Storytelling - Chris Regez - E-Book

Storytelling E-Book

Chris Regez

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Beschreibung

Viele Country-Songs erzählen eine Kurzgeschichte in drei Minuten. Mit dem Inhalt gehen sie direkt in die Herzen der Musikfans. Dank diesem «Storytelling» eignen sie sich perfekt als «Stoff» für Musikvideos, Bücher oder ganze Filme. In seinem neuen Buch hat Chris Regez die Texte seiner eigenen Songs (Original-Songs) in Kurzgeschichten umgewandelt. Als Grundlage diente immer die Geschichte der Songtexte, die er zu Kurzgeschichten ausgebaut hat. Das Buch enthält die Kurzgeschichten der folgenden Songs: - Never without his guitar - Here for you - I hate parties - Remember the time - Chill out - Someone to trust - I loved you already Das Buch enthält immer den Original-Songtexttext, die Kurzgeschichte sowie den QR-Code zum Anhören des Songs auf Spotify sowie den QR-Code zur Chris Regez Playlist auf Spotify. Der Autor und Musiker spielt seine Songs bei seinen Live-Konzerten und sie sind bei Spotify und anderen Streaming-Diensten (z.B. Apple Music, Deezer und Tidal) abrufbar. Chris Regez reiste im Alter von 21 Jahren erstmals nach Nashville. Dort lernte er Musiker, Produzenten und Songschreiber kennen. Seither hat er 10 CDs veröffentlicht, wovon er 5 in Nashville produzierte.

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Buch

Viele Country-Songs erzählen eine Kurzgeschichte in drei Minuten. Damit gehen sie direkt in die Herzen der Musikfans.

Dank diesem «Storytelling» eignen sie sich perfekt als «Stoff» für Musikvideos, Bücher oder sogar für ganze Filme.

Im vorliegenden Buch hat Chris Regez eine Auswahl seiner eigenen Songs in Kurzgeschichten umgewandelt. Als Grundlage dienten dabei die Texte seiner eigenen Songs.

Das Buch enthält immer den Originalsongtext, ein passendes Bild, die Kurzgeschichte sowie den QR-Code zum Anhören des Songs auf Spotify und den QR-Code zur Chris Regez Playlist.

«Three Chords And The Truth» (Harlan Howard)

****

Inhalt

Never without his guitar

Here For You

I hate parties

Remember the time

Chill out

Someone to trust

I loved you already

Never without his guitar

1. Late one day on a Sunday afternoon I met a sweet lady her name is June She saw me after church playing in a band The songs we were singing reminded her of him

2. She’s 80 years old, still full of life Her hands in the air and tears in her eyes Every song I played brought memories back alive She had a story to tell about a man who died

Ch: John was a wild man but a poet at heart You wouldn’t find him anywhere without his guitar John was her man for 40 years till he passed She still got his guitars And beautiful memories that last

3. Late one day on a rainy Saturday She showed me all the guitars John used to play June handed me his favourite one, Said keep it if you like I don’t need it anymore but I wish he could come back

Songwriter: Chris Regez & Michael Farris © 2024

Never without his guitar

Dieser Song ist noch so neu, dass er erst als Demo-Version existiert. Sobald er fertig ist, wirst du ihn ebenfalls in der Playlist finden.

QR-Code zum Anhören der gesamten Playlist von Chris Regez auf Spotify

Die Herbstsonne hing tief am Himmel und warf lange Schatten über den Vorplatz der Kirche, während die Menschen nach dem Sonntagsgottesdienst langsam auseinanderströmten. Zusammen mit meiner Band hatte ich die Soundanlage für unser Matinéekonzert vor einigen Minuten fertig aufgestellt.

Wie immer platzierten wir unsere Anlage unter der grossen Eiche. Das war der ideale Ort für unser Sonntagskonzert. Dort befand sich sogar ein Stromanschluss, der von der Stadt vor einigen Jahren extra für Live-Events eingerichtet worden war.

