt er wieder zu Sy Bisti. »Gab es etwas an dieser Geschichte, das Sie lustig fanden?«

»Ich fand die Geschichte sehr interessant.«

»Sie scheinen einige meiner Geschichten interessant zu finden«, sagte Vanto. Faltenbilden sich auf seiner Stirn. »Andere finden Sie unglaublich. Und ein paar finden Sie amüsant. Das gerade war offensichtlich eine davon.«

»Ich will Sie nicht beleidigen«, erwiderte Thrawn. »Aber ich bin selbst ein Chiss, und ich habe nie von einem Mitglied meines Volkes gehört, das über solche Fähigkeiten verfügt.«

»Ich verstehe«, nickte Vanto. Die Furchen glätten sich teilweise. »Ich sagte ja von Anfang an, dass diese Geschichten wenig mehr sind als Mythen, aber Sie wollten sie hören.«

»Und ich danke Ihnen, dass ich sie hören durfte«, erklärte Thrawn. »Man lernt viel über ein Volk, wenn man hört, was für Geschichten es über andere erzählt.«

»Und?«, fragte Vanto. Die Falten werden wieder tiefer, und er dreht den Kopf leicht nach rechts.

»Ich verstehe nicht.«

»Ich meine, was haben Sie über die Menschen gelernt?«, verdeutlicht der Kadett. Seine Augen werden um eine Winzigkeit schmaler.

»Ich habe die falschen Worte benutzt. Verzeihen Sie. Ich wollte sagen, man lernt viel über eine Person, wenn man hört, was für Geschichten sie erzählt«

»Was haben Sie dann über mich gelernt?«, wollte Vanto wissen. Seine Augen kehren zu ihrer normalen Größe zurück, seine Stimme wird wieder tiefer.

»Dass Sie nicht hier sein wollen«, sagte Thrawn. »Sie wollen nicht mein Übersetzer und Assistent sein. Und Sie wollen mich nicht verhören.«

»Wer sagt, dass ich Sie verhöre?«, fragte Vanto. Sein Tonfall wird höher und lauter, die Muskeln unter seinen Ärmeln spannen sich.

»Sie wollen zurück zu Ihren Zahlen und Inventarlisten«, erklärte er. »Das ist Ihr Talent, damit möchten Sie Ihre Laufbahn erfüllen.«

»Faszinierend«, murmelte der Kadett. Seine Stimme nimmt einen neuen, zittrigen Ton an. Seine Mundwinkel verzerren sich kurz. »Und als großer militärischer Kommandant betrachten Sie Logistik und Versorgungsmanagement für unter Ihrer Würde?«

»Ist es für Sie unter Ihrer Würde?«

»Natürlich nicht«, entgegnete Vanto. Sein Oberkörper richtet sich auf dem Stuhl auf, und seine Stimme wird voller. »Ich weiß es zu schätzen. Meine Familie macht das schon seit Generationen, nur tue ich es eben für die imperiale Flotte und nicht für das Unternehmen meiner Eltern, das ist alles.«

»Dann sind Sie sicher gut darin.«

»Ich bin sogar sehr gut darin«, sagte Vanto. »Leutnant Osteregi meinte, ich wäre einer der besten Kadetten, die er je an Bord gehabt hätte. Wenn ich die Akademie erst abgeschlossen habe, ist mir ein Platz auf einem der Schiffe sicher.«

»Und das ist Ihr Wunsch?«, fragte Thrawn.

»Absolut«, erklärte Vanto. Der volltönende Klang weicht aus seiner Stimme. »Ich verstehe nur nicht, warum Sie sich dafür interessieren?«

»Warum ich mich für was interessiere?«

»Für mich. Warum Sie sich für mich interessieren«, sagte der Kadett. Er kneift die Augen zusammen, seine Stimme wird erneut tiefer. »Sie haben mich studiert – denken Sie nicht, dass es mir nicht aufgefallen ist. Sie bitten mich, eine der Legenden zu erzählen, die ich als Kind hörte, dann befragen Sie mich über meine Heimat oder meine Herkunft oder meine Jugend. Immer kleine Fragen, stets auf beifällige Weise gestellt. Und ich möchte wissen: Warum das alles?«

»Es tut mir leid«, erklärte Thrawn. »Das war keine böse Absicht. Ich möchte nur mehr über Sie wissen, weil ich mehr über das Imperium wissen will.«

»Aber warum ich?«, beharrte Vanto. »Sie könnten sich nach Kapitän Parck erkundigen oder nach Major Barris oder einem der anderen kommandierenden Offiziere. Oder nach Imperator Palpatine oder dem imperialen Senat.«

»Mein Überleben hat nicht direkt mit diesen Leuten zu tun«, erwiderte Thrawn. »Mit Ihnen schon.«

