Start in ein neues Leben - Frank Kluckert - E-Book

Start in ein neues Leben E-Book

Frank Kluckert

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Beschreibung

Lebensgeschichte unseres Hundes. Beschreibung der Veränderungen, die mit unserem Podenco für uns und unser Leben einhergegangen sind. Erzählt wird teils chronologisch, teils thematisch geordnet. Hier erfährt man nicht nur "wie ein Hund tickt", sondern auch auf welche Art das eigene Leben bereichert und neu "gefühlt" werden kann. Geschichten und kurze Episoden unseres Lebens werden mit denen unseres treuen Weggefährten verbunden (oder umgekehrt ...).

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Vorwort

Kapitel 1

Das Positive beginnt oft mit etwas sehr Negativem …

Kapitel 2

Timo und Billie

Kapitel 3

Es ist …. ein Podenco !?

Kapitel 4

Billie und die Gesundheit

Kapitel 5

Katzen

Kapitel 6

Die lange Liste weiterer Verletzungen/ gesundheitlicher Probleme

Was gab es denn sonst noch alles ?

Schildow, im Waldstück zwischen Hermsdorfer Str. und dem Mauerweg

Schildow, am Mauerweg

Im Kindelwald

Kreuzband-OP

Nur ein Schreck

Kapitel 7

Wandern

Rehe

Die Anfänge

Und weiter geht’s

Wanderungen

Kapitel 8

Billies Freunde + Kumpels, Freundinnen + Kumpelinen

Kapitel 9

Kurzgeschichten

Erste Erfahrungen

Joggen

Unheimliche Begegnung mit einem Rottweiler

Machtkämpfe

15. August 2004: Frühstück am See

März 2007: Billie wird kastriert

Auf Arbeit

Zu Hause

Schlittenfahrt

Kapitel 10

Urlaube und Kurztrips

Mai 2003, Wochenende in Peissen

Sylt, die Erste

2. September 2007: Pfötchenhotel Beelitz

Sylt, im September 2007

Sylt, im September 2009

Mai 2010, Urlaub in Born am Darß

Römö, 13. bis 20. August 2011

Mai 2012, und wieder in Born

Zingst am Darß, 2013

Zingst, 9. bis 20. September 2014 (Billies letzter Urlaub)

Kapitel 11

Das 13. Lebensjahr

Nachwort

Start in ein neues Leben

Vorwort

Hallo, ich bin Frank. Als ich dieses Buch am 2. September 2016 begann, also endlich den inneren Antrieb eines Schriftstellers verspürte, war ich 57 Jahre alt und seit über 21 Jahren mit meiner lieben Frau Sabine [alias „Bine“] zusammen. Das Buch beendet habe ich erst knapp 6 Jahre später, am 21. Juni 2022. Bine und ich haben in wenigen Tagen 27 Jahre gemeinsam verbracht. Gründe für die lange Dauer „meines Werks“ gibt es gleich mehrere: „schöpferische Pausen“, nachträgliches Einarbeiten einzelner Kapitel, mehrfaches Lesen mit gleichzeitiger Korrektur des Textes und – zu guter Letzt – diverse Gestaltungs- und Formatierungsänderungen haben dazu geführt. Nun weiß ich, wie zeitintensiv das Fertigstellen eines Buches sein kann. Aber jetzt ist es endlich soweit, es ist geschafft: Ich hatte schon länger vor, meine persönliche Hundegeschichte zu erzählen, denn ein Hund hat mein, nein ich kann sagen unser Leben völlig verändert. Und es ist mir einfach wichtig, die Erinnerung an meinen treuen Begleiter und die damit verbundenen Erlebnisse auch auf diesem Wege zu erhalten und zu bewahren. Von dieser für mich vorher unvorstellbaren Bereicherung berichte ich ab dem Zeitpunkt, mit dem alles verknüpft ist. So, dann beginne ich doch einfach mal mit ->

