Stories - Matteo Thun - E-Book

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Matteo Thun

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Beschreibung

IN DER WELT DES DESIGNS UND DER ARCHITEKTUR GIBT ES NUR WENIGE PERSÖNLICHKEITEN, deren Einfluss so tiefgreifend und nachhaltig ist wie der von Matteo Thun. Ob es sich um wegweisende Resorts, Firmenzentralen, öffentliche Bauten, Wohn- und Bürogebäude auf der ganzen Welt bis hin zur ikonische Espressotasse von Illy handelt – überall hat der renommierte Architekt seine unverkennbare Handschrift hinterlassen und seine Entwürfe prägen seit Jahrzehnten unsere Wahrnehmung. Sein beeindruckendes Produktdesign, seine imposante Architektur und seine wegweisenden Konzepte zeugen von mehr als 40 Jahren beruflicher Erfahrung und einem Leben, das sich zwischen den pulsierenden Metropolen Mailand und München entfaltet. In dieser spannenden Lebensreise sind zahlreiche faszinierende Geschichten entstanden. Diese Geschichten hat Matteo Thun nun als Autor in einem fesselnden Lesebuch festgehalten, das gleichermaßen für seine Bewunderer, Weggefährten und vielleicht auch ein kleines Stück weit für sich selbst geschaffen wurde.

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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Texte von Sherin Kneifl

Matteo Thun leitet ein Architektur- und Designbüro, das respektvolle und dauerhafte Lösungen mit Blick auf die Zukunft anstrebt. 1952 in Südtirol geboren, studierte er an der Salzburger Akademie, bevor er sein Architekturstudium in Florenz abschloss. Seine prägenden Berufsjahre verbrachte er unter der Obhut von Ettore Sottsass – gemeinsam gründeten sie 1981 die weltweit bekannte Memphis Group. Nach mehreren Jahren als Professor für Keramikdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien und als Schöpfer epochemachender Werke gründete Matteo 1984 sein gleichnamiges Architektur- und Designstudio, wo er sich als eine der einflussreichsten Stimmen und Talente seiner Generation etablieren sollte.

