Stimme von Fuß bis Kopf - Maria Höller-Zangenfeind - E-Book

Stimme von Fuß bis Kopf E-Book

Maria Höller-Zangenfeind

4,9

Beschreibung

"... Ich möchte allen, die auf stimmlicher Entdeckungsreise sind, "Stimme von Kopf bis Fuß" wärmstens empfehlen!" Eine Leserin, Amazon Die von Maria Höller-Zangenfeind entwickelte Methode Atem-Tonus-Ton zielt nicht nur auf einzelne Aspekte des "Schönsprechens" oder des unmittelbaren Sprechapparats ab, sondern sie stellt den gesamten Körper in den Mittelpunkt: Mit speziellen Übungen wird dieser als Resonanzraum und als Basis stimmlicher und persönlicher Entwicklung begriffen und ausgebildet. Diese langjährigen theoretischen und praktischen Erfahrungen werden nun erstmals in einem Buch zusammengefasst.

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Seitenzahl: 234

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© 2004 by Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

E-Mail: [email protected]

Internet: www.studienverlag.at

Grafische Ausstattung: Kurt Höretzeder/Mitarbeit: Ines Zwerger

Zeichnungen: Katharina Bodner

Übersetzungen der Texte aus dem Japanischen: Dr. Andrea Germer

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7065-5711-5

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at.

Inhalt

Vorwort

TheorieAtem–Tonus–Ton

1. Einleitung

2. Wie steht es um Ihre Stimme?

3. Bewegt von Fuß bis Kopf

4. Was wird vorausgesetzt?

5. Atem – weder Mechanik noch Mysterium

6. Tonus – Selbstdarstellung, Tabu und Traum

7. Ton – Authentizität in Körper und Stimme

Übungsteil

Wie man übt

Kapitel 1 – Füße und Beine bringen Tonkraft und Tonlänge

Kapitel 2 – Becken und untere Wirbelsäule verbinden Tonspannung und Einatemreflex

Kapitel 3 – Körpermitte und Brustkorb erzeugen Brustresonanz, Klangfülle, tiefe Töne

Kapitel 4 – Schultergürtel und Arme – mittlere Tonlage, freie Gestik

Kapitel 5 – Hals und Kopf – Kopfresonanz, hohe Töne

Kapitel 6 – Verbindung von Kopf bis Fuß – organische und authentische Stimme

Anhang

Forschungsarbeit in Japan

Literaturverzeichnis

Vorwort

Die von mir sehr verehrte Frau Maria Höller-Zangenfeind hat nun ihr Buch veröffentlicht. Wir alle, ihre japanischen Schüler und ich, die wir seit langen Jahren von ihr unterrichtet werden und gemeinsam von ihr lernen, haben auf dieses Buch gehofft und gewartet und senden ihr von Herzen unseren Dank und unsere Glückwünsche.

Ich selbst bin Japaner und habe mich als Arzt auf die medizinischen Bereiche, die sich mit Stimme und Sprechen befassen, auf Phoniatrie und Logopädie, spezialisiert. Im Hals-Nasen-Ohren-Bereich lassen sich im Allgemeinen Stimm- und Sprechstörungen, die offensichtlich auf qualitative Veränderungen oder funktionelle Störungen zurückzuführen sind (z.B. Entzündungen, Tumore, Lähmungen) im Rahmen der medizinischen Therapie relativ leicht behandeln. Wenn die Symptome in gewissem Maße konstant bleiben, ist auch die Diagnose einfach zu treffen; Symptome jedoch, die nur unter besonderen Umständen auftauchen, und krankhafte Veränderungen, die zeitlich sehr unregelmäßig auftreten, werden leicht übersehen. So kann es zum Beispiel im Falle eines Sängers oder einer Sängerin so sein, dass man im Alltagssprechen bei seiner oder ihrer Stimme keine krankhafte Veränderung feststellen kann und nur bei einer bestimmten Tonhöhe eine Abnormität zum Vorschein kommt. Doch auch für die medizinische Behandlung solcher Symptome gilt, dass Stimmstörungen, die auf die Art und Weise, die Stimme zu gebrauchen (die Quantität und Qualität der Phonation), zurückzuführen sind, nach einer einmaligen Behandlung oftmals wieder auftauchen oder gar chronisch werden, solange die Art und Weise der Phonation selbst nicht verbessert wird. Deshalb habe ich die Notwendigkeit gespürt, sowohl für die Behandlung als auch zur Vorbeugung solcher Arten von Stimmstörungen die Art und Weise der Phonation von Grund auf zu überdenken.

Wie man weiß, bildet die Funktion „Stimme“ einen Teil der zur Erhaltung des Lebens grundlegend notwendigen „Atemfunktion“. Hier gilt es zunächst, die vegetative und die psychologische Seite des „Atems“ genügend kennen zu lernen. Für eine möglichst effiziente Ausführung der Atembewegungen ist zudem eine Körperhaltung notwendig, die der Atemfunktion am angemessensten ist. In Japan wird aus meinem Fachbereich „Stimmerziehung“ (medizinische Phoniatrie/Stimmtherapie) in allgemeinen Bildungsinstitutionen von der Pflichtschule bis zu Fachschulen bislang jedoch fast nichts vermittelt.

