Stocks on the Move - Andreas Clenow - E-Book

Stocks on the Move E-Book

Andreas Clenow

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Beschreibung

Es ist gar nicht so schwer, den Markt zu schlagen. Dennoch versagen nahezu alle Investmentfonds regelmäßig bei dem Versuch. Hedgefondsmanager Andreas F. Clenow nimmt seine Leser mit hinter die Kulissen der Branche, um ihnen zu zeigen, warum das so ist und wie jeder Anleger die Fonds schlagen kann. Der Schlüssel dazu: Momentum-Investing. Es ist eine von nur sehr wenigen Methoden, die erwiesenermaßen konstant den Markt schlagen. In seinem Buch präsentiert Clenow die Methoden, mit denen eta blierte Hedgefonds ihre Ergebnisse erzielen. "Stocks on the Move" stellt einen rationalen Investmentansatz vor. Alle Regeln und alle Details werden erklärt, keine Frage bleibt offen.

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ANDREAS CLENOW

So schlagen Sie den Markt

mit den Momentum-Strategiender Hedgefonds

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

Stocks on the Move: Beating the Market with Hedge Fund Momentum Strategies

ISBN 978-1511466141

© Copyright der Originalausgabe 2015:

Copyright © 2015 Andreas F. Clenow

© Copyright der deutschen Ausgabe 2016:

Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Egbert Neumüller

Gestaltung und Satz: Jürgen Hetz, denksportler Grafikmanufaktur

Herstellung: Daniela Freitag

Lektorat: Claus Rosenkranz

ISBN 978-3-86470-360-7eISBN 978-3-86470-374-4

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks,

der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken

oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: 0 92 21-90 51-0 • Fax: 0 92 21-90 51-44 44

E-Mail: [email protected]

www.boersenbuchverlag.de

Im Gedenken an meinen Bruder Mathias Clenow9. Januar 1973 bis 30. Juni 2015

INHALT

1 | VORWORT

Momentum-Investing

Weshalb ein Buch darüber?

2 | DAS PROBLEM MIT DEN INVESTMENTFONDS

Gemeinsame Vernichtung

Exchange Traded Funds

3 | AKTIEN SIND DIE SCHWIERIGSTE ANLAGEKLASSE

Gruppenzwang

Überlebende

Teile und herrsche

Die Wahl des Index

Die Marktkapitalisierung

Sektoren

4 | FUNKTIONIERT TRENDFOLGE MIT AKTIEN?

Das Problem bei der Trendfolge mit Aktien

Gängige Trendfolgemodelle bei Aktien

Das Allzeithoch-Modell

Trendfolge mit einzelnen Aktien

Die Semantik der Trendfolge

5 | DER MOMENTUM-EFFEKT

Das Grundprinzip hinter dem Momentum-Investing

Der Vorteil einer systematischen Methode

6 | DIE MARKTVERFASSUNG ALS FILTER

7 | AKTIEN SORTIEREN

Aktiensortierung mithilfe der exponentiellen Regression

Zusätzliche Filter

8 | DIE POSITIONSGRÖSSE

Die Neugewichtung der Positionen

9 | WANN MAN VERKAUFT

Die Portfolio-Neugewichtung

10 | EINE VOLLSTÄNDIGE MOMENTUM-HANDELSSTRATEGIE

Die exakten Handelsregeln

11 | GEMÄSS DER STRATEGIE HANDELN

Das Anfangsportfolio

Die Neugewichtung der Positionen

Die Portfolio-Neugewichtung

12 | DIE PERFORMANCE DER MOMENTUM-STRATEGIE

13 | ÜBERBLICK ÜBER DIE EINZELNEN JAHRE

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Fazit

14 | EINE ANALYSE DER STRATEGIE

Wie wichtig ist das Trendfilter?

Wie wichtig ist die Risikoparität?

Wie wichtig ist die Momentum-Periode?

Wie wichtig ist die Sortiermethode?

Wie wichtig ist die Positionsgröße?

Wie wichtig ist die Wahl des Index?

15 | EIN TRITT IN DEN HINTERN DER WALL STREET – REIN ZUFÄLLIG

Das S&P-500-Handelssystem

16 | DIE SIMULATION DER STRATEGIE

Die Zahlen

Eine realistische Portfoliosimulation

Eine Programmiersprache

Flexibilität

Tauglichkeit für mehrere Währungen

Die Strukturierung der Simulation

17 | BIBLIOGRAFIE

KAPITEL 1

Vorwort

Sie haben ein ganzes Buch über eine einzige Handelsstrategie in der Hand, die man in einer einfachen Aussage zusammenfassen kann: Kaufen Sie Aktien, die steigen. Die Idee ist ganz einfach und sicher ist sie nicht neu. Das Konzept ist ein alter Hut. Dieses Buch möchte jedoch eine klare, systematische Methode aufzeigen, wie man ein Portfolio aus Momentum-Aktien managt.

Die hier vorgestellten Ideen beruhen auf meinen Erfahrungen als Manager eines quantitativen Hedgefonds. Ich manage seit rund zehn Jahren institutionelle Portfolios anhand dieses Konzepts und anhand anderer Strategien. Die einfachen Ideen sind normalerweise diejenigen, die sich im Laufe der Zeit bewähren. Das heißt zwar nicht unbedingt, dass sie leicht umzusetzen wären, doch das zugrunde liegende Konzept sollte einfach sein. Und in diesem Fall ist es wirklich einfach. Eine Aktie, die bereits eine Weile kräftig steigt, tut das wahrscheinlich noch ein bisschen länger. Das ist der Kerngedanke. Alles andere sind Details.

Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch über eine andere Trading-Strategie geschrieben, die ich seit vielen Jahren verwende. Es heißt „Following the Trend“ und das gesamte Buch handelt von einer ganz einfachen Trendfolgestrategie für den Futuresmarkt. Als ich es schrieb, war ich ziemlich sicher, dass es kaum jemand wahrnehmen würde, und ich rechnete bestenfalls mit durchwachsenen Kritiken. Der hauptsächliche Kritikpunkt, von dem ich erwartete, dass er angesprochen würde, war die Tatsache, dass das Buch im Grunde ein 300 Seiten langer Forschungsartikel sei. Die Kritik hätte ins Schwarze getroffen, denn genau das war das Buch.

Doch zu meiner Überraschung äußerte niemand diese Kritik. Ich hörte sie kein einziges Mal. Stattdessen kam mein Buch so gut an, dass es mich und meinen Verlag überraschte. Nach zwei Jahren berichtete mir der Verleger, dass es unter den obersten fünf Prozent der Finanzbücher stand. Es hat großen Spaß gemacht und ich habe viel dabei gelernt.

MOMENTUM-INVESTING

Das vorliegende Buch behandelt systematisches Aktien-Momentum. Momentum-Investing ist eine rationale Art, Vermögen zu verwalten, solange man einen Schutz gegen Kursverluste einbaut. Das Problem daran: Es ist kompliziert, einen soliden Satz von Regeln aufzustellen, wie man die Aktien auswählt, wann man sie kauft, wie viele man kauft, wann man sie verkauft und so weiter. Wenn Sie realistische Simulationen von Handelsstrategien konstruieren wollen, bevor Sie diese einsetzen – was ich wirklich empfehle –: Momentum-Strategien sind sehr komplex zu modellieren.

Das Konzept ist zwar einfach, doch ist es sehr schwierig, eine solide Simulation zu erstellen. Die Daten sind sowohl teuer als auch schwierig anzuwenden. Man muss Bardividenden, die historische Indexzugehörigkeit, nicht mehr notierte Aktien und andere Dinge berücksichtigen. Und dann braucht man noch eine Simulationsplattform, die leistungsfähig genug ist, um die enormen Datenmengen zu bewältigen, die man dafür benötigt. Diese Arbeit habe ich bereits für Sie erledigt. Hiermit stelle ich Ihnen das Ergebnis und meine Analyse des Ergebnisses vor.

Natürlich gebe ich dabei so viele Details an, dass diejenigen, die Zugang zu den erforderlichen Werkzeugen und Daten haben, meine Arbeit nachprüfen können. Täte ich das nicht, wäre ich nicht besonders glaubwürdig. Wenn sich etwas nicht verifizieren lässt, kann ja jeder alles Mögliche behaupten.

Ich werde also einen kompletten Satz Regeln für die Verwaltung eines Momentum-Portfolios präsentieren. In der Vergangenheit hat er eine sehr gute Performance gebracht und sehr wahrscheinlich wird er das weiterhin tun. Sie dürfen ihn gern benutzen.

WESHALB EIN BUCH DARÜBER?

Diese Frage stellt sich immer wieder. Warum sollte ich ein Buch schreiben und der Welt meine streng geheimen Methoden offenbaren? Diese Frage beruht auf einem gängigen Missverständnis, das man unter Privatanlegern häufig findet. Ich enthülle hier nichts, was mir oder meinem Unternehmen schaden würde. So funktioniert das bei einer Handelsstrategie nicht.

Es gibt viele milliardenschwere Akteure, die das Spiel mit dem Aktien-Momentum spielen. Sie handeln nach ähnlichen Prinzipien wie denen in diesem Buch dargestellten. Nicht nach den gleichen, aber nach ähnlichen. Sie haben zahlreiche Researchmitarbeiter und umfangreiche Etats. In diesem Buch steht nichts, was diese Firmen nicht wissen oder selbst herausfinden können. Vor wem also sollte ich meine Geheimnisse bewahren? Wenn ein paar Tausend Menschen dieses Buch lesen und dann ihr Geld anhand dieser Ideen managen würden, dann wäre das toll. Und sicherlich würde das nicht meine Profitabilität zunichtemachen oder mich Geld kosten. Wenn man bedenkt, wie viel Geld bereits mit Momentum-Strategien gemanagt wird, macht das schlicht keinen Unterschied.

Schon eher hege ich die Hoffnung, dass einige, die das Buch gelesen haben, nicht die Zeit oder die Geduld haben, die Strategie umzusetzen, und deshalb ihr Geld von meiner Asset-Management-Firma verwalten lassen. Ich erkläre sehr gern, wie alles funktioniert, aber viele Menschen brauchen trotzdem eine professionelle Vermögensverwaltung.

Also, warum schreibe ich ein Buch? Zunächst einmal macht es mir Spaß. Ich schreibe gerne und ich habe den Kontakt mit unzähligen Lesern nach meinem ersten Buch sehr genossen. Zweitens habe ich eigentlich nichts zu verlieren, keine Geheimnisse zu verraten. Ich hoffe zwar, dass meine Ideen ein kleines bisschen besser sind als die, die andere schon veröffentlicht haben, aber dabei geht es um Details. Drittens besteht die Chance, dass ich neue interessante Kunden für mein eigentliches Geschäft gewinne, die Vermögensverwaltung.