STORIES

Bozner Engel / Bozen, 1952

Spielzeug aus Ton / Bozen, 1956–1962

Märklin Eisenbahn / Bozen, 1963

Holz / Bozen, 1956–2024

Castel Thun, Tante Teresina / Nonstal, 1956–1966

Der Schulweg / Bozen, 1959–1963

Franziskanergymnasium / Bozen, 1963-1964

Die Schule des Sehens / Salzburg, 1967–1970

Monte Morello / Florenz, 1974

Santa Carolina / Bozen, 1952–1970

Fliegen / Alghero, 1974

Summa Cum Laude / Florenz, 1975

Castigo di Dio / Neapel, 1976

Susanne / Zermatt, 1978

Ettore Sottsass / Mailand, 1979

Aperol / Mailand, 1980

Signorina Riccarda / Mailand, 1979

Anna Piaggi, Antonio Lopez, Karl Lagerfeld / Mailand, 1980

Sciara del Fuoco / Stromboli, 1980

Memphis / Mailand, 1981

Karl Lagerfeld / Mailand, 1981

Via Borgonuovo / Mailand, 1981

Via Appiani / Mailand, 1983

Universität für angewandte Kunst / Wien, 1983-2000

Studio Opening / Mailand, 1984

Keith Haring / Mailand, 1985

Die Oberflächlichkeit als Manifest / Wien, 1985

Campari / Mailand, 1985–1990

Vorwerk / Hameln, 1988

Illy / Triest, 1990

Tiffany & Co. / Venedig, 1990

Swatch / Biel, 1990–2000

Unser zweites Zuhause / Engadin, 1990–2024

O Sole Mio / Klagenfurt, 1990

Cresta Run / St. Moritz, 1990–2010

Philips, Keramag / Potsdam, 1991

Villa Schnitzler / Wien, 1991

Archimede Seguso / Murano, 1992

Vigilius / Lana, 1998

Takara Belmont / New York, Osaka, 1995

Bagno America / Forte dei Marmi, 1992–1996

Side Hotel / Hamburg, 1999–2000

Onkel Josi, Tante Tesi / Mailand, 2000

Sommerfrische / Ritten, 1992–2000

WMF / Geislingen, 1984-2000

Vapiano / Hamburg, 2000

Rosetta / Capri, 2000

Julius Meinl / Wien, 1985

Six Memos for the Next Millennium, Italo Calvino / Mailand, 2000

Leopold, Lyceum / Zuoz, 2002

Das Auto / 1970–2004

Hugo Boss / Coldrerio, 2006

Die Seele des Ortes / Katschberg, 2008

Zwilling / Solingen, Schanghai, 2006–2024

Fidschi-Wasser / Andorra, 2008

Walter Pfeiffer / Capri, 2009

Venere Bianca / Montelupo Fiorentino, 2009

Nivea / Hamburg, 2012–2018

Moselweine / Longuich, 2012

JW Marriott / Venedig, 2015

Santa Maria a Cetrella / Capri, 2001–2023

Manus Factor / Bürgenstock, 2010–2015

Waldkliniken / Eisenberg, 2017-2020

Davines / Parma, 2018

Langham / Venedig, 2018–2026

Zattere / Venedig, 2019

Constantin, Leopold / New York, Berlin, London 2023

Fratelli tutti / Alpen, Apennin, 2024

Susanne Thun, Celerina

Freunde, 2024

72 Stories / 2023

Danksagung

Impressum

Lassen Sie sich inspirieren …

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Lena Thun, Matteo Thun, Peter Thun

BOZNER ENGEL / BOZEN, 1952

Am Anfang war der Engel. Genauer: der Angioletto di Bolzano. Mit dieser himmlischen Figur begann die Geschichte der Thun-Keramik. Meine Eltern, Otmar Graf von Thun und Hohenstein und Helene «Lene» Gräfin von Thun und Hohenstein, hegten nach ihrer Heirat natürlich den Wunsch, gemeinsam etwas aufzubauen. Mein Vater war zwar promovierter Jurist, aber mit einer Vorliebe fürs Handwerkliche. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte er eine Keramikschule in Urbino. Meine Mutter war Architektin und hat gebastelt, gemalt oder modelliert. 1950 gründeten sie folglich ihre eigene Keramikwerkstatt im Keller unseres Wohnsitzes Schloss Klebenstein in Bozen.

Initiiert von meiner Mutter erblickte nach der Geburt ihrer beiden Söhne – ich kam 1952 zur Welt, mein Bruder Peter drei Jahre später – der erste mit ihren Händen getöpferte Engel das Licht der Welt. Es heißt, er sei unserem schlafenden Ebenbild nachempfunden: ein pausbäckiges Gesicht, die Augen geschlossen, die Lippen geschürzt, den Kopf leicht in den Nacken gelegt. Nun, ihre Wahl lag nicht unbedingt auf der Hand: Obwohl meine Eltern katholisch gläubig waren, erinnere ich mich nicht, dass die Gottesboten in irgendeiner Weise Stil-Lieblinge unserer Familie gewesen seien. Ich sehe in der Symbolik eher eine Mischung aus Südtiroler Volkstümlichkeit und Kitsch. Der Angioletto war jedenfalls ein Volltreffer, der unzählige Menschen berührte. Und der massenhaft verkauft wurde.

Damals beschäftigten wir in der Produktion in Südtirol etwa 40 Leute. Als Bub durfte ich meiner Mutter dabei helfen, die Qualitätskontrolle eines jeden Engels vorzunehmen. Das Wichtigste bei der Fertigung ist sein Gesicht. Aus einer produktiven Logik heraus hält er die Augen geschlossen, denn offene Augen wären ungleich schwieriger zu bewerkstelligen. Mit einem Holzstäbchen geht man die zwei Linien der Augen nach, akzentuiert die zwei Punkte der Nasenlöcher, und mit einem Rundstab wird der singende Mund geformt. Man hat damals im Akkord geschaffen und für jeden fertigen Engel einen gewissen Betrag bekommen. Ich habe mir große Mühe gegeben, mich dem Tempo der Profis anzunähern. Mit elf Jahren hatte ich sie endlich eingeholt und stellte bald sogar stückzahlmäßige Rekorde auf.