Kapitel 1

Das Positive beginnt oft mit etwas sehr Negativem

Bine und ich sind seit Juli 1995 „liiert“ und hatten uns eigentlich schon im Jahr 1999 mit dem Kauf eines Reihenendhauses in Schildow „für immer und ewig“ aneinander gebunden. Am 03. September 2001 haben wir uns dann getraut uns standesamtlich trauen zu lassen. An dem leicht zu merkenden Datum 20.02.2002 haben wir in dem kleinen Dorf Steinbach in Thüringen die kirchliche Heirat nachgeholt. Es war übrigens eine kirchliche Doppelhochzeit, gemeinsam mit Bines Cousin Walter und seiner Frau Gerda. Wir hatten uns zu viert ein Haus oberhalb des Dorfes, am Rennsteig gemietet. Dort verbrachten wir im Schnee und bei Eiseskälte ein sehr schönes Wochenende. Wir hatten absichtlich keine Gäste eingeladen. Allerdings kamen zur Trauung ein paar Frauen aus dem Dorf in die große, notdürftig beheizte Kirche. Vielleicht aus Neugier, Langeweile oder weil sie es eben immer so machten. Auf jeden Fall fanden wir es gar nicht so schlecht, nun doch einige wenige Zuhörerinnen zu haben. Unmittelbar vor diesem Wochenende am Rand des Rennsteigs hatte Bine einen Knoten in der linken Brust ertastet. Bis nach der Rückkehr behielt sie dies aber für sich. Ihr Frauenarzt untersuchte Bine, tastete sie ebenfalls ab und stellte ihr umgehend eine Überweisung für eine Mammographie aus. Nun erklärte sie mir, was „los war“, d.h. welche Befürchtung im Raum stand. Nachdem Bine einen Termin bekam, fuhr sie mit unserer Nachbarin Doris dorthin. Ein paar Tage später sollte das Ergebnis beim Frauenarzt besprochen werden. Diesmal brachte ich Bine hin, denn ich wollte sie in der Situation nicht alleine lassen. Leider war nur die Vertretung aus der Gemeinschaftspraxis da, eine Frauenärztin. Diese erklärte ohne Umschweife, dass der Befund eindeutig sei und Bine Brustkrebs haben würde. Da ich auf Bines Wunsch hin sogar im Behandlungszimmer mit dabei war, erfuhr ich in diesem Augenblick, wie unsensibel manche Menschen sein können. Die ohne erkennbares Mitgefühl rausgepolterte Diagnose traf uns wie ein Donnerschlag. Glücklicherweise gab der wenige Tage darauf wieder anwesende Frauenarzt den Tipp: „Gehen Sie ins Krankenhaus Havelhöhe. Dort gibt es Spezialisten für Brustkrebs. Und außerdem herrscht dort eine patientenfreundliche Atmosphäre.“ Eine andere Option wäre die Charité gewesen. Es stellte sich schnell heraus, dass der anthroposophische Hintergrund (eine „menschenfreundliche“ Weltanschauungslehre) in Kombination mit den gut ausgebildeten Ärzten und Krankenschwestern in dieser schlimmen Situation für Bine das Beste war, was man machen konnte. Es dauerte zwar weitere zwei Wochen - und wir erlebten hautnah, wie lang vierzehn Tage sein können -, aber dann war es endlich soweit. Zunächst einmal wurde eine Gewebeprobe entnommen. Die Auswertung ergab, dass es sich um einen aggressiven, schnell wachsenden Tumor handelte. Bine wurde daher bereits am nächsten Tag operiert. Die brusterhaltene OP verlief optimal, die Herausnahme nur der Wächterlymphen (in Havelhöhe praktizierte der „Erfinder“ dieser Methode) ergab -> alles gut, keine Streuung !! In der Klinik arbeiteten übrigens nicht unbedingt Anthroposophen, aber es gab hier eine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die Bine und ich bisher in keinem Krankenhaus so erlebt hatten. Unter anderem wurde ich auf meine Bitte hin so rechtzeitig angerufen, dass ich nach der OP da war als mein Schatz wach wurde. Dies alles förderte logischerweise das Wohlbefinden und die Genesung von Bine und half auch mir als Angehörigen. Bine blieb noch einige Tage im Krankenhaus und ich besuchte sie öfter als ihr wohl lieb war. In dieser Zeit hörte ich echt mit dem Rauchen auf ! Bis heute. Von einem Tag auf den anderen ! In dieser Stresssituation ! Nur um ein „Vorbild“ zu sein und es Bine leichter zu machen. Seitdem weiß ich es: Rauchen bzw. das Beenden dieser Sucht ist reine Kopfsache. Bine wurde in einem längeren Gespräch mit einer Ärztin im Krankenhaus natürlich auch geraten das Rauchen sein zu lassen. Allerdings sollte sie sich ruhig Zeit nehmen, damit während dieser Phase nicht weiterer negativer Stress hinzukommen würde. Sie hat es dann auch geschafft, zumindest für ein paar Wochen ... Wie lange genau ? Keine Ahnung, aber dazu später … in der „kurzen Episode am Rande“. Bines Leidensweg fing jetzt erst richtig an. Chemo, Bestrahlung, Chemo, Bestrahlung, und nochmal, fast bis zum Jahresende. Die Haare fielen aus, die Schleimhäute