„Atemlehren und -techniken“ wurden schon seit mehreren tausend Jahren oder noch länger, seit dem frühesten Altertum, gemeinsam mit anderen Gesundheitslehren der Menschheit vermittelt und unter Völkern auf der ganzen Welt, im Osten wie im Westen, praktiziert. Beispiele sind das Yoga in Indien, Qi Gong in China oder in den letzten Jahren die Alexandertechnik. Zweifellos haben diese Lehren einen großen Beitrag und viel Gutes für die Gesundheit der Menschheit geleistet.

Seit ich in beruflicher Hinsicht mit Phonation zu tun hatte, war ich verwirrt darüber, dass zwar jeder wusste, dass die Stimme grundlegend aus dem Atem hervorgeht, dass aber für den Versuch, den Atem mit der Stimme zu verbinden, ganz offensichtlich die konkreten Verbindungstechniken fehlten. Denn Atemlehren und Stimmlehren wurden jeweils als ganz eigene Fachbereiche erforscht und haben sich als eigenständige Wissensgebiete entwickelt. Die konkrete Praxis ihrer Verbindung blieb ein blinder Fleck für Praktizierende und Lehrende beider Bereiche. Sänger, Schauspieler und andere mit Stimme und Sprache arbeitende Menschen lernen fast alle einerseits Atemlehren bei Atemlehrern und andererseits Stimmlehre bei Gesangslehrern und Theaterfachleuten. Sie lernen deren Inhalte getrennt voneinander, was die Verbindung zwischen beiden, Atem und Stimme, bislang sehr schwierig macht.

Gerade zu der Zeit, als ich mich mit diesem Problem herumschlug, traf ich glücklicherweise Frau Maria Höller-Zangenfeind. Seit 1987 hat sie in Tokyo und Oberstdorf zu dem grundlegenden Thema „Atem-Tonus-Ton“ ihre Methode entwickelt und neben der Ausbildung von japanischen Lehrerinnen auch gemeinsame Forschungen mit mir durchgeführt. Unter anderem veranstalten wir jährlich abwechselnd Seminare in Japan und Deutschland, wir haben praktische Anleitungsvideos gedreht (4 Videos) und inzwischen ist auch ein Buch (von mir) auf Japanisch erschienen. Zur theoretischen Untermauerung von Maria Höller-Zangenfeinds Methode haben wir parallel auch Grundlagenexperimente durchgeführt, über die Sie im Anhang einen Einblick nehmen können. Wenn man sich ihre bisherigen Leistungen ansieht, steht zu erwarten und zu hoffen, dass sie auch weiterhin ihre Forschungen fortführt und durch ihre Arbeit immer präzisere Ergebnisse erzielt. Für dieses äußerst nutzbringende Buch spreche ich meine besten Empfehlungen aus und hoffe sehr, dass es von möglichst vielen Menschen gelesen wird.

Tokyo, im Herbst 2003                  Prof. Dr. med. Fumiaki Yoneyama

TheorieAtem–Tonus–Ton

1.   Einleitung

Was ist die Stimme? Eine Frage, die viele Menschen beschäftigt, wenn sie ihre Stimme schulen, Stimmen hören oder einfach nur kommunizieren. Jedes Kind schreit, summt oder lallt vor sich hin um Gefühle auszudrücken und dies nicht etwa um damit später eine hochbezahlte Karriere anzutreten. Der emotionale Mitteilungsdrang eines Kindes ist bereits Kommunikation und der Beginn der Stimm- und Sprachentwicklung. Das körperliche Wachstum und die motorische Entwicklung gehen eindeutig mit der Stimmentwicklung einher. In jeder Entwicklung gibt es fördernde und behindernde oder gar störende Einflüsse. Was macht die Stimme unfrei, was befreit sie? Das waren die Fragen, die im Zentrum sowohl meines persönlichen als auch meines beruflichen Interesses als Atem- und Körperpsychotherapeutin standen.