Der Engel wurde übrigens nicht nur zum Symbol von Thun-Keramik, sondern ist in unzähligen italienischen Häusern anwesend. Die geniale Erfindung meiner Mutter brachte finanzielle Sicherheit für die Familie mit sich. Im Süden Italiens heißt es gar: «Keine Hochzeit ohne Thun». Der Angioletto steht auf jeder guten Hochzeitsliste. Da er Handarbeit erfordert, konnte meine Familie die Produktion in Südtirol jedoch irgendwann nicht mehr aufrechterhalten und musste in niederpreisige Länder gehen, um den Verkaufspreis im Rahmen zu halten. Als sich die Wege von meinem Bruder und mir durch unterschiedliche Interessen getrennt haben, wanderte er mit der Firma nach China ab. Er führt das Unternehmen mit seinem Sohn Simon. Es fabriziert mittlerweile in Vietnam und zählt ein paar Tausend Mitarbeitende. Was über die Jahrzehnte gleich geblieben ist: Noch heute wird aus einer Gipsform die Figur entnommen.

SPIELZEUG AUS TON / BOZEN, 1956–1962

Für mich persönlich bedeutete der Thun-Engel den Ursprung meiner Beziehung zur Keramik, eine Liebesgeschichte, die immer noch andauert.

Sie begann damit, dass ich von 1956 bis 1962 mein Spielzeug ausschließlich selbst aus Ton herstellte. Als Vierjähriger machte ich die tolle Entdeckung, dass man Schildkröten in einer hohlen Hand formen kann und ihnen nur mehr fünf Extremitäten anklebt. Diesen Vorgang beherrschte ich schon früh, sodass die gepanzerten Kerlchen meine ersten tierischen Tongefährten wurden. Es gab generell noch sehr wenig Spielsachen zu kaufen, die zudem teuer und vor allem zu teuer für meine Eltern waren. Nachdem ich schön langsam eine Schildkrötengroßfamilie in meinem Zimmer beherbergte, versuchte ich mich ein paar Jahre später, etwa im Alter von sieben, an Pferdefiguren.

Pferde sind eine vielfach herausfordernde Angelegenheit, weil sie auf vier Beinen stehen und Körper und Mähne sorgfältig gestaltet werden wollen. Der kniffligen Bastelei gab ich mich leidenschaftlich und voller Konzentration bis ins Detail hin. So sind über das Modellieren von Tieren als Spielgefährten meine händischen Fertigkeiten nach und nach zu einer Qualität gewachsen.

Ich bin der einzige von etwa hundert Architekten und Designern meiner Firma Matteo Thun & Partners, der keinen Computer besitzt. Um es mit dem Schriftsteller Italo Calvino zu halten: Ich meine, synthetischer, schneller und präziser zu arbeiten mit dem Bleistift und mit dem Aquarell. Ich glaube an die «Intelligenz der Hand»: Hier führt die Hand das Hirn und nicht umgekehrt. Man macht Entwürfe aus dem Verständnis der Hand heraus, und das Hirn heißt sie nachher gut. Oder auch nicht.

Schildkröte aus Ton gefertigt

MÄRKLIN EISENBAHN / BOZEN, 1963

Die Märklin Eisenbahn hat das gesamte Spielzimmer zu Hause in Klebenstein eingenommen. Im Unterschied zu den Handwerkern, die die Schienen auf Brettern oder Platten befestigen, habe ich sie lose gehalten und spektakuläre Steigungen auf ein Sofa hoch und wieder hinunter kreuz und quer gebaut. Besonders stolz war ich auf zwei Gipsberge: Einer hatte einen Tunnel und der andere ein Schwimmbad samt Trampolin. Mit viel Geduld habe ich auf die Berge mit Baumbart ganze Waldstriche geklebt.

Meine Passion für die Eisenbahn hat begonnen, lange bevor ich ein Gleis oder eine Lokomotive besessen habe. In einem Spielzeugladen unter den Lauben hat mir meine Großmutter ein Aufgleisgerät gekauft. Mit diesem gebogenen Blech bringt man zum Beispiel eine Lokomotive auf die Schiene. Damit aufgehört hat sie, als mein kleiner Bruder aus Ärger oder Eifersucht darauf herumgetrampelt ist und die kunstvolle Anlage zerstört hat.