Ich stimmte meine schwarze Takamine-Gitarre und blickte auf die Setliste mit den Songs, die wir spielen würden.

Nach einem kurzen Soundcheck erblickte ich sie. Die Frau war klein und ihr silbernes Haar war hochgesteckt. Sie ging an einem Stock. Trotzdem erkannte ich etwas Lebendiges in ihr und trotz ihres Alters wirkte sie noch nicht altersmüde oder abgekämpft. Nur das Gehen schien ihr Mühe zu bereiten.

Die Frau kam auf mich zu und blieb nur ein paar Meter von mir entfernt stehen. Sie beobachtete mich aufmerksam, wie ich den Gurt meiner Gitarre zurechtrückte.

«Hallo, spiel mir bitte einen Song von Tim McGraw», sagte sie freundlich. Ihre Stimme war leise, aber fest.

Ich nickte und nach einigen Minuten begannen wir das Konzert. Nach mehreren Songs von anderen Künstlern fingen wir an, einen Tim McGraw Song zu spielen. Weitere Passantinnen und Passanten waren inzwischen ebenfalls stehen geblieben und kamen ebenfalls näher. Nach dem Tim McGraw-Song spielten wir einen alten Gospel-Song. Dann folgten ein paar Country-Klassiker.

Die Frau hatte sich inzwischen auf eine Parkbank in unmittelbarer Nähe der Eiche gesetzt. Ihre Hände waren gefaltet und sie hörte aufmerksam zu. Während wir spielten, bemerkte ich, wie sie sich plötzlich Tränen aus den Augen wischte.

Als wir fertig waren, stand sie auf und kam langsam auf mich zu. Ihre Augen waren vom Weinen gerötet. Trotzdem lächelte sie mich an.

«Danke», hauchte sie. «Mit all deinen Songs hast du mich an John erinnert.»

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber sie schien keine Antwort von mir zu erwarten.

«Mein Name ist June», stellte sie sich vor. «Ich bin achtzig Jahre alt und habe bis jetzt ein angenehmes Leben gelebt. Mal abgesehen von ein paar Ups und Downs. So, wie wir sie alle haben.»

Nach einer Pause zeigte sie auf meine Gitarre und sagte: «Es ist etwas an deiner Art, Gitarre zu spielen, sie zu halten und zu singen, das mich an ihn erinnert.»

Ihre Stimme zitterte leicht. Sie schaute intensiv auf meine Gitarre. Dabei hatte ich das Gefühl, dass sie jemand anderen sah. Als sie ihren Kopf wieder hob und mir in die Augen schaute, blickte ich sie fragend an.

Sie verstand meinen Blick. «John», sagte sie nur. Nach einer kleinen Pause sagte sie lächelnd: «Er war mein Mann. Mein wilder Mann. Mein Musiker und Dichter.»

Sie lächelte. Dann schüttelte sie den Kopf und blickte mich mit ihren blauen Augen intensiv an: «Er war immer mit seiner Gitarre unterwegs. Er nahm sie überall mit hin. In Bars, ins Flugzeug, ja sogar zu unserer Hochzeit. Er war ... einzigartig.»

Ich lehnte mich leicht vor, jetzt neugierig. «Was ist mit ihm passiert?», fragte ich vorsichtig.

June seufzte tief und ihre Finger berührten die Perlenkette, die an ihrem Hals hing. «Er ist vor zehn Jahren gestorben. Ganz plötzlich. Ein Herzinfarkt. Wir waren vierzig Jahre lang verheiratet gewesen.»

Sie kämpfte mit ihrer Stimme und räusperte sich. Dann sprach sie leise weiter. «Vierzig Jahre voller Musik, Lachen und ein bisschen Chaos.»

Sie lachte. Für einen kurzen Moment konnte ich mir vorstellen, wie June damals gewesen sein musste.

Jung und mit leuchtenden Augen, feurig und über beide Ohren verliebt.