Geschrieben wurde dieses Buch für Menschen, die sich für ihren Körper, ihr Wesen und ihre Stimme interessieren. Die Methode, die ich hier darlege, ermöglicht allen Interessierten den Zugang in ihre persönliche Innenwelt einerseits und die körperlichstimmliche Präsenz im Raum, der sie umgibt, andererseits. Ermutigen möchte ich die LeserInnen, die davon ausgehen, keine schöne, wirkungsvolle Stimme zu haben. Mit ihnen fühle ich mich verwandt, denn so begann ich zu suchen und entwickelte die hierin beschriebene Lehrweise. Professionelle SängerInnen werden in diesem Buch über die Bedeutung der Innenwelt als Quelle ihrer authentischen Schaffenskraft lesen und praktische Übungen finden können. Das gilt auch für Musiker, die ihr Instrument als Erweiterung ihres Körpers zu begreifen und zu spielen vermögen. Der erste Teil des Buches gibt einen begrenzten Einblick in das umfangreiche Gebiet dieser Lehrweise. Die Lust, sich auf eine innere Entdeckungsreise einzulassen – sie hoffe ich bei den Leserinnen und Lesern wecken zu können. Da die hier vorgestellte Methode durch Körperübungen vermittelt wird, die bei den Praktizierenden konkrete Vorgänge im Körperinneren hervorrufen, war es mir ein Anliegen, möglichst empfindungsnah zu schreiben. Die komplexen physiologischen Beschreibungen der Atem- und Stimmfunktion sowie der aerodynamischen Verläufe während der Stimmgebung kommen daher zu kurz. Jeder Interessierte kann sich animieren lassen, ein Körper-, Erfahrungs-, und Erlebniswissen aus sich selbst heraus zu erwerben und damit dem eigenen inneren Lehrmeister zu begegnen. Ein darüber hinaus aufkommender Wissensdurst sollte auf jeden Fall gestillt werden: Dafür empfehle ich weiterführende Literatur im Bereich der Atem- und Körperarbeit und der Phoniatrie.

Im Übungsteil können einzelne Übungen, jeweils aus dem gesamten Aufbau abgelöst, praktiziert werden. Im Gruppenfachunterricht hingegen bauen sich die Übungen in Sequenzen auf und fügen sich zu einem großen Thema. Der CD entnimmt man einen selektierten Auszug der insgesamt angebotenen Übungsauswahl. Sie vermag den Übenden in eine vertiefte Arbeitsatmosphäre zu versetzen.

Das Üben sollte nicht nur in Hinblick auf bessere Stimmergebnisse betrachtet werden. Die Lehrweise birgt in jeder Übung einen physiologischen, einen seelischen und einen stimmbildenden Aspekt. Man kann diese nicht voneinander trennen, auch wenn es manchmal so scheinen mag, weil die einzelnen Aspekte mal nacheinander aufgeführt sind, dann wieder ineinander fließen. Die Dimensionen der Seele sind soviel größer als unser vertrauter Logos. Körper und Stimme sind davon durchdrungen. Aufkommende Unsicherheiten und Fragen beim Üben sollte man daher unter allen Umständen mit geschulten und erfahrenen Fachkräften klären.

Mit der Stimme zeigen wir Präsenz im Außenraum. Die Akustik überträgt die physikalische Schwingung, die aus den Kräften des menschlichen Körpers kommen. Der sprechende, singende, musizierende Mensch ruft eine Reaktion oder Antwort beim Empfänger hervor. Stimmbildung benötigt die Beteiligung der ganzen Person. Deshalb darf Stimmbildung nicht zielorientiert sein. Durch zu früh gesetzte Ziele wertet man in der musikalischen Erziehung die vorhandene Ausdrucksweise. Der Druck Kunst zu produzieren, verschließt den Zugang eines kreativen, erlebnisorientierten Vorgangs. Junge Menschen verlieren den Bezug zu Ihrer Natur und ihren Gaben, die eigentlich kultiviert werden möchten. Eine zu straffe Zielorientiertheit in den musischen Bereichen dressiert technische Leistungen und verzerrt die natürliche Ausdrucksweise. Die Kunstfertigkeit lässt dann den Künstler künstlich erscheinen, was den Zuhörer meist peinlich berührt. Das Hinarbeiten an eine „ideale Stimme“, ohne sich zeigen zu dürfen, ist ein langer Aufenthalt im Pool der Komplexe und Autoritätsabhängigkeiten. Wird unerreichbare Perfektion und Präzision angestrebt, verpasst man Leben und Lebendigkeit. Durch einseitige Strebsamkeit verliert sich die Lust: die Lust sich zu zeigen, die Lebenslust. Wertschätzung und Bewunderung geht an die Menschen, die sich trauen und sich zeigen. Die Wertschätzung für sich selbst bleibt eine ewige Sehnsucht.

Jeder Entwicklungsschritt hat seine eigene Aussagequalität und ist es wert, gestaltet zu werden. Stimme, Geste und Gebärde werden für Hörer und Zuschauer durch Authentizität „ansprechend“. Das Leben hat viele Facetten, sich zu zeigen. Geben Sie Ihrer Existenz Stimme in der Gesellschaft, in der Sie leben.

Die Anregung, meine Arbeit in eine geschriebene Form zu bringen, kam aus den Kreisen meiner BerufskollegInnen, AusbildungsleiterInnen und den vielen SeminarteilnehmerInnen, die aus dem Bereich der Atem- und Körpertherapie, der Logopädie und der darstellenden Künste kommen. Auch meine drängelnden Freundinnen möchte ich nicht unerwähnt lassen. Den letzten entscheidenden Anstoß, dass dies vorliegende Buch zustande kam und geworden ist wie es ist, habe ich Eva Maria Gintsberg und Kurt Höretzeder zu verdanken, die im Wesentlichen das Management der CD- und der Buchgestaltung übernahmen. Ihnen allen meinen herzlichen Dank für die wohlwollende Unterstützung.