Ich habe alles – Lokomotiven und Waggons, Berge und Bäume, Gleise und Signale, Figuren und Material – für 60.000 Lire verkauft. Und für exakt denselben Betrag ein Flugzeug mit Fernsteuerung erworben – mit dem Ergebnis, dass die erste Landung gleich in die Hose ging und die Investition dahin war.

Seit eh und je: die Passion fürs Fliegen

HOLZ / BOZEN, 1956–2024

Mit vier Jahren, so glaubt ich, war ich ein guter Architekt. Den Grundstein dafür haben die Holzklötze von Onkel Roderich gelegt, dem älteren Bruder meines Vaters. Onkel Roderich war der Begründer von «spiel gut», einer Organisation, die es heute noch gibt. Das Siegel – ein weißer Punkt in einem roten Feld – ist eine der wichtigsten Auszeichnungen für pädagogisch wertvolles Kinderspielzeug. Mit den Holzklötzen habe ich Häuser gebaut, stabile Werke mit dicken Wänden. Mal hatten sie ein flaches, mal ein geneigtes Dach. Was mir am besten daran gefiel: Alle waren sie schön – und keine Frage des Stils. Meine Eltern haben mich motiviert und mir bestätigt, dass meine Bauten gelungen seien. Gerade meine Mutter, die selbst Architektin war, zeigte sich interessiert, was man mit Holzklötzen alles zustande bringt.

Der Mensch will ein Haus besitzen und darin schlafen, wohnen und seine Familie beheimaten. Darum gibt es so viele Einfamilienhäuser. Diese Lust habe ich von klein auf stark verspürt. Das Haus meiner Kindheit war Schloss Klebenstein, wo ich aufwuchs. Es steht am Ende der Wassermauerpromenade beziehungsweise am Beginn des Sarntales, das sich von Bozen nach Norden erstreckt. Meine Eltern konnten nur wenige Räume beheizen, und ich habe jedes Mal eine Tracht Prügel bekommen, wenn ich auf den kalten Steinböden gesessen bin. Also musste ich auf den wenigen Teppichen versuchen, meine Häuser aufzustellen. Das Schloss hat wunderbar hohe Räume, sodass mir vermutlich die Qualität der Proportionen eines Raumes bereits in die Wiege gelegt wurde. Länge, Breite, Höhe beeinflussen das Gefühl von Wohlbefinden: In einem sehr niedrigen Zimmer, das die falschen Proportionen aufweist, fühlt man sich nicht wirklich wohl. Das Gespür für diese Relation habe ich wohl im Schloss Klebenstein mitbekommen.

Viele Jahre später habe ich Architektur studiert. Damit wurde es kompliziert: Statik, Haustechnik, Gebäudelehre … Plötzlich ging der Spaß verloren, und die Entwürfe wurden unterschiedlich aufgenommen. Zum Teil positiv, zum Teil auch sehr kritisch. Die Stilfrage hat mir keine Ruhe gelassen. Die Folge war meine Flucht in den kleinen Maßstab, ins Produktdesign. Mit meinem Lehrmeister Ettore Sottsass folgten wir dem Credo holistisch zu arbeiten, sozusagen vom Löffel bis zur Stadt. Die Gesamtheitlichkeit dieser «Mailänder Schule» ist mir geblieben. Ebenso die Devise, stets ohne Nostalgie nach vorne zu schauen sowie simpel, leicht und dauerhaft zu denken und zu schaffen.

Heute mit 71 Jahren finde ich mich wieder bei den Ursprüngen, die ich bereits Mitte der 1950er-Jahre als Junge beherrscht habe. Anstatt mit Holzklötzen baue ich mit runden Baumstämmen, schichte sie übereinander für eine äußerst schlichte Konstruktion, die einfach in der Wahrnehmung ist. Das Projekt heißt Jungle Village und wird gerade in Bayern verwirklicht. Es bedeutet die Rückkehr zur totalen Einfachheit. Dort angekommen, gibt es keine Stilfrage mehr: Es steht überhaupt nicht mehr zur Diskussion, ob eine minimalistische Konstruktion schön ist oder nicht. Es gefällt. Punkt. Man denke nur an das Parthenon in Athen! Niemand stellt seine Schönheit infrage.

