Stillen - Dora Schweitzer - E-Book

Stillen E-Book

Dora Schweitzer

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Beschreibung

Für eine glückliche und entspannte Stillzeit!

Für die meisten werdenden Mütter ist es selbstverständlich, dass sie stillen wollen. Es schafft eine große Innigkeit und ist das Beste für ihr Baby. Umso schwerer ist es für sie, wenn es nicht gleich klappt.

Stillprobleme lösen.

Die Autorin, selbst Mutter und seit vielen Jahren als Stillberaterin tätig, begleitet Sie von den ersten Vorbereitungen bis zum Abstillen. Sie erfahren, wie Sie mit Stillproblemen umgehen können. Außerdem erhalten Sie Tipps für das Stillen in besonderen Situationen wie bei Frühgeborenen und nach Kaiserschnitt. Die Erfahrungsberichte stillender Mütter zeigen Ihnen, wie andere ihren ganz persönlichen Weg gefunden haben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Stillen

Für glückliche Mütter und Babys – Ihr Stillberater für zu Hause

Dora Schweizer

3. Auflage

Liebe Leserin,

die Schwangerschaft, die bevorstehende Geburt und die bedeutenden Veränderungen, die sich durch das Baby in Ihrem Leben ergeben werden, haben sicherlich auch bei Ihnen eine Mischung aus freudiger Erwartung, einer kleinen Portion Skepsis bis hin zu leichten Ängsten ausgelöst. Ihre Gedanken sind hoffnungsvoll in die nahe Zukunft gerichtet und beschäftigen sich nun auch mit dem Thema »Stillen«.

Früher war in den eigenen Großfamilien viel Stillwissen vorhanden, mit dem Wöchnerinnen und junge Mütter unterstützt wurden. Durch einschneidende gesellschaftliche Änderungen in den vergangenen Jahrzehnten hat sich dies gravierend geändert. Heute kann nur noch sehr selten auf derartig »überliefertes« Stillwissen zurückgegriffen werden. Stillinteressierte Frauen erhalten die gewünschten Informationen von Ärzten, Hebammen, Krankenschwestern sowie von ausgebildeten Still- und Laktationsberaterinnen oder aus entsprechender Literatur. Dieses Buch kann Ihnen bereits während der Schwangerschaft bedeutsames Stillwissen vermitteln und Sie während Ihrer gesamten Stillzeit mit vielen praktischen Tipps unterstützen. Die Informationen werden durch wertvolle Berichte stillerfahrener Mütter ergänzt und bereichert.

Viele bisherige Leserinnen des Ratgebers berichteten, dass sie unter anderem durch die in diesem Buch eingefügten Beiträge anderer Stillmütter große Zuversicht gewonnen hatten. Dadurch wurden manche von ihnen vor übereiltem Abstillen bewahrt und konnten somit ebenfalls noch eine wundervolle Stillzeit genießen.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie Ihre Stillzeit als erfüllten und bereichernden Lebensabschnitt erfahren, auf den Sie später immer wieder gerne und mit großer Freude zurückblicken können.