2.   Wie steht es um Ihre Stimme?

Bevor Sie beginnen, sich mit dem Inhalt dieses Buches und der CD zu befassen, geben Sie sich erst selbst Gehör. Lehnen Sie sich bequem zurück. Machen Sie sich ein paar Gedanken zu fremden Stimmen und schließlich zu Ihrer eigenen Stimme.

—  Hören Sie bewusst auf andere Stimmen?

—  Kennen Sie Stimmen, die Ihnen gefallen?

—  Was gefällt Ihnen daran?

—  Erinnern Sie sich an Kommentare oder feedbacks zu Ihrer Stimme?

—  Sprechen Sie gerne?

—  Singen Sie gerne?

—  Ist Ihnen das Musizieren lieber als das Sprechen?

—  Fühlen Sie sich manchmal überhört?

—  Möchten Sie gehört werden?

—  Verleihen Sie dem Gefühl der Freude auch manchmal spontanen stimmlichen Ausdruck?

—  Was gefällt Ihnen an Ihrer Stimme?

—  Was haben Sie an Ihrer Stimme zu kritisieren?

Erfahrungsgemäß ist die Liste der Selbstkritik viel umfangreicher als die mit dem Selbstlob. (So verhält es sich auch, wenn wir unseren Körper betrachten.) Dass so wenig gegen die dahinter verborgene Unzufriedenheit unternommen wird, liegt wohl daran, dass wir sehr verletzbar sind, wenn die Stimme kritisiert wird. Oft entsteht das Gefühl: So wie ich bin, fühle ich mich nicht angenommen. – Der eine findet eine Stimme gut, der andere zu schrill, der Nächste zu laut, verhaucht, nasal oder zu leise usw. Zu versuchen, dem Geschmack der anderen zu entsprechen, kann anstrengend werden.

Entscheidend für das persönliche Wohl ist die Beziehung zu sich selbst. Erst durch innere Zufriedenheit ist eine funktionierende Kommunikation mit der Umwelt möglich. Der eigenen Wertschätzung, getragen von Körper und Seele, verleihen Sie dann eine unverkennbare Stimme in dieser Gesellschaft.

3.   Bewegt von Fuß bis Kopf

Entwicklung der Methode

Die tiefgreifende Arbeit des „Erfahrbaren Atems“ nach Prof. Ilse Middendorf war die Basis, um die organischen Funktionen des Körpers hinsichtlich der Stimme zu erforschen. Meine Ausbildung zur Atemtherapeutin und die langjährige wertvolle Zusammenarbeit mit Ilse Middendorf eröffneten mir einen Weg nach innen und gaben mir die nötige Klarheit und Zuversicht, um ausgehend von der natürlichen Gesetzmäßigkeit des Atems und des Körpers auch eine stimmliche Entwicklung in Gang zu setzen.

So begann ich mich für meinen eigenen Gesangsunterricht vorzubereiten und verband mir wohlbekannte Atemübungen mit Tönen. Neue Übungen kamen hinzu. Die Fragen, die beim Singen aufkamen, stellte ich an den Atem und den Körper. Da gab es das berühmte Problem, den Ton lange zu halten. Wie muss man einatmen? Wie kann man das hinbekommen, ohne die Natur zu stören? Dies war mir wichtig. Quälende Atemtechniken hatte ich neugierig ausprobiert, sie hatten mich jedoch nicht überzeugt. Diese und viele andere Themen aus dem Gesang forderten mich heraus, den Körper immer tiefer zu erkunden und Übungen zu kreieren, die der Stimme und dem Ausdruck dienlich waren.

Aus dem persönlichen Üben und der Anwendung der Übungen bei meinen Klienten ergab sich ein reizvolles und spannendes Zusammenspiel zwischen Introversion und Extraversion. Der Weg in die Tiefe einer Person verlangte gleichermaßen eine Wirkung nach außen. Stimmliche und charismatische Nebeneffekte faszinierten mich dabei.

Die körperlichen Funktionen in Hinblick auf die Stimme mussten in ihren organischen Zusammenhängen begriffen werden. In der Phonetik1 und der Stimmheillehre wusste man längst, dass Atmung und Stimmorgane aufeinander angewiesen sind. Die Kinästhetik, die Lehre der Bewegungsempfindungen, die während der Phonation2 stattfindet, war unbefriedigend. Mir war dran gelegen, Leistungen des Körpers während der Tongebung individuell erfahrbar zu machen. Jeder Schüler sollte seine innere Wirklichkeit konkret ermitteln. Ein körperliches Wissen über sich selbst wurde so die Voraussetzung für stimm- und ausdrucksfördernde Maßnahmen. Physiologische Abläufe und das Phänomen Stimme stehen sich so zunächst gegenüber. Doch der körperliche Arbeitsansatz leitet beim Übenden einen Prozess ein, in dem er dann selbst zum wissenden, klingenden Körper wird. Er begreift sich schließlich selbst in seiner individuellen Existenz.