Und wenn Sie dachten, ich würde wegen der enormen Einnahmen aus dem Buchverkauf schreiben, dann haben Sie offensichtlich noch nie ein Buch geschrieben.

KAPITEL 2

Das Problem mitden Investmentfonds

In den Industrieländern besitzt fast jeder Anteile an einem Investmentfonds. Selbst wenn man nicht gezielt einen Investmentfonds gekauft hat, ist der Pensionsfonds sehr wahrscheinlich in solche Instrumente investiert. Investmentfonds erscheinen als logische Lösung und sie werden von Regierungen, Universitäten und Banken als perfekte Möglichkeit für Privatleute angepriesen, sich an den Kapitalmärkten zu beteiligen.

Bevor man einen Investmentfonds kauft, sollte man sich vollkommen darüber im Klaren sein, was das eigentlich ist und wie er funktioniert. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was ein Investmentfonds anstrebt und wie er das macht. Noch wichtiger ist, dass Sie die Performance der Investmentfonds in der Vergangenheit kennen sollten. Denn schließlich ist die Vermögensverwaltung ein hochgradig messbares Geschäft und man kann ziemlich leicht vergleichen und analysieren, welche Performance Anlageprodukte tatsächlich gebracht haben.

Die Idee kollektiver Anlagepläne ist zwar schon recht alt, aber die Investmentfondsbranche, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit den 1980er-Jahren. Die Grundidee ist, dass jeder die Möglichkeit haben soll, sich auch mit kleineren Geldbeträgen möglichst einfach am Aktienmarkt zu beteiligen. Man könnte natürlich auch am Markt teilnehmen, indem man einfach einen Aktienkorb kauft, aber dabei würde man schnell auf gewisse praktische Probleme stoßen. Wenn man sich einen Index wie den S&P 500 anschaut, einem dessen Rendite gefällt und man ihn gerne nachbilden würde, dann müsste man 500 Aktienpositionen kaufen. Nun gut, manche dieser Aktien haben im Index ein derart geringes Gewicht, dass man vielleicht schon eine ausreichende Replikation erhielte, wenn man nur die Hälfte der 500 Indexaktien kaufen würde. Doch dann müsste man die Gewichtungen beobachten, auch die Änderungen der Indexzugehörigkeit, und man müsste das Portfolio aktiv managen, damit es dem Index entspricht. Tut man das nicht, bekommt man nicht die gleiche Rendite wie der Index. Vielleicht mehr, vielleicht weniger, aber nicht die gleiche.

Außerdem: Wenn man jeden Monat 100 Dollar anlegen will, um langfristig zu sparen? Das wäre so nicht möglich, denn man kann ja keine Bruchteile von Aktien kaufen. Selbst wenn man den Dow Jones Industrial Average nachbilden wollte, der nur aus 30 Aktien besteht, ginge das mit einem so geringen Betrag nicht. Und selbst wenn es ginge, müsste man die Änderungen der Gewichtungen durch Rebalancing ausgleichen und die ganzen anderen lästigen Dinge erledigen, die die meisten Menschen einfach nicht machen wollen und auch gar nicht machen könnten.

An dieser Stelle treten die Investmentfonds als Retter der Armen und als Demokratisierer der Finanzmärkte auf den Plan. Jeder Fonds eifert einem bestimmten vorher festgelegten Index nach und als Kleinanleger kann man einfach seine 100 Dollar in den Fonds einzahlen – diese werden dann mit dem Geld der anderen zusammengelegt und in die Replikation des Index investiert. So ist es jedenfalls fast.

Da Investmentfonds jeweils an einem bestimmten Index gemessen werden, sind sie relative Investments. Das bedeutet, dass ihre Aufgabe nicht darin besteht, ihren Anlegern Geld einzubringen. Sie dürfen den letzten Satz gerne mehrmals lesen! Ein Investmentfonds hat die Aufgabe, einen bestimmten Index zu übertreffen. Wenn dieser Index Verlust macht, hat der Fondsmanager die Aufgabe, ein bisschen weniger Verlust zu machen als der Index. In einer Hausse hat er die Aufgabe, ein bisschen mehr zu gewinnen als der Index. Das ist so weit in Ordnung – wenn man sich dessen bewusst ist.

Ein zentrales Konzept in der Welt der Investmentfonds ist der „Tracking Error“ oder Nachbildungsfehler. Ein Investmentfondsmanager darf nämlich nicht tun, was er will, um den Index zu schlagen. Weit gefehlt. Der Tracking Error gibt an, wie sehr die Renditen eines Fonds von denen des Index abweichen. Die Tagesrenditen des Fonds werden mit den Tagesrenditen des Index verglichen. Der zulässige Tracking Error oder das „Tracking Error Budget“ ist normalerweise sehr klein. Der Fonds darf schlicht nicht zu weit vom Index abweichen.