wurden angegriffen und, und, und … Aber: Wir erfüllten im Mai Bines größten Wunsch -> ein Pferd; drei Jahre jung, ein deutsches Reitpony (zwei cm mehr Risthöhe, dann wäre es ein Reitpferd) mit „ein bisschen“ Araber drin. Die Stute bekam den Namen „Nikita“. Ja, und weil Bine bis auf Weiteres nicht arbeiten konnte und außerdem klar war, dass sie auf unabsehbare Zeit keiner Vollbeschäftigung mehr nachgehen konnte: Da erfüllten wir uns gleich noch einen weiteren, diesmal gemeinsamen Wunsch: einen Hund ! Bine hatte vor „unserer“ Zeit schon mal einen Schäferhundmischling. Ich selbst fand Hunde immer schon toll, hatte jedoch keinerlei Erfahrungen damit. Nach wochenlangem Lesen, Informieren und Suchen war es Anfang August soweit: In der Zeitung entdeckte Bine ein Inserat: „Retrievermischlingswelpe abzugeben.“ Das passte doch wie die Faust aufs Auge. Nachdem kurz vorher noch ein Beagle in die engere Wahl fiel - die Beschreibung im Internet hörte sich so spannend an: liebevoll, verfressen und schwer erziehbar -, sollte es aktuell ein Golden Retriever oder ein Labrador sein. Tja, wir fuhren also am 07. August 2002 zum Tierheim Britz, in Richtung Eberswalde, eine knappe Stunde Fahrzeit von Schildow aus entfernt. Wir machten uns so rechtzeitig auf den Weg, dass wir ungefähr eine Stunde vor der Öffnungszeit da waren. Es durfte auf gar keinen Fall passieren, dass uns jemand zuvor kam. Nun waren wir recht hungrig, denn auf ein Frühstück hatten wir aus Zeitgründen verzichtet. Im Ort hatten wir im Vorbeifahren eine bereits geöffnete Fleischerei entdeckt. Hier konnte man an im Laden aufgestellten Tischen eine Mahlzeit zu sich nehmen. Aber was, wenn es zu lange dauerte ? Nun, wie so oft, man kann auch sagen „wie fast immer“ hatte Bine eine praktikable Idee. Das Essen nahmen wir einfach mit, parkten vor dem Tierheim und aßen dort bei schönem Wetter und offenen Autotüren. Nur der Vollständigkeit halber: einem großen Schild war zu entnehmen, dass es dann doch eher eine Hundeschule sowie -pension und, etwas kleiner geschrieben, auch ein privates Tierheim war. Wir saßen also nun da und aßen. Plötzlich kam ein Mann aus dem Tierheim heraus und fragte neugierig nach. Er erfuhr, dass uns die besagte Annonce interessierte, äh brennend interessierte. So ließ er uns vorzeitig ins „Tierheim“. In der Erwartung, dass der am 1. Juni geborene, acht Wochen alte Welpe nun aus einem Raum des Hauses geholt würde, folgten wir Richtung Zwinger. Als der Mann diesen betrat, war mein Gedanke: „Ach, jetzt werden wohl erst mal die Fressnäpfe zum Auffüllen rausgeholt.“ Vielleicht dachte ich auch etwas anderes. Jedenfalls bekam ich zunächst gar nicht richtig mit, dass er da mit einem kleinen „Etwas“ aus dem Zwinger kam. Dann fiel es mir auf: Hatte der Mann tatsächlich gerade dieses niedliche, hellbraune Knäuel aus diesem großen Käfig geholt ? Hatte dieser nun auf den Boden gesetzte, von uns weg und zu uns hin tapsende süße Kerl seinen Tag zusammen eingesperrt mit den er- und ausgewachsenen Hunden zugebracht ? Ich mochte gar nicht darüber nachdenken. Letztlich war es aber egal, denn eines war in dem Moment sowieso schon klar: Das war er ! Dieser kleine Zwerg musste nicht mehr in den Zwinger zurück ! Bine und ich schauten uns nur kurz an, dann stand fest: Wir waren uns einig. Jetzt musste alles schnell gehen, damit nichts mehr in die Quere kommen konnte. „Ja, wir nehmen ihn !“ Wir erfuhren noch, dass „er“ – noch war „er“ namenslos – eine Schwester hatte, die aber schon verkauft war. Wenn man es glaubte, dann war es so: die beiden wurden von einem alten Mann gebracht, eventuell war dieser aber auch verstorben, so dass sie aus der Wohnung gerettet wurden. Ehrlich gesagt: Ganz richtig weiß ich es nicht, denn so wirklich zugehört hatte ich in dem Moment nicht mehr. Wichtig war doch nur eins: Wir helfen einem kleinen, superniedlichen Hund, der es hundertzehnprozentig ab sofort und für immer gut haben wird ! Wir gingen also mit dem Mann in sein Büro und unterschrieben einen mit Schreibmaschine vorgefertigten Tierabgabevertrag, nachdem die noch fehlenden Daten handschriftlich ergänzt wurden. Witzigerweise stand bei Farbe nicht etwa „hellbraun“, sondern „blond“. In dem Vertrag wurde auch festgehalten, dass am 29.07.02 eine SHP und eine Wurmkur erfolgt waren. Bei „SHP“ handelt es sich um eine Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose (eine Infektionskrankheit, die sogenannte Hundeseuche), die ein Welpe mit frühestens