Im Juni 2017

Dora Schweitzer

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserin,

Teil I Stillen – von der Natur perfekt eingerichtet

1 Einige biologische Grundlagen

1.1 Die Veränderungen Ihrer Brust

1.1.1 Milchtröpfchen während der Schwangerschaft

1.1.2 Die Vorgänge im Inneren Ihrer Brust

1.2 Wie die Milch aus der Brust fließt

1.3 Die Inhaltsstoffe der Muttermilch

1.3.1 Das Aussehen der Muttermilch

1.3.2 Die Zusammensetzung der Muttermilch

1.3.3 Schadstoffe in der Muttermilch

1.4 Stillen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme

1.4.1 Abwehrstoffe gelangen von der Mutter zum Kind

1.4.2 Welcher Schutz wird geboten?

2 Nutzen Sie die Zeit der Schwangerschaft

2.1 Sich gedanklich auf das Stillen einstellen

2.2 Das »Babyfreundliche Krankenhaus«

2.3 Die Vorbereitung der Brust

2.3.1 Besondere Voraussetzungen

2.3.2 Wenige Anschaffungen

2.4 Auch Ihr Baby bereitet sich vor

Teil II Der Stillbeginn

3 Die ersten Stunden und Tage

3.1 Innige Kontaktaufnahme ermöglichen

3.2 Startschwierigkeiten gekonnt vermeiden

3.2.1 Was geschieht jetzt in Ihrem Körper?

3.2.2 Wenn der Start trotzdem etwas schwierig ist

3.2.3 24 Stunden Rooming-in

3.3 Stillen Sie Ihr Kind nach Bedarf!

3.3.1 Mein Kind nimmt nicht zu!

3.4 Verschiedene Stillpositionen

4 Der Milcheinschuss

4.1 Wie viel Milch braucht Ihr Kind?

4.2 Zeit zum Stillen – bitte Ruhe!

Teil III Die ersten Wochen mit dem Baby

5 Der Alltag beginnt

5.1 Ihre Hebamme macht Hausbesuche

5.2 Stillen und Haushalt – eine Doppelbelastung?

5.3 Die nächtlichen Stillmahlzeiten

5.3.1 Nächtliches Stillen ist auch gut für Ihre Brust

5.3.2 Mit dem Kind in einem Bett?

5.4 Stillen in der Öffentlichkeit

5.5 Wachstumsschübe bewältigen

6 Ihre Ernährung

6.1 So ernähren Sie sich richtig

6.1.1 Kleine Zwischenmahlzeiten

6.1.2 Das sollten Sie mit Vorsicht genießen!

6.1.3 Nikotin: Gift für Sie und Ihr Baby

6.1.4 Kindliche Unverträglichkeitsreaktionen auf die mütterliche Kost

6.1.5 Nehmen Sie sich Zeit beim Essen

6.2 Empfehlungen für die Ernährung

6.2.1 So helfen Sie Ihrem Kind

6.2.2 Trinken in der Stillzeit

6.3 Überschüssige Pfunde kurz nach der Geburt

6.4 Stillen und Sport

7 Die Familie

7.1 Die Rolle Ihres Partners

7.2 Stillen und Sexualität

7.2.1 Haben stillende Mütter ein geringeres sexuelles Verlangen?

7.2.2 Ihre Liebe – neu entdeckt

7.2.3 Ihr Körper verändert sich

7.2.4 Verhütet das Stillen eines Babys eine weitere Schwangerschaft?

7.3 Die Geschwister

8 Entnehmen von Muttermilch

8.1 Die Brust von Hand oder mit einer Milchpumpe entleeren

8.1.1 Entleerung von Hand

8.1.2 Entleerung mit einer Milchpumpe

8.1.3 So entleeren Sie Ihre Brust von Hand

8.1.4 Wie häufig muss die Brust entleert werden?

8.2 Umgang mit der gewonnenen Muttermilch

8.2.1 Lagerung der Muttermilch

8.2.2 Auftauen und Erwärmen von Muttermilch

8.2.3 Transport von Muttermilch

8.2.4 Muttermilch füttern

9 Stillen und Berufstätigkeit

9.1 Idealfall und Regelfall

9.2 Gut vorbereitet in den Berufsalltag

9.2.1 Co-Sleeping

Teil IV Der Übergang zur Beikost

10 Eine lange Stillbeziehung behutsam beenden

10.1 Langes Stillen nützt und schützt

10.2 Von der Brust zum Brei

10.2.1 Auszug aus der Empfehlung der Nationalen Stillkommission (am Bundesinstitut für Risikobewertung)

10.2.2 Stillen in Deutschland – die Realität

11 Das Abstillen als natürlicher Vorgang

11.1 Abstilltabletten – manchmal verordnet

11.2 Abstillen – nicht immer von beiden akzeptiert

11.2.1 Wenn das Baby nicht mehr möchte

11.2.2 Zahnen als Ursache eines kindlichen Stillstreiks

11.2.3 Erkältungsbeschwerden lindern

11.2.4 Wenn die Milch anders schmeckt

Teil V Hilfe bei Stillproblemen

12 Schwierigkeiten im Stillalltag

12.1 Hilfen beim Stillen

12.1.1 Stillgruppenbesuche – bereits in der Schwangerschaft?

12.1.2 Das Stillzubehör

12.2 Gereizte Brustwarzen – was tun?

12.2.1 Richtiges Anlegen verhindert wunde Brustwarzen

12.2.2 Was tun, wenn die Brustwarzen trotzdem wund sind?

12.3 Dauerstillen – Clusterfeeding

12.3.1 Das Raynaud-Syndrom

12.4 Soor

12.4.1 Die Behandlung erfordert Geduld

12.5 Milchstau

12.5.1 Mögliche Ursachen des Milchstaus

12.5.2 Versuchen Sie, weiterzustillen

12.5.3 Weitere hilfreiche Maßnahmen beim Milchstau

12.6 Homöopathische Mittel bei Stillproblemen

12.7 Mastitis (Brustentzündung)

12.8 Zu wenig Milch

12.8.1 So regen Sie die Milchbildung an

12.9 Untröstlich schreiende Kinder

12.9.1 Vermeiden Sie häufig gemachte Fehler!

12.9.2 So helfen Sie Ihrem Kind

12.10 Die Saugverwirrung

12.10.1 Saugverwirrung durch Brusthütchen

12.11 Verkürztes Zungenbändchen?

13 Besondere Situationen

13.1 Stillen nach einem Kaiserschnitt

13.1.1 Frühzeitige Anregung der Milchbildung

13.1.2 Wie häufig sollten Sie Ihr Kaiserschnittbaby stillen?

13.1.3 Schonende Stillposition suchen

13.1.4 Wie funktioniert der Stillbeginn bei einer Trennung von Mutter und Kind?

13.2 Stillen von Frühgeborenen

13.2.1 Ihr Körper ist schon früh bereit

13.2.2 Anreicherung der Muttermilch

13.2.3 Der Frühchengriff

13.2.4 Mit dem Abpumpen früh beginnen

13.2.5 Der Kontakt mit Ihrem Baby ist sehr wichtig

13.2.6 Ihre Brust bietet Ihrem Frühchen mehr als gesunde Nahrung!

13.2.7 Unterstützung durch Hilfsmittel

13.3 Stillen bei Neugeborenengelbsucht

13.3.1 Wie entsteht die Neugeborenengelbsucht?

13.3.2 Wie können Sie Ihrem Kind helfen?

13.4 Zwillinge stillen – eine besondere Herausforderung

13.5 Tandemstillen

13.6 Stillen bei medizinischer Behandlung

13.6.1 Stillpause bei Medikamenteneinnahme

13.7 Weiterstillen trotz Medikamenteneinnahme

13.7.1 Stillen schützt Ihr Kind

14 Noch einige persönliche Worte zum Schluss

14.1 Beratungsstellen und Informationen

14.2 Stillen in besonderen Situationen:

14.3 Literaturempfehlungen

14.3.1 Weitere Quellen der Autorin

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Stillen – von der Natur perfekt eingerichtet

1 Einige biologische Grundlagen

2 Nutzen Sie die Zeit der Schwangerschaft

Etwa ab der sechsten Schwangerschaftswoche bildet Ihr Körper Hormone, die die Ausreifung des Brustdrüsengewebes fördern.