An der Entwicklung der Methode waren viele Menschen beteiligt, die sich mir als Schüler anvertrauten. Darunter waren Menschen, die ihren Körper nicht kannten und ihre Stimme nicht mochten. Doch auch professionelle Sänger, Schauspieler und Musiker bestätigten die unterstützende Hilfe, die sie aus der Leiberfahrung gewonnen hatten. Was mich selbst betrifft, so kam es bei meiner ehemaligen Gesangslehrerin und Sängerin Michiko Hirayama zur eigentlichen Akzeptanz meiner eigenen Stimme. Sie ermutigte mich entscheidend, Körperübungen für ihre Gesangsschüler zu kreieren. Praktizierende Therapeuten aus dem Bereich der Stimmheilberufe bestärkten mich ebenfalls, die Arbeit voranzutreiben. Besonders aus der japanischen Gesangswelt trat man mit großem Interesse an diese Arbeit heran. Prof. Fumiaki Yoneyama, HNO-Arzt und ein international bekannter Operateur von Stimmorganen, erfuhr den Nutzen dieser Arbeit am eigenen Leib und erkannte in diesem körperlichen Weg der Stimmentwicklung den schonenden Effekt für die Stimmorgane. Rasch sorgte er dafür, dass Sängerinnen sich teils in Deutschland, teils bei meinen Besuchen in Japan ausbildeten, um die Methode in seinem Klientel anzuwenden.

Die Sängerinnen Letizia Fiorenza und Marianne Schuppe bereicherten mit ihrem Unterricht in Stimmimprovisation, Gesang und Atem-Tonus-Ton die berufsergänzende Weiterbildung und verhalfen einigen TeilnehmerInnen zur Bühnenreife. Die theoretischen Grundlagen vermittelte Barbara Meffert. Ihr Lehransatz als Logopädin beruht auf Erfahrungswissen, ist ganzheitlich und ausgesprochen spannend. Die langjährige Zusammenarbeit und doch selbständige, freie Unterrichtsweise aller Teampersönlichkeiten schuf einen atmosphärischen Nährboden für das Wachsen der Methode Atem-Tonus-Ton.

Sowohl die Methode als auch das dadurch entstandene Menschenbild verlangt einen einfühlsamen Umgang mit den Übenden. Es wird das gefördert, was bereits vorhanden ist. Der Ansatz führt über die spürbaren vorhandenen Kräfte. Eine musikalische Bildung wird durch diese Arbeit jedoch nicht ersetzt. Zwangsläufig stellt sich die Lust auf Singen oder Musizieren ein.

Atem-Tonus-Ton

„Atem-Tonus-Ton“ ist ein körperlich-seelischer Weg, die Stimme zu entfalten. Die Orientierung dieser Methode beruht auf Empfinden und Spüren der innerlich ablaufenden Bewegungen – genannt Innenbewegungen – während der Tongebung. Diese Bewegungen sind teilweise unbewusst und nicht im Gleichgewicht. Sie sind vorhanden, wenn auch vernachlässigt. Jede Innenbewegung weist eine andere Dynamik auf. Sind diese Kräfte nicht optimal aufeinander abgestimmt, wirkt sich dies unökonomisch bis blockierend auf den Energiefluss und die Stimme aus. Die Gründe des verhinderten Kraftstroms und der damit einhergehenden Klangeinbußen sind meistens seelischer Natur. Mit dem Üben tauchen häufig persönliche Inhalte aus dem Unbewussten auf und bekommen das bislang verweigerte Gehör.

Körperwahrnehmung, Empfindung und ein gewisses Maß an willentlichem und richtig lokalisiertem Muskeleinsatz zeigen die Richtung einer organischen, gesunden Stimmentwicklung auf. Auf Tonvorgaben und Klangimitation wird weitgehend verzichtet. Der Entdeckung der eigenen Kräfte, Körperräume, klanglichen Färbungen und seelischen Anteile wird großer Wert beigemessen. Grenzen, Hemmungen, muskuläre und seelische Festhaltungen tauchen dabei auf, werden transparent gemacht und in Bewegung und Ton gestaltet. Vergleiche mit anderen Stimmen, auch Konkurrenzverhalten bauen sich ab, je tiefer die Übenden in ihre Innenwelt eindringen. Sie erfahren ihre Einmaligkeit als Qualität und wollen diese ausdrücken. Die Arbeit an Wohlbefinden und Wohlklang ermöglicht, in Zustände hineinzufinden, die die Grundlage für den nächsten Entwicklungsschritt bilden.

Folgende Innenbewegungen werden stimuliert und koordiniert:

—  Atembewegung wird erfahren und als Verbindung von Willensleistung und sensiblen unbewussten Funktionen in seiner zentralen Kraft verbessert.