GEMEINSAME VERNICHTUNG

Konkret investiert ein Investmentfonds also fast das gesamte im Fonds enthaltene Geld und verteilt es im Einklang mit dem Index. Wenn eine Aktie im Index eine Gewichtung von 5,2 Prozent hat, kauft der Fonds 5,0 bis 5,4 Prozent. Der Fondsmanager hat sehr wenig Spielraum, seine Ansichten oder die seiner Bank einzubringen. Manchmal darf er ein bisschen mehr vom Index abweichen, aber vergessen Sie nicht, dass dies sehr gefährlich sein kann.

Es gibt in der Branche einen alten Spruch, der einen Großteil des institutionellen Anlageverhaltens beeinflusst: „Es ist noch nie jemand gefeuert worden, weil er IBM gekauft hat.“ Das heißt, wenn man tut, was alle anderen tun, geht man kein persönliches Risiko ein. Denn wenn man damit Verlust macht, haben alle anderen ebenfalls Verlust gemacht und es wird einem nicht vorgeworfen. Trifft man hingegen eine eigenständige Entscheidung und kauft, was man für das Beste hält, kann man entlassen werden oder zumindest Vorwürfe zu hören bekommen. Vor allem wenn man einen angenehmen Job hat, ist es also am sichersten, das zu tun, was alle anderen tun.

Darum haben wir eine gigantische Investmentfondsbranche, in der alle das Gleiche machen.

Vielleicht hört sich das für Sie gar nicht so schlimm an, denn wenn die Fonds im Einklang mit dem Index investieren, bekommen Sie doch, was Sie wollten, oder? Doch nicht so voreilig: Es müssen schließlich auch ein paar Rechnungen bezahlt werden. Ein anständiger Fondsmanager verdient im Jahr einen siebenstelligen Betrag. Die Bank verlangt eine Managementgebühr, eine Depotgebühr, eine Verwaltungsgebühr und so weiter. Natürlich wickelt der Investmentfonds den gesamten Handel über die Investmentbanking-Abteilung derselben Bank ab, die den Fonds auflegt, sodass kein Anreiz besteht, die Gebühren zu drücken. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Geld mit Investmentfonds zu verdienen, und deshalb lieben die Banken sie so. Sie sind sehr profitabel.

Wenn die Performance stimmt, sind hohe Gebühren nicht unbedingt ein Problem. Doch damit dies so ist, muss der Fonds viel besser laufen als der Index – dann können die Gebühren bezahlt werden und der Anleger erzielt am Ende immer noch eine bessere Performance als die des Index. Da die Investmentfondsbranche so enorm erfolgreich ist, sollte man doch meinen, dass die Fonds hohe langfristige Renditen liefern und ihren Kunden einen eindeutigen Wert bieten, oder?

Tabelle 2.1: Investmentfonds im Vergleich zu Benchmark-Indizes 2013, SPIVA-Report zum Jahresende

Quelle: S&P Dow Jones Indices, CRSP. Für Zeiträume bis 31.12.2013. Outperformance basiert auf gleichgewichteten Fondszählungen. Alle Indexrenditen sind Total-Return-Renditen.

Zum Glück gibt es Menschen, deren Beruf es ist, solche Dinge zu beobachten. Schauen wir uns einmal die S&P Indices Versus Active Funds Scorecard (SPIVA) an. Sie ist im Internet leicht und kostenlos zu finden (https://us.spindices.com/search/?ContentType=SPIVA). Sehen Sie sich Tabelle 2.1 an. Danach erkläre ich Ihnen die Zahlen in den Spalten. Sie sind nämlich womöglich nicht das, was Sie denken.

Die Zahlen geben den Prozentsatz der Fonds an, die es nicht geschafft haben, ihre Benchmarks zu übertreffen – genau: den Anteil, dem es nicht gelungen ist, seine einzige Aufgabe zu erfüllen. Von 2011 bis 2013 haben also 77,53 Prozent aller US-amerikanischen Investmentfonds ihren Job nicht gemacht. Wenn Sie die Tabelle überfliegen, sehen Sie, dass die überwältigende Mehrheit der Fonds über drei und über fünf Jahre versagt, manchmal über 90 Prozent der Fonds. Über ein Jahr betrachtet kommen ab und zu weniger als 50 Prozent vor. Das heißt, in einzelnen Jahren kann man Glück haben, aber langfristig bringt keiner Performance.

Nun könnte man meinen, in diesem konkreten Zeitraum hätten es die Fonds aus irgendeinem Grund besonders schwer gehabt. Doch leider ist dem nicht so. Der Bericht sieht jedes Jahr mehr oder weniger genauso aus. Man kann sie sich alle auf der SPIVA-Website ansehen und sie natürlich auch mit älteren Berichten vergleichen. Dabei stellt man fest, dass die Investmentfondsbranche sehr konsequent versagt. Natürlich nur aus Sicht des Anlegers – die Banken verdienen daran ja trotzdem gutes Geld.

Dabei muss man sich unbedingt klarmachen, dass die mangelhafte Performance nicht unbedingt die Schuld des Fondsmanagers ist. Er ist ja gezwungen, fast das gesamte Kapital im Einklang mit dem Index anzulegen. Er kann Aktien, die er gut findet, übergewichten, und Aktien, die er schlecht findet, untergewichten. Ab und zu darf er eine kleine Cashposition halten, wenn er bearish gestimmt ist. Es gibt also ein paar Instrumente, mit denen er die Performance beeinflussen kann, aber nicht so sehr, dass er damit die Hürde der Gebühren überspringen könnte. Bedenken Sie: Er fängt jedes Jahr in den roten Zahlen an und bemüht sich, die Gebühren hereinzuholen. Ich beneide ihn nicht um diese Aufgabe. Das muss sehr frustrierend sein – bis das Gehalt überwiesen wird.