1 Einige biologische Grundlagen

Nach dem sechsten Schwangerschaftsmonat ist ihr Körper schon darauf vorbereitet, Ihr Kind stillen zu können.

Ihre Brust, die aus Drüsen, Fett- und Bindegewebe besteht, ist perfekt auf das Stillen eines Babys ausgerichtet. Während das Kind in Ihrem Körper heranwächst, stellt sich die Brust schon auf die wichtige Aufgabe der Milchbildung ein. Die Veränderung Ihrer Brust wird durch die gesteigerte Bildung von Hormonen beeinflusst. Dieser hormonelle Einfluss beginnt bereits in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft.

1.1 Die Veränderungen Ihrer Brust

Die meisten Schwangeren bemerken bald, dass ihre Brust größer wird. Durch die erhöhte Blutzufuhr in den Brüsten treten die Venen oftmals hervor und werden deutlich sichtbar. Die Brustwarzenvorhöfe werden fast immer etwas dunkler. Bei vielen Frauen werden auch die Brustwarzen (Mamillen) besonders empfindlich.

Im Warzenhof (Areola), der sich während der Schwangerschaft ebenfalls vergrößert und markanter wird, befinden sich die sogenannten Montgomery-Drüsen. Hierbei handelt es sich um Talgdrüsen, die fettartige Substanzen produzieren, welche die Brustwarze während der Stillzeit schützen. Vermeiden Sie bei der Brustreinigung Seife, weil dadurch dieser natürliche Schutzfilm gestört wird. Ihre Haut würde sonst zu schnell austrocknen und die Empfindlichkeit Ihrer Brustwarze wäre noch gesteigert.

1.1.1 Milchtröpfchen während der Schwangerschaft

Bereits im Laufe Ihrer Schwangerschaft können in den Milchbläschen sehr geringe Mengen Vormilch, auch Neugeborenenmilch oder Kolostrum genannt, gebildet werden. Noch stark gebremst durch die Schwangerschaftshormone kommt die Milchbildung jedoch erst nach der Entbindung richtig in Gang, wenn auch die Plazenta ausgestoßen ist und Ihre Brust durch kräftige Saugreize effektiv stimuliert wird. Ob in der Zeit der Schwangerschaft Milch austritt oder nicht, hat jedoch keinen Einfluss auf die Milchbildung nach der Geburt.

Ein Blick auf das Innere der Brust während der Stillzeit. Das Verhältnis von Drüsen- zu Fettgewebe in den Brüsten voll stillender Frauen beträgt ca. 2 : 1. Die Anzahl der Milchausführungsgänge ist bei den einzelnen Müttern unterschiedlich und beträgt durchschnittlich zwischen 4 und 18 Ausgängen pro Brustwarze.

(Christine Lackner, Ittlingen)

1.1.2 Die Vorgänge im Inneren Ihrer Brust

In Ihrer Brust wird nun ein Teil des bisherigen Fettgewebes von neuem Drüsengewebe verdrängt. Durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen wachsen etwa ab der sechsten Schwangerschaftswoche Milchbläschen und Milchgänge langsam zu einem funktionstüchtigen Brustdrüsengewebe heran und bereiten sich auf die Fähigkeit zur Milchproduktion vor.

Ihr Brustdrüsengewebe gleicht bald einem Rebstock mit vielen Trauben, dessen Stämmchen (Milchgänge) dicht nebeneinander aus dem Boden (Brustwarze) sprießen und viele Zweige (Drüsenlappen) bilden. Auf den Drüsenlappen beginnen die Früchte (Milchbläschen, auch Alveolen genannt) zu wachsen.

Nach der Entbindung Ihres Kindes steigt in Ihrem Körper die Produktion der Hormone Prolaktin und Oxytocin stark an. Die erhöhte Bildung dieser beiden Stillhormone sorgt dafür, dass Ihre Milchbildung unmittelbar nach der Entbindung angeregt wird.

Die Bildung von Prolaktin (auch Milchbildungshormon genannt) ist ausschlaggebend dafür, dass in Ihren Milchdrüsen Muttermilch produziert werden kann. Wenn Ihr Baby an Ihrer Brust saugt, werden die Nerven in Ihrer Brustwarze und im Warzenhof gereizt, wodurch Ihr Gehirn die Botschaft erhält, vermehrt Prolaktin auszuschütten. Der Prolaktinspiegel verändert sich im Tagesverlauf durch verschiedene Faktoren, wobei auch die gebildeten Milchmengen zu unterschiedlichen Zeiten variabel sein können.

1.2 Wie die Milch aus der Brust fließt

Das Hormon Oxytocin ist verantwortlich dafür, dass Ihre Muttermilch aus der Brust fließen kann. Durch das Saugen Ihres Babys wird in Ihrem Körper die Oxytocin-Ausschüttung angeregt. Oxytocin bewirkt, dass sich die kleinen Muskeln, die um die Milchbläschen und die Milchgänge angeordnet sind, zusammenziehen. Dadurch wird die in Ihren Milchdrüsen gebildete Milch in die Milchgänge, die in der Brustwarze enden, gepresst und ist dort für Ihr Kind verfügbar.