«John konnte fast alles spielen», sagte sie. «Country, Blues, Rock ’n’ Roll. Aber für ihn war Musik nicht einfach nur Musik. Die Musik bedeutete ihm mehr als alles andere. Sie war sein Leben, seine Passion. Er schrieb Lieder. Er schrieb sogar Gedichte. Mit seiner Gitarre und seiner Musik konnte er Dinge sagen, die er mit Worten allein nicht ausdrücken konnte.»

Ihre Stimme zitterte leicht, als sie weiterfuhr: «Meinen Mann habe ich leider nicht mehr an meiner Seite. Nur noch seine Gitarren. Sieben an der Zahl. Ich brachte es bis jetzt nicht übers Herz, sie wegzugeben. Sie stehen noch alle an ihrem Platz. So wie er es gern hatte. Sie sind alles, was ich von ihm noch habe. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich könnte ihn noch immer spielen hören. Aber das ist natürlich nur Wunschdenken. Auch heute noch, nach zehn Jahren, vermisse ich ihn in jeder Sekunde des Tages. Und nachts ist es am schlimmsten.»

Wir gingen zur Parkbank und setzten uns. Für einige Momente sassen wir schweigend da, während der Herbstwind die Blätter über uns rascheln liess. Und wieder entdeckte ich neue Tränen auf Junes Wangen.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich reichte ihr ein Taschentuch. Ihre Geschichte berührte mich sehr. Ich spürte eine Art Ehrfurcht vor dem Leben, das sie mit John gelebt hatte. Und zugleich Bewunderung für die Liebe, die sie mit ihm geteilt hatte, und Bewunderung für die Musik, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog.

«Könntest du noch ein Lied spielen?», fragte sie plötzlich.

«Natürlich», sagte ich. «Hast du einen Wunsch?»

Sie lächelte. «Spiel etwas Wildes. Etwas, das John gefallen hätte.»

Ich nahm meine Gitarre und begann, einen rockigen Country-Song zu spielen. Ich spielte nur für sie – ohne meine Band. Dabei schloss June die Augen, hob die Hände und bewegte sie im Takt über ihrem Kopf.

Weitere Tränen liefen über ihr etwas faltiges Gesicht. Trotzdem erkannte ich ein leichtes Lächeln. Woran sie wohl gerade dachte?

Für ein paar Minuten fühlte es sich an, als wäre John bei uns. Ich stellte mir vor, wie er dort stand. Ein junger Mann mit einem Lachen im Gesicht, während er aus vollem Herzen Gitarre spielte und dazu sang.

Als das Lied fertig war, stand June auf. Ihre Augen strahlten. «Danke», sagte sie. Ihre Stimme war jetzt wieder gefasst. «Mit deiner Musik hast du heute etwas in mir ausgelöst. Ein Stück von ihm ist dank dir wieder lebendig geworden. Lebendiger als in all den Jahren, in denen er nicht mehr unter uns ist.»

Sie streckte ihre Hand aus und ergriff meine. Dann blickte sie mich an und sagte eindringlich: «Versprich mir, niemals mit Spielen aufzuhören. Die Welt braucht mehr Musik wie deine.»

Als sie langsam davonging, ihr Stock klopfte dabei leise auf dem Kopfsteinpflaster, stand ich noch eine Weile da und überlegte. Dann legte ich meine Gitarre in den Koffer. Obwohl ich John nie kennengelernt hatte, dachte ich an das Leben, das er geführt hatte, an seine Musik und die Liebe, die er hinterlassen hatte.

Ich dachte auch an June. 80 Jahre alt und noch voller Leben. Mit all den Erinnerungen an John, die sie durch ihr Leben begleiten und ihr Kraft geben. Wie eine Melodie, die nie vergeht.

An diesem Tag schwor ich mir, die Musik niemals für selbstverständlich zu nehmen. Denn das Beispiel von John und June zeigte mir eindrücklich, dass Musik mehr als nur ein Klang ist. Sie ist die Sprache der Seele und der Klang des Herzens.

