Stardust 8: Anthurs Ernte - Andreas Suchanek - E-Book

Stardust 8: Anthurs Ernte E-Book

Andreas Suchanek

0,0

Beschreibung

Die Riesen von Horatio - eine abgelegene Welt erlebt den Schlachttag Im Mai 1513 Neuer Galaktischer Zeitrechnung bricht Perry Rhodan zu einer diplomatischen Mission auf: Mithilfe der exotischen Technik des Polyport-Systems reist er in die ferne Galaxis Anthuresta. Dort besucht er die Nachkommen jener Menschen, die einst in das Stardust-System ausgewandert sind. Die Stardust-Terraner, wie sich die Menschen in Anthuresta nennen, haben bereits ein kleines Sternenreich aufgebaut. Ihre Raumschiffe erforschen die nähere Umgebung, ihre Abgesandten treten in Kontakt zu außerirdischen Völkern. In schier unglaublicher Ferne entwickelt sich eine neue Menschheit mit eigenen Visionen und Träumen. Was wie eine Routine-Mission begonnen hat, wird rasch zu einem gefährlichen Trip. Perry Rhodan erfährt mehr über die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre, und er muss feststellen, dass eine Gefahr aus der Vergangenheit erwacht. Nur Perry Rhodan und eine Handvoll Helfer stehen gegen den Untergang der Stardust-Union. Nach einer Zeitreise, die ihn 180.000 Jahre in die Vergangenheit geführt hat, wissen Rhodan und seine Freunde endlich mehr über die Hegemonie von Pahl. Doch bevor sie handeln können, erleben sie ANTHURS ERNTE...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 140

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Nr. 8

Anthurs Ernte

Die Riesen von Horatio – eine abgelegene Welt erlebt den Schlachttag

Andreas Suchanek

Im Mai 1513 Neuer Galaktischer Zeitrechnung bricht Perry Rhodan zu einer diplomatischen Mission auf: Mithilfe der exotischen Technik des Polyport-Systems reist er in die ferne Galaxis Anthuresta. Dort besucht er die Nachkommen jener Menschen, die einst in das Stardust-System ausgewandert sind.

Die Stardust-Terraner, wie sich die Menschen in Anthuresta nennen, haben bereits ein kleines Sternenreich aufgebaut. Ihre Raumschiffe erforschen die nähere Umgebung, ihre Abgesandten treten in Kontakt zu außerirdischen Völkern. In schier unglaublicher Ferne entwickelt sich eine neue Menschheit mit eigenen Visionen und Träumen.

Was wie eine Routine-Mission begonnen hat, wird rasch zu einem gefährlichen Trip. Perry Rhodan erfährt mehr über die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre, und er muss feststellen, dass eine Gefahr aus der Vergangenheit erwacht.

Nur Perry Rhodan und eine Handvoll Helfer stehen gegen den Untergang der Stardust-Union. Nach einer Zeitreise, die ihn 180.000 Jahre in die Vergangenheit geführt hat, wissen Rhodan und seine Freunde endlich mehr über die Hegemonie von Pahl.

Doch bevor sie handeln können, erleben sie ANTHURS ERNTE...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner kehrt aus tiefster Vergangenheit zurück.

Eritrea Kush – Die Admiralin fürchtet das Schlimmste für die Stardust-Union.

Posimon – Die Kleinpositronik sorgt sich um ihre Biokomponente.

Anthur – Die »Hand« des Generex folgt dem großen Plan.

Gorsten Resnac – Der Madentreiber von Horatio kämpft um sein Leben.

Vermis X. Horatio

Prolog

Horatio

Er war der Letzte.

Thermostrahlen zischten durch die Luft, verfehlten ihn knapp. Er spürte die Hitze, die flirrende Energie. Bisher erwiesen die Verfolger sich als brutal, aber unfähig. Er konnte kaum hoffen, dass Letzteres so blieb.