EXCHANGE TRADED FUNDS

Die Idee der börsennotierten Fonds ist brillant. Ursprünglich waren die sogenannten ETFs nur eine logische Fortsetzung der Idee, die hinter den Investmentfonds steht. Die Investmentfonds verschafften der Allgemeinheit Zugang zum gesamten Aktienmarkt. Plötzlich konnten die Menschen Aktien breit streuen und sich an Indizes beteiligen, ohne dafür große Beträge anlegen zu müssen. Auch brauchten sie keine einzelnen Anlageentscheidungen mehr zu treffen, denn das erledigten die Fondsmanager. Doch wie wir gesehen haben, bringen Investmentfondsmanager nicht die Performance, mit der sie werben.

ETFs bieten dafür eine einfache Lösung. Man lässt einen Computer den Fonds managen, und zwar mit dem Auftrag, den Index exakt nachzubilden. Das im ETF angelegte Geld wird auf alle im Index enthaltenen Aktien verteilt und soll die exakten Gewichtungen des Index nachbilden. Keine Abweichungen, keine Verzögerungen, sehr niedrige Gebühren und insgesamt sehr geringe Kosten. Das Resultat ist ein Anlagevehikel, das den Index sehr genau nachbildet.

Wenn Sie wirklich den Index kaufen wollen, kaufen Sie einen passiven ETF. Dann bekommen Sie den Index. Einer der entscheidenden Punkte, die ich in diesem Buch ansprechen möchte, ist jedoch, dass es vielleicht gar nicht besonders attraktiv ist, den Index zu kaufen. Doch immerhin dürfte es attraktiver sein, einen passiven ETF auf den S&P 500 zu kaufen, als einen aktiven Investmentfonds, dessen Benchmark dieser Index ist.

Abb. 2.1 | Short-Exchange Traded Funds

Anfangs bildeten alle ETFs passiv einen Index nach. Das ist ein tolles Konzept. Vorsicht ist allerdings angesichts der wachsenden Zahl strukturierter Produkte geboten, die als ETFs verpackt werden.

Es sind nämlich eine ganze Menge höchst gefährlicher und tückischer strukturierter Derivate im Umlauf, die als ganz gewöhnliche ETFs vermarktet werden. Schauen Sie sich also an, was wirklich dahintersteckt, bevor Sie mit einem ETF handeln. Trauen Sie nie der Bezeichnung eines ETF.

Meiden Sie jede Art von „Enhanced ETF“. Meiden Sie alle Short-ETFs. Eigentlich sollten Sie alle ETFs meiden, die nicht ausdrücklich einen bestimmten Index nachbilden.

Nehmen wir als einfaches Beispiel einen Short-ETF. Wenn man einen Short-ETF auf den S&P 500 kauft, sollte man doch erwarten, dass man die umgekehrte Indexperformance bekommt. Bei einem „Double Short ETF“ auf diesen Index sollte man eigentlich die doppelte umgekehrte Performance erwarten.

Das stimmt zwar, jedoch nur auf einen einzigen Tag bezogen. Denn damit diese Fonds in der Lage sind, die exakte inverse Performance des Tages zu liefern, müssen sie täglich neu gewichtet werden (Rebalancing). Wenn Sie sich mit Optionen auskennen, wissen Sie wohl schon, worauf das hinausläuft.

Vergleichen wir die langfristige Preisentwicklung eines normalen ETF auf den S&P 500, eines Short-ETF und eines Double-Short-ETF auf denselben Index. Abbildung 2.1 zeigt, dass Short-ETFs fast immer fallen außer in Zeiten, in denen sich der Index kurzfristig extrem negativ entwickelt.

Man muss sich klarmachen, dass man mit Short-ETFs nicht das Delta handelt, sondern das Gamma. Optionshändler dürften das bereits erkannt haben. Das bedeutet, dass Short-ETFs und Double-Short-ETFs viel empfindlicher auf Änderungen der Volatilität reagieren als auf Richtungsänderungen der Kursentwicklung. Wenn man einen Short-ETF kauft, geht man in Wirklichkeit eine Short-Position auf die Volatilität ein.

Der Gerechtigkeit halber ist zu sagen, dass es nicht anders funktionieren kann. Wenn man die inverse Tagesperformance nachbilden will, ergibt sich eben dieser Effekt. Das Problem ist nur, dass dies den Menschen, die mit solchen Instrumenten handeln, nicht genau erklärt wird, sodass sie meinen, sie bekämen auch über eine Woche, über einen Monat oder über ein Jahr die umgekehrte Performance.

Abb. 2.2 | Die Performance von Short-ETFs

Hier nun die einfache Erklärung: Lassen wir den Index bei 100 beginnen. Am ersten Tag fällt er um zehn Prozent. Dann steht er bei 90, der Short-ETF bei 110 und der Double-Short-ETF bei 120. Schön für die Short-ETFs! Am nächsten Tag steigt der Index wieder auf 100, legt also elf Prozent zu. Würden Sie nun erwarten, dass Ihre Short-ETFs ebenfalls zum Ausgangspunkt zurückkehren? Der Short-ETF gibt elf Prozent von 110 Punkten ab und steht auf 97,8. Der Double-Short verliert 22 Prozent von 120 und fällt somit auf 93,3.