»Bei allem Respekt, aber da irren Sie sich gewaltig.« Er schüttelt den Kopf. »Kapitän Parck könnte jederzeit den Befehl geben, Sie aus einer Luftschleuse zu werfen. Major Barris könnte eine Anklage gegen Sie erheben und dafür sorgen, dass man Sie erschießt. Und was den Imperator angeht …« Die Muskulatur in seinem Hals zieht sich kurz zusammen. Das Infrarotglühen seines Gesichts wird heller. »Er hat absolute Macht über alles und jeden im Imperium. Falls Sie sein Missfallen erregen, wird sich das sehr direkt auf Ihr Überleben auswirken.«

»Kapitän Parck will Ehre und Beförderungen«, begann Thrawn. »Er glaubt, dass ich seiner Karriere behilflich sein kann. Barris mag mich nicht, aber er wird es nicht riskieren, seinen Kapitän wütend zu machen. Und der Imperator … wir werden sehen.«

»Na schön«, sagte Vanto. Die Muskeln an seinem Hals entspannen sich teilweise, aber nicht ganz. »Ich würde mir an Ihrer Stelle zwar deutlich mehr Gedanken über ihn machen, aber bitte. Tatsache ist aber, dass ich in der Kommandohierarchie ganz unten stehe. Warum interessieren Sie sich für mich?«

»Sie sind mein Dolmetscher. Sie halten meine Worte und ihre Bedeutung in der Hand. Eine falsche Übersetzung kann zu Verwirrung oder Zorn führen. Ein absichtlicher Fehler kann meinen Tod bedeuten.«

»Kraytspucke«, entgegnete Vanto. Er stößt ein schnaubendes Geräusch durch die Nase aus.

»Verzeihung?«

»Ich sagte Kraytspucke«, wiederholte Vanto. »Ihr Basic ist während der letzten paar Tage verdächtig schnell besser geworden. Sie sprechen es jetzt genauso gut wie ich, vielleicht sogar besser – Sie haben jedenfalls keinen Akzent mehr, über den die Leute sich lustig machen können. Glauben Sie mir, Sie brauchen längst keinen Dolmetscher mehr.«

»Sie haben gerade bewiesen, dass ich ihn doch brauche«, konterte Thrawn. »Was bedeutet Kraytspucke?«

»Ein umgangssprachlicher Ausdruck für Schwachsinn«, klärte ihn Vanto auf. Sein linker Mundwinkel wandert nach oben. »Vor allem Schwachsinn, von dem der Sprecher weiß, dass es gelogen ist.«

»Ich verstehe. Kraytspucke. Das werde ich mir merken.«

»Besser nicht«, sagte Vanto. Seine Stimme ist tief, die Worte klingen abgehackt. »Es ist unhöflich. Außerdem denkt man dann sofort, dass Sie von einem hinterwäldlerischen Planeten wie Lysatra stammen. Hinterwäldlerisch bedeutet primitiv, entlegen – weit entfernt von den Welten des Kerns und der mächtigen Elite, die dort lebt.«

»Dann gibt es eine Hierarchie unter den Welten und den Völkern, die sie bewohnen?«

»Endlich … eine Frage über das Imperium«, sagte Vanto. »Ja, es gibt eine Hierarchie. Eine beeindruckende, größtenteils ungeschriebene und doch absolut unerschütterliche Hierarchie. Falls Sie gehofft haben, ich könnte Sie den Großen und Mächtigen der Galaxis vorstellen, muss ich Sie leider enttäuschen.«

»Sie unterschätzen sich, Kadett Vanto«, entgegnete Thrawn. »Oder Sie überschätzen die soziale Rangordnung. Es reicht mir vollkommen, Sie als meinen Dolmetscher zu haben.«

»Schön, dass Sie mit mir zufrieden sind«, kommentierte Vanto. Seine Stimme wird ein wenig lauter. Da ist noch immer eine gewisse Anspannung in seiner Halsmuskulatur. »Nicht, dass Sie eine Wahl hätten.«

»Vielleicht. Sagen Sie, wann erreichen wir Ihre Hauptwelt?«

»Ich habe Befehl, Sie morgen früh um sieben Uhr im vorderen Hangar abzuliefern – das ist der Hangar, aus dem Sie fliehen wollten«, antwortete der Kadett.

»Und kurz darauf werde ich dem Imperator begegnen?«

»Ich habe keine Ahnung, was danach passiert«, erklärte Vanto. Die Muskeln unter seiner Uniform versteifen sich leicht, die Falten kehren auf seine Stirn zurück. »Vermutlich werden Sie aber nicht mal in die Nähe des Imperators kommen. Ich schätze, man wird Sie jemandem in der Verwaltung vorführen. Und nicht unbedingt jemand Wichtigem.«

»Werden Sie mich begleiten?«

»Das entscheidet der Kapitän«, sagte Vanto. »Aber ich habe auch andere Pflichten an Bord der Strikefast, und ich muss mich auf meine Rückkehr an die Akademie von Myomar vorbereiten.«

»Ihre Pflichten und Ihre Ausbildung sind natürlich wichtig«, erwiderte Thrawn. »Wir werden sehen, welche Entscheidung Kapitän Parck trifft. Dann sehen wir uns also morgen früh. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.«

»Ja«, nickte Vanto. Die Anspannung in seinen Muskeln lässt weiter nach. Aber sie ist noch immer zu erkennen. »Bis morgen.«

Am nächsten Morgen um exakt fünf nach sieben verließ Kapitän Parcks persönlicher Lambda-Shuttle den Hangar. Neben Parck, Thrawn und Eli umfasste die Passagierliste auch Major Barris, drei der Flotteninfanteristen, die auf dem Planeten gewesen waren, als Chiss sie alle zum Narren gehalten hatte, und zwei Sturmtruppler, vermutlich ebenfalls von der Gruppe, die den Nichtmenschen in Aktion erlebt hatte.