zwölf Wochen bekommt. Als ich diese Definition per Internetrecherche jetzt, also Anfang September 2016 für mein Buch aufschrieb, dachte ich: Das ist ja `n Ding. Entweder war „unser kleiner Blonder“ einen Monat älter als angegeben oder er wurde früher geimpft als eigentlich üblich. Na ja, viel ändert diese Erkenntnis nicht. Eigentlich gar nichts. Die Wahrheit erfahre ich ohnehin nicht mehr. Für unseren kleinen, noch namenlosen „ihn“ bezahlten wir 220,- €. Außerdem kauften wir dort gleich noch die erste Leine (25,51 €), ein Mini-Halsband (8,49 €), Ohrentropfen (5,10 €) und Nerzöl (5,40 €). Wir nahmen auch etwas Trockenfutter Royal Canin mit, denn man soll ja zuerst das weiterfüttern, was dem Welpen vom Züchter oder in diesem Fall vom „Tierheim“ gegeben wurde. Wir bezahlten auch dies, hörten uns noch den einen oder anderen Ratschlag an und schon verabschiedeten wir uns. Bine nahm unser neues Familienmitglied auf den Schoß, dort saß bzw. lag „er“ auf einer Decke. Wir fuhren bei brütender Hitze die eine Stunde wieder nach Hause. Ich glaube, hier wurde der Grundstein gelegt, dass Autofahren nie so richtig „das Ding von unserem Kleinen“ wurde. Vielleicht hätten wir ihn doch auf den Boden setzen sollen und eventuell wäre eine kürzere Strecke bei nicht so heißem Wetter auch ganz gut gewesen. Wie auch immer, wir fanden ja später einen Weg, dass „er“ zumindest nicht mehr kotzte… Nun waren wir also insgesamt zu fünft, im Haus zu viert. „Wir fünf“, das sind Bine und ich, der kleine noch namenslose „er“, unser alter Kater Timo und das junge Pferd Nikita. Ach ja, von unserem 17jährigem Oldie Timo, den Bine mit in unsere Beziehung brachte, habe ich bisher noch nicht berichtet. Im Vorfeld hatten wir uns selbstverständlich sachkundig gemacht. Wenn eine Katze zuerst da ist und dann kommt erst der Hund dazu: In dem Fall muss man sich keine Sorgen machen. Das sollte gut gehen. Ist es aber umgekehrt, dann könnte es ein Problem geben. So ähnlich war es auch. Dazu komme ich aber noch. Zunächst brauchte unsere „Handvoll Hund“ einen Namen. Das war echt schwer. So hieß er die ersten Tage wie auch viele andere Hunde: Prinz. Na ja, da ich die Songs eines gleichnamigen Musikers gerne hörte, eher „Prince“. Aber so richtig gefiel uns der Name nicht. Ein, zwei Tage später saßen wir mit unseren Reihenhausnachbarn Kurt und Senta auf der Terrasse. Nachdem wir unter anderem über Hundenamen und die Schwierigkeit der Namensfindung sprachen, sagte Kurt plötzlich: „Ein amerikanischer Name ist doch mal was anderes. Achtet aber darauf, dass er mit einem Vokal endet. Das ist nämlich beim Rufen des Hundes besser.“ Es stellte sich schnell heraus, dass Kurt auch schon mal einen Hund hatte und sich in der Thematik wirklich gut auskannte. Wir zählten einige Namen auf, z.B. Jo, Jimmie, Tommy, Mickie und diskutierten darüber. Irgendwann sagte Kurt: „Was haltet ihr von „Billie“ ? Ich schaute hoch und sah zu Bine. Für mich war sofort klar: DER Name ist prima. Bine nickte mir kurz zu, dann sagten wir fast zeitgleich: „Ok, Billie heißt er.„Kurze Episode am Rande: Ein paar Wochen später … Eines Morgens ging ich mit Billie zum Zeitungsladen um eine Tageszeitung zu besorgen. Dort angekommen, kaufte ich eine Berliner Morgenpost. Als ich bezahlen wollte, spürte ich, dass der Verkäufer erst mich, dann Billie musterte. Dann fragte er: „Möchten Sie vielleicht auch eine Schachtel Pall Mall, eine von den Blauen ?“ Irritiert schaute ich ihn an, dann sagte ich: „Äh, nein danke. Ich rauche schon lange nicht mehr !?“ Noch etwas perplex legte ich das Geld auf den Tresen, nahm die Zeitung und trat mit Billie den Nachhauseweg an. Langsam schlendernd ließ ich die Situation Revue passieren. Dann begriff ich: Bine raucht wieder ! Offenbar war Billie das ein oder andere Mal beim Zigarettenkauf dabei ! Und ich hatte es zu Hause tatsächlich nicht gemerkt, geschweige denn gerochen. Ich konnte es nicht fassen, zumal ich ja nun selbst einmal Raucher war. Innerlich kopfschüttelnd, andererseits auch schmunzelnd kam ich zu Hause an. Dann machte ich einen groben Schnitzer: Ich sprach Bine darauf an. Und tatsächlich: Nach kurzem Zögern gab sie zu, dass sie sich seit „einiger Zeit“ wieder die eine oder andere Zigarette ansteckte. Das Ende vom Lied: Von da an rauchte Bine wieder „richtig“. Um es vor mir zu verheimlichen, hatte sie den Zigarettenkonsum stark eingeschränkt. Das musste sie ja nun nicht mehr … Da hatte ich mir wohl ein Eigentor geschossen …