Die weibliche Brustwarze hat etwa neun Öffnungen. Weil diese sehr eng beieinanderliegen, sind aber meist nur drei bis fünf Milchstrahlen erkennbar. Manchmal spritzt die Milch sogar so heftig aus der Brustwarze heraus, dass das Baby beim Schlucken überfordert ist. Normalerweise wird die Brust nie gänzlich geleert. Im Allgemeinen trinkt ein Baby etwa 80 Prozent des Milchvorrates ab, die restliche Milchmenge verbleibt in den Milchbläschen. So steht anschließend ein kleiner Vorrat als »Nachtisch« für das Baby bereit, den es bei Bedarf genießen kann.

Der Milchspendereflex (Let-down-Reflex)

Beim Stillen wird die Milchfreigabe reflexartig gesteuert. Das kindliche Saugen löst einen Hautreiz an der Brustwarze aus, der über Nervenbahnen an das Zwischenhirn weitergeleitet wird. Von dort aus wird die Hirnanhangdrüse stimuliert, die die Ausschüttung des Hormons Oxytocin in die Blutbahn bewirkt. Dieses Hormon veranlasst das Zusammenziehen der Muskelzellen an den Milchbläschen, wodurch die Milch in die Milchgänge gepresst wird, die in den Brustwarzen enden. Der Let-down-Reflex – auch Milchspendereflex genannt – erfolgt jedoch nicht nur auf den kindlichen Saugreiz hin, sondern anfangs auch oft, wenn die Mutter etwas hört, sieht oder riecht, was im Zusammenhang mit dem Stillen und ihrem Baby steht. Psychischer Stress oder Aufregung der Mutter beeinträchtigen die Ausschüttung von Oxytocin, wodurch der Milchspendereflex blockiert wird.

1.3 Die Inhaltsstoffe der Muttermilch

In den ersten Tagen nach der Geburt bildet Ihre Brust die für das noch unreife kindliche Verdauungssystem sehr schonende Vormilch, die auch als Kolostrum bezeichnet wird. Kolostrum ist keine richtige Milch, sondern eher ein sehr nährstoffreiches »Serum«. Diese Vormilch ist sehr eiweißhaltig und enthält besonders viele ▶ Antikörper. Sie ist fettärmer als die Milch, die später fließt. Die Vormilch bedeckt die empfindlichen Magen- und Darmschleimhäute Ihres Kindes mit einem schützenden Film, was sie für das noch relativ krankheitsanfällige Neugeborene besonders wertvoll macht.

Etwa am vierten bis fünften Tag nach der Geburt stellt sich die Brust auf die Produktion von »normaler« Muttermilch um. Die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich im Verlauf jeder Stillmahlzeit. Auch die Tageszeit und die Dauer einer Stillmahlzeit haben jeweils Einfluss auf den Kaloriengehalt Ihrer Milch. Der Nährgehalt der Muttermilch passt sich naturgemäß zu jeder Zeit optimal an die Bedürfnisse Ihres Babys an. Zu Beginn einer jeden Stillmahlzeit fließt Milch mit einem niedrigen Fettgehalt, jedoch einem hohen Anteil an Eiweiß, Laktose, Zucker, Vitaminen, Mineralien und Wasser. Im Verlauf der Stillmahlzeit nimmt der Anteil an Fetten kontinuierlich zu. Der Laktosegehalt in der Muttermilch bleibt unverändert.

1.3.1 Das Aussehen der Muttermilch

Kolostrum sieht goldgelb cremig aus. Die Übergangsmilch ist nur leicht gelb gefärbt. Reife Muttermilch, die etwa ab dem zehnten Tag nach der Geburt gebildet wird, ähnelt eher dem Aussehen von Kokosmilch. Die Farbe von reifer Muttermilch verändert sich sogar im Laufe einer Stillmahlzeit. Zu Beginn hat sie ein wässriges Aussehen, gegen Ende der Mahlzeit ein cremiges. Dies liegt daran, dass die Milch am Anfang der Brustmahlzeit eiweißreicher, zum Schluss fettreicher ist. Wenn Ihr Baby lange saugt, um eine ausreichende Menge der fettreichen Hintermilch trinken zu können, wird es optimal ernährt.

1.3.2 Die Zusammensetzung der Muttermilch

Die Zusammensetzung Ihrer Muttermilch ist jederzeit ideal auf den Entwicklungsstand des noch unreifen Organismus abgestimmt. Es kann für Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten keine bessere Ernährung geben. Sie enthält im Einzelnen:

Fette: Etwa die Hälfte des Energiebedarfs Ihres Kindes wird vom Muttermilchfett gedeckt. Dabei hängt der individuelle Fettgehalt sehr stark von Ihrer eigenen Ernährung ab.

Eiweiße: Auch die in der Muttermilch enthaltenen Eiweiße sind wichtig für die Ernährung Ihres Babys. Casein und α-Laktalbumin, Laktoglobin, Lysozym und Serumalbumin sind dabei die bedeutsamsten Proteine.