Für viele Menschen ist Musik unverzichtbar. Ein Leben ohne Musik? Undenkbar! Und manchmal ist Musik sogar das Einzige, auf das man sich verlassen kann. Ein einzelner Song kann uns das Leben lang an bestimmte Dinge erinnern. Manchmal kann ein Song sogar mehr ausdrücken als tausend Worte und in schwiergen Momenten kann er Trost und Hoffnung spenden. Das ist etwas, das nur die Musik schafft.

Am nächsten Sonntag spielten wir wieder unter der Eiche bei der Kirche. Als wir fertig waren und alles Equipment eingepackt war, kam June wieder auf mich zu. Sie trug einen weichen blauen Pullover und eine Halskette mit einem kleinen silbernen Medaillon. Ihr Stock klopfte sanft auf das Pflaster, während sie auf mich zuging. Auf ihrem Gesicht war ein Lächeln zu sehen.

Ich hatte sie im Publikum nicht entdeckt, da sie wohl zu weit weg gestanden hatte, als wir unser Konzert spielten.

«Danke nochmals für letzte Woche und die Songs von heute», sagte sie. Ihre Augen strahlten und es bildeten sich kleine Lachfältchen. «Deine Musik bedeutet mir sehr viel. Das musst du wissen.»

«Es war mir ein Vergnügen», antwortete ich lächelnd und gestand ihr: «Deine Geschichte … ich habe die ganze Woche lang daran gedacht.»

«Nun», begann sie mit einem Glitzern in den Augen, «wenn du nächsten Samstagnachmittag Zeit hast, würde ich dich gerne auf einen Tee einladen. Besuche mich bei mir zu Hause. Ich habe eine Überraschung für dich.»

«Womit willst du mich überraschen?», fragte ich.

Lächelnd antwortete sie: «Das kann ich dir jetzt nicht verraten, sonst ist es ja keine Überraschung mehr!»

Am folgenden Samstag fuhr ich zu ihrem Häuschen am Stadtrand. Ihr Zuhause hatte bestimmt schon fünfzig Jahre auf dem Buckel. Es war ein kleines Haus, versteckt hinter hohen Bäumen und umrahmt mit etwas Rasen auf jeder Seite. Der perfekt gepflegte Rasen sah aus wie das Green auf einem Golfplatz.

June begrüsste mich mit einem warmen Lächeln. Dann bat sie mich, ihr zu folgen. June unterliess unnötigen Smalltalk. Wir gingen einen schmalen Flur entlang. Vor dem grössten Foto an der Wand blieb sie stehen und zeigte darauf. Sie erklärte: «John mit seiner Gitarre. Ich daneben. Da waren wir noch jung, wild und schön.»

Schliesslich blieb sie vor einer Tür stehen, öffnete sie und sagte leise, schon fast ehrfürchtig: «Hier hat er sie aufbewahrt.» Dann traten wir ein.

Ich entdeckte ein Tablett mit Eistee und Keksen auf einem kleinen Tisch. Und ich sah sie, die Gitarren.

Der Raum sah aus wie ein Gitarrenmuseum. Sieben Gitarren in allen Formen und Grössen hingen an den Wänden oder standen auf Ständern. Drei Elektrogitarren und vier Akustikgitarren mit Stahlsaiten. Ein paar alte Notenbücher und handgeschriebene Texte lagen auf einem Schreibtisch am Fenster. Sonnenlicht fiel herein und beleuchtete die Gitarren.

June ging zu einer der Gitarren, ihre Hände schwebten darüber, als würde sie einen alten Freund begrüssen. Es war eine abgenutzte Akustikgitarre der Marke Martin. Ihr einst glänzender Lack war durch jahrelangen Gebrauch matt geworden. Behutsam hob sie June aus dem Ständer und hielt sie mir entgegen.

«Das war seine Lieblingsgitarre» sagte sie leise. Dabei zitterte ihre Stimme leicht. «Er spielte sie jeden Tag. Nimm sie. Ich schenke sie dir. Ich kann nichts mehr damit anfangen.»