Wenn man dieses Spiel über einen gewissen Zeitraum wiederholt, sieht es aus wie in Abbildung 2.2. Der Index läuft in diesem Beispiel seitwärts – ein bisschen auf, ein bisschen ab, aber letztlich seitwärts. Der Short-ETF würde sich unter diesen Umständen abwärts bewegen und der Double-Short-ETF zügig abwärts.

Short-ETFs sind ein sehr offensichtliches Beispiel für schlechte ETFs. Sie sind irreführend und können leicht Verluste verursachen, wenn man sich mit strukturierten Derivaten nicht auskennt. Es gibt aber unter den ETFs noch viel mehr derartige verkleidete Derivate.

Exchange Traded Funds sind eine tolle Idee, solange es sich um schlichte Index-Tracker handelt. Seien Sie mit allen anderen Arten von ETFs sehr vorsichtig.

KAPITEL 3

Aktien sind dieschwierigste Anlageklasse

Viele Anleger fühlen sich zu Aktien hingezogen, weil sie meinen, sie seien die unkomplizierteste Anlageklasse. Jeder weiß doch mehr oder weniger, was ein Unternehmen ist und was Anteile an einem Unternehmen bedeuten. Es lässt sich leichter ein Bezug herstellen als zu Rohstoffpreisen, Anleiherenditen oder Devisen.

Die meisten Menschen handeln mit Unternehmen, die sie verstehen. Man trinkt morgens bei Starbucks seinen Kaffee und versteht, wie das Unternehmen funktioniert. Man ist mit seinem neuen iPhone glücklich und kauft Apple-Aktien. Doch selbstverständlich ist das eine Illusion. Die eigenen Erfahrungen mit Kaffee von Starbucks oder mit einem iPhone von Apple sind nicht wirklich hilfreich, wenn man die künftigen Aktienkurse vorhersagen will. Es kommt einem bloß im Nachhinein so vor.

Von dieser Illusion kann man sich sehr leicht täuschen lassen. Wenn man sich die Namen börsennotierter Unternehmen anschaut und sie mit eigenen Erfahrungen verbindet, die man mit ihnen gemacht hat, kann man sich davon leicht beeinflussen lassen. Wenn man die Produkte eines Unternehmens mag, hat man das Gefühl, der Aktienkurs müsste eigentlich steigen. Hält man die Produkte für veraltet, altmodisch oder mangelhaft, meint man, der Preis müsste eigentlich bald fallen. Doch solche Überlegungen bringen sehr wahrscheinlich nichts für den Handel mit der fraglichen Aktie.

Man kann sehr leicht auf eine größere Preisbewegung zurückblicken und sich denken, es sei doch offensichtlich gewesen, dass das passieren musste. Vielleicht sehen Sie sich den dramatischen Anstieg des Microsoft-Kurses an und sagen sich, es habe doch auf der Hand gelegen, dass Microsoft nicht nur die Softwarebranche, sondern den gesamten Aktienmarkt beherrschen würde. Schließlich war es doch der Hersteller des wundervollen Betriebssystems DOS und der brandneuen darauf aufsetzenden grafischen Benutzeroberfläche Windows. Selbst wenn Sie Ihre Abende in den 1990er-Jahren aus irgendeinem Grund nicht damit zugebracht haben sollten, mithilfe der config.sys und der autoexec.bat ständig die Nutzung des Extended Memory neu einzustellen, wäre Ihnen wohl aufgefallen, dass es eigentlich keine ernst zu nehmenden Konkurrenten gab. Rückblickend war das sonnenklar. Doch damals war es alles andere als klar. Sicher, im Zuge des damals allgemein grassierenden Wahnsinns steckte jedermann Geld in beliebige Technologie-Aktien, als gäbe es kein Morgen. Doch die Menschen, die Microsoft kauften, waren normalerweise die gleichen, die auch Worldcom, Global Crossing, AOL und viele andere Unternehmen kauften, die spektakulär scheiterten. Offensichtlich erscheint es erst, wenn es zum Handeln zu spät ist.

Sehr oft entwickeln sich Unternehmen mit großartigen Produkten und scheinbar großartigen Strategien an der Börse schlecht. Genauso oft ist es umgekehrt und irrsinnig klingende Konzepte schießen wie Raketen in die Höhe. Wie gesagt: Warten Sie ab, bis die Aktie so sehr gestiegen ist, dass sie Schlagzeilen macht; dann erscheint es allen offensichtlich, warum das alles passiert ist. In Amerika gibt es die Redewendung, jeder sei ein Montagmorgen-Quarterback. Als Europäer weiß ich zwar nicht so genau, was ein Quarterback macht, aber jedenfalls scheint es nichts zu sein, was man an einem Montagmorgen tun sollte.

Natürlich gibt es Menschen, die Unternehmen und Branchen sehr gut fundamental analysieren können, Experten, die sich ausrechnen können, was auf lange Sicht passieren wird, und die bei ihren Analysen gewöhnlich extrem ins Detail gehen. Das ist jedoch ein sehr schwieriges Spiel und reicht viel tiefer als die Zuneigung zu Produkten oder die Abneigung dagegen. Solche Analysten sind oft auf nur einen Sektor oder gar nur auf wenige Aktien spezialisiert. Sie beobachten alle Einzelheiten und analysieren jede Zeile in den Erfolgsrechnungen und Bilanzen der Unternehmen. Das ist eine absolut taugliche Herangehensweise an die Finanzmärkte – wenn man hart genug arbeitet –, aber es ist ein Vollzeitjob und darum geht es im vorliegenden Buch nicht.

