Staubsaugerroboter und Weckerkatze - Grit Kirschbaum - E-Book

Staubsaugerroboter und Weckerkatze E-Book

Grit Kirschbaum

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Beschreibung

Die Helden dieser Geschichten werden von den alltäglichen Tücken des Schicksals herausgefordert: der Schlagzeuger, der auch vom stärksten Wecker nicht wach wird, die Hamburgerin, die Horoskope und einen bayrischen Busfahrer liebt, der Straßenkehrer, dem die Möwen beim Leeren der Papierkörbe helfen, und nicht zuletzt die Rentnerin, die ihren kleinen Staubsaugerroboter gegen ein Luxusmodell eintauschen muss ...

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Seitenzahl: 62

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Sie werden von den alltäglichen Tücken des Schicksals herausgefordert:

der Schlagzeuger, der auch vom stärksten Wecker nicht wach wird,

die Hamburgerin, die Horoskope und einen bayrischen Busfahrer liebt,

die Hausfrau, die Socken sortiert,

der Kellner, der dem Koch misstraut,

der Straßenkehrer, dem die Möwen beim Leeren der Papierkörbe helfen,

der Frosch, der vom Apfel beinahe erschlagen wird,

das Schwein, das sich durch die Sprache diskriminiert fühlt,

der Supermarktkunde, dem noch 345 Fußballaufkleber fehlen,

und schließlich die Rentnerin, die ihren kleinen Staubsaugerroboter gegen ein Luxusmodell eintauschen muss.

Grit Kirschbaum arbeitete als Programmiererin, studierte Sprachen und lebt derzeit als freie Autorin in der Nähe von Hamburg.

Inhalt:

Wecker für einen Drummer oder: Die Radlowsche Katze

Möwenfrühstück am Hafen

Sockenmemory – Gedanken einer Hausfrau

Worte eines Knödelkellners

Livekonzert der

Taffen Affen

Der Frosch im Herbststurm

Staubsaugerroboter

Sammelbildertreueaktion

Das neue Narkosemittel oder: Im Metrobus durch Hamburg

Wecker für einen Drummer oder: Die Radlowsche Katze

„Es hat geklingelt!“, brüllte mir mein Nachbar Gregory Radlow ins Ohr und rüttelte mich an den Schultern, bis er lahme Arme bekam.

„Was ist denn los?“, murmelte ich.

„Meine Güte, Bodo, wach auf!“, sagte Gregory. „Es ist Montagmorgen und fünf nach sechs. Dein Wecker hat geklingelt. Dein Doppelglocken-Monsterwecker mit extra langer Weckzeit. Das war sogar drüben bei mir im Kuhstall zu hören.“

Ach richtig! Ab heute musste ich ja tagsüber zur Arbeit – total ungewohnt für einen, der drei Jahrzehnte lang Schlagzeuger in einer Kneipenband war und tagsüber zu schlafen pflegte. Aber die Kneipe hatte dichtgemacht, und ich war froh, in meinem Alter noch eine gute Arbeit gefunden zu haben.

„Danke, Gregory“, sagte ich. „Der Wecker war wohl nicht laut genug, und meine innere Uhr geht immer noch nach dem Mond. Ich mach's wieder gut. Du hast einen Wunsch frei.“

„Gib ihr 'ne Maus oder 'ne Ratte oder sonst was zu fressen“, sagte mein Nachbar.

„Wie bitte?!“ – Ach so: Minka war ihm mal wieder gefolgt, die Radlowsche Katze. Anhänglich, neugierig und – nimmersatt. Denn schon als ich zum Kühlschrank ging, leckte sie sich das Mäulchen und ich sah, wie ihr darin das Wasser zusammenlief. Ich gab Minka ein Stück Leberwurst, und dann beeilte ich mich, dass ich pünktlich zur Arbeit kam.

Nach Feierabend ging ich als Erstes ins Einkaufszentrum und kaufte mir noch ein paar Wecker dazu: den Feuerwehrwecker mit Martinshorn, einen MP3-Wecker mit Lindenbergs Panikorchester und das Modell Dynamit mit Countdown und anschließendem Explosionsgeräusch.

„Es hat geklingelt!“, brüllte mir Gregory Radlow ins Ohr und rüttelte mich, bis er lahme Arme bekam.

„Was ist denn los?“

„Meine Güte, Bodo, wach auf!“, sagte Gregory. „Es ist Dienstagmorgen und fünf nach sechs. Deine Wecker machen einen Heidenradau. Du hast meine Kühe erschreckt.“

„Danke Gregory“, sagte ich, „wahnsinnig nett von dir. Und – tut mir leid mit den Kühen.“ Ich gab Minka eine Frikadelle zu fressen und beeilte mich, dass ich pünktlich zur Arbeit kam.

Im Einkaufszentrum, nach Feierabend, befragte ich einen Fachmann.

„Tja“, sagte mir der Verkäufer, „wenn Sie auf akustische Wecker nicht reagieren, versuchen Sie's mal mit den optischen. Manche Menschen wachen auf, wenn sich das Licht um sie herum verändert.“

Also kaufte ich einen Projektionswecker, der die Uhrzeit an die Tapete wirft, einen Wecker mit Lasershow, einen Sonnenaufgangs-Wecker, dessen Licht nach und nach heller wird, sowie den Wecker mit Blaulicht, Peterwagen genannt. Abends aktivierte ich sie – zusammen mit all den anderen Weckern.

