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220 Jahre dauerte die Reise des Starship Ardon. Ausgesandt, um ein Portal vor der Super Erde Gliese 1214 b zu errichten. Kurz vor dem Ziel läuft schief, was nur schief laufen kann. Nach der Landung der Ardon eröffnet sich den Passagieren eine neue Welt mit neuen Gefahren und Hindernissen. Die Angriffe dauern unentwegt an, die Mannschaft ist auf der Suche nach einer Lösung des Problems. Eines scheint nun aber gesicherte Erkenntnis zu sein, eine intelligente Lebensform ist für die Anschläge verantwortlich. Als sich die Lage auf Hope einzuspielen schien, kamen Fremde und mit ihnen neue Erkenntnisse. Kreaturen aus dem Wasser bedrohen das Leben von Samantha und Jan. Als sie dann von den Victori entführt wird, gibt es für Kyle nur noch ein Ziel. Ob er seine große Liebe retten kann?
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nolan McCalleb
Starship Ardon - Gesamtausgabe
Teile 1 - 4
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
„Alarm … Alarm … Hüllenriss! Alarm … Alarm … Hüllenriss! Schotts schließen automatisch. Suchen sie sofort eine Rettungskapsel auf!“ Meldete die automatische Systemstimme der Ardon. Kyle sprang sofort in eine der Druckkabinen, in der die Raumanzüge untergebracht waren. Die Brücke leuchtete in blinkendem Rot. Der Alarmton war ohrenbetäubend. Sämtliche Anzeigen der Monitore blinkten und wechselten immer wieder zu einem Wort – Hüllenriss. Den ersten Anzug, den er greifen konnte, packte er mit einem kräftigen Ruck und zog ihn aus der Halterung.
Zwei Wochen vorher flog die Ardon noch ihrem Auftrag entsprechend innerhalb ihres Zeitfensters zum Gliese 1214 System. Dort sollte sie nach 220 Jahren an ihrem Ziel, einer Super Erde ankommen und die Fracht abliefern. Die Fracht war ein Portal, das direkt im Orbit des Planeten aufgestellt werden sollte. Ein Portal, das der Erde ermöglichen sollte, statt 220 Jahre durch den Raum fliegen zu müssen, innerhalb von nur zehn Tagen durch das Portal am Ziel anzukommen. Kyle war einer von 220 Passagieren. Jeder wurde abwechselnd auf der gesamten Reise für ein Jahr geweckt und stellte die Schiffsfunktionen sicher. Kyle war vor 220 Jahren für ein Jahr der Kapitän. Er wurde nun vom System geweckt, weil der aktuelle Kapitän einen Schlaganfall erlitt und das Schiff nicht mehr warten konnte. Gemäß der Reihenfolge war damit Kyle vom Schiff als neuer Komandant auserwählt.
Kyle dachte, sie wären angekommen, als er aus dem Kryoschlaf erwachte. Zwei Stunden danach belehrte ihn der Computer jedoch eines besseren. Das heißt, eigentlich waren sie so gut wie da. Die Ardon passierte kurz vor seinem Erwachen den äußersten Rand des Gliese 1214 Sonnensystems. Die Geschwindigkeit drosselte automatisch, und in etwas über zwei Wochen hätte das Schiff sein Ziel ohnehin erreicht und alle Passagiere geweckt. Kyle war deshalb nicht verärgert, früher als erwartet geweckt zu werden. Der Zustand des aktuellen Kapitäns war kritisch. Kyle legte ihn zurück in seine Kryokammer und deaktivierte die automatische Erweckung des Computers. Wenn alle wach wären, könnte man ihn manuell auftauen und behandeln – so sah es zumindest das Notfallprotokoll vor.