Eine ganz ähnliche Illusion ist die Überzeugung, man habe einen Vorteil, wenn man mit den Aktien des Unternehmens handelt, für das man arbeitet. Man könnte meinen, den meisten Mitarbeitern würde ihr Insiderwissen über das Unternehmen helfen, den Markt zu verstehen und dadurch beim Trading einen Vorsprung zu gewinnen. Aber wenn man nicht gerade zur Führungsmannschaft gehört oder im Aufsichtsrat sitzt, stimmt das schlicht nicht. Und selbst wenn man im Vorstand oder im Aufsichtsrat sitzt, ist zu bezweifeln, ob man abgesehen von Sondersituationen, beispielsweise kurz vor einer wichtigen Bekanntgabe, noch weitere Vorteile hat. Und selbstverständlich ist es grundsätzlich verboten, anhand solcher Sondersituationen zu handeln.

Eigentlich ist es sogar irrational, Aktien des Unternehmens zu kaufen, für das man arbeitet. Zunächst einmal hat man dabei im Vergleich zu einer beliebigen zufällig ausgewählten Aktie keinerlei Vorteil. Denn wenn dem so wäre, würden die Mitarbeiter aller börsennotierten Unternehmen mit dem Aktienhandel mehr Geld verdienen als mit ihrer Arbeit.

Das ist eine bloße Illusion. Aber es kommt noch schlimmer: Damit häuft man nämlich sein Risiko in einem einzigen Unternehmen an. Man ist durch das Unternehmen, in dem man arbeitet, ja ohnehin schon einem Risiko ausgesetzt. Läuft es schlecht, wird man vielleicht entlassen. Läuft es gut, bekommt man vielleicht eine Gehaltserhöhung und eine Beförderung. Durch den Aktienkauf steigert man das Risiko durch das Unternehmen noch zusätzlich, ohne dass es dafür einen vernünftigen Grund gäbe.

GRUPPENZWANG

Die Welt der Aktien vermittelt den Eindruck, als habe man dort unendlich viele Möglichkeiten. Es gibt Tausende und Abertausende von Aktien, mit denen man handeln kann. Sie stehen für Unternehmen, die in allen nur erdenklichen Branchen tätig sind. Da gibt es große Industriekonzerne, Telekommunikationsunternehmen, Pharmakonzerne, Goldminenbetreiber, Internetfirmen, Ölexplorer und was sonst noch alles. Die Geschäftsfelder unterscheiden sich derart extrem voneinander, dass man logischerweise annehmen könnte, die Aktienkurse würden sich unabhängig voneinander bewegen.

Das Problem ist jedoch, dass sie das nicht tun. Sicherlich, man kann aus vielen Tausenden Aktien auswählen, aber wenn es darauf ankommt, verhalten sie sich wie Rentiere. Wie bitte? Der Vergleich mit den Schafen ist ausgelutscht. Ich bin Skandinavier, Sie können mir vertrauen, was die Rentiere angeht.

Unter normalen Marktbedingungen kann es scheinen, als seien Aktien halbwegs unabhängig voneinander. Wenn eine Hausse herrscht, steigen zwar die meisten Aktien, aber die guten steigen viel stärker. Die meisten Aktien sind jedoch in Bullenmärkten sehr eng mit dem Gesamtmarkt-Index korreliert. Und selbst wenn man ein großes Aktienportfolio besitzt, ist man stark vom Gesamtmarkt abhängig. Steigt der Index, steigen auch die meisten Aktien im Portfolio – und natürlich umgekehrt.

In einer Baisse führt diese hohe Korrelation plötzlich zu einer kritischen Geschwindigkeit. Wenn die Märkte unvermittelt abstürzen, gibt es kein Entrinnen. Alle bekommen zur selben Zeit einen Schlag versetzt. Und wenn der Gesamtmarkt zurückfedert und eine Baisse-Erholung erlebt, wenden alle Aktien am selben Tag nach oben. Das macht den Grundgedanken, der hinter der Diversifizierung steht, zunichte. Was Sie jetzt halten, sind im Grunde verschieden hohe Betas.

Das ist der kniffligste Aspekt von Aktienstrategien. Wenn man alle Anlageklassen gleichzeitig traden würde, könnte man recht problemlos einen Diversifizierungsmechanismus konstruieren. Schließlich haben Mais, Erdöl, der Yen und Aktien sehr wenig gemeinsam und bewegen sich meistens recht unabhängig voneinander. Doch wenn man nur mit Aktien handelt, genießt man diesen Luxus nicht.

Die fehlende Diversifizierung im Aktienhandel ist ein entscheidender Faktor, dessen man sich bewusst sein muss. Bei Aktienstrategien hat man immer eine Position mit beträchtlichem Beta. Je mehr Aktien man hält, umso mehr ähnelt die Strategie dem Index. Das ist zwar wichtig, aber nicht unbedingt ein Problem, solange man sich dessen bewusst ist und seine Strategien mit diesem Punkt im Hinterkopf gestaltet. Es muss nichts Schlechtes sein, bewusst ein Beta-Risiko einzugehen. Aber man muss sich dessen bewusst sein und darauf achten, dass man dann, wenn es mit dem Markt bergab geht, kein Beta hält.