Gorsten Resnac steuerte seinen schmalen Ein-Mann-Gleiter der Marke Vermi-03 tiefer zwischen die steilen Wände der Felsenschlucht. Gerne hätte er den Vermi-03 gegen einen gepanzerten Shift eingetauscht, aber das war reines Wunschdenken.

Falls die Verfolger ihn in die Finger bekamen, würden sie ihn paralysieren oder töten, wie sie es mit den anderen getan hatten. Bei ihrem Aufbruch waren sie dreißig Madentreiber gewesen, jetzt flog er allein.

Er atmete seinen rasenden Puls nieder und richtete die Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Am Boden der Schlucht wälzten sich die Leiber der Maden unaufhaltsam voran; eine Welle aus Fleisch und Haut. Gigantische Staubwolken stiegen in die Höhe und nahmen ihm immer wieder die Sicht auf die Tiere. Innerhalb der Talenge war es wegen der korallenartigen Felsformationen, die wie gierige Finger emporragten, gefährlich, tiefer zu gehen.

Ein weiterer Thermostrahl streifte die Abdeckung der Antigraveinheit, die seinen Vermi-03 in der Luft hielt, und brachte das Fluggefährt zum Ruckeln. Es stank nach verschmortem Metall, nach Kunststoffen, die in der plötzlichen Hitze zerplatzten und sich auflösten.

Das war knapp. Zu knapp.

Er schaute sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Die oberen Ausläufer der Staubwolken versprachen Sichtschutz vor den Verfolgern, gleichzeitig begab er sich damit in Lebensgefahr. Selbst erfahrene Madentreiber gingen erst an jenem Punkt tiefer, an dem der erdige Boden zur Graslandschaft wechselte. Mochte es auch nur noch ein kurzer Streifen sein, bevor die Maden das Meer erreichten, so genügte der Platz doch meist, um die Tiere mit einer Schocklanze auseinanderzudrängen.

An diesem Tag blieb Gorsten keine andere Wahl.

Der Staub schlug über ihm zusammen. Sofort umfing ihn der aufgewirbelte Sand wie die Umarmung eines grausamen Gottes. Sicherheit und Gefahr gingen Hand in Hand.

Der dicke Stoff seiner Jagdmontur schützte die Haut vor den aufgewirbelten Partikeln, sein Kopf war von einem Spezialschal umwickelt. Beides bestand aus Polyamidfasern, die dreifach versponnen worden waren und damit optimalen Schutz boten. Zwischen den Fasern gab es eingewobene Mikromodule, die über Steuereinheiten in der Kommunikationsfolie auf der Handschuhrückseite angesprochen werden konnten. Nur Brille und Atemmaske blieben frei.

Die Schutzbrille schaltete automatisch auf Infrarotsicht, als die Sensoren die Sandpartikel erkannten; sonst wäre er nun völlig blind gewesen. Leider konnte er die Korallensteine damit nicht besser ausmachen. Zwar nahmen diese die Wärme der Sonne auf und speicherten sie, doch nur nachts wurde sie wieder abgegeben. Am Tag war die Wärmeabstrahlung der höheren Steinschichten so gering, dass die Infrarotsensoren sie erst auf wenige Meter Entfernung erkennen konnten.

Aber Karpo war ja der Meinung, dass ich die Reflexe eines Sofortumschalters besitze. Jetzt kann ich das beweisen. Gorsten lachte bitter auf, was unter der Atemmaske hohl und fremd klang.

Hinter ihm tauchten die Jaroc – wie sich die Fremden beim ersten Versuch einer Kommunikation genannt hatten – ebenfalls in die Staubwolken ein; sie nutzten keine Fluggeräte, sondern die Antigravs in ihren Raumanzügen. Wenigstens strahlten die Kampf- und Flugmodule ihrer Montur derart viel Wärme ab, dass Gorsten sie mithilfe der Infrarotsensoren jederzeit im Blick behalten konnte.

Fünf kleine rote Punkte wurden auf das Head-up-Display der Brille projiziert. Die Datenverbindung zwischen Gleiterpositronik und angeschlossener Schutzbrille funktionierte ausnahmsweise stabil.