Auf dem Sichtfenster leuchtete der rote Zwerg, der das Sonnensystem als Zentrum auswies, hell und strahlend. Davor umrundete deutlich sichtbar, die neue Heimat auf der Super ErdeGliese 1214 b. Sie besaß das siebenfache Volumen der Erde und strahlte hellblau in die dunklen Weiten des Weltraums. Zurückblicken brauchte Kyle nicht, seine Eltern hatte er nicht lange. Als Teenager sagte man ihm, seine Mutter und sein Vater, seien bei einem Unfall tödlich verletzt worden. Sie waren Ingenieure für einen neuen Superantrieb. Es war ein Vorläufer des Antriebsystems, welches ihn nun zur neuen Heimat brachte. Kyle war gerade einmal zehn Jahre alt, als er aus seinem trautem Heim in ein Pflegeheim gebracht wurde. „Wenn die Zeit gekommen ist, mein Sohn, treffen wir uns jenseits der Erde wieder.“ Sein Vater war schon immer fasziniert vom Sternbild Ophiuchus – der Schlangenträger. „Das 13te Tierkreiszeichen, ein Sinnbild für die Freidenker und Visionäre. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, dann sicher dort!“, daran erinnerte er sich nur zu gut. Wie das Schicksal es wollte, bekam Kyle nach seiner fabelhaften Ausbildung zum Weltraumingenieur die Möglichkeit tief in das Weltall vorzudringen. Getrieben von seiner natürlichen Neugier und dem Versprechen seines Vaters willigte er in eine Zukunft weit von der Erde entfernt ein. Das erste einsame Jahr verbrachte er allein auf der Brücke, während alle anderen schliefen. Noch nahe genug an der Erde, empfing er als einziges Bordmitglied Live Übertragungen, der TV-Sender der Erde. Jedes Signal wurde aufgezeichnet und für die folgenden Kapitäne gespeichert. Viel zu erledigen gab es nicht während des Flugs. Die Systeme arbeiteten automatisch. Um jedoch einen Systemfehler vorzubeugen, musste immer ein Besatzungsmitglied wach sein, um im Ernstfall eingreifen zu können.
Die ersten drei Monate begnügte Kyle sich mit den Sendungen der Erde, spielte mit dem Bord Androiden Schach und machte Experimente im Wissenschaftsbereich. Ihm war bewusst, dass diese Experimente keinen wissenschaftlichen Nutzen bringen würden, sie dienten scheinbar ausschließlich der Beschäftigung während der Wachzeit. Kurz bevor er schlafen ging, übergab er das Kommando dem nachfolgenden Kapitän und berichtete über die Zeit seines Kommandos. Der neue Komandant brachte ihn zur Kryokammer, bereitete ihn vor und verschloss die Kammer. Der Schlaf in der Kryoeinheit ist nur mit wenigen Träumen gesegnet. Die Träume selbst kommen nur in den ersten drei Monaten, danach schaltet auch das Unterbewusstsein in den Schlafmodus, und wenn man aufwacht, glaubt man, dass nur wenig Zeit seit dem Einfrieren vergangen sei.
Als Kyle aus seinem Kryoschlaf erwachte, und feststellte, dass er außerplanmäßig erweckt wurde, fand er das Schiff in einem nahezu makellosen Zustand vor. Jeder Vorgänger behandelte das Schiff äußerst pfleglich. Lediglich die Matratze im Ruheraum war wohl nicht ordnungsgemäß alle 10 Perioden gewechselt worden. Er hielt in einem Moment, der absoluten Ruhe, inne. Würde sein Vater sehen, wo er war? Brachte ihn das tatsächlich näher an seine Familie? Die Zweifel wuchsen. Wo auch immer er im Weltraum sein würde, an den Schleier des Totenreichs würde er niemals anklopfen können. Dennoch war er froh dort zu sein, wo er war. Einen Schritt näher an den Gedanken seines Vaters. Insgeheim bedauerte er sogar, dass die Komandantin nicht seine direkte Nachfolgerin war. Bei jedem Schichtwechsel, informiert man seinen Nachfolger über die Ereignisse und wird von ihm für den Kryoschlaf vorbereitet. Oft hatte er sie in ihrer Kryokammer beobachtet. Starr und reglos lag der perfekte Körper mit den braun gelockten Haaren vor ihm. Der Anblick ihrer zarten Haut sowie ihres zufriedenen Gesichtsausdrucks brannte sich ihm nahezu auf die Innenseite seiner Augenlieder. Samantha Reefes lautete ihr Name. Die Akte zu der schlafenden Frau kannte er auch schon fast auswendig. Und was er nicht wusste, konnte er anhand der Datenverbindung, die er als Einziger an Bord noch zur Erde nutzen konnte, in Erfahrung bringen. Sportlich war sie, das zeigten viele Bilder in den sozialen Netzwerken, Bilder, wie sie an Klippen mit nur einem dünnen Seil gesichert hing. Start-Ziel Bilder von verschiedenen Marathonläufen und auch Bilder von professionell betriebenem Bogenschießen. Viele Einträge von Freunden, fanden sich in ihrem Profil, wie traurig sie alle waren, sie nie wieder zu sehen und auch ein trauriges Schicksal fand sich zu ihr. Ebenfalls wie er war sie Waise. Aufgewachsen an einer Elite Universität für Weltraummedizin. Militärische Verdienstorden zierten ihre Brust in ähnlicher Anzahl wie die Seine.