Kohlenhydrate: Obwohl der kindliche Verdauungstrakt das in der Muttermilch vorherrschende Kohlenhydrat Laktose nicht vollständig verarbeiten kann, sorgen schon geringe Mengen Milchzucker im Darm Ihres Säuglings für eine weichere Stuhlkonsistenz und eine verbesserte Aufnahme von Mineralien.

Mineralien: Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphat und Chlorid sind weitere Bestandteile in Ihrer Milch. In ihrer Konzentration sind diese genau auf die Bedürfnisse und das Ausscheidungsvermögen (Niere) Ihres Kindes abgestimmt.

Weitere wichtige Substanzen: Die Muttermilch enthält außerdem noch Wachstumsstoffe, Enzyme und Aminosäuren, welche unter anderem für die Entwicklung der Netzhaut der Augen (Retina), des Gehirns und der Leber wichtig sind.

1.3.3 Schadstoffe in der Muttermilch

Die Schadstoffkonzentrationen in der Muttermilch waren in den letzten Jahren rückläufig, dennoch wird das Thema immer wieder diskutiert. Sie sollten aber wissen, dass die Experten durch die Muttermilchernährung keine Gesundheitsgefahr für gestillte Säuglinge sehen. Die Nachteile des Nichtstillens würden für Ihr Baby stärker wiegen als die Aufnahme geringer Schadstoffreste in Ihrer Milch.

Noch vor wenigen Jahren wurde Frauen offiziell dazu geraten, wegen der Schadstoffbelastungen in der Muttermilch nur vier Monate voll zu stillen. Mütter, die länger stillen wollten, sollten ihre Milch auf Rückstände untersuchen lassen. Diese Empfehlungen wurden längst widerrufen.

Lassen Sie sich deshalb durch negative Aussagen nicht verunsichern. Auch flaschenernährte Kinder können nicht vor der Aufnahme von Schadstoffen geschützt werden. Sie kommen damit ebenfalls über die Atmung, die Haut und die Ernährung (z. B. durch das Zubereiten der Nahrung mit Wasser) in Kontakt. Eine bewusste Ernährung ist die beste Möglichkeit, Schadstoffbelastungen zu minimieren:

Wählen Sie Ihre Obst- und Gemüsesorten gezielt aus. Verzichten Sie auf Sorten, für die gerade keine Erntezeit ist.

Verzehren Sie nur ungespritztes Obst und Gemüse.

Essen Sie möglichst nur fettarmes Fleisch – es ist weniger belastet als fettreiches.

1.4 Stillen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme

Ihre Muttermilch enthält neben den für Ihr Baby notwendigen Nährstoffen in hochwertiger Qualität und abgestimmter Menge auch besondere Schutz- und Abwehrstoffe (Immunglobuline vom Typ A). Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Aufnahme dieser ganz spezifischen Stoffe das Risiko von Infektionskrankheiten bei Kindern erheblich mindert.

Im mütterlichen Körper werden im Laufe des Lebens zahlreiche Antikörper gegen unterschiedliche Krankheitserreger gebildet. Diese gelangen in die Muttermilch und bewirken so bei gestillten Babys einen hohen Infektionsschutz. Bis heute ist es nicht gelungen, die in der Muttermilch enthaltenen Abwehr- und Schutzstoffe industriell nachzubilden. Nicht gestillte Kinder sind nachweislich anfälliger gegen Infektionskrankheiten als muttermilchernährte Säuglinge.

1.4.1 Abwehrstoffe gelangen von der Mutter zum Kind

Da das Immunsystem Ihres Babys noch nicht vollständig ausgebildet ist, entwickelt der kleine Körper erst allmählich die Fähigkeit, sich gegen Keime, Viren und Bakterien zu wehren. Durch die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe können die verschiedenen Krankheitserreger unwirksam gemacht werden, wodurch das kindliche Immunsystem unterstützt wird. Diese Immunglobuline sind in besonders hoher Konzentration in der Milch vorhanden, die der mütterliche Körper in den ersten Tagen nach der Geburt bildet. Obwohl der Anteil wertvoller Schutzstoffe nach der Umstellung von Kolostrum auf reife Muttermilch absinkt, sind gestillte Kinder auch nach dieser Veränderung bestens geschützt, da die tägliche Trinkmenge des Kindes kontinuierlich ansteigt.

1.4.2 Welcher Schutz wird geboten?

Ihr Baby erhält beim Stillen einen Schutz gegen viele Krankheitserreger, mit denen Sie bisher Kontakt hatten. So schützen Sie Ihr Kleines durch die Ernährung mit Muttermilch z. B. vor harmlosem Schnupfen oder Husten, vor Bronchitis bis hin zu Magen-Darm-Infekten. Ebenso wird seit vielen Jahren von einer verminderten Allergiegefährdung bei gestillten Kindern berichtet.

2 Nutzen Sie die Zeit der Schwangerschaft

Schon während der Schwangerschaft können Sie sich innerlich auf das Stillen vorbereiten.

Sie freuen sich vielleicht schon auf die Zeit, in der Sie – wie unzählige Mütter vor Ihnen – Ihr Baby an der Brust ernähren, ihm Liebe, Geborgenheit und Sicherheit geben. Ihre Gefühle bei dem Gedanken an das Stillen Ihres Babys werden von vielen verschiedenen Faktoren abhängen – von dem Wert, den Sie dem Stillen beimessen, davon, wie Ihr Partner darüber denkt, ob Ihre Bekannten ihre Kinder stillen oder mit der Flasche ernähren und ebenso von Ihrem Lebensstil und Ihrer Einstellung zu sich selbst und zu Ihrem eigenen Körper.