—  Tonus kann man trainieren, automatisieren und bewusst lösen. Die willentlich einsetzbare Muskelkraft produziert eine elastische Spannkraft und verstärkt den Ton.

—  Ton ist die Weiterleitung von Knochenvibration. Für Tonqualität und Klangweite muss der Übende den aktiven Krafteinsatz und die Gelassenheit für die Resonanz miteinander abstimmen.

In den folgenden Kapiteln werden diese voneinander abhängigen Bewegungen intensiver beleuchtet. Der Übungsteil des Buches und die CD sollen helfen, Theorie in Praxis umzusetzen.

Mit der Arbeitsweise „Atem-Tonus-Ton“ baut sich jeder Praktizierende eine Brücke zwischen Körper und Stimme. Darüber hinaus lernen erfahrene SängerInnen ihrem Körper ebenso wie ihrem Gehör zu vertrauen. Ungenutzte Kraftquellen und Resonanzräume erschließen sich. Eine physiologische Ordnung befreit den Kräfteverlauf und macht das Singen selbst für Profis leichter. Auch bei großen sängerischen Leistungen bleibt der Atem natürlich und zugelassen, was dem Künstler eine große Freiheit zu interpretieren schenkt.

Die damit einhergehende Entlastung der Stimmorgane hat heilende Effekte. Übende mit Stimmstörungen, die in unterschiedlichen Symptomen erscheinen, erfahren eine große Erleichterung in der Stimme, der Druck auf die Stimmbänder verschwindet.

 

Anmerkungen

1  Phonetik – die Lehre von der Lautbildung

2  Phonation – Laut- und Stimmbildung, Stimmgebung

4.   Was wird vorausgesetzt?

Sie sollten ein gewisses Interesse für sich selbst und Ihren Körper mitbringen. Egal ob Sie Ihre Stimme professionell oder nur privat einsetzen, es bedarf keinerlei Vorbildung bezüglich der Stimmpflege oder der Körpererfahrungsarbeit. Sie können sofort einsteigen. Ihre Stimme sollte soweit reichen, dass sie sich normal unterhalten können, und Ihr Körper sollte so gesund sein, dass Sie ohne Schwierigkeiten gehen, stehen, sitzen und liegen können.

Wenn Sie jetzt sagen: „Aber ich konnte noch nie singen!“, dann haben Sie mit der vorliegenden Methode noch große Chancen, viel Unbekanntes über sich zu erfahren. Sie werden in Ihrem Körper Entdeckungen machen und dürfen sich regelrecht überraschen lassen von den Tönen, die ohne große Anstrengung einfach kommen werden. Wer sprechen, lachen und weinen kann, hat Stimme und kann diese bilden. Damit sei noch nicht behauptet, dass Sie musikalisch sind.

Wenn Sie im Beruf laut und viel sprechen müssen und dies zunehmend anstrengend wird, so dass sich häufig Heiserkeit einschleicht, dann wird es Zeit, die strapazierte Kehle zu entlasten. Selbst wenn die Stimmorgane überfordert sind, ist doch Ihr körperliches Potential für die Stimme längst nicht genutzt.

Der Körper sollte Sie in den Möglichkeiten, ihn zu empfinden und aus ihm heraus zu schöpfen, neugierig machen. In ihm können Sie alten festgefahrenen Verhaltensweisen begegnen, diese erkennen, sie loslassen, sich sensibilisieren für unbekannte Fähigkeiten und Impulse.

Sie können nicht singen?

—  Trauen Sie sich nicht zu singen?

—  Sie sind unzufrieden mit Ihrer Sprechstimme?

—  Es fällt Ihnen schwer zu kommunizieren?

—  Es fehlt Ihnen an Antriebskraft und an Lebensfreude?

—  Anpassung, Abhängigkeiten und Fremdbestimmung nehmen Ihnen Ihren Schwung?

—  Ihre Stimme klingt monoton?

—  Sie möchten ungehemmt vor einer Gruppe sprechen oder singen?

—  Sie haben regelrecht Angst, sich zu zeigen, sich darzustellen?

Sie singen, kennen aber den Körper zu wenig?

—  Sie haben Probleme mit dem Atem?

—  Sie möchten Ihren Tonumfang erweitern?

—  Sie möchten Ihr Klangvolumen entfalten?

—  Sie singen in einem Chor und träumen von einem Solo?

—  Sie verspüren beim Singen Druck auf der Kehle?

—  Mit der Körperarbeit sind Sie vertraut, nicht aber mit der Stimme?

—  Als Musikpädagoge wüssten Sie gerne mehr über körperliche Abläufe?

—  Ihrem Auftritt fehlt es an persönlichem Ausdruck?

Die meisten der angeführten Indikationen sind verfehlte Selbsteinschätzungen oder angenommene und längst unzutreffende psychologische Etikettierungen. Stellen Sie diese in Frage! Machen Sie sich mit der hier aufgeführten persönlichkeitsbildenden Körper- und Stimmarbeit auf die Suche nach Ihrem Wesen und Ihren Wesenszügen! Lassen Sie sich überraschen, welche Seiten und Fähigkeiten zum Zuge kommen, wenn die Etiketten nicht mehr halten, die man Ihnen aufgedrückt hat, und die Sie nun selbst festhalten!