Auch erkannte er problemlos die Maden, ihre wulstige Haut, die monströsen Körper, die sich über Staub und Dreck wälzten, als existierten für sie keine Hindernisse. Die riesigen Tiere nahmen kurz darauf sein gesamtes Sichtfeld ein, eine Mauer aus grauer und brauner Masse. Gorsten steuerte den Gleiter zwischen zwei Tieren hindurch, neben ihm ragten sie auf. Die Oberfläche der Tiere zuckte und waberte, schlug pulsierende Wellen. Nun war absolute Vorsicht geboten. Schon mehr als einmal war ein allzu tollkühner Madentreiber zerquetscht worden.

Und erhoffe ich mir nicht genau das für meine Verfolger?

Die Skrupel verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Mit den Jaroc ließ sich nicht reden, seine Gefährten hatten es zu Beginn des Konflikts mehr als einmal versucht. Jetzt ging es um sein Überleben.

Erst als eine Welle aus Madenhaut auf ihn zuraste, bemerkte Gorsten, dass er gedanklich abgeglitten war. Schnell zog er den Vermi-03 in eine halsbrecherische Kurve und entkam auf diese Weise.

Hinter ihm folgten die Jaroc in ihren beweglichen, aber fragilen Fluganzügen. Wahrscheinlich folgten sie der Wärmespur, die er hinterließ, denn sie nahmen exakt den gleichen Weg wie er. Augenscheinlich hielt sich ihr Respekt vor den Maden in Grenzen. Wer hatte auch schon Angst vor einem Futtertier? Zweifellos kein Fremdweltler.

Gorsten versuchte, grob vorauszuberechnen, wann die Jaroc welchen Punkt erreichten, der hinter ihm lag, und kalkulierte die Reaktionsfähigkeit der Maden mit ein. Meist verließ er sich bei der Jagd auf seinen Instinkt, der ihm bisher stets gute Dienste geleistet hatte.

Endlich kamen die Jaroc an jene Stelle zwischen den beiden Tieren, die auch ihm Schwierigkeiten bereitet hatte. Gorsten löste die Schocklanze aus, die wie die Zinken einer altmodischen Gabel an der Vorderseite seines Gleiters herausragte, und zielte damit auf die Made zu seiner Linken.

Die Reaktion kam prompt.

Ein Röhren erklang, gefolgt von einer abrupten Richtungsänderung des getroffenen Tiers. Das Hinterteil mit dem schwanzähnlichen Stummel kollidierte mit dem Tier daneben. Die Folge war Chaos.

Gorsten zog seinen Vermi-03 steil in die Höhe, während unter ihm plötzlich alles aus Madenhaut, gutturalem Röhren und spritzendem Schleim zu bestehen schien. Die Tiere besaßen verborgene Drüsen in der Haut, die ein grünliches Sekret absonderten, wenn sie in Angst gerieten.

Gorstens Berechnung ging teilweise auf. Einer der Jaroc konnte nicht mehr ausweichen, er ging zwischen den beiden Maden zu Boden. Zwei andere hatten das Pech, dass ihre Antigraveinheit von dem Schleim getroffen wurde und daraufhin den Betrieb einstellte. Sie stürzten ab, verschwanden zwischen wimmelnden Leibern.

Bleiben noch zwei.

Gorsten blieb keine Zeit, sich über den Erfolg seiner List zu freuen, denn die verbliebenen Jaroc schienen den Tod ihrer Kumpane umso härter rächen zu wollen. Sie holten auf. Schon zischten weitere Strahlerschüsse in seine Richtung.

Einer der Schüsse traf.

Sein Gleiter gab einen hohen Ton von sich, dann blinkte ein Symbol auf der Folie seines Handschuhs hektisch auf. Die Verfolger hatten das Steuerungsmodul getroffen. Die Antigraveinheit schaltete herunter, bis die sekundäre Einheit den Energiefluss ausgleichen konnte. Gorsten versuchte noch, das Gefährt mit einer steilen Rechtskurve auf das angrenzende Plateau zu steuern, doch es blieb bei dem Versuch.