Wie jeder Kommandant in den fast 220 Jahren setzte auch Kyle einen täglichen Statusbericht per Lichtfunk zur Erde ab. Es kam auch jeden Tag eine Antwort von der Erde zurück, leider jedoch mit einer Verspätung von bis zu 40 Jahren. So erfuhr er auch, dass ein Schwesterschiff gestartet war. Baugleich jedoch mit einem leistungsfähigeren Antrieb als der der Ardon. Sie brach vor rund 89 Jahren zum Gliese System auf. Der Funkkontakt riss aber laut den Logbüchern ab und die Ardon versuchte seither, sie zu kontaktieren. Die Time of Free wie das Schiff genannt wurde, hätte vor fast acht Jahren bei Gliese eintreffen sollen. Was mit ihr geschehen war, konnte weder die Erde noch die Kommandanten der Ardon je herausfinden.
Am siebten Tag nach der Erweckung, passierte das erste Unglück. Kyle war gerade bei den Hydro-Nahrungskulturen, die extra an Bord gezüchtet wurden, um alle 220 hungrigen Mäuler nach der Ankunft für mindestens 3 Monate ohne weiteren Anbau versorgen zu können. Niemand auf der Erde wusste, wie einfach ein Anbau auf Gliese 1214 b sein würde und daher erachtete man dies als mindest Nahrungsmittelvorrat, der nach dem Aussetzen des Portals und nach der Landung vorgehalten werden sollte. Der Computer meldete eine Kollision und eine Kursabweichung. Den veränderten Kurs konnte Kyle problemlos wieder korrigieren, bei der Kollision mit dem vermeintlichen Komet riss aber die Langstreckenantenne an der Rückseite des Schiffes ab. Der Funkkontakt zur Erde war somit unterbrochen. „Verdammter Mist“, kommentierte Kyle die Misere. „220 Jahre lang nichts und kaum sitz ich wieder am Steuer passiert natürlich so etwas“, murmelte er noch hinterher. Und tatsächlich, er studierte die Logbuch Einträge. Am Ende jeder Jahresschicht legten die jeweiligen Kommandanten einen zusammengefassten Bericht ab. Kleinere Schwierigkeiten bei den Nahrungsmittelkulturen waren das Schlimmste, was in all der Zeit passierte. Da aber ein kompletter Kulturausfall durch die zusätzlich geladene Trockennahrung auffangbar gewesen wäre, stellte auch dies keine extrem ernstzunehmende Gefahr dar. Kyle schickte sofort den Androiden in die Druckkammer.Soll sich der Schachcomputer drum kümmern!
Der Android kletterte an der Außenwand des Schiffs entlang zur defekten Antenne. Kyle beobachtete die Arbeiten vom Überwachungsmonitor aus. Ein heller Lichtbogen flammte auf und die Antenne war repariert. Unglücklicherweise gab es dabei einen Rückstoß und sein Schachkumpane verschwand im Dunkel des Alls. „Verdammter Mist! Mein Schachcomputer. Herrgott, hoffentlich kann einer der anderen Schach!“, fluchte er lautstark, als hätte er Zuhörer.Ob ein Antennenverlust wohl der Time of Free passierte?