Am Vertrauten anknüpfen

Einen Großteil unserer bisher erworbenen Fähigkeiten haben wir uns durch Konzentration angeeignet. Dieser Zustand ist uns von Kindesbeinen an vertraut. Konzentriert beginnt das Kind einen Baustein auf den anderen zu setzen, die ersten Buchstaben zu schreiben, schließlich Fremdsprachen zu erlernen und mathematische Aufgaben zu lösen. Die Sinnesorgane nehmen Eindrücke aus der Welt um uns herum auf, im Gehirn werden diese verarbeitet und gespeichert. Umgekehrt können wir uns auf die eigenen Gedanken konzentrieren und diese niederschreiben oder aussprechen. In der Konzentration bündeln wir unsere Gedanken. Wir nehmen aufmerksam unsere Eindrücke wahr. Wir nehmen Sie ins Bewusstsein, nehmen Wissen in uns auf, lernen und leisten.

Ähnlich verhält es sich mit dem Erwerb der motorischen Fertigkeiten jeglicher sportlichen Disziplin und Technik. Doch nicht nur im Erlernen müssen wir uns konzentrieren. Überhaupt im Ausüben einer Sportart, beim Auto Fahren, beim Zeitung Lesen und vielen all-täglichen Tätigkeiten. Ich denke an Berufe wie die der Chirurgen, Zahnärzte, Piloten, Zugführer und an viele andere, auf deren hochgeschätztes Konzentrationsvermögen wir abhängige Laien zählen und vertrauen.

Konzentriert können wir uns geistig bilden, den Alltag bestehen. Die Konzentration ist ein Zustand, der dem Willen unterliegt. Der Wille ist eine starke Antriebskraft, damit versetzen wir Berge, machen Karriere, erforschen die Welt und andere Planeten.

Sich für Neues öffnen

Wollen wir nach innen schauen, die persönliche Innenwelt erfahren und erforschen, so würden wir uns mit der Kraft des Willens und dem Zustand der Konzentration begrenzen. Je größer die Anstrengung dahingehend wäre, umso mehr würde sich der Weg nach innen verschließen.

Selbstverständlich brauchen wir eine willentliche Entscheidung, um uns auf einen Prozess einzulassen. Wer nicht wirklich die Tiefe in sich ergründen will, findet auch keinen Zugang. Doch Einlass in den Leib, der nicht nur materieller Körper, sondern auch Seele und Geist gleichzeitig ist, gewährt uns die Sammlung. Die Sammlung ist die innere Anwesenheit in einer bestimmten Gegend des Körpers. In unserer westlichen Welt gab es lange keine Kultur der Sammlung. Inzwischen kennen wir asiatische Körperkulturen, Meditationspraktiken und Heilweisen, die ohne den Zustand der Sammlung keine heilerische Wirkung hätten. Hier im Westen, wo die Sammlung noch weitgehend unbekannt ist, übernimmt und vermarktet man die Technik, die vordergründig, wahrnehmbar und über Konzentration zu erlernen ist. Die Sammlung ist eine Bezogenheit nach innen in den Körper hinein. Sie ist leibbezogen – wie auch asiatische Religionen leibbezogen sind, im Gegensatz zur christlichen Religion.

Die Sammlung ist ein bewusstes sich Hinwenden in eine gewählte Körpergegend. Ein gleichzeitiges, aufmerksames Hinlauschen in diese Gegend ist nötig, um das, was ist und was geschieht, ins Bewusstsein aufzunehmen. Für den Kopf und das Denken wirkt der Zustand der Sammlung entlastend. Sammeln kann man sich nur im Wachbewusstsein, das heißt die Verbindung zum Kopf bleibt bestehen. Neue Kenntnisse über sich tauchen aus einer tieferen Bewusstseinsebene auf und reichern die Gedanken an.

Sammeln ist kein Zustand, den man sich erworben hat wie eine motorische Fertigkeit und der jederzeit repetierbar ist. Sammeln heißt, sich einlassen auf den Moment und auf sich selbst. Als Versuch ist die Sammlung zwar wiederholbar, jedoch niemals die Erfahrung und das Erlebnis dabei. Sammeln können Sie sich nur selbst in Ihrem Leib. Kein Arzt und kein Therapeut kann dies für Sie leisten. Die Sammlung hat zum Ziel, eine Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist herzustellen. Man kann auch sagen zwischen dem Bewusstsein und dem viel größeren unbewussten Anteil des Menschen. Der Körper ermöglicht diese Verbindung insbesondere über das Atemgeschehen, das sowohl bewusst wie unbewusst funktioniert. Über die Verbindung der Dreiheit unseres menschlichen Seins und der jeweils aktuellen Erkenntnisse daraus entsteht eine heilerische Entwicklung, gefüllt mit Kraft, Mut und Lust zu leben.