Kapitel 2

Timo und Billie

Grundsätzlich ging es gut zwischen den beiden. Sorge machte uns nur, dass Timo von Billie stets und ständig genervt wurde. Vor allem anfangs. Irgendwie verstand der kleine Kerl es nicht, dass Timo eher seine Ruhe haben wollte. Das betraf das Toben wie auch das Fressen. Bei Letzterem war Billie anfangs gar nicht zu bändigen. Zunächst stellten wir beide Futternäpfe nebeneinander. Billie und Timo warteten schon ungeduldig. Dann stellten wir ihre Näpfe so hin, dass beide sich nicht behinderten und mit dem Fressen gleichzeitig beginnen konnten. Billie fraß als würde es um sein Leben gehen. Dies hatte wohl mit seinen Erfahrungen im Zwinger zu tun. Er war daher viel früher fertig als Timo und versuchte nun von dessen Mahlzeit auch etwas abzubekommen. Da Timo sich nicht groß wehrte, stupste ich Billie weg. Er aber war hartnäckig, so dass ich ihn schließlich wegtrug und erst wieder „frei ließ“, wenn Timo aufgefressen hatte. Das ging eine ganze Weile so. Billie war einfach nicht beizubringen, dass er Timos Fressen in Ruhe lassen sollte. Also stellten wir Timos Napf auf die Küchenarbeitsplatte. Nun konnte er endlich wieder in Ruhe fressen. Blöd war dabei nur, dass Timo hoch springen musste, denn schließlich war er nicht mehr der Jüngste. Anders war es jedoch nicht möglich und „Hochheben“ mochte Timo nicht. Aber so klappte es wenigstens, dass Billie ihm nicht mehr ins Gehege kam. Es vergingen noch etliche Wochen, bis Billie irgendwann das Fressen langsamer anging und nicht mehr im Eiltempo runterschlang. Wenn Timo sich total genervt fühlte und er es überhaupt nicht mehr abkonnte, gab es was für Billie. In diesem Fall verteilte Timo links und rechts Watschen, gleich mehrere hintereinander. Das sah echt witzig aus. Was wirklich gut und beruhigend war: Ernst gemacht hat Timo nie. Er hat hierbei nie die Krallen ausgefahren. Und Billie hat übrigens auch nie versucht sich zu wehren. Klasse, oder ? Faszinierend war auch Folgendes: Selbst als Billie schon größer als Timo war, hat er es akzeptiert, dass Timo ab und zu in sein Körbchen gegangen ist und sogar darin gedöst hat. Wenn Timo an einer Stelle im Haus geschlafen hat, hat Billie sich manchmal in der Nähe und in der gleichen Haltung hingelegt. Davon gibt es soooo schöne Fotos … Timo liegt langgestreckt auf dem Wohnzimmertisch, Billie in derselben Haltung auf dem Boden direkt am Tisch. Oder Timo liegt auf der „schlafenden“ Bine in Brusthöhe, Billie etwas weiter unten auf Beinhöhe. Leider gab es in dieser Phase, als Timo eben nicht mehr ganz so schnell war, einen ca. 10jährigen Jungen aus dem Nachbarblock, den ich dabei beobachtete wie er sich einen Spaß machte und mit dem Fahrrad mehrmals auf Timo, der gerade unsere Straße überqueren wollte, zufuhr und erst kurz vorher stark abbremste. Ich sah dies zufällig aus dem Küchenfenster. Nachdem ich zunächst dachte, dass dies aus Versehen passierte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: Der Junge tat es erneut ! Mir fuhr ein Riesenschreck in die Glieder und ich holte tief Luft. Mein Adrenalinspiegel schnellte von Null auf Hundert. Fast im gleichen Moment sagte mein innere Stimme: „Zähl bis zehn …“ Ganz langsam begann ich mit einer langgezogenen „eiiins“, etwas schneller endete ich mit „und zehn“. Dabei hoffte ich den „Knaben noch zu erwischen“. Ja, er war noch in Sichtweite. Dann rannte ich raus und hielt ihn an. Etwas ruhiger als noch vor dem Zählen sprach ich in nach meiner Ansicht recht gemäßigtem Ton mit ihm: „Sag‘ ‚mal, das kann doch nicht wahr sein. Du fährst ja noch unseren Timo über den Haufen !“ Total erschrocken schaute mich der Junge an. „Ich möchte das nie wieder sehen ! Dreh‘ deine Runden also ab sofort woanders.“ Der Junge tat, was ich ihm sagte und radelte nun schnell weg. Noch immer fassungslos guckte ich, wo Timo abgeblieben war, sah erleichtert, dass er in Sicherheit war, und ging wieder ins Haus. Kurze Zeit später klingelte es an der Haustür. Es war der Vater, der sich, wie ich zunächst vermutete, für seinen Sohn entschuldigen wollte. Aber „nichts da“, wie man so schön sagt. Er trat mir sofort völlig verärgert entgegen und sagte in recht lautem, unfreundlichem Ton, dass ich seinen Sohn nicht „wegzuscheuchen“ habe. Ich startete einen vergeblichen Versuch ihm die Umstände und meine große Angst um unseren Kater zu erklären. Aber schnell merkte ich, dass diese Mühe vergeblich war. Wir gerieten in einen kurzen, heftigen Streit, bei dem ich ihn mehr oder weniger von unserem Grundstück schmiss. Keine Chance eine irgendwie geartete Einsicht zu erwarten. Wie auch immer, entscheidend war für mich: Der Junge hat es nie wieder gemacht. Timo ist im Frühjahr des darauf folgenden Jahres 2003 in den Katzenhimmel gekommen. Bine hat die Entscheidung treffen müssen. Dafür bewundere ich sie sehr, denn so hart es war, sie hat es aus tiefer Liebe zu Timo gemacht. Ich wiederum tat Bine den Gefallen, mit dem Arzt bei uns im Haus dabei zu sein … Das wollte ich danach eigentlich nie wieder machen … Seitdem wusste ich jedenfalls, dass auch das „Loslassen“ zur Tierliebe gehört. Meine Veränderungen im Denken waren also schon im vollen Gange: Denn hier ging es darum, Timo eine eventuell lange Leidensphase zu ersparen. Die wirkliche Liebe zu Tieren, nicht mehr nur „ich finde einen Hund gut“ oder „ich mag Katzen“, diese wahre Tierliebe hat mir Bine vorgelebt. Die besondere Form von Mitgefühl, die Empathie gegenüber Tieren kann ich dadurch und auch insbesondere durch die Jahre mit Billie nicht nur vom Verstand her nachvollziehen, sondern verspüre es mit meinen Emotionen. Es ist ein Glück, dass es jetzt so ist und ich mag es mir nicht mehr anders vorstellen. Andererseits kann ich mich – weil ich es ja auch erst lernen musste - in die Lage von Menschen versetzen, die manche Dinge gar nicht verstehen (können). Ich denke in solchen Momenten beispielsweise daran, dass ich es nie gemocht habe, wenn Timo in unser Bett kam. Dabei legte er sich ja meist sogar nur ans Fußende. Mich hat auch geärgert, wenn überall Katzenhaare lagen. Das war seit Billie natürlich alles gaaaanz anders und überhaupt kein Thema mehr. Auch fällt mir ein, dass seinerzeit eine Kollegin in einem Jahr zuerst ihren Hund und dann auch noch die Katze verloren hatte. Sie war wochenlang krank und selbst, als sie wieder arbeiten kam, trauerte sie und konnte sich kaum konzentrieren. Ich konnte dieses Verhalten, und dann auch noch über eine solch lange Zeit, überhaupt nicht begreifen. Mir fehlte damals jegliches Verständnis. Aber heute, da denke ich ganz anders und weiß: Es war nicht der Verlust zweier Tiere, sondern von Familienmitgliedern und treuen Lebensgefährten.