2.1 Sich gedanklich auf das Stillen einstellen

Es mag sein, dass Sie schon eine Vorstellung davon haben, was es heißt, ein Kind zu stillen. Möglicherweise denken Sie, dass es einfach und praktisch ist, oder Sie befürchten, dass sich das Stillen mit Ihren Plänen und Aktivitäten nicht gut vereinbaren lässt. Vielleicht haben Sie Zweifel an Ihrer eigenen Stillfähigkeit, weil Sie Mütter kennen, die Stillprobleme hatten und danach schnell auf Industrienahrung umgestiegen sind. Oder Sie haben Kontakte zu stillerfahrenen Frauen, die Sie jetzt in Ihrem Stillwunsch bestärken und die nach der Geburt Ihre Stillbemühungen unterstützen und sich auch praktisch um Ihr Wohlergehen kümmern werden. Alle Ihre Gedanken und Informationen werden einen bedeutenden Einfluss darauf haben, ob Sie am Ende auf eine erfüllte Stillbeziehung zurückblicken können – egal, welche Erwartungen oder Ängste Sie jetzt haben mögen.

Seien Sie kritisch: Hinterfragen Sie entmutigende Berichte und ein Abraten vom Stillen seitens Ihres Bekanntenkreises immer und sehen Sie diese als persönliche, oft nicht verarbeitete Erlebnisse der erzählenden Frau.

Claudia

Ich ging schon vor der Geburt zum Stillgruppentreffen

Vor der Geburt unseres Wunschkindes lasen wir viel über die Zeit nach der Entbindung. Dabei stellte sich auch die Frage nach der Ernährung – Stillen oder gekochte Nahrung? Die Vorteile des Stillens und der Muttermilch überzeugten uns schnell. Schon ab dem siebten Schwangerschaftsmonat besuchte ich regelmäßig die Stillgruppentreffen in meinem Wohnort. Dort bekam ich noch weitere Informationen über das Stillen und Kontakt zu anderen Müttern. Dann war es so weit – unser Sohn Tim wurde geboren.

Nach der Geburt konnte ich ihn sofort anlegen. Mein Mann, Tim und ich konnten uns alle Zeit der Welt nehmen, um zu kuscheln und uns richtig kennenzulernen. Kurz darauf suchte Tim ganz von selbst meine Brust und nuckelte genüsslich. Es war ein wunderschönes Gefühl! Mit dem Stillen klappte es sehr gut. Den Milcheinschuss empfand ich nicht als unangenehm. Tim und ich waren schnell ein eingespieltes Team. Probleme, die sich wegen einer angeborenen Stoffwechselstörung unseres Babys einstellten, konnten wir – wenn auch mit etwas Mühe – meistern. Die Mütter der Stillgruppe und meine Stillberaterin unterstützten mich sehr bei den Stillschwierigkeiten, die durch eine Erkrankung unseres Sohnes entstanden waren. Ich konnte Tim trotz seiner Krankheit acht Monate lang stillen und war sehr froh, sehen zu können, dass er sich durch meine Muttermilch zu einem gesunden Jungen entwickelte.

Ute

Wie wenig ich wusste …

Während meiner Ausbildung zur Krankenschwester hatte ich einiges über das Stillen gelernt und auf der Entbindungsstation schon viele Mütter stillen gesehen. Wie unzulänglich mein Stillwissen dann aber doch war, bemerkte ich erst, nachdem mein eigenes Baby geboren war. Im Kreißsaal konnte ich Jonas zum ersten Mal anlegen. Allerdings hatte ich Probleme, mein Kind an die Brust zu bekommen, und wusste nicht, wie ich ihn halten sollte. Unser Sohn öffnete den Mund nicht richtig und schien kein Interesse am Trinken zu haben. Die Hebamme legte Jonas ohne mein Zutun an meine Brust. Er nuckelte nur kurz und ließ gleich wieder los. Ich dachte: ›Wenn ich erst einmal auf der Station bin und Ruhe habe, funktioniert das Anlegen sicherlich besser!‹ Aber dort gelang es mir auch nicht. Häufig läutete ich, um mich unterstützen zu lassen. Jedes Mal kam eine andere Schwester, die mir beim Anlegen half, indem sie meine Brust mehr oder weniger sanft zusammenkniff und Jonas die Brustwarze in den Mund schob. Anleitung, wie ich es selber machen konnte, bekam ich nie. Ich fühlte mich entsetzlich ungeschickt und unfähig und konnte einfach nicht mehr klar denken. Es kam mir vor, als hätte ich mein Selbstwertgefühl an der Krankenhaustür abgegeben. Mir fehlten ein ermunternder Zuspruch und eine geduldige, kompetente Person, die sich einmal die Zeit nahm, mir zu zeigen, wie ich selbst richtig anlegen kann. Das alles führte dazu, dass ich bis zum nächsten Stillen immer sehr lange wartete und es erst wieder versuchte, wenn Jonas schon schrie. Leider war mir nicht bewusst, dass bereits das Suchen und Schmatzen von Jonas erste Anzeichen von Hunger waren. So kam ich nur auf vier bis fünf Stillmahlzeiten am Tag, was viel zu selten war. Meinem Mann verdanke ich, dass ich überhaupt weiterstillte. Er schlug mir vor, bei einer Stillberaterin anzurufen. Ich hatte nicht mehr viel Hoffnung, dass das etwas ändern würde. Ich rief dennoch an und das Gespräch mit dieser Frau, die mir in Ruhe zuhörte und mir hilfreiche Informationen gab, brachte für mich die Wende zum erfolgreichen und schönen Stillen.