Die absolute Reduktion auf das Wesentliche berücksichtige ich neben der Architektur und dem Design auch in anderen Lebensbereichen. Obwohl es eine ungleich größere Herausforderung ist als die Komplexität. Genauso, wie Platon leichter zu lesen ist als Heidegger. Und eventuell schwieriger zu verstehen.

Holz ist nicht nur aufgrund der Nachhaltigkeit das Material, auf das ich seit 1990 zurückgreife. Es ist der Baustoff des 21. Jahrhunderts. Bereits mein erstes Fertighaussystem bestand zu 100 Prozent aus Holz. Eisen-Beton-Gebäude wirken wie ein Faraday-Käfig, indem sie keine Einwirkungen von externen Wellen zulassen. Diese bereichern und vitaminisieren uns permanent aus dem Weltall auf der Erde. Holz sorgt für ein optimales Raumklima, eine gute Isolation und eine angenehme Akustik. In puncto Wohnhygiene weiß man, dass etwa die Herzfrequenz ebenso positiv beeinflusst wird wie der Schlaf.

Parallel zum Jungle Village plane ich eine Örtlichkeit zur Selbstfindung in den Alpen, die seit Frühjahr 2024 entsteht. Es ist ein Geschenk an Jorge Bergoglio, besser bekannt als Papst Franziskus. Und natürlich wird alles aus Holz gefertigt.

Holzklötze

Castel Thun im Nonstal

CASTEL THUN, TANTE TERESINA / NONSTAL, 1956–1966

Castel Thun, das Familienschloss im Nonstal, gehörte meiner Großtante Teresina. Ihr Sohn, mein Onkel Zdenko, war nicht der Schönste. Bereits im Alter von 16 hatte er den Ruf eines Playboys, der als erster Mann im Nonstal ein Auto besaß. Damit ist er über die staubigen Straßen nach Castel Thun hochgerast. Die Bauern sind vor dem heranpreschenden Flitzer geflohen und haben sich mit dem Schrei «Arriva il Conte! Arriva il Conte!» in Sicherheit gebracht. Eine Hiobsbotschaft, die durch die Gegend klang.

Onkel Zdenko gab mir in der ersten Klasse Volksschule einen Rat. Der lautete: «Die Addition und die Subtraktion wirst du schaffen. Die Multiplikation wirst du in einem Jahr schaffen. Aber lass die Hände von der Division, die wirst du nie begreifen.» Das habe ich mir gern gemerkt.

Tante Teresina hat uns Kindern stets Campari Soda servieren lassen, weil sonst in der Schlossküche nichts anderes vorrätig war. Meine Mutter versuchte ihr klarzumachen, dass Kinder keinen Campari trinken. Aber das war ihr einerlei, und wir verbrachten eine unbeschwerte Zeit auf Castel Thun. Wir haben in unterirdischen Gängen Verstecken oder Räuber und Gendarm gespielt. Im Winter waren nur zwei Räume beheizt, die Küche und das Esszimmer, dafür gab es eine stattliche Sammlung von Kutschen – Onkel Zdenkos Passion. Er hat dafür sogar ein eigenes Museum aufgebaut. Doch um dieses Flair für Kutschen zu finanzieren, verlor er sukzesessive alle Güter. Die Tragödie war vollkommen, denn seine Mutter hatte ihm nahegelegt, er sei mit dem Schloss verheiratet, und demzufolge war er Junggeselle geblieben.

Schließlich bot Onkel Zdenko meinem Vater Castel Thun zum Kauf an mit der Anmerkung, er müsse als Erstes das Dach renovieren lassen. Die Instandsetzung hätte damals 64 Millionen Lire gekostet. Für denselben Betrag wollte mein Vater jedoch kurze Zeit später die Thun Keramik aufbauen, entschied sich also gegen den Kauf. Das Schloss ging an den Staat und ist heute ein sehenswertes Museum.