Kapitel 3

Es ist …. ein Podenco !?

Tja, wir waren ja nun stolze Besitzer eines hellbraunen, ca. 8 Wochen alten Welpen mit Schlappohren und mussten uns zunächst einmal einen Tierarzt suchen. Im Nachbarort gab es eine Gemeinschaftspraxis, die einen durchweg positiven Ruf genoss. Also fuhren wir dorthin, ließen Billie untersuchen und erhielten auch ein Impfbuch, in welchem die Rasse „Retrievermischling“ eingetragen wurde. Das Hauptaugenmerk legten wir in der ersten Zeit darauf, dass Billie sich an seine neue Umgebung und uns als Bezugspersonen gewöhnt. Bine war aufgrund ihrer Krankheit ohnehin zu Hause und ich nahm meinen 4-wöchigen Jahresurlaub. Als nächsten Schritt wollten wir eine Welpenschule besuchen, des sozialen Kontaktes wegen. In unserer Nähe gab es zwar viele Hunde, aber er sollte ja vor allem mit Gleichaltrigen toben und lernen. Im Nachbarort Glienicke/Nordbahn waren wir dann einige Male auf einem Hundeplatz. Hier gab es auch eine Welpengruppe. Billie fing sich aber schon bald Flöhe ein, so dass wir erst nicht mehr durften und danach nicht mehr wollten. Dies hatte insbesondere aber vor allem den Grund, dass ich mit dem barschen Militärton nicht umgehen konnte. Und dies meine ich bezogen auf meine Person. Denn offenbar herrschte seitens der Hundeausbilder die Meinung, Herrchens und Frauchens sind unmündig, dumm und würden nur laut formulierte Anweisungen befolgen können. Ab dem Zeitpunkt übernahmen wir also allein die Erziehung. In dieser Zeit lernte Billie seinen ersten Freund kennen. Es war Alfons, ein Hovawart (grundsätzlich schwarz, nur Pfoten und Bauch hellbraun). Er war am 31. Mai geboren, somit gerade mal einen Tag älter als Billie. Mit Ulf, dem Besitzer von Alfons traf ich mich regelmäßig sonntags auf einer der vielen Wiesen in Schildow. Hier rannten, balgten und tobten die beiden miteinander. Es war einfach nur schön zu sehen, wie sich Hunde des Lebens freuen und miteinander spielen. Billie war kleiner, aber das machte ihm nichts aus. Bald kamen auch andere Hunde dazu. Um das Erlernen der sozialen Verhaltensweisen unter „Gleichgesinnten“ musste ich mir also keine Sorgen machen. In dieser Zeit veränderte sich neben seinem Verhalten logischerweise auch das Aussehen. Billie wurde größer und nach einigen Wochen sah er irgendwie nicht mehr so aus, wie ich mir einen Retriever-Mischling vorstellte. Er war doch recht schmal und dünn, vor allem aber: Was passierte mit den Ohren !? Sie hingen nicht mehr schlapp herunter, sondern richteten sich immer mehr auf. Man kann schon sagen, sie standen regelrecht nach oben und wurden immer größer. Sah recht lustig aus, Spock hätte gesagt: Faszinierend ! Auch das Gesicht und die Nase wurden länger. Wir waren zwar verwundert, aber: Uns gefiel es ! Wir fanden Billie dadurch besonders hübsch. Nun nahm ich eines Tages Fotos von Billie auf meine Arbeitsstelle mit. Ich hatte zu dieser Zeit eine Tätigkeit als Administrator. Als ich bei einer Kollegin „irgendein PC-Problem“ beheben musste, zeigte ich wieder mal einige Fotos. „Das ist Billie, angeblich ein Retriever-Mischling.“ Die Kollegin sah mich an, lachte etwas und zog plötzlich ein Buch aus einer Schublade. Sie blätterte. Nach kurzer Zeit zeigte sie mir eine Seite, tippte mit dem Finger auf ein Bild und meinte zu mir: „Ich schätze, die beiden sehen sich etwas ähnlich, meinst Du nicht auch ?“ Dann schaute ich hin und: Tatsächlich, das war er ! Absolut identisch, Kopf, Nase, Ohren, Figur. Sogar farblich, nur mit dem Unterschied , dass der Podenco Ibicenco im Album einen kleinen weißen Streifen auf der Nasenspitze hatte. Äh, Podenco ? Noch nie gehört. Ich guckte die Kollegin völlig überrascht, vielleicht auch verwirrt an. Daraufhin las sie mir aus der Beschreibung vor. Der „Migrationshintergrund“ von Billie war also ein südeuropäischer. Er war ein zumindest ursprünglich aus Spanien oder Portugal stammender Windhund. Wenn nicht reinrassig, dann zumindest „in großen Teilen“. Wie ich erfuhr, war die Kollegin übrigens Vorsitzende eines Boxerclubs, kannte sich dadurch sehr gut mit Hunderassen aus. Deshalb auch das Buch im Schreibtisch und daher die gezielte Suche nach dem Podencoporträt. Ich erzählte natürlich sofort Bine davon und machte mich nach Feierabend erst mal richtig sachkundig. Was bitteschön muss man zu einem Podenco wissen ? Hier eine kurze Beschreibung [Quelle: Wikipedia]: „Alle Vertreter dieser Gruppe mediterraner Hunderassen fallen durch ihre fledermausähnlichen Stehohren auf … Die Selbständigkeit dieser Hunde macht es schwierig sie als Begleithund zu halten: Im Haus sind sie windhundtypisch eher ruhige, sanfte Zeitgenossen, draußen aber zeigen sie häufig stark ausgeprägtes Jagdverhalten. Für eine artgerechte Haltung ist Freilauf unerlässlich. Je nach Tier kann es unterschiedlich schwierig sein, einen Podenco frei laufen zu lassen.“ Tja, wenn ich das selber so lese, kann ich echt stolz sein. Denn mit Billie habe ich so viele Wanderungen ohne Leine in tiefen Wäldern unternommen und musste – nachdem er einmal versucht hat hinter Rehen herzulaufen – fast nie Sorge haben. Ausnahme waren da lediglich Feldhasen und Katzen ! Bei Feldhasen war ich mir aber nach dem ersten Erlebnis im Hundeauslauf Arkenberge sicher, dass Billie im Normalfall keinen fangen würde. Ich weiß es noch genau. Im ersten Moment pochte mein Herz. Denn Billie kam dem Hasen auf gerader Strecke stetig näher. Der Hase lief dann aber derartig im Zickzack und verschwand irgendwann im Dickicht, dass Billie wohl auch bei höherer Geschwindigkeit keine Chance gehabt hätte. Hinsichtlich des Verhaltens bei Erblicken einer Katze kann ich ebenfalls ein paar Erlebnisse erzählen, leider einige auch nicht so Gute. Diesem Thema habe ich nicht nur das Kapitel „Timo und Billie“, sondern ein weiteres gewidmet („Billie und die Gesundheit -> Katzen“).