2.2 Das »Babyfreundliche Krankenhaus«

Für welchen Geburtsort Sie sich entscheiden, hängt natürlich von Ihren persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen ab. Nur wenige Paare (etwa 1 %) entscheiden sich für eine Hausgeburt, die allermeisten Frauen entbinden in einer Klinik oder einem Geburtshaus. Doch wie erkennen Sie eine für Sie geeignete Geburtsklinik?

Das Gütesiegel Babyfreundlich (Mit freundlicher Genehmigung der WHO/UNICEF Initiative Babyfreundlich)

Mit dem Ziel, die Startbedingungen für alle Mütter und Babys zu verbessern, haben die WHO und UNICEF 1991 die Initiative »Baby-Friendly-Hospital« (BFHI) gegründet. Durch die Verbesserung der Bedingungen soll allen Frauen das Stillen ermöglicht werden. Seit 1992 ist die Initiative auch in Deutschland vertreten, seit 2012 unter dem Namen »Babyfreundlich«. Diese Kliniken orientieren sich an den »B.E.St.®: 10 Schritte für eine Babyfreundliche Geburtsklinik« (B.E.St.® steht für Bindung, Entwicklung und Stillen). Sie bieten u. a. folgende Leistungen:

Das Stillen nach Bedarf wird gefördert.

Das Personal wird besonders gut geschult, um Ihnen zu zeigen, wie Sie Ihr Kind korrekt anlegen und wie Sie die Milchbildung aufrechterhalten, falls Sie von Ihrem Baby kurzzeitig getrennt sind.

Gleich nach der Geburt kommt das Neugeborene auf den Bauch der Mutter und darf dort mindestens eine Stunde lang ungestört liegen bleiben, bis es seine erste Stillerfahrung gemacht hat.

Den neugeborenen Kindern wird weder Flüssigkeit noch sonstige Nahrung zusätzlich zur Muttermilch gegeben (wenn dies nicht aus gesundheitlichen Gründen angezeigt ist).

Die Neugeborenen erhalten weder Gummisauger noch Schnuller.

Mutter und Baby bleiben Tag und Nacht zusammen in einem Zimmer (»24-Stunden-Rooming-in«). In vielen dieser Kliniken steht sogar ein spezielles, freundlich eingerichtetes Familienzimmer zur Verfügung, in dem die Eltern und Geschwisterkinder gemeinsam mit dem Neugeborenen Zeit verbringen können. Von Beginn an ist dadurch also auch der Partner in die Pflege und Betreuung des neuen Familienmitgliedes einbezogen. Das Klinikpersonal ermutigt die Eltern hier zu besonders viel Hautkontakt mit ihrem Baby.

Nach der Entlassung wird eine weitere Betreuung angeboten, z. B. mit Stillcafés, Adressen von Stillgruppen oder einer ambulanten Stillberatung.

Immer mehr Geburtskliniken sind auch in Deutschland als »Babyfreundlich« anerkannt. Es gibt auch babyfreundliche Kinderkliniken. Frühgeborene und kranke Neugeborene profitieren ganz besonders von der Nähe zu den Eltern und von der Muttermilch. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt nach Kliniken, die mit diesem internationalen Prädikat ausgezeichnet sind, oder schauen Sie im Internet nach: www.babyfreundlich.org.

Auch das Picasso-Motiv »Maternité« ist ein Hinweis auf eine babyfreundliche Klinik. © 2003 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York

2.3 Die Vorbereitung der Brust

Im Idealfall untersucht Ihr Arzt oder Ihre Hebamme schon in der Schwangerschaft Ihre Brustwarze auf Besonderheiten. Falls diese Untersuchung keine Auffälligkeiten ergibt, genügt es, die Brustwarzen mit einfachsten Maßnahmen auf die spätere Beanspruchung vorzubereiten. Entscheiden Sie selbst, was Ihnen guttut.

Lassen Sie regelmäßig Luft und Sonnenlicht an Ihre Brustwarze. Dies wird sie widerstandsfähiger machen und somit auf die spätere Beanspruchung vorbereiten.

Reinigen Sie die Brust lediglich mit klarem Wasser, um die natürliche Schutzschicht der Haut zu bewahren.

Beugen Sie Dehnungsstreifen am Busen durch gelegentliche Handmassagen mit geeigneten Ölen vor. Tragen Sie hierbei ein unparfümiertes Massageöl (z. B. Freiöl®) auf und verteilen Sie es mit kleinen kreisenden Bewegungen vom Brustansatz zur vorderen Brust hin. Durch leichten Druck können Sie eine sanfte Dehnung des Unterhautfettgewebes bewirken. Sparen Sie den Bereich der Brustwarze aus.

Verzichten Sie gelegentlich auf das Tragen eines BHs. Bedingt durch Ihre körperlichen Bewegungen reibt die Brustwarze dann an Ihrer Kleidung und kann sich so an die stärkere Beanspruchung durch das Saugen Ihres Kindes gewöhnen.

Wenn Sie nicht auf den stützenden Effekt des BHs verzichten möchten, schneiden Sie ein kleines Stoffstück aus der Mitte des BH-Körbchens aus. Beim Tragen dieses BHs liegt Ihre Brustwarze frei und härtet sich so ebenfalls durch die Reibung an der Kleidung ab.