DER SCHULWEG / BOZEN, 1959–1963

Wir wohnten im Schloss Klebenstein, dem Anwesen am Ende des Sarntales. Von dem ehrwürdigen Bau aus teilt die Wassermauerpromenade Bozen in den deutschen Teil (die Altstadt) und den italienischen Teil (Gries). Sie erstreckt sich entlang der Talfer, um die zu beiden Seiten des Flusses gepflanzten Weinreben zu schützen. Für uns führte sie kerzengerade direkt zur Goetheschule. Am Morgen kurz vor 8 Uhr sind mein Bruder und ich auf unsere Fahrräder gestiegen und haben mit Rückenwind von Klebenstein nur wenige Minuten bis zur Volksschule gebraucht. Trotzdem trafen wir während der kurzen Strecke auf allerlei Gestalten und erlebten kleine Abenteuer, die wir in unserer Fantasie aufbliesen und ausschmückten. Zum Beispiel jenes vom Sommer 1960, als wir einen Clochard erspähten, der auf einer Bank an der Promenade die Nacht verbracht hatte. Wir Lausbuben sind schnurstracks zu ihm hin und haben ihn erschreckt, indem wir ihm laut in die Ohren gebrüllt und schnell auf unseren Rädern die Flucht ergriffen haben.

Im Laufe des Vormittags absorbierte uns der Unterricht, sodass wir den Streich vergaßen. Doch als wir auf der Rückfahrt die Wassermauerpromenade erreichten, stellte sich der Clochard uns in den Weg. Er sah furchteinflößend aus mit seinem langen schwarzen Mantel, fuchsteufelswild und bereit, es uns heimzuzahlen. Wie durch ein Wunder sind wir ihm entwischt. Den ganzen Tag haben wir vor Angst gezittert, denn es hätte ordentlich Backpfeifen geregnet, hätte der erboste Mann uns erwischt. Das war nur eines der vielen Erlebnisse auf der Wassermauerpromenade, aber ein besonders eindrückliches.

An der Schulzeit sind bekanntlich die Pausen besonders beliebt. Wir spielten auf dem Platz vor dem Gebäude mit Murmeln oder dem Fußball. Bei dem bübischen Eifer – die Goetheschule besuchten nur Jungen – zerbrach ein Fußball einmal die Fensterscheibe von meinem Großonkel, der schräg gegenüber im Palais Toggenburg gewohnt hat. Das Malheur weitet sich zur Familienaffäre aus, und mein Bruder und ich mussten uns offiziell beim Onkel, dem einzig lebenden Fürst Thun, entschuldigen. Obwohl der über 80 und um die kaputte Scheibe nicht allzu besorgt war.

Zwar gingen wir auf eine deutsche Volksschule und unser Haus lag im deutschen Teil von Bozen, doch mein Bruder und ich sprachen von klein auf Deutsch und Italienisch. Ich fand es bereichernd, dass sich unser Freundeskreis aus beiden Kulturen zusammensetzte. In meiner Kindheit und Jugend wurden Italiener immer noch von vielen Deutschen gemieden. Bei uns daheim hatten wir keine Ressentiments. Und ab der zweiten Klasse hatten wir auch Italienisch als Unterrichtsfach.

Das Franziskanergymnasium befand sich in unmittelbarer Nähe. Doch von der glücklichen Realität meiner ersten fünf Schuljahre war es weit entfernt.

Matteo und Peter Thun auf der Wassermauerpromenade Peter und Matteo

Matteo, Schulkollegen und Patres des Franziskanergymnasiums Matteo Thun: zweite Reihe, vierter von links

FRANZISKANERGYMNASIUM / BOZEN, 1963–1964

Auf dem Franziskanergymnasium war ich außerordentlich unglücklich. Die Patres im Franziskanerkloster, die zugleich als unsere Lehrer fungierten, hatten schnell verstanden, dass ich sie schlicht und einfach nicht mochte. Ich habe ihre Lebenshaltung nicht geteilt. Also sollte ich einen Leidensweg beschreiten. Zu meinen wenigen Lieblingsfächern zählte Griechisch, vor allem das Schreiben bereitete mir Freude. Allerdings war mein Griechischlehrer Pater Ludwig gleich hoch wie breit und überhaupt nicht auf meiner Seite. Jeden Montag um 8.30 Uhr prüfte er mich, wissend, dass ich nichts weiß. Und so hat er mich jeden Wochenbeginn vor der gesamten Klasse blossgestellt.