Kapitel 4

Billie und die Gesundheit

Glassplitter und noch mehr …

Billie hatte anfangs keine Krankheiten, Allergien oder Verletzungen. Es fing also eigentlich gut an … Das erste Erwähnenswerte außer den im dritten Kapitel genannten Flöhen war, dass Billie sich im Februar 2004 Glassplitter eingetreten hatte. Da war er bereits eindreiviertel Jahre alt. Ich habe hiervon auch ein Foto vom 17. Februar 2004, auf dem er an der linken Vorderpfote einen Verband trägt. Das war übrigens das erste, aber nicht das einzige Mal, dass Billie sich durch Glassplitter eine Wunde zuzog. Dies hat bei mir im Laufe der Zeit zu einem „Gang mit gesenktem Blick“ beigetragen. Die Betonung liegt allerdings auf „beigetragen„. Ein weiterer Grund war, dass ich des Öfteren in Hunde… trat, die andere Hundebesitzer nicht glaubten entfernen zu müssen. Nun ja, zurück zum Thema: Über ein Jahr später passierte es. Fast auf den Tag genau an Billies drittem Geburtstag. Es war ein schöner, sonniger Tag an einem Wochenende im Juni 2005. Bine und ich saßen am Samstag, dem 4. Juni im Wohnzimmer, bei offener Terrassentür. Billie war im Garten. Plötzlich hörten wir ein Baby schreien. Nein, es war mehr ein Wimmern. Nun hörten wir genauer hin. Das war doch kein Baby (!?). Nein, da jammerte Billie ! Ich lief in den Garten. Im ersten Moment entdeckte ich ihn nicht. Dann sah ich Billie. Er lag hilflos zwischen den Pflanzen, unmittelbar vor dem Gartenzaun! Ich stürzte hin und dachte im ersten Augenblick, dass er von einer Katze verletzt worden ist. Ich wollte ihm aufhelfen. Keine Chance. Billie konnte sich nicht bewegen! Mir fuhr die Angst in die Glieder. „Was ist bloß los? Was ist passiert?“ Dann ging alles ganz schnell. Ich rief Bine zu, sie solle sofort die Tierarztpraxis anrufen. Dann nahm ich Billie vorsichtig auf die Arme und trug ihn zum Auto. Zum Glück war die Praxis gleich im Nachbarort. In einer knappen Viertelstunde waren wir in Schönfließ. Ein weiteres Glück war der Umstand, dass man zu jeder Zeit dort hinkommen konnte. Die beiden „Hauptärzte“ dieser großen Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten und Räumlichkeiten waren ein Ehepaar. Sie hatten in dem riesigen Komplex auch ihre Privatwohnung. Aus diesem Grund waren wir zuversichtlich, dass die als Operateurin sehr erfahrene Frau Dr. Nowotschi da war und Billie helfen und behandeln konnte. So war es dann auch, jedenfalls fast. Frau Nowotschi war da und konnte Billie auch insoweit helfen, dass er sich wieder bewegen und zaghaft laufen konnte. Der erste Verdacht eines Bandscheibenvorfalls bestätigte sich nicht. Die wirkliche Ursache für diese plötzliche halbseitige Lähmung konnte aber trotz Röntgens nicht herausgefunden werden. Daher bekamen wir einen Termin in der Tierklinik in Berlin-Marzahn. Hier wurde Billie in die sogenannte Röhre geschoben, es wurde also ein CT durchgeführt. Da die ersten Aufnahmen der Computertomographie kein konkretes Ergebnis brachten, mussten wir Billie über Nacht dalassen. Das taten wir sehr ungern. Und das ist noch milde ausgedrückt. Uns ging es damit gar nicht gut. Aber es musste nun mal sein. Am nächsten Tag durften wir Billie wieder abholen. Uns wurde die Diagnose mitgeteilt: Billie hatte sogenannte „Rückeninfarkte“. „Wie bitte ? Was sind denn Rückeninfarkte ?“ Man erklärte uns: „Na ja, im Prinzip ein Herzinfarkt, nur eben im Rücken“. Ok, und wie sollten wir mit diesem Befund umgehen ? Was waren die Ursachen und worauf sollten wir jetzt achten ? Und vor allem: Könnte es wieder passieren? Fragen über Fragen. Sorge und Angst mischten sich mit etwas Verzweiflung. Wir löcherten die Ärzte, zunächst in der Tierklinik, danach in der Tierarztpraxis: „Wird Billie damit noch lange leben können ?“ Die mit großer Sorge erwarteten Antworten waren zwar nicht „supergut“, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet. „Ja, es kann lebensbedrohend sein. Und nein, es muss nicht. Die Chancen stehen auf jeden Fall gut, dass Billie bei Beachtung bestimmter Dinge noch eine hohe Lebenserwartung hat.“ Zusammengefasst vermutete man, dass die Ursache eine Kombination aus Vererbung sowie unglücklicher Bewegung war. Vielleicht hatte Billie ja tatsächlich im Garten eine Katze entdeckt und verjagen wollen. Man konnte uns nur den Rat geben Billie möglichst wenig bis gar nicht zu kurzen, schnellen Bewegungen zu veranlassen. Mit anderen Worten: Künftig kein Agility mehr auf dem frei zugänglichen Hundeplatz in Bergfelde, kein Hochhalten eines Stöckchens mehr mit dem Ziel, dass Billie auf mich zu sprintet und sich das Stöckchen im Sprung holt. Auch kein Ballwerfen mehr und kein „Einkriegezeck“. All das hatte ich oft mit ihm gemacht. Ich dachte, dass ich Billie damit Freude bereiten und etwas Gutes tun würde. Spaß gemacht hatte es ihm mit Sicherheit. Aber all das war eventuell auch ein Auslöser für die Rückeninfarkte. Zumindest konnte ich es im Nachhinein so sehen. Ich machte mir Vorwürfe. Gleichzeitig sagte ich mir, dass ich es ja gar nicht wissen konnte. Wie auch immer. Von nun an würde ich bestimmte Dinge nicht mehr tun. Billie sollte ab sofort möglichst keine heftigen Tempo- oder Richtungswechsel mehr machen. Sicher, ganz würde es wohl nicht funktionieren. Denn schließlich sollte er ja beispielsweise auch wieder mit anderen Hunden spielen dürfen. Auf jeden Fall reduzierte ich von nun an die für ihn gefährlichen Dinge. Zunächst einmal musste Billie aber gesund werden. Die Genesung dauerte Monate. Irgendwann Ende des Jahres begann ich ganz langsam die Dosis zu erhöhen. Will sagen, ich fing wieder an zu wandern und zu joggen. Das Joggen war sogar richtig gut für Billie, da es (auch) seine Ausdauer förderte bei grundsätzlich gleichbleibendem Tempo und ohne abrupte Bewegungen. Um das Thema vor dem Abschluss zu komplettieren: Es gab leider keine Garantie, ob Billie noch einmal solche Rückeninfarkte erleiden würde. In den ersten Wochen und Monaten, und manchmal auch noch Jahre später in bestimmten Situationen, war diese Aussage der Ärzte echt schwer zu verarbeiten. Doch nach und nach, je besser es Billie wieder ging, verschwand die Angst. Zumindest trat sie in den Hintergrund und ich dachte nicht mehr stets und ständig daran. Zum Glück, denn sonst hätte Billie mit mir bzw. ich mit ihm viele Erlebnisse, besonders bei den noch kommenden unzähligen Wanderungen, nicht gehabt. Um es vorwegzunehmen: Die Rückeninfarkte traten nie wieder auf ! Das Kapitel hätte ich auch „Billie und die Krankheiten“ oder „Billie und seine Verletzungen“ nennen können. Denn …, aber dazu mehr beim folgendem Thema …