Seither lief das Schiff trotz defektem Langstreckenfunk reibungslos weiter. Die Scanner lieferten rund um die Uhr einen Lagebericht über herumschwirrende Gesteinsobjekte in einem Radius von 15.000 km. Das System konnte bis zu 30.000 km erfassen, Kyle kalibrierte es jedoch neu, um auch kleinere Objekte zu erfassen. Dies senkte aber die Reichweite der Scanner.Besser als eine neue Kollision. Dieser Gedanke rechtfertigte seine Aktion, mehr als genug – davon ging er zumindest aus.
Kyle wollte gerade die neueste Nachricht der Erde öffnen, als der Computer einen Asteroid in näherer Umgebung meldete. „Autokorrektur nicht möglich“, verkündete das Schiff, mit einem Alarm hinterlegt. Kyle schwang sich umgehend in den Steuersessel, schaltete von Autosteuerung zur manuellen Steuerung um, und lenkte das Schiff mit einem großen Haken um die Gefahr herum. Fünf Minuten später setzte er zurück auf den alten Kurs.Morgen schon kann ich die anderen Wecken.
Als hätte das Schicksal seine Gedanken gelesen, ging ein heftiger Ruck durch das Schiff. „Was zum Teufel …“, schrie er. Der Antrieb setzte aus. „Alarm … Alarm … Hüllenriss!“, brüllte es neben dem allgemeinen Alarm aus den Lautsprechern. „Hüllenriss?“, echote er den Computer.
Jetzt steckte er im Anzug mit einer Fangleine gesichert, einem Reparaturkit in der Hand und wartete, bis sich die Schleuse, die ihn zur Außenhaut des Schiffs lassen würde, öffnete. Langsam schob er die schwere Luke zur Seite auf. Schon im ersten Moment, als der Spalt noch ganz klein war, setzte die Schwerkraft aus. Nachdem die Luke vollständig auf war, beugte er seine Knie und stieß sich mit einem kräftigem Satz von der Wand ab. Ruckartig passierte er das Tor in den freien Raum. Die Leine straffte sich und zog ihn wieder zum Schiff. Jetzt konnte er sich an den Streben, die außen angebracht waren, festhalten und sich langsam zur Beschädigung der Hülle voranziehen. „Fürs Protokoll. Ich Idiot hätte die Antenne lassen sollen. Dann hätte sich klein Kasparov jetzt um den Riss der Hülle kümmern können“, flüsterte er in seinen Helm. Kurz verdrehte er die Augen, als ob er in diesem Moment erst wieder realisierte, dass er allein war und ihn niemand beipflichten konnte.
Was würde sein Vater von ihm denken, wenn er das jetzt sehen könnte? Würde er stolz auf seinen Sohn sein, dass er sich allein einer solchen Gefahr aussetzte? Oder würde er über soviel Leichtsinn den Kopf schütteln? Fragen, die er sich selbst nicht beantworten konnte.Für Samantha.Sie war ihm wichtig geworden, obwohl er sie noch nie gesprochen hatte. Für sie nahm er das Risiko auf sich. Außerdem wusste er nicht, ob die Rettungskapsel bis zum Planeten reichen würde.
Mühsam schob er sich immer weiter zum Leck. Je näher er kam, umso deutlicher konnte er die Beschädigung sehen. Er ließ den Sonnenschild auf seinem Visir herunter, um mehr Kontrast auf den glänzend stählernen Rumpf des Schiffs zu bekommen. Jetzt blendete ihn die verchromte Oberfläche der Ardon nicht mehr und das Ausmaß der Zerstörung wurde sichtbar. Auf den ersten Blick erinnerte es ihn an ein Straßenschild, das von einem Schrotgewehr durchsiebt wurde. Rund zwanzig kleinere Löcher verteilt auf mehrere Quadratmeter. Ein Asteroid war das nicht, das leuchtete ihm sofort ein.Was zur Hölle war das?