Zusätzlich waren noch zehn schwer bewaffnete Flotteninfanteristen an Bord. Auch wenn Parck sich im Moment vermutlich mehr Sorgen über grimmig dreinblickende Administratoren des Oberkommandos machte, wollte er doch nicht riskieren, dass ihr Gefangener einen Fluchtversuch unternahm, sobald sie die Oberfläche erreichten.

Wie jedes andere Mitglied des Imperiums hatte Eli Hunderte Holos von Coruscant gesehen, und nachdem Parck angekündigt hatte, dass sie hierherflogen, hatte er zudem mehrere Stunden lang die planetaren Karten studiert.

Doch nichts von alledem konnte ihn auf die atemberaubende Pracht der imperialen Hauptwelt vorbereiten.

Voller Faszination starrte er durch die Sichtscheibe auf seiner Seite der Shuttlekabine. Zahllose Transporter, Passagierschiffe und Militärkreuzer waren in mehreren Ringen um den Planeten aufgereiht, während sie im Orbit auf ihre Landeerlaubnis warteten. Andernorts glitt ein steter Strom aufbrechender Schiffe auf diversen Abflugvektoren durch die Atmosphäre, wobei sie ein subtiles Farbenspiel erzeugten, bevor sie den freien Raum erreichten und in alle Richtungen auseinanderstoben.

Dann ging der Lambda-Shuttle tiefer, und Eli beobachtete, wie das Muster sternengleich schillernder Punkte zu Gebäuden und Türmen anschwoll. Noch ein Stück näher, und er konnte auch die Luftstraßen erkennen, wo sich Repulsorliftfahrzeuge in einem komplexen Tanz zwischen den titanischen Bauwerken dahinschlängelten, tausend verschiedenen Zielen entgegen. Ein ernüchternder Gedanke holte den Kadetten ein: In diesem Moment sah er vermutlich mehr Fahrzeuge, als es auf seinem gesamten Heimatplaneten gab.

Der Pilot schwenkte in eine der höheren Luftstraßen ein, die offenbar für Militärfahrzeuge reserviert war. Sie waren nun nahe genug, dass Eli Einzelheiten ausmachen konnte: die imperiale Akademie, wo die Elite des Imperiums für den Dienst in Armee und Flotte ausgebildet wurde; östlich dahinter eines der Industriegebiete, dessen hohe Türme supererhitzten Abwasserdampf in die Atmosphäre spien; und in der Ferne ein offener Bereich, weit unter den Spitzen der umliegenden Gebäude gelegen, und doch Dutzende Ebenen über der eigentlichen Planetenoberfläche – höchstwahrscheinlich ein Landefeld für hochrangige Politiker oder größere Militärschiffe. Auf der anderen Seite erspähte Eli das Dach des imperialen Senatsgebäudes.

Sein Atem stockte. Falls der Senat da drüben war und die Akademie dort hinten …

Dann flogen sie weder zur Admiralität noch zum Imperialen Sicherheitsbüro – den beiden Orten, die seiner Meinung nach ihre wahrscheinlichsten Ziele gewesen wären.

Stattdessen hielten sie direkt auf den imperialen Palast zu.

Den imperialen Palast?

Nein … das konnte nicht sein. Es ging hier um einen einzelnen, zufällig aufgegriffenen, blauhäutigen, fast-menschlichen Gefangenen von einer namenlosen Welt draußen im Wilden Raum. Es war absolut ausgeschlossen, dass der Imperator Notiz von einem solchen Ereignis nahm, ganz zu schweigen davon, dass er niemals persönlich Interesse daran zeigen würde.

Und doch schien genau das der Fall zu sein.

Der Kadett linste verstohlen durch den Mittelgang zu der Stelle hinüber, wo Thrawn und Parck zwischen mehreren Wachen saßen. Der Kapitän wirkte unnatürlich steif, fast als könnte er ebenso wenig glauben wie Eli, dass sie den Palast anflogen. Die Wachen erweckten einen ähnlichen Eindruck, nur dass einigen von ihnen stilles, aber tief empfundenes Grauen ins Gesicht geschrieben stand.

Und das aus gutem Grund. Schließlich hatten die Fehler dieser Männer und Frauen es Thrawn erlaubt, an Bord der Strikefast zu gelangen, und es gab viele, unheilvolle Geschichten darüber, was der Imperator mit Leuten anstellte, die ihn enttäuschten.

Doch Thrawn selbst wirkte nicht verängstigt, noch nicht einmal besorgt. Alles, was Eli in seinen Zügen sah, war diese irritierende Selbstsicherheit.