Kapitel 5

Katzen

Eines wusste ich nicht, hätte es auch nie vermutet: Es gibt Katzen, denen Hunde lieber aus dem Weg gehen sollten. In meiner Naivität bin ich immer davon ausgegangen, dass ein Hund stets der Stärkere und der Jäger ist. Ich wurde eines Besseren belehrt: bei uns in der Siedlung im Rotdornweg griff eine Katze sogar mal Billie an. In dem Moment hatte ich Billie an der Leine und bekam einen mächtigen Schreck. Der wurde noch größer, ging sogar etwas in Panik über, als die Katze uns tatsächlich hinterherlief ! Zunächst zerrte Billie an der Leine und wollte offenbar den „Kampf annehmen“. Aber schnell wurde auch ihm sichtlich etwas mulmig, denn Billie kam ganz plötzlich freiwillig und ohne weiteres Gezerre mit mir mit. Wir flüchteten erfolgreich in „etwas schnellerer Gangart“. In „unsere“ Straße eingebogen, sah ich, dass die Katze die Verfolgung einstellte. Trotzdem beeilte ich mich, mit Billie unser Haus zu erreichen. Dort angekommen, machte ich sofort die Tür zu und blieb kurz im Flur stehen. Verbunden mit einem lauten Erleichterungsseufzer schaute ich zu Billie: „Puh, das müssen wir nicht noch einmal haben.“ Schwanzwedelnd hob er den Kopf und guckte mich ebenfalls an. Seinem Blick entnahm ich, dass er mir zustimmte … Grundsätzlich, so dachte ich anfangs, sollte es kein Problem mit Katzen geben. Denn schließlich wuchs Billie mit Timo auf. Zwar wollte Timo seine Ruhe haben, er war ja mit seinen 17 Jahren umgerechnet 83 bis 91 alt (kommt auf die Tabelle an, die man zum Umrechnen benutzt), also ein „alter Mann“. Aber eigentlich sollte sich das Zusammenleben doch positiv auf das Verhältnis mit Katzen auswirken. Oder nicht ? In der Praxis merkte ich bald: „Oder nicht ?“ traf zumindest „im Freien“ zu. Wir hatten beispielsweise eine gute Bekanntschaft im bei uns angrenzenden Reihenhausblock. Uta und Daniel wohnten dort mit ihren beiden Töchtern und zwei Katzen. Uta und Bine kannten sich aus ihrer Jugendzeit und staunten nicht schlecht, nun Nachbarn zu sein. Grundsätzlich musste niemand auf Billie aufpassen. Im Normalfall waren wir ja zu Hause. Bine konnte aufgrund ihrer Krankheit in den ersten Monaten nicht arbeiten. Sobald es wieder möglich war, nahm sie eine Teilzeitbeschäftigung auf. Bine war daher nicht den ganzen Tag weg. Ich wiederum konnte meine Arbeitszeit variieren. Als Beamter nahm ich an der sogenannten „Gleitzeit“ teil und konnte morgens später losfahren. Wenn nötig, war es mir dadurch auch möglich, früher „Schluss zu machen“. „Logistisch“ bekamen wir es somit fast immer hin, dass Billie nicht oder zumindest nicht lange alleine war. Es gab aber naturgemäß Situationen, da konnten wir es nicht verhindern. Meist handelte es sich selbst dann nur um wenige Stunden. Billie konnte jedoch damit gut umgehen. Das hatten wir ihm von Anfang an und sehr behutsam beigebracht. So, wie man es auch machen soll: Zunächst verließen Bine und ich zusammen das Haus und schauten durch das Küchenfenster. Wir horchten, ob Billie winselte oder bellte. Dann gingen wir nach einer knappen Minute wieder hinein. Nach und nach dehnten wir die Zeitspanne aus. Aus einer Minute wurden fünf, aus fünf fünfzehn usw. Es klappte echt prima, denn von Billie war nichts zu hören. Oftmals konnten wir durch das Fenster beobachten, wie Billie sich entspannt hinlegte. Wir hatten daher ein gutes Gefühl, wenn wir wirklich mal ohne ihn einkaufen fuhren. Irgendwann, ich weiß den Tag nicht mehr, nutzten wir aber auch das Angebot von Uta und Daniel, Billie bei Ihnen zu lassen. Nun muss man wissen: Billie kannte die beiden und auch die zwei Töchter gut, aber: Es gab ja auch die zwei Katzen im Haus. Ich hatte daher meine Bedenken. Wir probierten es trotzdem aus und … Ich staunte nicht schlecht: Es war ohne Auseinandersetzung zwischen den Katzen und Billie machbar ! Die Katzen verzogen sich zwar in die oberen Stockwerke. Aber selbst, wenn sie mal im Erdgeschoß waren, akzeptierten sie Billie und umgekehrt. Allerdings: Im Garten war das Stillhalteabkommen beendet. Da ließ Billie die beiden Katzen leider nicht in Ruhe. Wenn sie es wagten, zu uns in den Garten zu kommen, verjagte er sie sogar. Meine Erkenntnis daraus: Offenbar verstand Billie, dass das Haus von Uta und Daniel das Revier der Katzen ist. Dieses endete für ihn aber „draußen“. Zurück zu Timo und Billie: Hier lief es etwas besser. Wenn Timo in unserem Garten war, wurde er von Billie nicht gejagt. Nur genervt … Timo ging ja regelmäßig auf Trebe, verließ also oft unser kleines Terrain. Von daher hatte ich den „kleinen Traum“, dass Billie und Timo einträchtig bei einem Spaziergang nebeneinander laufen würden. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht. Erstens ging Timo ohnehin seine eigenen Wege. Er kannte es einfach nicht anders. Zudem hatte er dann endlich mal Ruhe vor diesem kleinen „klettenhaften“ Mitbewohner. Und zweitens war mir klar, dass Billie sich „draußen“ gegenüber Katzen einfach nicht zu benehmen wusste. Ein ruhiges, entspanntes Nebenherlaufen war einfach illusorisch. Von daher unternahm ich auch gar keine ernsthaften Versuche. In unserer Siedlung gab es übrigens ein solches Miteinander von Hund und Katze. Anfangs dachte ich an einen Zufall, bei der nächsten Begegnung wusste ich aber: Da gingen echt eine Katze und ein Hund mit Frauchen Gassi. Die Katze ohne Leine und mit einem kleinen Abstand. Aber es war eindeutig, dass alle drei zusammengehörten. Ich traf die drei gelegentlich und war jedes Mal aufs Neue erstaunt. Ich entsinne mich auch an eine Begegnung mit einer anderen Katze in der Franz-Schmidt-Straße, Ecke Lindenstraße. Sie stand plötzlich vor uns, nur wenige Meter entfernt. Offenbar war sie gleichermaßen erstaunt wie Billie. Ob er an der Leine war, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls lief er auf die Katze zu, die völlig erschrocken den nächstbesten Baum hochkletterte und dort sitzen blieb. Billie wiederum blieb bellend an dem Baum stehen und wäre wohl am liebsten auch hochgeklettert. Ich hatte echt Mühe ihn von der Stelle wegzubewegen. Das war übrigens eine Szene, die ich auch so erwartet hätte, bevor wir uns Billie angeschafft hatten. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich hatte dies erwartet, nicht erhofft. Am Schönsten wäre es selbstverständlich gewesen, wenn ihm Katzen „schnuppe“ gewesen wären. Noch besser, wenn er alle Katzen als Freunde betrachtet hätte. Na ja, leider war dem nicht so …

Billie, Katze und ein Unfall …