Verschiedene BrustwarzenformenManche Brustwarzenformen können zu Problemen beim Stillen führen:

Flachwarzen sind Brustwarzen, die bei Stimulation oder Kälte nicht hervorstehen oder sich nicht aufrichten.

Hohlwarzen (Schlupfwarzen) sind Brustwarzen, die sich beim Zusammenpressen des Warzenhofes eher zurückziehen als hervorzustehen.

Sie können aber schon frühzeitig etwas tun, damit Ihr Baby später beim Stillen besser ansaugen kann. Sprechen Sie mit der Hebamme oder einer Stillberaterin über die Verwendung spezieller Stillhilfen wie etwa Brustwarzenformer, die Ihre Warzen bereits während der Schwangerschaft darauf »trainieren«, besser hervorzustehen. Bedenken Sie, dass sowohl das korrekte Anlegen unmittelbar nach der Geburt als auch das Vermeiden von künstlichen Saugern von großer Bedeutung für einen guten Stillstart sind.

2.3.1 Besondere Voraussetzungen

Wenn Sie dauerhaft Medikamente einnehmen, die auch nach der Entbindung notwendig sind, sollten Sie rechtzeitig mit Ihrem behandelnden Arzt abklären, ob das verordnete Mittel stillverträglich ist oder ob gegebenenfalls ein anderes ▶ Präparat gewählt werden kann. Falls Sie sich einer Brustoperation unterzogen haben, sollten Sie mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob möglicherweise durchtrennte Milchgänge Schwierigkeiten beim Stillen erwarten lassen oder gar das Stillen an der operierten Brust völlig unmöglich ist.

Barbara

Ich habe meiner Hebamme von meinem Problem erzählt.

Als mein erstes Kind zur Welt kam, hatte ich viele Ängste, etwas falsch zu machen. So war es auch beim Stillbeginn. Zahlreiche neue Eindrücke und Erfahrungen prasselten auf mich ein. Außerdem waren da auch noch die vielen Verwandten und Bekannten, die mir stets das Gefühl gaben, sie wüssten besser als ich, was für mein Kind gut und richtig ist. Nach der Entlassung aus der Klinik hatte ich gute Vorsätze, die alle durch mein falsches Stillverhalten zunichtegemacht wurden. Mauro schrie ständig und ich hatte schon Probleme, ihn richtig anzulegen. Das ging so weit, dass meine Brustwarzen anfänglich bei jedem Stillen bluteten und ich starke Schmerzen hatte, wenn unser Sohn saugte. Jeder in meiner Umgebung wollte mir einreden, das Stillen wäre nichts für mich und Mauro. Wenn ich ihn mit Flaschennahrung füttern würde, wäre er sicherlich satt und das wäre bestimmt auch besser für mich. Nach zweimonatigem Kampf gab ich schließlich auf. Unser Sohn wurde danach mit Fertignahrung aus der Flasche ernährt, aber ich war sehr traurig, dass ich ihn nicht an meiner Brust ernähren konnte. Im Laufe meiner zweiten Schwangerschaft erzählte ich einer Stillberaterin von meinen Problemen während der ersten Stillbeziehung. Schnell stellte sich heraus, dass ich Schlupfwarzen hatte. Die Beraterin riet mir, bereits während der Schwangerschaft mit unserer Tochter Brustwarzenformer zu tragen. Ich benutzte das empfohlene Stillhilfsmittel sehr oft und hatte bald schon den Eindruck, dass meine Brustwarzen wie gewünscht hervortraten. Nachdem die Kleine geboren war, konnte sie ohne Probleme an meiner Brust saugen. Ich ernährte Julia ohne Schwierigkeiten sieben Monate lang mit Muttermilch, bis ich merkte, dass sie nicht mehr gestillt werden wollte. Dann stillte ich wehmütig ab, obwohl ich etwas enttäuscht darüber war, denn durch das Stillen hatte ich eine sehr enge Beziehung zu meinem Baby aufgebaut. Das wunderschöne Gefühl der innigen Nähe war leider auch diesmal für mich zu früh vorbei.

2.3.2 Wenige Anschaffungen

Das Stillen ist mit Sicherheit nicht nur die gesündeste, sondern auch die kostengünstigste Möglichkeit, Ihr Kind zu ernähren. Ich empfehle Ihnen die Anschaffung einiger weniger Dinge:

Still-BH Bei Still-BHs können die Cups zum Stillen des Babys einfach und bequem mit einer Hand geöffnet werden. Wenn Sie ein sportlicheres Modell bevorzugen, sind Sie mit einem Still-Bustier gut beraten. Viele Frauen tragen gerne bereits während der Schwangerschaft elastische Still-BHs, da sie sich gut den wachsenden Brüsten anpassen.

Stilleinlagen benötigen Sie, um nach dem Stillen eventuell noch austretende Milch aufzufangen. Dabei können Sie zwischen verschiedenen Materialien wählen.

Waschbare Stilleinlagen sind nach dem Trocknen sofort wieder einsatzbereit. Diese Stilleinlagen aus Naturmaterialien sind langfristig gesehen billiger als Einweg-Stilleinlagen und außerdem umweltfreundlicher. Gut bewährt haben sich waschbare Einlagen aus einem Wolle/Seide-Gemisch, aus Baumwolle oder aus Baumwolle/Mikrofaser:

Stilleinlagen aus Wolle/Seide