ÜBERLEBENDE

Der S&P 500 Index ist ein Momentum-Index. Das gilt auch für den NASDAQ 100, den Dow Jones Industrial Average, den Russell und die meisten anderen Aktienindizes. Wenn Sie eine Weile darüber nachdenken, werden Sie begreifen, dass Aktienindizes im Grunde sehr langfristige Momentum-Strategien sind.

Natürlich gehört das Wort „Momentum“ nicht zur offiziellen Index-Methodologie von Standard & Poor’s, dafür aber die Marktkapitalisierung.

Damit eine Aktie für die Aufnahme in den S&P 500 Index infrage kommt, muss sie sehr liquide sein, an der NYSE oder der NASDAQ notieren und eine Marktkapitalisierung von mehr als 5,3 Milliarden Dollar besitzen. Die Marktkapitalisierung ist ganz einfach der theoretische Wert eines Unternehmens. Man erhält sie, indem man die Anzahl der umlaufenden Aktien mit dem aktuellen Aktienkurs multipliziert. Welche Folgen das hat, dürfte klar sein. Der Grund, weshalb eine Aktie zum Index gehört, besteht darin, dass sie eine kräftige Preisentwicklung hinter sich hat. Wenn eine Aktie den Index verlässt, dann gewöhnlich weil sich ihr Kurs schlecht entwickelt hat und sie unter die Anforderung an die Marktkapitalisierung gefallen ist. Dies macht den S&P 500 Index und die meisten anderen Indizes zu einem gewissen Grad zu Momentum-Strategien.

Wenn man sich einen langfristigen Chart eines solchen Index anschaut, dann schaut man sich eine Momentum-Strategie an. Die starken Performer sind darin enthalten, die schwachen Performer nicht. Eine Weile darf ein Unternehmen schlecht laufen, aber wenn es weiterhin Verluste macht, wird es irgendwann aus dem Index entfernt. Fällt es danach weiter, wirkt sich das auf den Index nicht mehr aus. Daher hat das, was man anhand des Index sieht, große Ähnlichkeiten mit einer am Momentum orientierten Strategie der Aktienauswahl.

Und das bedeutet, dass die Indizes die Aktienmärkte besser aussehen lassen, als sie es in Wirklichkeit waren.

Außerdem erzeugt es die Illusion, man könnte sogenannte Tenbagger erwischen. Dieser Begriff bezeichnet eine Aktie, deren Kurs sich nach dem Kauf verzehnfacht. Das sind 1.000 Prozent. Wenn man sich eine im S&P 500 enthaltene Aktie bis weit genug in die Vergangenheit anschaut, bedauert man vielleicht, dass man sie nicht vor zehn Jahren gekauft hat. Das Problem daran ist natürlich, dass die Aktie damals noch gar nicht im Index enthalten war. Nur wegen ihrer fantastischen zehn Jahre ist sie jetzt überhaupt im Index. Vielleicht hatten Sie vor zehn Jahren noch nie etwas von der Aktie gehört. Und selbst wenn, dann war sie wahrscheinlich ein hochriskanter Nebenwert in einem Meer aus anderen hochriskanten Nebenwerten.

Wenn man Handelsstrategien entwickelt und simuliert, ist es von absolut entscheidender Bedeutung, dass man dies berücksichtigt.

Nehmen wir an, Sie entwickeln ein Trading-Modell, das unter bestimmten Bedingungen Aktien kauft. Vielleicht kauft es, wenn sie aus einer Trading-Range ausbrechen, vielleicht wenn sie überverkauft sind – das ist an dieser Stelle nicht wirklich wichtig. Wenn Sie diese Methode in eine Simulationsplattform einprogrammieren und über 20 Jahre anhand der Aktien testen, die derzeit den S&P 500 bilden, macht sie wahrscheinlich einen großartigen Eindruck. Schließlich kauft die Strategie ja Aktien aus einem Korb, von dem wir bereits wissen, dass er große Kurszuwächse verzeichnet hat.

Darum muss man unbedingt ein realistisches Aktienuniversum verwenden. Eine gute Möglichkeit dafür ist, die Methode anhand aller Aktien eines Index wie beispielsweise des S&P 500 zu testen, dabei allerdings auch die historischen Indexmitglieder zu berücksichtigen. Dafür müsste man die Plattform mit der historischen Indexzusammensetzung an jedem beliebigen Tag füttern. Auf diese Art würde die Simulation für jeden Tag in der Vergangenheit nur diejenigen Aktien berücksichtigen, die an jenem Tag tatsächlich im Index enthalten waren. Auf diese Art lässt sich das Survivorship Bias (die Verzerrung zugunsten der „Überlebenden“) beseitigen oder wenigstens drastisch reduzieren.

Ein entscheidender Teil dieser Methode ist, dass man auch Aktien einbeziehen muss, die nicht mehr an der Börse gehandelt werden. Viele Aktien, die vor zehn Jahren noch gehandelt wurden, notieren heute nicht mehr. Vielleicht sind sie bankrottgegangen oder sie sind durch Fusion in anderen Unternehmen aufgegangen. Der Grund ist unwichtig, wichtig ist nur, dass die Parameter Ihrer Simulation so realistisch wie möglich sind.