„Es hat geklingelt!“, brüllte mir Gregory Radlow ins Ohr und rüttelte mich, bis er lahme Arme bekam.

„Was ist denn los?“

„Meine Güte, Bodo, wach auf! Es ist Mittwochmorgen und fünf nach sechs. Mit deinem Blitzlichtgewitter machst du mir die Kühe ganz wild.“

„Danke Gregory“, sagte ich und entschuldigte mich ausführlich. Dann gab ich Minka ein Stück Tintenfisch und beeilte mich, dass ich pünktlich zur Arbeit kam.

Nach Feierabend holte ich mir erneut fachkundigen Rat.

„Es gibt da ein altes Sprichwort“, sagte mir der Verkäufer: „Wer nicht hören kann, muss fühlen.“ Und er riet mir zu den so genannten taktilen Weckern, auch Action-Wecker genannt. Ich kaufte den Shocking-Wecker mit Stromschlag-Effekt, den Wecker Fliegende Untertasse, der zur Weckzeit durchs Zimmer saust, den Vibrationswecker Modell Rüttelstampfer sowie den hängenden Wecker der Firma Damokles.

„Es hat geklingelt!“, brüllte mir Gregory Radlow ins Ohr und rüttelte mich, bis er lahme Arme bekam.

„Was ist denn los?“

„Meine Güte, Bodo, wach auf! Es ist Donnerstagmorgen und fünf nach sechs. In meinem Stall fliegt ein Ufo herum, und in deinem Haus wackeln die Wände.“

Es war zum Wahnsinnigwerden! Ohne Gregorys Einsatz wurde ich einfach nicht wach. Ich stellte Minka ein Schälchen mit Rahm auf die Fliesen, versprach, mich noch intensiver beraten zu lassen und beeilte mich, dass ich pünktlich zur Arbeit kam.

„Haben Sie vielleicht noch was Stärkeres?“, fragte ich nachmittags den Verkäufer im Weckershop.

„Ja freilich. Wie Sie bestimmt gemerkt haben, spricht so ein Wecker die menschlichen Sinne an. Wenn es nun übers Gehör, über den Gesichtssinn und den Tastsinn nicht funktioniert, dann bleibt uns ja noch der vierte und letzte Sinn, der Geruchssinn.“

„Einen Versuch ist es allemal wert“, sagte ich und packte die Modelle Stinktier, Schwefliger Teufel, Durchgeschwitzte Socken und Da-hat-wohl-einer-Knoblauch-gegessen in meinen Einkaufskorb. Nach einer kleinen Geruchsprobe hatte ich die berechtigte Hoffnung, am nächsten Morgen von allein wach zu werden.

„Es hat geklingelt!“, brüllte mir Gregory Radlow ins Ohr und rüttelte mich, bis ich fast aus dem Bett flog.

„Was ist denn los?“

„Was los ist?! Es ist Freitagmorgen und fünf nach sechs. Meine Kühe haben sich allesamt übergeben, und mir ist auch schon ganz flau.“

„Tut mir leid“, sagte ich und erhob mich. Gregory war tatsächlich ganz grün im Gesicht. Nur der Radlowschen Katze schien das alles nichts auszumachen, ihr tropfte bereits der Zahn.

Ich versprach, nach einer wirklich funktionierenden Lösung zu suchen, gab Minka ein Stück Huhn in Gelee und beeilte mich, um nicht am letzten Tag der Woche doch noch zu spät zur Arbeit zu kommen.

Am Abend stellte ich alle Wecker AUS. Wochenende! Endlich durfte ich ausschlafen!

Jäh schreckte ich aus dem Schlaf, mit einem widerwärtigen Geschmack im Mund. Ich riss die Augen auf. Es war Samstagmorgen und fünf nach sechs. Auf meiner Brust stand – leise miauend – die Radlowsche Katze, krallte die Pfoten in meine Decke und sabberte mir – in Erwartung einer leckeren Mahlzeit – direkt ins Gesicht. Und ihr Speichel war nach der nächtlichen Jagd noch vermischt mit fauligem Fleisch und Rattenblut.

Ich sprang aus dem Bett, direkt unter die Dusche, spülte mir mindestens zwanzig Mal den Mund aus, und dabei wurde mir klar, dass der Verkäufer gelogen hatte: Es gab ja noch einen fünften Sinn! Aber vielleicht hatte der Verkäufer ihn auch vergessen, weil noch kein Wecker auf dem Markt war, der den Geschmackssinn ansprach.

Von diesem Tag an brauchte ich Gregorys Hilfe nicht mehr. Denn seitdem genügt mir ein einfacher Wecker, der leise miaut ... Und schon beim ersten Ton bin ich hellwach und flüchte unter die Dusche.

Wir sind trotzdem Freunde geblieben – mein Nachbar, seine Katze und ich. Manchmal bringe ich Minka etwas zu fressen rüber. Aber nur in der Dose, und die lasse ich immer von Gregory öffnen.

Möwenfrühstück am Hafen