Die Korallensteine zogen an ihm vorbei, während er dem Boden entgegenraste und zwischen seinen beiden Verfolgern hindurch tiefer in die Staubwolken eintauchte. Immer hektischer tippte er auf die Folie, als könne er den Zuschaltvorgang damit beschleunigen.

Das Symbol wechselte auf Grün, der Rekalibrierungsvorgang war abgeschlossen. Aufatmend zog Gorsten den Vermi-03 herum, um endlich aus der Gefahrenzone zu verschwinden ...

... und sah sich einem riesigen, weit aufgerissenen Maul gegenüber. Der unkontrollierte Sturzflug hatte ihn direkt vor eines der Tiere geführt.

Gorsten handelte instinktiv. Er desaktivierte das Antigravmodul, woraufhin er schräg nach unten wegkippte und damit dem Maul der Made entging, für die er nicht mehr war als eine weganische Fliege – ein Proteinhappen für die Zwischenmahlzeit.

Noch während er forttrudelte, die Made dicht hinter sich, startete er das Modul neu und gab abrupt Schub. Wie auf einer Kanonenkugel schoss er gen Himmel, fort von dem aufklaffenden Madenmaul, vorbei an den Jaroc, die gerade in die entgegengesetzte Richtung abtauchten.

Augenblicke später verschwanden die beiden roten Punkte von seinem Display in dem riesigen anderen roten Punkt, der beinahe Gorstens Leben beendet hätte. Damit hatte die Made doch noch ihre Proteinmahlzeit erhalten und ihm ganz nebenbei das Leben gerettet.

Mag es auch nur Instinkt gewesen sein, ich verdanke dir mein Leben. Er warf einen Blick zurück, sah jedoch nur dichte Staubwolken. Danke.

Für diesen Tag war die Jagd beendet. Sowohl jene auf die Maden als auch die auf Horatianer.

Gorsten bedauerte nur, dass er nicht mehr erfahren würde, warum die Jaroc Jagd auf die Madentreiber gemacht hatten und was mit jenen seiner Kollegen geschehen war, die paralysiert worden waren.

1.

Yashildag,

8. Juni 1513 NGZ

Perry Rhodan betrachtete die Immaterielle Stadt.

Gemeinsam mit Eritrea Kush und Kerat Tinga, seinen beiden Begleitern, hatte er das Kleinstraumschiff NEARBY verlassen. Vor ihnen ragte die Schattenschleuse empor, über die Yashildag betreten und verlassen werden konnte. Die Meergrün-Stadt hatte sie wieder sicher in der Gegenwart abgesetzt.

Wenn Rhodan auf die eleganten Türme und Kuppeln der Stadt sah, hatte er das Gefühl, sie bestünden aus hauchdünnem Glas; sie wirkten filigran und zerbrechlich. Wie die Zeit, die die Stadt überwunden hatte.

180.000 Jahre waren Rhodan, Eritrea, Kerat Tinga und Posimon rückwärts durch die Zeit gereist. Die Erinnerung an das, was in der Vergangenheit geschehen war, hatte sich tief in Rhodans Gedächtnis gegraben und würde so schnell nicht wieder verblassen.

»Ich erkenne ein Serotonin-Ungleichgewicht in deinem zentralen Nervensystem«, erklang die plärrende Stimme von Posimon, der Kleinstpositronik. »Deine Haut gibt gewisse Stoffe ab, und ... Du bist niedergeschlagen, Großadministrator.«

Instinktiv betastete Rhodan die metallene Schlange um seinen Oberarm. Seit er Posimon in der Immateriellen Stadt Marhannu übernommen hatte, bildeten sie gewissermaßen eine Einheit. Rhodan interessierte immer mehr, woher das kleine Ding stammte, benutzte es doch oft Begrifflichkeiten aus einer lange vergangenen Zeit. Das Amt des Großadministrators bekleidete er schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr.