Was den – beseelten! – Körper betrifft, richten wir unsere aufkommenden Fragen an Fachleute. Fragen, die unser Wohlsein betreffen, tauchen erst dann auf, wenn der Körper ruft, wenn ein Symptom schmerzt oder Krankheitsängste beunruhigen. Die Antwort suchen die Menschen auf dem großen Feld der Heilberufe in unzähligen medizinischen und pharmazeutischen Angeboten.

Beim erkrankten Menschen macht sich Hilflosigkeit breit, die schließlich dadurch kompensiert wird, dass sich der Erkrankte um das Symptom immer noch wissender und kundiger macht. Wissen um die Funktionalität des Körpers steht im Mittelpunkt des Interesses. Der Anschluss ins Innere des Menschen, an tiefer liegende noch gesunde Kräfte wird unterbrochen. Die Verantwortung wird dem Fachkundigen übergeben. Das Vertrauen in sich selbst schwindet, das Vertrauen in die Helfenden wird überdimensional. Der Verlust der inneren Realität führt in die Selbstaufgabe. Der Weg in die Krankheit wird im Wechsel von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit beschritten.

Der Weg nach innen hingegen führt zu einer ungeschönten Selbstkonfrontation. Eine befreiende Konsequenz daraus ist, dass Fremdbestimmungen immer unerträglicher werden und der Selbstbestimmung weichen.

Die Arbeit an sich selbst ist zweifellos nicht immer leicht. Sie bringt die innere Wahrheit ans Licht und beleuchtet so manchen verborgenen Seelenschmerz. Eigene Charakterzüge wollen Profil zeigen und sich nicht länger denen der Mitmenschen anpassen und glätten.

Hierin liegt sicher einer der Gründe, warum eine prozessuale Leibarbeit keine Modewelle werden kann.

Folgende Qualitätsmerkmale lassen sich tendenziellzwei verschiedenen Bewusstseinszuständen zuordnen:

Sammlung

Konzentration

 

 

ist

ist

körperbezogen

sachbezogen

lassend

agierend

zustandsorientiert

leistungsorientiert

 

 

führt zu

führt zu

Erfahrung von Eigenem

Begreifen von Fremdem

substanzieller Wandlung

Veränderung des Verhaltens

Fragen an sich selbst

Fragen an die Welt

Antwort aus sich selbst

Antwort von außen

Selbstreflexion

Fremdreflexion

Wahrnehmung innerer

Wahrnehmung äußerer

Vorgänge

Vorgänge

innere Wirklichkeit

äußere Wahrheit

Akzeptanz

Beurteilung

Für die Stimme heißt dies:

den Körper einbringen

Stimm- und Sprechorgane einsetzen, (Technik)

Klang der Stimme

Aussprache

emotionaler Gehalt

Informationsgehalt

Stimmung spüren

Stimmung übernehmen

Aussagegehalt

Inhalt

unbewusste Kräfte

bewusste Kräfte

 

Fordern und fördern wir die Konzentration im Übermaß, so wird der Weg in die Innenwelt unauffindbar. Die körperlich-seelische Befindlichkeit wird ignoriert. Damit steigt die Spannung bis zur Verspannung in Schulter, Hals und Kopf. Der Selbstwert wird durch Leistung aus der Außenwelt bezogen und macht inneren Druck. Der Mensch kann sich nicht mehr spüren, es sei denn über Schmerzen. Bei aufkommenden seelischen Schmerzen dämpft Alkohol- oder Zigarettenkonsum die Selbstwahrnehmung. Der Mensch entfernt sich von sich selbst.

Wird die Sammlung nach innen überbewertet, wirkt die Außenwelt bedrohlich. Ein realer Bezug zum Umfeld geht verloren. Die eigene subjektive Wahrnehmung erscheint als einzige Realität. Die Außenwelt wirkt zu groß, zu laut, zu aggressiv. Auf die entsprechende Dynamik von äußeren Geschehnissen kann man sich auch zeitweise gar nicht mehr einlassen. Von außen auf den Menschen zukommende Leistungsanforderungen werden abgelehnt. Eigene unbewusste Bilder und Seeleninhalte werden überdimensional groß. Drogen intensivieren die Selbst-Wahrnehmung und führen in ekstatische Zustände. Auch hier wird das Gleichgewicht zwischen Außen und Innen erheblich verändert bis gestört. Der Mensch versackt in sich selbst.

Die Sammlung kommt zur vertrauten Konzentration hinzu und erweitert das Bewusstsein. Der Zugang nach beiden Richtungen schafft Gleichgewicht in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht. Die Kommunikation gewinnt an Intensität.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bemüht man sich mit Hilfe einiger leib- und atemtherapeutischer Methoden oder Lehrweisen, inzwischen auch durch die integrative Psychotherapie, den Menschen einen körperlichen Weg nach innen zu zeigen. Die Erfahrung zeigt, dass es gelingt, Verbindungen nach innen herzustellen.