Doch das mobile positronische Datenverarbeitungssystem mit abhandengekommener Biokomponente behauptete steif und fest, dass es keine Ahnung von der eigenen Herkunft besäße. Partielle Amnesie war manchmal ganz praktisch.

Rhodan war nun – angeblich – der Ersatz für die fehlende Biokomponente der Maschine. Im Gegenzug lieferte die kleine Positronik ihm Informationen, die irgendwie in ihrem Speicher vorhanden waren.

»Mir geht es gut«, sagte er nur.

»Wir konnten nichts tun«, sagte Eritrea Kush. Die durchtrainierte, schlanke Admiralin schenkte ihm einen für sie eher untypisch sanften Blick. Für diesen Moment fiel die militärische Steifheit von ihr ab. »Wir waren nur Zuschauer.«

Dem konnte er auf logischer Ebene zustimmen, aber Emotionen ließen sich bedauerlicherweise nicht so leicht kontrollieren. »Zuschauer in einem grausamen Holovid.«

Trotz seines mittlerweile Jahrtausende währenden Lebens würde er sich niemals an den Tod Unschuldiger – den berühmten Kollateralschaden – gewöhnen, mochten diese im vorliegenden Fall auch bereits gestorben gewesen sein, während er ihr Sterben in der Vergangenheit miterlebte. Zeitreisen konnten etwas Grauenvolles sein.

Gemeinsam gingen sie auf das Kleinstraumschiff NEARBY zu, das sie zur Stadt gebracht hatte. Es stand noch immer in Sichtweite, die Landestützen gruben sich tief in die regennasse Erde.

»Der Transfer zurück in die Gegenwart hat drei Tage gedauert«, quäkte Posimon. »Wir schreiben den 8. Juni 1513 NGZ. Wir haben angenehme dreißig Grad, die Luftfeuchtigkeit ...«

»Danke für die Informationen«, unterbrach Rhodan.

Eritrea zuckte jedoch leicht zusammen. Für die militärische Oberbefehlshaberin der Stardust-Union musste jede Sekunde, die sie weitab vom Geschehen verbrachte, eine Sekunde zu viel sein.

Sie betraten das Spindelschiff, das vierzig Meter lang und an seiner dicksten Stelle 15 Meter breit war. In der geradezu winzigen Zentrale sank der Kerat Tinga hinter die Kontrollen und startete den Raumer.

Die Immaterielle Stadt fiel unter ihnen zurück, kurz darauf verschwand der Planet aus der Sensorerfassung. Das Schiff wechselte in den Linearraum; zumindest nahm Rhodan an, dass es dieses Medium benutzte.

Ein Blick auf das Display zeigte Rhodan, dass die 70.000 Lichtjahre Entfernung, die sie noch von Far Away trennten, rasch zusammenschmolzen.

Sie verbrachten den Flug schweigend, jeder hing seinen Gedanken nach. Rhodan betastete den transparenten Behälter an seinem Gürtel, in dem er die Tagaris-Blumen verstaut hatte; danach hatte er ihn an den Gürtel geklammert.

Die Blumen stammten von einem Planeten der Vergangenheit, auf dem Jaroc gelebt hatten, die gegen das Virus des Generex – Las Quar – immun waren. Möglicherweise war diese biologische Masse eine geeignete Grundlage, um ein Gegenmittel herzustellen.

Wenn das Glück auf ihrer Seite stand, konnten sie damit sogar eine Impfung gegen das Virus entwickeln, bevor es freigesetzt wurde und in der Stardust-Union zu wüten begann. In der tiefen Vergangenheit war die durch einen Diktator pervertierte Hegemonie von Pahl unter eben jenem Erreger gefallen.

Geschichte wiederholt sich zyklisch. Rhodan hoffte, dass das in diesem Fall nicht so war.

Kerat Tinga riss Rhodan aus seinen Gedanken: »Ich werde euch dort absetzen.«

»Aber ...« Eritrea runzelte die Stirn. »Das ist nicht das Stardust-System!«

»Von diesem Punkt aus müsst ihr allein weiterreisen. Whistler hat sein Versprechen erfüllt, und nun habt ihr alle Informationen, die ihr benötigt. Würde ich mit diesem Raumschiff ins Stardust-System fliegen, könnte das Begehrlichkeiten wecken, die die Lage nur verkomplizieren. Ein derartiges Risiko werde ich nicht eingehen.«

Eritrea stand kurz vor der Explosion. »Jede Minute, die uns verloren geht, kann über Leben und Tod von Bürgern der Union entscheiden!«

»Ich werde zu Whistler fliegen und ihm Bericht erstatten«, sagte Kerat Tinga, ohne auf den Einwurf der Admiralin einzugehen. »Er wird alle Informationen an TALIN weitergeben, sobald die Superintelligenz erwacht.«

Eritrea setzte zu einer wütenden Tirade an, doch Rhodan hielt sie mit einer Handbewegung zurück. »Richte Whistler unseren Dank für die Hilfe aus.«

»Aber ...«

»Das werde ich«, sagte der Jaranoc.

Auf den Monitoren war zu sehen, dass sie sich einem unbekannten Planeten näherten.

»Ich habe euren Standort per Funk an das Stardust-System übermittelt. Man wird euch zweifellos bald hier abholen.«

Das Schiff setzte zur Landung an.

*

Das Warten wurde nicht langweilig, obwohl sie in einer vergleichsweise langweiligen Graslandschaft standen. Nachdem Kerat Tinga sie buchstäblich aus seinem Schiff geschoben und dann abgehoben hatte, konnte Eritrea sich nicht mehr zurückhalten. Die Admiralin legte ihre Energie in die exotischsten Flüche.

Wütend stapfte sie über die Anhöhe. Während sie normalerweise beherrscht und überlegt handelte, brach sich nun die Sorge um ihre Leute Bahn.

»Etwas so Unprofessionelles ist mir selten untergekommen. Da kommen wir mit wichtigen Informationen aus der Vergangenheit zurück und besitzen biologisches Material, das dringend an unsere Wissenschaftler weitergegeben werden muss, und er setzt uns hier ab. In der Einöde. Wäre ich seine Vorgesetzte ...« Sie brach ab und schaute zu Rhodan.

Der Terraner stand mit verschränkten Armen neben einem Felsbrocken, der wie ein Findling auf einer Anhöhe ruhte, und schaute gedankenverloren über die Ebene. Davor hatte er sich – anscheinend in aller Seelenruhe – für die winzigen Tiere interessiert, die durch das seltsam geformte Gras krabbelten. Immerhin hatte die unbekannte Welt eine Atmosphäre, die gut zu atmen war; sie roch nach feuchtem Dung, und die dicken Wolken am Himmel bewiesen, dass es oft regnete.

Eritrea rief sich zur Ordnung. Wenn die vergangenen Tage eins bewiesen hatten, dann das: Perry Rhodan war durchaus kein kalter Logiker, der sich mehr um Zahlen sorgte als um Menschenleben. Ganz im Gegenteil. Er konnte seine Sorgen nur besser verbergen.

*

Sie mussten nicht allzu lange warten. Der Jaranoc hatte sein Wort gehalten und die Flotte der Stardust-Union informiert. Die FUNKENREGEN hatte in der Nähe ihrer stellaren Position gekreuzt und war kurzerhand zu der unbekannten Welt geflogen.

Unweit der zwei Menschen setzte ein Gleiter auf. Ein junger Pilot, den Eritrea Kush nicht einmal vom Sehen her kannte, lud sie ein, sofort mit ihm zu starten. Sie versuchte, das Namensschild auf seiner Uniform zu lesen, konnte es aber nicht erkennen. Also verzichtete sie darauf, ihn mit seinem Namen anzusprechen, und blieb sowohl höflich als auch oberflächlich.

Die beiden stiegen ein, und in flottem Tempo startete der Pilot in die Umlaufbahn, wo er einen perfekten Einflug in einen Hangar des Schweren Kreuzers absolvierte.